Dreht sich der Wind jetzt?

Realistisch betrachtet nutzt den US-Eliten die feindselige Politik gegen Iran überhaupt nichts, sondern schadet sowohl den vorgeblich Zielen als auch den Wirtschaftsinteressen der hinter der Politik stehenden Eliten.

Während die USA seit Jahrzehnten angeblich mit Sanktionen versuchen, den Iran zur Aufgabe oder deutlichen Verkleinerung seines Nuklearprogrammes zu zwingen, ist das iranische Nuklearprogramm quantitativ und qualitativ deutlich gewachsen. Und die Wirtschaftssanktionen haben nicht dazu geführt, dass die iranische Wirtschaft erwürgt worden ist, sondern dazu, dass US-Unternehmen Konkurrenten aus Staaten wie China große Marktanteile kampflos überlassen wurden, und das in einem Schlüsselmarkt der Region, dessen Größe sich im letzten Jahrzehnt allen Sanktionen zum Trotz rund vervierfacht hat, und in der Liga der 20 größten der Welt spielt.

Auch angeblichen amerikanischen Werten wie der Verbreitung von religiöser Toleranz und Demokratie und vorgeblichen amerikanischen Interessen wie der Wahrung von von US-geführter Stabilität in der ressourcenreichen Region West- und Zentralasiens ist die feindselige Politik gegenüber dem Iran in keiner Weise dienlich. Im Gegenteil: die feindselige Politik der USA gegenüber Iran führt dazu, dass den USA als Partner in der Region kaum mehr als Extremisten bleiben, deren politisches Gebahren von wahhabitischen Terrordoktrinen wie in Saudi Arabien und Katar über Wahlfälschungen und Militärdiktaturen wie in Afghanistan, Aserbaidschan und Nordafrika bis hin zu offener Apartheidspolitik wie in Bahrain, Israel und Saudi Arabien reicht. Die einseitigen anti-iranischen Bündnisse der USA mit solchen Staaten, die ganz offen und grob gegen Alles verstoßen, was die USA weltweit als ihre Werte proklamieren, bringen für die USA aufgrund des Reputationsschadens massive Schwierigkeiten mit sich, bei Allem, was sie in der Region anfangen, und schaden damit den Interessen der US-Eliten langfristig.

Dass die USA trotzdem diese feindselige Politik gegenüber Iran verfolgen, ist zum Einen der Tatsache geschuldet, dass die USA öffentliche Kritik nicht vertragen, und zum Anderen dem Zustand, dass einige Staaten der Region, etwa Israel und die GCC-Staaten aufgrund von erfolgreichem Lobbying und der generellen Käuflichkeit der US-Politik über beträchtlichen innenpolitischen Einfluss in den USA verfügen, so viel, dass die USA im Interesse dieser Staaten in der Region laufend Angriffskriege führen, die für die USA verheerend sind, aber den egozentrischen Ambitionen der Regimes dieser Drittstaaten aus der Region recht dienlich sind. Das Alles ist seit Ewigkeiten bekannt. Trotzdem haben die USA auch nach ihren für alle Seiten katastrophalen Besatzungskriegen gegen Afghanistan und Irak in den letzten Jahren diese selbstschlagende verheerende Politik fortgesetzt, unter Anderem mit der Zerstörung Libyens zur Ausschaltung libyscher Kritik an der grotesken saudischen Terrordiktatur und massiven Destabilisierungsmaßnahmen gegen Syrien im Auftrag des die Westbank und den Golan begehrenden israelischen Apartheidsregimes, das sich von dem Krieg außerdem eine Schwächung seiner öffentlichen Kritiker im Iran erhoffte, und deshalb weitere Verstärkungen der Sanktionen gegen Iran unter dem Deckmatel der Kritik am iranischen Atomprogramm bewirkte.

Doch ganz plötzlich scheint der Wind sich nun zu drehen. Der offene, direkte US-Angriffskrieg gegen Syrien ist vorläufig vom Tisch und seit einigen Tagen wird von einem neuen Klima in Bezug auf Iran gesprochen. Mit zahlreichen Äußerungen haben das US-Regime und ihre europäischen Beiboote in den letzten Tagen deutlich gemacht, dass sie sich vorstellen können, dass der „Atomstreit“ mit dem Iran in den nächsten Monaten „gelöst“ wird. Nach den gerade abgehaltenen Gesprächen in Genf sieht es so aus, dass die USA und ihre europäischen Satelliten tatsächlich gewillt sind, die Sanktionen gegen Iran aufzuheben, wenn der Iran bereit ist, ihnen dazu irgendein gesichtswahrendes Feigenblatt wie verstärkte Kontrollen seiner Nuklearanlagen zu geben. Es wird also öffentlich der Eindruck erweckt, dass das US-Regime davon ausgeht, dass eine „Lösung“ im Atomstreit bald erreicht werden kann, und das, obwohl sie genau wissen, dass das zionistische Apartheidregime mitsamt seiner mächtigen Lobby und die saudische Terrordiktatur strikt gegen jegliche Lösung sind.

Es ist noch zu früh, um sagen zu können, ob das US-Regime diese Abkehr von seiner in den letzten Jahrzehnten verfolgten selbstschlagenden Politik wirklich durchführt, oder ob das mal wieder nur leeres Geschwätz ist. Festzustellen ist, dass das US-Regime den Eindruck erweckt, es wolle den „Nuklearkonflikt“ mit dem Iran beenden, und wenn das nun trotzdem nicht gelingt, der fehlgeschlagene Versuch dem US-Regime als Versagen anhaften kann. Das US-Regime und seine Satelliten investieren also tatsächlich ein klein wenig politisches Kapital in den Versuch der politischen Umkehr in Bezug auf Iran.

Wenn es diese Umkehr der US-Politik in Bezug auf das iranische Nuklearprogramm wirklich gibt, dann hat das eine Bedeutung, die weit darüber hinaus geht. Nach einer Umkehr der US-Politik in Bezug auf Iran werden nahezu zwangsläufig die Differenzen in Bezug auf die vorgeblich vertretenen US-Werte mit den US-Verbündeten in der Region stärker ins Licht kommen, die sich der Lösung entgegenstellen. Neue Fragen werden dann verstärkt auf die internationale Agenda kommen. Dazu gehören etwa die Fragen, ob die USA es sich leisten können, Aprtheidregimes in Bahrain und Israel zu unterstützen, und, wie die in Saudi Arabien gepflegte sektiererische Terrorideologie des Wahhabismus mit dem angeblichen US-Bestreben nach religiöser Tolerenz vereinbar ist, oder, inwieweit die grotesken GCC-Diktaturen mit dem angeblichen US-Bestreben nach Demokratie vereinbar sind. Das kann dazu führen, dass die wahhabitischen GCC-Diktaturen und Israel dann immer deutlicher das Etikett „Schurkenstaat“ erhalten, was auch erklärt, dass diese Regimes sich einer Auflösung des iranischen Atomstreites mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln widersetzen.

Solche Fragen werden vermutlich früher oder später ohnehin auf die Tagesordnung kommen. Spätestens dann, wenn China die USA in einigen Jahren wirtschaftlich in den Schatten stellt, werden sich die USA ihre arrogante Partnerschaft mit den wahhabitischen GCC-Diktaturen und dem Apartheidregime von Israel immer schlechter leisten können und zum Erhalt von Einfluss gemeinsame Werte in den Vordergrund der Außenpolitik stellen müssen. Sollte das US-Regime jedoch tatsächlich jetzt schon eine Umkehr seiner iranfeindlichen Politik vollziehen, könnte das aber sehr viel schneller geschehen als das bisher absehbar war, nämlich schon in wenigen Monaten beginnen.

7 Gedanken zu “Dreht sich der Wind jetzt?

  1. Ich lass mich gerne überraschen, aber nicht auf dem falschen Fuss: Das US-Muster bleibt bis zum PRaktischen Gegenbeweis bloss „leeres Geschwätz“. Bewährte Muster sind nunmal bewährte Muster bis sie überholt sind.

    Ich versteh zwar dass, aber nicht warum sich die Massen immer wieder verFÜHRERn lassen. Aber allein darauf kommt es an, dass sie sich verFÜHRERn lassen – das System Homo sapiens, ein System das funktioniert wie es funktioniert.

    Der Paradigmenwechsel ist längst eingetreten. Ob die Amis das einsehen wollen oder nicht spielt keine Rolle, auch nicht warum, es zählt allein die Tatsache. M.a.W. darf mit annähernd 100% statistscher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass sich am US-Grundmuster nichts ändert. Die traditionell erfolgsverwöhnt-realitätsverweigernde Masse der Amis riskiert lieber eine harte Landung statt endlich das Gehirn einzuschalten und zu handeln. Ein über 200 Jahre währender Aufstieg zum Hegemon – fundamentalistisch gefeiert durch bis zum Himmel stinkendes Eigenlob – hat die Amis geistig träge bis inkompetent gemacht..

    Zur Erinnerung: Das Warum ist völlig schnuppe wenn man von der Marktphysik rechts überholt wird. Auch die übliche Beschwerde wegen verkehrsgefährdenen Marktverhaltens hilft nicht mehr, weil die US mit dem KRIEG gegen den Terror auch die Deutungshoheit über ihre vielfach beschworene Markt-„Ethik“ verloren haben.

    So bleibt den Amis nur das Lernen auf die harte Tour: Von Schlacht zu Schlacht bis zur völligen Überdehnung des militärisch-industriell-multimedialen Komplexes und der zur letzlich unvermeidlichen Revision der US-Geschichtsrevision – die Re-Revison einer mittlerweile vorzugsweise sofaKREGenden PRopagandanation gegen den Rest der Welt.

    Noch bliebe ihnen ein gewisser Spielraum, wie sie diese Rückschau halten wollen, wenn sie denn wollten geschweige denn könnten. Wenn sie Glück haben, wird die Geschichte sie an ihren Taten messen, anderenfalls wendet sich ihre eigene PRopaganda methodisch gegen sie und die Amis finden sich in einer fremden Geschichtsvision wieder, ohne dass sie etwas dagegen tun könnten. Die Geisterbahn die sie gerufen …

    … die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh

  2. @ sondern schadet sowohl den vorgeblich Zielen als auch den Wirtschaftsinteressen der hinter der Politik stehenden Eliten.

    Sind Sie da sicher ?
    Kennen Sie die Ziele, wissen Sie, wer diese Eliten sind ?

    Ich fürchte, diese Leute hat öffentlich noch nie jemand gesehen, und die beste Beschreibung ihrer Ziele finden sich am besten auf den Georgia Guidestones.

    Und daran gemessen und mit einem Zeithorizont über Dekaden oder Centennien passen die Ergebnisse obiger Politik vielleicht besser, als sich der Laie das so vorstellt !
    mfg zdago

    1. Nicht umsonst dreht Netanjahu gerade in Richtung Kriegshetze ziemlich durch – der sieht seine Felle davon schwimmen. Daher erwarte ich einen israelischen „Praeventivschlag“. Der duerfte die letzte Hoffnung von Netanjahu darstellen, das Geschehen am Golf noch in eine ihm genehme Richtung zu drehen…….

      1. @dreht Netanjahu gerade in Richtung Kriegshetze ziemlich durch

        schon – aber hat er wirklich mehr zu sagen als Obama oder Merkel?
        Er ist Politiker und steht in der Öffentlichkeit – und dass bedeutet in meinen Augen, dass er in der Machtpyramide unterhalb der Mitte steht.

        Was immer er sagt, wurde schon aus höherer Ebene in seiner Wirkung vorgeplant und ist weder zufällig noch unkontrolliert!

        Wie hat es Franklin D. Roosevelt einmal formuliert :
        In der Politik geschieht nichts zufällig! Wenn etwas geschieht, kann man sicher sein, dass es auf diese Weise geplant war

        Das sollte man beim Thema „Politik“ nie vergessen – es gibt eine Wahrheit hinter der Wahrheit !
        mfg zdago

  3. Der Wind bläst dem Möbelverkäufer zunehmend ins Gesicht.

    http://www.debka.com/article/23323/

    Israel and Saudi Arabia are coordinating policies to counter US détente with Iran

    DEBKAfile reports that this is the first time Israel official sources have publicly aired diplomatic contacts of this kind in the region.

  4. VATRA, pODESTA, PATTON VON FRANK WISNER heisen die Lobby Gruppen, welche enorme Gelder kassieren von Staaten. siehe auch Mubarak mit Frank Wisner und Patton

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