Tür nach Idlib steht weit offen

Mit der Befreiung des an der Autobahn von Damaskus rund 20 Kilometer vor Aleppo gelegenen ICARDA-Geländes steht der syrischen Armee der Weg zurück in die Provinz Idlib offen.

Die letzte Karte von @PetoLucem vom Freitag zeigt, dass die syrische Armee seit der Befreiung der Terroristenhochburg Al Hadher am Donnerstag binnen 24 Stunden rund zehn Kilometer nach Westen vorangekommen ist:

Die Terrorbanden von Al Kaida, FSA und Co haben offensichtlich kein Mittel gegen das Vorrücken der syrischen Armee durch das weite und offene Gelände gefunden und die Front der Terroristen südwestlich von Aleppo ist regelrecht kollabiert. Deutlich zu sehen ist auf der Karte, dass das weite und offene Gelände auch westlich der Autobahn Damaskus-Aleppo so weitergeht. Das Gelände ist also günstig für die syrische Armee und ihre Partner, um über die Autobahn hinweg weiter nach Westen in die Provinz Idlib hinein vorzurücken. Die ganze rund 30 mal 30 Kilometer große Idlib-Ebene steht der syrischen Armee damit offen, etwa der Weg nach Killi im Nordosten der Ebene, der Weg nach Atarib und zur nahegelegenen Armeebasis des 46. Regiments im Norden der Ebene, der Weg zur Stadt Idlib im Südwesten der Ebene und natürlich auch der Weg nach Sarakib im Südosten der Ebene.

In den Ortschaften innerhalb der Idlib-Ebene befinden sich viele Hochburgen und Zentralen unterschiedlicher Terrorgruppen, deren Bedeutung weit über die Idlib-Ebene hinausreicht. Orte der Idlib-Ebene wie Binnish, Taftanaz, Atarib, Sarmin und Afis waren von Anfang an ein Kraftzentrum des terroristischen Regime-Change-Versuches in Syrien. Weiterhin befindet sich in der Idlib-Ebene die regierungstreue Enklave um Foua herum, wo viele der von den Terroristen verfolgten Angehörigen religiöser Minderheiten aus der Gegend Schutz gesucht und gefunden haben.

Die syrische Armee hat nun freie Auswahl in der Wahl der Reihenfolge und Geschwindigkeit, um die Idlib-Ebene zu befreien, und praktisch jedes befreite Dorf wird da ein Volltreffer und ein schwerer Schlag gegen den Terror sein, der die Moral und Kampfkraft der Terroristen weiter untergräbt. Und sollte die syrische Armee anschließend auch noch das nordwestlich angrenzende Tal von Ad-Dana und die südwestlich angrenzende Rouj-Ebene befreien, wäre damit dann auch endlich die nordwestliche Grenze zur Türkei dicht für jeglichen Nachschub für die Terroristen. Das erscheint durchaus machbar und angesichts der rapiden Erfolge der syrischen Armee in den vergangenen Tagen muss das nicht mal länger als einige Wochen dauern.

12 Gedanken zu “Tür nach Idlib steht weit offen

  1. Sehr gute Arbeit von der SAA und vor allem der russischen Berater und Luftstreitkräte.

    Danke an die Redaktion für die ausgezeichneten Wochenendnachrichten!

    1. Bei aller Euphorie: Aleppo kann nur über eine Wüstenstraße versorgt werden, die ja vor kurzen erst 12 Tage blockiert war. Je weiter man nach Westen marschiert, desto mehr Güter werden benötigt (Nachschub) und die Wege werden länger.
      3 Wege sind wohl möglich:
      Truppen von Aleppo und der Küste rücken gemeinsam Richtung Idlib. Da die Terroristen wenig Interesse daran haben dürften, wäre eine sichere Versorgung eher unwahrscheinlich.
      Die 2 Variante Man schafft eine direkte Verbindung zwischen Hama und Aleppo am Besten über die Autobahn. Das ist wohl eher utopisch.
      Der 3 Weg, die Verbreiterung des Korridors im Südosten von Aleppo, das würde aber Kräfte binden, die man für die Ausbreitung in der Idlib-Ebene braucht.
      Nun ja die: Wir wurden in letzter Zeit von interessanten Taktiken überrascht, mal sehen womit man uns jetzt überrascht.

      1. @Lutz
        Warum steigt der Nachschubbedarf beim Marsch nach Westen? Abgesehen vom erhöhten Treibstoffbedarf der Versorgung.

        Im übrigen: ohne genaue Ortskenntnis und über die Verteilung der beiderseitigen Kräfte ist nicht nur müßig über den „richtigen“ Weg zu spekulieren sondern schlichtweg Unsinn. Das machen nur Aushilfs- und Biertischstrategen.

      2. Lutz

        Die Länge der Nachschubwege im Südwesten von Aleppo ist für die syrische Armee kein Problem. Da kommt es auf 30km mehr oder weniger nicht an. Hauptsache ist, dass die Wege sicher sind, und das sind sie, nicht zuletzt deshalb, weil Russland die Lufthoheit über Syrien hat, und ein wirklich breites Gebiet mit guter Anbindung an bisher schon vor der Regierung gehaltene breite Gebiete südlich von Aleppo befreit wurde.

        Was aber ein Problem beim schnellen Vormarsch ist, ist das halten und sichern des großen befreiten Gebietes. Hier setzt die Regierung auf die schnelle Rückkehr einer staatstreuen Bevölkerung in die befreiten Gebiete, die die Armee bei Infiltrationsversuchen von Terroristen alarmiert. So hat der Governeur von Aleppo etwa die Bevölkerung von Al Hadher schon einen Tag nach der Befreiung der Stadt durch die Armee dazu aufgerufen, umgehend in die Stadt zurückzukehren. Das ist der wirklich kritische Punkt bei der Offensive. Wenn das ausreichend klappt, ist es gut, aber wenn die Bevölkerung nicht zurückkommt oder die zurückgekehrte Bevölkerung heimlich mit den Terroristen sympathisiert, dann wären das fatale Probleme. Gegenwärtig sieht es aber so aus, dass es gut ist: die Bevölkerung ist inzwischen ziemlich „revolutionsmüde“ und Millionen von Syrern sind in den letzten Jahren als Binnenflüchtlinge in von der Regierung gehaltene Gebiete geflüchtet, und die nun zurück nach Hause in die vom Terrorismus befreiten Orte gehen können.

        Das unterscheidet auch die gegenwärtige Offensive der Armee von ähnlichen Unterfangen anderswo früher, etwa 2012. Die Bevölkerung hat inzwischen die Nase von Terror und Revolution gestrichen voll, und deshalb kann die Armee, praktisch egal wo sie hingeht, einmal befreite Gebiete nun auch dauerhaft und mit geringem Aufwand halten. Das war vor einiger Zeit an einigen Orten in Syrien noch ganz anders.

      3. Am Nachschubproblem sind schon große Armeen gescheitert.
        Man hat ja eher ländliche Gebiete befreit, damit ist die Notwendigkeit zum Nachschub von Lebensmitteln wohl geringer sein wie in der Großstadt Aleppo, aber es gibt es ja auch andere Bedürfnisse der Zivilbevölkerung und wenn man Sie zurück haben will in die befreiten Gebiete, müssen Sie vernünftig versorgt werden, sonst kommen Sie nicht. Schön man hat ein Kraftwerk erobert, aber ohne Öl kann man keinen Strom erzeugen. Sie brauchen Baumaterial um die Häuser auf zu bauen, sie brauchen neue Maschinen, kurz man braucht fast alles.
        Und je weiter man nach Westen geht, desto größer wird das Gebiet, desto größer wird der Bedarf, desto mehr Transportbedarf besteht….
        Aber auch militärisch. Man braucht Munition, Treibstoff, Ersatz für Fahrzeuge, die zerstört wurden. Auch zeigen die Videos aus der Region, das man bewegliche Truppen braucht. Truppenverlegungen über die Autobahn von der Region Hama nach Aleppo kein Problem, über die sicheren Wege heute praktisch unmöglich.
        Wer solche Probleme für unwichtig hält, sollte vielleicht mal den Stammtisch wechseln.
        Oder warum ist es wohl ein so großer Erfolg, das die Regierungsarmee die M5 erreicht hat, wenn Transportprobleme so völlig unwichtig sind?

      4. Lutz

        Ich glaube, du hast ein falsches Bild von der Lage. Ich bestreite gar nicht, dass an Nachschubproblemen schon ganz andere große Armeen gescheitert sind. Bei der Offensive der syrischen Armee südwestlich von Aleppo dürfte das jedoch das geringste Problem sein.

        Die Nachschublinie von Hama nach Aleppo durch die Wüste via Ithriya funktioniert seit rund zwei Jahren weitgehend störungsfrei. Darüber werden seit über zwei Jahren rund zwei Millionen Menschen in den von der Regierung beherrschten Gebieten Aleppos versorgt, mit allem was sie brauchen, etwa Nahrung, Öl und Geräten, und ebenso werden darüber sämtliche Truppen, die Aleppo halten, mit Allem versorgt, was diese brauchen, angefangen von Munition über Rotationstruppen bis hin zu schweren Waffen wie Panzern und MLRS. Diese Nachschublinie hat ihre Leistungsfähigkeit in den letzten Jahren bewiesen. Versuche der Terroristen, diese Nachschublinie zu kappen, haben sich, so auch kürzlich wieder, als kurzlebig und kostspielig für die Terroristen erwiesen: zu groß ist der Vorteil der syrischen Armee im Wüstengebiet, durch das diese Linie läuft. Über diese Linie zusätzlich zu den rund zwei Millionen Einwohnern West-Aleppos noch 10.000 oder 50.000 Menschen zu versorgen, die in das befreite Gebiet südwestlich von Aleppo zurückkehren, dürfte da kaum ins Gewicht fallen, und das gleiche gilt für die Truppen, die an der Front südwestlich von Aleppo kämpfen.

        Von der Stadt Aleppo bis zur Front im Südwesten der Provinz sind es nur ein paar Kilometer, etwa 30, vielleicht auch 50, und die Strecke führt da durch weiträumig gesichertes Gebiet. Solch kurze und sichere Wege sind kein besonderes logistisches Problem für eine Armee.

        Dass das „wohl ein so großer Erfolg“ sei, dass „die Regierungsarmee die M5 erreicht hat,“ weil das wichtig in Bezug auf Nachschub wäre, ist deine Behauptung. Hier im Parteibuch wurde die Behauptung nicht aufgestellt. Die syrische Armee kann mit drei isolierten Kilometern Autobahn für ihre eigene Logistik natürlich überhaupt nichts anfangen.

        Und mit dem Erreichen der M5 beim ICARDA-Gelände wird auch der Nachschub für die Terroristen nicht gekappt. Die Terroristen haben noch eine Reihe anderer Nachschubwege östlich und westlich der Stadt Idlib von der türkischen Grenze bis zu den Fronten im Süden der Provinz Idlib und im Norden der Provinz Hama. Die Autobahn mag da in manchen Fällen etwas schneller sein als die Landstraße, aber dieser Nachteil ist für die Terroristen minimal.

        Was das Erreichen der M5 für die syrische Armee natürlich dennoch ist, ist, dass es ein symbolträchtiger Meilenstein ist. Es ist damit unverkennbar: die syrische Armee kommt an der Front kräftig vorwärts. Und weiterhin eröffnet das Erreichen dieses Meilensteins der syrischen Armee, wie hier im Artikel beschrieben, die Perspektive weiter nach Westen in das Kernland der Provinz Idlib einzudringen. Wenn das klappt, dann kann es endlich auch tatsächlich eng werden mit den Nachschublinien der Terroristen aus der Türkei.

  2. Für die Updates der letzten Tage möchte ich mich hier auch bedanken. Der in diesem Artikel gezeigter Siegesrausch finde ich jedoch noch etwas zu früh. Auch diesmal gilt, dass schon als gewonnen gemeldete Gebiete wieder verlohren gegangen bzw. noch umkämpft sind. Zudem ist bei schnellen Landgewinnen immer die Gefahr des Flankenangriffes oder das Auftauchen von Schläferzellen, welche sich haben überrollen lassen. Auch müssen alle eroberte Gebiete erst aufwändig von Sprengfallen gesäubert werden.
    Die militärischen Fortschritte müssen noch in politische umgewandelt werden. Es ist derzeit unklar, ob mit türkischen Bodentruppen nicht plötzlich noch ein weiterer Akteur auftaucht. Zudem glaube ich nicht, dass die Regierungen der Türkei, SA und von Katar einfach zuschauen werden. Hier ist noch mit irgend einer neuen Spielkarte zu rechnen. Bis dahin wird sich hoffentlich die Anzahl der Terroristen weiterhin täglich stark reduzieren.

  3. Das ist wahrscheinlich auch der Grund für die gestrigen Anschläge in Paris…ein freies Syrien ,das wirtschaftlich mit Russland zusammenarbeitet,ist in den geopolitischen Strategien der USA undenkbar…
    …mittlerweile weiß man wer die IS finanziert,aufgebaut,unterstützt ,und auch jetzt beim Rückzug in Syrien logistisch weiterhilft …
    …Mögliches Szenario(wie schon bei 9/11);der “Krieg gegen den Terror “wird wieder entfacht/neue Offensive gestartet um Syrien nach transatlantischen Wunschvorstellungen weiterhin zu “demokratisieren”

  4. ICARDA ist (oder war) eine in Syrien agierende NGO, die sich nach außen hin mit landwirtschaftlichen Forschungen befaßt hat. Tatsächlich aber waren auch in Syrien hauptamtliche USA-Beamte beschäftigt, so daß der Verdacht nicht von der Hand zu weisen ist, daß dort auch der CIA seine schmutzigen Hände im Spiel hatte.

  5. Ja, sah ja alles wunderbar aus, nur hat die Politik wohl andere Prioritäten gesetzt. Nach dem Abschuss über den Sinai scheint der Hauptfeind nur noch der ISIS zu sein. Die Prioritäten sind Schaffung einer Sicherheitszone um den Militärflughafen von Aleppo, um diesen nutzen zu können und anschließend zum Euphrat vor zu rücken. Russen, Amerikaner und Franzosen wollen wohl so schnell wie möglich Raqqah einnehmen – man will die „Hauptstadt“. Da wird wohl Idlib auf die Truppen warten müssen, die sich bei Salma noch durch die Berge kämpfen.

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