Zur Achterbahn der Ölpreise

Seit etwa Mitte des Jahres ist der Großhandelspreis für Erdöl von rund 100 US-Dollar pro Fass, die Öl ab etwa Beginn des Jahres 2011 kostete, auf zuletzt etwa 70 Dollar gefallen. Nachfolgend finden sich ein paar Worte zu Bedeutung, Ursachen und möglichen geopolitischen Auswirkungen dieser Entwicklung, falls die Ölpreise in absehbarer Zeit auf diesem niedrigeren Niveau bleiben sollten.

Was die Bedeutung des Ölpreises angeht, so sollte man ihn weder untertreiben noch überbewerten. Gegenwärtig liegen Ölproduktion und -konsum weltweit bei vermutlich etwa 75 Millionen Fass pro Tag (Barrel per Day, bpd). Das ergibt bei 100 US-Dollar pro Fass nach Adam Riese einen Produktionswert von 7,5 Mrd US-Dollar täglich oder etwa 2.700 Mrd US-Dollar jährlich. Beträgt der Preis für ein Fass Öl nicht mehr 100 US-Dollar, sondern im Durchschnitt nur noch 70 Dollar, so sinkt der Wert der Weltölproduktion eines Jahres nach Adam Riese auf rund 1.900 Mrd US-Dollar.

Die Weltwirtschaftsleistung insgesamt beträgt demgegenüber im Jahr 2014 rund 77.000 Mrd US-Dollar. Der Anteil der Ölproduktion an der gesamten Weltwirtschaftsleistung beträgt demnach über den Daumen rund 3%. Liegt der Ölpreis bei 100 US-Dollar, dann sind es eher 3,5%, liegt er bei 70 Dollar, dann eher 2,5%. Mit anderen Worten: der allergrößte Teil, nämlich rund 97%, der Weltwirtschaftsleistung besteht nicht aus der Förderung von Erdöl, sondern aus Agrarwirtschaft, Industrie, Dienstleistungen und anderen Energieträgern, wie etwa Kohle, Gas, Atomkraft und erneuerbarer Energie. Auch in Bezug auf den Welthandel ist es nicht so, dass der größte Teil der internatonal gehandelten Güter Erdöl ist. Erdöl macht nur einen kleinen Bruchteil der international gehandelten Güter aus. Schon allein die Warenexporte von China, einem Erdölimporteur, haben etwa den gleichen Wert wie die Welterdölproduktion, und von der wird längst nicht Alles international gehandelt, sondern viel Öl wird in den Förderländern selbst verbraucht. Die Produktion und der Handel von sonstigen Gütern ist also für die Weltwirtschaft und den Welthandel viel wichtiger als Erdöl. Selbst unter den Energieträgern besteht der größte Teil der Energie, die weltweit verbraucht wird, nicht aus Erdöl, sondern aus anderen Energieträgern, auch wenn Erdöl mit rund einem Drittel Anteil am insgesamt nach wie vor praktisch stetig steigenden Weltenergieverbrauch weltweit immer noch der meistbenutzte Energieträger ist.

Obwohl Erdöl nur einen recht kleinen Teil der Weltwirtschaft ausmacht, haben Erdöl und insbesondere der Preis des Erdöls trotzdem einen beachtlichen Einfluss auf die Weltwirtschaft. Das hat mehrere Ursachen. Eine Ursache ist, dass manche andere Energieträger wie Gas teilweise unter Bezugnahme auf den Ölpreis ausgepreist werden, der Ölpreis damit auch den Gaspreis direkt beeinflusst und der Anteil der sich am Ölpreis orientierenden Energieträger damit höher ist als der Anteil des Öls allein. Der Effekt betrifft sowohl die Produzenten als auch die Verbraucher, nur in umgekehrter Richtung. Eine weitere Ursache ist, dass Öl und auf dem Ölpreis basierende Energieträger von von sehr vielen Menschen konsumiert werden und indirekt in sehr vielen Produkten enthalten sind. So verwenden etwa viele Menschen Öl oder ölpreisbasiertes Gas zum Heizen oder zur Fortbewegung, und in vielen Produkten und Dienstleistungen steckt der Ölpreis indirekt, entweder weil beim Herstellungsprozess des Produktes oder der Erbringung der Dienstleistung Öl oder ölpreisbasierte Energie eingesetzt wurde, oder weil die Produkte beim Transport von ölbetriebenen Verkehrsmitteln befördert werden. Dieser Effekt durchdringt mehr oder weniger die ganze Wirtschaft, kann bei einem Anstieg des Ölpreises eine durch klamme Kassen bedingte Rezession oder bei einem Sinken eine konsumgetriebene wirtschaftliche Belebung in Ölverbraucherländern auslösen und über steigende oder sinkende Steuereinnahmen wirkt sich der Ölpreis letztlich auch noch auf die Staatskassen aus. Bei ölexportierenden Staaten wirken die Effekte natürlich in umgekehrter Richtung.

Für Erdöl gibt es einige internationale Börsen, auf denen Erdöl in großen Mengen gehandelt und Preise festgestellt werden. Zwar gibt es beim Erdöl unterschiedliche Sorten und Qualitäten, etwa Brent, WTI oder Ural, aber insgesamt ist Erdöl ein Produkt, für das sich Preise international gut vergleichen lassen und das sich gut transportieren lässt. Unterschiedliche Sorten, bessere und schlechtere Qualitäten werden praktisch dadurch in das Bezugssystem des Börsenpreises einbezogen, dass sie mit einem Abschlag oder Aufschlag gegenüber einem Börsenpreis gehandelt werden. Die Nachfrage nach Erdöl ist vom Angebot und Preis kurz- und mittelfristig nahezu unabhängig und steigt weltweit seit Jahrzehnten beinahe kontinuierlich.

Um den grundsätzlichen Mechanismus der Preisschwankungen beim Erdöl besser zu verstehen, mag es hilfreich sein, den in den Wirtschaftswissenschaften bekannten sogenannten „Schweinezyklus“ zu kennen. Aus der Wikipedia:

Bei hohen Marktpreisen kommt es zu verstärkten Investitionen, die sich wegen der Aufzuchtzeit (Editor: Investitionszeit) erst mit einem Verzögerungseffekt („Time Lag“) auf das Angebot auswirken, dann aber zu einem Überangebot und Preisverfall führen. Infolgedessen kommt es zur Reduzierung der Produktion, die sich ebenfalls erst zeitverzögert auswirkt – und dann wiederum zu einem relativen Überschuss der Nachfrage (Angebotslücke) und dadurch steigenden Preisen führt.

Übertragen auf das Erdöl bedeutet das: Gegenwärtig steigt die Nachfrage nach Erdöl insbesondere aufgrund von einem durch Wirtschaftswachstum in Asien getriebenen steigendem Erdölverbrauch. Salopp gesagt: immer mehr der vielen Menschen in China und Indien wollen auch gern Auto fahren und können sich das finanziell auch leisten. Das hat die Nachfrage und die Preise für Erdöl in den letzten Jahren nach oben getrieben. Das wiederum führte dazu, dass Produzenten von Erdöl das Angebot erhöht haben, indem sie mit Erfindungsreichtum sowie aufwändigen, risikoreichen und vor allem teuren Techniken immer schwerer erschließbare Erdölvorkommen erschlossen haben, etwa solche, die in großer Tiefe, in kalten abgelegenen Gegenden mit extremer Witterung und tief unter dem Meeresboden lagern, sie Erdöl aus Schiefergestein und Ölsand gewinnen oder zur Neige gehende alte Erdölfelder mit aufwändigen Fördertechniken besonders gründlich ausquetschen. Durch Investitionen in diese teuren Techniken der Erdölgewinnung wurde das Öl-Angebot schneller ausgeweitet als die Öl-Nachfrage stieg. Jetzt übersteigt das Angebot die Nachfrage und infolgedessen sinken die Preise. Für die Zukunft ist zu erwarten, dass Angebotskapazitäten gesenkt werden oder der Ausbau von Angebotskapazitäten abnimmt, solange bis irgendwann die Nachfrage das Angebot wieder übertrifft und die Preise dadurch wieder steigen.

Soviel sei zum grundsätzlichen Mechanismus der Bildung des häufig schwankenden Ölpreises gesagt. Nun gibt es dabei noch eine Feinheit, die durchaus erwähnenswert ist. Die Wörter „Senken der Angebotskapazität“ wurden hier marktwirtschaftlich formuliert, in der Praxis kann das jedoch „Heulen und Zähneknirschen“ für einzelne Ölproduzenten und ganze Staaten, die einen wesentlichen Teil ihrer Einnahmen durch Ölproduktion erzielen, bedeuten. Möchte ein starker Anbieter einem oder mehreren anderen Anbietern schaden und bei ihm „Pleiten, Pech und Pannen“ auslösen, so kann eine Öl-Produktionsausweitung mit dem Ziel einer drastischen Preissenkung durchaus ein sehr wirksames und desaströses Mittel wirtschaftlicher Kriegsführung sein. Dass neben der Ausweitung unkonventioneller Ölförderung eine solche Absicht zur ökonomischen Kriegsführung eine Ursache für die gegenwärtige Ölpreissenkung sei, wurde in den letzten Wochen wiederholt gestreut, und zwar wird da konkret behauptet, Saudi Arabien habe die Ölförderung ausgeweitet und drücke den Ölpreis, um so den ölexportierenden Staaten Russland und Iran zu schaden. Eine solche Form der wirtschaftlichen Kriegsführung wurde schon einmal erfolgreich praktiziert: in den 80er Jahren haben die USA die mit ihnen verbündeten Saudis dazu bewegen können, die Ölförderung massiv auszuweiten, um die Ölpreise zu senken, was einen erheblichen Teil dazu beigetragen hat, dass die erdölexportierende Sowjetunion, die aufgrund höherer Förderkosten bei den von Saudi Arabien durch Produktionsausweitung durchgesetzten niedrigeren Preisen Verluste in der Ölförderung machte, wirtschaftlich abgestürzt ist, bis sie nicht zuletzt in Folge der Wirtschaftsschwierigkeiten 1991 letztlich aufgelöst wurde.

Es mag sein, dass Saudi Arabien versucht, auch jetzt seine Macht als vermögender Staat und einer der größten Ölförderer der Welt einzusetzen versucht, um durch eine Ausweitung der Ölproduktion Russland und Iran zu schaden. Es ist schließlich bekannt, dass Saudi Arabien zusammen mit einigen Partnern, allen voran Israel, unbedingt einen Regime Change in Syrien will und russische und iranische Hilfe wesentlich für das bisherige Misslingen der Absicht zum Regime Change in Syrien sind. Es mag auch sein, dass Saudi Arabien, ebenso wie viele andere Staaten in und außerhalb der OPEC schon seit langem einfach an Öl fördert, was möglich ist, weil die Saudis aufgrund ihrer teuren Projekte der Unterstützung ihnen genehmer und der Sabotage ihnen missliebiger fremder Staaten knapp bei Kasse sind, mehr Förderung für jeden einzelnen Förderer tendenziell mehr Einnahmen bedeutet, und innerhalb der OPEC aufgrund der politischen Konflikte untereinander kein Vertrauen da ist, dass sich Mitglieder an beschlossene Abreden zur Drosselung der Ölförderung halten würden. Es mag auch sein, dass Saudi Arabien nicht mehr fördert als mit der OPEC vereinbart, und wenn doch, dann mag es dafür auch andere Gründe geben, etwa den, dass Saudi Arabien unkonventionelle Förderer aus dem Markt drängen will. Da echte Ölförderzahlen wie Staatsgeheimnisse gehütet werden und sich stattdessen die Praxis etabliert hat, die Medien diesbezüglich mit Desinformationen zu überfluten, ist das von außen nicht einfach zu erkennen. Aber zumindest ist seit dem OPEC-Treffen in der letzten Woche ziemlich klar, dass die OPEC-Staaten nicht willens oder nicht fähig sind, den Ölpreis höher zu halten und Saudi Arabien keine Absicht hat, seine Förderung zu drosseln, um so wieder für einen höheren Ölpreis zu sorgen. Praktisch spielt das keine Rolle. Die OPEC ist aufgrund ihres im Laufe der Jahre geschrumpften Marktanteils ihrer Mitglieder und der geopolitischen Spannungen ihrer Mitglieder ohnehin schon lange weitgehend handlungsunfähig.

Was praktisch eine Rolle spielt, ist, dass der Ölpreis gefallen ist, anzunehmen ist, dass er nun eine Weile auf dem Niveau bleibt oder sogar noch weiter fällt und dass das vermutlich globalwirtschaftliche Auswirkungen und Verschiebungen im geopolitischen Machtgefüge zur Folge haben wird. Die Abschätzung dessen, welche Auswirkung das Sinken des Ölpreises genau haben wird, ist jedoch alles andere als einfach. In der Abschätzung stecken so viele der Öffentlichkeit unbekannte oder öffentlich nicht nachprüfbare Informationen, angefangen von Fördermengen über Grenzkosten der Förderung, Finanzierungszusagen und -verpflichtungen, langfristigen Ölverträge zu vorab bestimmten Festpreisen, Hebe- und Teilungsverträgen mit Ölmultis bis hin zur konkreten Risikogestaltung in Konsortialverträgen, und unvorhersehbare Ereignisse in der Zukunft, wie etwa das Verhalten von Politikern und öffentlicher Meinung oder die Unterstützung von Partnern im Rahmen von politischen Bündnissen, dass kaum mehr als ein Gedankenspiel möglich ist, wohin der Preiskrieg beim Öl führen wird. Soviel lässt sich immerhin feststellen: wer jetzt sagt, er wüsste genau, wie der Preiskrieg ums Öl ausgehen wird, der sagt nicht die Wahrheit.

Zum Anfang der geopolitischen Einschätzung der geopolitischen Auswirkungen der Ölpreissenkung sei nochmal darauf hingewiesen, dass eine Preissenkung von etwa 100 Dollar pro Fass auf rund 70 Dollar bei einem Fördervolumen von 75 Mio Fass pro Tag nach Adam Riese dazu führt, dass Käufer von Öl den Produzenten von Öl auf ein Jahr hochgerechnet anstatt 2700 Mrd Dollar nur noch etwa 1900 Mrd Dollar im Jahr für Öl bezahlen müssen, sie also rund 800 Mrd US-Dollar weniger zahlen müssen als sie es ohne die Preissenkung von 30 Dollar pro Fass müssten. Das ist etwa die Summe, um die es in diesem Ölpreiskrieg geht. Sollte der Preis von etwa 100 Dollar um 50 US-Dollar auf rund 50 Dollar fallen, dann geht es um entsprechend mehr, nämlich die Hälfte des etwa 2700 Milliarden Dollar schweren Kuchens, also rund 1350 Milliarden US-Dollar jährlich. Dazu kommen noch etliche weitere Milliarden dadurch, dass auch der Gaspreis teilweise basierend auf dem Ölpreis abgerechnet wird.

Die einfachste Methode, Kandidaten für Gewinner und Verlierer bei Ölpreisänderungen zu finden, ist sich anzuschauen, wer wieviel Öl ex- und importiert. Nachfolgende zwei Tabellen dazu, wer die größten ölexportierenden und ölimportierenden Staaten sind, stammen von der US-Behörde „U.S. Energy Information Administration“, kurz eia, nicht, weil deren Zahlen besonders frisch, zuverlässig oder glaubwürdig sind, sondern einfach, weil sie gängig sind.

Die größten Nettoölex- und -importeure 2012 laut eia – Tausend Fass pro Tag (bpd)
  • Exporteure
  • 1 Saudi Arabia
  • 8,865
  • 2 Russia
  • 7,201
  • 3 United Arab Emirates
  • 2,544
  • 4 Kuwait
  • 2,347
  • 5 Iraq
  • 2,247
  • 6 Nigeria
  • 2,224
  • 7 Qatar
  • 1,829
  • 8 Iran
  • 1,728
  • 9 Angola
  • 1,713
  • 10 Venezuela
  • 1,712
  • 11 Norway
  • 1,685
  • 12 Algeria
  • 1,507
  • 13 Canada
  • 1,506
  • 14 Kazakhstan
  • 1,355
  • 15 Libya
  • 1,244
  • Importeure
  • 1 United States
  • 7,372
  • 2 China
  • 5,502
  • 3 Japan
  • 4,559
  • 4 India
  • 2,460
  • 5 Korea, South
  • 2,261
  • 6 Germany
  • 2,225
  • 7 France
  • 1,699
  • 8 Spain
  • 1,272
  • 9 Singapore
  • 1,227
  • 10 Italy
  • 1,216
  • 11 Netherlands
  • 951
  • 12 Taiwan
  • 903
  • 13 Turkey
  • 632
  • 14 Indonesia
  • 621
  • 15 Belgium
  • 596

Die Zahlen beziehen sich zwar auf das Jahr 2012, aber die Änderungen seitdem sind, bis auf wenige Ausnahmen, eher marginal. Eine Ausnahme ist der Iran, wo die Exporte nach der Verhängung der Sanktionen 2011/2012 nach Angaben der eia zum Jahresende 2013 bis auf unter eine Million Fass eingebrochen sein sollen, und eine andere Ausnahme ist, dass im Jahr 2014 nach Angaben der eia China, das nun auf rund 6,5 Mio bpd Ölimporte kommen soll, die USA, die nun nur noch rund 5 Mio bpd Öl importieren sollen, als größter Ölimporteur überholt haben dürfte.

In der Spitze lassen sich die Daten der eia so interpretieren: Saudi Arabien entgeht durch die Ölpreissenkung am meisten Geld beim Ölverkauf, ist also der größte Verlierer des gesunkenen Ölpreises, und China spart am meisten Geld beim Öleinkauf, ist also der größte Gewinner des gesunkenen Ölpreises. Dieser Satz passt natürlich überhaupt nicht zu der Theorie, Saudi Arabien habe für die Senkung des Ölpreises gesorgt, um damit Russland und Iran, möglicherweise im Auftrag der USA, zu bestrafen. Sollte also Saudi Arabien als größter Ölexporteur mutwillig für die Senkung des Ölpreises gesorgt haben, so bedeuten die Daten zunächst einmal, die Saudis würden sich damit kräftig ins eigene Knie geschossen haben, und obendrein hätten sie einen geopolitischen Konkurrenten der USA, nämlich China, gestärkt. Bei 8,8 Mio bpd Ölexport bedeuten 30% Preissenkung für die Saudis Mindereinnahmen von rund 100 Mrd US-Dollar jährlich, während China bei einer 30-Dollar-Preissenkung auf 6,5 Mio bpd Ölimport jährliche Minderausgaben von rund 70 Mrd US-Dollar zu verzeichnen hat. Sowohl Saudi Arabien als auch China gelten jedoch als ausgesprochen gutbetucht, sodass die geopolitischen Effekte dieser Finanzkraftverschiebungen eher weniger ins Gewicht fallen.

Ein etwas differenzierteres Bild ergibt sich, wenn man nicht nur die Spitzen der Daten anschaut, sondern weiter hinunter in die Top-15 der größten Ölim- und -exporteure geht. Da kann man in etwa sagen, dass ostasiatische Staaten, Indien, Staaten der EU, die Türkei und die USA die größten Ölimporteure sind und deshalb durch eine Ölpreissenkung am meisten sparen, während die GCC-Staaten und Russland durch eine Ölpreissenkung am Meisten an Einnahmen verlieren. Hinzu kommen weitere wesentliche ölexportierende Staaten, denen durch niedrigere Ölpreise Einnahmen entgehen. Sie stammen aus allen geopolitischen Lagern, so etwa befinden sich darunter der mit Russland eng kooperierende Staat Kasachstan, der mit Iran eng kooperierende Staat Irak, die NATO-Staaten Kanada und Norwegen, die afrikanischen Staaten Nigeria, Angola, Algerien und Libyen und der politisch Russland und China nahestehende Staat Venezuela.

Die Analyse dessen, welches geopolitische Lager von den niedrigeren Ölpreisen profitiert und welchem die niedrigeren Preise schaden, fällt aber auch bei dieser erweiterten Betrachtung alles andere als eindeutig aus. Zunächst mal zu den Gewinnern: Mit China und dem mit über BRICS, der AIIB und bald auch der SCO mit China liierten Staat Indien gehören zwei der wesentlichen geopolitsichen Herausforderer der USA zu den eindeutigen Gewinnern des Ölpreisrückgangs. Sollte das von China vorangetriebene Projekt der RCEP-Allianz wie erwartet funktionieren, gehören zu den eindeutigen Gewinnern des Ölpreisrückgangs auch noch dann mit China verbündete starke ostasiatische Staaten wie Japan, Südkorea und Indonesien. Daneben gehören die EU-Staaten in Summe zu den eindeutigen Gewinnern des Ölpreisrückgangs. Und der eia-Liste der größten Ölimporteure zufolge würden auch die USA eindeutig zu den größten Gewinnern des Ölpreisrückgangs gehören. Doch bei den USA gibt es, um vom Ölpreisrückgang wirklich profitieren zu können, ein politisches Problem, aber dazu später mehr.

Zunächst soll es nun weitergehen mit den eindeutigen Verlierern des Ölpreisrückganges. Die GCC-Staaten haben vermutlich die größten Ausfälle, aber Saudi Arabien und die anderen ölexportierenden GCC-Staaten mit vergleichsweise geringer Bevölkerung können sich – vielleicht mit Ausnahme von Oman – den Ölpreisrückgang aufgrund ihrer Rücklagen und laufender Überschüsse sicherlich finanziell eine ganze Weile leisten, ohne dass deren Bevölkerung davon irgendetwas spürt.

Den Iran wird ein Ölpreisrückgang vermutlich auch kaum treffen. Durch die US-geführten Sanktionen 2012 ist der iranische Ölexport den Zahlen der eia zufolge ohnehin schon bis auf einen kümmerlichen Rest von kaum einer Mio bpd zusammengebrochen. Die iranische Wirtschaft hat die damit verbundenen schmerzlichen Anpassungsmaßnahmen wie die drastische Abwertung der Währung bereits hinter sich. Dass der Iran dabei nicht zusammengebrochen ist, ist einerseits guten Beziehungen Irans zu China zu verdanken, das sich am Boykott des Iran nicht beteiligte, und andererseits einer über viele Jahre von Iran verfolgten Strategie zum Aufbau einer Industrie auch jenseits des Öls. Diese Bemühungen waren durchaus erfolgreich. Iran ist in den letzten Jahren stückchenweise zu einem Industriestaat geworden, der einerseits vieles selbst kann und deshalb vergleichsweise wenig importieren muss und andererseits auch andere Güter als Öl und Gas exportiert, etwa Strom, petrochemische Erzeugnisse und sogar einige Automobile. Mit dem Ölexport erzielt der Iran, selbst wenn er 100 Dollar pro Fass bekommt, monatlich gerade mal drei Milliarden Dollar. Fällt der Ölpreis um 30 Dollar, kostet das den Iran demnach rund 900 Millionen Dollar monatlich. Aufgrund der Verschiebung der Nuklearverhandlungen erhält der Iran hingegen 700 Mio Dollar monatlich aus seinen eingefrorenen Guthaben. Netto kommt da also für den Iran sehr wenig an zusätzlicher Belastung heraus, wenn überhaupt, denn schon ein, in Bezug auf die iranischen Förderkapazitäten, eher kleiner Anstieg der exportierten Ölmenge macht den Preisverfall mehr als wett. Der Ölpreisrückgang nimmt dem Iran zwar einige Chancen, im Zuge der Aufhebung der internationalen Isolierung seine Wirtschaft mit der Ausweitung der Ölexporte zu boosten, aber es ist aufgrund der fortschreitenden Entwicklung des Iran absehbar, dass der Iran und sein politisches System sogar einen völligen Zusammenbruch seiner Öl- und Gasexporte durchstehen würde.

Politisch und wirtschaftlich schwieriger zu bewältigen dürfte der Ölpreisrückgang für Russland sein. Bei einer Öl-Exportmenge von 7,2 Mio bpd und einem Ölpreisrückgang von 30 Dollar pro Fass betragen die Erlösminderungen Russlands nach Adam Riese rund 80 Milliarden Dollar pro Jahr. Hinzu kommen noch einige Dutzend Milliarden Dollar Erlösaminderungen dadurch, dass der Verkaufspreis für russisches Gas auf dem internationalen Markt häufig an den Preis von Erdöl gekoppelt ist, dadurch, dass die Ukraine neuerdings aufgrund der politischen Krise wenig russiches Erdgas kauft und dadurch, dass die EU und die USA Sanktionen gegen den russischen Energie- und Finanzsektor verhängt haben, die darauf abzielen, durch Technologie-Embargo die Rentabilität zu drücken. Der russische Staatshaushalt speist sich dabei zu wesentlichen Teilen aus den Profiten des russischen Öl- und Gasexports. Das ist bei Preisrückgängen ein Problem.

Das Haushalsproblem wird dadurch verschärft, dass von den Erlösen, die mit dem Öl- und Gasexport erzielt werden, vor dem Einsatz von Profiten für den Haushalt natürlich die Kosten abgezogen werden müssen, und einige der Förderungskosten auch in Form von Importen auf den Devisenhaushalt niederschlagen, und wird gleichfalls etwas gemildert dadurch, dass bei russischen Öl- und Gasprojekten häufig westliche Firmen miteingebunden wurden, die bei schmelzendem Profit eben auch nicht mehr soviel Profit aus ihrem Anteil an Projekten in Russland rausholen können. Trotzdem der ausländischen Beteiligungen bleibt ein erhbliches Problem für Russland bestehen. Russland hat zwar mit 400 bis 500 Milliarden US-Dollar erhebliche finanzielle Rücklagen, doch bei sollten niedrigere Preise über Jahre anhalten, könnten diese Rücklagen bei Erlösminderungen von 100 Mrd Dollar oder mehr pro Jahr innerhalb weniger Jahre aufgebraucht sein, wenn Russland den Staatshaushalt und die Wirtschaft in bisheriger Weise fortführte.

Das Haushalts- und Devisenproblem geht Russland bisher in einer grundsätzlich richtigen Art und Weise an. Den Kurs des Rubels lässt Russland im Großen und Ganzen den Marktkräften folgend abrutschen und Sanktionen gegen – zumindest – einige ausländische Produkte, insbesondere Agrarprodukte aus der EU, wurden verhängt. Die Abwertung des Rubels unterstützt die heimische Agrar- und Industrieproduktion, die Russland im Gegensatz zu einigen anderen erdölexportierenden Staaten hat, und die Einfuhrverbote für Lebensmittel aus der EU unterstützen sie zusätzlich. Außerdem hat Russland China in Bezug auf Investitionen umworben, und dabei unter anderem mit dem rund 400 Milliarden schweren abgeschlossenen Vertrag über die östliche Gaspipeline einen ganz dicken Erfolg gelandet. Der Weg ist richtig. Sollten die Ölpreise weiter fallen, möglicherweise wie in den 80ern bis auf ein Niveau unter den russischen Grenzkosten der Ölförderung, so könnte Russland Industrieimporte aus dem Westen nahezu völlig verdrängen und gleichzeitig mehr chinesische Investitionen in die russische Industrie zu absoluten Kaufkursen einwerben. Russland hat inzwischen anders als in den 80ern jenseits von Öl und Gas inzwischen einiges an international voll konkurrenzfähiger Wirtschaft, etwa Waffenproduktion, Weltraumtechnik und Weizenerzeugung, sowie einiges weitere an Wirtschaft, vom Fahrzeugbau bis zur Agrarwirtschaft, was zumindest als Importersatz für den russischen Binnenmarkt akzeptabel ist, und bei einer weiteren Rubelabwertung möglicherweise auch im internationalen Export erfolgreich sein könnte.

Der Kern des Unterschiedes zu den 80ern aber ist, dass Russland heute mit China einen finanziell, wirtschaftlich und induestriell extrem starken Partner in SCO und BRICS hat. Russland ist gut beraten, sich bei einem extrmem Ölpreisrückgang von China helfen zu lassen und für China ist es vernünftig, seinem strategischen Partner Russland zu helfen, denn sollten der Westen und die GCC-Staaten es wie in den 80er Jahren mit einer extremen Ölpreissenkung und massiven Wirtschaftssanktionen erneut schaffen, Russland zu ruinieren, dann darf China davon ausgehen, selbst die nächste Zielscheibe eines westlichen Wirtschaftskrieges zu werden, und um den zu bestehen, wäre ein starker russischer Partner für China sehr hilfreich. Russland wirtschaftlich zu helfen, indem zu Tiefstkursen massiv mit Investitionen in Russland eingestiegen wird, kann für China und andere asiatische Staaten dabei in Zeiten, wo der Westen Russland boykottiert, dabei durchaus gleichzeitig auch ein gutes Geschäft sein.

Russland fördert Öl aus unwegsamen Gegenden Sibieriens und aus großen Tiefen, was im Vergleich zur Ölförderung direkt unter der Erde in Saudi Arabien und einigen anderen Staaten vergleichsweise aufwändig und deshalb teuer ist. Für Russland ist es deshalb schwer, beliebig lang beliebig niedrige Preise mitzugehen. Wo genau die Preisuntergrenze liegt, ab der die russische Ölförderung nicht mehr rentabel ist, ist natürlich öffentlich nicht bekannt, aber was bekannt ist, ist, dass bevor allerdings Russlands Ölwirtschaft durch niedrige Preise ruiniert werden kann, einige andere Ölproduzenten längst ruiniert sein würden.

Für Venezuela verheißt der Fall der Ölpreise eine rabenschwarze Zukunft. Ein großer Teil des venezoelanischen Staatsbudgets besteht aus Öleinnahmen der staatlichen Ölerzeugung. Dabei leidet Venezuela ohnehin seit Jahren unter Devisenknappheit, die auf zu hohe Ausgaben bei zu geringen Einnahmen zurückgehen. Gleichzeitig hat es Venezuela bis jetzt kaum geschafft, neben der Ölwirtschaft andere international konkurrenzfähige und exportstarke Wirtschaftszweige aufzubauen, sodass Venezuala einen Wegfall der Öleinnahmen kaum ausgleichen könnte. Hinzu kommt für Venezuela das Problem, dass die als Orimulsion bekannten großen venezoelanischen Superschwerölvorkommen im Orinoco-Gürtel teuer in der Entwicklung sind, sich bei einem längerfristigen Ölpreisrückgang nicht rechnen und Venezuela damit eine Entwicklungsperspektive im Ölbereich verloren geht. Was Venezuela demnach zu tun bleibt, ist staatliche Ausgaben zu kürzen, die Landeswährung weiter abzuwerten und gleichzeitig zu hoffen, dass weitere Wirtschaftshilfe aus China kommt, bevor mit der Wirtschaftslage unzufriedene Bevölkerungsteile es – etwa mit Unterstützung durch die USA – schaffen könnten, Venezuela auch politisch zu destabilisieren. Der Regierung von Maduro in Venezuela würde das US-Empire sicher keine Träne nachweinen. Im Gegenteil, sollten niedrige Ölpreise zu einem Regime Change in Venezuela führen, würden in Washington die Korken knallen.

Aber durch niedrige Ölpreise stehen nicht nur Venezuela und, wenn die Preise sehr tief sind und die Niedrigpreisphase lang anhält, möglicherweise auch Russland im Feuer. Neben Venezuela ist der nordamerikanische NATO-Staat Kanada der erste Kandidat dafür, durch niedrige Ölpreise in erhebliche Schwierigkeiten zu kommen. Die engstens mit der Achse Israel-USA-Saudi-Arabien verbündete kanadische Harper-Regierung hat praktisch ihre gesamte Wirtschaftspolitik darauf ausgerichtet, Öl aus Ölsanden zu gewinnen. Riesige Flächen werden seitdem unter anderem in der westkanadischen Provinz Alberta mit sehr hohem Investitionseinsatz umgegraben, um aus dem reichlich vorhandenen Ölsand etwas Öl zu gewinnen.

Die Gewinnung von Öl aus Ölsand ist sehr aufwändig und die Kosten dafür liegen deshalb sehr hoch, sowohl was die Investitionskosten als auch was die laufenden Kosten der Produktion betrifft. Bei einem längeren Ölpreisrückgang ist es deshalb absehbar, dass das der erste Fall ist, wo Heulen und Zähneknirschen ausbricht, und, wenn die kanadische Politik nicht gegensteuert, ein Angebotsrückgang in der Ölproduktion durch Pleiten, Pech und Pannen einsetzt. Theoretisch könnte die kanadische Regierung darauf reagieren, indem sie die Ölgewinnung aus Ölsand subventioniert, etwa indem sie Erdöl so besteuert, dass der Preis für Erdöl in Kanada bei rund 100 US-Dollar oder einem ähnlichen Niveau bleibt und die Ölgewinnung aus Ölsand von der Steuer ausnehmen. Bei einem Preisrückgang von 30 Dollar pro Fass und einem Export von 1,5 Mio bpd müsste die kandische Regierung für solche Subventionen der kanadischen Ölförderung rund 16 Mrd US-Dollar jährlich aufwenden. Kanada könnte das finanziell sicherlich stemmen und damit könnten Pleiten in der kanadischen Ölindustrie verhindert werden, aber das käme zu dem Preis eines belasteten kanadischen Staatshaushalts, einer aufgrund höherer Ölpreise schlechter laufenden Wirtschaft oder beidem zusammen. Und angesichts dessen, dass die Ölgewinnung aus Ölsand auch umweltpolitisch umstritten ist, ist es alles andere als sicher, dass die kanadische Regierung eine Subventionierung der kanadischen Ölindustrie politisch durchsetzen könnte. Das kanadische Geschäftsmodell des gwinnbringenden Exports von aus Ölsand gewonnenem Öl jedenfalls wäre, wenn der Ölpreisrückgang anhält, am Ende. Pleiten bei auf unkonventionelle Ölförderung spezialisierten Firmen und eine dadurch verursachte heftige Rezession in Kanada sind bei einem anhaltenden Ölpreisrückgang also vorprogrammiert.

Ein ähnliches Problem haben auch die USA. Zwar profitieren die USA wirtschaftlich durch geringere Ausgaben für Ölimporte, wenn der Ölpreis niedrig ist, aber gleichzeitig wurde in den USA in den letzten Jahren eine große Industrie zur unkonventionellen Ölförderung aufgebaut. Der Aufbau dieser US-amerikanischen „Fracking-Industrie“ ist so signifikant, dass er eben ein erheblicher Faktor für den Ölpreisrückgang ist. Das US-Problem ist dabei ähnlich wie bei der kanadischen Ölsandindustrie: sowohl die Investitionskosten als auch die laufenden Kosten der unkonventionallen Ölförderung sind vergleichsweise hoch. Außerdem ist seit Jahren bekannt, dass nicht wenige dieser auf Fracking und ähnliche Techniken spezialisierten neuen US-Öl- und Gasfirmen in ihren Bilanzen auf der Haben-Seite größere unkonvetionalle Ölvorkommen ausweisen als sie es tatsächlich sind. Nicht wenige Fachleute sprechen deshalb beim Fracking-Boom in den USA von einer gigantischen Börsenblase. Können diese Firmen die erwarteten rentablen Fördermengen, auf deren Basis die Investitionsentscheidungen getroffen wurden, nach einer Weile nicht mehr bringen, weil die unkonventionellen Öl- und Gas-Lagerstätten viel schneller als erwartet ausgebeutet wurden, wird erwartet, dass die Blase platzt, viele dieser Firmen bankrott gehen und die Anleger das von ihnen eingesetzte Geld verlieren. Durch einen Ölpreisrückgang kann das Platzen dieser Blase erheblich beschleunigt werden. Das künstliche Festlegen eines höheren Ölpreises in den USA durch die US-Regierung, etwa durch Steuern, Zölle auf importiertes Öl oder ähnliche Maßnahmen zur Subventionierung der Frackingbranche ist für die USA keine Option. Zum einen gibt es in den USA da sicherlich erhebliche politische Widerstände gegen, und zum Anderen besteht das Problem, dass die US-Frackingbranche ohnehin zu wesentlichen Teilen eine Blase ist, deren Platzen durch solche rigiden Subventionsmaßnahmen nicht verhindert, sondern nur etwas hinausgezögert würde.

Sollte Saudi Arabien treibende Kraft hinter dem Ölpreisfall sein, und seit dem jüngsten OPEC-Treffen ist klar, dass Saudi Arabien zumindest keine Förderkürzungen vornehmen will, um den Ölpreis hoch zu halten, ist es aus diesem Grund nicht ganz verkehrt, den Ölpreisrückgang als saudischen Preiskrieg gegen die US-Fracking-Industrie zu betrachten. Der Preisrückgang beim Öl könnte also, lange bevor Russland in schwieriges Fahrwasser gerät, erstmal dazu führen, dass die Fracking-Blase in den USA platzt und die kanadische Ölsandindustrie zurechtgestutzt wird. Mit heftigen Kursstürzen und einer Rezession in Kanada und den USA darf gerechnet werden, sollte der Ölpreisrückgang anhalten. Damit wären erstmal, selbst wenn Russland und der Iran das eigentliche Ziel eines saudischen Wirtschaftsangriffes mittels Öldumping sein sollten, die USA und Kanada im Fadenkreuz. Sieht man es so, dass der Rückgang der Ölpreise insbesondere auf verstärktes Fracking in den USA zurückzuführen ist, dann ist die US-Frackingindustrie durch den von ihr selbst durch ihre Förderausweitung verursachten Ölpreisrückgang vermutlich gerade nach dem Muster eines klassischen Schweinezyklus dabei, sich selbst zu zerlegen.

Sollten die USA es hingegen so wahrnehmen, dass die niedrigen Ölpreise ein saudischer Angriff auf die US-Fracking-Industrie sind, dann dürfen die Saudis sich darauf einstellen, dass die USA Gegenmaßnahmen ergreifen wird. Für die Senkung von Förderkapazitäten haben die USA sehr wirksame Mittel. Zum Einen können sie Wirtschaftssanktionen verhängen, um den Ölexport eines Staates zu drücken, so wie sie das in Bezug auf Iran gemacht haben. Gegen Saudi Arabien einen Vorwurf als Anlass zu erheben, etwa die Förderung von Terrorismus, ist obendrein sehr einfach, weil der Vorwurf im Wesentlichen zutrifft. Zum Anderen haben die USA das größte Militär der Welt und einen sehr aktiven Geheimdienst. Auch mit dem Militär und mit geheimdienstlichen Mitteln lässt sich die Ölförderung fremder Staaten senken. Um etwa die Ölförderung in Saudi Arabien zu senken, um so den Ölpreis zu stabilisieren und die US-Fracking-Industrie einstweilen vor dem Platzen der Blase zu schützen, müssten die US-Geheimdienste bloß für eine „Revolution“ – etwa nach libyschem Vorbild – in Saudi Arabien sorgen oder das US-Militär den Anti-Terror-Kampf auf Saudi Arabien ausweiten, wobei das in solchen Fällen natürlich unvermeidlich ist, dass Ölförderanlagen durch Krieg beschädigt werden, wodurch die Förderung gedrosselt wird und der Ölpreis steigt.

Insgesamt lässt sich also feststellen, dass der Ölpreisrückgang den USA im geostrategischen Wettbewerb mit China nicht hilfreich ist, sondern er China nutzt und noch stärker macht. Negative Seiteneffekte des Ölpreisrückgangs für mit China liierte Staaten wie Russland und Venezuela kann China dabei zu einem großen Teil ausgleichen. Die Wirtschaft der USA, insbesondere die dortige Fracking-Industrie, dürfte der Ölpreisrückgang hingegen vor erhebliche Probleme stellen. Es darf also demnächst vermutlich mit einem größeren Krieg zum Zweck der Senkung der Weltölförderung und der dem vorübergehenden Schutz der US-Fracking-Industrie dienenden „Stabilisierung des Ölpreises“ gerechnet werden.

13 Gedanken zu “Zur Achterbahn der Ölpreise

  1. Vieleicht ist das auch ein geschäft mit Put und Call optionsscheinen warscheinlich hat niemand damit gerechnet das es so weit fällt.

    1. Feti

      Spekulation mit Optionen und Futures spielt mit ziemlicher Sicherheit auch eine Rolle im Gesamtbild. Wer vorab übr den Preisabsturz informiert war, konnte sich mit Puts eine goldene Nase verdienen. Ich hatte im Artikel bereits geschrieben, dass es Gerüchte gibt, Saudi Arabien habe vor dem Preissturz langfristige Lieferverträge zu Festpreisen abgeschlossen. Das kommt einem Halten von Großbeständen an Put-Optionen schon recht nahe und könnte gut durch Put-Optionen ergänzt worden sein. Und anschließend, so das Gerücht, soll Saudi Arabien die Förderung erhöht haben, reichlich billiges Öl auf den Markt geworfen haben, damit die Preise gedrückt haben, und selbst aufgrund der kurz zuvor vereinbarten Festpreise fein aus dem Schneider sein. Das könnte so gewesen sein. So ein Vorgehen wäre nicht ganz unlogisch. Jedenfalls, wenn man meint, dass Saudi Arabien wirklich willens und in der Lage gewesen ist, seine Förderung zu erhöhen,um die Preise zu crashen. Möglich wäre zum Beispiel, dass die Saudis aufwändige Technik installiert haben, um schneller fördern und alte Felder besser auspressen zu können.

      Allerdings ändert das nichts daran, dass offenbar eben auch anderweitige Basisgrößen eine Rolle spielen, so etwa unkonventionelles Öl, Schieferöl, Ölschiefer, Fracking und so weiter, mit dem die Ölförderung in Amerika, finanziert durch billiges Geld und einer daraus entstandenen Fracking-Börsenblase, kurzzeitig angehoben werden konnte.

      Sei es wie es sei, das ändert nichts daran, dass China ein ganz großer Gewinner des billigeren Öls ist, Chinas Partner Russland hingegen ein klarer Verlierer dabei, Kanada vor einer Katastrophe beim Ölsand-Geschäft steht und die USA voraussichtlich Probleme mit ihrer Fracking-industrie bekommen. Die Frage, wer geopolitisch Gewinner und Verlierer des Ölpreisrückganges sein wird, ist wirklich nicht ganz einfach vorherzusagen. Das Alles gibt insgesamt ein sehr gemischtes Bild.

  2. Gut diskutiert. Stellt sich noch die Frage, ob es hier mit Logik oder Verzweifelung zugeht. Da wird immer wieder das Ende der Dollar-Herrschaft verkündet (die BRICS als Spielverderber), aber zu merken ist kaum etwas. Wenn die USA weiter wie bisher Dollar drucken können, die die Welt akzeptiert, wo ist das Problem beim Fracking von Öl ? Sind diese heimischen Fracking-Gesellschaften pleite, was hindert die Rettung durch die Regierung bzw. die Notenpresse, wie es u.a. mit GM geschah, und nun zeigen sie wieder mal auf Opel/Deutschland wegen der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit. Der Zeitpunkt des Ölpreisverfalls seit Mitte 2014 weist schon auf einen Zusammenhang mit den politischen Verhältnissen hin, also Ukraine und IS in Irak (der Konflikt um Syrien dauert ja schon länger).
    Ich meine, bei der Politik geht es um Interessen, nicht um „Freundschaft“. Wenn also nun Russland unter Druck gesetzt wird durch den niedrigen Ölpreis und China profitiert, dann kann China auf Zeit spielen bis Russland noch sein letztes Hemd verkauft …, die Russen werden zwar ein Misstrauen gegenüber dem dynamischen Partner im Osten bewahren, aber das schützt nicht vor Abhängigkeit.
    Vielleicht sind sich am Ende China und die USA einig um den lästigen Militär-Rivalen Russland auseinander zu nehmen. Langfristige Lieferverträge für Gas sind das Eine – die Versuchung die Schwäche des „Partners“ auszunutzen ist das Andere.
    Grösstes Problem der BRICS ist das weite Auseinander-Liegen der betreffenden Länder, die grossen Handelsentfernungen (anfällig für Störungen) sowie die kulturelle Unterschiedlichkeit – ganz im Gegensatz zum westlichen Block. Nur die Landverbindung Russland-China ist nicht vom Meer her zu blockieren. Wenn es den USA schon gelingt Vietnam auf seine Seite zu ziehen, bei all dem Übel der Vergangenheit, dann habe ich doch Zweifel an der Standhaftigkeit einer wirkungsvollen Opposition gegen die US-Dominanz. Die scheinen sich ihrer Sache recht sicher zu sein … .
    Und fällt erst mal Venezuela wird der Druck auch in ganz Süd-Amerika
    steigen … . Der Ölpreis-Verfall stützt auch die hoch-verschuldeten Euro-Europäer, gibt den Regierungen und Konzernen mehr finanziellen Spielraum. Die Inflation kann gebremst werden und die „Deflations-Gefahr“ wirkungsvoll mit dem weiteren Gelddrucken gebannt werden. Sieht leider es so aus, als ob der Spuk noch ne Weile weitergeht. Ein paar militärische Unsicherheiten z.B. im Irak oder Libyen können aber auch den Ölpreis wieder nach oben treiben, eine Versuchung für Russland – aber die USA werden Saudi-Arabien und Katar beschützen wie ihren eigenen Augapfel.

    1. ka49mich
      Was China und Russland angeht, so gibt es da weniger Freundschaft als vielmehr ein gemeinsames strategisches Interesse: die Verteidigung ihrer nationalen Souveränität gegen die Unterjochung durch den US-geführten Imperialismus, oder, wie es im diplomatischen Sprachgebrauch heißt: das Interesse an einer multpolaren Welt. Sowohl Russland als auch China ist klar, dass die US-Eliten sich mit freiwillig nichts anderem zufrieden geben werden, als der Unterwerfung der ganzen Welt. Wie unzählige US-geführte Angriffskriege und US-geführte „bunte Revolutionen“ und Revolutionsversuche – zuletzt Ukraine und Hong Kong – zeigen, wollen die USA Regime Change in Russland und China. Außer, dass das russische und chinesische Volk dann, wenn den USA das gelingt, unterworfen und ausplündert wird, würden dann auch die bisherigen Eliten Russlands und Chinas niedergemacht, vielleicht so wie Saddam und Gaddafi, vielleicht anders.

      Russland kann sich ohne China wirtschaftlich nicht – oder nur sehr schwer – gegen die USA und die US-Partner der sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“ behaupten. Dafür ist Russland wirtschaftlich – auch in der Eurasischen Union – im Vergleich zum NATO-Raum zu klein. Das Problem hat China aber auch. Dabei geht es bei China nicht so sehr um Größe – mit 1,3 Mrd Menschen hat China potentiell die Größe, um dem ganzen NATO-Raum die Stirn bieten zu können – sondern um strategisch wichtige Güter. Russland hat da zwei wesentliche Dinge, die für Chinas Auseinandersetzung mit dem Westen essentiell sind, und an denen es China etwas mangelt: Energie und Waffen. Geriete Russland unter die Kontrolle der USA (oder des Westens), dann müsste China damit rechnen, dass der Westen als nächstes genau über diese Schiene – Chinas Mangel an Energie und einer leistungsfähigen eigenständigen Waffenindustrie – China erfolgreich attackiert. Von daher hat auch China ein massives Interesse am Wohlergehen Russlands.

      Chinesische Hilfe an Russland muss dabei natürlich nicht zum Nulltarif erfolgen. Im Gegenteil, wenn etwa China in Russland investiert oder Russland Kredite gibt, dann sollte China sein Geld später ruhig zusammen mit einem sattem Profit zurückbekommen. Der Westen und seine Propagandamaschine wird das natürlich „Ausnutzen“ oder „Ausverkauf Russlands an China“ nennen, eben weil ihm das nicht passt. Die Wahrheit ist ganz anders: In Zeiten, wo der Westen versucht, Russland mit einem Investitionsembargo und einem Kreditstop zu attackieren und in die Knie zu zwingen, sind chinesische Großinvestitionen für Russland Gold wert, denn sie sichern Russland buchstäblich das Überleben als selbständige Nation.

      China hätte theoretisch auch die Option, dem westlichen Druck nachzugeben und sich dem westlichen Wirtschaftsboykott, also westlichen dem Angriff auf Russland, anzuschließen, und sich dafür einstweilen vom Westen belohnen zu lassen. Kurzfristig würde China damit sicherlich leichter leben. Aber sobald Russland dann vom Westen geknackt wäre, wäre China als nächstes dran, und da würde China dann mit Russland ein wichtiger Partner fehlen.

      Noch was: Die Idee, dass grösstes Problem der BRICS das weite Auseinander-Liegen der betreffenden Länder, die grossen Handelsentfernungen (anfällig für Störungen) sowie die kulturelle Unterschiedlichkeit – ganz im Gegensatz zum westlichen Block – sei, ist grober Humbug. Es geht bei den BRICS ja eben gerade darum weltumspannend dem weltumspannenden US-Imperialismus durch Schlüsselstaaten in unterschiedlichen Regionen entgegenzuwirken. Und der westliche Block ist kulturell so unterschiedlich, wie er unterschiedlicher kaum sein könnte: die USA (und europäische NATO-Staaten) haben kulturell mit vielen anderen wesentlichen Mitgliedern des „westlichen Blocks“ wie etwa Saudi Arabien (und den GCC-Staaten) und Japan wirklich überhaupt nichts an Kultur gemein.

      1. Der Meister

        Das japanische Wort „Judo“ bedeutet „sanfter/flexibler Weg“ nach dem Prinzip „Siegen durch Nachgeben“ bzw. „maximale Wirkung bei minimalem Aufwand“.

        „Die Internationale Judo-Föderation IJF hat dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den 8. Dan und somit die dritthöchste Meisterstufe in dieser Kampfsportart verliehen.“

        In der Judo-Philosphie geht es um das „gegenseitige Helfen und Verstehen zum beiderseitigen Fortschritt und Wohlergehen“ und den „bestmöglichen Einsatz von Körper und Geist“, „diese Prinzipien trägt der Judoka als Haltung in sich“. „Ein Judo-Meister hört demnach im Idealfall niemals auf, Judo zu praktizieren, auch wenn er nicht in der Trainingshalle ist.“

        Beim Judo zu beobachten ist, wie im Notfall die Angriffsenergie eines Aggressors so geleitet werden kann, dass der Aggressor, durch den Schwung seiner eigenen Angriffsenergie, sich selbst zu Fall bringt.

        Die beiden Säulen des Judo sind die „festgelegte und namentlich benannte Abfolgen von Techniken, die den Übenden Prinzipien vermitteln“ und der „Lehrvortrag“. Es gibt Wurftechniken, Bodentechniken, Schlagtechniken und die Falltechnik.

        Man muss kein Putin-Fan sein, um fair zu bleiben.

        Zitate: Wikipedia, RIA NOVOSTI

        http://de.wikipedia.org/wiki/Judo

        http://de.ria.ru/culture_and_sport/20121010/264663590.html

  3. Noch zwei Links:

    Großbanken haben angeblich 650 Mrd USD auf Öl gewettet – Diese Wetten stehen bei niedrigem Ölpreis im Feuer:

    http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/energy/oilandgas/11265348/Banks-650bn-bet-on-oil-backfires-as-Brent-prices-slump.html

    Niedrige Ölpreise können ab etwa 2016 zu „massiven Zahlungsausfällen“ auf (US-)Junkbonds führen

    http://blogs.wsj.com/moneybeat/2014/12/01/falling-oil-prices-could-lead-to-massive-junk-bond-defaults/

  4. In Perspktive dieser Fakten erscheint es besonders verwerflich, dass eine Grünpartei in Österreich, den Ausbau unserer Wasserkraft, das größte Wasserkraftwerk Hainburg, bislang durch Gewalteinsatz verhindert hat und ein grenzdebiler Regierungschef hat dem nachgegeben.

  5. Sollte die US-Politik ein Steigen der Ölpreise wiederum bewirken, dann wird sich rasch über den Preis, der Verlust wiederum eingeholt werden.
    Daher, nützt die Zeit, um euch ein E-Vehikel zuzulegen, denn ist Zeit jetzt ein Vorteil .
    Mittels eine kleinen Elektrorollers kommt man genau dorthin, wo das vordem nicht möglich war und kostet ganze 0,4€ pro 100km.
    Strom dafür liefert jedes Solarmodul.

  6. sehr gute Analyse,

    was ich sehe ist aber auch eins was den Saudi’s Kopf zerbrechen machen könnte.

    wenn man bedenkt das die Welt mit Dollar geflutet wurde, heißt es aber auch die Werte die den Dollar ausmacht zu schützen.

    Ich als Staat würde so, bei den Saudis Lieferverträge jetzt aushandeln und das Öl Bunkern, selbst Russland könnt dies tun.

    man würde den Saudis die Dollar in den Rachen werfen mit den sie Klar kommen müssten, um an dem Tag wenn der Öl steigt dieses auf dem Weltmarkt häppchenweise anbietet. Russland China haben genügend Lagenstätten und sie könnten so einige ihrer wertlosen Dollarnoten loswerden. Recht einfach und legal. Sollten die Saudis nun zu den Preis nicht liefern können, wären sie als nicht vertrauenswürdiger Handelspartner gebrandmarkt.

    Ja, Future Geschäfte auf dem Papier bringen eine Menge Möglichkeiten wenn das Papier zu viel wird und der Wert des Papiers fragwürdig wird werden wir eine Krise erleben die verheerend sein wird im westlichen Lager um so mehr weil wir mit der Zivilisationssucht leben. ärmer Länder werden das kaum Auswirkungen haben.

    1. monroe

      Doppelter Denkfehler.

      Erstens: Dollar sind nicht wertlos, sondern außer in der FED knapp in der Welt, und insbesondere bei den geopolitischen Widersachern der USA, die nicht darauf hoffen können, freiwillig von der FED mit Dollars geflutet zu werden, sondern, wie die Sanktionen gegen Russland zeigen, damit unter Druck gesetzt werden, vom Dollarstrom abgeschnitten zu werden. Mit Dollar kann man nach wie vor alles kaufen. China braucht und gebraucht seine Dollars gegenwärtig beispielsweise, um reihenweise Banken zu gründen wie die BRICS-Bank, die AIIB und die SCO-Bank, mit denen China von den USA abhängige Staaten aus der Abhängigkeit von den USA und ihrem FED-gedruckten Dollarstrom praktisch rauskauft. Bis der Yuan soweit ist, den Dollar ablösen zu können, dauert es noch ein bisschen.

      Zweitens: Öl lässt sich schlecht in großen Mengen lagern, wenn es einmal aus der Erde rausgeholt wurde. China zB hat ein paar Erdölspeicher, die reichen aber nur wenige Tage, und baut gegenwärtig wohl neue, die dann reichen sollen, um den chinesischen Öl-Bedarf für ein bis zwei Monate zu decken. Was man bei Erdöl machen kann, ist Futures für festgelegte Liefertermine für Öl zu einem bestimmten Preis abzuschließen. Die kann man entweder an der Börse, oder aber, praktischer, direkt zwischen Öl-Anbitern und Verkäufern abschließen. Praktisch lässt sich damit von China, Russland und Co kein Geld verdienen, weil die Saudis defacto die Preisgewalt über Erdöl haben. Würde Russland groß in Futures für Ölkäufe für 60 Dollar investieren, könnten die Saudis ihre Produktion vermutlich bis zum Fälligkeitstermin so erweitern, dass der Preis noch weit unter 60 Dollar fällt, und Russland demnach mit den Futures Verlust macht, selbst wenn Russland die Produktion kürzen würde, um den Öl-Preis und damit den Wert der Futures hochzutreiben. Russland hätte damit gleich einen doppelten Schaden: einen Ausfall bei seiner Ölproduktion und Verluste bei den gekauften Futures.

      Was Russland und China aber machen können, und es wohl auch tun, ist Verträge miteinander abschließen, in denen sie miteinander zu Öl- und Gaslieferungen zu festen Preisen in der Zukunft abschließen, also praktisch miteinander Futures abschließen. Dadurch wird der realisierte Ölpreis für beide, China und Russland, besser planbar, unabhängig davon, ob die Saudis den Ölpreis gerade die Achterbahn rauf oder runter schieben.

      Das zweite, was China – wie oben schon gesagt – macht, ist Lager für ein bis zwei Monate Ölbedarf anzulegen, um unabhängiger von extremen Preisschwankungen zu werden. Mit Lagern kann China Öl insbesondere dann am Weltmarkt kaufen, wenn China Öl für preiswert hält, und dann Lagerbestände abbauen, wenn China Öl für teuer hält. Da Öllagerung aber – außerhalb der Möglichkeit, es einfach länger in Ölfeldern bis zur Förderung liegen zu lassen – teuer ist, sind die Lager klein und dienen nur zum Ausgleich kurzfristiger Preisschwankungen, bei China werden sie demnächst auf ein bis zwei Monate ausgebaut, D, USA und Japan haben wohl Lager für 3 bis 4 Monate.

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