Tagesschau hat Neuigkeiten aus Hamididsche und Haidaridsche

Die staatliche deutsche Märchenschau vermeldet heute (Archiv) aus Syrien angebliche Geschehnisse im Homser Stadtteil Hamididsche und im Aleppiner Stadtteil Haidaridsche.

Das klingt natürlich reichlich komisch, fast so als seien die Ortsnamen russisch, aber wer die Nachrichten verfolgt, der kann leicht erahnen, dass mit Hamididsche Hamidiah und mit Haidaridsche Haidariah gemeint ist.

Selbstverständlich muss man die arabischen Namen الحميدية und الحيدرية nicht so wie oben ins Deutsche transskribieren. Man kann der Aussprache folgend auch auf deutsch auch Hamidijah, Hamidijeh oder Hamidija, Hamidije schreiben. Oder man kann, weil das Publikum dann leichter begreift, welche Orte gemeint sind, international gebräuchliche französosche oder englische Schreibweisen benutzen, also etwa Hamidiyah oder Hamidiyeh schreiben. Und für Haidaria gilt natürlich das Gleiche.

Aber wer als Journalist aus diesen arabischen Namen Hamididsche und Haidaridsche macht, also Umschriftungen wählt, die mit der Aussprache wirklich nicht im Enferntesten übereinstimmen, zeigt damit, dass er keinen Schimmer davon hat, wovon er schreibt.

Nun ist es weithin bekannt, dass die Märchenschau Märchen verbreitet und oft keinen Schimmer hat von dem, was sie da verzapft, und die grobe Verfälschung der Namen der Stadtteile ist insofern nicht weiter interessant, aber in diesem Fall ist sie interessant, weil durch den Fehler der Weg nachvollziehbar wird, den die Propaganda genommen haben zu scheint, bevor sie dem Publikum der Märchenschau ohne Quellenangabe serviert wurde.

Zu einem eindeutschten Namen wie Hamididsche kommt man, wenn man glaubt, der englische Name würde Hamidije lauten, etwa wie aus dem katarischen TV Sender, der sich selbst auf Englisch Al Jazeera nennt, bei der Tagesschau auf deutsch Al Dschasira wird. Und tatsächlich zeigt eine Suche bei Google News, dass es in der Neuen Zürcher Zeitung gerade eine Nachricht zum selben Thema gibt, wo genau der gleiche Unfug wie bei der Märchenschau serviert wird, nur dass der Ortsname Hamididsche da noch Hamidije lautete. Das könnte sie sein, die Quelle, von der die Märchenschau abgeschrieben hat, wobei der eifrige Abschreiber offenbar den eingedeutschten Namen Hamidije für noch nicht eingedeutscht gehalten und deswegen beim Versuch der Eindeutschung den Unfug Hamididsche produziert hat.

Sucht man bei Google News nach Samir al Homsi (zu deutsch etwa „Samir, der Homser“), der Quelle der Behauptung, die syrische Armee hätte den Waffenstillstand gebrochen, mit der seltsamen englischen Schreibweise Samer al-Homsy, dann findet sich derselbe Unfug, den die Märchenschau verbreitet hat, in einer Meldung der US-Propagandaschleuder AP von Diaa Hadid, wobei da der Name des Homser Stadtteiles noch Hamidiyeh lautete. Da „Samir, der Homser“ ein recht seltenes Pseudonym ist, ist anzunehmen, dass die Neue Zürcher Zeitung nicht mit jemandem gesprochen hat, der „Samir, der Homser“ genannt werden will, sondern ihre Meldung einfach bei der englischsprachigen AP-Meldung abgekupfert und dabei Hamidiyeh zu Hamidije eingedeutscht hat. So erklärt sich die Ähnlichkeit der ganzen Meldung der Neuen Zürcher Zeitung mit der von AP.

Damit erklärt sich dann der Weg, den die Propaganda genommen hat, bevor sie von der Märchenschau serviert wurde. Zuerst verbreitete die US-Propagandaschleuder AP den Quark, was von der NZZ dann übersetzt und weiterverbeitet wurde, und dann hat die Märchenschau das nochmal abgeschrieben. Durch die doppelte Eindeutschung ist zu erkennen, dass die mit reichlich Zwangsgebühren ausgestattete Märchenschau dem Publikum Meldungen, die nach dem Prinzip „Stille Post“ entstehen, als eigene Nachricht serviert.

AP fand „Samir, der Homser“ – von dem niemand weiß, ob AP ihn nicht einfach erfunden hat, als Quelle der Behauptung offenbar so peinlich, dass sie in einem Update zur Meldung, dass die zionistische Washington Post ihrem Publikum derzeit serviert, den Namen als Quelle inzwischen gelöscht und durch „Aktivisten der Opposition“ ersetzt hat.

Bei der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA gibt es die Nachricht, dass der Homser Governeur Talal al-Barazi gesagt hat, Bewaffnete hätten den Waffenstillstand durch das Abschießen von Granaten verletzt. Der syrische rote Halbmond twittert, Trucks mit Hilfe seien in Hamidiya beschossen worden. Ein Fahrer eines Hilfstrucks habe eine geringe Verletzung erlitten und zwei Hilfstrucks seien aufgrund des Beschusses beim Rückzug zurückgelassen worden, meldet der Rote Halbmond weiter. Im Klartext bedeutet das wohl, dass heute in Hamidiya ein Raubüberfall auf einen Konvoi des Roten Halbmondes geschehen ist, bei dem Terroristen in der Altstadt von Homs zwei Fahrzeuge des Roten Halbmondes erbeutet haben. Wer sich eine Vorstellung davon machen möchte, wie es in Hamidiya gerade so aussieht, bei Liveleak zum Beispiel gibt es ein paar von Terroristen heute gedrehte Videos.

Nachtrag: Sama TV: Dschungel aus Monstern

Nachtrag 2: Am Sonntag ist es Leuten in der umzingelten Altstadt von Homs offenbar gelungen, eine Absperrung der Terroristen zu durchbrechen, wodurch es am Sonntag überraschenderweise 611 Personen – teilweise unter Beschuss von Terroristen – gelang, das von Terroristen beherrschte Gebiet zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

Was hier zu sehen ist, ist eine Massenflucht, die beweist, dass die Situation in der Altstadt von Homs tatsächlich eine Geiselnahme ist.

Nachtrag Montag: Die brüchige Waffenruhe wurde verlängert und nach Angaben des Roten Halbmondes wurden soeben rund 300 weitere Personen aus der Altstadt von Homs evakuiert. Damt beträgt die Gesamtzahl der in den letzten vier Tagen aus der umzingelten Altstadt von Homs evakuierten Personen nun rund 1000.

16 Gedanken zu “Tagesschau hat Neuigkeiten aus Hamididsche und Haidaridsche

  1. RT, 8.2.14, 16:47h: 4 UN aid workers wounded in Homs ‘terrorist gunfire’ – report

    Four Syrian Arab Red Crescent workers were wounded in “terrorist gunfire” as a convoy with humanitarian aid entered the Old City of Homs, state-run Syrian Arab News Agency reported, citing Governor Talal al-Barazi. He accused an “armed terrorist group” of violating the ceasefire in the Old City as they fired mortar shells on the police command building. The three-day ceasefire was imposed on Friday. The UN is trying to deliver food, water, and medicine supplies by truck to some 3,000 civilians in rebel-held areas.

    NATO supported Terror-Snipers on SyrianRedCrescent Homs http://sana.sy/eng/337/2014/02/08/526872.htm

    MORE
    http://swampland.time.com/2014/01/30/syrian-christian-leaders-call-on-us-to-end-support-for-anti-assad-rebels ;

    http://rt.com/news/syria-camp-starve-palestinians-513 ;

  2. Rana Kabbani, die für den Guardian schreibt ruft im Internet zur Vergewaltigung von Assads Frau und seinen Kindern auf:

  3. Bei diesem Pro-Terroristen-Blog ist die blanke Panik über die begonnene Yabroud-Schlacht spürbar (Situation in Yabroud ‘catastrophic,’ four-fifths of regime forces surrounding the town are Hezbollah mercenaries: activist):

    http://yallasouriya.wordpress.com/

    Die Anhänger des Blogs geben bereits Kommentare der Sorte „The rebels have to open another battle front in that region that causes serious damage to Assad forces and makes Assad lose their prioritizes.. Keeping Assad focused on one front only has always been damaging for the rebels. Assad is going to flatten the town if the battle doesn’t go his way. So there is no way the battle would be a win for the rebels.“ ab, scheint das jetzt die Archillesferse der Al-Kaida getroffen wurde…

  4. Aus Versehen verplappert sich ein Aufständischer in unseren Medien, denen fällt das nicht auf und so wird das dann in einem Pro-Rebellen Artikel veröffentlicht:

    „Sobald es keine Zivilisten mehr gebe, könne die Armee Rebellengebiete ohne jede Einschränkung beschießen. „Sobald die Artillerie ungestört loslegen kann, ist das Ende des Widerstands nur ein Frage der Zeit“, erklärt Abu Sari.“

    Und unsere Qualitätsmedien bemerken noch nicht mal das hier menschlichr Schutzschilde unumwunden zugegeben werden….

    http://www.welt.de/politik/ausland/article124783830/Der-Tod-kommt-in-Aleppo-von-oben.html

    1. Billy

      Da wurden im Dorf Maan SANA zufolge 42 Menschen massakriert:

      http://sana.sy/eng/337/2014/02/10/527196.htm

      Antiwar meldet mindestens 40 massakrierte Menschen, darunter Frauen und Kinder, in alawitischem Dorf:

      http://news.antiwar.com/2014/02/10/syrian-rebels-kill-at-least-40-in-overrun-alawite-village/

      Hintergrund-Information vom Parteibuch:

      Ungefähr die Hälfte der ermordeten waren bewaffnete Dorfschützer.

      Dass auch Frauen, Kinder und auch Pflegebedürftige massakriert wurden, zeigt, dass hier ein Massaker aus rassistischen/sektiererischen Gründen begangen wurde. SANA lässt einen rassistischen/sektiererischen Hintergrund bei Straftaten grundsätzlich weg, weil die syrische Regierung befürchtet, dass solche Berichterstattung sektiererischen Hass anstacheln oder zu Vergeltungsaktionen oder sektierischen Tit-for-Tat-Killings führen könnte. DIe syrische Regierung will sektiererischen Hass unbedingt vermeiden, während die Aufständischen und ihre westlichen, israelischen und arabischen Unterstützer sich gezielt bemühen, sektiererischen Hass durch ihre Berichterstattung anzufachen. Israel & Co rechnen sich aus, den Krieg zu gewinnen, wenn es gelingt, ihn in einen sektiererischer Krieg zu verwandeln, weil die Mehrheit der Syrer Sunnit ist, und Bashar Assad Alawit ist. Deshalb melden Reuters und Co ständig, dass der Präsident Alawit ist und die Aufständischen größtenteils Sunniten sind. Hier hat diese Strategie von Reuters und Co Früchte getragen in Form eines rassistischen Massakers.

      Die SNC-Delegation hat das Massaker eingeräumt, und dazu erklärt, es habe sich um einen individuellen Fehler gehandelt und Exzesse könnten vorkommen.

      http://breakingnews.sy/en/article/33580.html

      Nach Informationen des Parteibuchs wurden von allen Seiten die Täter falsch benannt: die Täter gehörten unseren Informationen zufolge nicht zu Al Kaida, sondern zu den US-gestützten Kräften von Salim Idriss, die vor ein paar Tagen mit US-Training, -Unterstützung und -Waffen eine Offensive von Idlib gen Süden Richtung Hama begonnen haben, um Druck auf die syrische Delegation in Genf auszuüben.

      Dieses sektiererische Massaker in Maan gehört also zur erweiterten US-Verhandlungsstrategie in Genf. SANA scheint die Nusra Front anstelle von Idriss und den USA des Massakers beschuldigt zu haben, um die maßgeblich von Syrien gewünschten Verhandlungen in Genf trotz dieses massenmörderischen Sabotageaktes wie geplant fortsetzen zu können.

  5. Folgende Information habe ich aus Facebook rauskopiert, ob das stimmt weiss ich nicht:
    +++ EILMELDUNG +++

    Rebellen beginnen Mega-Offensive in Syrien

    Über die Türkei sind im laufe des Tages tausende Rebellen mit eigenen Panzern nach Syrien einmarschiert. Die vom Westen unterstützten Rebellen haben zuvor in einer Videobotschaft eine Offensive gegen Christen, Kurden und Alawiten angekündigt.

    http://www.youtube.com/watch?v=fT5HUcMxQQw

    1. Billy

      Die Seite, von der du das rauskopiert hast, verbreitet offensichtlich gezielt und massenhaft Unfug, ohne dss der Macher auch nur einen entfernten Schimmer davon hätte, was in Syrien wirklich vor sich geht.

      Das Video zeigt – angeblich – eine Panzerkolonne von anti-amerikanischen Terroristen, die sich vor einem Monat der Offensive der von den USA, der Türkei und Saudi Arabien unterstützten Todesschwadrone in der Provinz Idlib in den Weg gestellt.

      Bitte den Kommentarbereich hier nicht mit so einem Unfug zumüllen. Frei erfundene Propaganda gibt es schon mehr als genug.

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