Al Kaida erobert Provinzhauptstadt Idlib

Am Samstag haben Medienberichten zufolge Terroristen der zu Al Kaida gehörenden Gruppen Nusra Front und Jund Al Aqsa sowie von der ihnen nahestehenden Terrorgruppe Ahrar Al Sham die Provinzhaupstadt Idlib der gleichnamigen Provinz von syrischen Regierungskräften erobert.

Die syrische Nachrichtenagentur SANA meldete am Samstag zu den Ereignissen in der Stadt Idlib, die syrische Armee habe sich im Süden der Stadt neu gruppiert und im Verlauf der Kämpfe Hunderte Terroristen eliminiert, was durchaus als indirekte Bestätigung für die Eroberung der Stadt durch Terroristen betrachtet werden kann. Wie Urs1798 aufgedeckt hat, nahmen an der Eroberung von Idlib auch der als Menschenfresser bekannt gewordene Terrorist Abu Saker und der als Propaganda-Star des saudischen Fernsehens bekannte Terrorist Hadi Al Abdallah teil, die früher unter der Fahne der FSA auftraten, in Idlib jedoch vor laufender Kamera mit einer Fahne des syrischen Al-Kaida-Zweiges Nusra Front posierten:

Auch der als Al-Kaida-Theologe zur Berühmtheit gewordene prominente Saudi Abdullah al Muhaysini befindet sich nun in Idlib. Die allermeisten der wenigen noch verbliebenen Einwohner von Idlib sind anlässlich des Eindringens der Terroristen in die Stadt geflüchtet.

Seit vielen Monaten haben die von sektierischem Hass auf Schiiten, Alawiten und Iran getriebenen Terroristen und ihre Unterstützer auf einen nennenswerten Erfolg im Kampf gegen die syrische Regierung gewartet. Nun kennt ihr Jubel angesichts des taktischen Erfolges der Eroberung der Provinzhauptstadt Idlib quer durch die Lager, von FSA bis Al Kaida, keine Grenzen. Und mit dem Jubel kennt auch die Verehrung von Al Kaidas Nusra Front keine Grenzen mehr. Selbst der von den USA und anderen westlichen NATO-Staaten als „moderater Rebellenführer“ unterstützte desertierte General Salim Idriss, der sich zwischenzeitlich Chief of Staff der FSA nennt, twitterte nach der von Terroristen der Nusra Front angeführten Eroberung von Idlib, er habe einen Fehler gemacht, als er früher einmal die Nusra Front kritisiert habe.

Was die blindwütigen Hasser der syrischen Regierung in ihrem Jubel übersehen, ist, dass die Eroberung der Stadt Idlib durch Al Kaida zwar ein taktischer Erfolg im Kampf gegen die syrische Regierung ist, dieser taktische Erfolg jedoch einen herben strategischen Rückschlag für den Krieg gegen Syrien beinhaltet. Durch die Eroberung der Stadt Idlib wurde Al Kaida nun im Nordwesten Syriens unanfechtbar als Führungsmacht unter den bewaffneten Gruppen von Regierungsgegnern etabliert. Es ist damit zu rechnen, dass die Nusra Front nun von allen anderen Gruppen der Region Loyalität, Unterstützung und Gehorsam verlangen wird, soweit das bisher nicht geschehen ist. Die Nusra Front beherrscht damit die nicht unter Regierungskontrolle stehenden Gebiete im Nordwesten Syriens genauso wie ISIS die nicht unter Regierungskontrolle stehenden Gebiete im Osten Syriens beherrscht. Der Sieg der Nusra Front in Idlib bringt damit auch die gleichen Probleme mit sich wie der Sieg von ISIS in Raqqa.

Jahrelange US-geführte Bemühungen, im Nordwesten Syriens eine Koalition von irgendwie als „moderat“ zu vermarktenden Milizen zur Eroberung Syriens aufzubauen, sind damit gescheitert. Genau wie schon im Osten Syriens steht die westlichen Staaten damit auch im Nordwesten Syriens vor der Alternative, entweder die syrische Regierung im Kampf gegen Al Kaida zu unterstützen, oder Al Kaida bei der Eroberung Syriens zu helfen. Einen Mittelweg gibt es nicht mehr. Die Fiktion der Existenz „moderater Rebellen“ in Nordwestsyrien ist mit der Eroberung von Idlib durch Al Kaida zusammengebrochen.

Abzuwarten bleibt indes, ob der Sieg der Sieg der Nusra Front in Idlib auch auf die sogenannte Südfront, mit der die Gegner Syriens versuchen, von Südwesten her kommend nach Damaskus vorzustoßen, Auswirkungen haben wird. Denkbar ist etwa, dass Al Kaida mit dem Sieg in Idlib soviel Rückenwind bekommt, dass die Nusra Front nun auch im Süden Syriens zur eindeutig dominanten Kraft wird. Sollte es so kommen, hat sich damit jegliche Fiktion „moderater Rebellen“ erledigt, womit der Westen in ganz Syrien vor der Wahl zwischen den Alternativen Assad und Al Kaida stünde. Einem Sieg der syrischen Regierung in ganz Syrien stünde damit praktisch nichts mehr im Weg, denn ohne die Unterstützung dirch westliche Staaten bricht der Terrorkrieg gegen Syrien zusammen, selbst wenn Israel, die Türkei und GCC-Staaten keine Probleme damit hätten, Al Kaida zur Machtübernahme in ganz Syrien zu verhelfen.

Von der direkten militärischen Auswirkung hält sich der Schaden des Verlustes der Stadt Idlib für die syrische Armee übrigens in Grenzen. Einige Dutzend Soldaten verloren dort in den letzten Tagen zwar ihr Leben, aber dafür auch Hunderte Terroristen. Der militärische Wert der Herrschaft über Idlib ging zuletzt gegen Null. Nur sehr wenige Menschen wollten in dieser nur über eine prekäre Verbindung an den Rest Syriens angeschlossene Stadt zuletzt noch leben, und zur Sicherung der Verbindung von Jisr Ash-Shughur nach Idlib hat die syrische Armee unzählige Soldaten zu beiden Seiten der Strecke stationieren müssen, die nun für andere, strategisch wichtigere, Aufgaben als die Sicherung der Verbindungswege zur Geisterstadt Idlib freiwerden könnten. In eine schwierige Lage könnte nun allerdings die schiitisch geprägte Ortschaft Fuah kommen, die nordöstlich von Idlib liegt und das eigentliche Kraftzentrum der Achse des Widerstandes in der Region ist. Man wird sehen, wie die syrische Armee und Hisbollah auf diese Herausforderung reagieren.

7 Gedanken zu “Al Kaida erobert Provinzhauptstadt Idlib

  1. An alle die es angeht,

    wenn man aus dem Rechtskreis der handelsrechtlichen
    BRD heraus will, sollte man folgendes wissen:

    Wir sind ein besetztes Land und die Besatzer haben
    hier das sagen. …

  2. Die syrischen Medien sprechen überhaupt nicht von einer Eroberung der Stadt. Auch Einwohner in der Stadt wissen nichts davon. Vielleicht ist das der Norden, wo die Terroristen eventuell eine Bresche geschlagen haben.
    Großer Nachschub ist aus dem Süden für die Armee nachgekommen, die sich auf den entscheidenden Kampf vorbereitet.
    Die Siegesnachricht der Terroristen stammt vom Tante-Emmaladen in London. Sie wollen unbedingt eine Siegesmeldung im Norden haben, was nicht heißt, dass sie nicht den einen oder anderen Vorort erobert haben. Die Türken wollen ihre Flugverbots- und Pufferzone

  3. Die Nusra ist einfach nur ein wenig cleverer als der großmäulige IS: die haben nach der eroberung von Idlib der FSA den Vortritt bei der Siegesfeier gelassen: Der Uhrennturm wurde mit der französischen Mandatsfahne geschmückt und nette Photos für die MSM gemacht. Da winken neue Waffenlieferungen and die vorgeblich prowestlichen Islamisten…..
    Später wenn die ihre Ziele erreicht haben ist immer noch Zeit das Kalifat auszurufen und sich zur Zielscheibe amerikanischer Luftangriffe zu machen. Und die mehrheit unserer Medien ist noch blöde genug zu denken das ohne Assad der Krieg auf Syrien beschränkt bliebe…..

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