Parteibuch-Kommentar zur ARD-Dokumentation „Syrien-Falle“ – Teil 1

Wenn die Hasbara sich die Kehle aus dem Hals hetzt, um eine Dokumentation der ARD niederzumachen, dann ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass es nicht verkehrt ist, sich diese Dokumentation einmal anzuschauen. Gegen den als ARD-Dokumentation ausgestrahlten Film „Die Syrien-Falle“ zogen die Süddeutsche Zeitung, der Spiegel und das Springerblatt „Bild“ quasi im Chor vom Leder was das Zeug hält, und das in den schrillsten Tönen.

Zuerst mal, für diejenigen, die die sehr spät abends ausgestrahlte Dokumentation von Hubert Seipel nicht gesehen haben: auf der Webseite der ARD befindet sie sich, bevor die regelmäßige Depublizierung zuschlägt, hier, und auf Youtube befindet sie sich derzeit hier.

Kurz zusammengefasst wird in der Dokumentation im Grunde genommen der Versuch der „Demokratisierung“ Syriens gutgeheißen, doch was da eigentlich genau vor sich geht – und vor allem warum – wisse man nicht, und da die mit kriegerischen Mitteln durchgesetzte US-geführte Demokratisierung des syrischen Nachbarlandes Irak kein wirklich toller Erfolg war, sollte man nun in Deutschland auch in Bezug auf Syrien sehr skeptisch sein, was das Verlangen anderer Staaten betrifft, Deutschland möge dazu beizutragen, den allseits gewünschten Regime Change in Syrien mit militärischen Mitteln durchzusetzen, und das gilt insbesondere für eine potentielle, aus Gründen der Bündnistreue erfolgende, deutsche Kriegsbeteiligung in Syrien durch die deutschen Patriot-Raketen, die jüngst in der Türkei stationiert wurden.

Wie aus einem im Dezember 2012 in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Artikel hervorgeht, steht die deutsche Regierung, nicht nur, aber insbesondere der von Bilderberg-Spezi Matthias Naß kürzlich als „Anti-Interventionist“ portraitierte Außenminister Guido Westerwelle, einem offenen NATO-Krieg gegen Syrien ausgesprochen skeptisch gegenüber, während NATO-Generalsekretär Rasmussen, die Türkei, Britannien und große politische Kräfte in Frankreich und in den USA, die erst in letzter Minute von einem überraschenden Veto von US-Präsident Barack Obama ausgebremst werden konnten, genau darauf hinarbeiten. Die kriegskritische Dokumentation zum Terror- und Propagandakrieg gegen Syrien von Hubert Seipel befindet sich damit auf einer ähnlichen Linie wie die, die die deutsche Regierung vertritt. Angesichts dessen, dass es sich bei dem Film um eine Dokumentation handeln soll, wäre es durchaus wünschenswert gewesen, dass den Zuschauern nahegebracht worden wäre, wer innerhalb der NATO in Bezug auf Syrien auf eine Eskalation der Gewalt setzt, und dass die deutsche Bundesregierung innerhalb der NATO der öffentlich zugänglichen Quellenlage zufolge die führende Kraft ist, die das zu vermeiden sucht. ie deutsche Zurückhaltung lässt ich zum Beispiel daran erkennen, dass die deutsche Regierung, im Unterschied zu den USA, die deutschen Patriot-Raketen soweit weg von der syrischen Grenze stationiert hat, dass die deutschen Raketen vom Stationierungsort aus syrischen Luftraum nicht erreichen können, ohne dass sie zuvor näher an die Grenze umstationiert werden.

Nur sehr kurz angeschnitten wurde in der Dokumentation auch die Frage, welche regionalen Mächte in Bezug auf Syrien auf eine Eskalation der Gewalt gegen die syrische Regierung setzen. Auf die Türkei und die absolutistischen Golf-Monarchien Katar und Saudi Arabien wurde diesbezüglich hingewiesen. Weitgehend unerwähnt blieben in der Dokumentation hingegen die Kräfte der libanesischen „Allianz des 14. März“ und vor allem die regionale Großmacht „Israel,“ die über die „Israel-Lobby“ und „gute Freunde Israels“ einigen Einfluss auf die öffentliche Meinung und politische Entscheidungen in der westlichen Welt hat.

Ohne die Betrachtung der Interessen Israels fehlt ein wichtiger Aspekt. Eine wesentliche, wenn nicht die wesentliche, Dimension des Hintergrundes der in Syrien stattfindenden Auseinandersetzung bleibt ohne die Thematisierung der Interessen Israels im Dunkeln. Bezüglich des Verhältnisses von Israel zu Syrien ist zunächst einmal die Tatsache von Bedeutung, dass es zwischen Israel und Syrien zwar seit 1973 einen Waffenstillstand gibt, ihre Beziehungen sich jedoch nach wie vor im Kriegszustand befinden. Ein wichtiger Streitpunkt zwischen Syrien und Israel ist der Territorialkonflikt um die Golanhöhen. Israel hat 1967 die syrischen Golanhöhen durch Krieg erobert, Israel hält dieses Gebiet nach wie vor besetzt und hat seitdem allerlei Bestrebungen unternommen, dieses eroberte syrische Gebiet zu israelisieren. Syrien leistet gegen die israelische Annexion des Golan unter den Staatführungen der Assads seit 1967 Widerstand, der diplomatisch zumindest so erfolgreich ist, dass die israelische Annexion der syrischen Golanhöhen international nicht anerkannt wird. Während die syrische Staatsführung unter Bashar Al-Assad von Israel der internationalen Rechtsauffassung folgend, dass Territorium nicht durch Krieg erworben werden darf, die vollständige Rückgabe der Golanhöhen von Israel als Voraussetzung für Frieden in nahen Osten fordert, erklärte Moaz al-Khatib, der Vorsitzende der in Doha gegründeten „Nationalen Koalition der syrischen Revolutions- und Oppositionskräfte,“ seine Anti-Regierungsbewegung sei, wie die israelische Zeitung Yedioth Ahronoth berichtete, kein Feind Israels. Sollten Moaz al-Khatib und andere vom israelischen Verbündeten USA unterstützte Personen in Syrien an die Macht kommen, könnte Israel sich davon, ob zurecht oder nicht, eine „weichere“ syrische Haltung bezüglich des Golan und so mögliche international akzeptierte israelische Territorialgewinne im Golan versprechen. Die Problematik der Golanhöhen sollte in einer Dokumentation, die auch über Hintergründe des Konfliktes in Syrien informiert, angesprochen werden, denn der sich aus dem israelischen Versuch der illegalen Annexion ergebende Territorialkonflikt ist eine tiefgehende primäre Ursache für Spannungen zwischen Israel und Syrien.

Es ist schon von daher wenig überraschend, dass Israel die syrische Staatsführung von Bashar Al-Assad gern entmachtet sehen würde. Da die internationale Unterstützung für eine israelische Annexion des Golan nicht gegeben ist, ist es freilich nicht zu erwarten, dass die israelische Staatsführung sagt: „Wir, die Staatsführung von Israel, wollen die Entmachtung von Bashar Al-Assad, damit wir es leichter haben, unser illegales Vorhaben der Annexion der Golanhöhen ganz oder teilweise umzusetzen.“ Da Israel bei der Bevölkerung der arabischen Welt im Allgemeinen aufgrund des arabisch-israelischen Konfiktes um Palästina und bei der syrischen Bevölkerung aufgrund der Streitigkeiten um die Golanhöhen erst recht unbeliebt ist, ist die israelische Staatsführung in der Öffentlichkeit eher zurückhaltend, was die Unterstützung für den Regime Change in Syrien angeht. Zu laute öffentliche Unterstützung durch Israel könnte dem Image der in Syrien am Regime Change arbeitenden Kräfte, die sich als im Interesse des syrischen Volkes kämpfende Revolutionäre darstellen, eher schaden.

Stattdessen wird von israelischer Seite eher diskret, aber trotzdem sehr deutlich in der westlichen Welt darum geworben, den syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad zu stürzen, koste es, was es wolle, um so den Einfluss von Iran zurückzudrängen und die libanesische Widerstandsorgansation Hisbollah zu schwächen. In einer Dokumentation dieser israelischen Position könnte beispielsweise darauf verwiesen werden, was Efraim Halevy, ehemaliger Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, am 8. Februar 2012 unter dem Titel „Irans Achillesferse“ in der Zeitung New York Times ausgeführt hat:

Sicherzustellen, dass Iran von seinem regionalen Hub in Damaskus herausgeworfen wird, würde Iran von seinen Proxies abschneiden (Hisbollah in Libanon und Hamas in Gaza) … Iran beabsichtigt sich seines Griffes auf Syrien zu versichern, egal was mit Herrn Assad passiert – und Israel und der Westen müssen dies verhindern, koste es was es wolle. … Dass Iran aus Syrien herausgetreten wird, ist essentiell für Israels Sicherheit. Und falls Herr Assad geht, dann muss die iranische Hegemonie über Syrien mit ihm gehen. Alles was weniger ist würde dem Abgang von Herrn Assad jegliche Signifikanz rauben.

Der Ex-Mossad-Chef macht also geltend, es sei „essentiell für Israels Sicherheit,“ die syrisch-iranische Freundschaft und damit die Verbindung Irans zur demokratisch gewählten libanesischen Regierungspartei Hisbollah und der in Gaza demokratisch gewählten Hamas durch Regime Change in Syrien zu zerstören, und er ruft Israel und den Westen dazu auf, dies durchzusetzen, koste es was es wolle. Der israelische Botschafter in den USA Michael Oren machte im Dezember 2012 öffentlich noch einmal ganz klar, dass das die stehende Position Israels ist, selbst wenn das zur Folge hat, dass in Syrien „Extremisten“ an die Macht kommen. Bloomberg berichtet am 12. Dezember 2012:

„Es gibt die Möglichkeit, dass man sunnitische extremistische Elemente haben wird, die versuchen werden, nach vorn zu kommen,“ sagte Oren gestern in Washington. „Unsere Meinung ist, dass jede Situation besser ist als die gegenwärtige Situation“ in welcher Syriendie syrische Regime eine strategische Allianz mit dem Iran und der libanesischen schiitischen Terrorgruppe Hisbollah hat, sagte er.

Israels Sicherheit geht auch Deutschland etwas an, denn, wie beispielsweise die FAZ berichtet, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel im März 2008 in einer Rede vor der Knesset in Israel, Deutschland sei „mit Israel auf immer verbunden“ und „die Sicherheit Israels sei Teil der deutschen Staatsräson und damit niemals verhandelbar.“

Israels Position bezüglich Syrien wird jedoch nicht nur durch vergleichsweise diskrte Worte von vergleichsweise niedrigrangigen aktuellen und ehemaligen israelischen Funktionsträgern deutlich. Der am 30. Januar 2013 geflogene israelische Luftangriff auf Ziele in Syrien zeigt, was auch immer da genau von Israel bombariert wurde, dass Israel auch bereit ist, unprovoziert offene militärische Gewalt gegen Syrien einzusetzen. „Wenn wir etwas sagen, meinen wir es auch,“ sagte der israelische Kriegsminister Ehud Barak dazu nach dem Angriff. Deutlicher als durch offene militärische Attacken auf der syrischen Staatsführung zugehörige oder nahestehende Ziele könnte Israel seine Feindschaft gegen die syrische Staatsführung kaum kundtun.

Deutlich erkennbar ist auch eine mehr oder minder diskrete Partei- oder Einflussnahme Israels in Bezug auf die Syrien-Politik in westlichen Staaten mithilfe von guten Freunden Israels. leicht zu recherchieren ist, dass Andrew Tabler, der für Syrien zuständige Spezialist vom sogenannten „Washington Institute for Near East Policy“ (WINEP), einer 1985 zum Zweck der Steuerersparnis gebildeten Ausgründung aus der offiziellen Pro-Israel-Gruppe AIPAC, seit geraumer Zeit Stimmung für die Unterstützung der gegen die syrische Regierung kämpfenden Gruppen macht. Am 17. Januar 2013 forderte Andrew Tabler öffentlich von US-Präsident Barack Obama, den gegen die syrische Regierung kämpfenden Gruppen unter anderem dadurch zu helfen, dass die an der türkischen und jordanischen Grenze stationierten Patriot-Raketen dazu eingesetzt werden, um in grenznahen syrischen Gebieten syrische Militärflugzeuge abzuschießen, dass augewählte gegen die syrische Regierung kämpfenden Gruppen von den USA militärisches Training erhalten und dass Anti-Regierungsgruppen in Syrien finanzielle Unterstützung erhalten, um chemische Waffen zu sichern und eine zahlungskräftige und leistungsfähige Gegenregierung aufzubauen, die Syrern in von Anti-Regierungskämpfern eroberten Gebieten gute Dienstleistungen bieten kann. Aufgrund der großen Nähe von WINEP zur Pro-Israel-Lobby AIPAC ist es kaum denkbar, dass WINEP etwas fordert, was Israel nicht will. Im Gegenteil, aufgrund der Nähe von AIPAC und WINEP ist eher davon auszugehen, dass Israel WINEP als distanziert und mit einem scheinbar neutralen Anstrich versehenes Sprachrohr für politische Forderungen nutzt, die die israelische Regierung durchgesetzt sehen will, aber sie selbst sie nicht öffentlich aufstellen möchte.

Wie Hubert Seipel in seiner Dokumentation richtig mitgeteilt hat, hatte zuvor auch der einflussreiche US-Senator und Ex-US-Präsidentschaftskandidat John McCain gefordert, die Patriot-Raketen als Angriffswaffe zu nutzen, um Flugzeuge in Syrien abzuschießen und zu versuchen, auf diese Weise in Syrien eine Flugverbotszone durchzusetzen. Was Hubert Seipel den Zuschauern seiner Dokumentation nicht mitgeteilt hat, ist, dass John McCain als besonders enger Freund Israels gilt. So wurde John McCain beispielsweise für das Jahr 2006 von der dem israelischen Likud eng verbundenen mächtigen pro-israelischen Lobbygruppe „Jewish Institute for National Security Affairs“ (JINSA) – Motto: Securing America, Strengthening Israel – mit ihrem „Henry M. „Scoop“ Jackson Distinguished Service Award“ ausgezeichnet, wo viele einflussreche US-Freunde Israels, unter anderem Dick Cheney, Richard Perle und Douglas Feith, versammelt waren, bevor sie in die Bush-Junior-Regierung eintraten und da maßgeblich am Beginn des US-Krieges gegen den Irak beteiligt waren. Mit dem „Henry M. „Scoop“ Jackson Distinguished Service Award“ 2012 zeichnete JINSA den US-Senator Lindsey Graham aus, der sich, wie unetr anderem „The Hill“ am 19.02.2012 meldete, gemeinsam mit John McCain öffentlich dafür einsetzte, dass die USA Anti-Regierungskämpfer bewaffnet, um damit zu erreichen, „dass Syrien von Iran weggebrochen“ wird.

Nicht nur in den USA unterstützen pro-israelische Lobbygruppen oder gute „Freunde Israels“ die Anti-Regierungskämpfer in Syrien nach Kräften. Pro-Israel-PR-Stratege Michael Weiss beispielsweise hat im November 2011 die Anti-Regierungskämpfer in Syien mit einem detaillierten Kriegsplan gegen Syrien unterstützt. Michael Weiss ist eine Führungspersönlichkeit der in Britannien ansässigen Henry Jackson Society, also einer britischen Organisation, die nach dem extrem pro-israelischen US-Politiker benannt ist, nach dem die Pro-Israel-Lobbygruppe JINSA ihre jährliche Auszeichnung für besondere Verdienste benannt hat, mit der sie unter anderem die US-Senatoren John McCain und Lindsay Graham ausgezeichnet hat. Es überrascht nicht, dass sich unter den Schirmherren der Henry Jackson Society mit Richard Perle auch eine für ihre extreme Pro-Israel-Einstellung bekannte Person befindet, die ebenfalls bei JINSA aktiv ist, und mit William Kristol und Robert Kagan auch weitere Schwergewichte pro-israelischer Meinungsmache in westlichen Staaten dazu gehören.

Damit wie es gelingen kann, syrische Kurden gegen die syrische Regierung aufzubringen, beschäftigte sich hingegen unter anderem Ilhan Tanir, der als Fellow der pro-israelischen „Henry Jackson Society“ gewissermaßen ein Kollege von Israel-Freund Michael Weiss ist, der, wie oben erwähnt, die Anti-Regierungskämpfer mit der Formuierung eies Kriegsplanes unterstützt hat. In Washington ist Ilhan Tanir als Fellow der Henry Jackson Society natürlich auch bestens mit anderen Pro-Israel-Lobbygruppen vernetzt. Seine Position als Washingtoner Korrespondent der einflussreichen türkischen Zeitung Vatan und gern publizierter Meinungsmacher in anderen Medien nutzt er, um Interessen Israels folgend aber israelische Interessen verschweigend, zu versuchen, die türkische Öffentlichkeit für einen gewalttätigen Regime Change in Syrien zu begeistern.

In Deutschland ist unter anderem die Springerpresse für ihre ganz besondere Parteilichkeit im Sinne von Israel bekannt. Schaut man sich die Berichterstattung der Springerpresse über Syrie an, so fällt schon bei einer oberflächlichen Betrachtung der Syrien-bezogenen Artikel des journalistischen Flagschiffes des Springerkonzerns, der „Bild“, auf, dass da nach Kräften Stimmung gegen den syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad gemacht wird. Regelmäßige Beschimpfungen mit Begriffen wie „Schlächter,“ „Despot“ und „Diktator“ lassen keinen Raum für Zweifel.

Eine Woche nachdem die Anti-Regierungskämpfer in Syrien im Juli 2012 sowohl in grober Verletzung der Waffenstillstandsvereinbarung mit der syrischen Regierung als auch dem unter Kofi Annan ausgehandelten Genfer Abkommen zuwiderlaufend, aber mit Rückendeckung zahlreicher NATO-Staaten, ihre mit dem Ziel der gewaltsamen Machtergreifung, dem militärischen Kampf bis zum Sieg, gestartete Offensive „Vulkan in Damaskus – Erdbeben in Syrien“ begonnen hatten, haben zahlreiche prominente pro-israelische Persönlichkeiten der USA von Barack Obama in einem offenen Brief gefordert, das US-Militär dazu einzusetzen, um Teile Syriens zu erobern, und den Anti-Regierungskämpfern so in Syrien sicheres Territorium für den Kampf gegen die Regierug zu bieten. Die zur Washington Post gehörende israel-freundliche Webseite „Foreign Policy“ – The Cable meldete, wobei die Unterzeichner freilich als Konservative vorgestellt wurden und ihre meist sehr deutlich ausgeprägte pro-israelische Einstellung hingegen nicht erwähnt wurde: „Die Liste der Unterzeichner umfasste verschiedene frührer Mitarbeiter der Regierung Bush, wie zum Beispiel Elliott Abrams, Karl Rove, Paul Bremer, Robert Joseph und Douglas Feith, und verschiedene Berater der Präsidentschaftskampgne von Mitt Romney, einschließlich Eric Edelman, Jamie Fly, Robert Kagan und Stephen Rademaker.“ Der Appell an Barack Obama kam just zu dem Zeitpunkt, als klar war, dass die Chancen der Anti-Regierungskräfte in Syrien, mit ihrer Offensive den Sieg erreichen zu können, nicht mehr besonders gut waren.

In der Dokumentation von Hubert Seipel wird der Aktivismus dieser Personengruppe bezüglich eines US-geführten Angriffskrieges gegen Syrien nur nebulös anhand von Aussagen des russischen Außenministers Sergej Lawrow thematisiert, der sinngemäß sagt, es gebe Personen, die glauben, sie könnten den nahen Osten mit Gewalt demokratisieren, und er diese politischen Kräfte als diejnigen charakterisiert, die zur Zeit der US-Regierung von George W. Bush auch schon versucht haben, den Irak mit militärischen Mitteln zu demokratisieren, wobei ein wenig überzeugendes Ergebnis herausgekommen sei. Das ist insofern nicht falsch, als dass Israel, die Israel-Lobby und „gute Freunde Israels“ – die in den USA oft ihre Pro-Israel-Identität verschleiernd als Neocons bezeichnet werden – auch schon beim US-geführten Krieg gegen den Irak wesentliche treibende Kräfte waren. Die Kennzeichnung dieser Kräfte als eine Art Demokratisierungsbewegung des nahen Ostens ist allerdings sehr fragwürdig.

Es gab schon zahlreiche Fälle, wo es im nahen Osten Wahlen gegeben hat, und eben gerade Israel und die Neocons den demokratischen Prozess in Nachhinein abgelehnt haben, weil ihnen pro-iranische und anti-westliche oder anti-israelische Wahlergebnisse nicht gepasst hat. Das gilt für den Wahlsieg der Hamas in Gaza, für den Wahlsieg der von Hisbollah geführten Koalition des 8. März im Libanon und auch für den Ausgang der Wahl im Irak, in dessen Folge Nuri Al-Maliki sich auf Kräfte des Israel-kritischen Widertandskämpfers Muktada Al-Sadr stützend Regierungschef wurde und nun eine iran-freundliche Regierung in Bagdad anführt. Die Nicht-Akzeptanz demokratischer Wahlergebnisse im nahen Osten durch Neocons, in Fällen, dass nicht genehme Kräfte die Wahl gewinnen, legt den Schluss nahe, dass diese Kräfte als Demokratisierer falsch beschrieben sind, und die Ziele dieser Kräfte richtiger damit beschrieben sind, dass sie für Israel genehme Regierungen sorgen wollen, und die Forderung nach Demokratie nur ein selektiv benutztes Instrument dazu ist. In den acht totalitären Monarchien im nahen Osten von Bahrin über Katar, Saudi Arabien und Jordanien bis hin zu Marokko, deren Herrscher darum bestrebt sind, Israel nicht in die Quere zu kommen, engagieren sich Israel und die sogenannten Neocons, wenn überhaupt, dann nur sehr oberflächlich für Demokratie und Menschenrechte.

Und in Bezug auf Syrien ist es vornehmlich der Iran, der seit vielen Monaten immer wieder anregt, zur Lösung der politischen Probleme für alle Persoen und Parteien offene demokratische Wahlen abzuhalten, und es sind die am anti-iranischen Regime Change interessierten Kräfte, die solche demokratische Wahlen ablehnen und stattdessen versuchen, die Macht mit militärischen und terroristischen Mitteln an sich zu reißen. Auch Ex-Mossad-Chef Efraim Halevy und Israels Botschafter in den USA, Michael Oren, haben auch ganz klar gemacht, dass nicht Demokratie in Syrien Israels oberstes Ziel ist, sondern die Zerstörung der syrisch-iranischen Beziehungen, um so die demokratisch gewählten Bewegungen Hisbollah und Hamas zu schwächen.

Die Zuordung der am militärischen Regime Change in Syrien interessierten Kräfte zur Dekade der Herrschaft des Republikaners Bush Junior ist insofern problematisch, als dass die pro-israelischen Kräfte auch nach dem Ende der Präsidentschaft von George W. Bush sehr aktiv innerhalb der Machtzirkel führender NATO-Staaten sind. In den USA ist das auffälligste Beispiel dafür sicherlich Victoria Nuland, die seit 2011 Sprecherin des US-Außenministeriums ist. Zur Zeit der Regierung von George W. Bush war sie unter anderem außenpolitische Beraterin von Vize-Präsident Dick Cheney und US-Botschafterin bei der NATO. Ihr Ehemann ist der oben bereits mehrfach erwähnte prominente Freund Israels Robert Kagan, der bekannt wurde als einer der führenden Propagandisten des US-geführten Krieges gegen den Irak und ebenso Propagandist für einen US-Militäreinsatz gegen Syrien ist. Jeffrey Feltman, Bushs extrem pro-israelischer Botschafter im Libanon, wurde unter Barack Obama im Außenministerium gar gleich Staatssekretär für Nahostpolitik, bevor die Obama-Regierung ihn im Juni 2012 auf den UN-Posten des Büroleiters für politische Angeegenheiten durchdrückte. Und Hillary Clinton, Obamas Außenministerin in seiner ersten Amtsperiode, die sich für die Bewaffnung von Anti-Regierungskämpfern in Syrien durch die USA stark gemacht hat, ist bestens mit der Israel-Lobby vernetzt, und über jeden Zweifel erhaben, keine loyale Freundin Israels zu sein. Auch Obamas CIA-Chef David Petraeus, der sich wie Hillary Clinton für die Bewaffnung von Anti-Regierungskämpfern in Syrien durch die USA stark gemacht hat, legte 2010 großen Wert darauf, ein guter Freund Israels zu sein. Und Barack Obama selbst erklärte dem als sehr engen Freund Israels bekannten US-israelischen Journalisten Jeffrey Goldberg im März 2012, der „arabische Frühling“, so steinig er sei, repräsentiere eine strategische Niederlage für den Iran. Gute Freunde Israels sind also, oder waren es zumindest in seiner letzten Amtszeit, auch unter Barack Obama in den USA sehr nah an der Macht, und Barack Obama legte öffentlich Wert auf die Feststellung, dass die als arabischer Frühling bezeichneten Umwälzungen in der arabischen Welt eine strategische Niederlage für Iran sind.

Angesichts dessen, dass die israelischen Bemühungen zum Regime Change in Syrien darauf abzielen, Irans Beziehungen zu Hisbollah zu stören und so Hisbollah zu schwächen, verwundert es nicht, dass die libanesische Allianz des 14. März, die im Libanon die Opposition gegen die von Hisbollah geführte und aufgrund demokratischer Mehrheit regierende pro-syrische Allianz des 8. März bildet, von Plänen Israel und Freunden Israels zum Regime Change in Syrien geradezu begeistert ist. Für die Allianz des 14. März bedeutet ein anti-iranischer Regime Change in Syrien die Perspektive, aufgrund der dadurch zu erwartenden Schwächung des politischen Gegners wieder zur stärksten politischen Kraft in Libanon zu werden und so Einfluss und Reichtum der Mitglieder der Allianz des 14. März mehren zu können. Die Allianz des 14. März ist aus dem Bündnis von von Israel und guten Freunden Israels unterstützten Faschisten der Falange und von von Saudi Arabien unterstützten wahhabitischen Jihadisten entstanden, das den Bürgerkrieg im Libanon 1990 nach 15 Jahren Kampf gegen Syrien und von Syrien und Iran unterstützte Kräfte verloren hat und dadurch entmachtet wurde. Der von Syrien und Iran unterstützten Widerstandsbewegung Hisbollah gelang es im Jahr 2000 auch, Israel durch das häufige Beibringen von schmerzhaften Verlusten dazu zu zwingen, die 22 Jahre dauernde israelische Besatzung des Südlibanon, bis auf einen ganz kleinen Rest, zu beenden, woraufhin die von Israel zur Unterdrückung der Bevölkerung eingesetzten libanesischen Todesschwadronen im Libanon umgehend kollabierten, und Hisbollah bei einem großen Teil der Bevölkerung des Libanon, auch über die den libanesischen Bürgerkrieg definierenen Konfessionsgrenzen hinweg, hohes Ansehen erlangte.

Es ist augenfällig, dass mit Israel, Saudi Arabien und der Allianz des 14. März als Unterstützer der einen Seite und Syrien, Iran und Hisbollah auf der anderen Seite in der gegenwärtigen Auseinandersetzung in Syrien zu einem nicht unerheblichen Teil zeitlich und örtlich versetzt wieder Kerne der Bündnisstrukturen der bewaffneten Formationen des libanesischen Bürgerkrieges aufleben. Inzwischen ist bestens bekannt und dokumentiert, dass zumindest Teile der Allianz des 14. März bewaffete Anti-Regierungskämpfer in Syrien unterstützen, beispielsweise durch Hilfe beim Waffennachschub und durch die Entsendung von gegen die syrische Regierung kämpfende Verbände wahhabitischer Jihadisten. Weniger bekannt ist bislang hingegen, dass bereits in den ersten Wochen der Proteste in Syrien, als die Proteste einem weit verbreiteten Mythos zufolge ausschließlich friedlich und, zumindest auf der eite der Protestierenden, ohne Waffen vonstatten gegangen sein sollen, offensichtlich der Allianz des 14. März nahestehende bewaffnete Jihadisten vom Libanon aus nach Syrien eingedrungen sind. Der ehemalige Al Jazeera Journalist Ali Hashim hat nach seiner Kündigung bei Al Jazeera öffentlich erklärt, er habe diese die grüne Grenze überquerenden bewaffneten Kräfte bereits im April 2011 mit eigenen Augen gesehen und im Mai 2011 habe er sie auf Video aufgenommen, doch sein Sender Al Jazeera habe sich geweigert, die Bilder auszustrahlen, weil sie die von Al Jazeeera und Anti-Regierungskräften in Syrien verbreitete Behauptung, es gebe in Syrien außer der Regierung keine bewaffneten Kräften, als Lüge entlarvt hätten. Seine Behauptung passt zu frühen syrischen Berichten, denen zufolge bereits in den ersten Wochen der Proteste in Syrien im Jahr 2011 zahlreiche Sicherheitskräfte, Protestierende und Unbeteiligte von Unbekannten erschossen worden seien, um Gewalt in Syrien anzuheizen.

Auch hier gibt es eine mögliche Verbindung zu Israel. Die Idee, dass Israel oder Freunde Israels vom Libanon ausgehende Gewalt gegen Syrien organisieren könnten, ist keineswegs neu. So ist bekannt, dass der israelische Thanktank IASPS 1996 das außenpolitische Strategiepapier „Clean Break“ für den damals das erste Mal zum Regierungschef gewählten israelischen Politiker Benjamin Netanjahu erstellt hat, worin Angriffe auf syrisches Territorium mit vom Libanon aus operierenden „israelischen Proxy-Kräften“ angeregt wurden. Erstellt wurde das Papier federführend von Richard Perle, der hier im Artikel bereits weiter oben als enger Freund Israel erwähnt wurde. Außerdem wurde in dem Papier Regime Change im Irak befürwortet, eine starke Türkei als Mittel zur Sicherung von Israels Nordflanke und natürlich ein klarer Bruch – A clean break – mit dem israelisch-palästinensischen Friedensprozess propagiert.

Erklärtes Ziel Israels in Bezug auf den Regime Change in Syrien ist es wie schon 1996, dafür zu sorgen, dass die iranisch-syrischen Beziehungen zerstört werden und die anti-israelische Achse Iran-Syrien-Hisbollah geknackt wird. Und hinter dem Ziel der Zurückdrängung des iranischen Einflusses in der Region reihen sich dann wie schon im libanesischen Bürgerkrieg unterschiedliche regionale und globale Mächte auf, sodass eine mächtige Front gegen Iran und die anti-israelische Achse entsteht. Heute sind in dieser Front unter anderem: die engen Freunde Israels in Europa und Amerika, die libanesische Allianz des 14. März, die Türkei, Saudi Arabien und Katar. All diese Mächte würden es sehr begrüßen, den iranischen Einfluss und dessen politische, ideologische oder ökonomische Konkurrenz in der Region schwächen zu können.

Den Journalisten, Politikern und Diplomaten der Welt sind diese Zuammenhänge zum internationalen Hintergrund der Auseinandersetzung in Syrien und die Existenz einer bedeutsamen israelischen Rolle darin bestens bekannt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow, der für die nun vorliegende ARD-Dokumentation interviewt wurde, hat diesen Zusammenhang am 15. Juni 2012 in der Huffington Post beispielsweise wie folgt formuliert: „Diese Schemen zielen unzweifelhaft auf den Iran, denn eine große Gruppe von Staaten einschließlich der USA und NATO-Ländern, Israel, der Türkei und einigen Staaten der Region erscheinen interessiert daran, die regionale Position dieses Landes zu schwächen.“ Lawrow steht mit seiner Meinung nicht allein. Wenn, wie jüngst geschehen, das sehr israel-freundliche Murdoch-Blatt „Wall Street Journal“ anprangert, durch seine Entscheidung zur Nichtbewaffnung der Aufständischen in Syrien durch die USA, habe Obama Syrien „dem Iran geschenkt“, dann beweist das, dass die Sichtweise, in Syrien gehe es vor allem darum, die Position des Iran zu schwächen, auch von mächtigen Eliten in den USA geteilt wird. Der Unterschied ist bloß, dass die Schwächung der Position des Iran da als etwas sehr erstrebenswertes betrachtet wird.

Das gezielte Nicht-Erwähnen des israelischen Interesses am Regime Change in Syrien verstellt Zuschauern der Dokumentation den Blick auf die, wie hier soeben gezeigt wurde, bestens belegbare Tatsache, dass auch der heutige Konflikt in Syrien, und das Verhalten westlicher Medien und Politiker dazu, viel mit Israel, pro-israelischen politischen Kräften in der westlichen Welt und dem israelischen Zwist mit dem Iran und pro-iranischen Kräften im nahen Osten zu tun hat. Durch das Verschweigen des israelischen Interesses im Konflikt in Syrien bleibt ein wesentlicher Aspekt des Hintergrundes des Konfliktes in Syrien für Zuschauer nicht nachvollziehbar.

Auch die dem entgegengesetzte Seite bezüglich des internationalen Konfliktes um Syrien und ihre Interessen werden in der Dokumentation leider nicht deutlich. Auf der anderen Seite der Front steht zunächst einmal der Iran. Iranische Kommendeure haben im Jahr 2012 mehrfach unmissverständlich erklärt, dass die rote Linie des Iran in Bezug auf Syrien der Erhalt eben jener anti-zionistischen Achse des Widerstandes ist, die Israel zerstören will. Diese israelischen und die iranischen Ziele in Bezug auf Syrien sind miteinander unvereinbar. Israel will die von Iran geführte anti-israelische Widerstandsachse knacken und zerstören, und Iran will genau das Gegenteil, nämlich dass die anti-israelische Widerstandsachse unbeschadet bleibt.

Iran ist Syrien durch einen Verteidigungsvertrag auf Gegenseitigkeit verbunden, ähnlich wie die NATO-Staaten durch einen Bündnisvertrag verbunden sind. Und Iran hat im Laufe der letzten zwei Jahre mehrfach klargemacht, dass Iran diese Vereinbarung auch einzuhalten gedenkt, und zwar auch und gerade dann, wenn Syrien von Außen offen mit Angriffskrieg von einem NATO-Staat wie der Türkei überzogen werden sollte. Iran hat erklärt, dass seine Unterstützung für Syrien keine Grenzen kennt.

Sollte eine massive US-geführte Kriegskoalition Syrien überrollen wie die US-geführte Koalition vor zehn Jahren den Irak überrollt hat, so hat der Iran erklärt, dass er fest entschlossen ist, den Syrern dabei zu helfen, in Syrien eine langfritig angelegte Widerstandskampagne aufzusetzen, um die Besatzer in einen langanhaltenden Zermübungskampf wie im Irak zu zwingen und dann letztlich zu vertreiben. Diese iranische Position lässt sich außer durch Prinzipien- und Bündnistreue dadurch rational erklären, dass Iran davon überzeugt ist, dass die gleichen Kräfte, die Syrien angreifen, wenn sie mit Syrien fertig sind, Iran angreifen werden. US-General Wesley Clark hat im Jahr 2007 in seiner berühmten Erklärung, im Verteidigungsministerium der USA hätten ihm hohe Beamte nach 9/11 erklärt, sie wollten sieben Staaten in fünf Jahren erobern, diese Vermutung bestätigt. Nachdem Syrien und fünf andere Länder erobert sind, so lautete damals die geheime US-Planung, soll schließlich der dickste Brocken, Iran, erobert werden. Es gibt wenig, das dafür spricht, dass sich die Planungen von Israel und Israels Freunden in den USA zwischenzeitlich geändert haben.

Um das zu sehen, muss man bloß Benjamin Netanjahus permanente Kriegsdrohungen gegen den Iran zur Kenntnis nehmen. Regime Change in Iran ist nach wie vor Ziel pro-israelischer poitischer Kreise. Dem Einsatz militärischer Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele haben sie, wie ihr Propagieren einer US-geführten militärischen „Intervention“ in Syrien zeigt, auch nicht abgeschworen. Und, wie oben gezeigt, hat die Israel-Lobby in en USA nach wie vor sehr viel Macht. Ein Krieg gegen Syrien, beispielsweise in der Form des Abschusses syrischer Flugzeuge durch Patriot-Raketen unter dem Stichwort Flugverbotszone oder in der Form von territorialen Eroberungen unter dem Stichwort Schutzzone, ist deshalb und aufgrund des iranisch-syrischen Bündnisvertrages automatisch ein Krieg gegen Syrien und den Iran. Und hinter dem Iran reihen sich, ähnlich wie hinter Israel, auch durchaus potente Mächte auf.

Hinter dem Iran steht zunächst einmal die Nuklear- und Vetomacht im UN-Sicherheitsrat Russland. Jeder Konflikt gegen Iran, und damit auch jeder Konflikt gegen Syrien, ist, wie der stellvertretende Premierminister Dmitriy Rogozin im Januar 2012 erklärte, eine direkte Bedrohung für Russland. Hintergrund ist, dass ein russland-freundlicher Iran aus russischer Sicht ein nahezu unverzichtbares Bollwerk gegen wahhabitische Jihadisten an seiner „weichen“ – aufgrund der langen Grenzen schlecht kontrollierbaren – asiatischen Südflanke ist, deren Bewohner überwiegend muslimischen Glauben haben. Ohne dass der Iran als Bollwerk gegen den wahhabitischen Jihadismus wirkt, droht Russland, zur Verdeutlichung etwas übertrieben formuliert, ein zweites Afghanistan, nur dann auf seinem eigenen Territorium, ähnlich der Probleme, die Russland seit zwei Jahrzehnten auf eigene Terroritorium mit von der CIA und Saudi Arabien aufgebauten Jihadisten-Gruppen im Nordkaukasus – Stichwort Tschetschenien – hat.

China hat im Grunde ein ähnliches Problem mit wahhabitischem Jihadismus in Zentralasien wie Russland. Ähnlich wie Russland hat China in seinen muslimisch geprägten westlichen Provinzen sehr unangenehme Erfahrungen mit nach afghanischem Muster von der CIA unterstützten wahhabitischen Jihadisten – Stichwort Uiguren und Ost-Turkestan – gemacht. Der Iran wirkt auch für China in Bezug auf Zentralasien wie ein Bollwerk gegen diesen wahhabitischen Jihadismus. Daran, dass der Iran in Chaos gestürzt wird, und dann anstatt beruhigende Impulse vom Iran Chaos ausgeht, ist China ganz und gar nicht gelegen. Und erst recht hat China natürlich an einem stabilen Russland Interesse, also zum Beispiel daran, dass die chinesische Nordgrenze so problemlos bleibt wie sie gegewärtig ist. Die gemeinsame Bekämpfung des wahhabitischen Extremismus, der, wie die 80er Jahre in Afghanistan zeigen, recht leicht von der CIA zur Entfachung heftiger Konflikte benutzt werden kann, ist einer der wesentlichen Gründe, warum China und Russland die Shanghaier Organsation für Zusammenarbeit (SCO) gegründet haben.

Die hier beschriebenen, hinter Israel und Iran in Bezug auf den Konflikt in Syrien aufgereihten Allianzen finden sich in drei Abstimmungen zu Syrien im UN-Sicherheitsrat wieder, wo jeweils Russland und China ein gemeinsames Veto gegen auf verbindliche Sanktionen und Regime Change von Außen abzielende Resolutionsentwürfe westlicher Mächte eingelegt haben.

Neben den sich aus dem Nahostkonflikt, der damit zusammenhängenden Auseinandersetzung zwischen der pro-iranischen anti-zionistischen Achse des Widerstandes und Israel und seinen Freunden und Verbündeten sowie einer damit zusammenhängenden geostrategisch motivierten Absicht der Neugestaltung der Landkarte im nahen Osten gibt es im Konflikt um Syrien selbstverständlich noch andere internationale Aspekte.

Russland und China eint beispielsweise eine ganz grundsätzliche Ablehnung von US-geführten Regime-Change-Operationen in fremden Ländern, insbesondere wenn diese mit militärischen Mitteln durchgesetzt werden sollen und die Länder mit Russland oder China eng befreundet sind. Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschischow formulierte dementsprechend das russische Ziel in Bezug auf Syrien im Mai 2012 wie folgt: „Wir schützen das Völkerrecht und die Möglichkeit der Syrer, ihre Zukunft selbst zu bestimmen.“ Dabei geht es ums Prinzip. Russland will, dass die Politik der Durchführung von von außen erzwungenen Regime Changes in fremden Staaten beendet wird. China, die restlichen BRICS und der Iran sind diesbezüglich der gleichen Meinung. Die von den USA und ihren Partnern lange Jahre geübte vökerrechtswidrige Praxis, in fremden Staaten nach Lust und Laune, zum Beispiel mit eigens dazu ausgebildeten Aktivisten und sie begeitenden Medienkampagnen, Krisen herbeiführen, um diese dann, gegebenenfalls von Sanktionen und militärischen Maßnahmen unterstützt, als Vorwand für das als „Revolution“ oder „Befreiung“ bezeichnete Einsetzen einer den USA genehmeren Regierung zu nutzen, ist inakzeptabel. Die Entschlosenheit des Widerstandes dagegen ergibt sich aus der Überlegung, dass, da die USA nicht freiwillig auf eine auf Regime Changes abzielende Außenpolitik „bunter Revolutionen“ verzichten, es notwendig ist, den USA dabei so schmerzhafte Niederlagen zu bereiten, dass die USA einsehen, dass eine solche aggressive Außenpolitik den Interessen der USA schweren Schaden zufügen kann, etwa so wie es durch den Widerstand der US-geführten Besatzung des Irak geschehen ist.

Selbstverständlich spielen im internationalen Konflikt um Syrien auch ökonomische Aspekte eine Rolle. Marat Musin, ein Professor für strategisches und Krisenmanagement an der Staatlichen Wirtschafts- und Handelsuniversität in Moskau, der für die Internet-Nachrichtenseite ANNA-News monatelang aus Syrien berichtet hat, erklärte den ökonomischen Aspekt des Regime Change Versuches in Syrien und seine Einbettung in globale US-geführte Energiestrategien vor einigen Tagen beispielsweise wie folgt:

All das läuft im Rahmen der Strategie, das Erdgas aus dem Norden – aus Russland – durch das Erdgas aus dem Süden zu ersetzen, welches von den US-Verbündeten oder zu ihnen neutralen Staaten stammt. Das ist nichts weiter als ein Schlag gegen Gazprom, ein Preiskrieg und eine Überführung unserer potentieller Verbündeter ins Lager unserer potentiellen Konkurrenten und Feinde. Das Ziel besteht darin, Iran von China zu entfremden und ihn mit Gazprom kollidieren zu lassen – also mit Russland. Dass sieht man recht gut am Vorgehen Katars und den Neubesetzungen im US State Department.

Sollen Zuschauer wirklich informiert werden, so wäre natürlich sehr wünschenswet, dass eine Dokumentation die geopolitischen und ökonomischen Hintergründe wenigstens in ein paar Sätzen erläutert, anstatt dass lapidar erklärt wird, die Hintergründe seien nicht zu durchschauen. Tatsächlich sind verschiedenen Aspekt der internationalen Hintergründe aufmerksamen Beobachtern sehr gut bekannt. Man kann unterschiedlicher Meinung sein, welcher Aspekt wieviel Gewicht hat, aber dass es in Bezug auf den Konflikt in Syrien Aspekte gibt, die überhaupt nichts mit Menschenrechten zu tun haben, viel hingegen mit geostrategischen Kalkülen, ist sehr gut dokumentiert. Allerdings wäre es in einem unfreien Staat wie Deutschland vermutlich auch zuviel erwartet, dass geopolitische Hintergründe für unter dem Deckmantel der Durchsetzung von Menschenrechten geführte Kriege, wo israelische Interessen eine wesentliche Rolle spielen, offen gelegt werden. Wäre das Inhalt einer für die ARD produzierten Dokumentation, so kann man davon ausgehen, dass sie nie gesendet würde, und der Produzent mit Auftragsentzug auf allen Ebenen bestraft würde. Die Israel-Lobby ist auch in Deutschland sehr stark und, der Bundeskanzlerin zufolge, die Sicherheit Israels Teil der deutschen Staatsräson und damit niemals verhandelbar.

Insofern seien die Kritik am Auslassen der geopolitischen Hintergründe und der Rolle Israels dabei nicht als vernichtende Kritik zu verstehen, sondern eher als wesentliche Ergänzung zu einer lobenswert kriegskritischen ARD-Dokumentation, die genau deswegen von einchlägigen Kriegstreibern so heftig kritisiert wird, weil sie kriegskritisch ist. Vermutlich war es schon recht schwierig, dafür zu sorgen, dass diese kriegskritische Dokumentation im ersten deutschen Fernsehprogramm einen Sendeplatz, wenn auch sehr spät abends, bekommen hat.

In einem, noch zu schreibenden, zweiten Teil des Parteibuch-Kommentars zur ARD-Dokumentation „Syrien-Falle“ wird auf die in der Dokumntation „Syrien-Falle“ teilweise deutlich verzerrt dargestellten internen Faktoren der Situation in Syrien eingangen werden.

Nachtrag: Hier ist Teil 2 der Kritik.

29 Gedanken zu “Parteibuch-Kommentar zur ARD-Dokumentation „Syrien-Falle“ – Teil 1

  1. Sehr gute Analyse, die alle Schwächen und auch Stärken aufzeigt. Ich bin schlichtweg begeistert.😉 Das ist diesmal anders gemeint als im Kellerkindergartenpreis.

  2. Wegen des Klappentextes auf ARD mit: „Bei seinem Kampf um die Macht kennt Diktator Assad kaum Skrupel, er lässt im Zweifelsfall die eigene Bevölkerung bombardieren, um den Gegner zu treffen.“ … einer aus dem Libyen-Feldzug der NATO bekannten Lüge war ich geneigt mir den Beitrag nicht anzutun.

    http://programm.daserste.de/pages/programm/detailArch.aspx?id=096489EB9F0C1398CA305A47499F4256

    Nun werde ich Ihn mir vor der Depublizierung doch noch mit StreamTransport sichern😉

  3. Eine wichtige Ergänzung zu s.g. Dokumentation.
    In Verbindung damit kann man, wir hier gut herausgestellt wurde, erkennen, welche Grenzen beim hinterfragen der Hintergründe gesetzt werden. Israels Interessen sind natürlich nur defensiver Natur… Hasbara ftw

  4. Pest oder Cholera?

    Toller Beitrag, danke. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass Israel möglicherweise auch nur mit dem Säbel rasselt und eine Show vom Feinsten abzieht. Denn wer nach einem Sturz Assads letztlich das Ruder übernähme, ließe sich einfach nicht zuverlässig vorhersagen. Im Falle Ägyptens war es die Muslimbruderschaft und die prüft gerade den ägyptisch- israelischen Friedensvertrag (Camp Davis Abkommen). Das findet Tel Aviv nicht schön. Sollte Israel jetzt auch noch an seiner Nordflanke eine Muslimbruderschaft riskieren wollen?

    1. @denkbonus
      Warum versuchst Du, israelische Handlungen durch das Streuen von Desinfomationen zu verschleiern? Warum verbreitest du die plumpe Propaganda-Lüge immer noch, nachdem du diesen Artikel gelesen hast?

      Die Behauptung, dass Israel der Staatsführung von Bashar Al-Assad den Muslimbrüdern in Syrien vorziehen würde, wird von interessierter Seite, insbesondere der türkische Regierung, immer wieder vorgebracht. Es lässt sich eindeutig zeigen, dass das eine Lüge ist. Das lässt sich hier im Artikel nachlesen.

      Du fragst: „Sollte Israel jetzt auch noch an seiner Nordflanke eine Muslimbruderschaft riskieren wollen?“ Die Antwort ist ganz eindeutig ja. Ja, Israel will das riskieren. Israel ist der Meinung, die Achse Iran-Syrien-Hisbollah zu zerstören, ist wichtiger als der zu erwartende Ärger, wenn es in Syrien zukünftig eine von der Muslimbruderschaft geführte Regierung gibt.

      Lies was Michael Oren im Namen Israels im Dezember gesagt hat: sunnitische extremistische Elemente an der Macht in Syrien sind Israel lieber als Assad und die Achse Iran, Syrien, Hisbollah.

      Schau wie Israel handelt: Die Israel-Lobby in NATO-Staaten betreibt seit 2011 kontinuierlich Meinungsmache für alle Maßnahmen, einschließlich militärischer Maßnahmen, der Zusammenarbeit mit wahhabitischen Terroristen (das ist eine vornehme Umschreibung für Al Qaeda) und der Muslimbruderschaft, um die syrische Staatsführung zu stürzen, und damit die Achse Iran-Syrien-Hisbollah zu knacken. Die Israel-Lobby ist in NATO-Staaten ist Israels wichtigstes Machtmittel. Es lässt sich genau zeigen, in welche Richtung die Lobby in Bezug auf Syrien EInfluss nimmt, nämlich in Richtung Sturz von Assad. Sieh, was WINEP, Netanjahus Neocon-Kumpane, John McCain und Lindsay Graham (Preisträger der Israel-Lobby) und bekannt israel-freundliche Medien in NATO-Staaten fordern. Es ist ganz eindeutig, was die israelische Regierung will, sie sagt es sie handelt so, und sie ermutigt ihre Freunde und die Israel-Lobby genau das zu fordern: mehr Action zum Sturz von Assad, komme danach, was auch immer, Hauptsache die iranisch-syrische Freundschaft wird beendet.

      Mit dem Bombenangriff auf Syrien führt Israel nun sogar mit offenen militärischen Mitteln Krieg gegen die syrische Staatsführung. Deutlicher kann die israelische Position kaum sein.

  5. Aktuell Kämpfe am Golan , Verwundete werden in iraelische Krankenhäuser behandelt UNO Beauftragte fordert Eingreifen

  6. Warum parteibuch sind Sie gegenüber denkbonus so harsch?
    Hinter die Propagandawand zu steigen ist mühsam.In meinem Umfeld glauben fast alle an 9/11.Ich beschäftige mich gerade mit dem sg.Holocaust,das die beste Waffe war. um die Neue Weltordnung aufzubauen.Das Buch von Finkelstein,die Holocaustindustrie, ist eine Erlösung von dem falschen Schuldkomplex, Israel nicht als aggressives rassistisches Land kritisieren zu dürfen. Warum fällt es uns Deutschen so schwer, unsere Geschichte objektiv zu betrachten? Hannah Arendt wurde zeitlebens geschmäht,weil sie den Zionistischen Organisationen ihre Mithilfe bei der Deportation von Juden vorhielt. Wer Israel kritisiet ist Antisemit.Wer fragt, was wirklich im Dritten Reich passiert ist, kommt in den Bau. Das Zionistisch-Amerikanische Medienimperium darf die unsinnigsten Behauptungen als Wahrheit verkaufen.Wahrscheinlich ist im Westen mittlerweile jeder radikal,der die Wahrheit sagt.

    1. – Warum parteibuch sind Sie gegenüber denkbonus so harsch?

      Warum @Anne tust Du so, als habe @parteibuch seine Haltung nicht an verschiedenen Stellen im Text und dazu noch in verschiedener Weise begründet?

      Die Würfel sind gefallen und jeder kann es sehen ohne …

      – … hinter die Propagandawand zu steigen …

      Divide et impera ging offensichtlich nicht, weil sich Syrien im Allgemeinen und Assads Regierung im Speziellen dagegen querstellte.

      Also Plan B: Alternativ betreibt Israel ordo ab chao. Das bedeutet, dass Ordnung durch Chaos hergestellt werden soll. Es spielt also absolut keine Rolle, welche Pappnasen am Ende in der Regierung sitzen, Hauptsache die gewünschte Ordnung wird hergestellt. Und darin ist @parteibuch doch sehr deutlich geworden: Die gewünschte Ordnung ist eine Ordnung ohne …

      – … Achse Iran-Syrien-Hisbollah …

      Cui bono: Wem das alles nützen soll, darüber sollen wir schweigen🙂

      Wenn Dir PRopaganda bisweilen zu mühsam ist, dann probier es doch zunächst mit:

      1. divide et impera
      2. ordo ab chao
      3. cui bono

      Die meisten gesellschaftlichen Phänomene sind damit hinreichend und einfach beschreiben, weil die Muster sich täglich wiederholen. Mit den gewonnen Basisinformationen lässt sich z.B. PRopaganda sehr viel einfacher bewerten.

      Die Amis auf Kurs
      Grüsse
      kosh

    2. @Anne
      Die Antwort war nicht sonderlich harsch, sondern eine Wertschätzung, gedacht als Denkanstoß für Denkbonus. Wäre der Kommentar von jemand anders gekommen, wäre der hier kommentarlos als Spam gelöscht worden.

      Warum?

      „Toller Beitrag, danke. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass Israel möglicherweise auch nur mit dem Säbel rasselt …“

      Zuerst lobt Denkbonus den Beitrag als toll, und dann behauptet er das genaue Gegenteil von dem, was hier im Beitrag dargelegt wurde. Hier wurde im Detail nachgewiesen, dass Israel in Bezug auf Syrien nicht nur mit dem Säbel rasselt, sondern agiert, mit so ziemlich allen Machtinstrumenten, die Israel zur Verfügung stehen, also z.B. Israel-Lobby, Hasbara und militärisch.

      Natürlich kann man das Gegenteil vertreten von dem as hier dargelegt wurde. Kein Parteibuch-Artikel erhebt den Anspruch darauf, den letzten Schluss der Wahrheit zu beinhalten. Aus solchen DIskussion kann sich dann ein Gewinn an Erkenntnis kristallisieren. Denkbonus ist jedoch überhaupt nicht auf die hier vorgetragene Argumentation eingegangen, sondern hat sie gelobt, und dann ohne eine substantiierte Kritik an diesem Artikel einfach genau die Behauptungen gestreut, die hier im Artikel als Lügen entlarvt wurden. Argumentatives Prinzip: Herr Galilei, ihre Theorien sind prima. Es sollte dabei aber berücksichtigt werden, dass die Erde eine Scheibe ist, weil eine Kugel unplausibel ist. Auf so einer argumentativen Basis der Ignoranz ist keine sinnvolle Diskussion möglich. Das ist eine klassische Technik der Trollerei, der Propaganda im Allgmeinen und der Hasbara im Speziellen: falsche Behauptungen immer wieder stur wiederholen und dabei auf keine Gegenargumente eingehen.

      Meine Fragen waren ernst gemeint. Was ist der Grund dafür, dass Denkbonus den Artikel lobt, und dann im nächsten Satz das genaue Gegenteil streut, so als ob er den Artikel überhaupt nicht gelesen hätte? Meine Vermutung ist, der Grund ist bei Denkbonus nicht Hasbara-Spammerei, sondern Ignoranz. Ignoranz ist meiner Erfahrung nach nicht nur ein gezielt von Hasbaristen eingesetztes Instrument zur Zerstörung von Aufklärung und Behinderung von Wahrheitssuche in Bezug auf Fragen, die israelische Interessen berühren, sondern auch sonst weit verbreitet, selbst bei denen, die nicht ignorant sein wollen und sich um Wahrheitsfindung bemühen. Ich weiß im Fall von Denkbonus nicht, was wahr ist, deshalb die zwei direkten Fragen.

  7. Danke, Tommmm, für Deinen Kommentar! Den Artikel, den Du ansprichst, habe ich geschrieben (und übersetzt). Die Differenzierung ist sehr wichtig!

    1. Ja, in gewisser Hinsicht ist die Differenzierung wichtig. Aus dem Blickwinkel massakrierter syrischer Familien mit Unterstützung der Regierung der im Artikel klagend Beklagten ist sie es nicht – mehr. Israelis haben ihre Führer gewählt und diese vertreten sie nach innen UND aussen. Auch für Israel gilt: Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient. So wie Deutschland vom Zionismus noch heute gemäss den Verbrechen des NAtionalsoZIalimus behandelt wird, bemüht sich Israel international je länger je mehr um den Status des NAtionalZionismus, um sich daran messen zu lassen.

      Es ist daher Aufgabe der israelischen Masse, ihr internationales Image zu pflegen und nicht Aufgabe der internationalen Gemeinschaft, Israels zionistisch-multimedial überhöhtem Image zu applaudieren um dieser selbst verschuldeten Demokratie die von ihr krampfhaft eingeforderte Solidarität zu verschaffen.

      Ja, in gewisser Hinsicht ist Differenzierung wichtig, aber dazu benötigt niemand einen Artikel wie diesen – auch wenn die Lektüre sicher nicht schadet. Man benötigt lediglich Vernunft, Erfahrung oder eine Statistik, weil überall auf diesem Globus irgendwas im Argen liegt, dessen Konsequenzen auf die eine oder andere Weise wenig oder viele Menschen betrifft, die entweder selbst genau diese Missstände alle 4 Jahre fördern oder von ihren Mitmenschen nicht ausreichend mitgetragen werden.

      Man kann also getrost davon ausgehen, dass wie überall auf unserem Planeten auch in Israel ganz gewöhnliche Menschen mit ganz gewöhnlichen Problemen leben, die von ihren ihren Mitmenschen als nicht prioritär betrachtet werden.

      Die Amis auf Kurs
      Grüsse
      kosh

      1. Nach deiner Art der Differenzierung musst du nach jedem Krieg das komplette „schuldige“ Volk erschießen?…..

        Das Problem ist doch folgendes: während sich die herrschende Klasse über alle Grenzen hinweg immer gegenseitig unterstützt, gelingt es dem Kanonenfutter bisher nicht aus dem allgegenwertigen künstlich herbeigeführten Hass auszubrechen……dazu bedarf es einer viel höheren Bildung….und dazu dient auch der von mir zitierte Blog

      2. – Nach deiner Art der Differenzierung musst du nach jedem Krieg das komplette “schuldige” Volk erschießen?…..

        Nein! Wie kommst Du darauf?

        „Hass“ ist keine Frage der Bildung. Darum findest Du „Hass“ auch bei Homo sapiens mit „einer viel höheren Bildung“, dort bisweilen sogar abgrundtiefen „Hass“ untermalt mit höchst gebildeter Argumentation, um den „Hass“ fundiert zu rechtfertigen.

        Die sogenannte „herrschende Klasse“ herrscht allein deshalb, weil der wahre Herrscher – der Souverän, das Volk, die Masse, der Demos – die Demokratie auch dann nicht versteht, wenn man sie ihm unter die Nase reibt.

        Aber die sogenannte „herrschende Klasse“ hat das verstanden, zumindest steht sie in der Tradition cleverer Homo sapiens, die sich die Demokratie zunutze machten und seither finanzielle Vorteile daraus ziehen. Auf den Blutadel folgte ein Mix aus Blut- und Geldadel mit Auf- und Abstiegschancen für Kanonenfutter. Gemessen an Angebot und Nachfrage kann ich schliessen: Das Kanonenfutter steht voll drauf – Deutschland sucht den Superstar🙂

        Darauf kannst Du Gift nehmen: Würde die „herrschende Klasse“ aus irgendeinem Grund ihrer Herrschaft verlustig, das Kanonenfutter würde die Lücken dieser Herrschaft raschest möglich schliessen.

        Die Amis auf Kurs
        Grüsse
        kosh

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