Hübscher diplomatischer Erfolg für China

Während die Aufmerksamkeit der westlichen Propaganda auf die im Interesse von Israel und den Neocons entfachten Kriege in Westasien und der Ukraine gelenkt ist, baut China in Ostasien an der zukünftigen Weltordnung, die im Begriff ist, die USA als einzige Supermacht abzulösen. China macht dabei kontinuierlich Fortschritte. Heute wurde bekannt, dass alle vier G7-Staaten der EU der Asiatischen Infrastruktur-Investitionsbank AIIB beitreten wollen und damit die Vorgabe der USA ignorieren, diese von China als Alternative zur US-japanischen Asien-Entwicklungsbank ADB vorangetriebene Institution zu boykottieren.

Als Britannien in der letzten Woche überraschend erklärte, der AIIB beizutreten, zeigte sich ein namentlich nicht genannter US-Offizieller gegenüber der Financial Times verärgert und ließ sich wie folgt zitieren: „Wir sind wachsam über einen Trend hin zu einem konstanten Entgegenkommen gegenüber China, was nicht der beste Weg ist, um mit einer im Aufstieg befindlichen Macht umzugehen.“ Nachdem am heutigen Dienstag nun auch Deutschland, Frankreich und Italien erklärt haben, bei der AIIB mitmachen zu wollen, meldete die FAZ: „Amerika verliert Machtkampf mit China. Vergeblich haben die Vereinigten Staaten versucht, eine chinesische Konkurrenz zur Weltbank zu verhindern. …“

Der Hintergrund ist folgender: Über viele Jahrzehnte benutzten die USA die von ihr beherrschten internationalen Entwicklungsbanken Weltbank und ADB, um Regierungen fremder Staaten vor die Wahl zu stellen: Macht was Amerika will oder ihr bekommt keine Entwicklungskredite von Weltbank und ADB und ihr werdet als Regierungen des Stillstandes in die Geschichte eingehen. Dazu, China entsprechend seiner wirtschaftlichen Größe Macht in der Weltbank und in der ADB abzugeben, waren die USA nicht bereit.

Durch die Gründung der AIIB, die 2016 ihre Geschäfte aufnehmen soll, bietet China den Staaten Asiens nun eine institutionalisierte Alternative zu Weltbank und ADB. Da China in der AIIB bestimmenden Einfluss ausübt, ist damit zu rechnen, dass die AIIB ihren Schwerpunkt darauf legen wird, Entwicklungsprojekte zu finanzieren, deren Finanzierung Weltbank und ADB verweigern, weil die Projekte den geostrategischen Interessen der USA zuwiderlaufen oder weil sie Staaten zugute kommen, deren Regierungen den USA missliebig sind. Die USA verlieren durch die Gründung der AIIB also ein Mittel zur Erpressung fremder Regierungen in Asien.

Auf Chinas Ankündigung, als „Ergänzung“ zur ADB eine von China geleitete internationale Entwicklungsbank mit Sitz in Shanghai zu gründen, reagierten die USA damit, dass sie Druck auf andere Staaten ausübten, die AIIB zu boykottieren und der AIIB nicht beizutreten. Mit dem Beitritt der vier europäischen G7-Staaten zur AIIB hat China es geschafft, diesen Druck zu durchbrechen. Wenn die großen europäischen NATO-Verbündeten der USA bei der AIIB mitmachen, dann können die USA anderen Staaten kaum noch vermitteln, warum sie auf die USA hören und die AIIB boykottieren sollen. Als unmittelbare Reaktion auf die Beitrittsgesuche der vier größten EU-Staaten zur AIIB kündigte Australien an, ebenfalls den Wunsch der USA nach einem Boykott der AIIB ignorieren und der AIIB beitreten zu wollen.

Dieser Prozess führt dazu, dass nicht wie von den USA geplant China und seine Partner in der AIIB isoliert sind, sondern die USA und Japan, die die AIIB bislang boykottieren. Durch die Teilnehmer vieler und geopolitisch starker Staaten ist damit zu rechnen, dass die USA es in Zukunft schwerer haben werden, internationale Sanktionen gegen asiatische Staaten durchzusetzen, denn für Mitglieder der AIIB dürfte das Verhängen von Sanktionen dann oft bedeuten, unter anderem mit ihrem eigenen Geld finanzierte Projekte zu sabotieren.

China schafft den Staaten Asiens so Stück für Stück eine sichere ökonomische und politische Alternative dazu, sich dem US-Empire zu unterwerfen. Auch die weiteren von China vorangetriebenen multilateralen Projekte zur Ablösung der US-Weltherrschaft kommen übrigens gut voran. Während das von den USA vorangetriebene anti-chinesische Projekt TPP offenbar stockt, zeigen sich chinesische und indonesische Offizielle zuversichtlich, dass das von China als Antwort darauf und in Konkurrenz dazu vorangetriebene gigantische Regionalbündnis RCEP bis Ende 2015 stehen wird und indische Medien vermeldeten soeben, dass dazu der wichtige Problemkandidat Indien weiter auf seine RCEP-Verhandlungspartner zugeht. Die beiden mit in der Gründung befindlichen Entwicklungsbanken unterlegten Bündnisse SCO und BRICS kommen bei der gegenseitigen Annäherung weiter voran, und wenn der Atomdeal mit dem Iran wie erwartet bald steht, dürfte auch einer Vollmitgliedschaft Irans in der SCO nichts mehr im Wege stehen, was der SCO und der Herausbildung einer zukünftig nicht mehr von den USA dominierten Weltordnung vermutlich einen weiteren kräftigen Schub verleihen wird.

4 Gedanken zu “Hübscher diplomatischer Erfolg für China

  1. Das hört sich ja wunderbar an.
    Ich hoffe, dass solche Nachrichten sich in naher Zukunft mehr und mehr häufen.
    Wieder ein Zeichen in Richtung Multipolare Weltordnung.
    Danke für deine Arbeit lieber einparteibuch.

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