Guthabensteuer in Zypern könnte Kapitalflucht aus Russland mindern

Wie diverse Medien berichten, hat die EU sich am Freitag Abend dazu bereit erklärt, Zypern Kredite in Höhe von zehn Milliarden Euro bereitzustellen, wenn von Bankguthaben in Zypern eine Guthabensteuer in Höhe von einmalig 6,75% bei Guthaben unter 100.000 Euro und eine Guthabensteuer in Höhe von 9,9% bei Guthaben über 100.000 Euro eingezogen wird, was rund 5,8 Milliarden Euro bringen soll.

Der neugewählte konservative Präsident Nikos Anastasiades, bis zu dessen Wahl mit der Maßnahme offensichtlich gewartet worden war, sagt, die Guthabensteuer würde die Zinsen von zwei Jahren kaum übersteigen. (Zypriotische Banken zahlen ihren Kunden, anders als etwa deutsche Banken, üblicherweise mehr als vier Prozent Guthanzinsen) Außerdem bekommen Kunden als Trostpflaster für die Steuer Aktien der Banken, wo sie Geld angelegt haben, und wer sein Geld trotz der Steuer noch zwei Jahre in Zypern lasse, soll obendrein noch mit Optionen auf Gewinne aus vermuteten Gasvorkommen vor der Küste Zyperns in Höhe von 50% der Steuer entschädigt werden.

Damit das Kreditversprechen der EU gilt, müssen noch die Parlamente, insbesondere das zypriotische Parlament, aber auch die Parlamente anderer EU-Staaten, den Maßnahmen zustimmen. Präsident Nikos Anastasiades erklärte dazu, dass, wenn die Maßnahmen vom zypriotischen Parlament nicht angenommen werden, die zweitgrößte zypriotische Bank „Cyprus Popular Bank“ am Dienstag ihr Geschäft einstellen müsste, weil die EZB dann keine Liquidität mehr bereitstellen würde, woraufhin auch die größere „Bank of Cyprus“ kollabieren würde und damit ein Zusammenbruch des zypriotischen Banksystems unausweichlich sei.

Am Samstag, Stunden nach der Bekanntgabe der EU-Beschlüsse, ist es in Zypern zu einem Bankrun gekommen. Zahlreiche Bankkunden haben versucht, ihr Geld abzuheben. Doch die Banken waren darauf technisch vorbereitet und haben unmittelbar nach den Beschlüssen zunächst die geplante Guthabensteuer eingefroren und anschließend sämtliche Transaktionen unterbunden. Was den Bankkunden bleibt, ist die Erfahrung gemacht zu haben, trotz Guthabens bei den Banken über Geld nicht verfügen zu können.

Wladimir Putin kann sich mit der Kritik zum Interessenwalter für russische Vermögen im Ausland aufschwingen. Wie RIA Novosti berichtet, betragen die Einlagen russischer Banken und Unternehmen auf Zypern Moody’s zufolge insgesamt zirka 30 Milliarden US-Dollar. Das dürften rund die Hälfte aller in Zypern angelegten ausländischen Gelder sein. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte zur Einmal-Steuer für zypriotische Banken, „eine solche Beschlussfassung wäre ungerecht, laienhaft und gefährlich.“

Dabei kostet die Zwangsabgabe, die in westlichen Medien als Tabubuch, der Schock und Wut auslöst, beschrieben wird, russische Anleger zwar demnach ohne Anrechnung von Kompensationsleistungen wie Bankaktien einerseits rund 2,5 Milliarden Euro, doch für die russische Wirtschaft insgesamt muss das gar nicht so schlecht sein. Seit den Jahren der Jelzin-Zeit ist eines der größten Probleme der russischen Wirtschaft eine massive Kapitalflucht ins Ausland. Eine wesentliche Triebkraft der Kapitalflucht ist ein Vertrauensdefizit, also wenig Vertrauen in den russischen Banksektor und viel Vertrauen in den europäischen Banksektor.

Der russische Vize-Wirtschaftsminister Andrej Klepatsch erklärte zu der Einmalsteuer süffisant, es handele sich dabei bloß um wachsende Risiken und keinesfalls um eine Kapitalflucht. Es gehe nicht darum, ob russische Kontoinhaber ihr Geld abheben werden oder nicht, habe Klepatsch betont, meldet die Stimme Russlands, die Frage sei, wie sie ihr Geld retten. Das Vertrauen zu den Banken der schuldengeplagten EU sinkt.

Bezüglich des Problems der Kapitalflucht aus Russland könnte die zypriotische Guthabensteuer sich für Russland als sehr hilfreich erweisen. Es ist durchaus naheliegend, dass diese Erfahrung zukünftig mehr Russen dazu veranlasst, ihr Geld im Zweifel eher Inland zu investieren, oder, wenn es aus juristischen Gründen ausländische Anlagen sein sollen, dann vielleicht eher Anlagen eines Landes mit stabilerem Geld, größeren Reserven und damit solideren Banken, wie etwa russische Partner wie China. Rund 50 Milliarden Dollar wird die Kapitalflucht aus Russland allein im Jahr 2013 voraussichtlich betragen. Da geht es für Russland also um wesentlich mehr Geld als die einmalig brutto drei Milliarden Dollar, die russische Anleger nun in Zypern abgeben sollen. Russlands Interesse ist es, dass diese Gelder vermehrt in den Aufbau der russischen Wirtschaft fließen, nicht soviel zur Stützung der maroden EU-Wirtschaft verschwendet wird, und die Guthabensteuer in Zypern könnte Russland dabei helfen.

Nachtrag: Wie Ria Novosti meldet, sagte der russische Vizepremier Igor Schuwalow nun, Russland werde nicht zu Schaden kommen, sondern werde von der zyprischen Zwangsabgabe mittelfristig eher profitieren, weil die umstrittene Zwangsabgabe dazu führen werde, dass das Geld in andere Staaten, darunter auch nach Russland abwandert.

Nachtrag 2: Zypern ist als internationaler Bankstandort erledigt. Die Tagesschau meldet: „Das Parlament beschloss ein Gesetz zur Restrukturierung der Banken und Einschränkungen im Geldverkehr. Auf Zypern darf künftig kein Geld ohne Genehmigung ins Ausland überwiesen werden.“

Nachtrag 3: Zerohedge: Russischer Milliardär im Exil Boris Berezovsky begeht Selbstmord – Der erste Zypern-Tote?. Siehe auch RT: Russia’s self-exiled tycoon Boris Berezovsky dies at 67

8 Gedanken zu “Guthabensteuer in Zypern könnte Kapitalflucht aus Russland mindern

  1. – … Aktien der Banken … obendrein … Optionen auf Gewinne aus vermuteten Gasvorkommen …

    Realsatire im System Homo sapiens: Die Lösung aus der Sackgasse MASSENhaft strukturierter Produkte sind strukturierte Produkte für die MASSEN. Mehr vom Gleichen, denn viel hilft viel – die Quantitätsgleichung zur Rettung der Qualitätsökonomie.

    Klingt ausserdem wie ein taktischer Bohrbefehl an die Adresse der Konglomerate, die im Falle von Sicherheitsbedenken erfahrungsgemäss investitionsscheu sind:

    aus http://www.ekathimerini.com/4dcgi/_w_articles_wsite1_1_07/03/2013_486198
    – … the upper house of the Egyptian bicameral Parliament, has approved a draft law that cancels the maritime borders of an exclusive economic zone (EEZ) between Egypt and Cyprus, reports said Thursday.

    Ob Flottenverbände an dem Dilemma was ändern können? Wie auch immer, die Gaskarte soll die zypriotische Lokalvariante der Subprimekrise ausstechen.

    aus http://de.rian.ru/business/20130318/265744705.html
    – Gazprom bietet Zypern Banken-Rettung im Austausch gegen Gaslizenzen an.

    Angesichts der Rückzugsgefechte der EUSraEliten ist unwahrscheinlich, dass man evt. vorhandene strategische Reserven einfach so aus der Hand gibt. Aufgabe der EU wird es sein und bleiben, Zypern zu halten oder gegen die Türkei auszuspielen. Russland geniesst in dem Spiel mittlerweile weitgehende Narrenfreiheit. EU-Zypern beisst die Hand, die sie füttert und Putin sackt die Lorbeeren seiner umsichtigen, auf Jahrzehnte angelegten Politik ein.

    Die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh

  2. Hier ein Link der auch ein Video zur Verfügung stellt, in dem mehr als ein Wahrheit ausgesprochen wird! Wenn auch auf englisch – dennoch ist die Sentenz gut zu verstehen.

    http://www.zerohedge.com/news/2013-03-18/london-cabbie-explains-great-eu-bank-robbery-and-much-much-more

    Der Link in dem kleinen Artikel auf WallStreetPro fürht in das Archiv und zu einem fruheren Video – nur Facts und Tatsachen
    eine verbale Anklage auf Wallstreet!

    Da glühen die Sinapsen, der adrenalinspiegel steigt rapiede an! Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht, nur auf eigene Gefahr und nicht unter 5th grade satus zu genießen.

    Auf deutsch prima Wasserstandsmeldung zu Zypern!
    http://tautenhahn.blog.de/2013/03/17/eingriff-souveraenitaet-staates-erledigt-deutsche-finanzminister-bewusst-wochenende-15638619/
    Das sind die letzten Ereignismeldungen! Wenn zurückgegangen wird kommt man auf den Basis-Artikel!

    Musst Du gelesen haben um die dreistigkeit verstehen zu können!

    Viel Spaß
    Gib8

    1. @Gib8
      Was soll man dazu sagen?

      Wenn die Führer der westlichen Welt in weit entfernten Ländern Asiens und Afrikas Hunderttausende Menschen abschlachten, um ihre Länder zu unterwerfen und auszurauben, dann zeigen die werten Bürger der EU-Staaten keinerlei Reaktion.

      Wenn die Führer der westlichen Welt jedoch in einem EU-Staat eine Steuer erheben, durch die Sparer etwa zwei, und Vermögende etwa drei Jahreszinsen verlieren, dann kocht bei den werten Bürgern der EU-Staaten die Wut, und sie schimpfen über Bankster und Migranten gleichermaßen.

      Moralisch ist das völlig verkommen.

      Auf die Idee, dass es Konsequenzen hat, Angriffskriege zu verlieren, kommen die meisten der werten Bürger der EU-Staaten überhaupt nicht, icht eimal wo heute der zehnte Jahrestag des Überfalls auf den Irak ist. Aber wenn das Schimpfen hilft, die kriminelle Bande an der Spitze der sogenannten „westlichen Wertegemeinschaft“ davonzujagen, dann hat es auch was Gutes.

      1. Wer genau hinschaut wird es sehen können, dass die vorliegenden wirtschaftlichen Strukturen von der Politik abgesegnet und von der Finanzwirtschaft gefordert worden sind.
        Ja, so wird da auch das zusammen Leben der Menschen beeinflusst und gestaltet – die Strukturen finden sich vielleicht in dem neoliberalen geflügelten Satz wieder „wenn jeder an sich denkt ist an alle Gedacht“ Das ist doch die Dynamitstange die gezündet wurde!
        Oder hier: Münte: “Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.” Und da es nicht genug Lohn-arbeit für alle gibt müssen eben einige Verhungern – oder wie ist Müntefering zu verstehen?

        Da ist Zypern nur ein weiter Schritt der kriminellen Aktionen von Politik und Wallstreet – wer Augen hat der sieht!
        Noch nie in der Geschichte wurden solche Summen aus den Verlusten der Banken auf die Steuerzahler abgewälzt und natürlich nur unter einem Regime der Deregulierung und der Liberalisierung der Finanzmärkte. Blinde und Lahme Aufsichtsbehörden, taubstummer Zentralbanken und Wasserträgern in der Politik sind solche aufgeblasenen Bankbilanzen und Exzesse mit zu verdanken.
        Hiermal ein Link der zum Statement vom Chef der dänischen Saxo-Bank Lars Seier Christensen führt!
        http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/03/17/zypern-deal-das-ende-der-euro-zone-ist-gekommen/

        In Zypern werden doch wie gehabt die Verluste sozialisiert, der kleine Sparer wird zur Kasse, nicht gebeten, „richtig abgezockt“ durch Gesetzesbruch!

        Die Aussage der russischen Schwarzgeldkonten in Zypern wurde doch bereits von BND revidiert, doch selbst wenn: dann sind die Gelder investiert in Unternehmensbeteiligungen, Immobilien, Anleihen und Aktien, und dies bleibt alles ungeschoren beim Haircut.
        Die Banken selbst bleiben ungeschoren. Die haben ja den letzen Stresstest bestanden! Ha, ha, ha ha ha ha …
        Nein es muss unserer Oma ihr Erspartes sein!!!!!
        Und wir nennen es mal Haircut – und Mutter Merkel findet das gut so!!!!
        Wobei sie zu beginn der Krise, als es noch keine Krise war wie Merkel und Steinbrück betonten und Mutter felsenfest behaupt – die Spareinlagen sind sicher!

        Da kommen doch die Videos gerade richtig und man muss nicht jedes Wort oder auch augenscheinliche rassistische Worthülse thematisieren!
        Wichtig ist doch das die Strukturen aufgezeigt werden und auch die richtigen Schuldigen benannt werdend, dafür kommt so ein zorniges Video doch gerade recht – wie du ja auch erkennst, führt das auch zu mehr Bewusstsein und Veränderung!
        Gerade hat die SPD und Schröder den 10ten der ALG2/Harz4 Gesetzgebung gefeiert und noch einmal die wunderbaren neuen Wirtschaftsstrukturen hochlebenlassen.

        Ok, das war gestern doch heute feilen die Technokraten an Verfeinerungen des Systems, an der Agenda 2020! Und keiner kuckt hin.

        Mit dem zornige Ansturm,
        Grüßt
        Gib8

      2. – … Agenda 2020! Und keiner kuckt hin.

        Oh doch, aber eben erst, wenn er spürt wie der eigene Geldbeutel schrumpft. Die Masse bevorzugt die bevorzugte Regierungsforme eben nicht zu pflegen, sondern zu reparieren, weil sie unveräusserlichen Rechten keine entsprechenden Pflichten gegenüber stellt. Wer sein Pflichtenheft verschenkt, verliert damit einhergehend seine Rechte, weil sich andere ihrer bemächtigen.

        aus http://en.wikipedia.org/wiki/Agenda_2010
        – … Agenda 2010, especially the Hartz IV law, as the largest cut into the German system of social security since World War II.

        Heraus gepickt: Beschneidung der Sicherheit. In diesem Zshg. kann man Grillos Grillrezepte nicht oft genug wiederholen:

        aus http://www.tagesschau.de/ausland/grillo-interview100.html
        – Dann müssen wir einen Plan vergleichbar mit der „Agenda 2010“ in Deutschland bekommen. Was sich in Deutschland bewährt hat, wollen wir auch.

        Die Amis auf Kurs
        Grüsse
        kosh

      3. So, das Video mit dem F-Wort-Mann habe ich mir jetzt angesehen. Warum bloss habe ich nicht mitgezählt?

        Fazit: Inklusive den Fs nichts Neues auf Erden, neu nur für eine neue Generation, der zu tradieren ist: Es war immer so, auf die eine oder andere Weise wurde jedes (Geld-) Wertesystem ersäuft. Besser nachvollziehbar als im Hier und Jetzt griffen König Krösus oder das römische Imperium zur Verdünnung der Edelmetallmünzen mit „Junkmetallen“. So lange bis der Marktwert der gepanschten Münzen höher war als der Münzwert und sie direkt zur Weiterverarbeitung geeignet waren. Mit Papier geht’s auch, ist aber ungleich voluminöser, aber das „moderne“ Somalia hat auch das hingekriegt. Das berühmte Foto aus der deutschen Nachkriegshyperinflation beeindruckt offensichtlich auch nicht wirklich, ausser dass es befremdlich anzusehen ist, wenn der Heizwert von Papiergeld höher ist als die aufgedruckte Fantasiezahl.

        Bei @Tautenhahn wird der Rollstuhlpilot für sein Experimentalstatement gerügt. Und? Wen hat’s gejuckt? Die Amis praktizieren die Wochenend- und Feiertagsüberfälle auf unseren Verstand seit Jahren, die BRDDR 2.0 bevorzugt bislang ihre Lokalvarianten. Gangwolf hat insofern recht, als an Börsen strikte Publikationsregeln gelten, er hätte sich auch darauf ausreden können.

        Gangwolf et al dürfen sogar zunehmend unverblümt ihre Sicht verbreiten, nix passiert. Wobei zu relativieren ist, dass der Westen sich seit Jahrhunderten als Raubritter am Globus verdingt. M.a.W., die EUSraEliten rauben geraubtes Kapital, sofern es sich um Kapital unseres Luxus-Prekariats handelt, dem es im Vgl. zum Prekariat der 3. Welt recht passabel ergeht, weil die eben als Sub-Prekäre für alle über ihnen aufzukommen haben. Nicht dass Letztere nicht noch Prekärere Existenzen finden würden, um auch denen das Leben schwer zu machen. Der durchschnittliche Homo sapiens findet immer – nicht selten auf verschlungenen Pfaden – ein Lebewesen, dessen Lebensgrundlage ihm zu dienen hat. Das ist wie die Nahrungskette im Räuber-Beute-System.

        Was mich seit Jahren wundert, mit welchem Gleichmut sich die Masse inzwischen berauben lässt, wobei dieser wenig über den Druck im Kessel aussagt, den die (u.a. EUSra-) Eliten fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Auffällig ist, wie sachte sie in diesem Zyklus rangehen, bloss keine Pferde scheu machen – das Spiel mit dem sprichwörtlichen Frosch im heissen Wasser.
        Die Masse ist vergesslich, darauf ist Verlass. Bis zum Knall, auch darauf ist Verlass. Arg verkürzt, aber das ist die Art soziale Evolution, wie das System Homo sapiens auf veränderte Umweltbedingungen reagiert. Mal knallt weniger, mal mehr.

        Man mag vom Islam halten was man will, aber der Heilige Krieg ist religiös institutionalisiertes Grossreinemachen eines uralten Problems des Systems Homo sapiens. Vielleicht keine erstrebenswerte Lösung, aber eine mögliche Antwort auf einen nicht enden wollenden Zyklus, in dem sich der Homo sapiens selbst in Ketten legt.

        Die Amis auf Kurs
        Grüsse
        kosh

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