Treffen von zwei Isolierten

Der von den USA und der EU isolierte russische Präsident Putin hat am heutigen Donnerstag den Regierungschef Modi des SCO-Beitrittskandidatenstaates Indien besucht, der von den USA im Jahr 2005 isoliert wurde.

Im Jahr 2005, also kurz nachdem die USA ihren Angriffskrieg zur Ermordung Hunderttausender Iraker begonnen hatten, entzog die damalige republikanische US-Regierung Narendra Modi, der damals Chief Minister der Provinz Gujarat war, bekanntlich kurz vor einer US-Reise, bei der er vor einer großen Gemeinde seiner Anhänger in den USA eine Rede halten wollte, sein seit 1998 bestehendes US-Visum auf Betreiben des demokratischen Abgeordneten John Conyers, Jr und weiterer liberaler Demokraten. Das geschah ohne Anhörung von Modi, mit der Begründung einer von Modi angeblich zu verantwortenden Unterdrückung der Religionsfreiheit in Indien, aufgrund derer er nie wieder in die USA einreisen dürfe, die USA erklärten dazu, das sei ein rein rechtlich zu betrachtender Vorgang, dessen Ergebnis nicht durch politische Diskussionen beeinflusst werden kann, und die USA verweigerten Modi auch die Ausstellung eines diplomatischen Visums. Modi galt als Freund der USA, aber nach diesem Ereignis kritisierte er US-amerikanische Doppelstandards und seine Anhänger gingen in Indien auf die Straßen und verbrannten öffentlich US-Flaggen. Der Vize-Chef der US-Botschaft kabelte dazu lapidar nach Washington, langfristige Störungen in den US-amerikanisch-indischen Beziehungen seien durch den Entzug von Modis Visum nicht zu erwarten. Dumm gelaufen: Da wollten die USA 2005 den Provinzpolitiker Modi isolieren, und 2014 ist der von den USA isolierte Mann dann plötzlich Regierungschef der kommenden Weltmacht Indien, die die USA zu einem strategischen Gegengewicht ihren Konkurrenten China im US-Orbit machen wollen.

Die Isolierung und Bestrafung von Russland und dem russischen Präsident Vladimir Putin ist seit spätestens dem Jahr 2012 offizielles politisches Ziel der USA. Damals hatte die von der dortigen Israel-Lobby getragene US-Außenministerin Hillary Clinton alle Staaten der Welt dazu aufgerufen, Russland dafür zu bestrafen, dass Russland durch das Stimmen mit „Nein“ im UN-Sicherheitsrat US-amerikanischen Bemühungen, die Regierung von Syrien zu isolieren und mit Sanktionen, Terror und Krieg zu stürzen und in Syrien ein US-Marionettenregime zu installieren, in den Weg stellte. Nachdem Russland sich auch noch den Bemühungen der USA entgegenstellte, eine US-Marionettenregierung im russischen Nachbarland Ukraine zu installieren, die sich auf von den USA angeheuerten Nazis stützt, verhängten die USA ganz direkt Wirtschaftssanktionen gegen Russland. Damit, dass Russland den Wunsch der Bevölkerung der Krim akzeptierte, wieder zu Russland gehören zu wollen, hatte Russland den USA sozusagen die Kirsche auf der Regime-Change-Torte weggeschnappt, nämlich den Warmwasserhafen von Sevastopol. Und ohne das Donezbecken ist eine Integration der Ukraine in das US-Empire trotz des gelungenen Regime Changes in Kiew obendrein kaum möglich und extrem teuer.

Kein Wunder also, dass die USA sauer auf Russland sind. Und so reisen seither US-Politiker und Diplomaten permanent um die Welt, um andere Regierungen mit Versprechungen und Drohungen dazu zu bewegen, ebenfalls Sanktionen gegen Russland zu verhängen, um Russland zu isolieren und ihre Beziehungen zu Russland zu schädigen. In den Staaten der EU fanden die USA dann auch dank der emsigen Arbeit der Israel-Lobby, die ein besonders freundschaftliches Verhältnis zu den Nazis in der Ukraine pflegt, willige Helfer bei der Isolation Russlands. Und auch Australien, Japan und Norwegen beugten sich dem Druck der USA, und verhängten Sanktioonen gegen Russland, wenn auch eher symbolisch. Da die USA und die EU aus Sicht der USA praktisch die ganze Welt sind, ist nun die Isolation von Russland so gut wie komplett, und lediglich ein paar Putin-Versteher und einige weltpolitisch unbedeutende Staaten pflegen noch gute Beziehungen zur regionalmacht Russland und ihrem Präsidenten Putin.

Im September 2014, nachdem Modi Regierungschef von Indien geworden war, änderten die USA plötzlich ihre dazu, dass Modi zwingendem US-Recht folgend lebenslanges Einreiseverbot in den USA wegen angeblicher Missachtung von Religionsfreiheit habe und empfingen ihn stattdessen mit großem Bahnhof zum Staatsbesuch. US-amerikanische Politiker und Wirtschaftsbosse umschmeichelten ihn dabei zwar reihenweise, doch Modis Staatsbesuch wurde von einer US-Gerichtsvorladung gegen Modi und einem rassistischen anti-indischen Cartoon in der führenden US-Zeitung New York Times überschattet, und große Geschäfte wurden auch nicht unterschrieben. So schnell lässt sich wohl eine gründliche lebenslange Isolation eben einfach nicht beenden.

Putin kam dann aus Usbekistan, wo er einen über 25 Jahre laufenden fünf Milliarden Dollar Ölinvestitionsdeal zusammengekratzt hat, nach Indien. Und so saßen Modi und Putin also da heute in Indien in ihrer Isolation durch die USA. Um nicht ganz so einsam und verloren zu wirken, hatte Putin auch Sergej Aksenov, den Chef der neuen russichen Republik Krim, mit zu Modi nach Indien gebracht. Vor lauter Einsamkeit haben sie dann ein paar Verträge miteinander gemacht, darunter:

– Russland baut in den nächsten 20 Jahren mindestens 12 neue Kernkraftsblöcke in Indien (geschätztes Vertragsvolumen umgerechnet etwa 60 Milliarden Dollar)
– Indien kauft in Russland in den nächsten zehn Jahren jährlich 10 Mio Tonnen Erdöl zusätzlich (geschätztes Vertragsvolumen bei 60 Dollar pro Barrel umgerechnet etwa 40 Milliarden Dollar)
– Russland liefert Indien in großem Maßstab flüssiges Erdgas, wofür nun Terminals gebaut werden (Vertragsvolumen unbekannt, auf jeden Fall einige Milliarden Dollar)
– Russland steigt in Wasserkraft in Indien ein (Vertragsvolumen umgerechnet 1 Milliarde Dollar)
– Russland liefert Indien in den nächsten drei Jahren mehr Rohdiamanten zur Weiterverarbeitung (Vertragsvolumen umgerechnet mehr als 2 Milliarden Dollar)
– Russland wird in einen indischen Infrastruktur-Fond investieren (Vertragsvolumen umgerechnet 1 Milliarde Dollar)
– Russland wird mit Indien zusammen in Indien jährlich 400 kleine militärisch nutzbare russische Hubschrauber Ka-226T bauen, die auch an Drittstaaten exportiert werden können (Vertragsvolumen 500 Millionen Dollar jährlich)
– die russisch-indische Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich soll weiter ausgebaut werden
– Russland lädt Indien dazu ein, gemeinsam mit Russland russische Energiequellen, insbesondere in der Arktis, auszubeuten (Verträge noch nicht abgeschlossen, aber Entwürfe für umgerechnet 30 Milliarden Dollar werden erarbeitet)
– Russland wird indische Studenten in Nuklearphysik ausbilden
– die nun wieder russichen Republik Krim wird an indische Geschäftsleute hochwertige Weine liefern
– die nun wieder russichen Republik Krim hat mit indischen Geschäftsleuten eine Absichtserklärung zum Ausbau der gegenweitigen Geschäftsbeziehungen, insbesondere in den Bereichen Energie und Logistik geschlossen
– Russland und Indien wollen Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen zwischen der Eurasischen Union und Indien beschleunigen
– die im Zuge der Isolierung von EU-Produkten freigeräumten Regale des insbesondere in den teuren Großstädten Moskau und Petersburg als sehr lukrativ geltenden russischen Lebensmittelsmarktes sollen verstärkt mit hochwertigen indischen Lebensmitteln gefüllt werden und Russland wird die Zertifizierung indischer Agrarbetriebe dazu beschleunigen
– es wurde vereinbart, dass die russisch-indischen Wirtschaftsbeziehungen nach Möglichkeit auf die Verwendung von US-Dollar verzichten sollen und Maßnahmen zum bilateralen Zahlungsbilanzausgleich in den eigenen Währungen vorangetrieben werden

Nun, wie man sieht, hat es zu viel mehr als Geschäfte für 100 Milliarden Dollar beim Besuch Modis durch Putin nicht gereicht. Um sich in der isolatierten Öde, in der er sich mit Putin befindet, dann etwas aufzuwärmen, hat Modi obendrein Russland zu Indiens wichtigstem Partner im Verteidigungsbereich erklärt und weiter dazu gesagt, dass Russland seit Jahrzehnten Indiens treuer Freund ist, wisse in Indien jedes Kind. Die USA unterstützen schließlich traditionell den anti-indisch aufgestellten pakistanischen Terrorstaat. Aber die USA können schließlich nicht jeden isolieren.

PS: Das staatstragende US-zionistische Hetzblättchen New York Times versprüht gerade Gift und Galle über den ausgesprochen ergiebigen Besuch von Putin bei Modi:

The agreements suggest that the relations between the two countries are more robust than many think, said Nandan Unnikrishnan, a senior fellow at the Observer Research Foundation in New Delhi. “Given Russia’s isolation by the West and the slump in the economy, people thought it would fail to infuse any energy into the Indo-Russian deal,” he said. “But that is not what has happened.”

Zu deutsch: Die Vereinbarungen legen nahe, dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern robuster sind als viele denken, sagte Nandan Unnikrishnan, ein Senior Fellow bei der Observer Research Foundation in New Delhi. „Die russische Isolation durch den Westen und den Abfall der Wirtschaft betrachtend dachten viele Leute es würde fehlschlagen, irgendwelche Energie in das indisch-russische Geschäft zu pumpen,“ sagte er. „Aber das ist nicht das, was geschehen ist.“

So kann man sich irren.

13 Gedanken zu “Treffen von zwei Isolierten

  1. So wird als nächstes, die EU und deren Bürger, diese US Abhängigkeit verspüren müssen, mit hoher Arbeitslosigkeit und höheren Preisen. Die Russen wissen sich schon zu helfen, aber die Europäer werden immer tiefer in diesem Sumpf versinken.

  2. Wenn man den Text hier im Spiegel-Hetzblatt liest wird man das Gefühl nicht los das der Ukrainekonflikt zwingend durch einen Krieg mit Russland gelöst werden soll. Zum Glück ist jetzt Polen der Puffer zum Westen wenns atomar wird. Zur Zeiten der DDR hätten wir den Mist ausbaden müssen. Trotzdem werden wir wohl Teile der Wolke abbekommen wenn es losgeht:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/trotz-waffenruhe-ukraine-verdoppelt-militaeretat-a-1008139.html

    Wenigstens weiß man, wenn man die Presse liest, wie es kurz vorm ersten und zweiten Weltkrieg mit der medialen Dämonisierung des Gegners aussah.

    1. h

      Was wir gegenwärtig in der Presse lesen, sieht eher so aus wie zu Zeiten während des zweiten Weltkrieges.

  3. @ h
    Das schlimme ist, wenns knallt, unterscheidet keiner mehr, wer für oder gegen den Krieg war.
    Ich lebe Luftlinie 30 km von Büchel entfernt, das ist der Ort, wo die zionistische Mafia ihre Atomwaffen lagert.
    Als eines der ersten Ziele russischer Atombomben bleibt mir also einiges erspart.
    Sarkasmus:
    Umgeben von einer ungeheuren Dummheit, ist mir inzwischen alles recht, der Michel ist sowas von degeneriert, ist vielleicht für alle das beste, wenn er von der Bildfläche verschwindet.
    Wenn ich mir überlege, daß die Sachsen mit ihrer schwachsinnigen Pegida Schei*e 10000 Leute auf die Straße bringen, ganz im Sinne der zionistischen Mafia, da kann ich nur noch ko**en, hoffnungslos, mehr ist dazu nicht mehr zu sagen.
    Grüße aus dem Hunsrück

    1. Noch mal bißchen warten mit dem K*tzen. Diese Demo ist nicht unbedingt nur das, was in den Medien suggeriert wird. Es ist eine allgemeine Unzufriedenheit und Ohnmacht gegenüber der Politik. Es gab auch Plakate „Kein Krieg in Europa. Gegen Russlansanktionen“ usw. Aber das werden Sie in den Medien nicht finden.

  4. Mal ne Frage zur Ukraine….ist der Flughafen endlich gefallen? (Kann leider kein Russisch und weiß daher nicht ob das nur Teile des Flughafens sind oder ob der komplett befreit wurde. Vorhin noch irgendwo gelesen das die Ukraine das Gebiet während der Waffenruhe vermient).

    1. Kiel

      Es gibt immer noch Kämpfe auf dem Gebiet des Donezker Flughafens. Grob gesagt: Die Armee von Novorossija kontrolliert die Gebäude und die Oberfläche des Flughafens, während die Ukros nach wie vor die Bunker unter dem Flughafen und die Anliegenden Dörfer Avdeevka und Peski, die unterirdisch mit den Bunkern verbunden sind, kontrollieren.

      Das Video zeigt die Zerstörungen, und Leichen ihrer Kameraden, die die Ukros im alten Terminal zurückgelssen haben.

      1. Dann müsste es ja reichen die Eingänge vernünftig zuzumauern wenn die Dörfer auch befreit sind, sollen die doch ihr tausendjähriges Reich dort unten für wirkliche tausend Jahre aufbauen.
        Würe gern deren Gesichter sehen wenn die feststellen das alle Eingänge unpassierbar sind und sie hinter meterdicken Stahlbetonmauern festsitzen.
        Das ganze kann dann in tausend Jahren, wenn es dann noch Menschen auf diesem Planeten gibt, als Zeitkapsel wieder geöffnet werden um ein Bild des Jahres 2014 zu erhalten. So Ähnlich wie die verschütteten Schützengräben des ersten Weltkrieges.

      2. Kiel
        Dafür, die beiden Dörfer zu befreien, reicht bisher die Kraft der Armee von Novorossija nicht. Die Ukros stehen da mit sehr viel schwerem Gerät eingegraben.

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