Wer kämpft gegen wen im Jemen? (3)

Im dritten Teil der Reihe „Wer kämpft gegen wen im Jemen?“ soll es um die vom „international anerkannten“ jemenitischen „Übergangspräsidenten“ Hadi in der südjemenitischen Hafenstadt Aden installierte Gegenregierung gehen.

Im ersten Teil von „Wer kämpft gegen wen im Jemen?“ wurde die Entwicklung des Konflikts im Jemen bis zur Neubesetzung des „Obersten Sicherheitskomitees“ einen Tag nach der „Verfassungserklärung“ vom 6. Februar 2015 nachgezeichnet. Dabei wurde erklärt, dass im Jemen nicht Ansarullah, sondern die jemenitischen Sicherheitskräfte, die vornehmlich aus den Streitkräften und den paramilitärischen Kräfte des Innenministeriums bestehen, an der Macht sind. Im zweiten Teil von „Wer kämpft gegen wen im Jemen?“ wurde anhand eines genaueren Blicks auf den Anti-Terror-Kampf der jemenitischen Armee in der Zeit zwischen der „Verfassungserklärung“ vom 6. Februar 2015 und der Flucht des zurückgetretenen Präsidenten Hadi nach Aden die Verflechtung einiger Stammesmilizen mit Al Kaida beschrieben, die oft so eng ist, dass es schwer ist, zu erkennen, ob da nicht in Wirklichkeit Stammesmilizen unter der Fahne von Al Kaida oder Al-Kaida-Terroristen getarnt als Stammesmilizen gegen die jemenitischen Sicherheitskräfte kämpfen. Hier ist nun also der dritte Teil der Reihe, in dem es um die Zeit von Hadis „Gegenregierung“ in Aden geht, während der sich die Beweislage dafür verdichtet hat, dass Hadi zwar keinerlei faktische Kommandogewalt über die bewaffneten Kräfte des Staates Jemen hat, er dafür aber gemeinsame Sache mit Al Kaida macht.

Nachdem der zurückgetretene Präsident Abd Rabbuh Mansur Hadi nach Aden flüchete und, beschützt von unter der Flagge des ehemaligen Südjemen operierenden Milizionären des schillernden Ex-Al-Kaida-Feldkommandeurs Abdul-Lateef al-Sayed al-Bafqeeh, am 21. Februar 2015 in Aden an die Öffentlichkeit ging, um vom Rücktritt zurückzutreten und das Amt des Präsidenten des Jemen erneut für sich zu reklamieren, erklärte die von der saudischen Monarchie betriebene Webseite Asharq Al-Awsat die Agenda. Hadi wird Aden zur Hauptstadt des Jemen erklären und in Aden eine neue Regierung unter Führung des ebenfalls zurückgetretenen Regierungschefs Khaled Bahah bilden, hieß es da in einem Artikel unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Quellen am 23. Februar. Freilich waren da noch Probleme zu lösen, konnte man aus dem Artikel weiter erfahren. Khaled Bahah war in Sanaa und stand da unter Hausarrest, und Mitglieder der Bewegung des Südens wollten den Südjemen erneut als vom Norden unabhängigen Staat etablieren, und nicht in einem gemeinsamen Staat mit dem Nordjemen leben, auch wenn die Hauptstaat des Staates nicht mehr Sanaa, sondern Aden wäre. Im Artikel nicht genannt wurde, dass in der jemenitischen Verfassung als Hauptstadt Sanaa festgeschrieben war, und Hadi mit der Deklaration von Aden als Hauptstadt des Jemen einen offenen Verfassungsbruch begehen würde, was sein Argument, er kämpfe mit der Etablierung einer Gegenregierung in Aden gegen einen von ihm in der Verfassungsdeklaration vom 6. Februar gesehenen Verfassungsbruch durch Ansarullah, unglaubwürdig erscheinen lassen würde.

Doch noch viel größer als all das waren Hadis Probleme damit, dass keine nennenswerte politische Kraft im Jemen ihn stützte, und, damit zusammenhängend, dass er über keine schagkräftigen bewaffneten Kräfte verfügte, auf die er sich verlassen konnte. Der wesentliche Hintergrund der fehlenden politischen Unterstützung für Hadi im Jemen allgemein und insbesondere auch in Aden wird schon bei einem Blick auf seine Biografie, wie sie etwa in der Wikipedia zu finden ist, schnell deutlich. Abd Rabbuh Mansur Hadi wurde 1945 im Bezirk Wadea der östlich von Aden gelegenen und von Stammesstrukturen dominierten Provinz Abyan geboren, machte in Aden in der mit der UdSSR verbündeten südjemenitischen Volksrepublik Karriere im Militär und lief 1986 in den mit den USA Verbündeten Nordjemen über. Da machte er nach der jemenitischen Wiedervereinigung unter Präsident Ali Saleh Karriere, führte 1994 als Verteidigungsminister den Nordjemen im Bürgerkrieg gegen den Südjemen zum Sieg und wurde dafür von Ali Saleh mit dem Posten des Vizepräsidenten des Jemen belohnt, und später erhielt er auch den Posten als Stellvertretender Vorsitzender und Generalsekretär der Regierungspartei GPC. Nachdem er im Frühjahr 2012 auf Vermittlung von UNO und Saudis als Kompromiss zwischen den von Ali Saleh und Ali Mohsen geführten Konfliktparteien GPC und Islah des im Rahmen des sogenannten arabischen Frühling angezettelten Bürgerkriegs in einer Ein-Kandidaten-Wahl für zwei Jahre zum Übergangspräsidenten des Jemen gewählt wurde, positionierte Hadi sich als besonders engagierter Verfechter von US-Drohnenangriffen auf Al Kaida im Jemen. Im Sommer 2014 unternahm Hadi praktisch nichts dagegen, dass der als mächtiger Teil der Islah-Partei bekannte Ahmar-Clan in Amran von Ansarullah besiegt wurde, was die Vermutung nahelegte, Hadi habe da als Generalsekretär der GPC mit Ansarullah gegen die ihm zu mächtig gewordene Konkurrenzpartei Islah-Partei konspiriert. Im September 2014 unternahm Hadi ebenfalls wenig bis nichts dagegen, dass Ansarullah den mächtigen General Ali Mohsen, der als eine Art Schirmherr von Islah, Muslimbruderschaft und Al Kaida galt, in Sanaa bezwungen hat, und anschließend die Iman-Universität in Sanaa, eine von einem Gründer der Islah betriebene Kaderschmiede von Al Kaida und anderen Wahhabiten, schloss. Von seinen Posten als Generalsekretär und Vizepräsident des GPC wurde Hadi im November 2014 wegen parteischädigenden Verhaltens enthoben, nachdem er den UNO-Sicherheitsrat zu Sanktionen gegen seinen Parteivorsitzenden, Ex-Präsident Saleh, ermuntert hatte. Im Januar 2015 hatte Hadi dann den Verfassungsentwurf zur Aufteilung des Jemen in sechs Regionen vorangetrieben, womit er nicht zuletzt auch einen Strich durch das Ziel der besonders in Aden populären separatistischen Bewegung des Südens zu machen versuchte, den Südjemen als ein geschlossenes Gebiet vom Nordjemen abzuspalten und den früheren Südjemen als Staat wiederherzustellen.

Hadi hatte sich also bei allen wichtigen politischen Fraktionen im Jemen gründlich unbeliebt gemacht, bei seiner eigenen aus dem Norden kommenden Partei GPC, bei Islah und der Muslimbruderschaft, bei den mit Al Kaida veflochtenen wahhabitischen Stämmen im Osten und auch bei der in Aden besonders starken separatistischen Bewegung des Südens, wobei da noch erschwerend hinzu kam, dass es in der Bewegung des Südens nach wie vor einen sozialistischen Flügel gibt, der mit Wahhabismus, Islah und Al Kaida nichts zu tun haben will, und tendenziell eher Ansarullah als Saudi Arabien nahesteht. Das heißt nicht, dass es nicht eine Menge politischer Kräfte im Jemen gab und gibt, die Hadi im Vergleich zur neuen von GPC und Ansarullah gebildeten Regierung in Sanaa für ein geringeres Übel halten, aber diese sektierischen, tribalistischen und separatistischen Kräfte sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Zielvorstellungen und im Widerspruch zueinander stehenden Partialinteressen reichlich zersplittert. Und Hadi verfügt aufgrund seiner bei all diesen Gruppen fehlenden Beliebtheit eben auch nicht über den Respekt, mit dem diese Kräfte trotz ihrer Widersprüche zu einer kohärenten Opposition gegen den GPC und Ansarullah gebündelt werden könnten. Das Bündnis von GPC und Ansarullah zeichnet sich hingegen durch eine gemeinsame positive Zielvorstellung aus, nämlich dem Bestreben nach einer vergleichsweise liberalen, pluralistischen und toleranten Gesellschaft, woraus sich ableitet, dass der Jemen eine starke und durchsetzungsfähige Staatsmacht braucht, die diese liberale Gesellschaft erfolgreich gegen intolerante und sektiererische Terrorgruppen wie Al Kaida und andere Mörderbanden, etwa tribalistische und separatistische, verteidigen kann und muss. Die einzige nennenswerte politische Unterstützung für Hadi kam aus dem Ausland, und zwar von den wahhabitischen GCC-Staaten: am 26. Februar verlegten die Saudis und Katar ihre Botschaften zur demonstrativen Unterstützung von Hadi nach Aden, und am 27. Februar zogen die VAE und Kuwait nach. Die USA und andere einflussreiche Staaten sowie die UNO, die bis dato eigentlich als Unterstützer von Hadi aufgetreten waren, trafen sich zwar mit Hadi in Aden, standen dem Schritt Hadis, den Jemen von Aden aus regieren zu wollen, jedoch eher skeptisch gegenüber, und die USA wollten auch keine Botschaft in Aden eröffnen. Die Regierung in Sana vereinbarte unterdessen mit dem Iran, täglich zwei zivile Direktflüge von Sanaa in den Iran anzubieten, wodurch Sanaa gut an den Rest der Welt angeschlossen bleiben würde, selbst wenn Saudi Arabien und andere von den Saudis beeinflusste Staaten in GCC und arabischer Liga ein Flugembargo gegen Sanaa verhängt hätten.

Militärisch sah es für General Hadi zumindest bei oberflächlicher Betrachtung besser aus als auf der politischen Ebene. Praktisch der gesamte frühere Südjemen sowie die östlich von Sanaa gelegene und früher zum Nordjemen gehörende Provinz Marib standen öffentlich sichtbar unter Kontrolle von mitgliederstarken Bürgerwehren und bewaffneten Stammesmilizen, die die neuen Machthaber in Sanaa ablehnten, und in die früher ebenfalls zum Nordjemen gehörende Stadt Taiz, die als Hochburg der Muslimbruderschaft und der Islah-Partei gilt, wollte Ansarullah erst gar nicht reingehen, um da keinen Rückschlagseffekt zu provozieren. So gesehen beherrschten bewaffnete „Anti-Houthi-Kräfte“ den größeren Teil des Jemen, während Ansarullah und die mit ihnen verbündeten jemenitischen Sicherheitskräfte „nur“ den bevölkerungsreichen Nordwesten des Jemen beherrschten. Hadis Position in Aden wurde von Milizionären des Ex-Al-Kaida-Feldkommandeurs Abdul-Lateef al-Sayed al-Bafqeeh und anderen bewaffneten Gruppen der Bewegung des Südens beschützt, die zahlreicher und mutmaßlich auch kampfkräftiger waren als alle im Südjemen präsenten staatlichen Sicherheitskräfte des Jemen, während mit der Bewegung des Südens und Al Kaida kooperierende bewaffnete Stammesgruppen die wenigen Verbindungsstraßen, die es aus dem Nordjemen in den Südjemen gibt, beherrschten und damit die Entsendung von militärischer Verstärkung aus dem Nordjemen in den Südjemen blockieren konnten. Der große Schwachpunkt der militärischen Position Hadis in Aden war, dass „seine“ Kämpfer ein Haufen zusammengewürfelter bewaffneter lokaler Gruppen waren, die keine einheitliche Organisation bildeten und die weder Hadi noch sonst irgendjemand als Kommandeur akzeptierten. Die einzige im Südjemen stationierte Einheit des jemenitischen Militärs, die mit Hadi beim Kampf gegen die Regierung in Sanaa zusammenarbeitete, war die in der als Hochburg von Al Kaida bekannten Stadt Jaar in der Provinz Abyan stationierten 119. Infanteriebrigade unter dem Kommando des als Vertrauten des im September nach Saudi Arabien geflohenen Generals Ali Mahsen Al Ahmar geltenden Generals Faisal Rajab. Alle anderen im Südjemen stationierten Einheiten der jemenitischen Armee und des Innenministeriums bildeten, wie Hadis „Außenminister“ später im saudischen Exil in einem Interview mit Reuters zugab, eine kohärente Kraft, die ihre Befehle nur aus Sanaa entgegennahm.

Um grob zu verstehen, welche militärischen Kräfte dem nach Aden geflüchteten und vom Rücktritt zurückgetretenen Präsidenten Hadi und den gegen die Regierung in Sanaa kämpfenden Milizen im Jemen gegenüberstanden, sei hier ein kurzer Blick auf die jemenitischen Sicherheitskräfte geworfen. Zur Personalstärke der jemenitischen Sicherheitskräfte, also der Streitkräfte und der paramilitärischen Kräfte des Innenministeriums, sind wenig zuverlässige und aktuelle Informationen auffindbar. So wird beispielsweise im Wikipedia-Artikel zu den Streitrkäften des Jemen angeführt, die Streitkräfte hätten 66.700 Mann aktives Personal und zusätzlich noch 71.200 Mann Reservepersonal, doch die Quelle bezieht sich auf das Jahr 2000. Diese Zahlen sind mithin schon 15 sehr ereignisreiche Jahre alt, in denen es im Jemen mehrere interne Kriege gab, vom Kampf gegen die Houthi-Rebellion über den bewaffneten Machtkampf zwischen Ali Saleh und Ali Mohsen im Rahmen des sogenannten arabischen Frühlings bis hin zum Kampf gegen die anschließende Al-Kaida-Revolte, und in denen 2007 die Wehrpflicht wiedereingeführt wurde. An anderer Stelle im gleichen Wikipedia-Artikel wird behauptet, die Streitkräfte des Jemen hätten mit Stand 2012 einschließlich Wehrpflichtiger aktives Personal von 401.000 Mann, doch wird dazu keine Quelle angegeben. Ein Papier des „Foreign Military Studies Office“ der US-Streitkräfte nannte im Jahr 2012 allein für die Elitekräfte der – inzwischen aufgelösten und auf andere Einheiten verteilten – Reblikanischen Garde, der Spezialkräfte und der Spezialgarde, die damals außerhalb der regulären militärischen Kommandokette standen und den Schutz der Regierung zur Aufgabe hatten, eine Anzahl von zusammen 39.000 bis 55.000 Soldaten. Ein von der saudischen Arab News angeführter Experte des Abaad Strategic Studies Center in Sanaa erklärte demgegenüber 2012, die Streitkräfte des Jemen hätten 300.000 Mann, wovon 100.000 zur republikanischen Garde gehörten. Die Bewaffnung der jemenitischen Streitkräfte besteht aufgrund des chronischen Finanzmangels zumeist aus alten, oft noch aus Sowjetzeiten stammenden Waffen, die aber in großer Anzahl verfügbar sind, und dabei auch, zumindest bei Kämpfen am Boden, durchaus noch effektiv sind. Während die aktuelle Personalstärke der Streitkräfte des Jemen nur rudimentär bekannt ist, ist ihre Organisation gut bekannt. Eine am 23. Februar 2015 angefertigte und zum Verständnis der jemenitischen Streitkräfte sehr hilfreiche Aufstellung aller Einheiten der Streitkräfte des Jemen mitsamt ihrer Standorte und Kommandeure findet sich beim Critical Threats Projekt des zionistischen AEI.

Zusätzlich zu den Streitkräften gehören zu den Sicherheitskräften des Jemen noch die besser als viele Teile der Armee ausgerüsteten paramilitärischen Kräfte des jemenitischen Innenministeriums, deren Personalstärke die Library des US-Kongresses im Jahr 2008 auf 71.000 Mann bezifferte, von denen 50.000 zu den zwischenzeitlich in Special Security Forces umbenannten Spezialkräften der „Central Security Organization“ gehört haben sollen. Diese erhielten unter anderem Hilfen von der EU, um besser gegen Al Kaida kämpfen zu können. Und außerdem gibt es dann natürlich noch die Miliz der Houthi-Bewegung, über deren Stärke öffentlich zwar noch weniger an zuverlässigen und aktuellen Informationen bekannt ist, die aber schon 2010 von der Yemen Post mal flapsig als über 100.000 Mann zählend beschrieben wurde. Insgesamt legen die Angaben zusammengenommen die Vermutung nahe, dass die militärisch bewaffneten und ausgebildeten Sicherheitskräfte der Regierung in Sanaa mehrere Hunderttausend Mann umfassen, möglicherweise sogar eine halbe Million, von denen zumindest ein nennenswerter Teil für den Kampf gegen Al Kaida gut ausgebildet und ausgerüstet ist, was die Siege von Ansarullah gegen die mit Al Kaida und Islah liierte 310. Panzerbrigade in Amran und Ali Mohsens 1. Panzerdivsion in Sanaa sowie ihre gemeinsamen Siege gegen Al Kaida und mit Al Kaida verwobene Stammesmilizen in den Provinzen wie Ibb und Bayda gezeigt haben.

Im Raum Aden beschrieb die Yemen Times das Kräfteverhältnis am 11. März so, dass auf Seiten von Hadi dort rund 20.000 Mitglieder der Volkskomitees der Bewegung des Südens, darunter viele aus Abyan, und die in Jaar stationierte 119. Infanteriebrigade unter dem Kommando von Faisal Raja aktiv waren, während auf der Seite der Regierung von Sanaa in Aden die Special Security Forces des Innenministeriums, die 31. Panzerbrigade, die 39. Panzerbrigade und die auf der 50km nördlich von Aden gelegenen Al Anad Luftwaffenbasis stationierte 201. Infanteriebrigade, die jeweils über mindestens 2.000 Mann verfügten, sowie die Luftwaffe standen. Hilfe von jemenitischen Militäreinheiten in anderen Teilen des Landes konnte Hadi nicht erwarten, denn außer der 119. Infateriebrigade in Jaar war lediglich die 312. Panzerbrigade in der östlich von Sanaa liegenden Provinz Marib vom Militärkommando in Sanaa desertiert, und sie war schwer damit beschäftigt, in Marib die Front gegen Sanaa zu halten. Um den Streitkräften und Sicherheitskräften des Jemen auf Dauer Paroli bieten könnte, benötigten Hadi und die Bewegung des Südens also dringend die Kontrolle über die in Aden und Umgebung stationierten jemenitischen Militärkräfte, und da natürlich vordringlich die Kontrolle über die im Südjemen stationierten Militäreinheiten.

Um diese Militäreinheiten auf ihre Seite zu bringen, versuchten die Bewegung des Südens und Hadi unterschiedliche Methoden. Die Bewegung des Südens, auf die Hadi seine Sicherheit und Macht in Aden stützte, entführte am 15. Februar, also kurz vor Hadis Ankunft in Aden, als sein Bruder die Ankunft für ihn vorbereitete, 12 Soldaten der auf der Al-Anad-Luftwaffenbasis und in der Nähe davon stationierten 201. Panzerbrigade und verlangte als Gegenleistung für die Freilassung der entführten Soldaten unter anderem, dass die 201. Panzerbrigade einem von der Bewegung des Südens ausgesuchten lokalen Kommandeur unterstellt wird, und um zu gewährleisten, dass seine Befehle auch ausgeführt würden, 200 Kämpfer der Bewegung des Südens in die 201. Panzerbrigade aufgenommen werden. Es ist schwer vorstellbar, dass dem US-Militär entgangen ist, dass damit offen mit Al Kaida kooperierende Milizen mit den Mitteln von Entführung und Erpressung versuchten, die Kommandogewalt über eine wichtige im Kampf gegen Al Kaida eingesetzte jemenitische Militäreinheit zu erlangen, denn die zur Ausbildung und Unterstützung jemenitischer Sicherheitskräfte im Kampf gegen Al Kaida eingesetzten US-Soldaten waren just auf der Al-Anad-Luftwaffenbasis nördlich von Aden eingesetzt, wo die 201. Panzerbrigade der jemenitischen Armee ihr Hauptquartier hat und für deren Sicherheit die 201. Panzerbrigade verantwortlich ist. Die US-Ausbilder dürften demnach in Echtzeit miterlebt haben, wie die mit Al Kaida verflochtene Bewegung des Südens, auf die Hadi seine Macht in Aden stützte, mit Entführung und Erpressung versucht hat, das Kommando über die unmittelbar für ihren Schutz im Kampf gegen Al Kaida sorgende jemenitische Armeeeinheit zu erlangen, während Hadi gleichzeitig in Aden mehrfach den US-Botschafter empfing und um Unterstützung bat – Unterstützung für den Kampf an der Seite von Al Kaida gegen eben die jemenitischen Sicherheitskräfte, die die mit dem Anti-Terror-Kampf gegen Al Kaida befassten US-Soldaten auf der Al-Anad-Luftwaffenbasis beschützten und die von den USA im Kampf gegen Al Kaida trainiert und ausgerüstet wurden. Die Methode Entführung führte die Bewegung des Südens jedoch nicht zum Ziel. Der Kommandeur der 201. Panzerbrigade, Oberst Naji Al-Arashi, zeigte sich in wochenlangen Verhandlungen zwar kompromissbereit und gab auch vielen Forderungen der Bewegung des Südens nach, wie etwa dem Abbau einiger Checkpoints, doch die Erfüllung der Forderung nach Übernahme der Brigade durch die Bewegung des Südens verweigerte er.

Hadi selbst versuchte Anfang März 2015 die Special Security Forces in Aden, deren Kommandeur Abdul-Hafez al-Saqqaf auch die unter anderem auf dem Flughafen Aden stationierte 39. Panzerdivision kommandiert, mit einer etwas weniger plumpen Variante der gleichen Masche unter seine Kontrolle zu bringen. Zuerst umzingelten Tausende Mitglieder der von Ex-Al-Kaida-Feldkommandeurs Abdul-Lateef al-Sayed al-Bafqeeh kommandierten Volkskomitees der Bewegung des Südens die südlich des Adener Flughafens in Khor Maksar in Aden gelegene Basis der für den Anti-Terror-Kampf gut ausgerüsteten Special Security Forces und drohten sie zu stürmen. Dann schickte Hadi, der in Aden zu jener Zeit bekanntlich unter dem Schutz eben dieser unter der südjemenitischen Separatistenfahne operierenden Milizen lebte, einen Gesandten mit einem Versetzungsbefehl in die Basis hinein, mit der Hadi als „Präsident des Jemen“ Kommandeur Saqqaf befahl, das Kommando über die Einheiten an General Thabet Jawas, einen Getreuen von Hadi, abzugeben, und selbst eine Stelle in der Verwaltung des Gewerberegisters von Aden anzutreten. Das war so etwas wie eine Kapitulationsaufforderung, verpackt in eine Art Präsidentenbefehl. Der Kommandeur der zum Kampf gegen Al Kaida aufgebauten Special Security Forces in Aden, General Abdel Hafez al-Saqqaf, antwortete darauf sinngemäß, Hadi beliebe es wohl zu scherzen, er sei nicht mehr Präsident des Jemen, und deshalb könne er weder jemanden von einer Position abberufen noch jemanden berufen, und überhaupt, er denke nicht daran, die Stadt Aden an Al Kaida zu übergeben. Gleichzeitig ließ General al-Saqqaf jedoch mitteilen, wenn er den Befehl zur Abgabe des Kommandos vom Militärkommando in Sanaa bekommen würde, dann wäre das natürlich etwas ganz anderes. Daraufhin wurden von Gesandten von Hadi Verhandlungen mit Sanaa geführt, wobei Sanaa sich zwar verhandlungsbereit zeigte, zur Beseitigung der „öffentlichen Unzufriedenheit“ mit der Führung der Special Security Forces einen Kompromisskandidaten als Kommandeur der Special Security Forces in Aden zu akzeptieren, doch konnte darüber, wer das sein sollte, in mehrwöchigen Verhandlungen keine Einigung erzielt werden. Während der mehrwöchigen Verhandlungen versuchten die Bewegung des Südens und Hadis Leute mit Hochdruck, in den von Stammesstrukturen geprägten Provinzen östlich von Aden mehr Milizionäre für größeren Druck auf die Sanaa gegenüber loyalen Militäreinheiten im Südjemen zu rekruitieren, während die jemenitische Armee eine Operation vorbereitete, um Verstärkung in den Südjemen zu schicken.

Am 8. März flüchtete Mahmoud al-Subaihi aus Sanaa in den Südjemen. Mahmoud al-Subaihi stammt aus der südlichen Provinz Lahij, war unter Hadi Verteidigungsminister des Jemen, trat im Zuge des Rücktritts der kompletten Regierung im Januar zurück und wurde anschließend am 7. Februar vom Obersten Revolutionskomitee wieder auf den Posten des Verteidigungsministers berufen sowie zum Vorsitzenden des Obersten Sicherheitskomitees bestimmt, das die tatsächliche Macht im Jemen innehat. Im Südjemen diente Mahmoud al-Subaihi sich Hadi erneut als Verteidigungsminister an. Sein Überlaufen hatte allerdings keinen Effekt auf die Stabilität der Regierung in Sanaa, da bereits am nächsten Tag Innenminister Jalal Al-Rowaishan zum Leiter des Obersten Sicherheitskomitees ernannt wurde. Zum neuen Verteidigungsminister ernannte das Oberste Revolutionskomitee am 23. März Hussein Khairan, der unter Hadi Chief of Staff der Armee war.

Am 19. März wagte General al-Saqqaf den Ausbruch aus der umzingelten Basis in Khor Maksar. Dazu nahmen seine Special Security Forces zunächst den nördlich von Khor Maksar gelegenen Flughafen gegen bewaffneten Widerstand von Kräften der Bewegung des Südens ein, dessen Gelände die einzige Verbindung zwischen der Innenstadt von Aden und dem Umland von Aden ist. Gleichzeitig wurden damit Hadi und die in Aden befindlichen Kräfte der Bewegung des Südens vom Umland Adens und von der zivilen Luftfahrt abgeschnitten. Milizionären der „Bewegung des Südens“ gelang es zusammen mit Einheiten der 119. Panzerbrigade unter Führung des gerade übergelaufenen Verteidigungsministers Mahmoud al-Subaihi, den Flughafen von den Special Security Forces zurückzuerobern. Die Special Security Forces zogen sich dabei jedoch nicht wieder in ihre Basis zurück, sondern flüchteten, unter teils tödlichem Beschuss, gemeinsam mit anderen bislang in Aden befindlichen Armeeeinheiten in die Provinz Lahij, wo die 201. Panzerbrigade stationiert war. In Lahij ergab sich General Saqqaf angeblich, so berichteten es die Medien damals, nachdem Milizen der Bewegung des Südens einen Anschlag auf ihn ausführten, bei dem ein Leibwächter ums Leben kam, dem dortigen Gouverneur. Tatsächlich dürfte General Saqqaf in Lahij nicht kapituliert haben, sondern seine Kräfte mit der gemeinsam mit US-Soldaten auf der Al-Anad-Luftwaffenbasis stationierten 201. Panzerbrigade vereint haben, die sich ebenfalls einer Übernahme des Kommandos durch Hadi und der mit Al Kaida verflochtenen Bewegung des Südens widersetzte. Dazu passt die Meldung, dass nach den Attacken der Milizen auf General Saqqaf ein Kampfflugzeug der Al-Anad-Luftwaffenbasis einen Warnschuss in Richtung des Präsidentenpalastes in Aden, wo Hadi residierte, abgegeben hatte. Mit der Meldung von der Kapitulation Saqqafs sollte offenbar versucht werden, zornige Milizionäre der Bewegung des Südens eine Weile zu besänftigen. Sechs Tage später zog der Chief of Staff der 201. Panzerbrigade die Geschichte glatt und erzählte Medien, gerade eben seien die Special Security Forces auf der Al Anad Air Base eingetroffen und hätten sich da mit seiner 201. Panzerbrigade vereint. General Saqqaf bekam anschließend von der Militärführung in Sanaa einen Tapferkeitsorden verliehen.

Insgesamt lässt sich damit zweifelsfrei sagen, dass am Abend des 19. März der Luftwaffenstützpunkt Al Anad, auf dem nicht nur die 201. Panzerbrigade stationiert war, sondern auch etwa eine Hundertschaft US-Militärs, die von dort aus seit rund zwei Jahren den Kampf der jemenitischen Sicherheitskräfte gegen Al Kaida unterstützen sollten, der wichtigste Ort des Widerstandes im Südjemen gegen Hadi und „seine“ teilweise mit Al Kaida verflochtenen Milizen war. Das ist eine weitgehend ignorierte, aber besonders bemerkenswerte Tatsache, denn das besagt nichts anderes, als dass die wesentlichen jemenitischen Truppen im Südjemen, die im Kampf gegen Al Kaida gemeinsam mit US-Truppen operierten, von den USA im Kampf gegen Al Kaida ausgebildet und mit US-Kriegsmaterial für Hunderte von Millionen Dollars gut ausgerüstet wurden, nicht auf der Seite des von den USA offiziell als Präsidenten anerkannten Hadi und den diesen unterstützenden Milizen standen, sondern loyal zur Militärführung in Sanaa waren und auf der Seite von Ansarullah standen. Die Kräfte, gegen die die nominal auf der Seite von Hadi operierenden Bürger- und Stammesmilizen im Südjemen kämpfen, sind also nicht pro-iranische Houthi-Rebellen, sondern unter dem Stichwort „Kampf gegen Al Kaida“ eng mit den USA kooperierende Eliteeinheiten der jemenitischen Streitkräfte.

Am Morgen des 20. März griffen dann Bewaffnete unter der Flagge von Al Kaida in die Kämpfe nahe der Al-Anad-Luftwaffenbasis nördlich von Aden ein. Al Kaida stürmte da in Houta, wie die Hauptstadt Lahj der gleichnamigen Provinz Lahj auch genannt wird, trotz heftigen Widerstandes die Polizeistation, Regierungsgebäude, das örtliche Quartier der Special Security Forces, also der Einheit, die die Befolgung von Hadis Befehl zum Austausch des Kommandeurs verweigerte und sich am Tag zuvor nach gefechten am Flughafen aus Aden zurückgezogen hatte, sowie das Krankenhaus, in dem am Tag zuvor verletzte Soldaten der Special Security Forces behandelt wurden, und brachte dabei mehrere Dutzend Soldaten und Sicherheitskräfte um, darunter auch solche, die nach den Auseinandersetzungen am Vortag am Flughafen Aden verletzt im Krankenhaus lagen. Dann hieß es, kurz darauf seien in Hota Milizen der Bewegung des Südens eingetroffen, denen es nach kurzen Gefechten gelungen sei, Al Kaida aus dem Ort zu vertreiben. Im Ergebnis des mörderischen Angriffes von Al Kaida hatten dann nicht mehr die 201. Panzerdivision und die Special Security Forces, die sich Hadi widersetzten, sondern Milizen der Bewegung des Südens, auf die Hadi seine Macht in der Gegend von Aden stützte, die Kontrolle über die Hauptstadt der Provinz Lahj. Die mit Al Kaida verflochtenen Milizen kamen damit der Al-Anad-Luftwaffenbasis näher, von der aus US-Soldaten den Kampf gegen Al Kaida im Jemen führten.

Der Trick, zuerst Sturmtruppen unter der Flagge von Al Kaida zur Eroberung von Militärposten vorzuschicken, um dann vorgeblich moderate Stammeskämpfer die Position übernehmen zu lassen, ist im Jemen gängig, wie schon im zweiten Teil von „Wer kämpft gegen wen im Jemen?“ anhand der Eroberung der Militärsis in Bayhan in der Provinz Shabwa beschrieben wurde. Es war offenkundig, dass die unter der Flagge von Al Kaida operierenden Terroristen, die unter der Flagge von Al Kaida die Stadt Houta blutig erobert und dabei Sicherheitskräfte kaltblütig ermordet hatten, gemeinsame Sache mit Hadis vorgeblich moderaten Milizen gemacht hatten, wenn sie nicht gar mit diesen identisch waren. Hadi und seine Leute sowie terroristisch und massenmörderisch vorgehende Milizen unter der Flagge von Al Kaida kämpften offensichtlich gegen die gleichen jemenitischen Armeeeinheiten, eben jene, die von den USA für den Kampf gegen Al Kaida ausgebildet und ausgerüstet worden waren und von US-Soldaten vor Ort beim Kampf gegen Al Kaida unterstützt wurden, und sie kamen dem Stützpunkt mit den US-Truppen näher. Es ist kaum vorstellbar, dass die auf der Al Anad Air Base stationierten US-Speialkräfte und Ausbilder jemenitischer Truppen für den Kampf gegen Al Kaida nicht mitbekommen haben, dass unter der Fahne von Al Kaida mordende Terroristen und Hadis Milizen bei der Eroberung von Houta Hand in Hand gearbeitet haben.

Ebenfalls am Freitag, den 20. März, verübten vier Selbstmordattentäter einen Terroranschlag auf eine insbesondere, aber nicht nur von Kadern von Ansarullah und ihren Anhängern besuchte Moschee in Sanaa. Dabei kamen mehr als 140 Menschen beim Freitagsgebet ums Leben und über 300 weitere wurden verletzt. Da sich im Jemen die vorherrschenden Konfessionen der zum Sunnitentum gerechneten Schaafiten und der zum Schiitentum gerechneten Zaiditen sehr nahe stehen und die Gläubigen der unterschiedlichen Konfessionen traditionell auch gemeinsam in den gleichen Moscheen beten, konnten sich alle Muslime im Jemen von dem Anschlag betroffen fühlen. Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Nicht einmal Al Kaida wollte sich zu diesem Anschlag, dem tödlichsten in der Geschichte des Jemen, bekennen, da auch die Al Kaida nahestehenden Kleriker im Jemen Attentate auf Moscheen verbieten. Schließlich bekannte sich eine bis dato unbekannte Splittergruppe von ISIS zu dem Anschlag, doch das war so unglaubwürdig, dass die USA anschließend erklärten, sie glauben nicht, dass ISIS im Jemen die Fähigkeit zu solch einem Anschlag habe und sie vermuteten, dass tatsächlich Al Kaida dafür verantwortlich sei.

Am Samstag des 21. März gab Hadi dann eine Ansprache im Adener Fernsehen, die kaum anders als eine Kriegserklärung zu verstehen war. In der Ansprache erklärte er Aden zur vorübergehenden Hauptstadt des Jemen, obgleich in der jemenitischen Verfassung Sanaa als Hauptstadt des Jemen bestimmt ist, und rief zum Kampf gegen „iranischen Einfluss“ auf, bis über dem Berg Marran in Saada, dessen Gegend als Hochburg von Ansarullah gilt, nicht mehr die iranische Fahne, sondern wieder die jemenitische Fahne hänge. Freilich hängt auf dem Berg Marran in Wirklichkeit gar keine iranische Fahne, während Hadis Milizen tatsächlich nicht unter jemenitischen Fahne, sondern unter der von Separatisten adaptierten Fahne des Südjemen kämpfen, aber die Absicht hinter dieser Lüge von Hadi war klar: er blies zum Bürgerkrieg gegen Ansarullah, mit allen Mitteln, und schreckte dabei auch nicht vor primitiven Lügen zurück, während gleichzeitig Al Kaida, ganz im Einklang mit Hadis Kriegserklärung, massenmörderische Terroranschläge und Massaker gegen Anhänger von Ansarullah und mit die Ansarullah kooperierenden Sicherheitskräfte des Jemen verübte.

Die USA reagierten auf die in Einklang mit Hadis Kriegserklärung stehenden Massaker von Al Kaida dadurch, dass sie – aufgrund der schlechten Sicherheitslage, wie es hieß – die auf der Al-Anad-Luftwaffenbasis für den Kampf gegen Al Kaida stationierten US-Soldaten noch am Samstag aus dem Jemen evakuierten. Die US-Regierung und US-Medien erweckten dabei seltsamerweise bisweilen den Eindruck, als würden die US-Truppen nicht vor Hadis mit Al Kaida verflochtenen Milizen, sondern aus Angst vor pro-iranischen Houthi-Rebellen flüchten, und das US-Außenministerium versicherte dazu, die USA würden Hadi weiterhin als legitimen Präsidenten des Jemen betrachten.

Ansarullah verkündete am Samstag eine „Öffentliche Mobilisierung“ zum gemeinsamen Kampf gegen den sektierischen Terrorismus und rief die Armee und die jemenitischen Sicherheitskräfte dazu auf, die mit der Terrorgruppe Al Kaida verflochtenen Milizen von Ex-Präsident Hadi zu konfrontieren. Die Massaker in Sanaa und Houta mit der folgenden Kriegserklärung von Hadi zeigten, dass das Lager von Hadi und seinen Milizen auf gewaltsame Konfrontation, Terror und Krieg setzten und keine politische Lösung mit Hadi mehr möglich war. Die Sicherheitskräfte des Jemen zeigten alsdann, dass sie sehr wohl in der Lage waren, gegen die sektierischen und separatistischen Milizen zügig und erfolgreich vorzugehen, und ihr bisher zuürckhaltendes Vorgehen dem Versuch geschuldet war, eine politische Lösung durch Komprosmiss zu finden.

Die Kontrolle über den Flughafen, Sicherheitsgebäude und Nachschubwege nahe der von der Muslimbruderschaft und Islah dominierten, aber ehemals zum Nordjemen gehörenden Großstadt Taizz zu erlangen, gelang der Armee am 22. März binnen eines Tages, da die Sicherheitskräfte in Taizz mit der militärischen Führung in Sanaa gut kooperierten. Etwas schwieriger gestaltete sich für die Armee der Durchbruch über die ehemals zum Südjemen gehörenden, wenigen und engen Bergstraßen weiter nach Aden, wo mit Islah, der Bewegung des Südens und Al Kaida verwobene Stammeskämpfer die Armee mit Hinterhalten, Sprengfallen und schweren Gefechten daran hinderten, Nachschub in den Südjemen zu senden. Die jemenitische Armee versuchte es auf verschiedenen Bergstraßen und auch an der Küste entlang, mit Verstärkung von Norden in die Tiefebene der südlichen Provinzen Aden und Lahij vorzustoßen, wurde jedoch durch von Stammeskämpfern gebildete Blockaden und Hinterhalte mehrfach zurückgeworfen. In der Nacht zum Mittwoch, dem 25. März, gelang von der 33. Panzerbrigade geführten Armeeeinheiten dann über Verhandlungen mit Stammesführern in Ad-Dali der Durchbruch von Ibb in den Norden der Provinz Lahj. Die Straße war frei und die Armee schickte umgehend massive Kräfte durch die offene Straße Richtung Süden und die 33. Panzerbrigade vereinigte sich auf der Al Anad Air Base mit der 201. Panzerdivision und den zwischenzeitlich ebenfalls dort stationierten Special Security Forces von General Saqqaf. Am Mittag des 25. März war die Schlacht gegen die Terrorbanden in Lahj dann schon gelaufen: die Terroristen flohen in alle Richtungen und verschwanden von den Straßen und sowohl Ex-Präsident Hadis Bruder Nasser, Hadis Verteidigungsminister Mahmoud Al-Subaihi als auch der Ali Mohsen nahestehende Kommandeur der abtrünnigen 129. Infanteriebrigade Faisal Rajab konnten in der Provinzhauptstadt von Lahj, Houta, verhaftet werden. Ex-Präsident Hadi hatte damit genau vier Tage, nachdem er zum Kampf gegen Ansarullah geblasen hatte, die ihm nahestehende Kommandoebene über die ihn beschützenden Milizen der Bewegung des Südens verloren, die Milizen der Bewegung des Südens in Lahj waren in alle Richtungen geflüchtet und übermächtige Kräfte der jemenitischen Armee waren bereits im nördlichen Adener Vorort Dar Saad angelangt.

Angesichts dessen, dass allgemein damit gerechnet wurde, dass auch Aden binnen 24 Stunden wieder unter Kontrolle der jemenitischen Sicherheitskräfte stehen würde und er den Milizen der Bewegung des Südens aufgrund seiner Unbeliebtheit nicht trauen konnte, entschloss Hadi sich zur Flucht aus dem Jemen. Mit dieser krachenden Niederlage hätte die unrühmliche Geschichte von Hadis Versuch, in Aden eine Gegenregierung zu Sanaa zu etablieren, um von dort aus mithilfe von mit Al Kaida verflochtenen Milizen Sanaa zu erobern, eigentlich zu Ende sein können. Doch in der Nacht zu Donnerstag, den 26. März, begann eine von Saudi Arabien angeführte Kriegskoalition den Jemen zu bombardieren, und verbreitete dazu unsinnige Behauptungen wie das Ziel ihrer Militäroperation sei es, den geflüchteten Hadi wieder in das Amt des Präsidenten von Jemen zu bringen, von Iran unterstützte schiitische Houthi-Rebellen von der Macht zu verjagen und so die Legitimität der Macht im Jemen wiederherzustellen.

3 Gedanken zu “Wer kämpft gegen wen im Jemen? (3)

  1. NICHT NUR DAFÜR, daß die saudisch geführte Kriegsallianz mit ihrem Krieg gegen den Jemen den offensichtlich Umstand weiter verschleieren hilft (sicherlich nicht uneigenützig), daß die NATO-Staaten zusammen mit den Golfmonarchien die souveränen Staaten Libyen, Syrien, den Irak und Jemen (die Vorgänge in Ägypten müssen gesondert besprochen werden und hängen meiner Ansicht nach wesentlich mit dem erstmaligen Auftauchen von „ISIS“=Muslimbrüder in Syrien zusammen) unter anderem auf Sektierertum setzt um die betreffende zentrale Staatsgewalt nachhaltig zu zersetzen und sich zu diesem Zweck Djihadistenmilizen als leicht und international verfügbarer Bodentruppen bedient, SONDERN AUCH DAZU zu verschleiern, daß die medial kreiert Marke „ISIS“ in den Medien herumgeistert um privaten Waffenproduzenten und Sicherheitsdiensten vornehmlich amerikanischer Herkunft (aber ua auch deutscher) umgekehrt als Geschäftsgrundlage für eine ordentliche Beschäftigungspolitik dieses militärisch-industriellen Komplexes Sorge zu tragen (die Saudis kämpfen mit amerikanischen (uua deutschen) Waffen gegen von den USA ausgebildeten, jemenitische Sicherheitskräfte), trägt die saudisch geführte Allianz Rechnung und will dafür insbesondere, aber sicherlich nicht nur, von der USA in Form von Waffen und Beistandsverpflichtungen entlohnt werden. Die USA zeigen sich in diesen Punkten zwar etwas knausrig, Verweisen vermutlich höchstens auf die Vorteile einer solchen Außenpolitik für die Golfmonarchien selbst, antworten aber auf den saudisch geführten Krieg mit einer Eskalation in Syrien an der türkischen Grenze, arbeiten an einer vertieften, gegen RU gerichteten, Eskalation in Osteuropa und beginnen abermals damit massiv-medial die säkulare syrisch-arabischen Republik unter der Regierung ASSAD UND DEN IRAN NEBEN RU als Feindbilder zu propagieren und insbesondere den Iran, aber nicht ausschließlich, als vorgeblichen Sponsoren des Terrors in der Region und in der Welt zu brandmarken.

    Krieg ist das Lebenselement dieses völligen aus allen Fugen geratenen kapitalistischen Systems, seit weit über 77 Jahren.

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