Stille Post bei der Märchenschau – Hasserzeugung mit Rohani

Am heutigen Montag, den 25. August 2014, veröffentlichte die staatliche deutsche Tagesschau einen Artikel (Archiv) mit der Überschrift „Iranische Waffen für die Hamas.“ Als Reaktion auf die Verletzung iranischer Souveränität durch eine israelische Drohne, wolle Iran die militärische Aufrüstung der Palästinenser im Westjordanland beschleuinigen, heißt es darin. So weit, so gut.

Bemerkenswert ist der zweite Absatz des Artikels der deutschen Märchenschau:

„Was die Zionisten (Israel) in Gaza machen, ist ein unmenschlicher Völkermord, daher muss die islamische Welt heute einheitlich ihren Hass und Widerstand gegen Israel erklären“, hatte Irans Präsident Hassan Rohani bereits am Freitag gesagt. Gegen Israel gebe es keinen diplomatischen Ausweg, sondern nur den Weg des Widerstands, hatte er am Rande einer anti-israelischen Demonstration in Teheran betont. Nach seinem zuletzt auch rhetorisch moderaten Kurs ist diese Äußerung eine Veränderung in der iranischen Politik.

Oh, Rohani hat „nach seinem zuletzt auch rhetorisch moderaten Kurs“ am Freitag mit einer Äußerung eine Veränderung in der iranischen Politik artikuliert. Soso. Seltsam, dass davon in iranischen Medien überhaupt nichts zu lesen war, dass der iranische Staatschef Rohani am Freitag zum Hass aufgerufen und damit eine Veränderung der iranischen Politik durchgeführt hat.

Vielleicht liegt es daran, dass die Märchenschau „bereits am Freitag“ geschrieben hat, aber dazu nicht gesagt hat, welcher freitag gemeint ist. Die österreichische Presse benutzte genau vor einem Monat, am 25. Juli 2014 schon genau das gleiche Rohani-Zitat wie die Märchenschau heute, und auch da wurde „sagte Rohani am Freitag“ geschrieben:

„Was die Zionisten in Gaza machen, ist ein unmenschlicher Völkermord, daher muss die islamische Welt heute einheitlich ihren Hass und Widerstand gegen Israel erklären“, sagte Rohani am Freitag. Gegen Israel gebe es keinen diplomatischen Ausweg, sondern nur den Weg des Widerstands.

Nun, ja, das Wort „Freitag“ war ja nicht ganz gelogen von der Märchenschau. Der anonyme Journalist der Tagesschau hat eben nur nicht gesagt, welcher Freitag mit dem Ausdruck „bereits am Freitag“ gemeint war, und, hätte er stattdessen geschrieben, „bereits am Freitag vor vier Wochen“ – dann hätte die Behauptung, dass „diese Äußerung eine Veränderung in der iranischen Politik“ ist, vielleicht nicht ganz so aktuell geklungen wie das mancher Leser auf einer Nachrichtenseite erwartet.

Aber da ist noch etwas. Dass Rouhani angeblich zum „Hass“ aufruft, ist seltsam. Das passt gar nicht zu ihm, der sich doch sonst stets gegen Hass, Gewalt und Extremismus auspricht. Freitag, der 25. Juli 2014, war internationaler Quds Tag. Da wird der iranische Präsident Rouhani sicher ein paar deutliche Worte zum israelischen Massaker in Gaza gesagt haben. Der iranische TV-Sender Press TV berichtete am 25. Juli 2014 auf Englisch:

Rouhani decries Israel’s genocidal war on Gaza

… Rouhani who joined International Quds Day rallies in the Iranian capital Tehran on Friday condemned Israel’s war on Gaza as “inhumane and genocidal” and said all Muslims should show their rage and resentment, unity and resistance against Israel.

The Iranian president said that Israel must realize that it cannot continue with its occupation by using weapons and that it needs to heed international demands. …

Press TV schreibt da, Rouhani habe am Quds Tag in Teheran teilgenommen und da Israels Krieg gegen Gaza als „inhuman und genozidal“ verurteilt und gesagt, alle Muslime sollten ihren Zorn, ihre Abneigung, Einigkeit und Widerstand gegen Israel zeigen. Und weiter sagte Rohani Press TV zufolge, Israel müsse realaisieren, dass es mit seiner Besatzung durch die Benutzung von Waffen nicht fortfahren kann und internationale Forderungen beachten muss. Der bekannte iranische TV-Sender Press TV schrieb damals also, Rohani habe „Abneigung“ gesagt, und dieösterreichische Presse und andere und nun auch die Märchenschau schrieben und schreiben, Rohani hätte „Hass“ gesagt. Wie das wohl kommt? Wer könnte dem Rohani Hass unterschieben und so Hass erzeugen wollen?

Die Redaktion von „Times of Israel“ berichtete am 25. Juli unter Zuhilfenahme von AFP:

“The Islamic world must in unison declare this day one of anger, hatred, unity and resistance against Israel,” President Hassan Rouhani said at the Tehran demonstration.

Da war die „Abneigung“ zum „Hass“ geworden, bei der Presse und anderen zionistisch dominierten europäischen Medien wurde das sehr fragliche Zitat von Rohani dann peppig umgebaut, und nun, einen Monat später, erscheint es bei der deutschen Märchenschau mit der Zeitangabe „bereits am Freitag“ und dient nun als Beleg, dass der iranische Präsident soeben „eine Veränderung in der iranischen Politik“ durchgeführt hat. Für die Spezialisten: die iranische Webseite roozannews.ir berichtete seinerzeit, Rouhani habe damals خشم و تنفر (hasham wa tanfar) gesagt, was wohl eher mit „Ärger und Groll“ übersetzt wird. Aber bei der Märchenschau wird aus „Ärger und Groll“ nach einem Monat „Hass“ – mit der Zeitangabe „bereits am Freitag.“

So funktioniert die stille Post bei der Märchenschau – Hasserzeugung leicht gemacht.

Nachtrag: Auch in Bezug auf Syrien gab es am Montag bei der Märchenschau eine volle Dröhnung Kriegspropaganda. Zweimal gab es da meinungsgeladene Stimmungsmache gespickt mit jeder Menge falscher Fakten präsentiert als Bericht und Hintergrund und einmal Kriegshetze als Meinung – drei anti-syrische Propaganda-Dinger nebeneinander ganz oben. Und alle vollgestopft mit typischen Schlüsselworten für die Propaganda, Assad verhöhnt und buhlt, obwohl der syrische Präsident Assad überhaupt nichts gesagt hat und der syrische Außenminister lediglich erklärt hat, Syrien sei bereit zu einem gemeinsamen Anti-Terrorkampf mit anderen Ländern, erwarte allerdings, dass von den Ländern, die mit Syrien im Anti-Terror-Kampf kooperieren wollen, die syrische Unabhängigkeit und Souveränität respektiert wird.

Ein Gedanke zu “Stille Post bei der Märchenschau – Hasserzeugung mit Rohani

  1. Und dabei war Rohani nach Ahmadinejad doch PRaktisch unser Präsident🙂

    aus http://www.spiegel.de/politik/ausland/rohani-weigert-sich-nuklearanlagen-abzubauen-a-936499.html
    – Gleichzeitig stellte der moderate Präsident eine weitere Annäherung an die USA in Aussicht: „Wir müssen Schritt für Schritt gegenseitiges Vertrauen aufbauen“, sagte Rohani.
    … Probleme, die über mehr als 35 JahrUS-Präsident Barack Obama sei ein Mann mit „höflicher und kluger Sprache“, sagte Rohani ..

    Vielleicht lernt unser Wunschpräsident jetzt auf die harte Tour, dass es keinen Unterschied macht, ob er den Good oder Bad Guy mimt. Entweder er macht auf Kommando Männchen, oder er landet auf der imperialen Abschussliste:

    aus http://irananders.de/nachricht/detail/757.html
    – … Khamenei …
    „Beziehungen mit den USA und Verhandlungen mit diesem Staat haben – von einigen sehr spezifischen Fällen abgesehen – keinen Nutzen für die Islamische Republik und sind sogar schädlich“, erklärte das religiös-politische Staatsoberhaupt.

    M.a.W. die US vom iranischen Markt ausschliessen ist wirtschaftlich vorteilhafter als mit ihnen zu geschäften. Immer noch nicht begriffen hat das die zionistisch-persische Diaspora, die will ihrer Heimat GUTes tun indem sie ihr schaden.

    – Vor allem aber hätten die Amerikaner noch während der Verhandlungen mit Iran neue Sanktionen gegen das Land verhängt.

    Das erinnert – wenig erstaunlich – sehr an die Verhandlungstaktik Israels mit den Palästinensern.

    – … würdigte Khamenei die Leistungen der iranischen Diplomaten …
    Kluge und aktive Diplomatie, aber auch die Verhinderung kostspieliger und gefährlicher Eskalationen hätten dem Lande sehr bedeutende politische, wirtschaftliche, humanitäre und soziale Vorteile gebracht.

    Davon kann die EUSraEliten-MASSE nur träumen.

    – … Diplomat, der ungenannt bleiben will …
    … Iran in den letzten Jahrzehnten auch ohne die USA zu einem Stabilitätsfaktor in der Region geworden sei und daher die US-Amerikaner begreifen müssten, dass ihre Zukunft in der Zusammenarbeit mit Iran liege und nicht umgekehrt. Zu diesem Zwecke müssten die Amerikaner ihren Worten Taten folgen lassen und aufhören, vor und nach den Verhandlungen harsche oder unwahre Statements abzugeben, …

    Die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh

    PS: Man tut was man kann und man kann was man tut.

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