Ein kontemporäres Pogrom und seine Darstellung in den Medien

In der libanesischen Hafenstadt Tripolis findet gegenwärtig ein Pogrom von wahhabitischen Fanatikern gegen eine kleine Minderheit von Menschen alawitischen Glaubens statt. Praktisch sämtliche Medien stellen dieses Pogrom als eine Art von unvermeidlichem „Volkszorn“ dar.

Björn Blaschke berichtet für die staatliche deutsche Märchenschau:

Syrien-Konflikt löst Gewalt im Libanon aus

Der Syrien-Konflikt reißt das Nachbarland Libanon immer tiefer in eine Spirale der Gewalt zwischen den Bevölkerungsgruppen. In Tripoli lieferten sich sunnitische Araber und Alawiten heftige Gefechte. Ihre Stadtteile sind durch eine Straße getrennt: Sie heißt „Syrien“.

Sechs Tote und fünfzig Verletzte an einem Tag – damit ist die Zahl der Opfer bei den Auseinandersetzungen in Libanons zweitgrößter Stadt Tripoli schlagartig angestiegen. In den drei Tagen zuvor waren zwölf Menschen umgekommen, mehr als hundert weitere hatten Verletzungen erlitten. …

Andere Massenmedien berichten ähnlich. Der Spiegel titelt: „Gefechte syrischer Kriegsparteien: Tote bei Kämpfen im Libanon.“ Die Zeit titelt: „Syrien: Hisbollah zieht Libanon in den Bürgerkrieg.“ Und die FAZ titelt: „Schwere Kämpfe syrischer Kriegsparteien im Libanon.“ Und so weiter und so fort. Der Tenor der Berichterstattung ist überall der gleiche. Nicht nur in Deutschland, auch in allen anderen Ländern der „westlichen Wertegemeinschaft.“ Die Kriegsereignisse in Syrien hätten zur Folge, dass im Libanon Sunniten auf der einen Seite und Alawiten und Schiiten auf der anderen Seite aufeinander losgehen, heißt es unisono.

Dabei ist es kein wirkliches Geheimnis, was im Libanon gerade wirklich geschieht. Die CIA-nahe Publikation „Time“ schreibt:

Rebellenkommandeure in Syrien, und sunnitische religiöse Führer im Libanon, haben auf sektiererische Rache-Attacken gegen Alawiten und Schiiten auf beiden Seiten der Grenze hingewiesen, sollte Qusair fallen, was den Grundstock für einen regionalen sektiererischen Konflikt legte.“

Auch die regierungsnahe US-amerikanische Publikation Al-Monitor hatte zuvor bereits berichtet, dass gegen die syrische Regierung eingestellte „fundamentalistische“ Gruppen im Libanon beabsichtigen, sich für eine Niederlage im syrischen Qusair im Libonon zu rächen. Wahhabitische Prediger wie Omar Bakri und Rebellenkommandeure wie Abdel-Hamid Zakaria lassen keinen Zweifel daran, was damit gemeint ist, nämlich dass ein „Volkssturm“ aus Rache für Niederlagen von Aufständischen in Syrien Angehörige der Glaubensgemeinschaften der Alawiten und Schiiten massakrieren wird.

Tripolis ist das wesentliche Zentrum der Unterstützung der wahhabitischen, auch salafistisch genannt, Unterstützung der bewaffneten Regierungsgegner in Syrien. Das ist dem Westen wohlbekannt. Das US-amerikanische Wilson Center berichtete kürzlich:

Libanon hat weniger als zehn gutbekannte Salafisten-Sheikhs, aber Tausende gehe auf ihre Demonstrationen und hören ihren Predigten zu. … Jeder Sheikh hat seine Anhängerschaft. Die größte Gruppe ist in Tripolis, der zweitgrößten Stadt des Libanon.

Ebenso ist bekannt, dass der in Sidon lebende „Sheikh“ Ahmad Al-Assir, von dem angenommen wird, er würde von den syrischen Kriegsgegnern Katar und Saudi Arabien finanziell unterstützt, in Tripolis den bewaffenten Kampf gegen Alawiten und Schiiten in Qusair predigt.

Fazit: Es ist völlig klar, dass die libanesische Hafenstadt eine Hochburg von rassistischen Wahhabiten – oder Salafisten – ist, die Schiiten und Alawiten ans Leder wollen, wenn ihre Gesinnungsgenossen in Qusair verlieren. Die kleine alawitische Gemeinde in Tripolis hat mit den Auseinandersetzungen in Syrien hingegen überhaupt nichts zu tun. Obwohl das so ist, greifen Sympathisanten der Aufständischen in Syrien Alawiten in Tripolis an.

Auf dieses Verhalten der Alawiten-Hasser und Sympathisanten der Aufständischen in Syrien in Tripolis trifft die Definition der Wikipedia zum Stichwort Progrom vollständig zu:

Ein Pogrom (m., auch n.) ist die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angehören oder aber von den Tätern einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden. Häufig sind es politische Gruppen (z. B. Menschen einer Partei) oder religiöse Gruppen (z. B: religiöse Minderheiten)….

Was in Tripolis gerade geschieht, ist ein Pogrom. Dass die Medien das als unvermeidliches Überschwappen des Volkszornes wegen des Krieges in Syrien auf den Libanon darstellen, ist ein Skandal. Mit so einem unvermeidlichen Volkszorn haben die Nazis die Novemberpogrome 1938 gerechtfertigt. Dass die Medien mit den March 14 nahestehenden Wahhabiten symathisieren, weil die dank ihres Bündnises mit der faschistischen libanesischen Falange als israelfreundlicher gelten, macht den Skandal nicht geringer. Dass anti-schiitischer Rassismus von einigen Mitgliedern der „westlichen Wertegemeinschaft“ und einigen ihrer arabischen Verbündeten gezielt und planmäßig angeheizt wird, um damit politische Ziele durchzusetzen, macht den Skandal perfekt.

6 Gedanken zu “Ein kontemporäres Pogrom und seine Darstellung in den Medien

  1. wieso kann man diese Hassprediger nicht dingfest machen, bzw. wegsperren, diese sind doch mit ihren fathwas an viel grausamkeit und leid schuld, weg mit dem pack.

    1. „Man“ könnte:

      Aber die „westliche Wertegemeinschaft“ will nicht.

      Es sind ihre Hassprediger. Jeder noch so perverse Hassprediger ist der „westlichen Wertegemeinschaft“ recht, wenn er, an Stelle von Israel, erstmal gegen muslimische Kameraden hetzt.

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