Goodluck Jonathan geht, Muhammadu Buhari kommt

Der nigerianische Präsident Goodluck Jonathan hat eingestanden, dass er die Wahl verloren hat. Den Ruf als anti-kolonialer Held, den Goodluck Jonathan aufgrund seiner Rhetorik und des nigerianischen Wirtschaftswachstums in Teilen des Westens, auch bei Linken, genießt, hat er zu Unrecht. Da wo es drauf ankam, positionierte Goodluck Jonathan Nigeria an der Seite der radikalsten Kräfte des Imperialismus – an der Seite der von Netanjahu geführten zionistisch-saudisch-wahhabitischen Terrorachse, und er hat mit dieser politischen Ausrichtung zum gegenwärtigen Terrorproblem in Nigeria nicht unerheblich beigetragen.

Da ist zum Beispiel die UN-Sicherheitsratsresolution 1973 zur Kriegsermächtigung der NATO gegen Libyen: Goodluck Jonathan stimmte für den NATO-Angriffskrieg und lieferte damit eine von zehn Stimmen, wobei neun nötig waren, für den insbesondere von Netanjahu und seinem französischen Lakaien Sarkozy sowie den wahhabitischen Diktaturen Saudi Arabien und Katar gewollten neokolonialen Angriffskrieg gegen das afrikanische Land, mit dem Nigeria gute Beziehungen hatte. Der von Goodluck Jonathan im Sicherheitsrat unterstützte Angriffskrieg von NATO und wahhabitischen Terroristen, darunter Al Kaida, zerstörte nicht nur Libyen. Dieser setzte auch die wahhabitischen Kräfte frei, die nun weite Teile Nigerias mit Terror überziehen und lähmen. Mit der Unterstützung für den NATO-Terrorkrieg gegen Liyben hat Goodluck Jonathan somit selbst aktiv, ohne Not und in Verrat des grundlegenden Prinzips der afrikanischen Einheit im Kampf gegen Kolonialismus und Neokolonialismus dazu beigetragen, den wahhabitischen Terrorkrieg nach Nigeria zu holen, der dort unter dem Namen Boko Haram bekannt ist.

Und ebenfalls im Jahr 2011 hat Goodluck Jonathan, als eine von neun Stimmen, im UN-Sicherheitsrat für imperiale Maßnahmen gegen Syrien gestimmt, anstatt sich etwa wie Indien, Brasilien, Südafrika und der Libanon zu enthalten, wobei die Resolution dann zwar trotzdem am Veto Russlands und Chinas scheiterte, aber Russland und China als Blockierer an den Pranger gestellt wurden, was so nur durch die Ja-Stimme von Goodluck Jonathan möglich war. Man könnte nun denken, das sei eine unrühmliche Ausnahme gewesen und damals, im Jahre 2011 waren viele verwirrt, so etwa auch Südafrika, das für die Kriegsresolution 1973 die zehnte Stimme gegen Libyen lieferte. Aber Goodluck Jonathan hat im Dezember 2014, als Nigeria wieder für Afrika im UN-Sicherheitsrat saß, durch seine Nicht-Unterstützung der Resolution zur Anerkennung der Staatlichkeit von Palästina gezeigt, dass das 2011 keine Ausnahme war und er da auch nicht verwirrt war. Mit seiner Enthaltung hat er Netanjahu eine Freude gemacht, und dem anti-kolonialen Kampf in Westasien einen Stich in den Rücken versetzt, sonst nichts. Auch da waren neun Ja-Stimmen ein Kriterium zur Gültigkeit der Resolution, doch dank der Enthaltung von Goodluck Jonathan hatte die Resolution nur acht Ja-Stimmen. Damit war es Netanjahu dank der, für manche überraschenden, Enthaltung gelungen, eine Debatte, insbesondere in den USA, über das ständige US-Veto zum Schutz Israels zu verhindern, und Netanjahu im Kampf gegen Obama den Rücken zu stärken.

Das Abstimmungsverhalten von Goodluck Jonathan im UN-Sicherheitsrat, wenn es drauf ankommt, ist ganz eindeutig – auch wenn er genauso überzeugend anti-kolonial Lächeln kann wie es der Brite Tony Blair einen Arbeiterführer mimen konnte, mit Goodluck Jonathan an der Spitze stand Nigeria fest an der Seite Israels und der westlichen Kolonialmächte. Seine Partnerschaft mit Israel erklärt auch, wieso Goodluck Jonathan sich, um seiner Armee Hubschrauber für den Anti-Terrorkampf zu beschaffen, im Jahr 2014 ausgerechnet an das zionistische Apartheidregime wendete. Und Goodluck Jonathans offensichtliche Verbundenheit mit der von Netanjahu israelisch-saudischen Achse des Terrors lässt es angebracht erscheinen, einen neuen Blick auf die Aussage von Henry Okah zu werfen, der behauptet, die Bombenanschläge von Abuja im Oktober 2010 seien eine False-Flag-Attacke gewesen, die Goodluck Jonathan als amtierender Präsident organisiert habe, weil er sich davon eine Verbesserung seiner Chancen bei der Präsidentschaftswahl 2011 erhofft habe.

Wie dem auch sei, jedenfalls erklärt schon die Enthaltung von Goodluck Jonathan im UN-Sicherheitsrat bei der Abstimmung zu Palästina, wo Nigeria als stolze anti-koloniale Macht eigentlich eine sichere Ja-Stimme hätte sein sollen, und die Enthaltung Nigerias somit als Parteinahme Jonathans für Netanjahu gesehen werden muss, warum Barack Obamas Chef-Wahlkampfmanager David Axelrod den Gegenkandidaten von Jonathan im Wahlkampf unterstützt, obwohl der ein alter Militärdiktator mit einer bewegten Vergangenheit ist. Jeder, der sich im rabiaten Machtkampf zwischen Netanjahu und Obama auf die Seite von Netanjahu stellt, hat gegenwärtig so etwas wie Extremente am Schuh kleben, zufällig oft einfach Pech.

Sei’s drum, Muhammadu Buhari wurde nun zum Präsidenten Nigerias gewählt. Schlimmer als der Verräter Goodluck Jonathan, der Nigeria in die Boko-Haram-Katastrophe führte, kann er kaum sein. Und wer weiß, vielleicht wird Nigeria unter Muhammadu Buhari ja sogar Teil der BRICS. Beim neuen indischen Regierungschef Modi, unter dem Indien ein fester Partner Russlands und Chinas wurde, sind ja auch viele zunächst skeptische Beobachter positiv überrascht worden. Was sich auf jeden Fall sagen lässt, ist, dass die geopolitische Ausrichtung von Nigeria, dem mit Abstand bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Staat Afrikas, einen enormen Einfluss in jedem Fall auf Westafrika, aber auch auf den politischen Wind in Afrika insgesamt hat.

Nachtrag Sonntag: Alexander Mezyaev berichtet bei Strategic Culture, dass Muhammadu Buhari gesagt hat, er beabsichtige eine besondere Beziehung zu den BRICS, insbesondere zu Russland, aufzunehmen, und hat noch mehr Details dazu, wie westliche Kräfte versucht haben, die Wahl von Goodluck Jonathan zu unterstützen.

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