Minsker Verhandlungen – Kessel von Debalzewo Knackpunkt – Poroshenko versucht Ausbruch

Nach rund 16 Stunden Verhandlung sieht es so aus, als würden die Minsker Verhandlungen zur Beendigung der Aggression der Kiewer Junta gegen die Bevölkerung des Donbass einstweilig feststecken. (Update: Putin verkündet Einigung.)

Einer der in den Verhandlungen über ein gemeinsam zu unterzeichnendes Dokument bisher noch nicht gelösten Knackpunkte soll der Kessel von Debalzewo sein. Die Donezker und Lugansker Volksrepubliken bestehen darauf, dass die im Kessel von Debalzewo eingekesselten Truppen der Kiewer Junta sich ergeben und verschwinden.

Der ukrainische Führer Poroschenko will das jedoch nicht akzeptieren. Er beansprucht die Herrschaft der Junta über Debalzewo und das von seinen eingekesselten Truppen besetzte Gebiet um Debalzewo herum. Wie der DVR-Repräsentant Denis Puschilin mitteilte, behauptet der Kiewer Junta-Chef Poroschenko in Minsk den Fakten zuwider, Debalzewo sei nicht eingekesselt.

Gleichzeitig hat Poroschenko, wie der unter dem Pseudonym Semen Semenchenko bekannte Führer einer Gruppe von Kolomoiskys Nazi-Garden am heutigen Donnerstag Morgen öffentlich bestätigte, mit großen Verbänden der Ukrowehrmacht einen Angriff auf das Dorf Logvinovo starten lassen, um dadurch den Kessel von Debalzewo aufzubrechen. Von Seiten der Volksverteidigungskräfte Novorossiyas heißt es dazu jedoch, die am heutigen Morgen erfolgten Angriffe der Ukrowehrmacht auf Logvinovo wurden erfolgreich abgewehrt. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass Ukroführer Poroschenko bemüht ist, die Verhandlungen in Minsk weiter zu verzögern, um während der in Minsk noch laufenden Verhandlungen weitere Angriffe auf Logvinovo durchzuführen und so mit einer Verzweiflungsaktion großen Maßstabs zu versuchen, die Lage in Debalzewo doch noch zu drehen.

Außer der Bewertung der Lage im Kessel von Debalzewo gibt es in den Minsker Verhandlungen offenbar noch mindestens ein weiteres Hindernis. So nannte der russische Präsident Putin als Hauptgrund für die stockenden Verhandlungen, die Weigerung von Poroschenko, mit den Vertretern der Donezker und Lugansker Volksrepubliken zu reden. Wann, oder überhaupt ob, es bei den gegenwärtigen Minsker Verhandlungen ein Dokument als Ergebnis geben wird, steht damit noch in den Sternen.

Nachtrag 10:40h: Putin hat vor der Presse verkündet, es gebe einen Deal für einen Waffenstillstand ab Sonntag 00:00h und das Dokument der Gruppe des Normandieformates unterschreiben.

Die Lage von Debalzewo wurde Putin zufolge an eine Beurteilung durch Militärexperten beider Seiten verwiesen.

Nachtrag 10:55h: Die BBC meldet, Putin habe gesagt, es sei eine Einigung über die Hauptpunkte erzielt worden und der französische Präsident Hollande habe gesagt, „ein ernster Deal“ sei erreicht worden, aber es sei noch zu erledigende Arbeit verblieben.

Nachtrag 11:00h: NDR meldet, Merkel und Hollande hätten sich nach der Erklärung des Waffenstillstandes umarmt, obwohl das dazu veröffentlichte Bild mehr nach Knutschen aussieht.

Nachtrag 12:00h: AFP zitiert Merkel mit der Aussage, dass sie nach dem Deal „keine Illusion“ habe und „große Hürden“ verblieben.

Meinung des Parteibuches: Man kann das plötzliche Ende des Gipfels trotz der unerledigten Punkte auch so interpretieren, dass der Gipfel im Grunde nach 17 Stunden mehr oder minder ergebnislos abgebrochen wurde und die verkündete „Einigung in den Hauptpunkten“ das recht notdürftig kaschiert. Nichtsdestortotz sollten die Volksverteidigungskräfte von Novorossiya den Deal und die sich daraus ergebenden Verpflichtungen sehr ernst nehmen. In dem Deal liegt eine große Chance für die Volksverteidigungskräfte von Novorossiya: sie können nun der ganzen Welt – und insbesondere Deutschland und Frabkreich – beweisen, dass sie die verantwortlich und zuverlässig handelnden Kräfte sind, während die Kiewer Junta unverantwortlich und vertragsbrüchig handelt, und damit einen Keil zwischen die Kiewer Junta und die EU treiben. Novorossiya könnte sich in den folgenden Tagen darauf konzentrieren, die Mobilisierung, Ausbildung und Einheit der Armee von Novorossiya zu verbessern. Sollte die Kiewer Junta, wie es zu erwarten ist, wenn die Junta nicht schon aufgrund interner Uneinigkeit über diesen Waffenstillstand stürzt, den Waffenstillstand und Rückzug schwerer Waffen dann demnächst für eine neue Offensive ausnutzen, dann kann Novorossiya einerseits Kiew des Vertragsbruches bezichtigen und andererseits die angreifenden Truppen der Ukrowehrmacht einkesseln.

Video vom 12.02.2015 tagsüber: Ukrowehrmacht versucht den Kessel von Debalzewo zu durchbrechen, Volksverteidigungskräfte von Novorossiya unterbinden das. Lifenews.ru:

Die Militärführung der DPR wiederholte unterdessen ihr Angebot an die eingeschlossenen Einheiten, die Waffen niederzulegen und in repsektvoller Weise abzuziehen. „Lasst die Waffen da und geht,“ sagte Basurin. Das sei besser als sinnloses Blutvergießen für Kiews Ambitionen.

Was die Situation in Logvinovo angeht, so behaupten die Kiewer Kräfte, das Dorf heute erobert zu haben, während die Volksverteidigungskräfte von Novorossiya behaupten, sie hätten den Angriff abgewehrt. Eindeutig belegt ist da nichts. Der Journalist Evgeniy Poddubniy berichtete am Nachmittag bei Rossija 1 aus, wie er sagt, Logvinovo.

Die Behauptung der Kiewer, sie hätten Logvinovo erobert, dürfte damit einstweilen widerlegt sein, und wenn „Semen Semenchenko“ zwischenzeitlich erklärt, die Kämpfe seien noch nicht vorbei, dann sieht das eher wie ein Rückzug von vorherigen Behauptungen aus, die Kiewer Kräfte hätten Logvinovo erobert.

Was dabei ganz klar ist, ist, dass es heute sehr heftige Kämpfe in der Gegend von Logvinovo und der Verbindungsstraße von Debalzewo nach Artemovsk gab, die auf eine Offensive der Kiewer Kräfte zurückgehen. Aufgrund der Kämpfe ist die Straße unpassierbar und Debalzewo demnach weiter eingekesselt. Was auch klar ist, ist, dass es in militärischer Hinsicht nicht entscheidend ist, Truppen im Dörfchen Logvinovo und auf der Verbindungsstraße zu haben, sondern die Anhöhen seitlich der Straße Kontrolle und Überlegenheit über die Straße herstellen, und siehe das Video von Lifenews.ru oben, die Volksverteidigungskräfte von Novorossiya beherrschen die Anhöhen und haben da jede Menge schwerer Waffen drauf stehen, die alle feindlichen Kräfte auf der niedriger gelegenen Verbindungsstraße und im Dörfchen Logvinovo zerhäckseln können.

Nachtrag am Abend: Regierungschefs der DVR & LVR erklären in Minsk gesiegt zu haben, und dieses Abkommen, obwohl sie eigentlich anderer Meinung gewesen seien, im Interesse der Bevölkerung der DVR, LVR und der Ukraine geschlossen zu haben, weil sie die Meinung der drei Staatschef von Deutschland, Frankreich und Russland nicht ignorieren konnten.

Sehr schön machen sie das, sehr moderat. Nun heißt es, zu schauen, wie Poroschenko das Abkommen erfüllen wird – oder ob das Kiewer Regime darüber stürzt.

Übrigens, hier ist eine Karte mit den Unterschieden von September bis jetzt. Das ist wirklich nicht viel Gelände, was für die DNR/LNR seit September dazugekommen ist:

Die wirklichen Fortschritte lagen eher in anderen Bereichen, insbesondere in der Konsolidierung der Kräfte. Aus den lose verstreuten Rebellentruppen vom letzten Jahr ist in den letzten Monaten schon fast so etwas wie ein Staat mit einer Armee geworden.

Lagekarte Debalzewo 12.02.2015 21:00h:

Der heutige Angriff der Ukrowehrmacht auf Kalinovka fehlt in der Karte allerdings.

16 Gedanken zu “Minsker Verhandlungen – Kessel von Debalzewo Knackpunkt – Poroshenko versucht Ausbruch

    1. In aussichtsloser Lage zumindest der faschistischen Propaganda ermöglichen, den proukrainischen Föderalisten maximalen Image-Schaden zuzufügen, indem wie immer die Verbrechen der Poroschenko-Truppen den Befreiern in die Schuhe geschoben werden und so vielleicht noch genügend politischen Druck aufzubauen, durch ein Aufhalten der Befreiungskräfte, der sicheren Niederlage zu entgehen, darin könnte der Sinn bestehen, die „eigene Stadt“, was auch diese nicht ist, weil Faschisten Menschenleben egal sind, zu beschießen.

      Im Rückblick auf Tschetschenien oder aktuell Syrien erscheinen solche Vorgehensweisen schon fast als Standard.

      Wo auch immer zum Erzeugen von Instabilität, Unsicherheit blutigem Chaos oder zur Vorbereitung eines NATO-luftgestützten Regierungssturzes als imperialistische Fußtruppen eingesetzte, US-geführte Lohnterroristen in Bedrängnis geraten, fordert der US-geführte Westen einen Waffenstillstand, der dann umgehend für Entkommen, Umgruppierungen, Nachschub und Verstärkung der faschistischen Terrortruppen genutzt wird, was anschließend nur noch mehr Menschenleben gefährdet.

  1. Die Ukraine tut regelmäßig Abkommen brechen, die Neurussen brauchen da nichts mehr zu beweisen.
    Und wenn sie es tun, wird es von der transatlantischen Journaille dennoch verschwiegen und für den westlichen Teil der Weltöffentlichkeit kein Thema sein.

  2. Auch nach Charlie Hebdo gab es intime Annäherungen zwischen Murksel & Holländer, und auf der Bank in Minsk saßen sie ganz dicht nebeneinander, läuft da was?? lol

  3. Bin ja mal gespannt wie sich das jetzt insgesamt entwickelt, vor allem auch mit den Eingekesselten. Denke aber, dass die angelsächsischen Brandstifter schon irgendwie dazwischen funken werden. Wo kämen wir hin, wenn derlei Konflikte plötzlich auch auf friedlichem Wege gelöst werden könnten?! Bisher war es ja das Papier nicht wert auf dem die vergangen Abmachungen standen. Ich teile im Grunde auch die Einschätzung vom Chef des Ausschusses der russischen Staatsduma für internationale Angelegenheiten, Alexej Puschkow, im Bezug auf Friedenstruppen:

    „Die internationale Erfahrung, die Erfahrung der Uno zeigt, dass, wenn es sich um einen andauernden oder akuten Konflikt handelt, und im Fall der Ukraine haben wir sowohl einen akuten als auch einen andauernden inneren Konflikt, Friedenstruppen nötig sind, damit die Seiten nicht die Versuchung haben, Kampfhandlungen wiederaufzunehmen, besonders im Hinblick darauf, dass die Kriegspartei in Kiew immer noch stark ist“, sagt Puschkow in einer Sendung der russischen Rundfunkanstalt „Kommersant FM“.“

    Vor allem auch, weil sich die OSZE bisher in der Ukraine ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Vgl. Willy Wimmer:

    „Die Forderungen nach mehr Verantwortung der OSZE in der Region lehnt Wimmer dabei ab: „Bei internationalen Überwachungsorganisationen muss man höllisch aufpassen. Weil diese Organisationen haben sich in der Vergangenheit als Instrumente der Vereinigten Staaten herausgestellt. Die Dinge wurden dann doch im amerikanischen Interesse weiterbetrieben.“

    Quelle Zitate: de.sputniknews.com

    http://www.epochtimes.de/Milliarden-Deals-mit-Ukraine-geplatzt-Maidan-torpedierte-Chinas-Geopolitik-a1220648.html

  4. Hallo, bin mir nicht sicher ob mein eben abgesendeter Beitrag durch kam. Er erschien nicht wie sonst vorab mit dem Vermerk @Freischaltung. Kommt immer wieder mal vor. Keine Ahnung warum. Vlt. zu lange gewartet vorm abschicken? Wenn ich´s mit c/p nochmal versuche kommt die Meldung „doppelter Beitrag“

    1. Alberich
      Danke für den Hinweis. Dass der WordPress-Spamfilter von sich aus Kommentare rausfiltert, passiert immer wieder mal, in dem Fall bitte eine kurze Nachricht, genau wie diese hier.

      Wir können dann den WordPress-Spamfilter nach dem Kommentar durchsuchen und ihn rausfischen, genau wie nun gerade geschehen.

  5. Alles klar, danke.

    Ich traue den Vögeln wie gesagt nicht. http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-02/reaktionen-gipfel-minsk-ukraine-russland
    Und im März soll wohl ein Bataillon US-Streitkräfte in der Ukraine eintreffen, um ukrainische Soldaten auszubilden. Na Bravo.. Derweil hat die BW die Führung der neuen NATO-„Speerspitze“ übernommen und wird ebenfalls im März an einem NATO-Manöver im Schwarzen Meer teilnehmen. Das erinnert mich an das Senatsgesetz 2277 in der die enge Kooperation mit Deutschland schon hervorgehoben wurde. 20 Milliarden hat Soros gefordert. Na 17 wurden ja schon mal genehmigt.. http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21290

    1. Alberich

      Meiner Einschätzung nach ist Poroschenko anders als Novorossiya nicht in der Lage, seine im Deal eingegangenen Verpflichtungen umzusetzen, selbst wenn er das wollte. Die in Kiew herrschende ist dabei so radikal und extremistisch, dass es immer mehr auffallen wird, dass die Umsetzung des Abkommens an Kiewer Unwilligkeit scheitert. Gleichzeitig wird Putin nun Merkel und Hollande in die Pflicht nehmen, Kiew dazu zu zwingen, die eingegangenen Verpflichtungen umzusetzen. Merkel und Hollande werden, zögerlich zwar, aber sie werden nicht umhin kommen, Druck auf Kiew auszuüben. Kiew kann wird sich trotzdem sträuben, und es wird dadurch zu Spannungen zwischen Berlin/Paris und Kiew kommen. Berlin/Paris sitzen dabei jedoch am längeren Hebel, da Kiew in die EU will, und Berlin/Paris Geld und Annäherung blockieren können, wenn Kiew gestellte Forderungen nicht erfüllt.

      Klar ist der Deal der Kriegsmafia ein Dorn im Auge. Sie sieht genau, dass sich da eine neue Achse Paris/Berlin/Moskau gegen die zionistisch-angelsächsische Kriegstreiberei entwickelt. Meine Vermutung ist jedoch, dass die Achse Paris/Berlin/Moskau sich durchsetzen wird, weil die andere Achse – Zionistische Lobby/US-Congress/US-Russlandhasser/Polen/Balten/UK – zwar über viel Einfluss auf westliche Propaganda, aber wenig staatliche Macht verfügt, insbesondere auch, weil Obama mit Israel und dem US-Kongress zerstritten ist, und die USA dadurch nicht mit einer Stimme sprechen, und anderereits die neue wirtschaftliche Supermacht China fest zu Russland steht.

      In Folge dieser Kräftekonstellation, die der Kräftekonstellation bei den P5+1 Atomgesprächen mit Iran nicht zufällig recht ähnlich ist, i dasst es nicht unwahrscheinlich, dass das Kiewer Regime aufgrund seiner Unfähigkeit, seine Seite des Deals einzuhalten, auseinanderfliegt. Damit wäre dann die Achse Paris/Berlin/Moskau am Zug, für ein neues, Paris/Berlin/Moskau genehmes Regime in Kiew zu sorgen. Dies wird gestragen werden von einem Stimmungsumschwung in der ukrainischen Bevölkerung, die des Krieges und der Konfrontation überdrüssig wird.

      Ich vermute, das russische Kalkül ist ein ähnliches, sie sind zuversichtlich, dass es aufgeht, und deshalb sind Zakharchenko und Plonitzki auch so entspannt bei dem Deal.

    1. Jetzt ist es schon über 80 Jahre her dass der braune Dreck in Deutschland die Macht ergreifen konnte, aber ihr Gedankengut sowie Symbole und Gesten spuken immer noch auf diesem Erdenrund herum. Ich wünsche mir wirklich manchmal man könnte die Menschheit einfach „blitzdingsen“.

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