Hassan Ruhani hat die Präsidentschaftswahlen im Iran gewonnen

Die Bevölkerung des Iran hat entschieden, dass Hodschatoleslam Hassan Ruhani Präsident des Iran werden soll. Sowohl seine Gegenkandidaten als auch Revolutionsführer Ali Khamenei haben Hassan Ruhani zum Wahlsieg gratuliert. Der Iran folgt damit dem Beispiel des Staates Bundesrepublik Deutschland, der das Amt des Präsidenten ebenfalls seit einiger Zeit mit einem Kleriker besetzt hat.

Die rund 80% der wahlberechtigten Iraner, die an der Präsidentschaftswahl teilnahmen, haben sich zielgenau den einzigen Kleriker im Feld der Präsidentschaftskandidaten herausgesucht und Hassan Ruhani gleich im ersten Wahlgang mit absoluter Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Als alter Weggefährte des verstorbenen Ayatollah Khomeini, Repräsentant von Revolutionsführer Ali Khamenei im nationalen Sicherheitsrat des Iran und reformfreudiger Vertreter eines lebendigen Islam genießt Hassan Ruhani großes Ansehen im Iran.

Lustigerweise überschlägt sich die westlich-zionistische Presse gegenwärtig geradezu in Siegesfreuden. Dabei ist die Wahl von Hodschatoleslam Hassan Ruhani keineswegs ein Zeichen dafür, dass die islamische Republik stirbt, sondern vielmehr ein Zeichen dessen, dass die islamische Republik sehr lebendig ist und mit den Zeichen der Zeit geht. Von Hassan Ruhani ist zu erwarten, dass er die islamische Republik verjüngt, sie neuen Ideen öffnet und gesellschatliche Brücken bauen wird, die zu größerer Einheit in der Bevölkerung des Iran führen.

Ein praktischer Vorteil für den Iran dürfte darin bestehen, dass der Westen nun quasi seinen Lieblingskandidaten auf dem Stuhl des iranischen Präsidenten sitzen hat. Kommt der Westen dem Iran nun trotzdem in politischen Fragen nicht entgegen, sondern unternimmmt er weiterhin Anstrengungen zum Systemsturz im Iran, so muss er damit rechnen, dadurch einen Rückschlagseffekt in Richtung der Strömung der Prinzipialisten auszulösen. Versuche des Westens, im Iran einen Regime Change zu bewerkstelligen, dürften damit deutlich erschwert werden.

Außenpolitisch wird Hassan Ruhani vermutlich ähnlich wie Bashar Al-Assad eine zurückhaltendere Rhetorik anschlagen als Mahmud Ahmadinejad, und vielleicht auch eine neue diplomatische Initiative in Bezug auf das iranische Nuklearprogramm einleiten. In der Sache wird das allerdings nichts ändern, außer dass noch offenkundiger wird, dass nicht Rhetorik oder das iranische Nuklearprogramm Grund für die Auseinandersetzungen mit dem Westen sind, sondern die politische Ablehnung des zionistischen Apartheidregimes. Insgesamt wird das die geopolitische Position des Iran voraussichtlich weiter stärken.

7 Gedanken zu “Hassan Ruhani hat die Präsidentschaftswahlen im Iran gewonnen

  1. Danke für die (wie immer) zeitnahe Analyse! Schon interessant, wie unterschiedlich die Interpretation einer nackten Agenturmeldung ausfallen kann, wenn man diesen Parteibuch-Artikel neben die Stellungnahmen der größeren Tageszeitungen zum Wahlausgang im Iran hält …😀

    Salam und Shalom

  2. Danke für die Blumen.

    Übrigens noch was: Mahmud Ahmadinjad war, anders als von westlichn Medien dargestellt, ein ziemlich erflogreicher Präsident, und das in einem überaus schwierigen Umfeld, wobei etwa die Kriege in Afghanistan, Irak, Pakistan, Libanon, Palästina und Syrien und der Ölpreisverfall 2009 zu nennen sind. Nicht nur ist der Iran aus allen Kriegen geoplitisch gestärkt hervorgegangen, sondern der Iran ist in dem schwierigen Umfeld Irak, Afghanistan und Pakistan geradezu eine Insel der Stabilität, und der Iran hat sich unter Ahmadinejad trotz des des schwierigen Umfeldes auch wirtschaftlich enorm entwickelt.

    Unter Ahmadinejad wurde er Iran zur führendn Industrienation der Region, wurde Medien-, Weltraum- und Atommacht und hat die beste Verteidigungsindustrie der Region entwicklt.

    Und trotz des massiven Drucks ist die Wirtschaftslistung in den acht Jahren sogar deutlich gestiegen, selbst wenn man dabei die gegenwärtigen umstellungsbedingten Einbußen einrechnet:

    http://www.imf.org/external/pubs/ft/weo/2013/01/weodata/weorept.aspx?pr.x=66&pr.y=16&sy=2005&ey=2013&ssd=1&sort=country&ds=%2C&br=1&c=429&s=NGDPD%2CNGDPDPC%2CPPPPC&grp=0&a=

    Wenn man bedenkt, dass das US-israelische Ziel seit Jahren unverändert die Zerstörung der islamischen Rupublik (ds Zntrums der „Achse des Bösen“) und die Machtübernahme im Iran ist, ist das Ergebnis um so verblüffender.

  3. Ich kenne die Kandidaen und die Stimmung in Iran nicht so gut, aber schon die Info, dass er zeitweise im Westen studiert hat (woher kennen wir wohl so was?) und dass er richtung USA so stiefellecker-artig schleimt, ist mir sehr suspekt.

    Irgendwo in der NNE-Blogosphäre habe ich eben gelesen, dass Khamenei seinen Sieg unbedingt verhindern wollte, notfalls mit Wahlfälschung? Laut dem Artikel hätte er es als Todesstoß bezeichnet. Bin jetzt verwirrt.

    1. herr rohani wird rechts- und linksradikalen hier in deutschland außenpolitisch nicht vertreten. er ist der politiker, den iran im moment braucht.

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