China plant innerhalb von 10 Jahren Investitionen von 40 Billionen Yuan in Urbanisierung

Während Europa und die USA Sparrunden einlegen, plant China gigantische Investitionen. Ein neuerer Artikel in der staatlichen chinesischen Zeitung „Global Times“ bestätigt und konkretisiert frühere chinesische und neuere westliche Informationen, dass China plant, innerhalb von 10 Jahren für Investitionen in Höhe von 40 Billionen Yuan in die Urbanisierung Chinas zu sorgen.

Da die Zahl 40 Billionen Yuan für sich genommen eine abstrakte Größe ist, die vom menschlichen Gehirn in ihrer Dimension schwer zu erfassen ist, sei diese Zahl zunächst einmal etwas veranschaulicht werden. 40 Billionen Yuan sind umgerechnet etwa 6,4 Billionen US-Dollar oder 5 Billionen Euro beziehungsweise, anders ausgedrückt, 6400 Milliarden US-Dollar oder 5000 Milliarden Euro. Da sich die innerhalb des Planes zur Urbanisierung geplanten chinesischen Investitionen von 40 Billionen Yuan auf einen Zeitraum vom 10 Jahren beziehen, lässt sich daraus eine durchschnittlich geplante Investitionssumme von 4 Billionen Yuan oder 640 Milliarden US-Dollar oder 500 Milliarden Euro pro Jahr errechnen.

Im Vergleich dazu sieht der von der EU geplante mittelfristige Haushaltsrahmen für die Jahre 2014 bis 2020 mit einem Volumen von insgesamt rund 960 Milliarden Euro, was pro Jahr rund 140 Miliarden Euro macht, geradezu zwergenhaft aus. Auch der gesamte deutsche Bundeshaushalt, der natürlich nicht nur Investitioen, sondern auch riesige Summen für Schuldzinsen, Militär und andere laufende Ausgaben enthält, und im Jahr 2013 ein Volumen von 302 Milliarden Euro aufweist, verblasst neben dem chinesischen Planungen von jährlich 500 Milliarden Euro Investitionen in die Urbanisierung Chinas. Bei den von Barack Obama gerade in Kraft gesetzten Kürzungen in den USA, von denen befürchtet wird, sie könnten die Wirtschaft abwürgen, geht es bis September um – im Vergleich zu den geplanten chinesischen Investionen in die Urbanisierung – geradezu winzige 85 Milliarden US-Dollar, und der ganze Hauhaltsstreit in den USA dreht sich darum, binnen 10 Jahren rund 1000 Milliarden US-Dollar einzusparen – während China binnen 10 Jahren 6400 Milliarden US-Dollar allein in seine Urbanisierung investieren will.

Mit anderen Worten: bei der Planung von 40 Billionen Yuan Investionen in die Urbanisierung geht es um einen gigantischen Entwicklungsplan für China und den mit Abstand größten Entwicklungsplan der Welt. Die Umsetzung dieses Planes wird die zentrale Aufgabe der frisch gewählten Parteiführung von Xi Jinping und Li Keqiang sein. Die Global Times zitiert, ohne zu widersprechen, ausländische Medien, denen zufolge es bei den Planungen zur Urbanisierung darum geht, rund 400 Millionen Menschen der – oft noch sehr armen – chinesischen Landbevölkerung zu Städtern zu machen, also binnen zehn Jahren 400 Millionen Menschen zusätzlich städtischen Lebenskomfort, städtische Lebenschancen und einen städtischen Lebensstil zu bieten. Die Urbanisierung soll die wesentliche treibende Kraft hinter dem nachhaltigen und schnellen Wirtschaftswachstum in China werden, einen historischen Beitrag zur Verbesserung des Lebensstandards in China leisten, und es darf auch damit gerechnet werden, dass die Umsetzung dieses Planes in den nächsten 10 Jahren einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der Weltwirtschaft leisten wird.

Wie die Global Times schreibt, soll Werte darauf gelegt werden, dass mit dem Entwicklungsplan kleine und mittlere Unternehmen entstehen und diese im Wettbewerb mit großen Staatsunternehmen nicht benachteiligt werden. Als Zielstellung wird von der Global Times angegeben, die Geschichte solle sich an das 40 Billionen Yuan schwere Urbanisierungspaket für seinen Beitrag zu Chinas „nationaler Verjüngung“ erinnern.

Dazu, wie die konkreten Maßnahmen im Rahmen des Planes im Detail aussehen werden, und wie der Plan finanziert werden soll, gibt es noch keine abschließenden Informationen. Westliche Medien hatten in den letzten Tagen geschrieben, die chinesische Regierung wolle den Plan über Anleihen an private Investoren finanzieren und so einen chinesischen Anleihemarkt schaffen, der westlichen Kapitalmärkten Konkurrenz macht. Implizit würde das bedeuten, dass China dem Ziel der Positionierung des Yuan als Weltreservewährung näher kommt. Die Global Times zitiert die Behauptung westlicher Medien, China wolle die Urbanisierung über Anleihen finanzieren, zwar, bestätigt sie jedoch nicht.

China hat mit staatlichen Reserven in Höhe von über 3300 Mrd US-Dollar, einer sehr geringen Staatsverschuldungsquote, einer Wirtschaftsleistung von inzwischen über 8200 Milliarden US-Dollar jährlich, rund 1000 Milliarden Dollar jährlichem Wirtschaftswachstum sowie laufenden riesigen Überschüssen im Staatshaushalt und in der Handelsbilanz praktisch freie Auswahl bei der Finanzierung seines Entwicklungsplanes zur Urbanisierung. China kann de Plan, wenn China das will, allein aus staatlichen Einnahmen und Reserven finanzieren, China kann den Plan über Anleihen finanzieren, und natürlich kann China dazwischen eine Menge Mischformen wählen. Die Ausführungen der Global Times lassen darauf schließen, dass ein reifer Kapitalmarkt und eine reife Industriestruktur China wünschenswert erscheinen, die Diskussionen dazu, wie genau das Entwicklungspaket zur Urbanisierung dazu positiv beitragen kann, in China jedoch noch nicht abgeschlossen sind. Klar ist allerdings die von der Global Times verwendete Begrifflichkeit „Stimulus Package“ – es geht bei dem Entwicklungsplan demnach um ein Stimulierungspaket, also ein staatliches Paket zur Wirtschaftsstimulierung.

Da die Global Times lang und breit darauf eingeht, dass das letzte größere Stimulierungspaket 2009, das sich im Vergleich zu dem jetzt anvisierten Entwicklungspaket geradezu bescheiden ausnimmt, unerwünschte Nebeneffekte hatte wie einen Inflationsschub und rapide steigende Immobilienpreise, und auch Korruptionsrisiken erwähnt, sieht es gegenwärtig so aus, als drehe sich die Diskussion in China gegenwärtig darum, Planungsvarianten auszuwählen, die die Ziele der Urbanisierung möglichst gut erreichen können und gleichzeitig potenzielle unerwünschte Nebenwirkungen wie Inflation, Immobilienblasen und Korruption möglichst minimieren.

Der 40 Billionen Yuan Plan zur Urbanisierung Chinas ist also offenbar, anders als beabsichtigt, zum gerade stattfindenden Nationalen Volkskongress nicht ganz fertig geworden, aber er wird wohl trotzdem schon einmal dem Grunde nach beschlossen werden und bald kommen. Wenn er erfolgreich umgesetzt wird, wird China binnen 10 Jahren ein neues Gesicht bekommen haben und die westliche Unwertegmeinschaft als führende Macht der Welt ablösen. Die Umsetzung dieses Planes und seine globalen Auswirkungen werden in den nächsten 10 Jahren voraussichtlich das zentrale Thema der Weltpolitik werden.

18 Gedanken zu “China plant innerhalb von 10 Jahren Investitionen von 40 Billionen Yuan in Urbanisierung

  1. Foreign media has reported that China plans to invest 40 TRILLION yuan ($6.4 TRILLION)

  2. Diese gewaltigen Investitionen haben noch einen anderen Vorteil, denn wenn 400 Millionen Menschen in Städte ziehen und aus der Armut geholt werden, dann erübrigt sich das von der Westlichen Wertegemeinschaft hämisch herbeigewünschte Platzen einer chinesischen Immobilienblase, die – anders als bei den überschuldeten Bürgern der USA und den dortigen Spekulationsbanken – bei näherer Betrachtung nur Wunschdenken ist und einfach darin besteht, dass es noch nicht genügend Menschen in China gibt, die sich die Fülle an gebauten Wohnungen und Immobilien leisten können.

    Des Weiteren möchte Chinas Regierung ein Wasserkanalsystem schaffen, dass über mindestens 4 Kanäle den Jangtsekiang mit dem Huang He verbindet und durch diese Regulierung des Wasserstands Hochwasser und Dürren verhindert. Bis 2050 sollen 50 Mrd. Dollar in das Projet gesteckt werden. Wenn man das weiterspinnt, dann könnte man über eine ausgeklügelte Bewässerung jährlich die Wüste Gobi „fluten“ und sie so innerhalb von einigen Jahrzehnten wieder begrünen und so helfen, das Klima im Land zu mäßigen, die Ernährungssicherheit zu erhöhen und die Sandstürme, die regelmäßig über Peking und weite Teile Chinas toben und von westlichen Hetzern gern als Smog ausgegeben werden, beenden.
    So ein gigantisches Projet wäre wie so vieles in China einzigartig und könnte nur als monomental beschrieben werden.

    PS: Der Drei-Schluchten-Damm (genau wie jeder andere Damm) hält nur 1% des fließenden Wassers zurück; es gibt genügend Wasser, um damit künstliche Flüsse und Seen zu erschaffen, indem man natürliche Senken ausnutzt und diese mit wenig Aufwand flutet.
    Der Hoover-Damm in den USA exitiert seit über 70 Jahren und hat in dieser Zeit für die Umwelt zu 99% nur Positives gebracht, z.B. mehr Fische im Wasser, Begünung in der Umgebung, landwirtschaftliche Nutzung, Tiere siedelten sich an usw. Einzig einige Fischarten sind verschwunden, da ihnen das Wasser zu kalt geworden ist. Die Kritik der „Umweltschützer“ gegen China ist politischer Natur und nicht haltbar. Außerdem liefert der Drei-Schluchten-Damm umweltfreundliche Energie.

    1. Ich nehme an und hoffe, die Planer sind klug genug, den Umweltschutz nicht zu vernachlässigen.
      Die Nachricht, die einzigartigen Flussdelfine seien ausgestorben, war schon sehr schwer erträglich für mich.
      Sie scheinen gut informiert zu sein – wissen Sie Näheres darüber?
      Unternimmt die chinesische Regierung auch etwas wegen der teils scheinbar perversen Auswüchse der „TCM“, die z.B. angeblich maßgeblicher Grund des Abschlachtens der Nashörner in Afrika sind?

  3. Na, das ist ja ganz toll, daß, was hier beschrieben wird bedeutet doch wohl, daß China mit seiner menschenverachtenden Ausbeutung der chinesischen Arbeitskräfte noch mal ne Schippe drauflegt, und weiter Jobklau in Europa betreibt, was besonders zu Lasten der Süd-Länder und der Ost-Länder, die sowieso aus dem letzten Loch pfeifen geht.. Grad die ex sozialistischen Länder, vom Warschauer Pakt befreit und in die westliche Wertegemeinschaft mit Freuden als Billiglohnländer aufgenommen, die gucken immer mehr dumm aus der Wäsche.
    Und die Sozialsysteme der westlichen Wertegemeinschaft fliegen uns um die Ohren, im Gegenzug steigt die Zahl der durch und durch korrupten chinesischen Parteibonzen-Milliadäre gewaltig an.
    Wollen wir das?
    Die sogenannten Eliten der westlichen Wertegemeinschaft haben ihre Schäfchen längst im trockenen, denen wird es auch in Zukunft sehr gut gehen, aber die Bevölkerung der westlichen Wertegemeinschaft wird verelenden,
    Wer sich heute freut, daß China den Rest der Welt in den Ruin treibt, der sollte sich darüber im klaren sein, daß es bei uns die Armen trifft, die Arbeiterschaft, die Klientel, die man bei uns durch „Sparmaßnahmen“, Agenda-Politik zu verfügbarem Humankapital degradiert hat.
    Es glaubt doch wohl niemand, daß die räuberischen Angriffskriege, die neo Kolonialisierung Afrikas, aufhört, bloß weil das Geld knapp wird.
    Es wird nur brutaler. Syrien ist ein gutes Beispiel dafür. Mit wenig Geld maximale Zerstörung erreichen, und das ist nicht das Ende der Fahnenstange.
    Ich bin im Prinzip sehr gespalten, was China anbelangt, aber letztendlich lebe ich in Deutschland, ziehe hier meine Kinder groß, saß grad jetzt mal ein paar Tage ohne Heizgas da, kein Geld, weil ich trotz guter Ausbildung inzwischen Niedriglöhner bin, und das Argument von der Konkurrenzfähigkeit ist nicht einfach wegzuwischen.
    Kein Urlaub mehr, Dreck fressen aus dem Aldi, ständiges Zittern, daß irgenwas kaputtgeht, Neuanschaffungen unmöglich, erklär das mal den Kindern!!
    China sei sein Reichtum gegönnt, aber nicht auf meine Kosten, wir brauchen eine re Industrialisierung Europas und klare Handelsschranken, um nicht das China des 21.ten Jahrhunderts zu werden.
    Die Macht und Kapital Eliten sind auf der ganzen Welt gleich, ob China, USA oder anders wo.
    Ausbeutung der Bevölkerung, leben in Saus und Braus, kein Grund zur Freude.
    Könnte noch Romane dazu schreiben, ich lass es lieber und ende mit dem Satz:
    Den Teufel mit dem Belsebub austreiben, gearscht ist immer das Volk.

    1. Ich finde wir Deutschen brauchen keine Angst vor solche Investitionsprogrammen Chinas haben – im Gegenteil: Die kaufen gerne deutsche Technik. Gerade auch Umweltinvestitionen sind dirt gefragt, wo wir durch recht hoche Umweltstandards gute Karten für den Verkauf haben.

      Das wird auch bei uns die Wirtschaft anheizen. Zumndest bis sie soweit sind alle Technikprodukte selber besser als wir machen zu können, also auch zu entwicklen. In kleineren Marktsegmenten ist das ja heute schon so.

      Außerdem: Schlechte Löhne sind relativ, weil Häuser, Mieten, Lebensmittel und Kleidung – solange sie einfach ist – sehr billig ist in China.
      Auch wirklich verarmte Menschen auf dem Land habe ich nicht feststellen können. Die schönen alten Bauern-Häuser gibt es leider kaum noch, fast alle sind weiß gefliest und (!) mittelgroße Städte mit Fabriken gib es anscheinend überall in der Nähe. Seit 2005 bin ich fast jedes Jahr dort und meist sogar im angeblich unterentwickelten Westen von China. Sie haben bereits gewaltige Infrastruktur (U-Bahnen kommen allerdings erst jetzt auch in mittelgroßen Städten), klotzen Unis und Hochhäuser überall hin.

      Das Leben in Hochhäusern ist sehr effektiv, preisgünstig und Umweltschonend und ich finde auch schön und praktisch, da alles in der Nähe ist und auch etwas los ist. Da es dort Planwirtschaft gibt und der Staat noch etwas sagenund machen kann, kriegen eben die Beschäftigten einer Fabrik, Behörde etc. günstige Wohungen in der Nähe und reduzieren das Verkehrsaufkommen.

      Deutsche Städte oder gar Dörfer kommen mir bei Rückehr oft wie häßliche Puppenküchen kurz vor dem späten Mittelalter vor und paßt eigentlich gar nicht zu der Wirtschaftsposition Deutschlands.

    2. – … Jobklau in Europa …

      Wenn europäische Unternehmer Jobs nach China verschenken, heisst das Orwellspeak „Jobklau“?

      – Wer sich heute freut, daß China den Rest der Welt in den Ruin treibt, …

      Europäische (u.a.) Unternehmer wollten und wollen im chinesischen Markt mitspielen, worauf China unverfroren auf Bedingungen gegenseitiger Handelsbeziehungen bestand, worauf europäische Unternehmer Jobs nach China verschenkten um ihre Margen zu verdoppeln, worauf weitere europäische Unternehmer Jobs nach China verschenkten, um das Überleben ihrer Unternehmen zu sichern, worauf clevere PR-Strategen sich der uralten Mär erinnerten, die Geschenke seien in Wahrheit Klaupakete und die will man nun wirtschaftszurückKRIEGen – Gerächtigkeit über alles.

      – China sei sein Reichtum gegönnt, aber nicht auf meine Kosten, …

      Oft gehört: Aber nicht auf meine Kosten! Evolution, auch die soziale, ist ein globales Umverteilungskarussel ohne Gewinngarantie. Irgend jemand wird die Kosten also tragen müssen.

      – wir brauchen eine re Industrialisierung Europas und klare Handelsschranken, um nicht das China des 21.ten Jahrhunderts zu werden.

      Klare Handelsschranken? Re-Industrialisierung? Das kann ja heiter werden, wenn sich diese Einstellung durchsetzt und unvermittelt die Frage beschleunigt, wer für Deine Kosten aufkommen soll, sobald sich der übrige Globus der Verantwortung entzieht, den Wohlstand des westlichen Unwertesystems zu buckeln. Kurz bis mittelfristig würde damit gerade für die (europäischen) Ärmsten eine brutal bittere Geschichtslektion entstehen und darüber hinaus, falls im Danach der Homo sapiens wie gehabt zu nichts anderem gut ist als für seine PRofessionellen Homo sapiens-Spielchen.

      – Die Macht und Kapital Eliten sind auf der ganzen Welt gleich, ob China, USA oder anders wo.

      Vollkommen einer Meinung mit Dir, aber Unter- und Mittelschicht sind es genau so. Von ganz unten bis ganz oben nichts als kaum bis suboptimal talentierte Homo sapiens. Indem Unter- und Mittelschicht so sind wie sie sind und das erst noch MASSEreich, schenken sie den „Macht und Kapital Eliten … auf der ganzen Welt“ seit tausenden von Jahren Chancen über Chancen, welche von diesen genauso Geiz ist geil und bin doch nicht blöd verwertet werden.

      – Den Teufel mit dem Belsebub austreiben, gearscht ist immer das Volk.

      Das Volk: Verarschen kann es sich auch selber. Ja richtig, es kann und tut es im schöner Regelmässigkeit.

      Die Amis auf Kurs
      Grüsse
      kosh

      1. Kosh, ich geb dir einfach mal auf der ganzen Linie Recht.
        Ich führe die Diskussion zu China nicht nur hier, sondern auch real im persönlichen Gespräch.
        Auffällig ist, das die Argumentationskette genau so läuft, wie hier. Dazu ist anzumerken, daß ich mich überwiegend in sogenannten linken Kreisen bewege. Und ich, frech wie Dreck, sage diesen Leuten, ihr seid Luxuslinke, es sind tatsächlich materiell gut abgesicherte Hobbylinke, die losschwadronieren, aber noch nie 14 Tage Bohnen mit Suppenkraut aus der Dose vom Aldi für 69 Cent fressen mussten,
        Die Linkspartei z.B. bereinigt zur Zeit ihre Mitgliederlisten und schmeißt Nichtzahler gnadenlos raus. Hartz4 Empfänger ekelt man raus, paßt nicht mehr in die von Zionisten, korrupten Gewerkschaftern und Milkeordensträgern unterwanderte, man kann schon sagen, ehemals linke Partei, die, wie ich grad hörte, gerne Regierungsverantwortung mittragen will, und den Arsch Bisky als Wunschkandidaten für das Amt des Nato Generalsekretär vorschlagen möchte.
        Das nur nebenbei.
        Worum es geht;
        Der Herr Parteibuch hat es gut formuliert, auch ihm gebührt meine volle Zustimmung zu seiner Argumentationskette.
        Wenn das Volk so doof ist, und sich seine Henker selbst wählt, dann hat es eben Pech gehabt.
        Der Herr Parteibuch vergisst nur, daß es in der westlichen Wertegemeinschaft keine wählbaren Parteien gibt.
        Vielleicht noch die Kommunisten, aber das sind auch, wie sagste immer, Homo Sapiens, China hat, und das sind Kommunisten, die meißten Milliadäre weltweit, da siehste, was mit Kommunisten auf uns zukäme, vom Regen in die Jauche( hoffentlich nicht urheberrechtlich geschützt).
        Unter uns gesagt, noch knapp eineinhalb Jahre, dann hab ich den letzten Balg groß und dann mach ich hier meinen Laden dicht.
        Meine Absonderungen zu China sind selbstverstänlich selektiv.
        Weil ich als Kerl nicht nur malochen geh, sondern auch noch am Herd steh, mich um jeden Scheiß bezüglich Kinder und häuslicher Infrastruktur, waschen, putzen, Fahrdienst usw, usw kümmern muss, und die Faxen so langsam dick hab.
        Was irgendwann mal kommt, das ist mir ziemlich wurscht geworden, die paar jahre, die ich noch hab, leb ich in Deutschland in absoluter Armut.
        So werd ich mir ein Land suchen, wo ich mit meiner Minirente noch in Würde alt werden kann, vielleicht Tansania, oder Griechenland.
        Am selben Tag, an dem ich dem letzten Balg beim Umzug in ne Studenten WG geholfen hab, bin ich hier weg, scheiß Deutschland, nix wie weg, dann laß ich mir die Sonne auf den Bauch scheinen, ne Bretterbude und n Internetanschluß, mehr brauch ich nicht.
        Vielleicht ist das der Weg für die gearschten der westlichen Wertegemeinschaft, einfach nicht mehr mitmachen, innerer politischer Streik, macht ihr mal, ich gucke zu.
        Politische Veränderung durch Wahlen ist Wunschdenken, das 68er und RAF Gedödel geht auch nicht, ich war seinerzeit Balljunge, als Fischer und Konsorten tagsüber im Ostpark Fußball gespielt haben, und dann Abends saufen waren bis der Arzt kommt, und große Reden geschwungen haben. Kannste vergessen, alles Penner.
        Wird zu lang, deshalb zum Abschluß nur noch folgendes:
        Wer die Kraft hat, gegenzudrücken, der möge es tun, mein allergrößter Respekt für Herrn Parteibuch und viele andere, die nicht locker lassen, ich hab irgendwie resigniert, wahrscheinlich, weil ich wirklich gut informiert bin und weiß, daß das westliche Wertesystem uns in absehbarer Zeit um die Ohren fliegt, und so fertig, wie die Führer der westlichen Wertegemeinschaft sind, alles Psychopathen, gehen sie in die Hölle erst dann, wenn sie die halbe Menschheit ausgerottet haben.
        Mein Wunschtraum von einer lupenreinen sozialen Marktwirtschaft wird sich nie erfüllen, Gier frißt Hirn, so ist er, der Homo Dingsbums.
        Ach so, noch was, den Spruch; Die Amis auf Kurs, den find ich echt gut,
        allerfreundlichste Grüße aus dem immer noch zugeschneiten Hunsrück, die Kälte gibt mir den Rest.

      2. @Hunsrücker

        Vor der Entscheidung, Deine Antwort einfach so stehen zu lassen habe ich mich offensichtlich gedrückt🙂

        Hobbylinker, ja so was in der Art trifft resp. traf auf mich zu, mit dem Unterschied dass ich mir äusserst bewusst bin, wie gut es mir geht. Im Gegensatz zu meinem Umfeld, weshalb ich zusammenfassend sagen kann, ich bewege mich in gar keinen Kreisen mehr, ausser nomadisch im Spinnennetz, wo sich dank globaler Ausstrahlung doch der / die Eine oder Andere mit interessanten Aussagen findet, um sich persönlich weiter zu bilden. Alles andere habe ich abgeschrieben. Nicht das ich-ich-ich hat zu mir geführt, sondern Ignoranz und / oder Unvermögen der anderen. Mein Platz wurde mir von der Masse unausgesprochen „angeboten“. Keine Lust auf Frust – ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte, weil für mein eigenes Angebot keine ausreichende Nachfrage besteht. Nun versuche ich das Beste daraus zu machen, das Positive an meiner Situation zu leben. Diese Lebensweise hat auch vielerlei Vorteile, die aber von Fall zu Fall unterschiedlich sind. Z.B. wähle ich schon lang nicht mehr links sondern seit Jahren SVP, aus einem einzigen Grund, weil sonst niemand ernsthaft gegen einen EU-Beitritt sein will. Ohne SVP wäre ich heute EU-Bürger, ein Wesen dem ich durchaus etwas abgewinnen könnte, wenn die EU der Schweiz beitreten würde. Ausserdem gönne ich mir den Luxus des Rückzugs auf einen Beobachtungsposten, um von der Tribüne aus die Entwicklung meiner Weltsicht zu baufsichtigen.

        Wozu auch @Parteibuch beigetragen hat und noch beiträgt. Auch an Kommentatoren bin ich gewachsen, ohne jetzt im Einzelnen darauf einzugehen. Ähnliche Prozesse werden in jedem hier Les- / Schreibenden ablaufen, ob zum Besseren oder Schlechteren bleibe dahingestellt.

        China: So wie sich der Drache aus der Asche erhebt, wird er auch wieder in ihr versinken. Aber nicht heute, wahrscheinlich dauert diese chinesische Welle mehrere Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte. Am Ende des Imperium Americanum befinden sich die Amis unbeirrbar auf (Kon-) Kurs und meine Wenigkeit hat die Ehre, von diesem US-demokratisch legitimierten Vorgang zu lernen. Positiveres habe ich bis jetzt nicht ausgemacht, aber für einen Menschen wie mich reicht es bis an sein Lebensende, damit seine Synapsen konstruktiv zünden.

        Ja, es sind keine wählbaren Parteien da, aus dem gleichen Grund warum die Masse bis auf Weiteres abstrakt bleiben wird. Trotzdem haben beide ihre Wirkung auf die soziale Evolution und das macht sie konkret. Das Konkrete lässt sich beobachten, evt. sogar statistisch erfassen womit das Abstrakte plötzlich nicht mehr so wichtig erscheint. Muster beginnen sich abzuzeichnen, aufgrund derer sich in gewissem Rahmen Prognosen ableiten lassen.

        In letzter Zeit habe jedenfalls nicht das Gefühl, @Parteibuch könnte vergessen, dass es in der westlichen Wertegemeinschaft keine wählbaren Parteien gibt. Ich andererseits denke, dass nirgends wählbare Parteien existieren, weil diese bis zum Paradigmenwechsel der Massenpsychologie nur Interessenvertretungen von Teilmengen der Masse bleiben werden. Statt Regelwerke um den kleinsten gemeinsamen Nenner herum zu bauen, verlustiert sich der Homo sapiens am grössten individuellen Vielfachen. Mancher hat es auf die Art zum König gebracht nur um einen Schwachkopf von Sohn mit der sozialen Evolution spielen zu lassen. Trotzdem ist in der Masse noch nicht angekommen, dass die soziale Evolution unabhängig von Moral und Ethik funktioniert, weil diese Folge des puren Überlebens der Art sind, nicht Ursache.

        Weil’s grad aktuell ist: Dass ausgerechnet der parteilose Minder in der Schweiz eine Initiative mit mehr als 50% Zustimmung in jedem Kanton hinkriegt, ist an sich schon denkwürdig wenn nicht sogar historisch (ohne Gewähr). Aber dieser Ausgang hat auch gezeigt, dass die Masse durchaus universelle Interessen hätte, die sie zu verteidigen hätte. Warum sie es nicht tut, ist das Eine, dass sie es nicht tut, das Andere, dem ich mich mehrheitlich widme, weil es wesentlich fassbarer ist.

        Wer die Kraft hat, gegen zu drücken, der möge es tun, wer die Einsicht hat, dass (am Bsp.) beim nächsten Aufschwung die Masse dem Minder in den Rücken fallen wird, der wird die tönernen Füsse meiden. Demokratie ist Recht und Pflicht, der wer Rechte will, muss seine Pflicht erfüllen, die Pflicht zum Unterhalt und wenn nötig zur Reparatur.

        Die Amis auf Kurs
        Grüsse
        kosh

        PS: Das mit der Kälte bilden wir uns ein, wir haben Klimaerwärmung🙂

    3. Hallo Hunsrücker,

      ich kann das Wesentliche der von Ihnen geäußerten Überlegungen voll nachvollziehen.
      Sie haben sicher nicht unrecht in Vielem dabei.
      Nur möchte ich zu bedenken geben, dass die Ausbeutung Jahrhunderte lang fast völlig einseitig in die andere Richtung lief.
      In gewissem Umfang habe ich deshalb Verständnis dafür, dass und falls es die chinesische Strategie war und sie keine andere Möglichkeit sahen, als zunächst durch Ausbeutung der eigenen Substanz, des einzig dort im Überfluß vorhandenen Kapitals, des – sorry – Humankapitals (ist ja kein chinesisches Wort) sich emporzuhieven, um durch die Machtposition in dieser perversen Welt eine Mitsprachemöglichkeit zu erhalten.
      Ich sehe starke Anzeichen wachsender Bewußtheit, dass viele Länder der Erde nicht mehr endlos für den „westlichen“ Lebenstandard buckeln wollen, geblendet von wohlfeilen Phrasen über „Entwicklungshilfe“ und Versprechungen über „Menschenrechte“.
      Ohne die mehr oder weniger verdeckte Sklavenhaltung der etablierten Industriestaaten in den „3.-Welt-Ländern“ wäre der Lebensstandard im heutig-noch-dominierenden System in den Industrieländern ohnehin nie zu erreichen und halten gewesen.
      Ich weiß allerdings, dass es nicht vordringlich die Emanzipationstendenzen der „Entwicklungs-“ und Schwellenländer sind, die den Rückgang des Lebensstandards in den Industrieländern maßgeblich auslösen, sondern das grundweg korrupte und fehlerhafte Finanzsystem, mithin die globalen Kapitalmagn(e/a)ten, zu denen das Kapital dank Zinssystem ohnehin automatisch fliesst – und die bisher willige, blinde Gefolgschaft der Mehrheit der „Mittel- und Unterschichten“ in den Industriestaaten.

      Nicht nur da ich selbst in Afrika wohne, wo es mir und meiner Familie wohlstandsmäßig vielleicht ähnlich wie Ihnen geht, hoffe ich auf eine allgemeine kritische Hinterfragung der Ausbeutungsmechanismen. Und falls die chinesische Führung nicht, wie es manchmal erscheint, auf eine letztliche Linderung und Aufhebung der Ausbeutung abzielt, so wird vielleicht die unhaltbare exponentiell zunehmende Konkurrenz der imperialen Kräfte um endliche Ressourcen und eine Verelendung auch ehemaliger „Mittelschichten“ zu einer Kommunikationsbereitschaft im Angesichte drohenden Totalzusammenbruchs führen.

      Die Hoffnung stirbt nie?

      Mit freundlichen Grüßen

      Alexander Illi

    1. @08oo
      Im Artikel sind vier Links zum Thema eingebaut:

      http://english.caijing.com.cn/2012-12-25/112390947.html

      http://www.reuters.com/article/2013/02/28/us-china-economy-urbanisation-idUSBRE91R1H720130228

      http://blog.zeit.de/china/2013/03/01/drei-billionen-euro-fur-chinas-wanderarbeiter/

      http://www.globaltimes.cn/content/765247.shtml

      Auf manchen Monitoren scheint das Template nicht so gut zu sein, und die in die Artikel eingebauten Links sind da schlecht erkennbar.😦

  4. @Hunsrücker
    Moment mal. Da geht eine Menge an Zusammenhängen durcheinander, und Ursache und Wirkung werden verwechselt.

    Zunächst mal bedeutet das Investitionsprogramm, dass Chinesen für Chinesen Städte bauen sollen, mit Allem was dazu gehört, Wohn- und Geschäftsraum, Einrichtungen für Bildung, Wissenschaft und Soziales, und natürlich Produktion. In der Produktion sollen Chinesen vornehmlich Produkte produzieren, die den Lebensstandard von Chinesen heben. Durch die so erfolgte Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit sollen die Löhne der Menschen in China sich verdoppeln. Das ist der Plan.

    Der Plan lautet also nicht, die westliche Wirtschaft durch eine Absenkung der Löhne in China kaputtzukonkurrieren, sondern das Gegenteil ist der Fall. China will weg von der exportgetriebenen Wirtschaft und die Löhne dadurch steigern.

    China ist bereits heute ein Einwanderungsland, weil da die Löhne und EInkommen dort in weiten Teilen des Ostens höher sind als in umgebenden Ländern, höher etwa als in den meisten ASEAN-Staaten, von Indonesien über Kambodscha bis zu Vietnam. Die Löhne in China sind in der Regel auch höher als in Indien und weiten Teilen Afrikas. Und nun hat China mit dem Plan zur Urbanisierung vor, die Löhne binnen zehn Jahren nochmal zu verdoppeln.

    Dass die Löhne in Teilen Südamerikas besser sind, liegt daran, dass China den gewählten linken Regierungen dort eine reale wirtschaftliche Alternative bietet und diese sich dadurch gegen Niedriglohn- und Ausplünderungsdiktate der westlichen Welt, insbesondere den USA, behaupten können. Die linken Regierungen von Kuba, Venezuela, Ecuador, Bolivien und so weiter könnten sich ohne China kaum halten. In Asien und Afrika gibt es diese Tendenzen auch. China bietet den Staaten eine Alternative zur Ausplünderung durch die westliche Welt. Dafür, sich Regierungen zu wählen – oder sonstwie an die Macht zu bringen – die eine Wirtschafts- und Sozialpolitik betreibt, die besser als die von den USA und Europa diktierte ist, sind die Bevölkerungen allerdings selbst zuständig. Solange beispielsweise die Bevölkerung der Philippinen beispielsweise, obgleich die Löhne da nur einen Bruchteil der im Osten Chinas üblichen betragen, weiterhin stets auf’s Neue die von den USA gestützten rechtsradikalen Kreise an die Macht wählt, kann China da natürlich nur wenig dazu beitragen, dass die Lage sich da für die Bevölkerung wirtschaftlich und sozial bessert.

    Das gleiche trifft im Kern auch auf Europa und Nordamerika selbst zu. China hätte überhaupt nichts dagegen, wenn die Bevölkerungen in Europa und Nordamerika sich Regierungen wählen, die menschengerechte Mindestlöhne einführen, Groß-Unternehmen und die Finanzindustrie verstaatlichen, Reiche höher besteuern und massiv in Infrastruktur investieren. Der Wind der politischen Kräfte, die das zu verhindern trachten, kommt insbesondere von den herrschenden kapitalistischen Eliten Europas und aus den USA. Das könnte es morgen in Europa wieder geben, wenn die Bevölkerungen Regierungen wählen würden, die das machen. Es ist in Europa und Nordamerika genug Vermögen und Einkommen da, um das tun zu können, nur die Vermögen und Einkommen sind falsch verteilt. Dafür, dass die Bevölkerungen in Europa weiterhin Politiker wählen, die die ungrechte Verteilung, und die damit einhergehende Ausplünderung der Arbeitnehmer, weiter vorantreiben, kann China nun wirkllich nichts. China hätte mit eiem Wahlsieg von Syriza oder der KKE in Griechenland gut leben können.

    Solche Kräfte wie Goldman Sachs sind es, die damit ein Problem haben. China könnte auch mit einem Wahlsieg der Linkspartei oder der DKP in Deutschland gut leben. Gäbe es linke Regierungen in Europa, könnte China ihnen wie de Linksregierungen in Südamerika zur Seite stehen, und ihnen eine wirtschaftliche Alternative zu Diktaten von EU und USA bieten. Dafür, solche Regierungen in Europa an die Macht zu wählen, sind aber die Bevölkerungen Europas selbst zuständig.

    China würde liebend gern viel fortschrittliche Technologie aus Europa erlernen, um den Lebenstandard der chineischen Bevölkerung zu heben, und würde dafür im Gegenzug auch gern viele gut bezahlte Arbeitsplätze in Europa finanzieren. Die Firmen, die das machen, etwa VW, sind ausgesprochen erfolgreich und schaffen gleichzeitig viele gutbezahlte Arbeitsplätze in Europa. Solche Partnerschaften könnten ein Modell für Europa sein. Aber die kapitalistischen Eliten wollen das nicht, weil sie Angst haben, dass aus dem ihnen, immer noch in weiten Teilen, viel zu kommunistischen China eine neue Welle der Aufklärung nach Europa kommt.

    Das gesagt habend wird der Wohlstandszuwachs in China mit Sicherheit eine negative Auswirkung für die Welt haben: Rohstoffe wie Energie, Lebensmittel und Metalle werden weltweit gesehen tendeziell knapper und teurer werden. Man kann auch sagen, sie werden weltweit auf mehr Menschen, und damit tendenziell gerechter, verteilt werden. Es wird sich in der Tendenz etwas daran ändern, dass die 10% der Weltbevölkerung, die in NATO-Staaten leben, den Großteil aller Rohstoffe der Welt konsumieren.

    Meines Erachtens wählen die Bevölkerungen Europas – anders als die Bevölkerungen Südamerikas – nicht links, weil sie linkes Gedankengut, Sozialismus, Verstaatlichungen und hohe Steuern für Reiche seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion für Teuefelszeug halten. Im kalten Krieg konnte man ja sehen, dass Kapitalismus besser als Sozialismus ist, lautet das falsche Argument. Was die Bevölkerungen Europas bislang nicht begreifen, ist, dass sie zu Zeiten des kalten Krieges von den Herren des Kapitalismus nur nicht so ausgeplündert und geknechtet wurden wie der Rest der Welt, weil die Herren des Kapitalismus Angst davor hatten, dass sich der Kommunismus über Westeuropa ausbreitet, und deshalb in weiten Teilen Westeuropas eine vorbildliche „soziale Marktwirtschaft“ als werbendes Schaufenster errichtet hatten. Nun, wo die Drohung mit dem Kommunismus in Westeuropa nicht mehr aktuell ist und die Bevölkerungen nicht mehr zu „linken Tendenzen“ neigen, wird kein Schaufenster mehr gebracuht und die kapitalistische Eliten plündern Europa wieder genauso aus wie sie den Rest der Welt seit Jahrhunderten ausplündern.

    Die knappen Kassen in Europa und den USA – und der damit verbundene Machtverlust der Eliten Europas und der USA haben, was die weltweiten imperialistischen Angriffskriege angeht, tatsächlich zwei gegenteilige Folgen. Zum Einen regieren sie Eliten auf den Machtverlust mit verstäkter Aggression, wie wir sie gerade etwa in Libyen beobachten konnten und derzeit in Syrien sehen, zum Anderen können sie aufgrund der knappen Kassen längst geplante Angriffskriege nicht mehr führen, wie wir das in Bezug auf Iran gerade sehen. Tatsächlich ist es angesichts des Aggressionskrieges gegen den Irak, den die westlichen Eliten auf dem Höhepunkt ihrer Macht über staatlichen Reichtum führten, meiner Meinung nach kaum zu bestreiten, dass eine gute Kassenlage die Eliten genauso zu Krieg motiviert wie eine schlechte Kassenlage, die schlechte Kassenlage aber den Vorteil hat, dass die Eliten in ihren massenmörderischen Aktivitäten gegen die Bevölkerungen anderer Länder eingeschränkt sind.

    Zu guter letzt noch was zur Korruption und zur Herausbildung einer neuen kapitalistischen Klasse in China: das Problem ist tatsächlich erheblich, und das wird von der Führung in China auch öffentlich thematisiert. Der Unterschied zu den westlichen Systemen besteht darin, dass die neue kapitalistische Klasse dort sich den Staatsapparat und wesentliche Wirtschaftsbereiche, insbesondere den FInanzsektor, noch nicht angeeignet hat, und es in der KPCh ganz erhebliche ideologische Widerstände dagegen gibt.

    Manch einer ist sicher, trotz des hervorragenden Zuwachses an Lebensqualität für Hunderte Millionen Menschen in China in den letzten Jahren, zurecht enttäuscht vom sich in China ausbreitenden Kapitalismus. Was China jedoch trotzdem ist, ist eine Alternative zu den westlichen Eliten. Angesichts der globalen Vernetzung und der damit zur Etablierung einer nachhaltigen Regierung notwendigen Wirtschaftsstärke ist China seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion tatsächlich die einzige reale Alternative zu den im Westen herrschenden Verbrecherkreisen.

    Dafür, in Deutschland und Europa Regierungen an die Macht zu bringen, die die Lebensqualität der Menschen in Deutschland und Europa verbessert anstatt sie zu verschlechtern, ist jedoch nicht China zuständig. Das ist letztlich Sache der Deutschen und der Europäer.

  5. @Hunsrücker
    „Der Herr Parteibuch vergisst nur, daß es in der westlichen Wertegemeinschaft keine wählbaren Parteien gibt.“

    Nein, das vergessen wir nicht. Wählbare Parteien werden in der westlichen Wertegemeinschaft entweder verboten oder durch Infiltration und Übernahme von innen zerstört oder in ihr unwählbares Gegenteil verkehrt.

    Das läuft in den Demokratien der westlichen Wertegemeinschaft genauso wie in jeder mittelamerikanischen Bananenrepublik. Das System der Demokratie der westlichen Wertegemeinschaft ist eine Farce, eine Illusion beziehungsweise ein psychologischer Trick zur Scheinlegitimierung des faschistischen Herrschaftssystems. Wenn Wahlen etwas ändern, trachtet das faschistische Herrschaftssystem danach, sie umgehend zu verbieten.

    Was das Empire von Parteien in Deutschland will, ist das Durchsetzen folgender Dinge:

    Außenpolitisch: Unterstützung von: US-geführter Welt, Israel und anderen Verbündeten der USA, NATO, US-geführten Kriegen

    Innenpolitisch: Freie Bahn für FED-Kapital und seine Profite, Primat der Privatwirtschaft, Privatisierungen, keine Verstaatlichungen, keine Enteignungen von Großkapitalisten, keine Industriepolitik zum Aufbau eines starken staatlichen Industriesektors.

    Das sind „die heimlich verbotenen Dinge“ – die, um die Entstehung von Bewusstsein zu verhindern, nicht einmal beim Namen genannt werden dürfen. Parteien, Medien und Organisationen, die das nicht wollen, werden vom Empire bekämpft, also verboten oder umgedreht, bis sie das akzeptieren. Darum geht es bei der tatsächlichen politischen Auseinandersetzung, die jenseits der Scheindemokratie stattfindet, und vom Empire mit allen Mitteln des Faschismus geführt wird.

    Die Erkenntnis ist im Grunde nicht neu. Kommunisten sind deshalb vor über Hundert Jahren schon auf die Idee gekommen, dass nur eine proletarische Diktatur in der Lage ist, das Herrschaftssystem der Kapitalisten zu brechen. Parteien mit einer starken Führungspersönlichkeit, einer strikten Ideologie und bewaffneten Kämpfern sind für die Herrscher schwerer zu infiltrieren und umzudrehen.

    Das grundsätzliche Problem damit ist, dass auch solche Parteien eines Massenbewusstseins bedürfen, um erfolgreich zu sein. Die Kommunisten haben deshalb mal die Idee des Klassenbewusstseins entwickelt. Mit der Marginalisierung der Arbeiterklasse im letzten Jahrhundert durch technologie-getriebene Entwicklungen wie Automatisierung und Globalisierung funktioniert das heute nicht mehr so: ein Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse ergibt heute nur noch sehr beschränkt ein Massenbewusstsein, was Schüler, Studenten, Rentner, Scheinselbstständige, Staatsdiener und so weiter in großen Zahlen mit einschließen müsste.

    Ein weiteres Problem mit der Methode der Ausrichtung auf strikte Ideologie und starke Führer zum Schutz vor Unterwanderung besteht darin, dass Ideologien fehlerbehaftet sind und selbst beste, höchst vertrauenswürdige Führer, Menschen sind, die menschliche Schwächen haben, Irrtümern unterliegen und Fehler machen. Eine Ausrichtung einer linken Bewegung auf Führer und strikte Ideologien macht nicht nur imperialen Geheimdiensten die Infitration und das Umdrehen der Bewegung schwer, sondern macht es auch der Bewegung selbst schwer, Fehler in Bezug auf Idelogie und Führungspersonal zu korrigieren.

    Was bleibt, wenn eine kommunistische Revolution wie in Kuba aus diessen Gründen abgelehnt wird, ist der Versuch, eine sozialdemokratische Revolution im Rahmen des demokratischen Weges etwa wie in Venezuela anzustreben. Der wirtschaftliche Aufstieg Chinas eröffnet neuen Spielraum, dass solche sozialdemokratisch linken Bewegungen vom Empire nicht mit Wirtschaftssanktionen in die Knie gezwungen werden können.

    Doch damit das klappt, ist Massenbewusstsein notwendig. Mit Massenbewusstsein meine ich das Bewusstsein der Massen um die oben genannten „heimlich verbotenen Dinge“, und dessen, warum sie verboten sind und mit welchen Mitteln das Empire diese Dinge unterdrückt.

    Um die Entstehung des Massenbewusstseins zu verhindern, flutet das Empire die Massen mit Propaganda, unterdrückt Aufklärung und fördert faschistische Strömungen zur Spaltung der Massen. Da, wo den Massen die wahre Fratze des Empires nicht bekannt ist, etwa in Europa, funktioniert das au Sicht des Empires recht gut, da, wo den Massen die wahre Fratze des Empires allzugut bekannt ist, etwa in Südamerika, ist es einfacher, Massenbewusstsein aufzubauen.

    Nein, Mut macht das nicht, und auswandern ist angesichts der trüben Aussichten, was den Aufbau eines Massenbewusstsein im faschistischen Deutschland angeht, wirkllich eine Überlegung wert.

    1. Ich danke dem Parteibuch aber auch Kosh für die ausführlichen Stellungnahmen.
      Ihr habt schon recht, eure Argumentationsketten sind schlüssig, Respekt, und mir geht es schon besser.
      War gestern beim Zumba, bis ich nicht mehr konnte, heute hat den ganzen Tag die Sonne gelacht.
      Da fällt mir noch ein:
      Mit den Kindern hab ich schon ganz früh ein Ritual gehabt, das Wunder wirkt. Willi rausschütteln.Und das geht so.
      Wenn die Blagen mal wieder nörgelig drauf waren, kamen sie zu mir, ich möge ihnen doch bitte mal den Willi rausschütteln, und ich hab sie gepackt und so lange geschüttelt, bis sie mir signalisierten, der Willi ist raus.
      Ich glaub, ihr habt mir den Willi rausgeschüttelt, vielen Dank.

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