Erdogan gewinnt Kommunalwahlen und ruft eine „neue Türkei“ aus

Die türkische Regierungspartei AKP hat bei den Kommunalwahlen in der Türkei weit über 40% der Stimmen landesweit errungen, damit im Vergleich zu den letzten Kommunalwahlen 2009 mehrere Prozentpunkte hinzugewonnen, ihre Bürgermeisterposten in der Megapolis Istanbul und in der Hauptstadt Ankara erfolgreich verteidigt und außerdem die große und wichtige Provinz Antalya hinzugewonnen.

Angesichts dessen, dass die Opposition diese Wahl nutzen wollte, um den türkischen Regierungschef Erdogan aus der Politik zu drängen, und Erdogan sich im Gegenzug heftig in den Istanbuler Wahlkampf gehängt und erklärt hat, sollte die AKP die Wahl verlieren, werde er sich aus der Politik zurückziehen, bleibt angesichts des guten Ergebnisses für die AKP kein Zweifel, wer der große Gewinner der Wahl ist: Recep Tayyip Erdogan.

Die westlich-zionistische Propaganda ist entsetzt. Die CIA-nahe Presse schrieb von einer Überraschung, die „deutsche Welle“ bezeichnete den Wahlausgang als schockierende Ergebnisse und Bertelsmanns N-TV nannte das Wahlergebnis ein Desaster. Inzwischen nennt Bertelsmanns zionistischer Haussender N-TV Erdogan einen „Westentaschen-Putin der Türkei, der eine despotische Dreistigkeit nach der anderen wagt,“ und die ebenso strikt zionistische Springerpresse beschimpft Erdogan als „Web-Despoten.“

Das sind die gleichen zionistischen Medien, die Erdogan und die AKP vor Kurzem noch als Vorbild für einen „moderaten Islam“ in der „arabischen Welt“ in höchste Himmel gelobt haben. Was ist da los? Lehnen die westlichen Medien plötzlich den auch von Erdogan vorangetriebenen Terrorkrieg gegen Syrien ab, den sie zuvor mit Säcken voll mit Lügen verlangt und vorangetrieben hatten? Vor der Betrachtung dieser Frage, lassen wir zunächst Erdogan selbst zu Wort kommen. Nachdem die Auszählung der Stimmen am späten Sonntag Abend soweit fortgeschritten war, dass das Ergebnis in Istanbul eindeutig und der Trend im Land klar war, trat Erdogan vor die Parteizentrale der AKP in Ankara und verkündete der dort wartenden Menschenmenge den Sieg:

… „Ich danke allen, die in der ganzen Welt für unseren Sieg gebetet haben.“ … „Natürlich gebürt dem Volk der größte Dank. Ihr habt den Unabhängigkeitskampf für eine neue Türkei geschützt. Ihr habt Euren Ministerpräsidenten unterstützt, ich danke Euch unendlich.“ … „Das Volk hat gesprochen: Sie sagten, wir sind hier. Die aufmontierte Politik hat verloren. Der Status Quo hat heute einen schweren Schlag erhalten. Dreckige Beziehungen und Gängelung haben verloren.“ … „Oh, Pennsylvania, oh, Medien die ihr sie von hier unterstützt, oh, Hauptstadt, die ihr sie unterstützt habt, habt ihr Euch nicht gegen die Demokratie positioniert?“ … „Ich habe seit Monaten gesagt, dass wir ihre Schlupfwinkel erstürmen werden.“ … „Sie werden dafür bezahlen.“ … „Niemand sollte ärgerlich sein. 77 Millionen Menschen sollten wissen, dass die neue Türkei heute gewonnen hat. Dies ist der Hochzeitstag der neuen Türkei.“

Was könnte Erdogan mit dem „Unabhängigkeitskampf für eine neue Türkei“ meinen? Dazu lohnt es sich, einen Blick in die Geschichte zu werfen.

Nach der Auflösung des islamischen ottomanischen Reiches im Zuge des ersten Weltkrieges wurde die moderne Türkei im Rahmen von Bestrebungen zur erzwungenen Verwestlichung des Landes als streng säkularer Staat gegründet. Nachdem zweiten Weltkrieg wurde die Türkei in die NATO eingeliedert. Da war die Türkei zwar formal eine säkulare und selbständige Demokratie, doch de facto hatten US-geführte Militärs und damit die USA das letzte Wort im Staat. Erwiesen sich die Ergebnisse der demokratischen Prozesse als zu links oder passten den US-geführten Militärs die Ergebnisse der türkischen Demokratie sonstwie nicht, putschten sie und brachten das Land mit brachialer Gewalt wieder auf den bei der Gründung der modernen Türkei eingeschlagenen säkular-demokratischen und westlich-liberalen Pfad, auf dem die US-Herrscher des Land sehen wollten.

In der zweiten Hälfte der 70er Jahre, also mitten im kalten Krieg, änderten die US-Herrscher ihre Meinung darüber, wie pro-westliche Staaten im islamischen Kulturkreis organisiert sein sollen. Fortan galt Säkularismus den USA als linke Vorstufe zum Kommunismus und Religiosität betrachteten sie als approbate ideologische Waffe im Kampf gegen die Sowjetunion. An der islamisch geprägten südlichen Flanke der Sowjetunion bemühten sich die USA deshalb darum, durch die Re-Islamisierung von Gesellschaft und Politik einen „grünen Gürtel“ gegen die Sowjetunion zu ziehen, so etwa in Afghanistan, in Pakistan, in Iran und in der Türkei. Während das Einfliegen von des islamischen Geistlichen Ruhollah Khomeini aus dem NATO-Staat Frankreich in den Iran aus US-Sicht ein strategischer Flop war und die Wahhabisierung von Afghanistan und Pakistan überraschenderweise nicht nur die gewünschten Resultate hervorbrachte, gefielen den US-Herrschern die Zwischenergebnisse ihres CIA-geführten verdeckten Projektes zur Re-Islamisierung der Türkei so gut, dass dieses Projekt auch nach der Auflösung der Sowjetunion mit Begeisterung fortsetzten und unter anderem zum Angriff auf den russischen Einfluss in den rohstoffreichen früheren Sowjetrepubliken Zentralasiens und im Kaukasus, zur Aufspaltung von Jugoslawien, zum Hereinbringen von Albanien in die NATO, zur Unterstützung der Destabilisierung von Westchina sowie, was gegenwärtig besonders aktuell ist, zum Versuch der Eleminierung von iranischem Einfluss in Syrien einsetzten.

Das Projekt der Ausdehnung des Einflussgebietes des US-geführten NATO-Empires über das Vehikel der vom US-Bundesstaat Pennsylvania aus geführten islamischen Bewegung des NATO-Staates Türkei nach Zentralasien, in den Kaukasus, nach Jugoslawien und in die arabische Welt war aus Sicht der US-Herrscher eine der großen geostrategischen Erfolgsgeschichten der Jahrzehnte nach dem kalten Krieg. Dafür ließen die USA und ihr Propaganda-Apparat der re-islamisierten Türkei einige populäre Dinge durchgehen, die anderswo oder unter anderen Umständen für schärfsten Widerspruch, Dämonisierung und Rufe nach Konsequenzen und Sanktionen gesorgt hätten: so etwa die Nichtbeteiligung der Türkei am Angriffskrieg auf den Irak 2003, die Einführung von Freihandel und Visa-Freiheit mit Syrien, die mit blühendem Handel einhergehenden guten Beziehungen der Türkei zum Iran und die scharfe Kritik Erdogans am israelischen Massaker in Gaza 2009. Dieses türkische Verhalten hatte auch für das US-Empire Vorteile. Der türkische Widerspruch gegen die israelische und westliche Aggressionspolitik sorgte dafür, dass das Ansehen von Erdogan bei einfachen Leuten auf der Straße wuchs, und da die Türkei NATO-Mitglied ist, wuchs mit Erdogans Ansehen indirekt auch der Einfluss des US-geführten NATO-Empires. Die Herabsetzung des türkischen Botschafters durch Israel und die Protestaktion mit der Mavi Marmara lassen sich nicht nur als mutiger türkischer Widerspruch gegen die Politik des Apartheidstaates Israel begreifen, sondern auch als gezielte Maßnahmen zur Steigerung der Popularität des NATO-Staates Türkei bei den einfachen Menschen in der arabischen Welt, was indirekt einen größeren Einfluss des NATO-Empires auf langjährige Gegner Israels bedeutete.

Beim von den NATO- und GCC-Staaten sowie Israel vorangetriebenen Projekt „Regime Change in Syrien“ sah es zunächst so aus, dass die Türkei einmal mehr als erfolgreiche Speerspitze zur Expansion des US-Empires funktionieren würde. US-Präsident Barack Obama und der türkische Ministerpräsident Erdogan waren beim Terrorkrieg gegen Syrien zunächst ein Herz und eine Seele. Obama verkündete im Sommer 2011, der syrische Präsident Assad müsse abtreten, und Erdogan nannte Assad, mit dem er sich wenige Jahre zuvor verbrüdert hatte, einen Hitler. Der türkische Geheimdienst MIT unterstützte dazu Terroristen in Syrien, die für Flüchtlingsströme aus Syrien in die Türkei sorgten, und die Türkei richtete in der Türkei Flüchtlingslager für Syrer ein, die sie systematisch dazu nutzte, weitere Terroristen und Kämpfer gegen die syrische Regierung aus den syrischen Flüchtlingen zu rekrutieren. Brücken zur syrischen Regierung riss die Türkei hingegen ab. Die türkische Regierung setzte, angespornt auch von den Medien der von Pennsylvania geführten Gülen-Sekte, voll und ganz darauf, dass der Regime Change in Syrien mit Unterstützung der NATO genauso wie in Libyen gelingen würde, die Türkei damit ihr Einflussgebiet im Süden drastisch ausdehnen und innerhalb von zehn Jahren zu den zehn wirtschaftlich stärksten Staaten der Welt gehören würde und nahm deshalb auch vorübergehende wirtschaftliche Nachteile im Süden der Türkei durch den selbst gemeinsam mit anderen NATO-Staaten, GCC-Partnern und Israel geschürten Konflikt mit Syrien bewusst in Kauf.

Anders als vorherige Regime Change Operationen wie die in Libyen lief der Angriffskrieg gegen Syrien jedoch nicht wie geplant. Im UN-Sicherheitsrat vereitelte ein russisch-chinesisches Doppelveto jeden Versuch, dem geplanten NATO-Angriffskrieg Legitimation zu verleihen, aufgrund der modernen syrischen Luft- und Küstenverteidigung und der entschlossenen iranischen, russischen und chinesischen Unterstützung für Syrien fürchteten die USA sich, Luftangriffe gegen Syrien ohne UN-Mandat wie gegen Jugoslawien und Irak zu fliegen, und stattdessen beschlossen die NATO-Staaten Ende 2011, umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Syrien und Iran zu verhängen, und so zu versuchen, Syrien erstmal weiter zu schwächen. Mit den Wirtschaftssanktionen gegen Syrien und Iran wurde natürlich insbesondere auch die Türkei getroffen, die als direkter Nachbar des Iran vergleichsweise enge Wirtschaftsbeziehungen zum Iran hat. Natürlich erhielt die Türkei, deren Wirtschaft durch den Terrorkrieg gegen Syrien ohnehin schon in Mitleidenschaft gezogen worden war und deren Finanzhaushalt durch die Kosten für die Versorgung syrischer Flüchtlinge belastet war, dafür von den NATO-Staaten keinen Ausgleich. Syrien gelang es unterdessen dank massiver iranischer, russischer und chinesischer Hilfe, die finanziellen Schwierigkeiten zu meistern, seinen Soldaten und anderen Staatsbediensteten weiterhin Gehalt zu zahlen, Basisfunktionen zur Versorgung der Bevölkerung aufrecht zu erhalten und die Wechselkurse des syrischen Geldes zu stabilisieren. Die türkische Regierung hat derweil versucht, die negativen wirtschlichen Konsequenzen für die Türkei dadurch abzufedern, dass sie die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran und zu Russland westlichen Isolationsbemühungen zum Trotz auszubauen versuchte.

Im Laufe des Jahres 2012 agierte die Türkei weiter als Speerspitze der NATO im Terrorkrieg gegen Syrien. Die Türkei trainierte, bewaffnete und beherrbergte im Jahr 2012 die meisten der Kämpfer, die in den Terrorkrieg zum Sturz der syrischen Regierung zogen, und auch die große Sommeroffensive, bei der ein großer Teil von Aleppo erobert wurde, ging von der Türkei aus. Die Türkei wähnte sich dabei in dem Glauben, dass massive Luftunterstützung durch die NATO später, nach den US-Wahlen, kommen würde, und ihren Schützlinge der Türkei den Krieg gegen Syrien so, auch wenn sie sich anfangs schwertaten, letztlich gewinnen würden. Doch Anfang 2013 wurde immer deutlicher, dass die Position des syrischen Präsidenten Assad nicht schlechter wurde, sondern sich wieder festigte, und der syrischen Armee strategisch wichtige Siege gelangen, die einen Sieg der von der Türkei und ihren Partnern unterstützten Kräfte im Krieg gegen Syrien zunehmend unwahrscheinlich machten. Und die erwartete Luftunterstützung durch die USA und die NATO blieb aus. Die USA setzten obendrein die von der Türkei und ihren Partnern in Katar und Israel im Kampf gegen Syrien unterstützte Organisation „Nusra Front“ auf die Terrorliste. Die Türkei wurde von NATO-Staten also dazu ermuntert, sich beim gemeinsamen verbrecherischen Angriffskrieg gegen Syrien als Brecher in den Wind zu stellen und voranzuschreiten, doch dann erklärten die USA und die europäischen NATO-Staaten sinngemäß, sie fürchteten sich vor der Unterstützung Syriens durch iranisches und russisches Militär und ließen die Türkei mit den politischen und wirtschaftlichen Kosten der gemeinsamen Aggression gegen Syrien ziemlich allein im Regen stehen. Und obwohl die Türkei sich so intensiv für den von den NATO-Staaten gewollten Regime Change in Syrien einsetzte, wurde die Türkei nichtmal mit einem schnelleren Vorankommen beim mittlerweile rund 50 Jahre andauernden Prozess in Richtung einer EU-Vollmitgliedschaft belohnt.

So ist es nachvollziehbar, dass sich in der türkischen Führung Anfang 2013 Frustration breitmachte. Als Erdogan Ende Januar 2013 gefragt wurde, wie es um den Beitrittsprozess zur EU stehe, antwortete er, er habe Putin gefragt, ob die Türkei nicht Mitglied der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) werden könne. Die Türkei würde dann ihr Ansinnen, der EU beitreten zu wollen, aufgeben. Auf eine Nachfrage ein paar Tage später, ob das ernst gemein gewesen sei, antwortete Erdogan singemäß, ja, natürlich, die Türkei suche starke Partner und die SCO sei besser und viel stärker als die schwächliche EU.

Die westlichen Medien erweckten nicht den Eindruck, als würden die USA und die EU das ernst nehmen. Schließlich läuft der meiste Handel der Türkei mit der EU. Und außerdem ist die SCO kein Handelsbündnis, sondern eine Sicherheitsorganisation, die eher mit dem Militärbündnis NATO als mit der EU vergleichbar ist. Da aber das türkische Militär mit NATO-Waffen, etwa US-Kampfflugzeugen, ausgestattet ist, und die türkische Industrie die Fähigkeit nicht besitzt, komplexe Waffen wie etwa Kampfflugzeuge zu entwickeln, die komplexe US-Waffen ersetzen könnten, wäre ein NATO-Austritt der Türkei ohnehin unmöglich, womit die Türkei auf den westlichen Pfad festgenagelt ist, so die westlichen Überlegungen.

Und dementsprechend scherte sich der Westen in den Folgemonaten keinen Deut um die türkische Frustration, die in der Lobpreisung Erdogans für die SCO zum Ausdruck kam. Während die syrische Armee in der ersten Jahreshälfte 2013 im Kampf gegen die von der Türkei und ihren Partnern unterstützten Anti-Regierungskämpfer in Syrien einen großen Erfolg nach dem Anderen erzielte, organisierten Saudis und Israel mit stiller westlicher Billigung oder offener Unterstützung in Ägypten und in Katar Regime Changes gegen die Muslimbruderschaft, die der türkischen Regierung überhaupt nicht gefielen, und die auch den gemeinsamen Terrorkrieg gegen Syrien nicht gerade beflügelten. Israel ließ es sich zudem nicht nehmen, Syrien mit der israelischen Luftwaffe zu bombardieren, wodurch sehr zum Verdruß der türkischen Regierung unmissverständlich offengelegt wurde, dass die Türkei sich beim Krieg gegen Syrien defacto in einer Allianz mit dem in der arabischen Welt und in der Türkei äußerst unpopulären israelischen Apartheidregime befindet. Die Krönung all dessen war, dass die westlich-zionistische Propagandamaschine der türkischen Regierung bei ihren gemeinsamen Kriegsbemühungen gegen Syrien massiv in den Rücken fiel, indem sie im Sommer 2011 Anti-Regierungsproteste in der Türkei unterstützte, wobei auch die im türkischen Staat und in der Regierungspartei AKP verankerte US-geführte Gülen-Sekte mit ihren einflussreichen Propagandakanälen die Proteste gegen die türkische Regierung unterstützte. Kommentatoren in Medien der Gülen-Sekte verbreiteten dazu die Botschaft, die Proteste seien ein Warnschuss für Erdogan, der doch besser hören möge, was die Menschen in der Türkei wollen, wobei Erdogan klar gewesen sein dürfte, dass das eine Drohung gegen ihn war: entweder wird er den USA und Israel beflissen gehorchen, oder die USA und ihre Einflussagenten in der Türkei werden ihn mit einer „Bunten Revolution“ und anderen Mitteln fertig machen.

Aber Erdogan ordnete sich den USA und ihren Einfluss-Agenten der Gülen-Sekte nicht unter, sondern ging stattdessen zum Gegenangriff über. Nachdem die USA auf einen sorgsam geplanten und ausgeführten False-Flag-Chemiewaffenangriff bei Damaskus im August 2013 nicht wie von der Türkei und ihren Kriegspartnern dringend gewünscht, Syrien bombardierten, sondern den syrischen Präsidenten Assad zum Partner bei der Entsorgung der syrischen Chemiewaffen machten, hat Erdogan im September 2013 zum Entsetzen der USA und der NATO die unter US-Sanktionen stehende chinesische Firma CPMIEC zum vorläufigen Gewinner einer türkischen Aussschreibung für ein mehrere Milliarden Dollar schweres Luftabwehrsystem ausgewählt. Damit waren Erdogans Worte vom erwünschten türkischen Beitritt zur SCO keine lose Rhetorik zur Verbesserung der Verhandlungsposition gegenüber der EU mehr. Mit der Auswahl eines chinesischen Lieferanten für das milliardenschwere Luftabwehrsystem ist Erdogan einen tatsächlichen Schritt gegangen, der zum Austritt der Türkei aus der NATO und zum Eintritt in die SCO als unabhängiger und ungebundener Staat notwendig wäre. Im November 2013 wiederholte Erdogan dazu passend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Russlands Präsident Putin, dass die Türkei wirklich und ernsthaft wünsche, der SCO beizutreten und den Versuch eines EU-Beitritts dafür aufgeben würde.

Im Dezember 2013 kündigte die Regierung Erdogan außerdem an, der US-gesteuerten Gülen-Sekte die Kontrolle über ihre Nachhilfeschulen in der Türkei zu entziehen, um so der Gülen-Sekte die Basis für die Rekrutierung ihres Nachwuchses in der Türkei zu entziehen.

Die Agenten der US-geführten Gülen-Sekte und die zionistische US-geführte Propaganda-Maschine der westlichen Welt führten bald darauf einen massiven Angriff gegen Erdogan und seine Regierung durch, indem zur Gülen-Sekte gehörende türkische Staatsbedienstete Korruptionsermittlungen gegen Erdogan und seinen engsten Zirkel an Vertrauten durchführten und die Ermittlungen medienwirksam inszenierten. Die Botschaft der Gülen-Medien dazu lautete, dass Erdogan nun weg müsse, er besser sofort gehen solle, da Erdogan, spätestens wenn die AKP die Kommunalwahlen am 30. März haushoch verliere, wie das aufgrund der schockierenden US-gestützten Enthüllungen über Erdogan unausweichlich sei, sowieso abtreteten müsse. Nahezu täglich wurden seitdem auf US-Webseiten wie Twitter und Youtube abgehörte neue Skandale geleakt, die offensichtlich auf Abhörmaßnahmen der NSA oder ähnlicher US-geführter Geheimdienste basieren, und die westliche Propaganda-Maschine schwieg diese Dinge nicht tot, wie sie es sonst bei Verbündeten macht, sondern lieferte hämoische Kommentare dazu.

Es gibt keine Frage, dass die USA im Team mit Israel, anderen westlichen Regierungen und der Gülen-Sekte sehr viel Aufwand betrieben, um der AKP bei den Kommunalwahlen eine herbe Niederlage zu bereiten und über diesen Weg Erdogan zu entmachten. Doch Erdogan nahm die Herausforderung an und erklärte auch von sich aus die Kommunalwahlen am 30. März zu einem Plebiszit über ihn und setzte mit einem engagierten Wahlkampf und nationalistischer und populistischer Rhetorik über die rechte Außenbahn Alles daran, dass die AKP die Wahlen unter seiner Führung nicht verliert, sondern gewinnt. Außerdem reiste Erdogan in den Iran, versuchte dort ein Einvernehmen bezüglich Syrien zu erzielen und suchte dort sicherlich auch Unterstützung für seine Auseinandersetzung mit den USA und ihren Agenten. Kommentare in russischen und in iranischen Medien machen deutlich, dass es in Russland und Iran genau registriert wurde, dass Erdogan sich nun in einer scharfen Auseinandersetzung mit den USA befinden.

Und nun hat die AKP unter Führung von Erdogan die Wahl klar gewonnen. Anders als westliche Staatsführer haben Russland und Iran Erdogan umgehend zum Wahlsieg gratuliert. Die Wahl war genauso schmutzig wie der Wahlkampf und die Opposition beklagt sich darüber nun etwas, doch letztlich gibt es, wie der Absturz der Kurse von Gülen-Firmen nach der Wahl zeigt, am klaren Sieg Erdogans in dieser Schicksalswahl keinen ernsthaften Zweifel.

Mit dem Wahlsieg hat Erdogan das Mandat der Bevölkerung, gegen den Einfluss der US-geführten Gülen-Sekte vorzugehen. Und da Erdogan diese Absicht auch direkt nach seiner Wahl noch einmal bekräftigt hat, darf davon ausgegangen werden, dass Erdogan dafür sorgt, dass das nun auch blad und gründlich geschieht. Das ist aber vermutlich nicht Alles. Wie Erdogan nach seinem Wahlsieg verkündete, sieht er die Türkei nun in einem Kampf um Unabhängigkeit. Das könnte bedeuten, dass er den Kampf zur Eleminierung des bestimmenden Einflusses der unpopulären USA und der zionistischen Seilschaften in der Türkei viel breiter sieht als nur als Kampf gegen die CIA-nahe Gülensekte. Logischer Endpunkt des Kampfes um Unabhängigkeit von den USA wäre der Austritt der Türkei aus der NATO.

Für einen Kurs in Richtung NATO-Austritt der Türkei sind bereits wichtige Weichen gestellt worden. Damit, dass Erdogan vor der Schicksalswahl mehrfach öffentlich und ernsthaft erklärt hat, er beabsichtige die Türkei anstatt in die EU in die SCO zu führen, und die AKP nun nach diesen Absichtserklärungen unter seiner Führung die Wahl gewonnen hat, kann Erdogan sich nun bei der Einleitung entsprechender politischen Richtungsentscheidungen darauf berufen, dass er für einen zum Beitritt in die SCO notwendigen NATO-Austritt der Türkei ein Mandat des türkischen Volkes hat. Damit, dass der türkische Außenminister Davutoglu die drei Tage vor der Wahl zu Wahlbeeinflussungszwecken veröffentlichte Gesprächsaufzeichnung, von der weithin angenommen wird, dass die USA hinter dem Leak stecken, eine „Kriegserklärung gegen die Türkei“ nannte, steht auch schon ein Ereignis bereit, dass als möglicher Anlass für zunächst einmal für eine drastische Reduzierung der türkischen Beziehungen zu den USA oder direkt für einen NATO-Austritt der Türkei herhalten könnte. Es wäre für Erdogan kein Problem, zu einem Zeitpunkt seiner Wahl Ermittlungen zum Ursprung des Leaks aus der Tasche zu ziehen, und dann der Öffentlichkeit zu erklären, dass sich wie erwartet herausgestellt hat, dass die USA hinter dem als Kriegsakt gegen die Türkei betrachteten Leak stecken, und die Türkei deshalb nicht mehr Mitglied in einem US-geführten Militärbündnis, sprich der NATO, sein kann.

Es ist zwar noch unklar, ob Erdogan und die „neue Türkei“ den ganzen Weg des als Unabhängigkeitskampf bezeichneten Konfliktes mit den USA tatsächlich bis zum logischen Ende des türkischen NATO-Austrittes gehen werden. Aber denkbar ist so ein Szenario nun durchaus, und wenn Erdogan das wirklich durchziehen will, dann gibt es, abgesehen vielleicht vom Versuch, ihn wie Turgut Özal physisch zu liquidieren, wenig, was die USA und die NATO dagegen nach dem überzeugenden Wahlsieg Erdogans noch tun könnten. Genau das dürfte der tatsächliche Grund für die hysterischen Reaktionen der westlich-zionistischen Propaganda auf den Wahlsieg Erdogans sein. Wenn die von Erdogan geführte islamische Bewegung die Türkei zum Austritt aus der NATO führt, wäre das ein derber Rückschlag für die Expansionsbemühungen der USA und der NATO. Der Fall wäre hingegen nicht gänzlich ohne Beispiel: 1979 hat ebenfalls eine zumindest teilweise von den USA unterstützte islamische Bewegung den bis dahin treuen US-Verbündeten Iran in einen der standhaftesten Gegner der USA transformiert.

Ein wichtiger Schlüssel, der als Anhaltspunkt dafür dienen kann, wie ernst es Erdogan mit der Unabhängigkeit der Türkei von den Agenten der von Zionisten dominierten USA ist, dürfte die endgültige Auftragsvergabe für das Luftabwehrsystem sein. Die USA drohen, wie ein nach der Wahl veröffentlichter Artikel darlegt, im Fall der tatsächlichen Auftragsvergabe nach China bereits jetzt massiv mit Sanktionen gegen die Türkei, und von Zionisten beherrschte Banken boykottieren die potentielle türkische Partnerfirma der Chinesen bei dem Deal schon in vorauseinlendem Gehorsam. Wenn Erdogan den Weg in Richtung NATO-Austritt gehen will, dann könnte Erdogan den Deal trotz der US-Sanktionsdrohungen finalisieren, und die dann möglicherweise kommenden US-Sanktionen als weiteres Argument dafür nutzen, dass die Türkei in der SCO besser als in der NATO aufgehoben wäre.

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10 Gedanken zu “Erdogan gewinnt Kommunalwahlen und ruft eine „neue Türkei“ aus

  1. Was sagst du zu der Planung der Türkei (Erdogans) Syrien in einen Krieg zu verwickeln durch Provaktion??

    1. Die Türkei hat schon mehrfach mit falschen Angaben versucht, die NATO zu einen umfangreicheren Krieg gegen Syrien zu bewegen, so z.B.:

      nach dem Abschuss der türkischen Phantom in syrischem Luftraum im Frühjahr 2012
      nach dem EInschlagen von NATO-Granaten in der Türkei im Oktober 2012
      nach dem Giftgas-False-Flag in Damaskus im August 2013.

      False-Flag-Attentate sind beim Krieg gegen Syrien aber nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Der ganze Terrorkrieg der zionistisch-wahhabitischen NATO-Allianz gegen Syrien basiert auf False-Flag Terror, systematischen Lügen zur Verkehrung von Opfern und Tätern in der westlichen Propaganda und einer Massaker-Marketing-Strategie der vom Westen, der Türkei, Israel und den GCC-Diktaturen unterstützten Terroristen.

      Neu ist bloß, dass die westliche Terror-Allianz einen Beweis für den alltäglichen False-Flag-Terror gegen Syrien nun aufdeckt, um damit einem Staatsführer der eigenen NATO-Terror-Allianz im Wahlkampf zu schaden.

      Man stelle sich das mal andersherum vor und versuche sich vorzustellen, wie die USA reagieren würden, wenn die Türkei heimlich mitgeschnittene Beweise für den allgegenwärtigen False-Flag-Terror der USA im US-Wahlkampf veröffentlicht, um damit dem US-Präsidenten zu schaden.

      Der Grund für das Aufdecken des Skandals ist sicher nicht, dass die USA False-Flag-Terror plötzlich ablehnen, sondern dass die USA Erdogan absägen wollen, weil Erdogan die Türkei nach der informell zugesagten, aber ausgebliebenen massiven NATO-Unterstützung für den Krieg gegen Syrien mit der Auftragserteilung für ein chinesisches Luftabwehrsystem auf einen Kurs in Richtung NATO-Austritt steuert. Sollte Erdogan die Türkei weiter in Richtung NATO-Austritt steuern, werden die USA das sicher durch die Veröffentlichung von noch jede Menge weiterer schmutziger Geschichten zu verhindern suchen.

  2. Wenn Erdogan eine Politik im oben beschriebenen Sinne wirklich vorhätte, wäre es natürlich schizophren, die Pläne des Westens bezüglich Syrien durchzuführen und anzuführen.
    Da passt etwas ganz und gar nicht zusammen. Erdogan unterstützt die sunnitischen Killerbanden, die Kopfabschneider , die hier leider schon zu oft irgendwie sehr geschont werden.

    Sind hier vielleicht sunnitische Kopfabschneider-Sympatisanten anwesend ????

    Wie in den Mainstream-Medien veröffentlicht ihr hier meine Beiträge nicht – egal – lest es selber und denkt mal nach – falls ihr das noch könnt – ohne Allah u akbar -Geschrei in euren Schädeln ….

    1. Swedenborg

      Es stimmt, dass Erdogan halsabschneidende Terroristen in Syrien unterstützt, während die USA und die christlichen EU-Staaten im Terrorkrieg gegen Syrien lieber menschenfressende Terroristen der FSA und die nihilistischen Todesschwadrone der SRF unterstützen als jihadistische Halsabschneider.

      Manchmal sind aber Dinge nicht so wie sie auf den ersten Blick scheinen. Erdogans Besuch im Iran war erst Ende Januar. Die jüngste Terror-Attacke auf Kasab in Lattakia ist in strategischer HInsicht aus Sicht der Terror-Achse so unsinnig, dass man durchaus die Vermutung hegen kann, dass diese von der Türkei unterstützte Terrorattacke dazu dient, die unbelehrbaren Halsabschneider in eine verheerende Niederlage in strategisch unwichtigem Gebiet zu treiben und sie so unauffällig zu entsorgen. Diesbezüglich wird das zukünftige Handeln der Türkei zeigen, ob da wirklich eine Änderung der Politik der Türkei stattgefunden hat oder nicht.

      Und nicht vergessen: nicht nur Erdogan, sondern auch der Iran hegt, trotz allem, nach wie vor freundschaftliche Gefühle für die Hamas und die ägyptische Muslimbrüder. Erdogans saudische Kumpane wollen die Muslimbrüder hingegen regelrecht ausrotten.

      1. Stimme überein ! Die vom „Westen<2 unterstützten Menschnfresser sind ebenfalls Teufel und der "Westen" ist der "Oberteufel" – das meine ich wirklich so !
        Es gibt ein großes geistiges Durcheinander ! Kaum jemand findet heute noch den wahren Weg … Der "Westen" will ausschließlich den großen letzten Krieg – die Satane riskieren alles – all or nothing scheint die Devise zu sein .

        Leider haben wir Menschen auf dieser Erde keine Lobby mehr – Die Teufel werden diese Erde vielleicht vernichten …

        Grüße euch .. und macht weiter .. wir können froh und dankbar sein .. das es euch gibt … []

  3. Vielen Dank für den Artikel. Meiner Meinung nach ist er informationsmäßig wertvoller als das meiste, was man in den Publikationen der verschiedenen staatlich gesponsorten Institute wie dem SWP, der DGAP oder dem GIGA zu lesen bekommt.

  4. Super Artikel, wie ich finde. Zu den Überlegungungen bezüglich des jüngsten Terroristen-Überfalls auf Kasab und Umgebung bleibt allerdings die Frage, wie dies mit dem Abschuß der syirischen MiG-29 durch türkisches Militär zusammenpasst ebenso wie mit Berichten, denen zufolge ausländische Terroristen-Armeen massive Artillerie-Unterstürzung durch die türkische Armee erhalten haben sollen. Es gibt daher Stimmen, die sagen, Syrien befände sich nun ganz klar im Krieg mit der Türkei. Persönlich wäre es mir natürlich lieber, ErDOGhan würde tatsächlich den Schulterschluss mit Iran, Russland und China suchen. Denn hierfür müsste er nicht nur endlich die Hände Weg nehmen von Syrien, sondern auch Reparationszahlungen an den Nachbarstaat leisten.

    1. FAZ-Autor Markus Bickel hat offenbar keinen Schimmer, wovon er schreibt. Siehe dazu bloß diese Passagen hier:

      „… Gemeinsam mit dem mächtigen Führer der islamistischen, von Saudi-Arabien geförderten Ahrar-al-Scham-Miliz, Dschamal Marouf, habe Dscharba den Sturz von Idriss im Februar durchgesetzt, sagen Kämpfer, die dem abgesetzten Militärchef weiter treu ergeben sind. …“

      Und dann nochmal:

      „… Auch stimme es nicht, dass der Islamist Marouf der heimliche Führer der Oppositionsarmee sei. …“

      In Wirklichkeit gehört Jamal Marouf weder zur Ahrar-al-Scham-Miliz, noch ist er Islamist. Jamal Marouf ist Führer der betont säkularen FSA-Einheit „Front Syrischer Revolutionäre,“ die früher Märtyrer Bridage Syriens hieß.

      http://en.wikipedia.org/wiki/Syrian_Martyrs%27_Brigade

      Wer den Terrorkrieg gegen Syrien ein wenig verfolgt hat, sollte das eigentlich wissen.

      Das heißt natürlich nicht, dass Jamal Marouf nicht trotzdem mit Al Qaeda kooperiert, wie er gerade öffentlich eingeräumt hat:

      http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/i-am-not-fighting-againstalqaida-itsnot-our-problem-says-wests-last-hope-in-syria-9233424.html

      Markus Bickel hat im FAZ-Artikel oben ganz offensichtlich Namen von Terroristen und von Terroreinheiten in Syrien völlig durcheinandergebracht – ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Autor keine Ahnung hat, wovon er schreibt. Und sowas wird Leser dann vom westlichen Propaganda-Blättchen FAZ als „Qualitätsjournalismus“ vorgesetzt, für den die Konsumenten des Unfugs auch noch bezahlen sollen.

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