Zum Machtkampf zwischen Gülen und Erdogan in der Türkei

In den letzten Tagen hat sich in der Türkei durch Korruptionsermittlungen, die vom anscheinend der Gülen-Sekte nahestehenden Ankläger Zekeriya Öz vorangetrieben wurden, eine Regierungskrise entwickelt, von der gegenwärtig noch unklar ist, ob sie Regierungschef Erdogan seinen Posten kosten oder zur Entmachtung oder gar Spaltung der Regierungspartei AKP führen wird.

Die staatliche deutsche Tagesschau verbreitete über den Hintergrund dessen gerade das Märchen, das „zunehmend autoritäre Gebaren des türkischen Ministerpräsidenten“ „sorgte für Risse in der Freundschaft“ zwischen Erdogan und dem der CIA nahestehenden und in den USA redisierenden TV-Prediger Fetullah Gülen. Noch absurder sind gar die Erklärungsmuster, die in manchen vorgeblich alternativen Publikationen gestreut werden. So wurde etwa bei Politropolis gerade als Erklärung für den Zwist zwischen Erdogan und Gülen verbreitet, „der an hohen ethischen Ansprüchen festhaltende Fetullah Gülen“ habe es Erdogan vor Allem übelgenommen, dass er versuchte, „den neuen Eliten im eigenen Land“ „mit dem Schlagstock beizukommen.“

Das ist ein schlechter Witz. In den letzten zwei Jahren war es zu beobachten, dass insbesondere die Meinungsmacher von Gülen-Blättern wie Today’s Zaman eine aggressive Außenpolitik der Türkei gegen Syrien propagiert haben, während sie gleichzeitig sauer auf Erdogans Kritik am zionistischen Regime über Palästina waren. Was Erdogan und seinen Leuten von der Propaganda-Maschine der Gülen-Sekte insbesondere vorgeworfen wird, ist eine zu gute Beziehung zum Iran. Die Propaganda-Maschine der Gülen-Sekte hat in den letzten Jahren eine noch spannungsgeladenere Politik der Türkei propagiert, die aber der von Israel vorangetriebenen Anti-Iran-Linie anstelle des Erdoganschen großtürkischen Wahns folgen sollte. Koordiniert wurde das offenbar von Gülenisten wie Ilhan Tanir, der als Fellow der besonders aggressiven zionistischen „Henry Jackson Society“ dick befreundet mit der kriegslüsternen Israel-Lobby in den USA ist.

Solange Erdogans größtürkische Expansionspolitik sich mit Israels Ziel zur Schwächung der iranischen Achse des Widerstandes deckte, waren Gülen und Erdogan in bester Eintracht bei der aggressiven Politik vereint. Gekracht hat es erst, als der Terrorkrieg gegen Syrien schief ging. Da wurde Erdogan’s Leuten vom Propaganda-Apparat der Gülen-Sekte plötzlich alles Mögliche vorgeworfen, und insbesondere mit dem Iran und iranischen Partnern wie Russland und China gemeinsame Sache zu machen, anstatt sich fest zum zionistischen Westbündnis mit der NATO zu bekennen. Erdogan hat auf den Druck der Gülen-Sekte bezüglich der von ihm verfolgten großtürksischen Schaukelpolitik reagiert, indem er vorangetrieben hat, die Nachhilfeeinrichtungen, die die Machtbasis der Gülensekte bilden, zu verstaatlichen. Das ist es, und nicht etwa Erdogan’s Reaktion auf die Gezi-Proteste, was die Gülen-Sekte so aufgebracht hat, dass sie nun die seit Jahren bekannte Korruption von einigen Erdoganisten von ihren Leuten in Staatsanwaltschaft und Polizei verfolgen lassen hat.

Menschenrechte wie Meinungssfreiheit benutzen Gülenisten zwar als Druckmittel in ihrer Propaganda, tatsächlich ist von praktizierten Menschenrechten wie Meinungsfreiheit bei der Gülen-Sekte nichts zu sehen. Der Journalist Ahmet Sik, der ein Buch darüber geschrieben hat, dass die Gülen-Bewegung zur US-geführten Politik des grünen Gürtels gehört und unter anderem dazu da ist, Zentralasien durch Islamisierung in den amerikanischen Einflussbereich zu bringen, wurde von den gleichen vorgeblichen Gülen-Saubermännern um Zekeriya Öz weggesperrt, die jetzt die Korruptionsermittlungen gegen die Erdoganisten vorangetrieben haben.

Also, zusammengefasst: natürlich gibt es Korruption bei Erdogan und seinen Leuten, und natürlich setzen Erdogan und seine Leute zur Durchsetzung ihrer Visionen eines großtürkisch geführten sunnitischen Reiches auch auf Gewalt. Das ist aber Alles längst bekannt, und mit ziemlicher Sicherheit nicht der Grund für die Korruptionsermittlungen oder den jetztigen Streit der Erdoganisten mit der Gülensekte. Wäre das der Grund hätten die Gülen-Leute diese Aktion schon viel früher gestartet. Plausibler ist, dass CIA und Mossad die Korruptionsermittlungen der Gülensekte jetzt beauftragt haben, um Erdogan an- oder abzuschießen, weil Erdogans großtürkische Sunnitenpolitik, die trotzdem auf positive Beziehungen zu Iran, Russland und China setzt, nicht mehr kompatibel mit den Interessen von Israel und den USA ist. Das sagt bloß keiner.

18 Gedanken zu “Zum Machtkampf zwischen Gülen und Erdogan in der Türkei

  1. In Syrien zeichnet sich ein weiteres Massaker an Christen ab:

    http://www.katholisches.info/2013/12/16/islam-oder-tod-islamisten-nehmen-2000-christen-als-geiseln-und-drohen-mit-erschiessung/

    Ich frage mich was die denn noch machen müssen um auch bei unseren Medien endlich als das bezeichnet zu werden was sie sind, nämlich die übelsten terroristen seit den Roten Khmer.
    Mal kutz zusammengefasst: Kannibalismus, Köpfen, lustige videos mit den Köpfen der Opfer mal auf einem Grill mal mit lustigen Videos auf denen man die Köpfe füttern möchte, Kastrationmen, Augen ausstechen, Vergewaltigungen, Kinder lebendig in Öfen verbrennen, lebendiges Verbrennen allgemein, Kastrationen, Brüste abschneiden, Babys aus Bäuchen herausschneiden, lebendig begraben, Arme und Beine abhacken und ausbluten lassen… etc…etc… hat unsere Presse nicht gestört …

  2. Sterbender Jihadie ist schön und gut.
    Um den Anschein der Menschlichkeit zu wahren, hätte ich dem einen Sanitäter bestellt.

    Sicherlich ist das Tun und Lassen immer noch besser, als ihm den Kopf abzuschneiden oder die Hose runterzulassen, wie die Alluha Akbar – Typen das zu tun pflegen.

    1. Herbert

      Da kann ich nur zustimmen. Ikhbaria sollte so etwas nicht tun und die Armee sollte so etwas nicht zulassen.

  3. Geschätzter NEP(B),
    Zur hier genannten Erdoganthematik hab ich ein Interview mit dem russischen Politologen Jewgeni Fedorow vom Juni 2013 gefunden.

    (Anmerkung der Parteibuch-Redaktion: Link ausgetauscht. Die auf einem einschlägig bekannten Blog veröffentlichte deutsche Übersetzung des Interviews mit Yevgeny Alexeyevich Fyodorov – der Mann ist kein Politologe, sondern Duma-Abgeordneter für die Regierungspartei Edinaya Rossiya – wurde in Teilen gefälscht, vom Übersetzer mit einem eigenen Spin versehen und vom Blogbetreiber in einen nicht zum Interview passenden Kontext geframt)

    Obwohl ich seit 40 Jahren politisch interessiert bin, hab ich so ne für mich hoch interessante Herangehensweise noch nie erlebt. … Vielleicht kannst Du ja einige Aussagen verarbeiten und verdeutlichen.

    (Antwort eines Parteibuch-Redakteurs: Das Interview ist sehr interessant. Yevgeny Fyodorov plaudert in dem Interview aus dem Nähkästchen darüber, wie Russland unter Putins Führung seinen Staatsapparat systematisch von amerikanischen Agenten säubert, und damit eine nationale Revolution vorbereitet. Die USA reagieren darauf mit einer Intensivierung ihrer antirussischen Lügenpropaganda, mehr Unterstützung für Terroristen in Russland, Förderung von Straßenprotesten und so fort. In Bezug auf Erdogan meine ich aber, dass Yevgeny Fyodorov falsch liegt. Fyodorov meint, die USA würden Erdogan anschießen oder absägen wollen, weil er ihren Befehl zum Angriff auf Syrien nicht ausführt. Ich meine, die USA wollen Erdogan absägen, weil er nach nationaler Unabhängigkeit für die Türkei strebt und versucht, die Macht der USA in der Türkei mit einer Schaukelpolitik, die die USA und ihre Agenten mit Iran, Russland und China balanciert, zu beschneiden. In Bezug auf Syrien haben die USA auch Kritik an Erdogan, aber nicht die, dass Erdogan Syrien nicht genug angegriffen hat, sondern die, dass Erdogan außer den US-geführten FSA-Terroristen auch außerhalb dieses Rahmen operierende wahhabitische Terroristen unterstützt und damit den Sieg der US-Proxies vereitelt.)

    1. Dass sich USAinstallierte Politiker abspalten müssen, um eigene nationale Interessen zu verfolgen kommt in dem (vielleicht falsch übersetzten) Interview auf jeden Fall raus. … Habe immer geglaubt, das alle kapitalistischen Länder irgendwie Freunde wären. EBenso neu für mich war, dass ein westlicher Regierungsknecht ausgewechselt werden muss, da nach zu langer Amtszeit er ja doch zwangsläufig gegen USAInteressen handeln muss. Ansonsten frag ich mich, wieso die ganze Truther/ Wahrheitskriegerszene so antikommunistisch und esoterisch ist ? Wieso meiden die das Wort DDR oder hetzen gegen diesen Staat ? Ja ich als armer Wessi Jugendlicher konnte vom DDR Wohlstand nur täumen. Was wollen diese Esobloediker ausser Wasser in Kraftsoff umwandeln, Shiatsu zum Weltfrieden teuer über Franchisesysteme an Unterschichtler verkaufen … den Maya Kalender interpretieren ? Nie sagen die was antikapitalistisches ? Jeder imperialistische Bonzenstaat kann von so ner pflegeleichten Opposition nur träumen.

      1. ESO-Nein-Danke

        Dieser ganze esoterische Unfug dient dazu, die tatsächliche Aufklärungsbewegung zu delegitimieren, was natürlich nicht jedem bewusst sein muss, der bei der Eso-Szene mitmischt und gleichzeitig Truther sein will.

        http://www.hintergrund.de/20091117530/hintergrund/medien/konspiration-auf-dem-kunstrasen-reframing-911.html

        Das ist vermutlich eine gezielte Maßnahme der Machthaber und mächtigen Interessengruppen, die durch den verlogenen Angriffskrieg gegen den Irak, die Weltfinanzkrise 2008 und so weiter und so fort ihre Legitimität verloren haben, die Aufklärungsbewegung zu delegitimieren, und sich dadurch als die bessere Alternative zu präsentieren. Das funktioniert auch.

        Aufklärung über Regierungsverbrechen in NATO-Staaten vermischt mit Nazi-Propaganda, Eso-Müll und überteuerten Sinnlos-Produkten? Da wenden sich die meisten Menschen lieber wieder den herkömmlichen Machthabern und ihren Massenmedien zu.

    1. sl
      Die Absicht der von Israel geführten Takfiri-Terrorachse Saudi – Frankreich – März 14, die libanesische Armee aufzurüsten, in der Erwartung, dass die libanesische Armee damit einen Krieg gegen Hisbollah startet, ist glasklar:

      http://www.presstv.ir/detail/2013/12/30/342818/ksa-aid-to-lebanon-targets-hezbollah/

      Ein kalkulierter Nebeneffekt könnte sein, dass einige der Waffen zu den in Syrien aktiven Terrorbanden der zionistisch-wahhabitischen Terrorachse weitergegeben werden.

      Es darf aber bezweifelt werden, dass der dahinter stehende zionistisch-wahhabitische Plan aufgehen wird. Hosein Mortada, ein dem anti-zionistischen Widerstand des Libanon nahestehender Journalist, meldete heute morgen:

      Wir begrüßen jede Unterstützung der libanesischen Armee, weil wir Vertrauen haben in die Führer, Offiziere und Mitglieder der nationalen Armee und die Waffe wird ein Dorn in den Augen der Feinde werden und die Magie wird sich gegen den Zauberer wenden.

      Dass die libanesische Armee ein ausgezeichnetes Verhältnis zu Hisbollah hat, ist schon der Grund dafür, dass sie fast keine US-Unterstützung bekommt. Wäre es so einfach möglich, der libanesischen Armee Waffen zu liefern, und die würde dann gegen Hisbollah kämpfen, hätte die Israel-Lobby in den USA längst dafür gesorgt, dass die USA das tun, genau wie sie es im libanesischen Bürgerkrieg versucht haben.

      Nur is es eben nicht einfach. Die libanesische Armee hat ein gutes Verhältnis zu Hisbollah, und überhaupt keine Lust gegen Hisbollah zu kämpfen. Die Achse von Hisbollah hat bei den letzten Wahlen im Libanon über 50% der Stimmen bekommen, und ganz sicher hat Hisbollah auch viele Soldaten der Armee unter ihren Wählern, Anhängern und Mitgliedern. Das war auch der Grund dafür, dass das März- 14-Regime im Mai 2008 mit einem Angriff auf Hisbollah jämmerlich gescheitert ist: die libanesische Armee hat sich schlicht und einfach geweigert, gegen Hisbollah zu kämpfen.

      Im Endeffekt kann es deshalb nun passieren, dass die von den Saudis gespendeten französischen Waffen für die libanesische Armee Hisbollah und ihr nahestehende Kräfte im Libanon stärken werden, anstatt sie, wie von den Spendern beabsichtigt, zu schwächen.

      1. Da sollten dann nur die Depots gut bewacht werden, würde mich nicht wundern wenn das Saudische Kalkül darauf abzielt moderne Waffen ganz offiziell in den Libanon zu liefern um dann die Al-Kaida die Lager ausrauben zu lassen. So wie in Katar (?) wo das Lager mit den amerikanischen Sturmgewehren von unbekannten (!) komplett „leergeräumt“ wurde und über 20.000 Gewehre verschwanden.

  4. In der Türkei entwickelt sich gerade eine interessante Geschichte: Turkish governor blocks police search on Syria-bound truck reportedly carrying weapons

    http://www.hurriyetdailynews.com/turkish-governor-blocks-police-search-on-syria-bound-truck-reportedly-carrying-weapons-.aspx?pageID=238&nID=60494&NewsCatID=341

    Der Gouverneur von Hatay hat der Staatsanwaltschaft und der Polizei die Fortsetzung der Untersuchung eines mit Waffen und Munition beladenen und für Syrien bestimmten LKWs, der vorgeblich humanitäre Hilfe geladen hatte, mit der Begründung verweigert, der LKW gehöre zum türksichen Geheimdienst MIT und dürfe nur mit besonderer Genehmigung von Erdogan aufgehalten werden.

    Damit dürfte als quasi offiziell gelten, dass der türkische Geheimdienst MIT auf Anordnung von Erdogan und dem Governeur von Hatay Waffen und Munition als humanitäre Hilfe getarnt nach Syrien schmuggelt.

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