Die Geschichte vom grünen Gürtel

Am letzten Mittwoch gab es auf dem Berliner Alexanderplatz eine Friedensmahnwache, auf der eine sagenumwobene Geschichte erzählt wurde: die Geschichte vom grünen Gürtel.

Dafür, dass es in den USA in den 70er und 80er Jahren im mittleren Osten tatsächlich eine breit angelegte Strategie der gezielten Unterstützung eines grünen Gürtels radikal-islamischer Bewegungen als Waffe im Kampf gegen die ungläubigen Kommunisten der Sowjetunion verfolgten, gibt es bislang keine offiziellen Dokumente. Es gibt aber gleichwohl deutliche Hinweise darauf, dass das wohl so gewesen sein könnte. Und es gibt auch Hinweise darauf, dass diese Strategie von den USA, trotz der allgemein zur Schau gestellten Feindschaft zu Al Kaida, bis heute in Varianten fortgesetzt wird, man denke etwa an den Wohnsitz von Fethullah Gülen in den USA, an die Partnerschaft der USA mit Jihadi-Terroristen zum Sturz der Regierungen in Libyen und in Syrien oder die familiäre Verbindung der Attentäter von Boston zur CIA.

Nachfolgend seien einige Ansätze für eine vertiefte Recherche zum Thema Grüner Gürtel genannt. Der afghanische Politiker Zalmai Rassoul, der bis vor kurzem Außenminister unter dem von den USA eingesetzten Präsidenten Hamid Karzai war, nahm vor kurzem in einem Interview Bezug auf eine „Grüner-Gürtel-Doktrin“ von Carters Sicherheisstrategen Brezinski. Dass die USA seit Ende der 70er Jahren in Afghanistan radikale Jihadisten im Kampf gegen die Sowjetunion unterstützt haben, ist natürlich bekannt. Aber die USA haben radikale Islamisten in Afghanistan nicht nur unterstützt, sondern auch, wie aus einem Artikel der Washington Post von 2002 hervorgeht, mit Geheimoperationen wie dem Druck, der Finanzierung und der Verteilung von extremistischen Schulbüchern, die schon Kinder im Grundschulalter zum Jihad gegen Ungläubige angestachelt haben, in afghanischen Flüchtlingslagern in Pakistan die Radikalisierung dortiger Muslime gezielt vorangetrieben. In der türkischen Zeitung Hurriyet erschien im Jahr 2009 ein Artikel, in dem behauptet wird, Brezinskis „Grüner-Gürtel-Strategie“ sei nicht nur in Afghanistan und Pakistan angewendet worden, sondern auch in Iran und der Türkei. Und in Bezug auf die islamische Revolution im Iran gibt es im Wikipedia-Artikel zur Konferenz von Guadeloupe recht deutliche Hinweise darauf, dass die USA auf jener Konferenz die Rückkehr von Ajatollah Chomeini aus dem NATO-Staat Frankreich, von wo aus er den Umsturz im Iran vorangetrieben hatte, bei ihren G7-Partnern durchsetzten. Und Chomeini wurde dann auch alsbald mit Air France vom NATO-Staat Frankreich zu seiner triumphalen Rückkehr in den Iran geflogen. Bedenkt man das, so mögen Behauptungen gar nicht mehr so unplausibel erscheinen, dass die USA und andere NATO-Staaten tatsächlich am Regime Change im Iran 1979 unter Führung von Ajatollah Chomeini unterstützend mitgewirkt haben – auch wenn sich die Situation im Iran anschließend ganz anders entwickelte als von den USA geplant. Und, das sei an dieser Stelle ergänzt, der Anführer des 1982 – da gab es zur gleichen Zeit einen heftigen Konflikt zwischen Israel und Syrien im Libanon – gescheiterten islamischen Aufstandes der Muslimbruderschaft in Syrien, führte seine für einen islamischen Regime Change in Syrien kämpfenden Kräfte die meiste Zeit von Brüssel aus, also der Stadt, wo sich das NATO-Hauptquartier befindet.

PS: Am heutigen Mittwoch soll es wieder eine Friedensmahnwache auf dem Berliner Alex geben. Vielleicht wird es da weitere interessante Geschichten und Informationen zu diesem oder jenem Thema geben.

9 Gedanken zu “Die Geschichte vom grünen Gürtel

  1. Der rote Faden der Islamisierung als Waffe der Zionisten zur Osterweiterung in deren insgeheimen Plänen, zieht sich wie gesagt seit dem Sturz des Schah aber auch schon vorher, durch die Annalen.
    … Mit zwielichtigen Erfolg, wie man bereits kennt, manches erweist sich als Aktion eines Zauberlehrlings er wird die Geister nimmer los, welche er geweckt hat.

  2. Die ersten „wer hätte das gedacht, das konnte doch keine Ahnen“-Artikel erscheinen jetzt:

    http://www.focus.de/politik/experten/wolffsohn/brennpunkt-statt-friedlicher-revolution-nahost-zerbroeselt-wie-politik-wissenschaft-und-experten-versagen_id_3943248.html

    Tja, komisch das die Leser der ganzen Medien das, sofern sie nicht gleich wegzensiert wurden, vorhergesehen und auch kundgetan haben. Nur hat man die für zu dumm gehalten um das ganze zu verstehen, nun stehen die Medien vor dem Scherbenhaufen iherer parteiiischen Medienpolitik und haben als Kaollateralschaden ihre eigene Glaubwürdigkeit über Bord geworfen.
    Schon komisch das die Leser der Medien besser abschätzen konnten was sich dort abspielt als unsere hochbezahlten Geheimdienste, die mal wider voll versagt haben mit ihren Prognosen (kann sich noch jemand an unseren Geheimdienstchef erinnern, als er in der Presse verkündete Assad werde in wenigen Tagen fallen ?).

    1. roflroflrofl

      Das ist bloß der Zionist Wolffsohn, diesmal noch eine Spur zynischer als sonst, aber er spielt eine klassische Hasbara-Karte: die arabische Welt ist das Konflikt-Problem, nicht das aggressiv-landräuberische Apartheidregime von Israel.

      Was Israel, Wolffsohn und die Zionisten dabei regelmäßig verschweigen, ist dass Israel und die zionistische Lobby in den USA und anderen NATO-Staaten die führende Rolle dabei spielen, Konflikte in der arabischen Welt anzuheizen.

      Konkret: Wenn der Zionist Wolffsohn nun fehlende Stabilität in Syrien und Irak beklagt, dann verschweigt er, dass es an führender Stelle Zionisten waren, die den – natürlich mit totaler Destabilisierung einhergehenden – US-Angriffskrieg gegen Irak vorangetrieben haben, und dass es Zionisten waren und sind, die den destabilisierenden Terrorkrieg gegen Syrien und Irak vorantreiben, um die iran-freundlichen Regeirungen von Assad und Maliki zu stürzen.

  3. biersauer

    Brezinski ist kein Zionist, sondern polnisch-stämmiger Russenhasser und US-Imperialist, und er liegt mit der Israel-Lobby völlig über Kreuz, eben weil er meint, die amerikanischen Kriege für Israel im nahen Osten schaden der globalen Macht der USA. Brezinski will lieber, dass die USA strategische Kriege gegen russische und chinesische Interessen führen, etwa in der Ukraine,

    Allerdings haben Israelis die Technik des grünen Gürtels auch gezielt eingesetzt, und zwar konkret hat Israel, wie das etwa Uri Avnery erzählt, die Entstehung der palästinensischen islamischen Bewegung, aus der Hamas hervorgegangen ist, bewusst toleriert, um so die sekuläre PLO zu schwächen.

    Und ein paar Jahre später dann, als die USA meinte, der kalte Krieg gegen die Sowjetunion sei gewonnen, erdreistete sich die gleiche US-Bande, die unter Muslimen zuvor jahrelang US-finanzierte Jihadpropaganda basierend auf der saudischen Ideologie verbreitet hatte, Stimmung gegen Muslime zu machen, sogar zu einem Kampf der Kulturen aufzurufen, mit der fadenscheinigen Begründung, Muslime seien extremistisch und radikal. Und die Israelis haben in Bezug auf die Hamas, die selbst zur Schwächung der PLO groß werden lassen haben, genau dasselbe gemacht.

    Das Verhalten der „westlichen Wertegemeinschaft“, erst Muslime zu aggressivem Jihad gegen Ungläubige anzustacheln, und sich dann über aggressive Muslime zu beklagen, ist selbst für die niedrigen moralischen Standards der „westlichen Wertegemeinschaft“ bemerkenswert zynisch.

    1. g_h

      Danke. Dieses Buch war dem Parteibuch bisher entgangen und scheint ein Vollterffer zu sein. Da gibt es also jemanden, der sich mit dem Thema „grüner Gürtel“ schon mal intensiv auseinandergesetzt hat. Und es gibt sogar eine Wikipedia-Seite zu dem Buch:

      http://en.wikipedia.org/wiki/Devil%27s_Game

  4. Hallo,

    „eine breit angelegte Strategie der gezielten Unterstützung eines grünen Gürtels radikal-islamischer Bewegungen als Waffe im Kampf gegen die ungläubigen Kommunisten der Sowjetunion verfolgten, gibt es bislang keine offiziellen Dokumente“

    Aber es gibt doch Aussagen von Brzezinski wie diese hier…

    „Das Internet-Archiv der französischen Wochenzeitung „Le Nouvel Observateur“ erfreut sich derzeit starken Zuspruchs…….Brzezinski bestätigte in diesem Interview das im Januar 1998 erschien, die Angabe des ehemaligen CIA-Direktors Robert Gates, US-amerikanische Geheimdienste hätten bereits sechs Monate vor dem Einmarsch sowjetischer Truppen am 24. Dezember 1979 die oppositionellen Mudshaheddin in Afghanistan unterstützt. Brzezinski wörtlich: „Tatsächlich hat Präsident Carter am 3. Juli 1979 die erste Direktive zur Unterstützung der Opposition gegen das prosowjetische Regime in Kabul unterzeichnet. Und am gleichen Tag habe ich dem Präsidenten eine Note geschrieben, in der ich ihm erklärte, dass dies meiner Ansicht nach eine militärische Intervention der Sowjets nach sich ziehen würde.“ Auf die Frage des Interviewers Vincent Jauvert, ob die USA einen Kriegseintritt der Sowjetunion provozieren wollten, entgegnete der Präsidentenberater, man habe „die Russen nicht gedrängt zu intervenieren, aber wir haben wissentlich die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass sie es tun.“……..Am Tage des sowjetischen Grenzübertritts habe er an Carter geschrieben: „Wir haben jetzt die Gelegenheit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu geben.“

    Das beweist doch ganz klar die US-Amerikanische Urheberschaft.

    Und Geschichte wiederholt sich…..damals Afghanistan/Sowjetunion…..heute Ukraine/Russland….

    Gruß Pitt

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