Neue IWF-Zahlen zum BIP nach PPP: China jetzt Nr. 1

Der Beginn eines neuen Zeitalters in der Weltgeschichte ist nun offiziell. Die im Oktober 2014 veröffentlichten Daten des Internationalen Währungsfonds IWF zum Bruttoinlandsprodukt der Staaten der Welt weisen China in Bezug auf das nach Kaufkraftparität berechnete BIP (BIP nach PPP) für das Jahr 2014 als das wirtschaftsstärkste Land der Welt aus.

China wird von den neuen IWF-Zahlen im Jahr 2014 bezüglich des BIP nach PPP bei 17632,014 Mrd gegenwärtiger US-Dollar vor den USA liegend gesehen, die bezüglich des BIP 2014 bei 17416,253 Mrd US-Dollar gesehen werden. Das Jahr 2014 ist noch nicht zu Ende, der Vorsprung Chinas ist knapp und insofern sind die Zahlen des IWF, nach denen China beim BIP nach PPP nun vorn liegt, eine noch nicht gänzlich bestätigte Projektion für das gegenwärtige Jahr. So ist es natürlich denkbar, dass 2015, wenn die tatsächlich gemessenen Werte für das ganze Jahr 2014 vorliegen, die Zahlen für 2014 sich letztlich noch so drehen könnten, dass die USA 2014 doch noch vorn liegen. Die Zahlen des IWF zu China schließen andererseits jedoch die zum Staatsgebiet Chinas gehörenden und unter Kontrolle Pekings stehenden administrativen Sondergebiete Hong Kong und Macao aus traditionellen und praktischen Gründen nicht mit ein. Würden Hong Kong und Macao mit in die Zahlen einfließen, würde das chinesische BIP nach PPP um nochmals etwa 450 Mrd US-Dollar höher ausgewiesen werden. Eine Korrektur der Zahlen zu 2014 um einen so hohen Wert, dass bei Einbeziehung von Hong Kong und Macao in die Betrachtung die USA trotzdem noch vorn liegen, ist sehr unwahrscheinlich. Man kann die Zahlen natürlich immer unterschiedlich interpretieren.

Wie man die Zahlen auch immer im Detail beleuchtet, was bleibt, ist das historische Ereignis, dass der IWF erstmals in seiner Geschichte offizielle Zahlen veröffentlicht hat, die die Aussage treffen, dass in Bezug auf den Wirtschaftsindikator BIP nach PPP im laufenden Jahr ein anderer Staat vor den USA liegt. Dass die USA beim einem staatsbezogenen BIP-Wert für die Gegenwart nicht als Nummer 1 gesehen werden, hat es seit der Gründung des IWF im Jahr 1945 noch nie gegeben. Und die Zahlen des IWF zum BIP nach PPP weisen darauf hin, dass das keine Eintagsfliege ist. Im Gegenteil, es wird erwartet, dass der Abstand zwischen China und den USA beim BIP nach PPP in den nächsten fünf Jahren von Jahr zu Jahr jeweils um rund 1000 Mrd US-Dollar zunehmen wird, und China im Jahr 2019 bezüglich des Wirtschaftsindikators BIP nach PPP um beinahe fünf Billionen US-Dollar vor den USA liegen wird. Die Abgabe der Wirtschaftskrone in Bezug auf BIP nach PPP von den USA an China wird also voraussichtlich von Dauer sein.

Und nicht nur die Verkündung von China als stärkste Wirtschaftsnation der Welt in Bezug auf den Indikator BIP nach PPP bringen die neuen Zahlen des IWF, sondern China und vier geopolitische Partner Chinas, nämlich die BRICS-Staaten Indien, Russland und Brasilien sowie der China verbundene Inselstaat Indonesien, haben den neuen IWF-Zahlen zufolge unter den zehn wirtschaftsstärksten Staaten der Welt in Bezug auf BIP nach PPP in Summe nun auch die Nase vor den USA und der vier wirtschaftsstärksten engen Partnern der USA, Japan, Deutschland, Frankreich und Britannien. Und auch in dieser Betrachtung ist den bis 2019 prognostizierten Zahlen des IWF zufolge damit zu rechnen, dass der Vorsprung von China und Freunden vor den USA und Freunden in den nächsten Jahren unter den zehn wirtschaftsstärksten Staaten der Welt in Bezug auf BIP nach PPP in den nächsten Jahren rapide zunehmen wird. Auch hier ist also damit zu rechnen, dass die Verschiebung im wirtschaftlichen Kräfteverhältnis von der US-geführten Achse hin zu der chinesisch geführten Achse dauerhaft sein wird. Was die neuen Zahlen des IWF ausdrücken, ist nichts weniger als dass die Zeit des Endes der wirtschaftlichen US-Dominanz über den Rest der Welt da ist, nicht irgendwann in Zukunft, sondern jetzt.

Natürlich ist das BIP nach PPP nicht der einzige Indikator für Wirtschaftskraft. In Bezug auf das BIP zum Wechselkurs steht China beispielsweise den neuen IWF-Zahlen zufolge erst bei rund 60% des BIP der USA. Da holt China zwar auch gegenüber den USA auf, aber es wird noch ein paar Jahre dauern bis China auch in Bezug auf diesen Wirtschaftsindikator an den USA vorbeigezogen ist. Noch viel weiter vorn gegenüber China sind die USA bezüglich der Funktion ihrer jeweiligen Währungen als Weltreservewährung. Da dominiert der US-Dollar weiterhin die Welt und China hat nur einen sehr geringen Anteil. Doch bei anderen Wirtschaftsindikatoren ist China inzwischen auf Augenhöhe mit den USA, so etwa beim Handelsvolumen und bei der Größe des heimischen Automobilmarktes, und bei wieder anderen Wirtschaftsindikatoren liegt China längst weit vor den USA, so etwa beim Anteil an der Weltstahlproduktion.

Vergleicht man anhand unterschiedlicher Indikatoren die wirtschaftliche Lage zwischen den USA und China, so ergibt sich natürlich durch die neuen IWF-Zahlen nichts wirklich Neues und Überraschendes. China ist seit Jahren dabei, die USA wirtschaftlich zu überholen, und mit dem BIP nach PPP weist nun ein weiterer Indikator China als neue wirtschaftliche Nummer Eins aus. Und trotzdem geht von den neuen IWF-Zahlen eine unmissverständliche Botschaft aus: China ist dabei, die USA in Bezug auf die Wirtschaftskraft zu überholen. Und mit der Wirtschaftskraft steigt natürlich auch die politische und militärische Macht Chinas langsam, aber sicher. Das Zeitalter der politischen und militärischen Dominanz der USA über den Rest der Welt geht mit dem Verlust der wirtschaftlichen Dominanz allmählich zu Ende.

An dieser Feststellung, dass mit dem BIP nach PPP nun ein weiterer Indikator anzeigt, dass die wirtschaftliche Dominanz der USA über die Welt allmähliche zu Ende geht, ändert auch überhaupt nichts, dass der große Sprung Chinas in Bezug auf das BIP nach PPP von den im April 2014 veröffentlichten Zahlen zu den jetzt veröffentlichten Zahlen in erster Linie darauf zurückzuführen ist, dass das International Comparison Program der Weltbank Ende April festgestellt hat, dass das BIP nach PPP von einigen Staaten wie China, Indien und Indonesien bislang für das jeweilige Preisniveau der Staaten viel zu niedrig kalkuliert war und dementsprechend nach oben korrigiert wurde. Das nun festgestellte niedrigere Preisniveau bedeutet vielmehr, dass diese Staaten noch mehr Luft für politische Entscheidungen haben, durch etwas Inflation ihre Wirtschaft anzukurbeln und damit auch ihr BIP zu Wechselkursen weiter zu steigern. Schon vor einiger Zeit wurde im Parteibuch berichtet, dass China sein BIP absichtlich klein rechnet, um zu verhindern, dass durch die Veröffentlichung von großen chinesischen BIP-Zahlen in den USA Stimmungen zum Wirtschaftskampf gegen China gestärkt werden.

Nun wurde ein Teil dieser zuvor extra klein gerechneten BIP-Zahlen auf ein realistischeres Niveau korrigiert und die Machthaber in der westlichen Welt bekommen mit der Vorlage neuer IWF-Zahlen scheibchenweise Gelegenheit, die Realität zu akzeptieren, dass sie ihre imperiale Dominanz über die Welt verloren haben.

5 Gedanken zu “Neue IWF-Zahlen zum BIP nach PPP: China jetzt Nr. 1

  1. Jeder, der in China direkt einkauft, gleich welcher Kategorie, stärkt zusätzlich diese Zahlen.
    Englischsprachige sind dabei im Vorteil und können ihren Einkauf über Internet tätigten, Google gibt dazu die Links für die Warengruppen, es wird durch den Spediteur geliefert, Bargeldüberweisung geschieht durch das Postamt.
    So kann man sich für seinen Elektroroller seinen gewünschten Nabenmotor und die Lithiumbatterie bestellen.

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