Presseerklärung der Qassam-Brigaden: kein IDF-Soldat gefangengenommen

Die Al-Qassam-Brigaden, die der militärische Flügel der Hamas sind, haben in der Nacht zum Samstag nach einer internen Untersuchung eine Presseerklärung herausgegeben, in der sie von Israel gestreute Gerüchte zurückweisen, sie hätten am Freitag Morgen, den 01.08.2014, einen IDF-Soldaten gefangengenommen. Nachfolgend findet sich eine Übersetzung der Presseerklärung ins Deutsche durch das Parteibuch.


Presseerklärung der Al-Qassam-Brigaden bezüglich der Verletzung des humanitären Waffenstillstandes, der behaupteten Gefangennahme eines israelischen Soldaten und der Auseinandersetzungen am Rafah-Grenzübergang:

Dem Bruch des humanitären Waffenstillstandes am Morgen des Freitags, 1. August 2014 durch die israelische Armee, ihres Eindringens nach Ost-Rafah, ihres immer noch andauernden Artilleriefeuers und Einsatzes von Snipern in Gaza folgend, wurde ein Massaker, das immer noch andauert, an unschuldigen Zivilisten in Rafah verbrochen, das zum Tod von Dutzenden von Palästinensern geführt hat. Die Rechtfertigung für dieses Massaker war die behauptete Gefangennahme eines israleischen Soldaten.

Wir, die Al-Qassam-Brigaden, möchten, nachdem wir eine interne Untersuchung durchgeführt haben, folgendes bestätigen:

1. Seit der Morgendämmerung am Freitag war das, was geschehen ist, dass israelische Kräfte eine Eindringung 2 Kilometer tief nach Ost-Rafah in der Nacht durchgeführt haben, wobei sie dazu die Gespräche über den vorgeschlagenen humanitären Waffenstillstand ausgenutzt haben. Wir glauben, dass als Ergebnis davon Auseinandersetzungen stattgefunden haben zwischen dem Feind und unserem Hinterhalt an dem Ort zu der Zeit. Die Auseinandersetzungen begannen um 07:00h morgens, bevor der vorgeschlagene Waffenstillstand in Kraft trat, während der Feind seine Angriffe auf Zivilisten um 10:00h morgens startete und den Waffenstillstand mit dem Ziel der Suche nach einem vermissten Soldaten eklatant verletzte.

2. Wir haben den Kontakt verloren mit unseren Mitgliedern beim Hinterhalt und glauben dass sie bei der Attacke Märtyrer geworden sind und dass der vermisste Soldat getötet wurde, wenn man von der Annahme ausgeht, dass er gefangengenommen wurde.

3. Die Qassam-Brigaden haben kein Wissen bezüglich des im Kampf vermisst gewordenen Soldaten oder seinen Aufenthaltsort oder die Umstände seines Verschwindens.

4. Wir haben Vermittler benachrichtigt, die den humanitären Waffenstillstand arrangiert haben, dass wir einem humanitären Waffenstillstand auf israelische Territorien zustimmen, aber für alle praktischen Zwecke können wir keinen Waffenstillstand machen gegen vorrückende feindliche Truppen, die ständig in Bewegung sind während sie gegen unsere Kräfte kämpfen und das führt zu Scharmützeln.

Al-Qassam-Brigaden
Palästina
Samstag, 2. August 2014

Quelle: Occupied Palestine

Die Presseerklärung der Qassam-Brigaden deckt sich in wichtigen Punkten mit unabhänigen Meldungen aus Gaza vom frühen Freitag Morgen. So twitterte Belal, ein palästinensischer Arzt in Gaza um 08:03h, dass der Waffenstillstand eigentlich seit drei Minuten in Kraft sei, er jedoch nach wie vor Artilleriefeuer höre. Stuart Webb, ein für den britischen Sender Channel 4 tätiger Journalist, twitterte kurz nach 10:00h, Radio Gaza habe gemeldet, dass trotz des „Waffenstillstandes“ sechs Personen in Rafah durch Artilleriefeuer getötet worden und israelische Scharfschützen noch aktiv seien. Am Freitag Nachmittag veröffentlichte IMEMC bereits eine Erklärung der Hamas, derzufolge die zionistische Armee vor, während und nach Inkrafttreten der humanitären Feuerpause um 08:00h Ortszeit versuchte, mit Angriffsoperationen im Raum Rafah Geländegewinne zu erzielen.

Das gegenwärtige Massaker in Gaza führt das zionistische Regime unter verweis auf die Rechtfertigung durch, die in Gaza herrschende Hamas sei für die Ermordung drei junger israelischer Siedler in der Westbank verantwortlich, obwohl Hamas jegliches Wissen über den Dreifachmord bestritten hat, sich ein Jerusalemer Ableger des vor Allem aus dem Irak bekannten Al-Kaida-Ablegers „Islamischer Staat“ zu dem Verbrechen bekannt hat und ein hoher israelischer Polizeichef der BBC gegenüber inzwischen eingeräumt hat, die israelische Polizei glaube nicht, dass Hamas für den Mord verantwortlich ist. Eingeleitet hat das zionistische Regime die gegenwärtigen blutigen Säuberungs- und Strafaktionen mit der Falschbehauptung, die drei jungen Israelis seien entführt, und Israel suche mit seinen mörderischen, angeblich gegen Hamas gerichteten Aktionen nach den Entführten, obwohl israelische Sicherheitsdienste währenddessen schon lange wussten, dass die drei Israelis tot waren.

So wie es ausschaut, bringt das zionistische Regime nun die gleiche Masche nochmal: die Lüge der Suche nach einem vorgeblich gefangengenommenen Israeli, mit der das zionistische Regime massive Gewalt gegen Palästinenser und eine israleische Verweigerung von Frieden rechtfertigt. Palästinensische Politiker gehen davon aus, dass das zionistische Regime mit solchen Falschbehauptungen verschleiern will, dass das tatsächliche israelische Ziel des Massakers in Gaza und damit einhergehender mörderischer Pogrome israelischer Siedler gegen Palästinenser in der Westbank darin liegt, die kurz zuvor gebildete Einheitsregierung von Fatah und Hamas unter Führung der Fatah aufzusprengen, um anschließend darauf aufbauend behaupten zu können, Israel habe keinen glaubwürdigen Partner für Frieden und den illegalen Siedlungsbau in Ostjerusalem und der Westbank fortsetzen zu können, ohne dass Israel für seine Weigerung zum Frieden unter internationalen Druck gerät.

Bei dem gegenwärtigen israelischen Massaker in Gaza kamen bisher dem UN-Büro OCHA zufolge (Stand Freitag, 01.08.2014, 15:00h) 1439 Palästinenser ums Leben, von denen mindestens 926 Personen (64%) Zivilisten waren, darunter 286 Kinder und 187 Frauen. Auf isralischer Seite kamen durch den Widerstand von Palästinensern gegen das Massaker in Gaza bislang israelischen Angaben zufolge 66 Personen ums Leben, von denen 3 Personen (5%) Zivilisten waren, darunter keine Kinder und keine Frauen.

Nachtrag Samstag Nachmittag: Die US-Webseite Mondo Weiss hat eine mit weiteren Details versehene Version der hier erzählten Geschichte „Framing Hamas, driving the death toll“ nun auch auf Englisch.

Nachtrag Sonntag Nachmittag: Die IDF hat zwischenzeitlich zugegeben, dass Hamas recht hat und der vermisste IDF-Soldat nicht entführt, sondern bereits Freitag in Gaza im Kampf gestorben ist. Seine Beerdigung findet Jewish Press zufolge am heutigen Sonntag um 17:30h auf dem Kfar Sava Militärfriedhof statt und die Familie ruft alle Israelis auf, an der Beerdigung teilzunehmen.

3 Gedanken zu “Presseerklärung der Qassam-Brigaden: kein IDF-Soldat gefangengenommen

  1. 70 Jahre Warschauer Aufstand – Eine Stadt wird zerstört
    Rache für die Aufstände schwach bewaffneter Kräfte gegen eine damals noch starke deutsche Wehrmacht.

    HEUTE – Ein kleiner, dicht besiedelter Landstrich wird aus der Luft und durch Raketen- und Geschützfeuer zerstört.
    Aus Rache für Gegenwehr gegen eine der stärksten und am längsten wirkende Besatzungsmacht aller Zeiten.

    Wenn ich diese Bilder sehe, Bilder von zerfetzten Menschen, Kindern gar! Wenn ich sehe, wie nach einem Granat- oder Raketentreffer ganze Straßenzüge in Trümmern fallen. Wie Siegesbesoffene Soldaten ihre Tötungserfolge bejubeln.

    Genau dann, schieben sich die Bilder aus vergangenen Tagen – Bilder aus Warschau der Jahre 1943 und 1944 – darüber und ich frage mich,

    WO IST DER UNTERSCHIED?

    Beide Parteien – damals wie heute – bezeichnen ihren gnadenlos unterlegenen Gegner als TERRORIST.

    Nur weil Menschen die Frechheit besitzen, sich einer Belagerung die alles Leben, jede gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung, zum Stillstand bringt, zu widersetzen.

    Die Antwort der Mächtigen auf verständliche Verteidigungsaktionen hat nichts mit Ethik oder Moral zu tun, diese Art Antwort ist blindwütige Rache, manchmal sogar für erfundene Taten, eines entmenschten Haufens, die jeder SS-Truppe oder Wehrmachtseinheit würdig ist.

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