Gedanken zur Zukunft Syriens

Mal angenommen, es kommt zu einer Neuauflage von Genf, wie könnte daraus eine Perspektive entstehen und wie könnte eine syrische Verhandlungsstrategie aussehen?

Hier ist eine völlig aus der Luft gegriffene Idee eines Parteibuch-Lesers, wie die Zukunft Syriens aussehen könnte:

Ich rechne mit einem Sieg der syrischen Armee und damit, dass Fahd Jassem al-Freij deshalb enormen Rückhalt in der Armee haben wird und geradezu zwangsläufig noch lange Verteidigungsminister Syriens bleiben wird.

Was Bashar Al-Assad angeht, so rechne ich damit, dass Bashar Al-Assad in Verhandlungen gegen Zugeständnisse der „Opposition“ anbieten wird, bei den Wahlen 2014 nicht wieder anzutreten und stattdessen einen Kompromisskandidaten ins Rennen zu schicken.

Als Kompromisskandidaten könnte ich mir angesichts des islamischen Charakters der Revolte gut vorstellen, dass von der Armee und der Baath-Partei z.B. angeboten werden wird, eine Präsidentschaftskandidatur etwa von Ahmad Badreddin Hassoun oder eines anderen Geistlichen seines Formats zu unterstützen.

Syrien bliebe so dem Iran eng verbunden, würde „islamischer“ und „sunnitischer“, könnte sich Ägypten weiter öffnen und bliebe doch religionstolerant.

Ich finde, das ist ein interssanter Gedankengang. Ich glaube, auf Bashar Al-Assad zu verzichten, würde vielen seiner Anhänger sehr schwerfallen, aber wenn es Syrien und dem Frieden dient, Fahd Jassem al-Freij weiter als Verteidigungsminister für Sicherheit garantiert und ein Mann von untadeligem Ruf die Präsidentschaft anstrebt, würden sie es zur Not akzeptieren. Sollte die „Opposition“ einen derartigen Kompromiss ablehnen, so kann ich mir aber auch vorstellen, dass Bashar Al-Assad 2014 wieder antritt und die Wahl locker beginnt. Aber selbstredent ist es keinesfalls Sache des Parteibuchs, darüber zu entscheiden, sondern allein Sache der Syrer. Oh, ja, noch eine Anmerkung dazu: ich glaube, Israel und seinen Lakaien würde so eine Lösung sicher gar nicht gefallen, aber das sind eben auch keine Syrer und die haben deshalb auch nichts zu sagen.

Aussagekräftige Photos von Ahmad Badreddin Hassoun gibt es übrigens zum Beispiel bei „Voice of America“ und bei „Between the Two Shrines.“

Nachtrag 29.05.2013: Außenminister Walid al-Moallem hat gerade die syrische Verhandungsstrategie nicht ganz unähnlich den hiesigen Gedanken skizziert. Anders als die westliche Propaganda es darstellt, hat er aber keine Vorbedingungen für Gespräche gestellt.

Nachtrag 30.05.2013: Gute Nachricht aus Istanbul: Die einflusslose und zerstrittene exilsyrische Oppositionsgruppe SNC hat angekündigt, nicht an der Konferenz in Genf teilnehmen zu wollen. Eine Luftnummer weniger am Tisch in Genf zu haben, wird die Verhandlungen in Genf sicher einfacher machen.

13 Gedanken zu “Gedanken zur Zukunft Syriens

  1. Mit wem würde Syrien verhandeln? Mit den „Syrern“, die das Ausland vertreten? Wozu?
    Sitzen al Nusra & Co. mit am Tisch? Die FSA? Denn die müssten ja die Kampfhandlungen einstellen. Was ist mit den Kurden? Dürfen die mitentscheiden? Wer vertritt Christen, Drusen, Palästinenser und so fort?
    Genf 2 sieht nicht nach einer sinnvollen Veranstaltung aus.
    Wer diktiert die Bedingungen? Sitzt der Westen vorn oder die Saudis und Türkei? Darf der Iran kommen und Hisbollah? Und der Irak?
    Ihr braucht neuen Kaffeesatz.

  2. Terroristen am Tisch? Die sind hoffentlich bis dahin vom Tisch. Wer schon unbewaffneten Frauen auflauern muss, hat nicht mehr viel Zeit:
    http://sana.sy/eng/337/2013/05/27/484373.htm

    Wie Noam Chomsky bemerkte, gibt es ein Problem mit dem Terrorismus und dessen westlicher Definition: sie bezeichnet Handlungen westlicher Regierungen als Terrorismus.

    „Chomsky: USA einer der führenden terroristischen Staaten“
    http://www.youtube.com/watch?v=vkOADIFdbME&feature=youtu.be

    … und dies ist offenbar vollkommen richtig:

    http://www.facebook.com/photo.php?fbid=460543910703797&set=a.199427616815429.47604.177413945683463&type=1&theater

  3. Nobilitatis
    „Mit wem würde Syrien verhandeln?“
    Mit der Muslimbruderschaft, dem NCC, dem SMC, dem SNC, der YPG, Moaz Al-Khatib, wer auch immer Einfluss hat.

    „Mit den “Syrern”, die das Ausland vertreten?“
    Mit Personen, die Einfluss auf Teile der Bevölkerung haben, die die gegenwärtige Staatsführung nicht mögen. Vermutlich ist der Doha-Rat (SNC) zu leicht und einflusslos für irgendwas, aber wenn das festgestellt wird, wäre das auch eine Erkenntnis.

    „Wozu?“
    Entpolarisierung und Ausgleich.

    Es gibt in der syrischen Bevölkerung gegenwärtig einen nennenswerten Teil der Bevölkerung, der meint, 40 Jahre Assads als Präsidenten zu haben ist genug und da sollte nun mal jemand anders zeigen dürfen, dass er gute Ideen hat und was er kann. Das ist ein grundsätzlich legitimer Wunsch.

    Die neue syrische Verfassung erkannt das auch an, in dem dort die Amtszeit von Präsidenten auf zwei aufeinanderfolgnde Amtsperioden begrenzt ist. Das soll zwar nur für Amtszeiten nach Inkrafttreten der Verfassung gelten, aber logisch ist das eigentlich nicht so sehr. Das ist quasi als goldene Brücke angelegt für jeden Verhandlungspartner, etwa vom NCC, der meint, Assad sollte 2014 besser nicht wieder antreten, um im Rahmen der Verfassungslogik zu argumentieren.

    Sollte Assad im Rahmen von Verhandlungen erklären, er sehe diesen logischen Kritikpunkt ein und verzichte deshalb 2014 auf einen Antritt zur Präsidentschaftswahl, so muss das Syrien nicht unbedingt schwächen. Es könnte Syrien auch einigen und so stärken. Aus einigen „Anti-Assad-Milizen“ könnten so vielleicht „Pro-Verfassungs-Milizen“ werden. Anstelle von Präsidentenbildern könnten dann vielleicht in den Amtsstuben Ausdrucke der Verfassung an die Wände gehängt werden.

    Der sunnitische Verteidigungsminister Fahd Jassem al-Freij führt die Armee vorzüglich. Bliebe er Verteidigungsminister, so dürfte in der Armee nichts „anbrennen“ und der Anti-Terrorkampf entschlossen und gescheit fortgesetzt werden – auch wenn viele syrische Soldaten Bashar Al-Assad wirklich sehr lieben. Und Bashar Al-Assad könnte ja auch weiter wirken, etwa als Berater eines neuen Präsidenten, der Regierung oder der Armee.

    Jemanden wie Ahmad Badreddin Hassoun als Präsidentschaftskandidaten aufzustellen, könnte ein wirksamer Schachzug sein, um der von Israel, NATO- und GCC-Staaten betriebenen rassistischen Propaganda gegen Alawiten und Schiiten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wäre der sunnitische Großmufti Syriens, der ein entschiedener Verfechter religiöser Toleranz ist und vor einigen Monaten einen Sohn durch einen Terrorangriff von Wahhabiten, oder Ignoranten, verloren hat, demokratisch gewählter Präsident Syriens, hätte es die Propaganda vom angeblichen „Alawitenregime“ oder vom „Regime der Ungläubigen“ ungleich schwerer. Im Gegenteil, Ahmad Badreddin Hassoun könnte mit präsidialer Autorität und demokratischer Legitimität den laienhaften Hetzern von Erdogan über Qaradawi bis hin zu den Saudis vielleicht besser die Leviten lesen – mit dem Koran in der Hand.

    Ebenso würde mit jemandem wie Ahmad Badreddin Hassoun als Präsidentschaftskandidaten dem legitimen Wunsch einiger Regierungsgegner in Syrien Rechnung getragen, eine, wie auch immer, irgendwie mehr islamische Staatsführung zu bekommen. Außerdem könnte jemand wie Ahmad Badreddin Hassoun, der als guter Freund von ashar Al-Assad und Ali Khamenei gilt und fest zur Achse des anti-israelischen Widerstandes steht , als demokratisch gewählter Präsident Syriens vielleicht besser dazu beitragen, die von Zionisten und Wahhabiten gesähten religiösen Spannungen zwischen Sunnis und Shiiten abzubauen, und die Ache des anti-israelischen Widerstandes um sunnitisch geprägte Staaten, etwa Ägypten, Libyen und Tunesien, zu erweitern. Sollte das nur ansatzweise gelingen, eine gemeinsame sunnitisch-schiitische Front gegen Israel aufzubauen, wäre das ein riesiger strategisch bedeutsamer Erfolg.

    clearly
    „Terroristen am Tisch?“
    Ja, natürlich, wenn es hilft. Das heißt ja nicht, den Kampf gegen den Terror währnddssen zu vernachlässigen oder einzustellen.

    „Die sind hoffentlich bis dahin vom Tisch.“
    Das wird noch eine Weile länger dauern. Aber jeder Terrorist, der in Verhandlungen aufgibt, ist ein gelöstes Problem, kürzt die Aufgabe ab und entlastet die Armee für andere Aufgaben.

    1. Ihre Idee krankt an einem ganz simplen Problem: Sie legen kenntnisreich dar, wie der Bürgerkrieg innersyrisch befriedet werden könnte, obwohl Syrien vom Ausland (USA) an den Verhandlungstisch mit von diesen ausgewählten Vertretern gezwungen wird, die aber auf das Bürgerkriegsgeschehen in Syrien, zumindest bisher, keinen Einfluss ausübten. Das ist ein logisches Problem, welches durch noch so viele Details nicht gelöst wird. Und die Lösung liegt nicht in den Händen der syrischen Regierung, egal wer diese vertritt.

  4. prinzipiell ein schöner gedanke, wäre da nicht die barabrischen mörderbanden die dann anschließend ganze landstriche in syrien unter ihrer kontrolle nehmen werden und dort die sharia einführt, diese banden, ehemals „freiheitskämpfer“ würden dann legitim mit hilfe der eu, un, etc. bekämpft werden, wie verkorkst wäre das denn?? übrigens müsste die neue regierung soviel zugeständnisse machen wie deutschland seit dem versailler vertrag nicht mehr..,
    ehrlich gesagt glaube ich nicht dran.
    jetzt wo israhell noch grosse manöver im golan abhält sieht mir das ganze nicht nach frieden aus, wenn wir glück haben wird ein großer krieg vermieden, oder auch nicht…
    doch eines sollte uns bewusst werden, sollte Syrien fallen, dann stehen alle Zeichen auf Sturm…

  5. Leider wird es anders kommen, am Golan wird Österreich seine UN Soldaten heimschicken über Israel, damit ist der UNO Einsatz beendet.
    Die Israelis werden den Golan vollständig besetzen und ihre Panzerhaubitzen M 109 und Raketen in Stellung bringen.
    Eine Schutzzone wird errichtet , wo angeblich die Syrer Giftgas und Streubomben gegen die Zivilbevölkerung einsetzt.

    Irgend ein Raketenbeschuß auf Israel wird Vorwand sein für heftige Luftangriffe auf die syrischen Truppen.
    Aus Jordanien ( Luft Luft Raketen werden bereits in Stellung gebracht )und Libanon werden Truppen ins Land kommen
    Der Hauptstoß der Israelis kommt aus den Libanon in Richtung Damaskus

    1. …sollte dies so geschehen, wird es ein sehr blutiges Gemetzel und das nicht nur in Syrien.

      ich bin mir im klaren das die USA oder Israelis eine Militärische Intervention durchführen müssen, wollen sie ihr international aufgebautes Lügenkonstrukt retten.

      Auf der anderen Seite, ist der nach der Niederschlagung der internationalen Terrorbrigaden, noch keine Zeit für den direkten Wahlgang.

      Ich denke, das der Alte Präsident bis zu einem gewissen Zeitpunkt im Amt bleibt, um die Lage zu stabilisieren.

      Wenn die Person die den Terrorbrigaden, so erfolgreich widerstanden hat, sich von der politischen Macht zurückziehen, würde es gleichbedeutend sein mit eine Niederlage der Syrischen Armee.

      Wir sollten immer bedenken, nach einem internationalen Terrorsystem, welches viele Menschen das Leben gekostet hat, muss eine Stabilisierung her.

      Man sollte nie zu Früh eine Person ins Rennen schicken, die nach einer Stabilisierung des gesellschaftlichen Lebens besser geeignet wäre.

      Ich halte derzeit, Assad für Syrien, als die bessere Entscheidung, mit Auslaufdatum. Wie lange diese Zeit danach ist, muss aber das Syrische Volk selbst bestimmen.

      Nochmal, niemand wäre besser geeignet, als der vorgestellte Kandidat, kann er aber sein Land stabilisieren und welche Folgen kämen danach?

      Stellt euch vor, die BRD wirft ihre Kolonialketten ab und es kommt zu einer Zeit danach, wo Chaos herrscht, Frau Muksel stellt sich hin und erklärt nur das Beste gewollt zu haben, damit das deutsche Volk, sein Schicksal in die eigene Hand nimmt. Wäre doch in Ordnung wir machen nach der Befreiung, weiter so, wie vor der Befreiung.

      Die aber, die für die Befreiung, auf den P….. Träger Listen standen und ihren Mut zusammengenommen haben, wären dann die Verlierer.

      Die parallelen sind mehr als eindeutig.

      Fazit: weder die USA noch Israel oder ihrer europäischen Terrorunterstützer, dürften ein wirkliches Interesse haben das Assad gewinnt.

      Wir sollten die letzten aussagen der ehemaligen Kolonialmacht, in diesem Raum, Frankreich nicht unterschätzen.

      Wünschenswert ist und bleibt, das sie syrische Armee diesen international geführten Terrorkrieg gewinnt und die Hintermänner entsprechend beim Wiederaufbau zur Kasse gebeten würden.

  6. “Terroristen am Tisch?”
    „Ja, natürlich, wenn es hilft. Das heißt ja nicht, den Kampf gegen den Terror währnddssen zu vernachlässigen oder einzustellen.“

    Selbstverständlich sind Verhandlungen immer vorzuziehen, sobald erkennbar die Strategie aufgegeben wurde, das Volk leiden zu lassen, um der Armee den Rückhalt zu entziehen und während der Verhandlungen den Kampf gegen den Terror fortzuführen nicht dazu benutzt wird Syrien zu unterstellen, nicht ernsthaft verhandeln zu wollen.

    “Die sind hoffentlich bis dahin vom Tisch.”
    „Das wird noch eine Weile länger dauern. Aber jeder Terrorist, der in Verhandlungen aufgibt, ist ein gelöstes Problem, kürzt die Aufgabe ab und entlastet die Armee für andere Aufgaben.“

    Offenbar eine treffende Beschreibung dessen was den Terroristen bereits täglich passiert. Augenzeugenberichten zufolge ergeben sich diese zu Hunderten. So gesehen vielleicht ein vorgezogenes „Genf 2 vor Ort, by running out of options“.

    Dem Wunsch als Verhandlungspartner ernst genommen zu werden ist sicherlich zuträglich, vorher die Gräuelpropaganda eingestellt zu haben …

    … und zu realisieren, dass auf Fahrzeuge einer bestimmten Marke montierte und an die eigenen Söldner gelieferte schwere Waffen bald danach an Syrien gehen könnten.

    Nachdem die Verteidigung gegen die Angriffe des Imperialismus vollständig gelungen ist sollte klar werden, dass in Syrien keine Armen gegen Arme gekämpft haben, damit ein paar Reiche in Damaskus weiter Porsche fahren können. Neoliberlistisch erzeugte Verelendung, das Gefühl allein gelassen zu sein und den Rückzug auf eine, auf rechtsextremen und rassistischen Religionsauslegungen basierende, vermeintliche moralische Überlegenheit, als einen der Nährböden für verdeckte imperialistische Angriffe, sollte es im künftigen Syrien wohl besser immer weniger geben, besonders auf dem Land.

  7. Die Genfer Konferenz wird vermutlich scheitern weil die USA und Frankreich den Iran nicht zulassen werden

  8. Assad war und ist ein Sicherheitsgarant, eine Art Coach, der konfessionsübergreifend die syrischen Befindlichkeiten auf einen Nenner zu bringen vermag. Jede Art Nachfolger im momentanen Stadium müsste sich unweigerlich erst das Vertrauen auf Ebene Staatsoberhaupt erarbeiten. Für Syrien hiesse das mit hoher Wahrscheinlichkeit: Zurück auf Feld 1.
    M.a.W. würde man Assads freiwilligen Abgang als machtpolitisch nicht nachvollziehbare Schwäche auslegen, was ausgesichts eines bitter errungenen Sieges gegen die imperiale Terror-Invasion mit dem Verlassen eines Schiffes in Seenot gleichgesetzt werden könnte. Jedem führungserprobten Kapitän, der gerade mal das Überleben des Schiffes gesichert hat, müsste Verantwortungslosigkeit vorgeworfen werden, wenn er jetzt die Mannschaft ihrem Schicksal überlässt. Ein Rückzug in Raten wäre realpolitisch die angesagte Option, zumal vom Imperium kaum ein Verzicht auf dessen Herrschaftsanspruch zu erwarten ist, jedenfalls nicht in der PRaxis.

    Vor dem Syrienkonflikt war Assad für mich ein unbeschriebenes Blatt, dessen Karriere seiner Eigenschaft als Sohn geschuldet war. Nun da er sich bewährt hat, da er gezeigt hat, was in ihm steckt, müsste das syrische Volk nicht ganz bei Trost sein, ihm jetzt die Gefolgschaft zu versagen.

    Es mag erstaunen, aber jetzt ist Assad als Integrationsfigur erst recht gefordert. Das Spiel des Westens dadurch zu beenden, sich selbst auf die Strafbank zu versetzen um dem Gegner freiwillig einen Vorteil zu verschaffen zu kurz gedacht.

    Die Früchte der syrischen Strategie sind noch nicht reif, schon wird deren Ernte verteilt – notabene unter dem angedachten Ausschluss des erfolgreichen Bauernverbands.

    Wenn er überhaupt gehen soll, dann durch demokratische Wahlen, die er standesgemäss verlieren soll und darf. Bislang nämlich wurde er in der zionistischen PRopaganda als Diktator und Schlächter platt gewalzt. In diesem Zshg.: Wie gross ist der Bewegungsspielraum Assads und seiner bisherigen Regierungsmannschaft plus weiteren wichtigen Exponenten, wenn potentiell schwache, aber wenigstens unerfahrene Nachfolger der UNO samt „Hilfsorganisationen“ Tür und Tor öffnen, um wie gewünscht bequem aus Syrien heraus Intrigen zu spinnen? Über kurz oder lang wird eine Entmachtung in Anklagen gegen Assad münden, egal ob diese gerichtsfähig sind oder nicht, zur Fortsetzung der PRopaganda taugen sie allemal. Des Weiteren: Wurden resp. werden gesperrte Bankkonten entsperrt? Wer wird wie lange auf Terrorlisten geführt werden, auch dann noch, wenn längst klar ist, dass dazu nie eine Berechtigung vorgelegen hat? Etc. etc.

    Wenn eine Ablösung überhaupt in Betracht gezogen werden darf, dann nur indem sich Syrien tiefer unter dem Schutzschirm Russlands oder Chinas verschanzt. Syrien müsste sich zwingend eine noch engere Partnerschaft überlegen, was erst recht nicht im Sinne der „Freunde Syriens“ sein kann, weil es dem imperialen KRIEGsziel diametral zuwider läuft.

    Insofern bleibt zu betonen, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist. Es macht nur den Anschein, als trete der KRIEG des Imperiums gegen Syrien in eine neue Phase.

    @parteibuch

    – Die neue syrische Verfassung … Amtszeit von Präsidenten … auf zwei aufeinanderfolgnde Amtsperioden begrenzt … aber logisch ist das eigentlich nicht so sehr.

    Eine Verfassung hat nichts mit Logik zu tun, es sei denn sie enthält sich widersprechende Passagen. Hingegen muss die Einhaltung einer Verfassung gewissen logischen Mindeststandards entsprechen. Z.B. Wenn die BRDDR 2.0 in einen offensiven KRIEG zieht, obwohl es laut Verfassung ausdrücklich verboten wäre, handelt es ich um einen logisch nachvollziehbaren Verfassungsbruch. De facto hat die BRDDR 2.0 ihrer eigenen „demokratischen“ Verfassung zufolge die logischen Mindeststandards nicht erfüllt und man könnte Deutschland allein aus Gründen dieses einen Beispiels (unter vielen) als Scheindemokratie bezeichnen.

    – … mit dem Koran in der Hand.

    Was interessiert die Wahhabiten der Koran in der Auslegung eines Sunniten?
    vgl. https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/09/15/dem-grosmufti-von-saudi-arabien-zuhoren-und-das-wesen-des-wahhabismus-erkennen/

    In diesem Zshg. weise ich auf einen Beitrag von @Anonymus12 hin:
    -> https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2012/06/07/der-massenmediale-lugenturm-zum-morderischen-terror-in-syrien-schwankt/#comment-6030
    – … Wahhabiten … sehen sich als die einzig wahren Muslime …

    Was ist an der syrischen Variante des Einparteiensystems schlechter im Vergleich mit ihren Gegenparts in den US, Saudi-Arabien, Russland oder China? Demokratie nach imperialer Auslegung ist immer die Demokratie der Anderen, ganz genau so wie es immer der Terrorismus der Anderen ist, nie der eigene (frei nach Chomsky). Die Kritik am politischen System Syriens verschleiert in PRopagandistischer Manier die eigenen Defizite.

    Würde Syrien jetzt einen Systemwechsel forcieren, könnte ein Sieg nicht konsolidiert werden, weil echte Demokratien anfällig Einflüsse von aussen sind. Wenn Assad und seine Umgebung schlau sind, dann müssen sie auf Zeit spielen, um den noch verbliebenen Schwung des Imperiums zu marginalisieren. Putins Strategie läuft darauf hinaus und das hat Russland wenn nicht vor der Zerschlagung zumindest vor der Aufteilung seiner Ressourcen und Konzerne unter den Zionisten bewahrt. Auch China hat sich einem weiseren Pfad verschrieben als selbstmörderisch auf den imperialen Zug aufzuspringen. Mit Putin und Peking als Ratgeber müsste Assad bis auf Weiteres im Sattel bleiben, gerade weil er als Integrationsfigur dem Imperium im Weg steht.

    Du schreibst:
    – … gemeinsame sunnitisch-schiitische Front gegen Israel …

    Das ist insofern trügerisch, als es dem globalen Zionismus entgegen käme, wenn das StellvertreterKRIEGsfeld einen grösseren, zusammenhängenden Block bilden würde, das „entweder für uns oder gegen uns“, das Imperium wäre. Diese heraufziehende, kompakte Gefahr würde die weitere Militarisierung des Flugzeugträgers Israel „legitimieren“, eines nahen oder fernen Tages den Islam in jenem vom GrössenWahn längst angekündigten Kreuzzug in die Enge zu treiben.

    Russland und China haben sich bis heute erfolgreich auf das Motto „lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“ zurückgezogen. Deshalb könnten sie versucht sein, bis auf Weiteres eine sunnitisch-schiitische Front auf das Notwendigste zu beschränken.

    Die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh

    PS: @Tim – „israhell“🙂

    1. Kosh:

      „Wenn eine Ablösung überhaupt in Betracht gezogen werden darf, dann nur indem sich Syrien tiefer unter dem Schutzschirm Russlands oder Chinas verschanzt. Syrien müsste sich zwingend eine noch engere Partnerschaft überlegen…“

      Und eine noch engere Partnerschaft mit Iran und Hisbollah. Genau darin besteht die hier skizzierte Idee unter anderem.

      „… was erst recht nicht im Sinne der “Freunde Syriens” sein kann, weil es dem imperialen KRIEGsziel diametral zuwider läuft.“

      Nein, natürlich nicht. Die hier skizzierte Idee folgt eben gerade dem Gedanken, bei einer möglichen Ablösung von Assad in der Kapitänsrolle im Jahr 2014 „dem imperialen KRIEGsziel diametral“ zuwider zu handeln und Israel & Co damit einen maximal schmerzhaften Schlag mitten ins Gesicht zu versetzen.

      PS: Bashar Al-Assad könnte dabei natürlich, auch wenn er nicht mehr Präsident wäre, Syrien erhalten bleiben, zum Beispiel in der Rolle des Regierungschefs oder des Außenministers, falls Walid al-Muallim, der seine Aufgabe exzellent macht, sich dafür irgendwann zu alt fühlt.

      Aber, wie gesagt, das ist nicht Sache des Parteibuches, das zu entscheiden, sondern allein Sache der Syrer. Und da kann es durchaus sein, dass die Syrer sich dafür entscheiden, Bashar Al-Assad Integrität, Kompetenz und eine überwältigende Popularität zu bescheinigen und ihn deshalb bitten, im Amt des Präsidenten zu bleiben.

  9. Meine Sorge gilt weniger dem Wie die Syrer sich nach dem
    bewaffneten Konflikt zusammenfinden, mehr dem Ob es dazu
    kommen kann. Verhandlungen, mit internationalem Einfluss
    bzw. Beobachtern sind eine gute Gelegenheit für einen
    gezielten Mord, möglichst an einer Integrationsfigur. Wenn
    man eine Integrationsfigur (z.B. toleranten sunn. Grossmufti)
    als Hoffnungsträger ins Rennen schickt muss man sich der
    extremen Lebensgefahr dieser Person bewusst sein, Beispiel
    nach dem Iraq-Krieg … . Aber auch die grossen aufständ. sunnit. Familienclans werden ihre vielen Toten nicht so schnell
    vergessen – vermutlich kommen sog. Blutrache-Gefühle zum
    Tragen. Und die Kurden werden ihre jetzige Freiheit nicht
    mehr zugunsten des syr. Staates einschränken wollen. Da
    auch die Türkei ihr Kurdenproblem noch nicht gelöst hat
    wird Erdogan schon Ideen entwickeln und sich kräftig einmischen.

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