Warum das bundesdeutsche Regime sich von der Wachstumsideologie verabschiedet

Kaum etwas haben deutsche Linke in den letzten Jahrzehnten so ausdauernd kritisiert wie die herrschende Wachstumsideologie. Urplötzlich soll nun, ganz offiziell, damit Schluss sein.

Die staatliche deutsche Märchenschau meldete am gestrigen Montag, den 28. Januar 2013:

Wohlstand und Wachstum sollen künftig neu bemessen werden

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) soll künftig nicht mehr alleiniger Maßstab für Wohlstand, Wachstum und Lebensqualität in Deutschland sein. … heute mit der Mehrheit von Union, FDP und SPD verabschiedet … Zehn Messwerte sollen künftig Aufschluss über Wohlstand, Teilhabe und Ökologie geben. … Auskunft über die Lebensqualität in Deutschland sollen die Leitindikatoren Beschäftigung, Bildung, Lebenserwartung und Freiheit geben. … Ein erster Jahreswohlstandsbericht könnte 2014 erscheinen.

Mitglieder des rosalinken und olivgrünen Flügels des Politbetriebes nörgeln an der Anzahl und Auswahl der Indikatoren zwar etwas herum, aber im Prinzip wird mit der offiziellen Abkehr von der in BIP-Einheiten vermessenen Wachstumsideologie eine über Jahrzehnte immer wieder erhobene politische Forderung von Links verwirklicht.

Was dabei völlig untergeht, ist die Frage, wo der plötzliche Sinneswandel des über Deutschland herrschenden Regimes herkommt. Wirtschaftskraft und grenzenloses Wirtschaftswachstum wurden in der BRD über Jahrzehnte mit Wohlstand und Wohlbefinden gleichgesetzt. Seitdem die USA mit Adenauer den Schwager ihres Besatzungschefs als ihren Statthalter über Deutschland eingesetzt haben, haben er und alle seine Nachfolger immer wieder Wachstum, Wachstum und noch mal Wachstum versprochen. Haben sich die über die BRD herrschenden Marionetten von US-Kapitalisten urplötzlich von der Richtigkeit und Stichhaltigkeit linker Argumente überzeugen lassen? Sehen sie plötzlich ein, dass das BIP als Indikator für das Wohlbefinden der Bevölkerung und den Zustand eines Landes ein unzulänglicher Maßstab ist?

Das Bruttosozialprodukt übernahm schließlich seit der Gründung der BRD die Funktion einer Ersatzreligion und war in der BRD das der Bevölkerung Sinn stiftende und national verbindende Element schlechthin. Natürlich ist seit jeher jedem bekannt, dass das BIP als Indikator für das Wohlbefinden der Bevölkerung und den Zustand eines Landes ein unzulänglicher Maßstab ist. Doch über Jahrzehnte hat das über Deutschland herrschende Regime trotzdem daran festgehalten. Warum rückt das deutsche Regime nun plötzlich von der Wachstumsideologie ab?

Der Hintergrund ist ganz einfach. Seit dem zweiten Weltkrieg war Wohlstand, gemessen in harten Einheiten von BIP-Wachstum, in Deutschland und der „westlichen Wertegemeinschaft“ das hauptsächliche Element des Gesellschaftsvertrages zwischen beherrschten und Regime. Politische Ideen von mehr Gerechtigkeit wie Sozialismus und Kommunismus wurden mit dem Hinweis „Geh doch rüber“ abgetan, die nicht zuletzt aufgrund der CoCom-Sanktionen vergleichsweise geringere Wirtschaftskraft der Staaten des real existierenden Sozialismus verspottet und mit dem diesem Hinweis jegliche Diskussion über eine Lösung vom kapitalitischen Westblock begraben. Die Herrschaft der US-geführten NATO-Kapitalisten, die real existierende soziale Ausbeutung in der westlichen Wertegemeinschaft und sämtliche anderen real existierenden kapitalitischen NATO-Schweinerei, vom Vietnam-Angriffskrieg über den Radikalenerlass bis hin zu geheimen Gladio-Terrorarmeen wurden stets mit dem Hinweis auf das insgesamt vergleichsweise größere BIP, ergo, den größeren Wohlstand, der Bevölkerung des Westens legimiert.

Warum gibt das über Deutschland herrschende Regime die Wachstumsideologie gemessen in BIP, die jahrzehntelang bewährte Legimationsmaschine für das über Deutschland herrschende Regime plötzlich auf? Der Grund dafür ist ganz einfach: Die westliche Wertegemeinschaft im Allgemeinen und das über Deutschland herrschende Regime im Speziellen kann sein Wachstumsversprechen nicht mehr einlösen.

0,7% betrug das in BIP gemessene deutsche Wirtschaftswachstum 2012. In anderen großen Kernstaaten der westlichen Wertegmeinschaft sieht es kaum besser oder sogar noch schlechter aus. Rund 50% des in BIP gemessenen Weltwirtschaftswachstums findet gegenwärtig in den fünf nicht zum US-beherrschten Raum gehörenden BRICS-Staaten statt. Ein großer Teil des restlichen Wirtschaftswachstums findet in der Umgebung der BRICS-Staaten statt, die aufgrund ihres Wachstums eine wirtschaftliche Sogwirkung entfalten, also beispielsweise in Ostasien, Zentralasien und Südamerika. In den mächtigen G7-Staaten des US-geführten Raumes findet weniger als 20% des weltweiten Wirtschaftswachstums statt.

Und grundsätzliche Änderung dieser Situation ist nicht in Sicht. Selbst wenn es der US-geführten „westlichen Wertegemeinschaft“ ihr im Finanzsektor befindliches Loch gigantischer leistungsloser Einkommen zu stopfen und damit die sozialen Ungleichgewichte in den Griff bekommt, so wird das meiste Wachstum auch zukünftig vornehmlich in den BRICS-Staaten stattfinden. Von einem jährlichen Billionen-Dollar-Wachstum, wie es in China stattfindet, kann der US-geführte Raum nur träumen. Bereits in etwa zehn Jahren könnte der von einer kommunistischen Partei beherrschte BRICS-Staat China über eine größere Wirtschaftskraft als alle NATO-Staaten zusammen verfügen. Bis die BRICS-Staaten den US-geführten Raum in Bezug auf die Kenngröße BIP pro Kopf eingeholt, wird es zwar noch etwas länger dauern, aber absehbar ist, dass da eine real existierende wirtschaftliche Alternative zur Unterwerfung unter den weltweiten US-Imperialismus entsteht.

Da das deutsche Regime das Verprechen auf Wachstum nicht mehr einhalten kann, kommt das Regime einer alten Forderung der Linken nach und ändert es den Maßstab für Wohlstand. Zukünftig wird Wohlstand in Deutschland unter anderem in leicht dehnbaren Begriffen wie Freiheit gemessen werden. Das ist in etwa der gleiche Propaganda-Trick wie wenn Millionen Arbeitslose einfach „Geringverdiener“ genannt werden und basierend auf dieser Umbenennung große Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verkündet werden. Der Trick dient dem Regime dazu, die Bevölkerung davon abzulenken, dass das Regime US-geführter Kapitalisten nicht mehr in der Lage ist, seine Seite des Vertrages „Wohlstand für Alle“ mit der Bevölkerung einzuhalten.

Offen bleibt, wie lange sich die Bevölkerung von solchen PR-Tricks verschaukeln lässt, bevor sie im Verlangen nach Gerechtigkeit und Wohlstand gegen das in praktisch jeder Hinsicht bankrotte Regime der westlichen Wertegemeinschaft aufsteht.

7 Gedanken zu “Warum das bundesdeutsche Regime sich von der Wachstumsideologie verabschiedet

  1. Der große Kämpfer gegen die Atomkraft, Hoger Strohm, hat eine wesentliche Ursache unserer Misere benannt. Die 68er haben die Schulen in Deutschland nie wirklich reformiert. Ohne Ombudsstellen bleibt die Schule ein Gewaltsystem.Mindestens jede dritte Schulklasse in der BRD-GmbH soll eine Mobbingklasse sein. Die skandinavischen Länder haben ihre Schulen unter Mithilfe von Hoger Strohm umgestaltet. Bei uns bleibt den Schülern nur die Verweigerung oder der heimliche Ellenbogen gegen Mitschüler.Dass viele Schüler dumm wie ein Brötchen die Schulen verlassen,um den ausgebautern Billiglohnsektor bedienen zu können, darüber kann auch nur noch geschmunzelt werden.Seit 1973 darf offiziell keine Ausländerkriminalität benannt werden.Im Kampf gegen den Versailler Vertrag war die Linke noch national. Heute ist sie nur noch feige und wartet auf unseren wirtschaftlichen Niedergang.

  2. Es wäre notwendig, wenn das „Heer“, im wahrsten Sinne des Wortes, endlich Gestalt annimmt. Hierzu eine Anregung: Wir lassen uns einteilen in Arbeitslose, Geringverdiener, Hartzer udgl. Das ist geschickt, weil es eine Trennung von der nächsten Absonderung bringt. Doch wenn sich diese Menschen alle als Arbeitssuchende verstehen, sähe das anders aus. Und wer ist zuständig für Arbeitssuchende? Genau, das Jobcenter. Also alle müssen sich dort einfinden. Alle, von 8.00-17.00 Uhr. Alle Arbeitssuchenden besetzen alle Jobcenter, Tag für Tag. Endlich würde man sehen, wie viele Menschen es sind. Die Jobcenter können doch keinen Arbeitswilligen rausschmeißen. Aber wenn alle in den Jobcentern sind, geht da gar nichts mehr vorwärts. Man müßte dann endlich auch die Statistiken „korrigieren“, damit es der Wirklichkeit näher kommt. Genauso hat es Gandhi in Indien vorgemacht, er hat diesen Menschen bei den Märschen ein Antlitz verschafft, sie wurden sichtbar und vereint. Auf den Straßen, Tag für Tag. Dieses Heer konnte nicht in diese oder jene aufgeteilt werden. Das war ihre einzige Stärke.

  3. (bin nicht derselbe Paul wie oben)

    Ja, die Analyse ist richtig. Das „Gesetz vom tendenziellen Fall der Profitrate“ ist nicht mehr zu leugnen, daher muss ein neues Propaganda-Instrument geschaffen werden.

  4. Noch als Ergänzung: Ohne die USA hätten wir weitgehend das gleiche System mit ähnlichen Methoden. Die Deutschen waren auch schon vor 1945 eingefleischte Kapitalisten.

  5. Ich muss euch da jetzt enttäuschen. Niemand in der Regierung und Opposition ist von der Wachstums-Ideologie abgekehrt.

    Es wird sich nur von dem alten Muster „Wachstum ist für Alle gut“ verabschiedet. Das ist schon Alles.

    Unser Problem liegt doch viel tiefer: Warum ist überhaupt Wachstum nötig? Warum sowohl im Kapitalismus, wie auch im Kommunismus?

    Schaut euch mal das Konzept des Zinseszins an oder besser, dessen strukturellen Fehlers. Hier versagen die Linken genauso jämmerlich!

    Eines haben Kommunismus und Kapitalismus gemeinsam: die kleinen Leute sind die Sklaven und Verlierer, die Gründe liegen im gleichen Geldsystem.

  6. Wer ein Interesse daran hat, die derzeitige Situation der westlichen Wertegemeinschaft an Hand genauer Zahlen und Fakten zu studieren, dem empfehle ich jjahnke.net.
    In der Tat stürzt das westliche Wertesystem grad ins Bodenlose, die diversen räuberischen Angriffskriege und die gnadenlose Ausbeutung der EU-Kolonien verzögern den wirtschaftlichen und finanziellen Bankrott insbesondere der USA derzeit noch, aber der Crash kommt, und da die Führer der westlichen Regimes durchgeknallt und äußerst infantil agieren, werden sie sich demnächst wie die dreijährigen aufführen, schreien, zetern Amok laufen, wer Kinder großzieht, der weiß, wie dreijährige manchmal drauf sind, gnade uns Allah, wenn die infantile Drecksbande, die wir auch noch „Wertegemeinschaft“ nennen, ausrastet, freiwillig geben die garnix her, lieber die ganze Welt plattmachen, als einsehen oder zugeben, daß man selber der Idiot ist. Ich darf gar nicht dran denken, was uns da noch erwartet.
    Und das Stimmvieh, der gemeine Bürger, den kann man auch in die Tonne kloppen, die Verblödungsindustrie hat das Stimmvieh voll im Griff, die Bildzeitung der Linken, auch noch „Nachdenkseiten“ genannt, ist ein gutes Beispiel, daß man die organisierte Linke auch vergessen kann, also, Grundnahrungsmittel einlagern und zusehen, daß man sich schadlos hält,
    Glück auf

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