In Syrien geht’s nicht ums Gas – Gas spielt beim Krieg gegen Syrien nur eine Nebenrolle

Angesichts dessen, dass der ansonsten hochgeschätzte Rainer Rupp gerade in der jungen Welt einen Artikel mit Titel „In Syrien geht’s ums Gas“ veröffentlicht hat, sei hier nochmal ein früherer Kommentar vom Parteibuch zitiert zum Thema der 2009 öffentlich andiskutierten Katar-Türkei-Pipeline, die eine mögliche Gasquelle für Nabucco hätte sein können.

Das Parteibuch kommentierte das Gasmotiv am internationalen Terror- und Propagandakrieg gegen Syrien am 14.12.2012 wie folgt:

… im Nordfeld von Katar liegen laut Wikipedia rund 900 TCF ( 25 Billionen m3) Gasreserven, gefördert werden sollen da 2012 rund 760 Mio m3 täglich.

Das ist tatsächlich eine große Menge. Der Emir verwendet das Gas zu einem Teil zur Alumniumproduktion, und einen anderen Teil des Gases verflüssigt er seit Kurzem kostspielig, um das Gas dann per Schiff unter anderem nach Europa, und da vornehmlich nach Britannien, zu exportieren.

Viel billiger könnte der Emir in einer Pipeline sein Gas nach Europa transportieren, und da würde dann auch viel mehr Profit hängenbleiben. Von Europa ist auch schon eine Gaspipeline in die Richtung, also Richtung Türkei, geplant, die dringend nach einer guten Gasquelle sucht: Nabucco.

Nur leider befindet sich zwichen Nabucco und dem Nordfeld von Katar ein Gürtel von mit dem katarischen Konkurrenten Russland befreundeter Länder, die eben aufgrund ihrer engen Bindungen an Russland kein Interesse daran haben, bei dem katarischen Projekt zur Übernahme des russischen Gasabsatzmarktes Europa mitzumachen. Leider, leider, aus der Sicht des Emirs und den Transatlantikern von Nabucco, ist also keine Pipeline von Katar zu Nabucco möglich.

Es sei denn natürlich, man sprengt durch einen Regime Change ein Loch in den Gürtel Iran, Irak, Syrien, der Nabucco vom katarischen Nordfeld trennt. Dann könnte das Projekt einer Gaspipeline von Katar zu Nabucco und damit nach Europa verwirklicht weren. Regime Change zur Unterwerfung des Irak haben die transatlantischen Strategen bereits erfolglos versucht, grüne Revolte in Iran hat auch nicht geklappt, aber das kleine Syrien, da soll es nun klappen.

Eine potentielle Pipeline Katar-Nabucco ist tatsächlich ein plausibles Gasenergie-Motiv für Regime Change in Syrien. Überbewerten würde ich das aber nicht. Bei dem gegenwärtigen Choas wird so ein Pipelinebau in Syrien noch auf Jahre schwierig bleiben, und bis dahin ist womöglich Gasverflüssigungstechnik bereits deutlich preiswerter geworden, so dass sich so eine lange und teure Pipeline möglichereise gar nicht mehr richtig lohnt.

Eine preiswerte Gaspipeline Katar-Türkei ist vielleicht ein nettes Sahnehäubchen obendrauf für die Investoren in den Krieg gegen Syrien, aber nicht das strategische Ziel.

Ähnlich hat sich auch der syrische Präsident Bashar Al-Assad gerade im Interview geäußert:

As for the gas, this issue has never been discussed with us. However, we had planned and announced major railway transportation projects for the region, other projects linking the five seas, as well as the transfer of oil and gas, north and south, east and west. These would enhance the development process of the region and prosper the economies of all of its countries.

A country like Syria is not by any means a satellite state to the West. Syria is an independent state working for the interests of its people, rather than making the Syrian people work for the interests of the West. It is only normal that they would not want us to play a role, preferring instead a puppet government serving their interests and creating projects that would benefit their peoples and economies. Syria is strategically placed not just for oil and gas projects, but also to shift the balance of power between the major players.

Die Major Player der Region sind Israel und Iran, hinter denen sich ihre jeweiligen Partner aufreihen. Das zionistische Apartheidregime über Palästina ist, auch wenn das von der anti-syrischen Propaganda verschleiert wird, etwa um die Menschen nicht misstrauisch zu machen, der wesentliche Antreiber des Terror- und Propagandakrieges gegen Syrien. Israels Ziel ist es, gemeinsam mit Lakaien wie NATO- und GCC-Staaten die iran-freundliche Achse des Widerstandes zu schwächen, oder besser noch, zu zerstören, damit Israel seine regionale Dominanz bewahren kann. Darum geht es beim Krieg gegen Syrien.

Wer sagt, es gehe in Syrien bloß um eine Gaspipeline, der ermöglicht es dem Haupttäterstaat Israel, sich aus der Verantwortung für das Verbrechen dieses sorgsam geplanten unkonventionellen Angriffskrieges gegen Syrien zur Schwächung der pro-iranischen Achse zu stehlen, genauso wie sich Israel und Israel-Lobbyisten aus der Verantwortung für den von ihnen angeschobenen Angriffskrieg gegen den Irak gestohlen haben.

19 Gedanken zu “In Syrien geht’s nicht ums Gas – Gas spielt beim Krieg gegen Syrien nur eine Nebenrolle

  1. Ein kleines Kärtchen dazu mit den Pipeline-Ideen wäre nicht schlecht.
    Nur Spezialisten kennen die gegenwärtigen Quellen und geplanten wie existierenden Pipelines.

    1. Weil dort jetzt der Iran das Sagen hat. Deswegen drängen die beiden führenden Kulturnationen der Welt auf einen erneuten Regime Change.

  2. Hallo Parteibuch.
    Wie immer halte ich Deine Einschätzung der Rolle Israels für nicht zutreffend und meine, dass es sich dabei um einen Vasallenstaat der USA handelt, wenn dieser Vasall wegen seiner Wichtigkeit für das Imperium im Nahen Osten sich auch gewisse Freiheiten herausnehmen kann.
    Aber was die Bedeutung einer Gaspipeline angeht, geb ich Dir gegen Rainer Rupp (dem ich ungern nicht recht gebe) recht. Beim Angriff auf Syrien geht es mehr um Politisch-Strategisches als um Syyrien als möglichen Durchgangsstaat für was auch immer. Nicht einml eine Quisling-Regierung in Syrien ist unabdingbares Ziel. Für den Notfall, nach dem es aussieht, genügt es, Syrien zu einem Failing State zu machen. Das ist insofern schon erreicht, als Syrien mit den schon erreichten Zerstörungen um Jahrzehnte zurückgeworfen ist, selbst wenn die Regierung die Landsknechte niederwerfen kann.
    Nabucco selbst steht inzwischen sehr in Frage. Das Projekt scheint mit TAP (einer „transadriatischen“ Pipeline via Albanien nach Italien) eine ernsthafte Konkurrenz erhalten zu haben. – einem Konsortium, das von der Schweiz und Norwegen geführt wird und an dem die deutsche Eon nur mit 15 % beteiligt ist. Möglicherweise hat das auch damit zu tun, dass sich die russische Transneftgaz an der ungarischen MOL beteiligt hat und damit ein Teil der Nabucco-Linie unter russischem Einfluss stünde. (Russland rauszuhalten war ja ein Hauptmotiv für das Nabucco-Projekt und würde infolge der Eigentümerverhältnisse bei MOL diesen Zweck nicht mehrhundertprozentig gewährleisten.)

    1. @Sepp
      Israel hat heute eine Machtstellung ähnlich der wie sie die katholische Kirche im Mittelalter gegenüber Kaisern hatte, beruhend vornehmlich auf der Fähigkeit, die öffentliche Meinung in fremden Ländern zu beeinflussen. Und genau wie die Kirche in manchen Phasen des Mittelalters mitnichten einfach nur ein Anhängsel der Kaiser war, sondern die Kirche teilweise stärker als die Kaiser war, ist auch Israel kein einfaches Anhängsel des Empires.

      Papst Netanjahu und Kaiser Obama haben gerade scharfe Differenzen, gerade was die Nahostpolitik angeht. Obama hatte von Netanjahu in Kairo einen Siedlungsstopp in besetzten Gebieten einschließlich Jerusalem sowie einen Palästinenserstaat verlangt. Später hat Obama Netanjahu regelrecht bekniet, Frieden mit den Palästinensern zu machen (und Israel z.B. Extra-Kampfsjets gegen einen Siedlungstopp versprochen).

      Netanjahu hat Obama demgegenüber bei der AIPAC-Konferenz in Washington sinngemäß gesagt, er kann ihn mal kreuzweise (Jerusalem is not a settlement). Bei der Präsidentschaftswahl 2012 hat Netanyahu versucht, Obama zu entmachten, in dem er mit der größtmöglichen Macht der Israel-Lobby seinen Gegenkandidaten Romney unterstützt hat.

      Obama hat die Wahl totzdem gewonnen und zahlt es Israel und Netanjahu gerade heim, dass er versucht hat, ihn zu stürzen. Maßnahmen waren Säuberungen des US-Apparates von Israel-Firstern (Petraeus, Clinton, usw rausgeschmissen) und Chuck Hagel – gegen den erbitterten Widerstand der Israel-Lobby – zum Verteidigungsminister zu machen.

      Netanjahu will unbedingt den iranischen EInfluss aus Syrien weghaben.

      https://nocheinparteibuch.wordpress.com/2013/02/16/parteibuch-kommentar-zur-ard-dokumentation-syrien-falle-teil-1/

      Er hat in den letzten zwei Jahren unzählige unter Kontrolle von Israel stehende Medienstationen, die politischen Lakaien von Israel (von der Israel-Lobby beherrschter Kongress, Senat, Briten, Franzosen, usw) sowie die „Thinktanks“ der Israel-Lobby (WINEP, Henry-Jackson-Society, usw) daran gesetzt, den Sturz von Assad zu betreiben.

      Doch Obama weigert sich, den Drucksoweit zu erhöhen, wie Israel meint, dass es nötig ist, um Assad zu stürzen, macht dabei Risiko und potenzielle Kosten geltend.Obama lässt also Israel mit den bisherige Kriegsaufwendungen gegen Syrien voll auflaufen.

      http://www.nytimes.com/2013/04/27/world/middleeast/israel-sees-obamas-response-on-syria-as-gauge-for-iran.html?pagewanted=all&_r=0

      Wenn man das Auflaufenlassen als Rache dafür sehen will, dass Netanjahu versucht hat, Obama zu entmachten, muss man nicht verkehrt liegen. Man kann natürlich stattdessen auch Obamas Vorsicht und Risikoaversion loben.

      1. Wer bei der Tagesschau das sagen hat, zeigt sich gerade bei den Kommentaren zum Artikel „US-Regierung: Drohnen töteten auch US-Bürger “ es scheinen zur Zeit alle Kommentare gegen Obama zugelassen zu sein. Hab erst gedacht mein Kommentar wird wieder zensiert, aber siehe da.
        Da musste ich gleich an diesen Artikel denken und die Antwort vom Parteibuch zu Sepp Aigner’s Kommentar. Also wer gerade was gegen Obama los werden will scheint auf tagesschau.de willkommen zu sein.

    2. Ist dir bekannt, daß sich die US-Ölindustrie bis zum Feststehen der Invasion in den Irak GEGEN den Krieg aussprach? Welche Lobby ist stärker als die der Ölindustrie (wenn wir die Rentner mal außen vor lassen)?

      Ist dir bekannt, daß die Curveball-Passage aus Powells Rede nach Drängen der CIA gestrichen worden war, aber in der Nacht vor der Rede darin wieder auftauchte? Wer hat die Macht, die Rede des Außenministers des mächtigsten Landes der Welt über Nacht ändern zu lassen, ohne seine Zustimmung und die der Dienste einzuholen? Douglas Feiths Gestapo-Office (O-Ton Powell) war es, geleitet vom „Inhaber eines Likud-Mitgliedsausweises“ (O-Ton Wilkerson spöttisch über ihn). Und Lewis Libby war es, Cheneys Sicherheitsberater.

      Wer argumentierte am aggressivsten zugunsten eines Krieges gegen den Irak? Hierin findest du die Antwort:

      http://www.amazon.com/The-Transparent-Cabal-Neoconservative-National/dp/1932528172/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1369128414&sr=8-1&keywords=transparent+cabal

      Fein säuberlich aufgelistet, jede Behauptung wird anhand einer belastbaren Quelle belegt.

      Als Vorlage dienten diese Strategiepapiere:

      http://cosmos.ucc.ie/cs1064/jabowen/IPSC/articles/article0005345.html

      http://www.gwu.edu/~nsarchiv/nukevault/ebb245/doc03_extract_nytedit.pdf

      http://www.gwu.edu/~nsarchiv/nukevault/ebb245/index.htm

      http://www.israeleconomy.org/strat1.htm

      http://www.israeleconomy.org/strat2.htm

      Konkurrenten zerschlagen, entlang ethnischer Linien aufteilen, Zwietracht säen, regierungsunfähig machen. So erfolgt im Irak, in Libyen und — fast — in Syrien. Alles zulasten der internationalen Beziehungen der USA in der Region, deren Ansehen sich deswegen im freien Fall befindet.

      Wer tut so etwas ohne Not?

  3. @ Nobilitatis: Weil die USA ihre Ziele nicht erreicht haben. Die Iraker arbeiten mit den Iranern und den Türken zusammen und versuchen sich frei von den US-Besatzern zu machen.

    1. Tagore
      „Die Iraker arbeiten mit den Iranern und den Türken zusammen und versuchen sich frei von den US-Besatzern zu machen.“

      Das war mal. Gegenwärtig arbeiten die Türken gemeinam mit der KRG, Israel, Saudi Arabien und Katar daran, Maliki mit dem Schüren von wahhabitischem Terror zu stürzen, während Maliki von Iran, Syrien und Hisbollah gestützt wird. Die USA versuchen sich neutral zu verhalten oder sogar die Türkei bei ihren Umsturzabsichten zu bremsen.

      http://www.todayszaman.com/columnist-308500-energy-plays-in-turkeys-ties-with-us-and-iraq.html

    1. Der Sch**ss wird aber trotzdem nicht einfach so geschluckt.
      Die Sternchenbewertung unter dem Artikel ist selbstredend!
      Es gibt noch Hoffnung.
      MfG

  4. Na ja, wenn du wissen willst, was spätestens in einem Vierteljahr Forderung der amerikanischen Außenpolitik ist, mußt du nur das Commentary Magazine oder den National Review Online lesen. Dort treiben sich die Kriegshuren herum. Ich denke, was die schreiben, die Texte mit Gänsefüßchen und versteckten Drohungen, ist eindeutig.

  5. gut gedacht – aber nicht zu Ende gedacht!
    Der Gap ist die falsche Vorstellung, das der Staat USA von Bedeutung ist.

    Die wahre Machtpyramide hat ihre Spitzen in der internationalen Hochfinanz, denen geht die USA genauso am A… vorbei wie die Europäischen Staaten, im Gegenteil, sie sind dabei, die Staaten zu zerstören und die Macht über internationale Konzerne auszuüben.
    Die USA waren nur Werkzeug der letzten 200 Jahre, um konkurrierende Staaten zu zerschlagen – schauen sie sich die Veränderungen der Weltkarte der letzten 200 Jahre an.

    Hier sind Leute am spielen, deren Zeithorizont in Dekaden und Centurien lebt und den ganzen Planeten umfaßt – der Durchschnittbürger, dessen Zeithorizont kaum bis zum nächsten Ersten reicht, blickt überhaupt nicht, was da abläuft, und so mancher gefeierte Sieg war schon eine reale Niederlage !
    mfg zdago

  6. Herrje, was ist der Spiegel peinlich:

    Raniah Salloum: Krieg um Kusair: Das Stalingrad der syrischen Rebellen

    http://forum.spiegel.de/f22/krieg-um-kusair-das-stalingrad-der-syrischen-rebellen-90920.html

    Militärisch hatten die syrischen Lakaien Israels bereits in Daraya. Wenn man im Bild des letzten deutschen Russlandfeldzuges bleiben will, dann ist der Krieg in Qusair inzwischen militärisch eher bei der Operation Bagration angelangt. Aber immerhin vergleicht nun der Spiegel die als Rebellen bezeichneten Todesschadronen mit den deutschen Nazis, was von der Ideologie her weigstens gut passt. Vermutlich deshalb gab es beim Siegel ruckzuck eine Beschwerde, und der Titel des SPiegel-Artikels lautet nun: Schlacht um Kusair: Assads neue Strategie trifft Rebellen.

    Und der BND ist erst recht peinlich. Matthias Gebauer im Spiegel:

    „Der deutsche Auslandsgeheimdienst revidiert seine Einschätzung der Lage in Syrien radikal. Noch 2012 hatte der BND ein schnelles Ende des Assad-Regimes prognostiziert. Die neue Analyse: Das staatliche Militär ist stabiler denn je, die Rebellenbewegung hingegen zerfasert.“

    Kernausage: Versorgungsrouten der Lakaien Israels nach Süden und Westen ins Ausland sind abgeschnitten, die Lage der Lakaien Israels, die als „Volksrevolutionäre“ vermarktet werden, ist damit aussichtslos.

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-bnd-rechnet-mit-offensive-der-assad-truppen-im-buergerkrieg-a-901132.html

    Jetzt, wo es gar nicht mehr zu leugnen geht, kommen sie damit an. Hätten sie das ein paar Monate früher gesagt, hätten sie es zahlreichen ihrer Lakaien ersparen können, sich in aussichtslosen Schlachten für Israel zu opfern.

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