Fortgang des Krieges der Saudis gegen Jemen

Vier Tage dauert der von der saudischen Despotie angeführte offene zionistisch-wahhabitische Angriffskrieg zur Unterwerfung des Jemen nun. Wie bei Kriegen üblich, so gibt es auch hier einen dichten Nebel aus Propaganda, so dass es nicht ganz einfach ist, die tatsächlichen Entwicklungen nachzuvollziehen und sich nicht im Spiegelkabinett der Propaganda zu verirren. Hier ist ein Versuch, trotzdem etwas zu sehen.

Zunächst einmal ist zum Wesen dieses Krieges zu sagen, dass der Krieg bislang weniger den Charakter einer von der saudischen Seite behaupteten militärischen Intervention zur Stützung einer von zwei konkurrierenden Regierungen in Jemen zeigt, sondern stattdessen eher nach einem saudisch geführten Krieg gegen Jemen aussieht. Die Regierung von Aden, zu deren Schutz die saudisch geführte Koalition ihre militärischen Operationen im Jemen durchzuführen behauptet, ist, sofern sie nicht verhaftet wurde, untergetaucht oder aus dem Jemen geflüchtet. Ihr international als Regierungschef des Jemen anerkannter Präsident Hadi hält sich unbestrittenen Berichten zufolge nicht im Jemen, sondern in der saudischen Hauptstadt Riad auf und sein Sprecher hat erklärt, die Lage im Jemen sei gegenwärtig nicht so, dass Präsident Hadi in den Jemen zurückkehren könne, doch Hadi hoffe darauf, in zwei bis drei Tagen zurück in den Jemen gehen zu können.

Auch sprechen sämtliche verfügbaren Berichte dafür, dass das Militär des Jemen geschlossen auf der Seite der von Ansarullah in Sanaa gebildeten Regierung steht. Es gab in den letzten Tagen zahlreiche Berichte darüber, dass Einheiten des jemenitischen Militärs auf Seiten der Regierung von Ansarullah an Kämpfen teilgenommen haben, während es keine Berichte darüber gab, die auf die Existenz von Präsident Hadi gegenüber loyalen Einheiten des jemenitischen Militärs hindeuten würden, die auf irgendeine Weise den Kampf gegen die Regierung in Sanaa unterstützt haben. Wenn in den letzten Tagen von Hadi gegenüber loyalen jemenitischen bewaffneten Formationen die Rede war, die an Kampfhandlungen im Jemen teilgenommen haben, so wurden diese ausschließlich mit für nicht-staatliche Akteure typischen Begriffen wie Milizen oder Volkskommitees bezeichnet, nie jedoch als Einheiten der jemenitischen Armee. Es gibt bislang auch keine Berichte darüber, dass die saudisch geführte Militäroperation dazu geführt hätte, dass Einheiten des jemenitischen Militärs zum Lager Hadis übergetreten sind oder desertiert wären. Ein weiteres Indiz dafür, wie wenig Unterstützung Präsident Hadi beim jemenitischen Militär hat, sind Berichte, denen zufolge es einen diplomatischen Vorschlag von Algerien geben soll, dem zufolge die Houthis sich zur Konfliktbeilegung aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa zurückziehen sollen und Präsident Hadi dann als Präsident nach Sanaa zurückkehren soll, wobei dieser Vorschlag jedoch aufgrund einer saudischen Forderung nach Stationierung internationaler Besatzungstruppen in Sanaa zum Schutz Hadis vor der jemenitischen Armee, was die Regierung in Sanaa ablehnt, nicht realisierbar ist.

Was in den letzten Tagen weiterhin zu beobachten war, ist, dass saudische Medien durch das Streuen von Gerüchten wie dem, dass ein Sohn des Ex-Präsidenten Saleh den Saudis angeboten hat, mit 100.000 von ihm befehligten Soldaten gegen die Houthis zu kämpfen, die Saudis dies jedoch abgelehnt haben, versuchen, eine Spaltung zwischen jemenitischem Militär und Houthis herbeizuführen. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass diese Bemühungen der saudischen Kriegspropaganda erfolgreich waren. Es sieht vielmehr nach wie vor alles danach aus, dass das jemenitische Militär auch nach dem Beginn der saudisch geführten Militäroperation im Jemen geschlossen an der Seite der Houthis steht und es auch keinen Riss zwischen dem jemenitischen Militär und den Houthis innerhalb von Ansarullah gibt. Andersherum gibt es allerdings einige Berichte darüber, dass der saudisch geführte Krieg gegen Jemen bereits dazu geführt, dass Ansarullah neue Verbündete gefunden hat, nämlich unter Milizen, die Ansarullah eigentlich ablehnen, aber nun angesichts der saudischen Aggression der Meinung sind, dass jetzt erstmal alle Jemeniten gegen die saudische Aggression zusammenstehen sollten.

Auf der anderen Seite scheint es in der saudisch geführten Kriegskoalition eine empfindliche Lücke zu geben, die bei Beginn des Krieges von Saudi Arabien so nicht vorhergesehen war. Als der saudische Botschafter in Washington den Beginn des saudisch geführten Krieges gegen Jemen verkündete, verbreitete Saudi Arabien dazu die Meldung, eine Koalition aus mehr als zehn Staaten, darunter die über Jahrzehnte mit viel saudischem Geld gehätschelte Nuklearmacht Pakistan, deren Regierungschef Nawaz Sharif als Schützling der Saudis gilt, würde sich daran mit Boden-, Luft- und Seestreitkräften beteiligen. Pakistan hat vermutlich leistungsfühigste Armee der Koalition der Staaten, von denen die Saudis behauptet hatten, sie würden sich am saudisch geführten Krieg gegen Jemen beteiligen. Doch der pakistanische Verteidigungsminister dementierte die pakistanische Kriegsbeteiligung umgehend und erklärte, Pakistan werde sich nicht am saudischen Krieg gegen Jemen beteiligen. Auch der einflussreiche pakistanische Oppositionspolitiker Imran Khan erklärte, Pakistan dürfe sich keinesfalls am saudischen Krieg in Jemen beteiligen. Auch wenn die Situation bezüglich einer pakistanischen Beteiligung am Krieg gegen Jemen nach wie vor nicht ganz klar ist und es so aussieht, dass der pakistanische Regierungschef Nawaz Sharif wohl bereit wäre, beim Krieg gegen Jemen mitzumachen, so hat Pakistan offenbar jedenfalls jetzt noch nicht mit einer Beteiligung am Krieg gegen Jemen begonnen, und aufgrund interner Widerstände in Pakistan sieht es so aus, dass es fraglich ist, ob Pakistan sich daran beteiligen wird, selbst wenn Nawaz Sharif das will. Dass die Saudis Pakistan öffentlich als Teilnehmer am Krieg gegen Jemen vorgestellt haben, nur um dann aus Pakistan Dementis zu bekommen, deutet zumindest darauf hin, dass da für die Saudis nicht alles glatt läuft.

Auch die Beteiligung der weitläufig zweitstärkste Militärmacht der saudischen Kriegskoalition gegen den Jemen eingeschätzte Repupulik Ägypten scheint nicht problemlos vonstatten zu gehen. Zwar ist der ägyptische Staatshaushalt weitgehend von Zuwendungen der Saudis und der ebenfalls zur anti-jemenitischen Kriegskoalition gehörenden Emiratis abhängig, und verbal gibt Ägypten auch vollmundige Erklärungen zur Unterstützung des saudischen Krieges gegen Jemen ab, doch bei der konkreten Ausgestaltung des ägyptischen Beitrages zum saudischen Krieg gegen Jemen scheint der ägyptische Herrscher General Sisi sich dann doch zu zieren. Ägypten hat zwar einige Kriegsschiffe zum Schutz der Seestraße Bab Al-Mandez entsandt, dessen freie Passage, weil das die Zufahrt zum Suezkanal ist, ohnehin ein überragendes ägyptisches Interesse ist, doch zumindest in der gegenwärtigen Phase scheint der von den Saudis verlangte ägyptische Beitrag zum saudisch geführten Luftkrieg gegen den Jemen, wenn es ihn ünerhaupt gibt, marginal zu sein, und das, obwohl Ägypten eine der leistungsfähigsten Luftwaffen der saudisch geführten Koalition hat. Die Zurückhaltung lässt sich unter anderem dadurch erklären, dass die ägyptische Regierung der jemenitischen Armee ideologisch viel näher steht als den von der saudischen Kriegskoalition – zumindest indirekt – unterstützten islamischen Fanatikern von Moslembrüdern und Wahhabiten. Es liegt auf der Hand, dass der in Ägypten herrschende General Sisi und das dortige Militär nach Wegen suchen, wie sie sich vor den militärischen Unterstützungsverlangen ihrer saudischen Sponsoren drücken können. Es scheint also mit der Beteiligung von Ägypten ein ähnliches Problem wie mit der Beteiligung der USA zu geben, die sich zwar verbal zustimmend zeigen, aber tatsächlich nur logistisch und nicht aktiv an Kriegshandlungen gegen den Jemen teilnehmen wollen. Ein Problem ganz anderer Art gibt es mit der Beteiligung des – offensichtlich mit saudischen Öldollars eingekaufte – Sudan an der saudischen Kriegskoalition gegen den Jemen. Nicht nur ist der Sudan arm und von Konflikten zerrüttet, sodass das sudanesische Militär nur einen sehr kleinen Beitrag zur saudischen Kriegskoalition leisten kann, sondern obendrein ist der Staatschef des Sudan dem Westen als vom ICC gesuchter Kriegsverbrecher verhasst, wodurch die saudische Kriegskoalition sich durch die Beteiligung des Sudan in westlichen Staaten ein zusätzliches Imageproblem einhandelt.

Die weiteren Staaten und Akteure der Welt positionieren sich gegenwärtig unterschiedlich zum saudisch geführten Krieg gegen den Jemen, beteuern jedoch, dass sie sich nicht an den Kriegshandlungen beteiligen wollen. Ablehnend zum saudisch geführten Krieg äußerten sich Iran, Irak, Syrien, Hisbollah, Russland, China, die EU und Deutschland. Zustimmend äußerten sich unter anderem Israel und Netanjahus spezielle Freunde in den USA, Palästina – und da sowohl Abbas als auch Hamas, die Türkei, Somalia und Britannien. Es liegt nicht fern, bei zumindest einigen der sich zustimmend äußernden Staaten dahinter die Absicht zu vermuten, finanzkräftige saudische Geschäftspartner und Sponsoren bei Laune zu halten.

Was den Saudis nach Abzug obiger Problemstaaten in ihrer Kriegskoalition gegen Jemen noch bleibt, sind sieben totalitäre Monarchien: die fünf wahhabitischen GCC-Staaten, Jordanien und Marokko. Und diese sieben totalitären und völlig undemokratischen Monarchien wollen nun die Welt, und die Bevölkerung der Welt, insbesondere die des Jemen, davon überzeugen, sie ziehen im Jemen in den Krieg, um dort für Demokratie zu sorgen, und das natürlich, indem sie den Präsidenten Hadi da wieder an die Macht bringen, der im Jemen 2012 nach einem blutigen Staatsstreich und einer von Saudi Arabien unterstützten völlig undemokratischen Ein-Personen-Wahl an die Macht gekommen war und nach zwei Jahren aus dem Jemen nach Riad verjagt wurde. Diese Groteske werden die Saudis und ihre Kriegspartner nun international verteidigen müssen, auch wenn die Diskussionen schärfer werden, je länger der Krieg dauert und je mehr Blut dabei vergossen wird. Zur Erhöhung der Akzeptanz für den Krieg innerhalb von Saudi Arabien hat das saudische Regime Berichten zufolge die Prediger in den saudischen Moscheen angewiesen, in den Freitagsgottesdiensten für den Krieg damit zu werben, dass er zur Zurückdrängung angeblicher persischer und schiitischer Hegemoniebestrebungen in der arabischen Welt nötig sei.

Was die direkten Kriegshandlungen im Jemen angeht, so lassen übereinstimmende Berichte darauf schließen, dass die saudisch geführte Kriegskoalition in den letzten Tagen im Jemen insbesondere Basen und Einrichtungen der jemenitischen Armee sowie Flughäfen in nahezu allen Regionen des Jemen bombardiert hat. Des weiteren gibt es unbestätigte Berichte darüber, dass die saudische Kriegskoalition aus der Luft unter anderem Stellungen der Houthis, Wohnhäuser von Führungspersönlichkeiten von Ansarullah, Ansarullah nahestehende Fernsehsender, ein Kraftwerk, eine Raffinerie, ein Krankenhaus und Fahrzeugkolonnen der jemenitischen Armee sowie anderer zu Ansarullah gehörenden Milizen bombardiert hat. Der militärische Erfolg der Bombardierung scheint bislang zumindest darin zu bestehen, dass die jemenitische Luftwaffe gegenwärtig nicht mehr flugfähig ist. Über weitere Verluste und Schäden gehen die Berichte weit auseinander.

Die Saudis behaupten, es sei ihnen insbesondere gelungen, die jemenitischen Raketetenstreitkräfte zu eliminieren und tatsächlich gab es, außer in der ersten Kriegsnacht, keine glaubwürdigen Berichte über erfolgreiche jemenitische Raketenangriffe auf saudisches Territorium mehr. Unzweifelhaft scheint es auch so zu sein, dass durch die Bombardierung Zivilisten getötet und verletzt wurden, wobei die genaue Anzahl nicht bekannt ist. Laut Angaben der jemenitischen Regierung in Sanaa geht die Anzahl der Opfer der Bombardierung inzwischen in die Hunderte. Ansarullah reagiert auf die Luftangriffe mit Luftabwehrfeuer, hat dazu aber wohl kaum mehr als Geschütze zur Verfügung, die die angreifenden Kampfflugzeuge nicht erreichen können. Nihctsdestotrotz gibt es Berichte über Abschüsse, die man für mehr oder minder glaubwüridig halten kann. Ein Absturz eines Fliegers der angreifenden saudischen Koalition wurde von den USA dadurch bestätigt, dass sie erklärten, sie hätten zwei Piloten der Koalition aus dem Meer gerettet, wobei jedoch, wie auch bei Abschüssen üblich, technisches Versagen als Grund für den Absturz genannt wird.

Neben den Luftangriffen der saudisch geführten Koalition auf Ziele im Jemen gab es in den letzten Tagen auch heftige Gefechte am Boden, die teilweise noch andauern. Besonders heftig sollen insoweit übereinstimmenden Berichten zufolge die Auseinandersetzungen in und um Aden sein. Die Krankenhäuser sollen mit den vielen Toten und Verwundeten der unterschiedlichen Seiten überfordert sein und viele Tote noch in den Straßen herumliegen. Schon weniger klar ist, wer in Aden eigentlich gegen wen kämpft. Auf Seiten der Regierung von Sanaa kämpft da wohl vornehmlich die jemenitische Armee. Auf Seiten der Unterstützer von Hadi kämpfen Milizen, möglicherweise auch wütende Mobs, die sich in den letzten Tagen spontan gebildet und bewaffnet haben. In einigen Berichten von mit der saudischen Seite sympathisierenden Medien ist von einem Run von mit Hadi sympathisierenden Teilen der Bevölkerung Adens auf Waffenlager die Rede. Diese Berichte werden dadurch unterstützt, dass ein großes Waffenlager in Aden explodiert ist, was angeblich im Zuge einer Plünderung erfolgt und viele Opfer mit sich gebracht haben soll. Von mit der Regierung in Sanaa sympathisierenden Medien wurde berichtet, dass sich Luftlandetruppen der saudisch geführten Kriegskoalition in einem von mit Hadi sympathisierenden Milizen beherrschten Stadtteil von Aden aus Hubschraubern abgeseilt haben sollen. Von saudischer Seite wird das zwar bestritten, was jedoch inzwischen unbestritten auch in mit den Saudis sympathisierenden westlichen Medien nachzulesen ist, ist, dass saudische Kriegsschiffe in den letzten Tagen in Aden waren, um von dort Diplomaten und andere Ausländer zu evakuieren. Der Gedanke, dass die saudischen Kriegsschiffe in Aden gleichzeitig Spezialeinheiten oder andere irreguläre Kampftruppen, Waffen und Munition zur Unterstützung der saudischen Kriegsbemühungen auf dem Boden in Aden abgesetzt haben, erscheint insofern naheliegend.

Dafür, dass Hadi unterstützende Kampfgruppen von See aus Unterstützung erhalten haben, spricht auch, dass neuere Berichte doch recht übereinstimmend davon sprechen, sie hätten den Flughafen von Aden von der jemenitischen Armee zurückerobert, den sie kurz vor dem Beginn der saudischen Militäroffensive verloren hatten, obwohl man dies natürlich auch auf psychologische Effekte zurückführen könnte. Die Besonderheit in der Geografie der in einem Vulkankrater gelegenen Hafenstadt Aden ist, dass die Innenstadt und der Hafen von Aden von Land aus nur über den Flughafen – und zwei östlich und westlich direkt daran vorbeiführende Straßen – erreicht werden können. Ansarullah behauptet demgegenüber, den Flughafen von Aden noch nicht verloren zu haben, und sich außerdem nördlich des Flughafens im Adener Stadtteil Sheikh Otman festgesetzt zu haben. Bezüglich des direkten nördlichen Umlandes von Aden, einschließlich der strategisch wichtigen Luftwaffenbasis 40 Kilometer nördlich von Aden, behaupten gegenwärtig beide Seiten, das Gebiet zu beherrschen. Die Wahrheit dürfte sein, dass das ganze Gebiet von Aden gegenwärtig eine fließende Kriegszone ist, wo gegenwärtig noch völlig unklar ist, wer sich da letztlich durchsetzen wird. Dafür spricht auch, dass Hadis Milizen zwar behaupten, Aden unter Kontrolle zu haben, Hadi selbst sich jedoch nicht traut, aus Saudi Arabien dorthin zurückzukehren, obwohl seine Rückkehr nach Aden enorm wichtig wäre, um dem saudischen Krieg gegen Jemen wenigestens etwas mehr den Anschein von Legitimität zu verschaffen.

Was die weitere Umgebung von Aden angeht, so wurde berichtet, dass es zu Ansarullah gehörenden Armeeeinheiten in den letzten Tagen trotz der saudisch geführten Bombardierung gelungen sei, die 100 Kilometer östlich von Aden in der Provinz Abyan gelegene Küstenstadt Shoqra unter ihre Kontrolle zu bringen. Außerdem gab es Berichte, dass Armeeeinheiten auch in der zwischen Aden und Shoqra gelegenen Hauptstadt der Provinz Abyan gelegenen Stadt Zinjibar eingetroffen sind, wobei es jedoch widersprüchliche Angaben dazu gab, ob es ihnen gelungen ist, Al Kaida und den Milizen von Hadi die Kontrolle über diese Provinzhauptstadt abzunehmen. Auch wenn noch nicht ganz klar ist, ob diese Kämpfe der Armee in Abyan schon beendet sind und so erfolgreich waren, wie von Ansarullah behauptet, so lassen sich daraus doch schon jetzt Schlussfolgerungen für den saudischen Krieg gegen Jemen ziehen. Zum Einen ist es Ansarullah mit dem Vorstoß trotz saudischer Bombardierung gelungen, tief in das dünn besiedelte, von Hadis Milizen und Al Kaida beherrschte südostjemenitische Wüstenland vorzustoßen und damit eine saudische Invasion von dort aus deutlich zu erschweren, und zum Anderen hat Ansarullah damit einen von Aden unabhängigen Zugang zum Golf von Aden, was es für die Saudis schwierig macht, Ansarullah wie geplant über eine Blockade von Aden und der Seestraße von Bab Al Mandeb vom Seehandel abzuschneiden.

Eine weitere wesentliche Entwicklung zeichnet sich möglicherweise direkt an der Seestraße von Bab Al Mandeb ab. Übereinstimmenden Berichten unterschiedlicher Seiten zufolge ist es den Saudis nicht gelungen, durch Luftangriffe zu verhindern, dass Einheiten der jemenitischen Armee nach rund einer Woche dauernden Gefechten die nördlich von Bab Al Mandeb in der Provinz Taizz gelegene Küstenstadt am Roten Meer Mokha unter ihre Kontrolle gebracht haben. Mit Ansarullah sympathisisierende Medien berichteten am Sonntag, dass es Ansarullah in der Folge auch gelungen sei, in die jemenitische Küstenregion von Bab Al Mandeb vorzustoßen, die jemenitische Küste von Bab Al Mandeb damit nun unter Kontrolle von Ansarullah sei und als nächstes die in der Seestraße Bab Al Mandeb gelegene jemenitische Insel Mayyun befreit werden könne. Sollten sich diese Meldungen als im Großen und Gnazen zutreffend herausstellen, so würde das bedeuten, dass saudische Pläne, durch eine Kontrolle von Bab Al Mandeb eine Seeblockade über die von Ansarullah beherrschte jemenitische Küste am roten Meer zu verhängen, unrealistisch geworden sind, dass Ansarullah auf dem Sprung ist, die jemenitische Küste zwischen Bab Al Mandeb und Aden zu kontrollieren, und Aden damit von Land her in die Situation einer vollständigen Umzingelung durch Ansarullah gerät und dass Ansarullah mit der partiellen Kontrolle über Bab Al Mandeb ein Druckmittel gegen Äygpten und Saudi Arabien in die Hand bekommen hat. Zwar hat Ansarullah vor dem Krieg versprochen, dass sie die ungehinderte Durchfahrt durch die für die Weltwirtschaft im Allgemeinen und Ägypten im Besonderen wichtige Seestraße Bab Al Mandeb nicht behindern wollen, doch wenn Saudi Arabien und Ägypten dort, wie von saudischen Medien angekündigt, Kriegshandlungen beginnen, um den Seehandel von Jemen zu behindern und eine Seeblockade gegen Ansarullah zu verhängen, dann könnte die Situation natürlich ganz anders aussehen. Ansarullah könnte sich da dann durchaus auf den Standpunkt stellen, zu sagen: solange ihr unsere Schiffe nicht durch diese internationale Seestraße fahren lasst, lassen wir eure Schiffe auch nicht durchfahren.

Weiterhin gab es übereinstimmenden Berichten unterschiedlicher Seiten vom Sonntag zufolge rund 170 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Sanaa im Nordwesten der östlich von Abyan liegenden Provinz Shabwah tödliche Auseinandersetzungen mit mehreren Dutzend Toten. Unterschiedlich wurde jedoch das Wesen dieser Auseinandersetzung beschrieben. Mit Hadi sympathisierende Medien erklärten, mit Hadi sympathisierende Stammesmilizen hätten dort Houthi-Kämpfern erfreulicherweise mit einem Hinterhalt schwere Verluste bereitet, während mit Ansarullah sympathisierende Medien behaupteten, der jemenitischen Armee sei es dort erfreulicherweise gelungen, einen Checkppoint von Al Kaida und anderen Terroristen an der Hauptstraße von Sanaa zur Küste des Jemen östlich von Aden zu eliminieren. Informationen dazu, welche Darstellung näher an der Wahrheit ist, lassen sich jedoch nicht finden.

Außerdem gibt es etliche Berichte über heftige Kämpfe in der Grenzregion zu Saudi Arabien ganz im Nordwesten des Jemen oder ganz im Südwesten Saudi Arabiens, da wo das Kernland der Houthis ist und die zaiditische Glaubensrichtung, der die Houthis angehören, auf beiden Seiten der Grenze ihre Hochburg hat. Es gibt dabei Berichte über grenzüberschreitende Kämpfe und über Kämpfe und Attacken auf beiden Seiten der Grenze, aber keine Seite, weder die Houthis noch die Saudis, lässt sich jenseits von allen möglichen denkbaren unverifizierbaren Berichten näher in die Karten schauen und so bleibt es abzuwarten, was aus dieser Region an Nachrichten kommt, sobald sich die Nachrichtenlage dort verdichtet. Soweit dort gegenwärtig etwas klar ist, ist es, dass beide Seiten in dieser volatilen Grenzregion Kräfte konzentriert haben.

Zum Schluss dieses Artikels bleibt ine Ausblick. Von Seiten der Hadi-Saudi Kriegspartei wird erwartet, dass im Laufe dieser Woche Bodentruppen zum Einsatz gebracht werden, wobei es der Spekulation überlassen bleibt, wo die Bodeninvasion stattfinden soll. Denkbar sind insbesondere ein Vorrücken saudischer Truppen von Nordosten durch die jemenitischen Provinzen Jawf und Marib auf die Hauptstadt Sanaa oder eine seegestützte Invasion im Süden, etwa in Aden, um Hadi da zur Rückkehr verhelfen, wovon die Saudis sich insbesondere den Gewinn eines dringend benötigten Legitimitätsschubes erhoffen könnten, oder natürlich beides zusammen. Die Houthis haben demgegenüber für die nächste Zeit einfach Überraschungen angekündigt, die die Welt verblüffen werden. Was Ansarullah zur Verteidigung des Jemen zu unternehmen plant, ist völlig offen. Westlichen Medien zufolge rechnen die Saudis mit einer Kriegsdauer zwischen einem und sechs Monaten.

Warnungen, ihr verbrecherischer Angriffskrieg gegen Jemen könne das Ende ihres Königreiches bedeuten, nimmt die saudisch-wahhabitische Despotie nach wie vor nicht ernst.

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