Al Kaidas Luftwaffe kann Vormarsch von Ansarullah in Marib nicht stoppen

Im Jemen gibt es einen Witz: wenn die Saudis Krieg gegen Jemen führen, dann brauchen sich die Jemeniten um die Versorgung mit Waffen keine Sorgen zu machen, denn die Saudis bringen sicher so viele davon mit, dass sie für beide Seiten reichen.

Mit zunehmender Dauer des saudischen Krieges gegen Jemen wird immer deutlicher, dass die saudisch geführte Kriegskoalition im Wesentlichen als Luftwaffe von Al Kaida agiert. Obwohl Al Kaida damit massive Luftunterstützung hat, ist es der Allianz von Al Kaida und mit Al Kaida kooperierenden Stammeskämpfern am Samstag nicht gelungen, den Vormarsch von Ansarullah in der jemenitischen Schlüsselprovinz Marib zu stoppen.

Die östlich der Hauptstadt Sanaa im Zentrum des Jemen gelegene Provinz Marib ist neben der südlichen Hafenstadt Aden einer der wichtigsten Schlüssel im saudisch-jemenitischen Krieg.

Da nördlich von Sanaa in Saada die Hochburg der Huthis ist und die Gebiete westlich und südlich von Sanaa Hochburgen des ebenfalls zu Ansarullah gehörenden GPC sind, ist ein saudisch geführter Feldzug zur Eroberung der jemenitischen Hauptstadt Sanaa, sei es mit eigenen Soldaten, mit lokalen Stammesmilizen oder ausländischen Söldnern oder einem Mix aus alldem, wenn überhaupt, dann eigentlich nur von Osten her, durch die Provinz Marib, vorstellbar. Die Ölförderung in der Provinz Marib ist außerdem für die Energieversorgung der Hauptstadt Sanaa und weite Teile des Jemen unverzichtbar. Ohne das Öl und dem daraus gewonnenen Strom aus der Provinz Marib geht in Sanaa buchstäblich das Licht aus, von den Erlösen aus dem Ölexport ganz zu schweigen. Dies bedeutet, dass Angreifer, die Sanaa von Osten her über die Provinz Marib angreifen, Sanaa zuerst den Saft abdrehen können, um die jemenitische Hauptstadt vor dem Angriff durch Energieknappheit auszuhungern und in eine Geisterstadt zu verwandeln. Öl und Gas gibt es zwar im ganzen Jemen nicht mehr soviel, dass die Gier nach Öl im Fall des Jemen der Grund für einen ausländischen Angriffskrieg ist, aber die Abhängigkeit Sanaas von Energie aus Marib käme einem durch Marib geführten saudischen Feldzug zur Eroberung von Sanaa natürlich trotzdem sehr entgegen.

Was den Saudis noch viel mehr entgegenkommt, ist die von bewaffneten Stammesstrukturen, und da insbesondere dem Clan der Jahm, geprägte Bevölkerung der unwegsamen und spärlich bevölkerten Provinz, die, wie regionstypische Internetpublikationen wie Mareb Press zeigen, den anti-schiitischen sektiererischen Ideologien von Muslimbruderschaft und Wahhabismus schon seit langem recht aufgeschlossen gegenübersteht. Und es gibt einige Anzeichen dafür, dass in Marib auch Al Kaida seit längerem stark vertreten ist. Im Jahr 2011 wurde Marib vom Journalisten Patrick Symmes als „Hauptstadt von Al Kaida im Jemen“ bezeichnet. Das mag übertrieben sein, doch auch die USA sind zumindest in der Vergangenheit offenbar von einer Präsenz von Al Kaida im Jemen ausgegangen. So berichtete Marib Press etwa im Januar 2013, dass die USA einen Drohnenangriff gegen ein Regieurungsgebäude in der etwa 30km westlich der Provinzhauptstadt Marib gelegenen Bezirkshauptstadt Sirwah durchgeführt hätten, um dort Al Kaida Terroristen zu treffen, doch Stammesobere würden nun dagegen protestieren, und hätten erklärt, es gebe in der Provinz Marib nur die Söhne der Stämme und keine Al-Kaida-Terroristen. Und tatsächlich findet man aus Marib, anders als aus anderen Gegenden des Jemen, auch seit Jahren, wenn überhaupt, dann nur sehr wenig Bilder von bewaffneten Leuten, die Fahnen von Al Kaida oder ISIS schwingen oder Bilder von Osama Bin Laden hochhalten. Trotzdem gilt die Provinz Marib, und insbesondere Sirwah und das nördlich von Sirwah liegende Umland, im Jemen als Hochburg von Al Kaida. Warum das so ist, berichtete beispielsweise The Link Yemen im Dezember 2014 recht anschaulich. The Link Yemen berichtete da, dass der jemenitische Verteidgungsminister anlässlich der Turbolenzen in der Hauptstadt Sanaa sich Sorgen um die Stabilität in der wichtigen Provinz Marib machte und nach Marib gereist ist, um mit Stammesführern vor Ort über die Sicherheitslage zu sprechen. Die Stammesführer sollen dem Verteidigungsminister da erklärt haben, er brauche sich keine Sorgen machen, die Stämme seien bestens bewaffnet und kampfbereit. Als der Verteidigungsminister danach gefragt habe, ob er sich davon selbst überzeugen könne, haben die Stammesführer eine Militärparade für ihn organisiert, worunter mehrere Dutzend mit schwerer Bewaffnung ausgestattete und mit Al-Kaida-Fahnen versehene Fahrzeuge waren. Der Verteidigungsminister habe erschreckt nachgefragt, was das zu bedeuten habe, doch die Stammesführer hätten ihm versichert, das seien alles Söhne der Stämme und sie hätten mit Al Kaida kein Problem, berichtete The Link Yemen. Mit anderen Worten, Al Kaida im Jemen tritt in Marib zwar selten mit Fahnen auf, ist mit wichtigen Stammesstrukturen der Provinz Marib jedoch regelrecht verwoben.

Nach dem Ansarullah im September 2014 Ali Mohsen in Sanaa besiegt hatte, der als Kommandeur der ersten Panzerbrigade der jemenitischen Armee so etwas wie einen Staat im Staat bildete, beste Beziehungen zu Al Qaeda pflegte und nach seiner Niederlage nach Saudi Arabien flüchtete, rüsteten die Saudis die mit Al Qaeda verwobenen Stammesstrukturen in Marib für einen Krieg gegen Ansarullah und die jemenitische Armee auf. Die Stammeskämpfer dort hatten plötzlich Hunderte von nagelneuen Pickups mit zugehöriger Bewaffnung, und die offensichtliche saudische Unterstützung für Al Kaida in Marib war im Januar 2015 sogar Gegenstand einer öffentlichen Frage an den Sprecher von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon. Ansarullah und die jemenitische Armee ließen sich davon jedoch nicht einschüchtern, und erklärten, sie würden keine Präsenz von Al Kaida im Jemen dulden, auch nicht, wenn die ihre Flaggen nicht zeigt und mit Stammesstrukturen verwoben ist. Die Saudis haben auf den beabsichtigten Anti-Terror-Kampf von Ansarullah und jemenitischer Armee gegen Al Kaida in Marib reagiert, indem sie gedroht haben, Ansarullah solle das lassen, Marib sei „eine rote Linie“ für sie. Solange Al Kaida und mit Al Kaida verwobene Stammesstrukturen die Macht über das Öl von Marib und damit die Energiezufuhr von Sanaa hatten, fühlten die Saudis sich nach wie vor in gewisser Weise als Herren über den Jemen, die die neue, von Ansarullah gestellte, Regierung im Jemen jederzeit zu Fall bringen können. Doch als der Iran in Reaktion auf das von den Saudis beabsichtigte Erwürgen von Ansarullah über das Abschneiden der Energiezufuhr Mitte März ankündigte, der Iran werde Ansarullah einfach mit etwas von seinem Öl aushelfen, was der Iran aufgrund der Sanktionen ohnehin nicht verkaufen kann, war der Plan der Saudis zum Sturz von Ansarullah über das Abschneiden der Ölzufuhr geplatzt.

Es spricht einiges dafür, dass die Saudis zu Beginn ihres Krieges vorhatten, sowohl Aden zurückzuerobern als auch Sanaa über Marib anzugreifen. So legten die Saudis etwa gleich zu Beginn ihres Angriffskrieges gegen den Jemen einen Schwerpunkt darauf, jemenitische Armeeeinheiten in der Provinz Marib zu bombardieren. Doch anstatt, dass es den Saudis damit gelungen wäre, Al Kaida und den mit Al Kaida verbündeten Stammesmilizen von Marib aus ein Vorrücken in Richtung Sanaa zu ermöglichen, ist stattdessen Ansarullah in der Provinz Marib vorgerückt. Anfang April meldete der Yemen Observer, dass es Ansarullah trotz der saudischen Luftangriffe bereits gelungen sei, drei Bezirke der Provinz Marib unter Kontrolle zu bringen: Majzar, Madghal und Harib.

Ansarullah und die jemenitische Armee waren damit an unterschiedlichen Stellen der Provinz Marib, im Süden und im Nordwesten, trotz der saudischen Luftangriffe präsent, doch die mit den Saudis verbündeten Stammesmilizen und ihre Söhne von Al Kaida beherrschten nach wie vor die Stadt Marib und vor allem das Gebiet westlich davon, die als AL-Kaida-Hochburg bekannte Bezirksstadt Sirwah und vor allem das Umland dieser Stadt. Am Sonntag Morgen begannen die jemenitische Armee und Ansarullah mit der Befreiung von Sirwah und gleichzeitig rückten sie die Straße von Sirwah entlang in die Stadt Marib selbst vor. Nachdem Ansarullah sich in der Bezirksstadt Sirwah erfolgreich gegen Al Kaida durchgesetzt hatte, versuchten die Saudis, den Kampf von Ansarullah gegen Al Kaida durch Luftangriffe zu behindern. Al Masirah, der Haussender der Huthis, meldete, die Saudis hätten in Marib ein Krankenhaus bombardiert. Mareb Press meldete demgegenüber erfreut, die Saudis hätten das Regierungsgebäude des Bezirkes Sirwah bombardiert und dabei „zu 100% zerstört“, weil das von Ansarullah besetzt gewesen sei, bestätigte damit jedoch indirekt, dass Ansarullah nun das Stadtzentrum der Al-Kaida-Hochburg Sirwah beherrscht. Die US-Propagandaschleuder Associated Press meldete demgegenüber einfach nur unspezifisch, die saudisch geführte Kriegskoalition habe in der Provinz Marib Luftangriffe gegen Huthis und mit ihnen verbündete Kämpfer geflogen.

Aus Kreisen der Anhänger von Ansarullah wurde im Laufe des Sonntags und in der Nacht zum Montag gezwitschert, dass Ansarullah außerdem Al Kaida im Umland von Sirwah bezwungen, die Stadt Marib erobert habe und der auf Seiten der Saudis stehende Governeur von Marib geflüchtet sei. Das ist noch unbestätigt und klarer wird man das vermutlich erst in den kommenden Tagen sehen. Was jedoch bereits klar ist, ist, dass Ansarullah trotz der saudischen Luftangriffe weitere Fortschritte in der Provinz Marib gemacht hat und die Saudis mit ihrer Luftwaffe erneut ganz direkt Al Kaida im Jemen unterstützt haben.

Was die Realität angeht, so könnte es möglicherweise auch so sein, dass die Leute von Ansarullah und die Stammesführer von Marib bereits bei ein paar Ballen Kat zusammensitzen, und sich schon darauf geeinigt haben, dass es blöd ist, abwechselnd von Amis und Saudis bombardiert zu werden, und sich dann auch noch selbst als Jemeniten gegenseitig umzubringen. Das Ansarullah in Marib trotz saudischer Luftangriffe und massiv bewaffneter Stämme vorankommt, legt jedenfalls die Vermutung nahe, dass es Ansarullah in Marib wie schon in Ataq gelungen ist, ein Abkommen mit wichtigen Stammesführern zu machen, der den Fortschritt ermöglicht hat. Undenkbar ist so ein Seitenwechsel der Stämme in Marib keinesfalls, denn noch im Februar 2011 hielten schwerbewaffnete Stammeskämpfer in Marib eine große Parade zur Unterstützung des damaligen Präsidenten Ali Saleh ab. Und der gilt schließlich heute als der wichtigste Helfer von Ansarullah.

Sollte das so sein, könnte das bedeuten, dass die saudische Despotie zukünftig noch mehr Probleme bekommen wird, denn die Unkontrollierbarkeit der saudisch-jemenitischen Grenze und das Dickicht aus Zigtausenden Stammeskämpfern, das die Saudus zur Eroberung von Sanaa ausnutzen wollen, könnte auch in die andere Richtung wirken. Anstatt dass über die unkontrollierbare Grenze in den Stammesgebieten Waffen und Kämpfer von Saudi Arabien nach Jemen strömen, um gegen Sanaa zu kämpfen, könnte der Strom sich umkehren, und Riyadh das Ziel werden. Und Waffen gibt es in Marib schließlich, nicht zuletzt dank der großzügigen saudischen Spenden, mehr als genug.

Nachtrag Montag Abend: Al Manar hat mittlerweile bekanntgegeben, dass Ansarullah inzwischen „das meiste“ von Sirwah beherrscht und außerdem die Kontrolle über den „Berg Hilan“ (einige Dutzend Quadratkilometer großes, schwer zugängliches Bergland direkt nördlich der Bezirkshauptstadt Sirwah in der Provinz Marib, berüchtigt als Rückzugsort von Al Kaida und Co) unter Kontrolle gebracht habe. Davon, dass Ansarullah sich, wie am Sonntag bisweilen gezwitschert wurde, bereits in der Provinzhauptstadt Marib befindet, ist im Bericht von Al Manar keine Rede. Was Al Manar allerdings in der Nachricht noch mitteilt, ist, dass es auf saudischem Boden immer noch Kämpfe in der saudischen Provinz Najran nahe der jemenitischen Grenze zwischen den saudischen und jemenitischen Armeen gebe. Am Vormittag hatte Al Mayadin bereits mitgeteilt, dass der Stamm Hamdan bin Zaid nach wie vor die Kontrolle über den saudischen Grenzstützpunkt Manara habe, den er am Sonntag als Vergeltung für saudische Bombenangriffe auf Stammesmitglieder erobert hatte.

Nachtrag Mittwoch Abend: Apropos Witz – Am Dienstag Abend haben die Saudis Ansarullah in der Provinz Shabwa per Fallschirm eine Waffenlieferung zukommen lassen. Der saudische Abwurf war wohl eigentlich für Al Kaida gedacht, aber Ansarullah war mit dem Aufsammeln schneller. Der Huthi-Haussender Al Masirah berichtet mit Video:

20 Gedanken zu “Al Kaidas Luftwaffe kann Vormarsch von Ansarullah in Marib nicht stoppen

  1. lang lebe die freiheitsbewegung, Gott schütze Ansarullah und seine Anhänger!

    tolle berichterstattung !

    danke

    1. hulk

      Danke für die Blumen. Hoffentlich schützt nicht nur Gott Ansarullah, sondern es finden sich auch Menschen, die ihnen helfen. Die Saudis haben große Angst vor der Lieferung von „Game Changing“-Waffen. Hoffentlich schicken der Iran und Russland asap ein paar S-300 in den Jemen, um dem saudischen Bombenterror ein Ende zu bereiten.

      Und siehe da, vielleicht ein Zeichen Gottes, da gibt es gerade ein interessante Nachricht, was S-300 angeht:

      Putin erlaubt Lieferung der S-300-Raketensysteme an Iran

      Präsident Putin habe einen Erlass unterschrieben, der das Verbot für die Übergabe der Fla-Raketenabwehrsysteme an den Iran aufhebe, teilte das Presseamt des Kreml am Montag mit. Mit dem Erlass wird dem Transit der S-300-Systeme durch Russland und der Übergabe dieser Systeme an den Iran außerhalb Russlands grünes Licht gegeben.

      http://de.sputniknews.com/militar/20150413/301889902.html

      Es dauert zwar ein paar Tage, bis die Mannschaften dafür trainiert sind, aber die Nachricht geht dennoch klar in die richtige Richtung.

      Es gibt da übrigens noch ein Gerücht, was Russland und den Jemen angeht. Die Saudis hatten ja vor ein paar Tagen das russische Generalkonsulat in Aden bombardiert und danach auch noch russische Flugzeuge zum Umkehren gezwungen, die russische Bürger aus dem Jemen evakuieren wollen. In der Öffentlichkeit war Russland dazu ganz still. Das Gerücht besagt, dass Putin hinter den Kulissen dennoch aktiv war, und zwar rabiat. Demnach hat Putin den Saudis mitgeteilt, dass das Bombardieren eines russisches Konsulates ein Akt des Krieges gegen Russland ist und dass der russische Präsident laut der Verfassung dazu verpflichtet ist, russische Bürger zu schützen, und dazu brauche er keine Erlaubnis von Hadi oder Saudi Arabien. Sollten die Saudis es sich noch einmal wagen, Russen oder russische Einrichtungen im Jemen zu bombardieren, würde Russland sich im Kriegszustand mit den Saudis sehen und in den Krieg gegen Hadi und die Saudis eintreten. Anschließend seien reichlich russische Flugzeuge in Sanaa gelandet und ein russisches Kriegsschiff habe auch Aden angelaufen, um Russen aus dem Jemen zu evakuieren, und die Saudis waren mucksmäuschenstill und ganz besorgt, keinem Russen im Jemen ein Haar zu krümmen und keinem russischen Flugzeug oder Kriegsschiff in die Quere zu kommen. Mit anderen Worten: die von den Saudis über den Jemen verhängte Blockade wurde von Russland gebrochen, und Russland könnte in den Jemen an Waffen liefern, was Russland will, da die Saudis es nicht kontrollieren können.

      Die hinter dem Gerücht stehende Frage ist: haben die Saudis oder irgendjemand sonst wirklich geglaubt, Putin würde die Füße stillhalten, wenn die Saudis eine russische Botschaft bombardieren und es Russland verbieten, Russen aus einer Kriegssituation in Sicherheit zu bringen? Ich glaube, Putin ist nicht bekannt dafür, dass er es anderen Staaten gestattet, Russland zu demütigen.

      Das scheint auch der Hintergrund dafür zu sein, dass den Saudis vor eineinhalb Wochen ganz plötzlich eingefallen ist, dass sie unbedingt eine UN-Sicherheitsratsresolution wollen, die es anderen Staaten verbietet, Waffen in den Jemen zu liefern. Doch die ist bis jetzt nicht zustande gekommen, weil die Saudis bislang keine Einigung mit Russland über eine neue UN-Sicherheitsratsresolution zum Jemen gefunden haben. Und so kann gegenwärtig nach wie vor jeder Staat, der es will und kann, ganz legal, Waffen aller Art nach Sanaa, Aden und Hodeida liefern.

      1. made my day🙂

        Wie mir erscheint, sind SA (Saudi Arabien) und RU Erzfeinde geworden.
        Es gab ja dieses Gerücht, dass Bandar ibn Sultan (‚Bandar Bush‘) – soweit ich weiß jetzt Geheimdienstchef in SA und einer der Mächtigsten des Landes – anlässlich der Olympiade in Sochi Putin traf und ihm mit Terror drohte, falls er Syrien weiter unterstützen sollte;
        auch der derzeitige Ölpreisverfall, der RU großen Schaden zufügt (aber auch den USA), geht u.a. auf die Weigerung SAs zurück, die Förderrate nicht zu drosseln.

  2. Wir hoffen sehnlichst, dass die tapferen Yemeniten siegen werden. Das war sicher eine grosse Dummheit seitens Saudi Arabiens, sich derart im Yemen einzumischen. Die Chancen stehen gut, dass sich der Konflikt nun auf saudisches Territorium ausweiten wird und besonders die Grenzregion angeheizt wird. Damit hält ein wahrhaftiger arabischer Frühling Einzug in das reaktionäre Zentrum der arabischen Welt. Die Frage wäre, wie lange die Amerikaner die Füsse stillhalten, wenn es zu ernsthaften Unruhen bei ihren zweitbesten Freunden kommt.

    Auch im Irak wird wieder offensichtlich, dass die USA die Terroristen vom IS unterstützen. Sie raten der irakischen Armee ab, mit der Befreiung von Mosul zu beginnen. Die Armee wäre noch nicht so weit. Ich frage mich warum die Amerikaner dann nicht mitkämpfen. Schafft es die Supermacht nicht, gemeinsam mit den Irakern, den IS zu vertreiben. Oder wollen sie es nicht schaffen??? Wahrscheinlich fürchten die Amerikaner einen schnellen Sieg der Iraker in Mosul und ein Erstarken der Zentralregierung in Bagdad.

  3. Bibi schmeckt das gar nicht mit den S-300🙂 Drohte man doch schon kurz nach dem Abkommen (Iran) mit evtl. militär. Reaktionen. Auch aus bestimmten Lagern aus den USA. Derweil verhängte der UNsicherheitsrat ein Embargo mit russ. Enthaltung. Auch Pakistan scheint sich btw. quer zu stellen und hat anscheinend keine große Lust den Saudis zu folgen.

    Das Kiewer Putsch-Regime scheint sich auch wieder auf ne neue Offensive vorzubereiten. Den Strippenziehern aus Übersee ist es dort wohl zu ruhig geworden. Bzw. war denen das Minsker Abkommen ohnehin nur ein Dorn im Auge und es nur eine Frage der Zeit, wann sie´s platzen lassen würden. Sehe ich zumindest so. Kurz vorm Vierergespräch wurde wieder vermehrt geballert.

  4. Erstmal herzlichen Dank für diesen Blog !
    Es erschließt sich mir nicht wie man innerhalb von so kurzer Zeit an solche Hintergrundinformationen kommt, erstklassige Arbeit !
    Was ich nicht verstehe:
    Warum hat sich Russland heute bei der Resolution gegen die Huthi Rebellen enthalten und diese dann somit möglich gemacht ?
    Es wäre doch eine gute Möglichkeit gewesen für eine Retourkutsche Richtung der Saudis ?
    Ich kann mir nicht vorstellen das jetzt Russland und auch der Iran(ich denke der will die nächsten Wochen/Monate den Ball auch flachhalten) das Risiko einer Waffenlieferung eingehen, wäre ein gefundenes Fressen für USrael.
    Ich hoffe das Ansarullah durchhält ich habe aber trotzdem Zweifel ob langfristig der Munitionsvorrat nicht doch zur Neige geht.

  5. emil
    „Warum hat sich Russland heute bei der Resolution gegen die Huthi Rebellen enthalten und diese dann somit möglich gemacht?“

    So wie es aussieht, kalkuliert Russland, dass die schändliche Resolution 2216 den Saudis genug Strick gibt, dass sie sich daran aufhängen können. Bemerkenswert ist auch, dass nicht nur China, sondern auch die linken Regierungen von Venezuela und Chile der Resolution 2216 zugestimmt (Ja-Stimme) haben.

    Der Text der Resolution und die wesentlichen Kommentare der Botschafter dazu finden sich hier:

    http://reliefweb.int/report/yemen/security-council-demands-end-yemen-violence-adopting-resolution-2216-2015-russian

    Liest man die Resolution im Detail, so ist die Resolution völlig einseitig. Die Houthis müssen, die Houthis sollen, die Houthis dies, die Houthis das, und kein Wort von der saudisch geführten Bombardierung von Zivilisten, Flüchtlingslagern, Hilfskonvois, Krankenhäusern, Nahrungsfabriken und -speichern im Jemen. Der Text dieser schändlichen Resolution kann auch, wie selbst Gegner der Houthis warnen, leicht als eine Unterstützung für die saudische Bombardierung und Seeblockade des Jemen verstanden oder missverstanden werden.

    http://www.commondreams.org/news/2015/04/14/un-security-council-slammed-endorsing-siege-and-mass-starvation-yemenis

    Meine Informationen sagen mir, dass Russland der Resolution zugestimmt hat, weil sie keine Auswirkung auf die Situation im Kampf am Boden im Jemen hat. Das Einfrieren von Auslandskonten der Herren Huthi und Saleh ist geradezu ein Witz. Die Saudis sind so auf Houthis und Saleh fixiert, dass sie sogar das Waffenembargo viel zu eng gefasst haben, um wirksam zu sein. Ein Waffenembargo gibt es in der Resolution nur gegen Houthi und Saleh und ihre Leute, aber nicht gegen die jemenitische Armee und Anhänger anderer Personen. Das heißt, die Resolution verbietet es nicht mal, Waffen irgendwelcher Art in den Jemen zu liefern, auch wenn die Waffen an Freunde der Huthis gehen. Trotzdem fühlen sich die Saudis durch die Resolution nun ganz toll und stark, und laufen nun Gefahr, sich durch weitere starke Überschätzungen ihrer eigenen Stärke um Haus und Hof zu bringen. Noch was: es gibt deutliche Hinweise darauf, dass Ägypten es hinter den Kulissen abgelehnt hat, Bodentruppen für den Kampf im Jemen zu stellen. Stattdessen wollen die Ägypter nun wohl Manöver mit den Saudis abhalten, wo sie ihnen den Bodenkampf beibringen wollen….

    Nun gut, wie dem auch sei, ich halte die Resolution für eine Schande, die russische Enthaltung, aber noch viel mehr die Ja-Stimmen von Venezuela und Chile.

    1. Die Russische Föderation ist gegen Lieferung von Waffen an Bürgerkriegsparteien. Die Haltung ist daher in der Konsequenz eine konsistente.

  6. Interessant finde ich auch das chinesische Ja zu dieser Resolution. Für mich impliziert es, dass Peking hier in erster Linie seine eigenen wirtschaftlichen Interessen berücksichtigt und einfach nur Ruhe an einem der wichtigsten Handelswege der Welt haben will. Ganz egal welche Seite nun auch immer dort das Sagen hat. Und da Russland sein Abstimmungsverhalten im Weltsicherheitsrat i.d.R. mit China koordiniert, erscheint dessen Enthaltung vor diesem Hintergrund logisch.
    Und natürlich auch noch nach dem Punkt des Kommentators über mir betrachtet, nachdem Russland das Liefern von Waffen an Bürgerkriegsparteien verurteilt, so wie es der Westen momentan für eine (so wie ich glaube) definitiv bevorstehende militärische Offensive seiner Zöglinge in der Ukraine unternimmt.

  7. Saudi Arabien ist mitglied bei der Asian Infrastructure Investment Bank.
    Wenn sie im UNO gegen Saudi Arabien stimmen dann würden sie gegen ihren eigenen mitglied im AIIB stimmen.

    1. Feti

      Ich kann nicht erkennen, warum das für China ein Problem sein sollte, im Sicherheitsrat anders als andere Teilnehmer der AIIB abzustimmen. Wenn die AIIB-Teilnehmer diesbezüglich Einigkeit wünschen, können sie ja so abstimmen, wie China abstimmt. Russland macht übrigens auch bei der AIIB mit, hat UN-Sicherheitsrat aber gerade trotzdem anders als China abgestimmt.

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