Al-Kaida-nahe Kämpfer erobern Flughafen und Ölterminal von Mukalla

Die meisten westlichen und internationalen Medien, so etwa die New York Times, BBC, VoA und Press TV, berichteten am Donnerstag schlicht, Al Kaida habe den Flughafen und das Ölterminal nahe der Großstadt Mukalla im Südosten des Jemen erobert.

Einwohner und jemenitische Militärs hätten gesagt, die jememenitschen Soldaten seien geflüchtet als Al Kaida am Flughafen und am Ölterminal östlich von Mukalla eingetroffen sei, wird da berichtet. Eine Ausnahme stellt Reuters dar. Reuters meldete, Stammeskämpfer hätten den Flughafen und das Ölterminal bei Mukalla unter ihre Kontrolle gebracht. Die Gruppe von Stammeskämpfern, die das Ölterminal, einen nahegelegenen Militärflughafen und den Flughafen von Mukalla unter Kontrolle gebracht habe, heiße Al-Majles al-Ahli (zu deutsch etwa: Heimatrat) und bestehe aus ehemaligen Al-Kaida-Kämpfern, heißt es da unter Berufung auf „lokale Offizielle“ und Einwohner, und die Soldaten seien bei Eintreffen der Kämpfer geflüchtet, ohne dass es zu Kämpfen gekommen sei. Dazu, wann und unter welchen Umständen aus den Al-Kaida-Terroristen „Stammeskämpfer“ geworden sein sollen, gibt es keine Informationen.

Damit findet sich das im Parteibuch bereits am Beispiel der Provinz Marib beschriebene Phänomen, dass es im Jemen neben bewaffneten Gruppen, die nur eine Identität haben, einige Gruppen gibt, wo die gleichen Personen einmal als Al-Kaida-Terroristen und ein anderes mal als ehrenwerte Stammeskämpfer auftreten, nun im Prinzip auch in den westlichen Massenmedien, wenn man sie denn aufmerksam liest. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Mitglieder der Gruppe sich erst fünf Minuten vor Abfahrt nach Mukalla entschlossen, bei dieser Operation nicht Al Kaida, sondern Stammeskämpfer zu sein, etwa weil der Kommandeur der Gruppe vor der Abfahrt befohlen hat, heute seien sie Stammeskämpfer des Heimatrats, damit die Machtübernahme in Mukalla keinen internationalen Ärger macht, und deshalb sollen sie ihre Al-Kaida-Fahnen diesmal bitte zu Hause lassen.

Nachdem Al Kaida vor einigen Tagen die Stadt Mukalla selbst erobert hat, war Al Kaida bereits so freundlich, die Macht in der Stadt hochoffiziell an Al-Majles al-Ahli zu übergeben, doch dumm gelaufen ist dabei, dass die westlichen Medien, anders als sie das in Libyen, Syrien und Irak machten, Al Kaidas Maskerade im Jemen nicht mitspielen, und klipp und klar berichten, dass nun Al Kaida in Mukalla herrscht. Und für die Saudis ist das auch ein Problem, denn damit ist die Narrative zementiert, dass durch die saudisch geführte Bombardierung des Jemen die Macht von Al Kaida gestärkt wird, und man kann schon darauf warten, dass die Saudis deswegen vom Westen über kurz oder lang eine grobe Schelle bekommen, und dass der Sprecher der saudischen Kriegskoalition am Donnerstag erklärt hat, die Koalition greife nur Huthis und Verbündete, nicht jedoch Al Kaida und ISIS, an, entkräftigt den Eindruck einer bewussten Stärkung von Al Kaida durch die Saudis auch nicht gerade.

Zu den sonstigen Geschehnissen am Boden im Jemen am Donnerstag berichtet Al Manar, dass die Saudis weiterhin Bomben auf den Jemen abwerfen und damit Zivilisten treffen, und dass Ansarullah weitere Fortschritte beim Kampf gegen Al Kaida in der Provinz Marib gemacht hat und außerdem in Kleinaden, eine Bucht weiter westlich vom Adener Zentrums gelegen, die Kontrolle die Bezirke Salahuddin and Faqm erlangt hat. In der drittgrößten jemenitischen Stadt Taizz, die voll ist mit Anhängern der Muslimbruderschaft, ist es zu bewaffneten Auseinandersetzungen gekommen, die auf saudische Ermunterung zum Angriff auf Ansarullah zurückgehen dürften.

Auf der internationalen Ebene ist Jamal Benomar, der marokkanische UN-Gesandte für den Jemen, der zuvor dadurch aufgefallen war, dass er sich weigerte, die saudischen Luftangriffe auf den Jemen gutzuheißen, nach der schändlichen UN-Resolution 2216, mit der die Saudis zur weiteren Aggression gegen Jemen ermuntert werden, zurückgetreten, während AP am Abend meldete, dass UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon erstmals seit Beginn der saudischen Bombenmassaker, durch die bereits mehrere Hundert Zivilisten getötet wurden, zu einem sofortigen Waffenstillstand im Jemen aufgerufen hat. Die Saudis jammern unterdessen in Gesprächen mit pakistanischen Politikern darüber, dass sie ohne pakistanisches Kanonenfutter ihre Kriegsziele im Jemen nicht erreichen können, während SCO-Beitrittskandidat Pakistan sich auf einen Geldsegen von fast 50 Mrd Dollar aus China freut und den Ausbau militärischer Beziehungen zu Russland beabsichtigt.

Nachtrag: Da kündigt sich der Ärger an, ausgerechnet bei Al Jazeera America: US generals: Saudi intervention in Yemen ‘a bad idea’

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