Türkei bekräftigt „wahre Freundschaft“ mit „Israel“

Manche Lügen haben extrem kurze Beine. Seit Monaten versucht das türkische Regime in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, als würde die Türkei sich im Interesse aller Muslime gegen Aggressionen des zionistischen Regimes stemmen, und schreckt dabei nicht einmal davor zurück, Syrien eine heimliche Kollaboration mit „Israel“ zu unterstellen.

Ebenso versucht der saudisch-wahhabitische Terroristensender „Al Arabiya“ seinem Publikum immer wieder auf’s Neue einzutrichtern, dass Israel Syrien heimlich dabei hilft, den muslimischen Regionalmächten wie Katar, der Türkei und Saudi Arabien mit Gewalt angestrebten Regime Change in Syrien zu verhindern. Das ist nur die Spitze des Eisberges. Auch unzählige andere einflussreiche wahhabitische Persönlichkeiten und arabischsprachige Medien verbreiten die Behauptung, Syrien würde unter Bashar Al-Assad heimlich mit Israel kollaborieren und gemeinsam mit den USA und der EU daran arbeiten, die „Revolution“ in Syrien zu sabotieren.

Hintergrund dieser Behautungen ist, dass „Israel“ den allermeisten Menschen in der arabischen Welt im Allgemeinen und in Syrien im Besonderen aufgrund seiner rassistischen und aggressiven Landraub- und Kolonialisationspolitik zutiefst verhasst ist. Würden die Bewürworter von Regime Change in Syrien Muslime und Araber innerhalb und außerhalb Syriens dazu aufrufen, ihre muslimischen und arabischen Mitbürger in Syrien massenhaft zu massakrieren, um Israel damit einen Gefallen zu tun, würde den Aufruf kaum jemand befolgen. Ein in der Substanz identischer Aufruf, präsentiert als „Revolution“ zur Beseitigung eines mit „Israel“ kollaborierenden Regimes, hat in der muslimischen und arabischen Welt ungleich mehr Anziehungskraft.

Natürlich ist jedem, der verfolgt, wie einschlägige Hasbaristen Propaganda für die „Revolution“ in Syrien machen, Israel Sanktionen gegen die engsten Verbündeten Syriens, nämlich gegen Iran und gegen Hisbollah, vorantreibt und die Israel-Lobby mit aller Kraft versucht, Unterstützung für die „Revolutionäre“ durch Waffenlieferungen und Luftwaffenunterstützung seitens der NATO zu organisieren, völlig klar, dass Israel den Regime Change in Syrien unterstützt, so gut Israel dazu in der Lage ist. Offizielle und inoffizielle Vertreter „Israels“ sagen sogar ganz offen, dass „Israel“ Regime Change in Syrien will, um Hisbollah und Iran zu schwächen, und dass Israel, um dieses Ziel zu erreichen, auch in Kauf nehmen würde, dass dann womöglich wahhabitische Jihadisten in Syrien an die Macht kommen. Lediglich vom breiten öffentlichen Bewusstsein wird die israelische Unterstützung für den Versuch des Regime Changes in Syrien, so gut es geht, ferngehalten.

Und so glauben trotz aller gegenteiligen Beweise zahlreiche der in Syrien aktiven Anti-Regierungskämpfer an das von sie aus allen westlichen und wahhabitischen Propaganda-Kanälen einregnende Märchen, Syrien und Israel würden gemeinsam daran arbeiten, den Sieg der „Revolution“ in Syrien zu verhindern. Eines der proministesten Beispiele dafür waren die Kidnapper der UN-Blauhelme, die öffentlich kundtaten, Syrien, die EU und die UN würden gemeinsam mit „Israel“ daran arbeiten, ihren Sieg zu verhindern. Diese Kämpfer glauben wirklich, sie würden gegen israelische Interessen kämpfen, obwohl sie in Wirklichkeit von „Israel“ unterstützt werden.

So erklärt sich auch, dass der türkische Regierungschef Erdogan wütend war über den israelischen Luftangriff auf Syrien. Erdogan war nicht wütend darüber, dass Israel die Bemühungen zum Regime Change in Syrien durch einen Luftangriff unterstützt hat, sondern darüber, dass er selbst aufgrund seiner eigenen Unterstützung für den Regime Change dadurch als in Syrien in einem Schützengraben mit „Israel“ kämpfend bloßgestellt wurde. Die in der arabischen Welt aufgrund der wahhabitischen Propaganda gängige Lüge, dass „Israel“ heimlich mit Syrien gemeinsame Sache macht, hat durch den israelischen Luftangriff auf Syrien einen Riss bekommen, das war es, was die türkische Regierung so wütend gemacht hat. Trotzdem hat der israelische Luftangriff auf Syrien, wie das spätere Statement der Geiselnehmer der UN-Blauhelme zeigte, der Lüge, und den Kriegsbemühungen gegen Syrien, nicht unmittelbar geschadet. Weit verbreitete Lügen tendieren dazu, sich hartnäckig in den Köpfen von Menschen festzusetzen.

Doch nun hat Barack Obama den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu mit einem Kalkül zu Syrien dazu gebracht, sich bei der türkischen Regierung offiziell für den mörderischen Überfall auf die Mavi Marmara im Jahr 2010 zu entschuldigen, den Hinterbliebenen der Opfer Kompensation zu zahlen und die humanitäre Situation im Gazastreifen zu verbessern. Erdogan hat die Entschuldigung freudig angenommen, und wie angekündigt, versprochen, die diplomatischen Beziehungen zu Israel zu normalisieren. Der türkische Botschafter in Washington bezeichnete „Israel“ unmittelbar nach der Entschuldigung sogleich als wahren Freund der Türkei. Der Türkei steht damit der Weg offen, gemeinsam mit Israel an einer Reihe von regionalen Angelegenheiten wie Syrien, Iran, Irak und möglicherweie auch Zypern, zu arbeiten, freuen sich türkische Analysten. Und unausgesprochen ist es für die Türkei sicher auch leichter, auf dem Weg zum Beitritt in die EU voranzukommen, wenn die Türkei dabei nicht die in Kernstaaten der EU sehr mächtige mächtige Israel-Lobby als Gegner hat.

Und so arbeiten sie nun alle gemeinsam immer offener am Regime Change in Syrien. Während in der US-Presse gegenwärtig zu lesen ist, dass der gewünschte Regime Change in Syrien ohne mehr Unterstützung aus dem Ausland nicht in Sicht ist, gab Barack Obama in Amman zu, in Syrien sei etwas zerbrochen, was nicht so ohne Weiteres repariert werden könne, auch wenn es dort keinen Assad geben sollte, freilich ohne zuzugeben, dass er, Barack Obama, selbst der Hauptverantwortliche für den sorgsam vorbereiteten Terror- und Propagandakrieg gegen Syrien ist. Und so hat Barack Obama als Reaktion auf die Erkenntnis, dass in Syrien durch den unkonventionellen US-geführten Terrorkrieg etwas zerbrochen ist, die CIA angewiesen, noch mehr Terroristen für den Einsatz in Syrien auszubilden und auszurüsten.

Eine unausweichliche Nebenwirkung der von den USA angestoßenen Versöhnung zwischen Israel und der Türkei ist es jedoch, dass die Lüge, die Türkei sei der wesentliche Gegenspieler Israels in der Region, nun in der arabischen und muslimischen Welt weiter an Glaubwürdigkeit verlieren wird. Abzuwarten bleibt, ob irgendwann, und wenn ja, wann, der Punkt kommt, wo die Anti-Regierungskämpfer am Boden in Syrien und der arabischen Welt merken, wie sie gezielt irregeführt und benutzt werden, um israelische Interessen in Syrien zu verwirklichen, und wenn es soweit ist, welche Auswirkungen das haben wird. Die Geschichte, die Türkei und die GCC-Staaten würden Israel damit schaden wollen, dass sie Regime Change in Syrien versuchen, ist jedenfalls immer leichter als plumpe Lügengeschichte zu durchschauen.

17 Gedanken zu “Türkei bekräftigt „wahre Freundschaft“ mit „Israel“

  1. Mir macht was ganz anderes Kopfzerbrechen.

    Wie werden sich zukünftig die Kurden positionieren, nachdem Öczalan den Waffenstillstand verkündet hat? Was hat Ankara den Kurden als Gegenleistung angeboten?

  2. @Det70
    „Mir macht was ganz anderes Kopfzerbrechen.“
    Ich würde das erstmal nicht per se negativ sehen. Natürlich kann das türkische Kalkül hinter dem Waffenstillstand sein, eine freiere Hand für Angriffe gegen Syrien zu bekommen. Andererseits kann es aber auch sein, dass der Waffenstillstand bedeutet, dass Hunderte von Kilometern syrisch-türkisches Grenzgebiet nun ruhig sind. Frieden ist nirgends eine schlechte Nachricht, sondern eher ein Grund zum Feiern. Oder jedenfalls wenigstens ein Grund für vorsichtigen Optimismus.

    „Wie werden sich zukünftig die Kurden positionieren, nachdem Öczalan den Waffenstillstand verkündet hat?“
    Sie werden Autonomie, politische und kulturelle Rechte, Frieden und Freiheit für ihre Gefangenen wollen.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Koma_Civak%C3%AAn_Kurdistan#Politik

    http://www.diekurden.de/news/nordkurdistan/oecalans-historische-erklaerung-zu-newroz-2013-0021965/

    „Was hat Ankara den Kurden als Gegenleistung angeboten?“
    Politische Mitsprache, kulturelle Rechte und Frieden, möglicherweise auch „baldige“ Freiheit für einige Gefangene.

  3. Die freundschaftlichen Beziehungen der Türkei zu Israel ist nie in Frage gestellt worden. (nur mal eben propagandistisch nach der Tötung von türkischen Helfern der Gaza-Hilfsflotte)

    Die Lieferungen von Trinkwasser mit Tankern an Israel/ die Touristenströme von Israelis u.a. Wirtschaftsgüter … Geld stinkt nicht … da spielen die Glaubensbrüder/schwestern keine Rolle !

    Erdogans Traum vom Neu-osmanischen Reich mit Hilfe von USA-Nato-Zionisten ist noch ungebrochen – auch wenn er eines Tages vom Imperialismus genauso fallen gelassen wird, wie viele USA-Nato-Zionisten-Vasallen.
    (Vietnam/Afghanistan/Irak/Lybien und…und…)

  4. Was Erdogan im Schilde führt, wird die Entwicklung an der Syrisch-Türkischen Grenze zeigen, denn bisher hat Erdogan mittels schwer bewaffneter AlQuaida Banden, die Kurden überfallen lassen und dieser Prozess ist sicherlich nicht zu Ende.

  5. Bischof al-Khouri: al-Bouti ist getötet worden, weil er Christentum und Islam zusammenbringen wollte

  6. Niemand hat etwas davon,wenn Christ und Muslim sich streiten.Ausser der Feind von Beiden.

    1. Wer will, kann gerade auf tagesschau.de bezüglich des Rücktritts Khatibs einem mutmaßlichen Verarschungsversuch des Staatsfernsehens beiwohnen.
      xxx.tagesschau.de/ausland/syrien2650.html (mit „bösen“ Kommentaren)
      xxx.tagesschau.de/ausland/syrien2652.html (von Kommentaren befreit)
      Die identischen Artikel über den Rücktritt sind weiter unten um die Meldung erweitert, israelische Fahrzeuge im Golan seien von syrischer Seite aus beschossen worden.
      Der Clou ist aber, dass die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bekannt gegeben hat, die Rebellen kontrollierten einen 25km breiten Streifen entlang der Grenze. Was ja eigentlich auch nicht der Wahrheit entsprechen kann, wenn sie sich bereits am Samstag Scharmützel mit Assads Truppen geliefert hat
      http://orf.at/stories/2173369/
      und es heute weitere Schießereien gab.
      Wie soll man sich das denn vorstellen: Regierungstruppen setzen sich in einen Jeep, heizen zur Grenze, um schnell ein paar Schüsse auf israelische Truppen abzufeuern, und wieder zurück, damit die Rebellen weiterhin das Gebiet kontrollieren?
      Das stinkt.
      Mein Kommentar, sogar unter Klarnamen, in dem ich dieses Problem ansprach, wurde natürlich nicht freigeschaltet, obwohl der sehr nüchtern und unironisch war.
      Morgen dürfte nur noch die kommentar-freie Fassung online stehen.
      Man bastelt auf-Teufel-komm-raus einen Grund einzugreifen oder offen Waffen zu liefern, – bedingungslose Solidarität mit Israel usw.

  7. Die Rebellen kontrolieren einen 25 km tiefen Streifen Grenze zu Jordanien und Israel greift vermutlich ein

    1. xxx.handelsblatt.com/politik/international/grenzkonflikt-israel-kuendigt-reaktion-auf-syrischen-beschuss-an/7976892.html

      Die Rebellen kontrollieren laut Handelsblatt „einen 25 Kilometer breiten Geländestreifen zwischen der syrisch-jordanischen Grenze und der Waffenstillstandslinie auf den Golanhöhen“

      „The 25-kilometer area located between the towns of Muzrib (near the Jordanian border) and Abdin (in the Golan Heights) is now out of regime control,” AFP reported.“ (Ich finde das nicht auf diesen unhandlichen Online-Karten, deswegen kann ich nicht abschätzen, wieweit das nach Norden reicht von der jordanischen Grenze.)
      xxx.israelnationalnews.com/News/News.aspx/166523
      SOHR benennt als Akteure „Fighters loyal to Al Nusra Front, Al Yarmuk Brigade, Al Mutaz Billah Brigade and others“.
      „The rebel forces referred to in the statement are part of the radical jihadist group known as the Islamic Front for the Liberation of Syria“.

      xxx.jpost.com/Middle-East/Syrian-rebels-take-towns-near-Israel-ceasefire-line-307250
      Die Uno-Truppen trauen sich nicht mehr raus wegen der Entführungen.
      Also da operieren Hardcor-Islamisten im von der Uno bewachten Gebiet und ballern auf alles, was sich bewegt.
      http://www.timesofisrael.com/heavy-clashes-near-syrian-border-with-israel/
      „By evening, the Revolutionary Council of Quneitra and the Golan, a local coordination body, declared that the opposition had struck Syrian mortar units on the southern slopes of Mount Hermon in a bid to “break the siege of the Quneitra province.“ “

      Entlang der gesamten Grenze zwischen Syrien und Israel wird geballert, – seit Donnerstag.
      Und Assad wird verantwortlich gemacht für die Aktionen der Rebellen.
      Israel dürfte die Gunst der Stunde nutzen, seinen Sicherheitsgürtel zu erweitern (allein schon um seine Ölbohrungen im Golan zu forcieren).
      Und weil der Westen via Jordanien die Hand über die Trupps im Süden Syriens hält, wird nicht gemuckt.

  8. DW: Syrische Aufständische erobern Grenzübergang

    http://www.dw.de/syrische-aufst%C3%A4ndische-erobern-grenz%C3%BCbergang/a-16696630

    DW schreibt: In ihrem Kampf gegen den syrischen Machtapparat haben die Rellen nun den wichtigsten Grenzübergang nach Jordanien eingenommen. Hinter den Kulissen verstärken die USA ihre Schützenhilfe für die syrische Opposition.

    (Editiert: Bitte hier nicht einfach Texte reinguttenbergen – und schon gar nicht ohne Quellenangabe.)

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