Schwere Kämpfe im Nordosten und nördlich von Aleppo

Im Laufe des Sonntags gab es in und um Aleppo schwere Kämpfe an drei unterschiedlichen Fronten, nämlich in Hanano Housing im Nordosten der Stadt Aleppo, in Nubol und Zahraa nordnordwestlich von Aleppo und in der Gegend vom Dorf Handarat nordnordöstlich von Aleppo, schwere Kämpfe zwischen der syrischen Armee und Terroristen, die Vorbote für bald anstehende größere Fortschritte der Armee in der großen Schlacht um Aleppo sein könnten.

Webseiten von Anhängern der syrischen Regierung meldeten am Sonntag Vormittag, dass die syrische Armee rund 3.000 zusätzliche Truppen zusammengezogen und in der Nacht zum Sonntag einen Versuch zur Befreiung des Aleppiner Stadtteils „Hanano Housing“ begonnen habe.

Karte von @2Rook14: Vorstoß der syrischen Armee zur Befreiung des Aleppiner Stadtteils Hanano Housing

Hintergrund des Vorstoßes der Armee in den strategisch gesehen eher unwichtigen Aleppiner Stadtteil könnte sein, dass die Operation machbar scheint und mit der Befreiung von „Hanano Housing“ im Erfolgsfall ein Stadtteil mit vielen Wohnungen für potentielle Arbeiter in der nahegelegenen Industriestadt Sheikh Najar zur Verfügung stünde.

Im Laufe des Tages wurde dann davon berichtet, dass Terroristen verschiedener Gruppen einen Großangriff auf den schiitisch geprägten Stadtkomplex Nubol und Zahraa rund 20 Kilometer nördlich von Aleppo unternommen haben. Die Terroristen unterstützende Propagandaschleudern wie Reuters bejubelten am frühen Abend den Vorstoß der zu Al Kaida gehörenden Nusra Front auf die schiitisch geprägte Enklave, in der Schätzungen zufolge gegenwärtig rund 45.000 Menschen, davon viele Angehörige von religiösen Minderheiten wie Schiiten und Christen, Zuflucht vor den Terroristen gefunden haben, was, falls dieser Vorstoß erfolgreich gewesen wäre, aller Voraussicht nach zu massenhaften Massakern gegen Schiiten und Angehörige anderer religiöser Minderheiten in Nubol und Zahraa geführt hätte. Wenngleich Terroristen, die den Angriff gegen Nubol und Zahraa führten, verlautbaren ließen, sie wollten Nubol und Zahraa zur Absicherung von Nachschubrouten von Aleppo in die Türkei erobern, so lässt der Zeitpunkt des Großangriffs es wahrscheinlicher erscheinen, dass es sich bei dem Großangriff auf Nubol und Zahraa um einen Versuch handelte, mit dem Versuch eines Genozids in Nubol und Zahraa die syrischen Truppen zum Abbruch der Operation zur Befreiung von Hanano Housing zu zwingen. Der libanesische Journalist Hussein Mortada berichtete am Sonntag Abend, dass die Terroristen den Angriff auf Nubol und Zahraa sowohl von Tamourah im Südwesten als auch von Bayanoon im Südosten her führten. Den angreifenden Terroristen sei es im Schutz von heftigem wahllosen Artilleriefeuer gelungen, bis in den südlichen Zipfel von Zahraa vorzudringen, doch dort wurden sie dann von den Verteidigern von Nubol und Zahraa zurückgeworfen. Bei den Auseinandersetzungen wurden zahlreiche der angreifen Terroristen eleminiert und darunter waren sowohl Terroristen der zu Al Kaida gehörenden Nusra Front als auch Terroristen der vom Westen ausgerüsteten Gruppe Armee der Mujahedin, wovon ein bei der Attacke auf Nubol und Zahraa umgekommener Kommandeur der Armee der Mujahedin zeugt. Den Terroristen gelang es bei dem Überraschungsangriff, eine Familie aus Nubol und Zahraa als Geiseln zu nehmen.

Die syrische Armee in der Region war den Sonntag über heftig im Einsatz, um den Angriff der Terroristen auf Nubol und Zahraa abzuwehren. Dabei setzt die Armee einerseits die Luftwaffe ein und andererseits ging sie offenbar von der Gegend westliches des Dorfes Handarat aus im Rücken der Terroristen, die Nubol und Zahraa angriffen, in die Offensive Richtung Nubol und Zahraa, so dass auch am Frontabschnitt „Dorf Handarat“ schwere Gefechte zu verzeichnen waren. Hossein Mortada meldete am Abend diesbezüglich zwar keine Geländegwinne der syrischen Armee, doch es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die syrische Armee sich durch diesen Terrorangriff auf Nubol und Zahraa veranlasst sieht, die Verbindung von Handarat nach Nubol und Zahraa möglichst schnell herzustellen, um im Fall eines weiteren Großangriffs Nubol und Zahraa zukünftig schnell Nachschub an Material und Kämpfern dorthin senden zu können.

Geländegewinne der syrischen Armee wurden am Abend hingegen aus Hanano Housing und dem angrenzenden Bezirk Sakan Shababi sowohl von Hosein Mortada als auch von Webseiten von Anhängern der syrischen Regierung gemeldet. Wie signifikant diese Geländegewinne im Bereich Hanano Housing sind, wird sich zwar erst in den nächsten Tagen zeigen, aber bereits heute haben die Terroristen im Raum Aleppo damit, dass sie anstatt mit aller Kraft Hanano Housing zu verteidigen, einen militärisch sinnlosen Entlastungsangriff in genozidaler Abischt auf Nubol und Zahraa versucht haben, deutlich gemacht, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihre sämtlichen Fronten zu halten, wodurch es nicht unwahrscheinlich ist, dass der syrischen Armee schon in Kürze Durchbrüche an verschiedenen Fronten in Aleppo gelingen könnten und die Front der vom Westen unterstützten Terroristen im Raum Aleppo komplett zusammenbricht.

Damit auch diejenigen, die der Entwicklung der Situation in Aleppo, der größten syrischen Stadt, nicht im Detail folgen, die jüngsten Kämpfe einordnen und nachvollziehen können, sei nachfolgend noch einmal die Geschichte der Schlacht um Aleppo, aus der sich die gegenwärtige Lage ergibt, kurz in wenigen Worten zusammengefasst. Im Sommer 2012 fielen in der Türkei aufgestellte Verbände von Terroristen in die Stadt Aleppo ein. Den Terroristen gelang es dabei, die östlichen und südlichen Stadtteile von Aleppo und das gesamte Umland von Aleppo unter ihre Kontrolle zu bringen. Der YPG nahestehenden Kurden gelang es im nordwestlichen Zipfel der Provinz Aleppo um die Ortschaft Afrin herum ein säkulares kurdisches Autonomiegebiet zu errichten. Anfang des Jahres 2013 waren Regierungsanhänger und syrische Soldaten in der westlichen Hälfte der Stadt einschließlich des nördlichen und westlichen Teils des Stadtzentrums sowie in wenigen weiteren Positionen wie dem Flughafen im Südosten von Aleppo, dem Zentralgefängnis im Norden Aleppos und des schiitisch geprägten Stadtkomplexes Nubol und Zahraa nördlich von Aleppo von Terroristen umzingelt, wobei diese Positionen sowohl von der Verbindung nach Damaskus als auch untereinander abgeschnitten waren. Im Laufe des Jahres 2013 gelang es der syrischen Armee zunächst, über durch die südlichen Randbezirke von Aleppo wieder eine Verbindung zwischen dem Flughafen von Aleppo und der westlichen Hälfte der Stadt herzustellen, und später auch, vom Flughafen Aleppo aus einen Schleichweg durch die Wüste zur Stadt Homs und von da weiter nach Damaskus zu öffnen, womit der Belagerungsring der Terroristen um die westliche Stadthälfte durchbrochen war. ZU Beginn des Jahres 2014 eröffneten vom westlichen Ausland unterstützte Terroristen unter Führung der eigens dazu neugebildeten und vom westlichen Ausland ausgerüsteten Terrorgruppe „Armee der Mujahedin“ einen Krieg gegen die Mitglieder Terrorgruppe ISIS, die bis dahin gemeinsam mit ihnen gegen die syrische Armee und Anhänger der syrischen Regierung gekämpft hatten. Den von westlichen Staaten unterstützten Terroristen gelang es dabei zwar, die Terrorgruppe ISIS in den von Terroristen beherrschten südlichen und östlichen Stadtteilen Aleppos sowie in der Provinz Idlib, und im westlichen und nördlichen Umland von Aleppo zu besiegen, doch in den östlichen Provinzen Syriens und im entferneten östlichen und im nordöstlichen Umland von Aleppo setzte die Terrorgruppe ISIS sich gegen die vom westlichen Ausland unterstützten Terrorgruppen durch. Aufgrund dieses Anfang 2014 begonnenen Feldzuges der vom westlichen Ausland unterstützten Terrorgruppen gegen ISIS besteht zwischen ISIS und den anderen in der Provinz Aleppo aktiven Terrorgruppen eine tiefe Feindschaft, die sich in bis heute andauerden schweren Gefechten zwischen diesen Terrorgruppen im nordöstlichen Umland von Aleppo, etwa in der Gegend um die Ortschaft Marea herum, zeigt. Der syrischen Armee gelang es unterdessen im Laufe des Jahres 2014 zunächst vom südöstlich von Aleppo gelegenen Flughafen Aleppo durch das östliche Umland von Aleppo ziehend das nordöstlich von Aleppo gelegene Industriegebiet Sheikh Najjar vom Terrorismus zu befreien und eine breite Verbindung zum Aleppiner Zentralgefängnis nordnordöstlich von Aleppo herzustellen. Anschließend ist die syrische Armee Anfang Oktober vom Zentralgefängnis gen Westen in das Dorf Handarat vorgerückt, von wo aus die syrische Armee nun weite Teile des direkten nördlichen Umlands der Stadt Aleppo kontrolliert.

Gegenwertig sieht die Lage in Aleppo aus Sicht der syrischen Regierung so aus, dass die syrische Armee den nördlichen und westlichen Teil des Zentrums von Aleppo, die westliche Hälfte der Stadt Aleppo und das stadtnahe südliche, östliche und nordöstliche Umland von Aleppo kontrolliert.

Karte aus Wikipedia: Regierung in rot, vom Westen unterstützte Terroristen in grün, ISIS in grau

Gemeinsam mit dem Westen der Stadt bilden die von der syrischen Armee beherrschten Umlandsbezirke im Süden, Osten und Nordosten von Aleppo einen breiten Ring um die von Terroristen beherrschten Gebiete in Aleppo, der nur im Nordwesten über die Gegend von Kafr Hamra noch eine kleine Lücke aufweist. Der von der syrischen Regierung beherrschte Westen von Aleppo ist vollgepackt mit Menschen, sowohl dem größten Teil der ursprünglichen Einwohner als auch Flüchtlingen, die aus von Terroristen beherrschten Gebieten dorthin geflohen sind. Versorgt werden die Menschen und die Armee in Aleppo über die nach wie vor einzige Straßenverbindung des Westens von Aleppo zum Rest Syriens, den langen Schleichweg durch die Wüste gen Süden nach Homs und Damaskus. Die einzige Übergangsstelle für die Bevölkerung zwischen den beiden Teilen Aleppos haben Terroristen Anfang 2014 geschlossen. Bemühungen der Regierung, neue Übergangsstellen für die Bevölkerung zwischen den von Terroristen beherrschten und den von der Regierung beherrschten Gebieten Aleppos einzurichten, scheitern daran, dass die Terroristen das nicht wollen. Die Regierung bemüht sich darum, wieder Leben in die Fabriken des Industriegebiets Sheikh Najar zu bringen, was jedoch nicht einfach ist, weil die Anlagen zum großen Teil zerstört sind und die Fahrt für Arbeiter in den Wohngebieten Westaleppos zum Industriegebiet Sheikh Najar um die von Terroristen gehaltenen Stadtgebiete herum sehr lang, beschwerlich und auch gefährlich ist. Bezüglich des rund 20 Kilometer nordnordwestlich von Aleppo gelegenen schiitisch geprägten Stadtkomplexes Nubol und Zahraa sieht die Lage so aus, dass von dort aus nach wie vor keine Verbindung nach Aleppo und zum Rest Syriens besteht. Die Gebiete nördlich und westlich von Nubol und Zahraa werden von Kurden der YPG beherrscht, und die Gebiete östlich und südlich werden vom vom Westen unterstützten Terroristen beherrscht, die mit Terroristen der Nusra Front kooperieren. Zwischen Zahraa und der Frontlinie der syrischen Armee beim Dorf Handarat liegen rund fünf bis zehn Kilometer dünn besiedeltes Gebiet mit mehreren von Terroristen beherrschten Dörfern. Für die syrische Regierung ergeben sich aus dieser Lage im Wesentlichen zwei naheliegende strategische Handlungsoptionen beim weiteren Antiterrorkampf im Raum Aleppo: einerseits könnte die syrische Armee vom Dorf Handarat aus gen Südwesten ziehen, den Ring um Aleppo damit zumachen und so die Terroristen in Aleppo von jeglichem Nachschub abschneiden, und andererseits könnte die Armee von Handarat aus über die Dörfer zehn Kilometer gen Nordwesten ziehen und damit endlich wieder eine Verbindung von Aleppo nach Nubol und Zahraa herstellen.

Karte von @deSyracuse: Zwei strategische Handlungsoptionen für die Regierung von Handarat aus

Um die Lage in Aleppo aus Sicht der vom Westen unterstützten Terroristen in Aleppo nachvollziehen zu können, ist es notwendig, das weitere Umland der Stadt Aleppo mit in die Betrachtung einzubeziehen.

Karte aus Wikipedia: Regierung in rot, vom Westen unterstützte Terroristen in grün, Kurden/YPG in gelb, ISIS in schwarz

Die Karten zeigen, dass die vom Westen unterstützten Terroristen sowohl innerhalb von Aleppo als auch im nördlichen Umland von Aleppo nur noch einen schmalen Streifen an Territorium kontrollieren. In der Stadt Aleppo ziehen sich die Terroristen beherrschten Stadtteile im Süden und Osten von Aleppo wie ein dünner Schlauch schneckenförmig zur einzigen Öffnung für Nachschub im Nordwesten von Aleppo. Von dort aus zieht sich das von vom Westen unterstützten Terroristen beherrschte Gebiet östlich an Nubol und Zahraa vorbei in einem oft kaum 10 Kilometer breiten Streifen weiter nach Norden bis zur türkischen Grenze, von wo aus die Terroristen über den Grenzübergang Bab Al Salameh ihren Nachschub an Waffen und Munition bekommen, und wo sie in der Türkei ihre rückwärtigen Basen haben. Westlich dieses schmalen Streifens liegen von der YPG beherrschten Kurdengebiete und die Regierungsfestungen Nubol und Zahraa und östlich des schmalen grünen Streifens liegen von ISIS beherrschte Gebiete.

Für die vom Westen unterstützten Terroristen bedeutet das, dass, wo auch immer ihre Front bei dem langen Schlauch kollabiert, und das schlauchförmige Gebiet durch Gebietsverlust oder Kämpfe unterbrochen wird, der südlich davon liegende Teil in ihrem Gebiet vom Nachschub über den Grenzübergang Bab Al Salameh abgeschnitten wird. Das betrifft nicht nur die Möglichkeit, dass die syrische Armee von Handarat aus gen Südwesten vorstößt und den Ring um Aleppo damit zumacht. Ebenfalls vom Nachschub über Bab Al Salameh abgeschnitten werden die Terroristen, wenn die syrische Armee die Verbindung von Handarat nach Zahraa wiederherstellt. Den um dann noch von Bab Al Salameh nach Aleppo zu kommen, müssten die Terroristen westlich an Nubol und Zahraa vorbei, aber da ist kurdisch beherrschtes Gebiet, und die Kurden erlauben Jihadisten nicht den Transport von Waffen und Munition durch ihre Gebiet. Außerdem müssen die vom Westen unterstützten Terroristen sich darum kümmern, dass es ISIS nicht gelingt, nördlich von Aleppo, beispielsweise ganz im Norden an der türkischen Grenze, von Osten nach Westen vorzurücken, bis ISIS eine gemeinsame Front gegen das kurdisch beherrschte Gebiet von Afrin hat, weil auch das den Schlauch ihres Gebietes zerschneiden würde. Theoretisch gäbe es für die vom Westen unterstützten Terroristen im Fall des Verlustes der Nachschublinie über Bab Al Salameh zwar noch die Möglichkeit, die von ihnen in der Stadt Aleppo gehaltenen Gebiete über eine Route durch die Provinz Idlib, etwa vom Grenzübergang Bab Al Hawa, über Daret Izzah und Anadan, mit Nachschub an Waffen und Munition zu versorgen, doch praktisch ist dieser Weg mit vielen Problemen belastet. Zum Einen sind die Terroristen, die die Gebiete beherrschen, durch die diese potentielle Nachschubroute führt, untereinander zerstritten und dafür berüchtigt, einen großen Teil von Transitgütern durch Wegelagerei für sich abzuzweigen, und zum Anderen müssen die Terroristen damit rechnen, dass die syrische Armee ihnen auch diese Route versperrt, sobald sie sie benutzen, etwa dadurch, dass die syrische Armee von Baleiramoun im Nordwesten Aleppos weiter nach Nordwesten ins bergige und kaum besiedelte nordwestliche Umland Aleppos vorstößt, bis sie das von Kurden kontrollierte Gebiet westlich von Zahraa erreicht. Die Terroristen wären kaum in der Lage, das zu verhindern.

Innerhalb von Aleppo gleicht der schmale Streifen der von Terroristen kontrollierten Stadtteile im Süden und Osten Aleppos einer Geisterstadt. Der größte Teil der Bevölkerung ist geflüchtet, entweder in den von der Regierung kontrollierten Westteil der Stadt, ins Umland oder in die Türkei. Schätzungen gehen dahin, dass gegenwärtig nur noch etwa zwischen 150.000 und 300.000 Menschen in den von Terroristen beherrschten Stadtteilen Aleppos verblieben sind. Wasser und Strom gibt es selten, und Jobs oder wirtschaftliche Betätigungsmöglichkeiten gibt es, abgesehen von einer Verdingung als Mitglied einer vom Westen finanzierten Terrororganisation, in den von Terroristen beherrschten Stadtteilen Aleppos so gut wie gar nicht mehr. Das Inventar der meisten Produktionsbetriebe wurde von Terroristen geplündert und in der Türkei verhökert, und ebenso plünderten Terroristen Wohnungen aus. Mit dem Schutz der Bevölkerung vor Straßenkriminalität sind die zerstrittenen Terrorbanden im Osten und Süden Aleppos ebenfalls völlig überfordert, so sie es denn überhaupt versuchen, und sie die Bevölkerung nicht gleich selbst ausrauben. Die fehlende Masse an Bevölkerung sorgt gemeinsam mit der durch die Schlauchförmigkeit ihres Territoriums bedingten extrem langen Front, der großen Chance auf den Tod und der offensichtlichen Aussichtslosigkeit des Kampfes dafür, dass die Terroristen trotz der katastrophalen Wirtschaftslage in ihrem Gebiet zunehmend Probleme haben, genug Personal zum Halten der Fronten in Aleppo gegen die syrische Armee zu finden. Aufgrund von Personalmangel dünnen die Terroristen an von ihnen für strategisch weniger bedeutsam erachteten Fronten ihr Personal aus, um so trotz Personalmangels an strategisch als besonders wichtig eingeschätzten Frontabschnitten Schwerpunkte bilden zu können. Die syrische Armee macht sich dies gelegentlich dadurch zu Nutze, dass sie an den ausgedünnten Fronten stückcheneise weiteres Territorium von den Terroristen abknabbert, wodurch das von den Terroristen beherrschte Territorium in Aleppo stückchenweise kleiner wird. Seit einiger Zeit treten die in Aleppo aktiven Terroristen und ihre Unterstützer vornehmlich mit Gejammer an die Öffentlichkeit, dass sie sich nicht imstande sehen, die von ihnen beherrschten Gebiete in Aleppo zu halten. Außerdem versucht die syrische Regierung wie in anderen Teilen Syriens auch in Aleppo lokal orientierte Terroristengruppen davon zu überzeugen, Versöhnungsvereinbarungen mit der syrischen Regierung einzugehen, um so kampflos von Terroristen beherrschte Gebiete in Aleppo wieder unter die Kontrolle der Regierung zu bringen. Diese Bemühungen der syrischen Regierung waren in Aleppo bisher jedoch nicht von Erfolg gekrönt.

Nachtrag Montag Vormittag: Der syrische Radiosender Sham FM meldet aus Aleppo, die syrische Armee habe nach schweren Auseinandersetzungen die Kontrolle über die Sägemühlen-Gegend – wo auch immer die sein mag – und das Steinbruchgebiet sowie die Hügel um Owaija im Nordosten Aleppos erlangt, und sie habe den Terroristen auch eine oder die Nachschubroute zwischen dem Knotenpunkt Jandoul und Owaija gekappt. Sollte das stimmen, so würde das bedeuten, dass die syrische Armee inzwischen sehr dicht am Knotenpunkt Jandoul angekommen ist, einem essentiellen Durchgangspunkt für sämtlichen Nachschub der Terroristen in Aleppo. Die schweren Kämpfe an verschiedenen Frontabschnitten im Nordosten und nördlich von Aleppo dauern unterdessen an.

Nachtrag Montag Mittag: Auch ein Bericht der BCC legt nahe, der Großangriff der Terroristen auf Nubol und Zahraa sei dadurch motiviert, dass die Terroristen die syrische Regierung auf diese Weise für Fortschritte der Armee im Nordosten von Aleppo bestrafen wollen. Ein gestriger Bericht von Al Ahed News legt übrigens die Vermutung nahe, die gegenwärtige Operation der syrischen Armee im Nordosten von Aleppo ziele insbesondere auf die Befreiung des Bezirks Handarat ab, damit die Armee anschließend mit freiem Rücken über die Ortschaften Bashkuy und Bayanoun die Verbindung von Nubol und Zahraa mit Aleppo, auf die die Bewohner von Nubol und Zahraa seit über zwei Jahren sehnsüchtig warten, wiederherstellen kann. Das passt dazu, dass Terroristen behaupten, die syrische Armee sei nicht in Hanano Housing, aber dafür gebe es schwere Gefechte östlich des Bezirks Handarat. Wie sich das genau weiter entwickelt, wird sich vermutlich erst im Laufe der nächsten Tage zeigen. Die Kämpfe gehen jedenfalls übereinstimmenden Aussagen aller Seiten zufolge an verschiedenen Abschnitten der Front im Nordosten und nördlich von Aleppo mit großer Intensität weiter.

Nachtrag Montag Nachmittag: Es gibt Gerüchte von unterschiedlichen Seiten, dass kurdische YPG-Einheiten mit Basis in Afrin den von Terroristen attackierten Einwohnern von Nubol und Zahraa helfen, zumindest vor dem wahllosen Granatbeschuss der Terroristen aus Nubol und Zahraa flüchtende Zivilisten in den kurdisch beherrschten Gebieten um Afrin aufnehmen und ihnen dort Sicherheit bieten.

Nachtrag Montag Abend: Slabnews meldet entgegen anderer Darstellungen, der Großangriff der Terroristen auf Nubol und Zahraa habe begonnen, bevor die syrische Armee ihre Operation im Nordosten und nördlich von Aleppo gestartet hat, und würde damit zusammenhängen, dass die Terroristen, nachdem sie das Angebot des UN-Vermittlers Staffan de Mistura, lokale Waffenstillstände in Aleppo zu vermitteln, rundweg abgelehnt hatten, Handlungs- und Offensivfähigkeit beweisen wollten.

Nachtrag Dienstag Mittag: Die Kämpfe in und um Aleppo gehen mit großer Intensivität weiter. Der Journalist Somar Hatem meldete am Morgen, dass der syrischen Armee im Bereich Owaija/Handarat weitere Fortschritte gelungen sind und sowohl der Knotenpunkt Jandoul als auch die straetgisch wichtige Castello-Schnellstraße nun unter Feuerkontrolle der syrischen Armee gebracht wurden. Praktisch könnte das bedeuten, dass der Ring um Aleppo nun so gut wie komplett geschlossen ist. Al Alam teilte dazu weiter mit, dass die syrische Armee auch die von Terroristen genutzte Nachschublinie vom Knotenpunkt Jandoul über Owaija in das Gebiet des ehemaligen kanadischen Krankenhauses unterbrochen habe und dadurch vom Nachschub abgeschnittene Terroristen daraufhin in das Umland geflüchtet seien. Sham FM meldete im weiteren Laufe des Vormittags, dass die Terroristen den von Süden geführten Angriff auf Nubol und Zahraa nach hohen Verlusten aufgegeben habe. Außerdem gab es Meldungen, dass auch im Stadtzentrum von Aleppo und im südwestlichen Stadtbezirk Ameriya verstärkte Kämpfe aufgeflammt sind. Die große Schlacht um Aleppo ist offenbar in ihrer entscheidenden Phase. Verlieren die Terroristen im Bereich Owaija, Bezirk Handarat, Knotenpunkt Jandoul und Castello-Straße, sind sie umzingelt.

10 Gedanken zu “Schwere Kämpfe im Nordosten und nördlich von Aleppo

  1. Mich würde interessieren, ob diese Vorgänge in und rund um Aleppo in einem Zusammenhang stehen mit den Kämpfen diverser Terrorgruppen um Bab al-Hawa westliche von Aleppo und wenn, ob dieser Kampf eine Reaktion auf die Gebietsgewinne der SAA nördlich von Aleppo (ua Handarat) ist oder die SAA auf eine Veränderung der Situation westlich von Aleppo an der Grenze zur Türkei, indem sie versucht die Nachschubroute aus dem Norden von der türkischen Grenze kommend nach Aleppo zu schließen, reagiert.

    Die Kooperation unterschiedlicher Gruppen im Norden Aleppos ist bemerkenswert und zeigt, daß Trennlinien nicht ausschließlich entlang ethnisch-konfessionellen Linien verlaufen müssen. Ich finde es vor allem aus folgendem Grund bemerkenswert, da ich denke, daß bei diesen eindeutig lokal verankerten Gruppen immer die Möglichkeit besteht, daß für sie durch diverse Arrangements mit der syrischen Regierung im Gegenzug zur Niederlegung der Waffen so große Vorteile entstehen können, daß dies im einen oder anderen Fall auch geschieht.

    Daneben gibt es mit Jaysh al-Islam (SA), Nusra Front (I) und ISIS (NATO) klar imperalistisch ausgerichtete Gruppen salafistischer Prägung, von denen nur NF über die Muslimbrüder und ihren Unterstützern Israel und der Türkei einen lokalen Bezug hat. Ein Indiz dafür ist die Verlagerung der Front im Süden vom Golan nach Daraa, da Israel es eben aufgrund des lokalen Bezugs lieber hat wenn der Terror nicht über den Golan, sondern von Jordanien aus kommend in Daraa sich entfaltet. Jordanien dürfte sich in Geiselhaft befinden und kann nur zusehen die Füße still zu halten.

    Jedenfalls kontrollieren die letztgenannten Terrorgruppen die Naschubwege aus Jordanien (NF), dem Hatay (JI) und entlang der nördlichen syrisch-türkischen Grenze (ISIS) bis auf den schmalen Streifen bei Azaz (Tawheed) und sichern dadurch das Vorlaufen der bewaffneten Aggression auch für den Fall, daß lokal verankerte Gruppen auf „dumme Gedanken“ kommen und ihr Heil im Verbund dem syrischen Staat sehen, was mich zurück zu meiner Frage hinsichtlich des Zusammenhangs der Kämpfe um Bab al-Hawa mit den Aktionen der SAA im Norden Aleppos bringt. Es scheint mir so zu sein, daß eben weil die SAA in der Lage ist das Einsickern von Material und Terroristen von Norden kommend nach Aleppo und ebenso im Süden über die Straße von Damascus in den Irak stark einzuschränken und lokal verankerte Gruppen zu schwach sind, daß die imperialistischen Terrorgruppen nun sowohl den Zugang zu Aleppo bzw. Damaskus vom Hatay und aus Jordanien kommend als auch den Naschub an Menschenmaterial sicherstellen sollen.

    Mir scheint die Struktur und Organisation von Terror, Aufstand und Angriffskrieg zunehemnd durchsichtig zu werden und ich vermeine einen Wandel dieses Kriegs von einem der zumindest partiell durch Aufstände der lokalen Bevölkerung gekennzeichnet und getragen war, hin zu einer eindeutig ausländischen Aggression und einem imperial-motivierten Terrorkrieg gegen Syrien und nun weiten Teilen seiner Bevölkerung wahrzunehmen.

    Eine Antwort auf die Frage nach dem Bestehen eines Zusammenhangs würde Evidenz dafür liefern, wer im Augenblick das Heft in der Hand und wer hier reaktionär vorgeht.

    1. Boiler Room
      „Mich würde interessieren, ob diese Vorgänge in und rund um Aleppo in einem Zusammenhang stehen mit den Kämpfen diverser Terrorgruppen um Bab al-Hawa“

      Nein, stehen sie nicht. Die Gruppen dort agieren nahezu völlig getrennt von den Gruppen in Aleppo und im nördlichen Umland von Aleppo. Deshalb fällt es den Gruppen in Aleppo auch so schwer, sich Nachschub über Bab Al Hawa zu sichern.

      „Daneben gibt es mit Jaysh al-Islam (SA), Nusra Front (I) und ISIS (NATO) klar imperalistisch ausgerichtete…“

      Ich glaube, mit der Zuordnung liegst du völlig daneben. ISIS (ursprünglich SA, jetzt ohne imperialistischen Schutzpatron) und Nusra Front (ursprünglich Katar, Türkei und Israel, jetzt nur noch mit begrenzter Unterstützung von außen) wurden ursprünglich zwar von den Imperialisten als Salz in der Suppe gegen die syrische Regierung entwickelt, haben sich aber seitdem zu einem echten Problem für die Imperialisten entwickelt. Zahran Alloushs Jaish Al Islam, früher bekannt als FSA in Damaskus (ursprünglich unterstützt von praktisch allen „Freunden Syriens“) sind aktiv in Ost-Ghouta und haben praktisch keine Präsenz in Idlib – abgesehen von ein paar Hanseln unter der Fahne, die die Türkei sich am Grenzübergang Bab Al Hawa ausbedungen hat. Direkt hinter der Grenze in Bab Al Hawa beginnt das Territorium von Ahrar Al Sham, Jabhat Al Nusra sowie unter anderem von USA, F und UK unterstützten Gruppen wie Harakat Hazm, Jaish Al Mujahedeen, Sham Falken sowie einem Haufen weiterer Gruppen.

      Dass die Ideologen der Salafi-Jihadis von Gruppen wie ISIS, Nusra, Ahrar Al-Sham und Jund Al-Aqsa sich trotz mangelhafter Unterstützung aus dem Ausland oft gegen die von den USA und Co gut ausgestatteten „moderaten,“ „nationalen,“ „säkularen“ und nach Demokratie strebenden Terrorgruppen durchsetzen, liegt in wesentlichen Teilen daran, dass die moderaten Terrorgruppen oft kein Ziel verfolgen, außer persönliche Macht, eigenen Reichtum und das Ausplündern der Bevölkerung, wodurch diese Gruppen es sich oft mit der Bevölkerung und lokalen Gruppen verderben. Weite Teile der sunnitischen Bevölkerung bevorzugen die Jihadis im Vergleich zu den US-gestützten „nationalen“ Gruppen, weil die Ideologen zwar streng, aber vergleichsweise weniger korrupt und räuberisch im Umgang mit der Bevölkerung sind.

      Ein geflügeltes Wort: Herrschen die FSA (oder andere US-gestützte säkulare „Revolutionäre“), dann sind das regelmäßig Banden von Kriminellen, die mit ihren Checkpoints die Bevölkerung ausrauben und ausplündern, herrschen stattdessen die Salafi-Jihadis, trauen sich die kriminellen Banden nicht aus ihren Löchern und auf den Straßen herrscht Sicherheit und Ordnung. In kleinen Dörfern ist das etwas anders, da bestimmt mehr oder weniger der Stammesälteste oder Clanchef, welcher Gruppe sich das Dorf geschlossen anschließt, aber über die Fläche ist es ähnlich.

      Was die imperiale Aggression angeht, so war die sogenannte syrische „Revolution“ schon von Anfang an nichts anderes als ein imperialer Versuch eines Regime Changes durch einen Angriffskrieg der Vierten Generation, beziehungsweise die geplante Entfesselung eines Bürgerkrieges, wobei insbesondere die Verwendung der westlichen Massenmedien als massenmörderische Lügenwaffe eine tragende Rolle spielte. Inzwischen ist es nach wie vor ein imperialer Angriffskrieg, aber der Krieg hat aufgrund der bislang – aus Sicht der Angreifer – erstaunlich erfolgreichen syrischen Gegenwehr bereits einige Wandlungen in Technik und Taktik vollzogen.

      1. Danke, liebes Parteibuch, für die umfassende Antwort! Daß ich mit meinen Zuordnungen diverser Terrorgruppen daneben liege, kann ich mir gut vorstellen, da ich aus Mangel an Informationen einfach ins Blaue hinein rate. Eine Anmerkung zu ISIS möchte ich jedoch machen. Ohne „ISIS“ als Instrument, sei es zwecks Propaganda, sei es um den syrischen Truppen möglichst viele Fronten aufzuwingen, in einem Ausmaß, daß es mir aufgrund der mir vorliegenden Information schwierig scheint sie _nicht_ als eigentliche Bodentruppe anzusehen, ob nun eine Verbindung besteht oder nicht. Mir ist z.B. nicht ganz klar, inwiefern „ISIS“ so ein Problem für die westlichen Agressoren darstellen soll. Nach dem Motto „Entweder krieg ich das Spielzeug, oder ich mach‘ es kaputt“ würden sie ja doch auch in diesem Fall eine Art Bodentrupp sein. Zudem scheint mir „ISIS“ eine wesentliche Hilfe bei der Ablösung von Maliki als Premier im Irak gewesen zu sein.

        Auch in der von Dir beschriebenen Rolle als staatliche Ordnungsmacht sind die Salafisten mit ihrer Ideologie eines islamischen Staates die direkte und wie beschrieben die einzige Konkurrenz zum syrischen Staat, dem diese Funktion nicht aufgrund der alleinigen Berufung auf die Scharia, sondern auf die säkular-syrische-arabische Verfassung zukommt. Ohne die Existenz von „ISIS“ ließe sich Terror und Krieg medial insbesondere im Westen gar nicht weiter verkaufen.

        Aus der Beobachtung heraus, daß auch die syrische Führung der Ansicht zu sein scheint, daß eine Lösung des Konflikts sowohl eine militärische als auch eine politische Komponente und ein Versöhnungsprogramm beinhalten muss und aus der Vermutung, daß weite Teile der syrischen Gesellschaft aus dem Status Quo wenig bis gar keinen nutzen ziehen und wahrscheinlich auch so mancher, insbesondere urbane, Muslime sich nicht mit Freude irgendeines selbsternannten klerikalen Gesocks mit Haut und Haaren auszuliefern gedenkt, denke ich, daß dieser Krieg insbesondere über Arrangements mit lokalen Gruppen, die sich ursprünglich dem Aufstand angeschlossen haben, zu gewinnen ist. Die von mir herausgepickten Terrorgruppen scheinen diesen lokalen (und republikanischen) Zugang samt und sonders nicht zu haben. Auch daran ist erkenntlich, daß sie dem eigentlichen Kriegszweck der Agressoren, der Zerschlagung der Syrisch-Arabischen Republik, ganz von selbst dienlich sind. Die Anomalie in dieser Beschreibung stellen sicherlich die Muslimbrüder dar. Anhand dieser Gruppierung zeigt sich auch die mein Verständnis weit überschreitende Komplexität dieses Konflikts im arabischen Raum dar. Sie wären eine republikanische Alternative, sie stehen in scharfem Gegensatz zur lange in Ägypten, im Irak und in Syrien noch immer regierenden säkularen Baath-Partei. Dieses Phänomen kann ich nicht fassen. Sie werden etwa gefördert von Saudi Arabien, der Türkei, Quatar, aber auch in der Gestalt der Paläestinener von Iran, Syrien und Ägypten, während sie andernfalls und andernorts von denselben Staaten bekämpft werden. Hier dürfte der Ausdruck „Pulverfaß Naher Osten“ seine Anwendung finden.

        Um nun zu meiner Frage nach dem Zusammenhang zurückzukehren: auch hier handelt es sich bei mir. aus Mangel einer auch nur igendwie validen Information um ein bloßes Raten ins Blaue hinein. Problemlos kann ich mir daher vorstellen, daß ein Zusammenhang zwischen Ereignissen in und rund um Aleppo und den Ereignissen in Bab al-Hawa gar nicht besteht. Schwer tue ich mir allerdings an keinen Zusammenhang zwischen der Notwendigkeit eines Versöhnungsprogramms, dem Handeln der SAA ganz im allgemeinen und im besonderen in Aleppo. sowie dem Auftauchen von „ISIS“ und der irakischen Front, der Etablierung einer Südfront zunächst über den Golan, dann über Jordanien und der Front westlich von Aleppo und der Front in Idlib entlang der türkischen Grenze, die beide mit dem Nachschub von Reyhanli aus über Bab al-Hawa im einen Fall und, ich vermute Darkush, im anderen Fall stehen und fallen. Dadurch werden nämlich diese möglicherweise schwer zu kontrollierenden und störrischen lokalen Gruppen ihrer Bedeutung beraubt. Die syrische Komponente des Aufstands wurde aus dem Spiel genommen, damit nur keine Lösung des militärisch-politischen Konflikts an den Agressoren vorbei aufeinmal auftauchen kann. Denn selbst wenn, gibt es genügend Nachschubwege und Dschihadisten, die die Sache wieder in Ordnung und auf Linie bringen können. Erst damit scheint mir dieser Krieg einen genuin imperialistischen Charakter zu bekommen. (Obwohl dieser aus der Sicht der Agressoren sicherlich von Beginn weg gegeben war.)

        Nochmals vielen Dank liebes Parteibuch für umfassende Information und Antwort, die sich zweifelsohne auf ein wesentlich breiteres und tieferes Verständnis der inkriminierten Ereignisse stützt, als daß es bei mir der Fall ist.

      2. Boiler Room
        „Ohne “ISIS” als Instrument, sei es zwecks Propaganda, sei es um den syrischen Truppen möglichst viele Fronten aufzuwingen“

        Die syrische Armee hatte bis jetzt vergleichsweise wenige Auseinandersetzungen mit ISIS. Dafür hatte ISIS schon viele schwere Kämpfe gegen Gegner der syrischen Armee. Das wird sich aber in einer späteren Phase des Krieges, nämlich wenn die FSA/SRF/Hazm/JaM/…-Terrorlakaien der NATO eleminiert sind und der Westen Syriens, in dem 80-90% der syrischen Bevölkerung leben, wieder vollständig unter der Kontrolle der syrische Armee ist, ändern.

        „Zudem scheint mir “ISIS” eine wesentliche Hilfe bei der Ablösung von Maliki als Premier im Irak gewesen zu sein.“

        Die Ablösung Malikis gegen Abadi war ein Nullsummenspiel für die Aggressoren, dem Iran zugestimmt hat: sowohl Maliki als auch Abadi stehen dem Iran nahe und stehen damit im Kampg gegen Terror und Imperialismus natürlich auf der Seite Syriens.

        „Auch in der von Dir beschriebenen Rolle als staatliche Ordnungsmacht sind die Salafisten mit ihrer Ideologie eines islamischen Staates die direkte und wie beschrieben die einzige Konkurrenz zum syrischen Staat“

        Aber Israel und die Lakaien Israels im Westen wollen gar keine Konkurrenz zum syrischen Staat, sie wollen lediglich, dass eine von ihnen bestimmte Marionette diesen Staat führt. Der SNC ist die Struktur, die der Westen an die Macht bringen wollte, nicht der Salafismus. Der Al-Kaida-artige Salafismus sollte dem Westen lediglich als Muskel dienen, um die hehenwärtigen Machtstrukturen Syriens zu zerstören, damit der Weg frei würde für die Machtergreifung des vom Westen unterstützten SNC. Davor, dass Al Kaida/ISIS/Nusra tatsächlich die Macht in Syrien erringen könnten, fürchtet der Westen sich gewaltig, denn der Westen hat Angst, dass daraus ein neuer Khomeini entstehen könnte. Und das ist das große Problem für den Westen mit den anfänglich vom Westen gepäppelten salafistischen Regime-Change-Hilfskräften wie ISIS und Nusra: die sind inzwischen so stark, dass die als Hauptkräfte des Westens mit dem Ziel der späteren Machtübernahme auserkorenen FSA/SRF/usw keine Chance mehr haben, im Fall des Regierungszusammenbruchs in Syrien die Machtergreifung dieser Al-Kaida-nahen Kräfte zu verhindern.

        „Ohne die Existenz von “ISIS” ließe sich Terror und Krieg medial insbesondere im Westen gar nicht weiter verkaufen.“

        Und wie sich Krieg und Terror im Westen ohne ISIS verkaufen ließ: in Libyen 2011, und in Syrien bis ins Jahr 2013, da gab es ISIS noch gar nicht, aber Krieg und Terror in Libyen und Syrien wurden der begeistert jubelnden Bevölkerung im Westen hervorragend verkauft.

        „diese möglicherweise schwer zu kontrollierenden und störrischen lokalen Gruppen“

        Lokale Gruppen sind weniger störrisch und leichter zu kontrollieren. Lokale Gruppen sind durch Anreiz (Bestechung/Waffenlieferungen) und Druck (Entzug der Unterstützung/Militärisches Vorrücken) vergleichsweise einfach zu beeinflussen, sowohl vom Westen als auch von der syrischen Regierung und von großen Terrorgruppen. Das geschieht auch ständig, wenn Präferenzen lokaler Gruppen sich ändern, mal pro-FSA, dann pro-Nusra, später pro-ISIS, und dann auf einmal wieder pro-syrische Armee, so eine Abfolge in ein und demselben Dorf ist gar nicht so selten. Schwierig zu beeinflussen sind die großen überregionalen – oder gar internationalen – Jihadi-Gruppen: ISIS, Al Kaida, Nusra Front, Ahrar Al Sham… Die haben viele Mitglieder, viele Sponsoren, viele Waffenquellen, viel Geld, viele von ihnen beherrschte Orte, da ist eine Einflussnahme von außen viel schwieriger. Daran, diese großen überregionalen Gruppen in eine gewünschte Richtung zu beeinflussen, beißen sich der Westen und seine Partner seit Jahren die Zähne aus.

      3. Aber, liebes Parteibuch, es ist doch gerade die lokale Gruppe der „Muslimbrüder“ (lose verwendet für SNC/Tawheed/syrische Sunniten aber auch Kurden etc.) kurz, die lokale syrische Bevölkerung in und um Aleppo, die „störrisch“ ist und weiter eigene Wege gehen, sich weder um den UNO-Mann und seinen Friedensplan, noch um die militärische Situation am Boden kümmern und weiter kämpfen will.

        „Und das ist das große Problem für den Westen mit den anfänglich vom Westen gepäppelten salafistischen Regime-Change-Hilfskräften wie ISIS und Nusra: die sind inzwischen so stark, dass die als Hauptkräfte des Westens mit dem Ziel der späteren Machtübernahme auserkorenen FSA/SRF/usw keine Chance mehr haben,…“

        Um diese Möglichkeit zumindest im Prinzip aufrecht zu erhalten muss angesichts der geschlossenen Nachschubroute über Handarat der Nachschub über Bab al-Hawa gewährleistet werden und versucht werden über Nubbol und Zahraa eine neue Nachschubroute freizukämpfen. Es waren die Meldungen über Jaysh al-Islam in Bab al-Hawa, die mich stutzig gemacht haben. Die Türkei kann offenbar ganz gut mit „ISIS“ leben, Saudi-Arabien aber das „SNC“ (wieder lose) und den Krieg auch wegen „ISIS“ nicht aufgeben..Genaugenommen sind es also „überregionale Gruppen“ wie Israel (die mit Salafisten abseits ihrers Staatsgebiets auch erstaunlich wenig Probleme zu haben scheinen), die Türkei und Saudi-Arabien, an denen sich West wie Ost fortgesetzt die Zähne ausbeißen.

        Militärisch liegt der Schlüssel zur Eindämmung und Beilegung der Kämpfe in Aleppo in Anadan, weil solange diese Nachschubroute vom Westen kommend offen ist, entweder Nachschub nach Aleppo fließt oder die Belagerung von Nubbol und Zahraa mit dem Ausblick auf eine neue Nachschubroute vom Norden kommend aufrecht erhalten werden kann. Politisch muss es die Aufgabe Syriens sein immer mehr Arrangements mit regionalen „Muslimbrüdern“ jedweder Coleur, die sich dem Aufstand angeschlssen haben, zu treffen und so zumindest den syrischen Nährboden für diesen Terrorkrieg Stück um Stück trocken zu legen. Der Wiederaufbau von Wirtschaft und Industrie sind dafür das Mittel. Die Realitäten am Boden aber wird niemand über längere Zeit ignorieren können.

        Im Westen muss die Einsicht reifen, daß dieser Krieg verloren ist und auch, daß die syrische Regierung unter Assad den religiösen Eiferern in Ankara und Riad in politischem Geschick weit überlegen ist und der Grund für die problematische Entwicklung aus ihrer Sicht weniger in Damaskus oder Teheran, sondern vielmehr in Tel Aviv, Ankara und den Golfmonarchien zu suchen ist. Dies dürfte im Fall des Falles zumindest für die beiden letztgenannten äußerst unangenehme Konsequenzen zeitigen. Weswegen diese den Krieg und „regime change“ auch weiter betreiben müssen.

  2. Hat dies auf Sascha's Welt rebloggt und kommentierte:
    In Syrien herrscht Krieg. In den westlichen Massenmedien ist davon kaum die Rede. Stattdessen werden massenhaft belanglose Ablenkungsmitteilungen verbreitet. Und das nicht nur in den Unterhaltungsmedien, sondern auch in den sich seriös gebenden westlichen Informationsmedien. Rund um die Uhr. Man hält die Bevölkerung in Unwissenheit. Gäbe es sonst Proteste? Nein, es gäbe sie nicht. Im Westen leben die meisten Menschen nach dem Motto: Was kümmert mich fremdes Leid? Und sie werden erst dann munter, wenn die eigene Not sie dazu zwingt. Wir wissen: der Imperialismus ist die Ursache für alle Verbrechen, für alle Kriege, für all das Leid, und für all die Ungerechtigkeit und die Kaltherzigkeit, die auch in den westlichen Ländern herrscht. Nur die Solidarität wird überwinden, was die imperialistischen Machthaber in den USA, in Israel, in der NATO an Unheil in der Welt angerichtet haben

  3. Information Clearing House:

    „Das US-Bündnis mit FSA und ISIS, erklärt in sechs Fotos. Durch die Finanzierung von „gemäßigten Rebellen“ sind die USA mit ISIS verbündet“:

    http://www.informationclearinghouse.info/article39848.htm

    Übrigens, so wie dieser Clown auf einem der Fotos neben Washingtons „FSA“-Okaidi sehen „ISIS-Kommandeure“ wirklich aus.

    Was Obama, seinen an den Folgen ablebaren Entscheidungen nach, wirklich sagen müsste:

    „Let me be clear, we are going to war against the same group we are fundet, armed, and were going to fight alongside last year, while continuing to support them with your tax dollars.“

    Terrorismus hat keine Religion!

    „Sie kämpfen für Geld und ihr Gott heißt NATO.“

    – Erfahrung in Syrien

    ISIS-Terroristen: „Gott hat uns nicht befohlen, Israel zu bekämpfen.“

    Fahnen mit dem Siegel des Propheten, ein paar immer gleiche rituelle Gesten vor laufenden Kameras und das Ganze bei Googles YouTube hochladen, macht einen angeheuerten, menschenhassenden Fascho-Mob aus Lohnterroristen so islamisch, wie die deutschen Nazifaschisten mit ihrer tibetischen Swastika buddhistisch waren, nämlich gar nicht.

    Weil Terrorismus keine Religion hat, bleibt von all dem nur das übliche Brimborium – Aufhänger für die zurechtgestrickten Legendenden der Kriegspropaganda. Falls echte Muslime nichts wissen, dann wissen sie doch, wohin sie, ihrem Glauben nach, auch nur eine dieser Kopfabschneidereien bringt und das nicht der Himmel.

    „You cannot imagine how low these people are“, berichtete ein aus Syrien in seine Heimat Tunesien zurückgekehrter junger Mann, nachdem er, hereingefallen auf den technisch perfekt produzierten Fernsehblödsinn, überzeugt war, im angeblichen „Heldenkampf gegen das Böse“ dabei sein zu müssen, jedoch angesichts der schockierenden Realität vor Ort von dort alsbald wieder verschwunden war. Auch, dass den Worten des jungen Kriegsheimkehrers zufolge, die einzigen Gestalten mit so etwas wie der Fähigkeit zu planerisch selbstständigem Denken, die sich natürlich an nichts Gefährlichem beteiligenden, immer nur kurz auftauchenden arabischen Vermittler und Schleuser sind, die „mit Autos herumfahren, von denen ich mir nicht einmal eines der Räder leisten kann“, passt dabei durchaus in ein Bild, das auch schon in dem Film „Ein Syrisches Tagebuch“ dokumentiert wurde, sinngemäß: „So etwas kennen wir hier nicht. Als Syrer sind wir zu allen freundlich, Hauptsache jemand ist einfach ein Mensch. Unschuldige umbringen, ist das Demokratie? Sie werden unter denen nicht einen Gebildeten finden.“

    „Das Denken ist ein Affe, den zurücklassen muss, wer den Palast des Glaubens betritt“, reden bezahlte Hassprediger neuen Terrorbewerbern ein. Wonach klingt das? Islamische Unterweisung oder CIA-Hirnwäscheprogramm?

    Kann das überhaupt sein?

    Ein kleiner Plausibilitäts-Check, ohne weitere Betrachtung der Einzelheiten, Teile des aus glaubhaften Berichten bekannten, seit drei oder vier Jahren in Syrien Verbrochenen, noch einmal kurz vor Augen geführt: FSA, ISIS, IS, ISIL, Qaida, Nusra… kommen aus dem Ausland, kaum Verstand, keine Bildung, oft einfach nur kriminell, meist unter 22 ungefestigt, übereifrig, glauben der Tod sei besser als alles andere, bis obenhin dauerbedröhnt hunger- und schmerzbefreit aufs äußerste aggressiv durch und schwerst abhängig von immer wieder auch tonnenweise beschlagnahmten starken Drogen wie Captagon, höchstens ein paar Wochen Fußtruppen-Training, das anspruchsvollste unfallfrei beherrschte Stück Elektronik ein Handfunkgerät und ohne sich hinter Zivilisten verstecken zu können, keine fünf Minuten mehr am Leben.

    Wer sollte glauben, dass US-geführtes NATO-Kanonenfutter ohne Anleitung und tatkräftige Beihilfe imperialistischer Geheimdienste auch nur wüsste, unter welcher ständig wechselnden Bezeichnung aus der Buchstabensuppe sie gerade unterwegs sind, geschweige denn nüchtern genug zu so etwas fähig, wie der für die berichteten Aktionen notwendigen Übersicht, realistischer Lagebeurteilung, gesamtoperativer Planung, komplexer Versorgungslogistik oder dem Management der ausgeklügelten Medienstrategie?

  4. Falls jemand wissen möchte was in den kranken Gehirnen der Nusraterroristen vorgeht, hier der Link zu deren Twitteraccount. (Edit: Nein, hier bitte keine Propaganda von Al Kaida verbreiten…) Würde diese Gruppe nicht dauernd Leute enthaupten/in die Luft sprengen könnte man über solche Ansichten eigentlich herzlich lachen. Aber schaut selbst, die posten da täglich solchen kram.

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