Das B der BRICS wackelt

Bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl in Brasilien geht es global gesehen um nicht weniger als die Frage, ob die BRICS ihr B behalten werden. Und es sieht nicht gut aus.

Aécio Neves, der Kandidat des US-Empires, liegt inzwischen in Umfragen knapp vor Amtsinhaberin Dilma Rousseff. Zwar ist der Umfragenvorsprung von Neves auf Rousseff gering und liegt noch im Bereich von potentiellen Messfehlern, doch eine realistische Möglichkeit, dass Neves die Stichwahl am 26. Oktober gewinnen könnte, ist unzweifelhaft gegeben.

Seit Monaten fahren die nach wie fast komplett in Hand von US-Lakaien befindlichen Massenmedien in Brasilien eine massive Kampagne gegen Dilma Rousseff. Nichts, was Dilma Rousseff macht, ist ihnen recht. Sich in der Politik geradezu zwangsläufig ergebene Widersprüche zwischen einer Fokussierung auf Wirtschafts- und Umweltpolitik, einerhegehnd mit sozialen Protesten, die sich aus Widersprüchen zwischen Wirtschafts- und Sozialpolitik ergeben, werden von den Massenmedien der US-Lakaien für diese Kampagnen ausgenutzt. Die US-geführten rechten Massenmedien in Brasilien tun dabei auf einmal ganz plötzlich so, als stünden sie wie selbstverständlich auf der Seite auf der Seite von Umweltschützern und sozial Schwachen, und kritisieren im gleichen Atemzug, dass die Wirtschaftspolitik von Dilma Rousseff nicht liberal genug sei, weswegen es zuwenig Wachstum gebe. Zuhilfe kommt der Kampagne eine seit etwa zwei Jahre tatsächlich bestehende Wachstumsschwäche Brasiliens, die auch durch vermehrten Handel mit China nicht ausgeglichen werden konnte.

Politisch gesehen präsentiert sich US-Mann Neves als sozialdemokratische Alternative zur linken Arbeitspartei von Dilma Rousseff. Geschickt haben US-nahe Banker in Brasilien als dritte Kandidatin eine religiös-konservative Umweltschutzaktivistin Marina Silva von einer Partei, die sich sozialistische Partei Brasiliens nennt, als dritte Kandidatin platziert, deren Partei sich nach dem ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl prompt für US-Mann Neves im zweiten Durchgang aussprach, der daraufhin versprach, mehr für den Umweltschutz zu tun. Beim ersten Durchgang der Wahl lag Dilma Rousseff zwar mit 41,6% klar vor US-Mann Neves, der auf 33,5% der Stimmen kam, mit der Empehlung von Silva, die im ersten Durchgang 21,3% der Stimmen bekam, ist Neves nur aber zum Favoriten für die zweite Runde geworden. Die entscheidenden Fragen für den Ausgang der Wahl sind nun, wie viele der Wähler von Silva ihrer Empfehlung für US-Mann Neves folgen werden, und ob es Dilma Rousseff zur Stichwahl gelingt, ihr Wählerpotenzial besser zu mobilisieren als zur ersten Runde.

Sollte US-Mann Neves am 26. Oktober gewinnen, so darf damit gerechnet werden, dass er versuchen wird, Brasilien wieder zu einem willfährigen Vasallenstaat der USA zu machen. Das kann einerseits gravierende Folgen für das Projekt der linken Integration in Lateinamerika haben, und andererseits würden die BRICS ohne ein linkes Brasilien, wie der frühere indische Diplomat Melkulangara Bhadrakumar es ausdrückt, nicht mehr dieselben sein. Der effektive Verlust von Brasilien wäre unzweifelhaft ein schwerer Rückschlag für die BRICS.

Andererseits besteht auch für den Fall, dass US-Mann Neves gewinnt, durchaus etwas Hoffnung, dass er mit einer auf ein Bündnis mit den USA, der EU und Japan bedachten Politik von Brasilien als US-Marionette nicht weit kommt. Wie die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua kürzlich meldete, ist der brasilianische Kongress sehr fragmentiert, so dass es Neves dort schwerfallen dürfte, für umstrittene Projekte Zustimmung zu bekommen und er viele Kompromisse machen muss. Auch ist es denkbar, dass US-Mann Neves als Präsident erkennt, dass Brasilien die BRICS, und insbesondere das nach wie vor rasant wachsende China, braucht, weil die praktisch stagnierenden Wirtschaften von USA, EU und Japan brasilianischen Unternehmen keine Wachstumsperspektive bieten können, und er sich im Amt ähnlich wie Indiens Regierungschef Modi, obwohl er als US-genehmer Rechtsausleger von den USA und ihren Lakaien im Wahlkampf unterstützt wurde, anschließend zum Fürsprecher der BRICS-Allianz wandelt.

Das allerdings ist alles andere als ausgemacht. Die brasilianische Präsidentschaftswahl bleibt spannend und wird rückwirkend vermutlich, während gegenwärtig alle Augen Syrien, Irak und die Ukraine gerichtet sind, als das geopolitisch bedeutsamste Ereignis des Jahres 2014 betrachtet werden, zumindest wenn der Kandidat des US-Empires Neves sie gewinnen sollte. Damit keine Missverständnisse aufkommen: es geht hier nicht darum eine demokratische Wahlentscheidung der brasilianischen Bevölkerung zu bemäkeln, sondern darum, auf einen konkreten US-geführten Versuch der Realisierung des 2012 vorgestellten US-Konzeptes zum Regime Change in „Global Swing States“ zur Sichereung der US-Weltherrschaft – gezielte US-Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Staaten Brasilien, Indien, Indonesien und Türkei – aufmerksam zu machen.

12 Gedanken zu “Das B der BRICS wackelt

  1. Eine weitere Ursache, für das jetzige Zittern, vor der Wahlentscheidung, liegt auch in der wankelmütigen, Quasi Sozialdemokratischen,Politik der Arbeitspartei, die anders wie die Bewegung, in zB. Bolivien, keine durchgehend linke Politik betrieb, vor den wichtigsten Endscheidungen, die den Faschistischen Oligarchen, von US Gnaden, richtig viel Macht und Geld genommen hätte, immer und immer wieder Zurückschreckte. So kann man natürlich keine durchgehende Politik für seine Wählerschichten machen und enttäuscht sie, so das sie die Arbeitpartei und ihre Präsidentin Rousseff, nicht mehr trauen und nicht mehr Wählen.
    Genau wegen einer durchgehend linke Politik, musste der Bolivianische Präsident Evo Morales , nie um seine Wiederwahl bangen und wurde aktuell, mit ca. 60 % wiedergewählt. An der Politik in Bolivien, Venezuela, Argentinien, hätte sich Dilma Rousseff, von Anfang an orientieren müssen. Linke Wackelpolitik, hat noch nie, zu etwas vernünftigen, für die Mehrheit, der Bevölkerung geführt.

    1. @Felix
      In Brasilien ist die Bevölkerung eine ganz andere als in Venezuela und Bolivien, und auch die wirtschaftliche Situation ist ganz anders,und war es auch schon vor dem jeweiligen Beginn des Linksrucks.Lula hat das erkannt, auf die Weise gewoinnen, wie man in Brasilien sein muss, um zu gewinnen, und dann das mögliche daraus gemacht.

      Dilma Rousseff hat den Kurs von Lula dann fortgesetzt. Das brasilianische Parlament hat beide nach Kräften sabotiert. Klar hätten Lula und Dilma Rousseff einiges anders machen können, aber wären sie dabei zu weit nach links gesteuert, wären sie ganz schnell weg vom Fenster gewesen.

    2. – … weitere Ursache … in der wankelmütigen, Quasi Sozialdemokratischen,Politik der Arbeitspartei …

      Mein HofberichtBEstatter meint:

      aus http://www.nzz.ch/international/ewige-gewinnerin-ohne-praesidentschaftsambitionen-1.18395115
      – Eine Partei wird im Hinblick auf die brasilianischen Präsidentschaftswahlen vom kommenden Sonntag kaum je erwähnt, obwohl sie zu den führenden Akteuren in der Parteienlandschaft gehört. Der Partido do Movimento Democrático Brasileiro (PMDB) …
      … die Partei verfolgt eine Strategie, die den politischen Einfluss zu maximieren sucht und nicht in erster Linie auf die Besetzung des obersten Staatsamts abzielt.
      … Statt einen eigenen Präsidentschaftskandidaten aufzustellen, bietet sie nach der Wahl dem Sieger ihre Stimmen im Parlament an und versucht daraus entsprechend Kapital zu schlagen.

      Die brasilianische MASSE wünscht offensichtlich keine klaren Verhältnisse in Deinem Sinn, resp. die Wahl fällt auf die seit geraumer Zeit vorherrschende, parteiübergreifende Wackelpolitik – der PMDB wackelt mit dem Hund.

      Wie linke Politik in Venezuela und Bolivien ohne Öl und Gas aussähe, kann sich jeder selbst ausmalen. Immerhin wird dort halbwegs nach der Devise gehandelt: Dem Kaiser – der MASSE – was des Kaisers ist. Ob dieser simple Ansatz eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung für die Zeit nach dem Schlaraffenland auslöst, möchte ich bezweifeln

      Die Amis auf Kurs
      Grüsse
      kosh

      PS: Man tut was man kann und man kann was man tut.

  2. „…gezielte US-Einmischung in die inneren Angelegenheiten…“

    Das U wackelt. Live erleben wie Bewusstsein entsteht: Hunderte Soldaten protestieren seit Stunden vor dem Parlament in Kiew, wollen nicht länger für den Profit der Finanzkapitalisten und Faschisten ihre Schwestern und Brüder ermorden, wollen nicht gehen, bis ihre Fragen beantwortet sind. Stream offenbar in Deutschland zensiert:

    http://rt.com/news/195596-kiev-soldiers-president-ukraine/

    Abhilfe gemäß Grundgesetz: http://tinyurl.com/l9kvgqv Einstellungen, Eingabe: RU
    Ohne Gewähr.

    1. Wer offenbar die CIA für den iranischen Auslandsgeheimdienst hält, schreibt wohl auch entsprechende Artikel. Im anschließenden IS-Mobilisierungsvideo scheint dann auch alles beisammen zu sein: neoliberal verelendente Jugendliche mit „neuer Perspektive“, ein bezahlter Hirnwäscher und ab Sekunde 23 im Bild, der „iranische“ Führungsoffizier.

      1. Das angegebene Video ist Teil einer Playlist und die beginnt, trotz Eingabe des richtigen Links, mit dem ersten Video, gemeint ist jedoch dieses:

        „War in IRAQ & Syria 2014 | ISIS mobilisation 1“

  3. So schnell kann es gehen. Im August hat die ZF noch Eduardo Campos in Brasilien als Präsidentschafts-Kandidat mit sehr guten Erfolgsaussichten „aus der Luft geräumt“ und schon könnte sich nun alles zum Guten für die ZF wenden, wenn Rousseff verliert.

    Dieser Tod von Campos ist zwar überall verbreitet worden, – allerdings in den meisten Medien mehr unter der Rubrik „Vermischtes“.

    http://wirtschaftsblatt.at/home/nachrichten/international/3854492/Brasilien_Praesidentschaftskandidat-Eduardo-Campos-mit-Flugzeug

    1. Nach Angaben zuständiger Behörden hat der Flight-Recorder den letzten Flug der erst vier Jahre alten Machine nicht aufgezeichnet.

      IB-Times: Eduardo Campos Death: Flight Data Was Not Recorded On Black Box

      http://www.ibtimes.com/eduardo-campos-death-flight-data-was-not-recorded-black-box-1660366

      Trotz zweifellos großer Beliebtheit hätte Campos bei zuletzt einstelligen Umfragewerten die Wahl wohl kaum für sich entscheiden können, doch mit den Stimmen der nun kurzfristig führungslosen Sozialdemokraten, rechneten sich manche einen 60%-Sieg von Washingtons Kandidatin Silva aus.

      „Die US-Experten rechnen damit, dass Silva auch die Stimmen der Brasilianischen Sozialdemokratischen Partei bekommen wird, wodurch sie 60% der Stimmen erhalten würde und Dilma Rousseff ohne Chance bliebe.“

      „Und immer mehr Brasilianer merken auch, dass Silva die Politik des Landes radikal ändern und das Land in die Katastrophe führen würde. Aber das ist genau, was die „Strippenzieher“ in Washington erreichen wollen. Sie wollen Bedingungen für eine „Farbenrevolution“ schaffen. Krawalle in den Straßen, ein paar Scharfschützen sind schnell zur Hand, und schon bekommt man die schönsten Beispiele, wie das ‚arme Volk‘ von der ‚bösen Dilma‘ unterdrückt wird. Das Ganze nennt man dann „spontane zivile Proteste“. Die USA schicken auch schon mehr in solchen Dingen erfahrene Leute in ihre Botschaft in Brasilien. Die CIA-Station ist schon bis zum Rand voll mit erfahrenen Meuchelmördern. Oberst Samuel Prugh ist der höchste Verteidigungsbeamte und Attaché in Brasilien. Er hat große Erfahrung und kennt das Land und jede Menge Leute in der Armee.“

      http://einarschlereth.blogspot.se/2014/09/zwei-lander-venezuela-brasilien-unter.html

    1. Kein Wunder, die Türkei ist Mitglied der US-geführten NATO und erfüllt die ihr, unter Berücksichtigung der Eigeninteressen, zugewiesenen Aufgaben innerhalb der Gesamtoperation, Täuschung inklusive.

      Einiges zeigt die immer gleichen Methoden und war aufgrund bestehender Bündnisse zu erwarten, anderes ist inzwischen eingetreten oder zeichnet sich ab; aus einem längeren Text vom 6. Juli 2014.:

      „Der irakische ISIS und was sich in Wahrheit dahinter verbirgt – Wie Chossudovsky ausführt, ist der ISIS keine eigenständige Organisation. Er ist ein Geschöpf der US-Geheimdienste und wird als deren Instrument zur verdeckten Kriegsführung eingesetzt.

      Der ›Krieg gegen den Terrorismus‹ besteht darin, dass die US-Administration durch von ihren Geheimdiensten instrumentalisierte, der al-Qaida nahestehende Gruppierungen, terroristische Aktivitäten anzetteln lässt und dann den Regierungen der terrorisierten Staaten Unterstützung anbietet. Das Angebot wird als Hilfe bei der Terrorbekämpfung dargestellt, ist aber nur ein Vorwand für US-Interventionen. Dabei geht es immer darum, souveräne Nationalstaaten zu destabilisieren und in sogenannte ›offene Territorien‹ zu verwandeln, die vor allem offen für ausländische Investoren sind.

      Den Vorwand für ›humanitäre Interventionen‹ – zum Beispiel in Mali, Nigeria oder in der Zentralafrikanischen Republik – liefert immer ›die Existenz terroristischer Kräfte‹. Diese terroristischen Kräfte würde es aber ohne die Einmischung der USA und der NATO überhaupt nicht geben.

      Die Schaffung eines islamistischen Kalifats wird jedoch nicht nur von der CIA, sondern ebenso von den Geheimdiensten Saudi-Arabiens, Katars und der Türkei gefördert. Auch Israel unterstützt von den Golanhöhen aus nicht nur die der al-Qaida nahestehenden Rebellen in Syrien, sondern auch die kurdischen Separatisten in Syrien und im Irak.

      Es ist bekannt und dokumentiert, dass die USA und die NATO seit dem Krieg gegen die Rote Armee in Afghanistan daraus hervorgegangene Gruppierungen in zahlreichen Konflikten als ›von Geheimdiensten gelenkte Hilfstruppen‹ eingesetzt haben und immer noch einsetzen. In Syrien sind es die Terroristen der al-Nusra und des ISIS, die als Fussoldaten der westlichen Militärallianz unter deren Kontrolle rekrutiert und zu paramilitärischen Kämpfern ausgebildet wurden.

      Die Medien haben zwar berichtet, dass die Regierung des Premierministers Nuri al-Maliki Saudi-Arabien und Katar beschuldigt hat, den ISIS zu unterstützen, verschwiegen aber, dass sowohl Doha als auch Riad im Auftrag und in enger Abstimmung mit Washington handeln.“

      Zitate: http://einarschlereth.blogspot.de/2014/07/am-24.html

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