Erstarkter Irak bringt die USA in eine Zwickmühle

Die irakische Regierung hat den USA eine starke Nachricht gesendet: entweder wirken die USA auf ihre Freunde in Ankara ein, die Souveränität des irakischen Staatgebietes zu respektieren, oder der Irak wird eine strategische Militärpartnerschaft mit dem Iran eingehen. Um der Nachricht realpolitischen Nachdruck zu verleihen, hat der Irak gleichzeitig in Russland Militärtechnik im Wert von etwa 4,2 Milliarden US-Dollar bestellt, und Russland außerdem weitere Großaufträge in Bezug auf Öl, Strom und Militär in Aussicht gestellt.

Die Wahlen im Irak Anfang 2010 waren sehr eng und über Monate erschien eine Regierungsbildung nahezu unmöglich. Aber letztlich hatte, wie die auf der Einigung von Nuri Al-Maliki und Muktada Al-Sadr aufbauende Regierungsbildung im Dezember 2010 zeigte, der die US-Besatzung kritisch sehende Teil des irakischen Parlamentes die Nase knapp vorn. Die wesentliche Grundlage der Zustimmung von Muktada Al-Sadr zur Regierungsbildung war der Rauswurf der US-Truppen aus dem Irak mit dem Auslaufen des Besatzungsvertrages von 2008 zum Ende des Jahres 2011. Nachdem klar war, dass die Regierugsbildung auf diese Weise gelingen würde, kamen im Sinne der Bildung einer Allparteienregierung und der Beteiligung an der Verteilung staatlicher Gelder auch die meisten anderen Parteien zur Regierungsbildung hinzu, doch blieb die Einigung von Muktada Al-Sadr und Nuri Al-Maliki und damit der Abzug der US-Truppen die Basis der Existenz der gegenwärtigen irakischen Regierung.

Der Besatzungsmacht USA blieb nichts Anderes übrig, als eine freundliche Miene zu ihrem Rauswurf zu machen. Und so preiste Barack Obama den Krieg gegen den Irak als Erfolg, der zu einer Freundschaft mit dem Irak geführt habe und verklärte den Rauswurf der USA aus dem Irak öffentlich als Einlösung eines seiner Wahlversprechen. Irak verlangte von den USA als Zeichen dessen, dass die USA dem Irak freundschaftlich verbunden sind, endlich für die Aufhebung der UN-Sanktionen zu sorgen, die zum Teil noch aus der Ära von Saddam Hussein stammten, und den Irak im Jahr 2010 immer noch als Bedrohung des Weltfriedens in wesentlichen Sourveränitätsrechten beschnitten haben. Und so wurden im Dezember 2010 die UN-Sicherheitsratsresolutionen 1956 folgende verabschiedet, durch die die wesentlichen Sanktionen gegen den Irak aufgehoben wurden und der Irak zumindest formell im Großen und Ganzen seine staatliche Souveränität wiedererlangte.

Und tatsächlich gelang es der irakischen Regierung so, die USA bis Ende 2011 zum Abzug aller offiziellen US-Besatzungstruppen zu bewegen. Trotzdem versuchen die USA natürlich auf unterschiedliche Weisen, ihren herrschaftlichen Einfluss über den von ihnen durch Angriffskrieg eroberten Irak irgendwie zusammenzuhalten und die Besatzung des ölreichen und strategisch gelegenen Staates möglichst umfassend unter anderen Namen fortzusetzen. So sind beispielsweise die US-Botschaft und die US-Konsulate im Irak festungsartig ausgebaute Stellungen, in denen über 20.000 Besatzer arbeiten, zu deren Schutz wiederum Tausende von US-Söldnern im Irak aktiv sind. US-Waffenverkäufe an den Irak und ein Abkommen über eine strategische Sicherheitspartnerschaft zwischen dem Irak und den USA sorgen dafür, dass weitere US-Besatzer als Ausbilder und Einweiser im Irak tätig sind. Außerdem unterstützen die USA und ihre Freunde im Irak sämtliche Kräfte, die geeignet erscheinen, die Regierug, die die Besatzungstruppen hinausgeworfen hat, zu unterminieren. Dazu setzen die USA und ihre Freunde auf politische Proxies wie den Wahlverlierer Iyad Allawi, auf separatistische Proxies im Norden des Landes und auf wahhabitische Proxies, die insbesondere den Maliki und Sadr besonders gewogenen schiitischen Teil der Bevölkerung des Irak mit Bombenanschlägen terrorisieren.

Nachdem die US-Besatzungstruppen abgezogen waren, fiel deren Protektionismus für den anti-schiitischen Terrorismus im Irak weg und so konnte die irakische Justiz unmittelbar darauf gegen Tariq al-Haschimi vorgehen, der auf der Position des von einer Wahhabiten und Muslimbrüdern nahestehenden Partei gestellten irakischen Vizepräsidenten sitzend aus mehr als Hundert Mord- und Terrorschläge im Irak organisiert hatte. Der von den jeweiligen Machthabern gedeckte Weg der Flucht, durch die es Tariq al-Haschimi bis heute gelang, sich der Verantwortung für seine Verbrechen zu entziehen, offenbarte, wer Terrorimsus im Irak protegiert. Der vom Irak steckbrieflich gesuchte Top-Terrorist Tariq al-Haschimi flüchtete zunächst in das von Kurdenführer Masud Barzani kontrollierte Gebiet des Nordirak, und von dort weiter über Katar und Saudi Arabien schließlich in den NATO-Staat Türkei, wo er heute unter dem Schutz des türkischen Regimes lebt. Auf allen Stationen seiner Flucht verweigerten die jeweils eng mit den USA befreundeten oder verbündeten Machthaber die Auslieferung des Terrorismus-Drahtziehers Tariq al-Haschimi in den Irak.

Die formell mit dem Irak über das strategische Sicherheitsabkommen zur Bekämpfung des Terrorismus verbündete Supermacht USA unternahm keinerlei bis heute ersnthaften Bemühungen, Druck auf ihre Vasallen in der kurdischen Autonomieregion, in Katar, in Saudi Arabien und in der Türkei dauszuüben, damit der irakische Spitzenterrorist Tariq al-Haschimi für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Das änderte sich auch nicht nach dem 9. September 2012, wo ein irakisches Gericht Tariq al-Haschimi wegen seiner Taten in Abwesenheit verurteilte, und Anhänger von Tariq al-Haschimi gegen die Verurteilung protestierten, indem sie im Irak eine Reihe mörderischer Terroranschläge begingen. Damit wurde offenkundig, dass die USA von ihren Vasallen ausgehenden Terrorismus gegen den Irak billigen, anstatt den Terrorismus gemeinsam mit dem Irak zu bekämpfen, so wie es das strategische Sicherheitsabkommen zwischen den USA und dem Irak vorsieht. Dem Irak nützt der stärkste Partner der Welt bei der gemeinsam Bekämpfung des Terrorismus überhaupt nichts, wenn dieser Partner den Terrorismus nicht gemeinsam bekämpft, sondern unterstützt.

Ein weiterer Punkt, wo klar wird, dass die USA konträr zu den Zielen des strategischen irakisch-amerikanischen Sicherheitsabkommens handeln, ist die Förderung von Separatismus im Irak durch die USA und ihre Freunde. Dies btrifft sowohl den kurdisch geprägten Norden des Irak wie auch den sunnitisch geprägten Nordwesten des Irak. In der kurdischen Autonomieregion unterstützen die USA und ihre Freunde die kurdischen Separatisten um Barzani politisch, militärisch und wirtschaftlich. Besonders drastisch ist die Missachtung der Integrität und Souveränität des irakischen Staatsgebietes durch den US-Vasallen Türkei.

Einerseits unterstützt die Türkei Barzani und seine Separatisten im Nordirak im gemeinsamen Kampf gegen die irakische Regierung und sabotiert so die Bemühungen der irakischen Regierung zur zentral organisierten Grenzsicherung und andererseits fallen türkische Truppen beinahe regelmäßig in den Nordirak ein, mit der Begründung, die irakische Regierung würde nicht effektiv genug verhindern, dass Terroristen durch die Grenzen zur Türkei sickern. Die türkische Politik in der Region läuft damit darauf hinaus, im Nordirak ein separatistisches Regime zu unterstützen, dessen Sicherheit und Grenzen von der türkischen Armee garantiert werden, was letztlich nichts anderes bedeutet, als den Nordirak zu einem türkischen Protektorat zu machen und die Souveränität und Integrität des irakischen Staates zu zerstören. Die USA, die mit dem Irak in einem strategische Sicherheitsabkommen verbunden sind, tun nicht nur nichts, um dieser auf die Zerstörung des irakischen Staates angelegten großtürkischen Politik entgegenzuwirken, sondern sie unterstützen sie und benutzen die nordirakische Autonomieregion obendrein, um von den USA unterstützte Proxykräfte Terrorangriffe gegen die dem Irak freundschaftlich verbundenen Staaten Iran und Syrien ausführen zu lassen.

Während die USA dem Irak trotz des gemeinsamen strategischen Sicherheitsabkommens nicht besonders hilfreich dabei sind, den Terrorismus im Irak und das Schüren von Separatismus zu bekämpfen, und die USA Spannungen des Irak mit den freundlichen Nachbarstaaten Iran und Syrien durch die Unterstützung grenzüberschreitender Terrorangriffe aus dem Nordirak schüren, versuchen die USA obendrein, die gutnachbarschaftlichen Beziehungen des Irak zum Iran und zu Syrien durch Behinderungen des grenzüberschreitenden Flugverkehrs zu stören. So haben führende US-Politiker kürzlich unter fadenscheinigen Begründungen vom Irak verlangt, den Flugverkehr zwischen Iran und Syrien dadurch zu behindern, dass Flugzeuge aus dem Iran zu Zwischenlandungen im Irak gezwungen werden, und die Flugzeuge im Irak vor einem Weiterflug nach Syrien durchsucht werden. Nachdem der Irak den USA diesen Wunsch erfüllt hat, und auf Verlangen der USA Flüge aus dem Iran nach Syrien stichprobenartig zu Zwischenlandungen nötigt und schon eine ergebnislose Durchsuchung durchgeführt hat, sind die USA und ihre Freunde damit auch nicht zufrieden und bringen stattdessen eine Durchsuchug der Flugzeuge durch US-Amerikaner in die Diskussion ein, ganz so, als ob der Irak eine unselbständige Kolonie der USA wäre. Und nun scheinen die USA dem Irak auch noch vorschreiben wollen, mit wem der Irak Ölgeschäfte macht und mit wem nicht, ganz so, als ob das irakische Öl den USA gehören würde und nicht etwa dem Irak.

Die eigene Kontrolle über das irakische Öl ist den Irakern jedoch besonders wichtig. Mit der Kontrolle über das Öl steht oder fällt der irakische Staat. Deshalb wurde in der irakischen Verfassung festgeschrieben, dass das irakische Öl dem irakischen Volk gehört. Daraus ergibt sich einerseits, dass allein die demokratisch gewählte irakische Regierung – und nicht etwa eine in einer ölreichen irakischen Regionen vom Ausland unterstützte Autonomiebewegung – befugt ist, Ölverträge abzuschließen und die Einnahmen aus dem Verkauf des irakischen Öls zum Nutzen des gesamten irakischen Volkes zu verteilen. Und zum Anderen ergibt sich daraus sehr zum Missfallen der USA, dass Produktionsteilungsverträge verfassungswidrig und illegal sind und ausländische Unternehmen vom Irak ausschließlich damit beauftragt werden dürfen, dass irakische Öl im Auftrag des Irak gegen eine feste Gebühr pro Fass aus der Erde zu holen, womit dem irakischen Volk die Mehrerlöse aus einer unvorhergesehen großen Produktion und höher als erwarteten Ölpreisen zufallen und die irakische Regierung, und nur die irakische Regierung, im Auftrag des irakischen Volkes entscheiden darf, an wen das Öl zum größtmöglichen Nutzen des irakischen Volkes verkauft wird.

Die staatliche Souveränität über ds Öl ist eine prinzipielle Frage, die den Kern der Souveränität des irakischen Staates betrifft. Dürften Regionen Ölverträge machen, so neigen Interessenten am Öl dazu, auf Ölquellen sitzende Regionalbewegungen zu bewaffnen, diese gleichzeitig durch interregionale Auseinandersetzungen abhängig und schwach zu halten und sie so dazu nötigen zu können, für mit den Waffenlieferanten befreundete Ölfirmen sehr vorteilhafte Ölverträge auf Produktionsteilungsbasis zu vergeben. Das Ergebnis ist dann, dass ausländische Ölkonzerne riesige Profite machen, über ihre großen Profite stetig mehr Macht zu einer Beeinflussung der Politik aufbauen, die regional autonome Bevölkerung die kleinen für die Bevölkerung übrigbleibenden Ölprofite für sich selbst aufbracht und die nicht auf Ölquellen lebende Bevölkerung des Staates aufgrund der nicht erfolgenden regionalen Teilung der Ölprofite verarmt und verelendet. Versteigerte Hebeverträge für Öl, das zentral verkauft wird und deren Einnahmen von zentraler Stelle aus verteilt werden, machen dieses für Ölkonzerne lukrative und für die gesamte Bevölkerung letztlich nachteilige Autonomieschema hingegen zunichte, weshalb das genau das Prinzip ist, welches in der irakischen Verfassung als einzig zulässiges Prinzip festgelegt wurde.

Die USA und ihre Freunde versuchen das für die irakische Bevölkerung vorteilhafte Prinzip der zentralen Ölwirtschaft zu knacken, indem sie einerseits die irakische Regierung von ihrer Militärhilfe zum Kampf gegen von ihnen selbst geschürten Terrorismus abhängig machen und andererseits regionale „Autonomieregierungen“ unterstützen, und gleichzeitig ihre Ölfirmen dann eben mit diesen Autonomieregierungen genau jene Produktionsteilungsverträge abschließen lassen, die den Ölfirmen zu Lasten des Wohls der irakischen Bevölkerung besonders hohe Profite und politische Macht bringt. Auf diese Weise unterminieren die USA und ihre Freunde zu Gunsten von Profitaussichten auf illegale Weise gezielt die Integrität des irakischen Staates, und das obwohl die USA mit dem Irak ein partnerschaftliches Sicherheitsabkommen verbindet, dessen erklärtes Ziel es ist, die Integrität des irakischen Staates zu beschützen.

Die irakische Regierung versteht genau, welch schmutziges Spiel da von den USA gespielt wird. Und die Politik der zentral vergebenen Hebeverträge in Verbindung mit einer möglichst konfliktfreien Außenpolitik hat die irakische Regierung stark gemacht. Bei über drei Millionen Fass pro Tag liegt die Ölförderung des Irak inzwischen, und nahezu der gesamte Ölverkauf sowie die damit erzielten Einnahmen unterstehen der irakische Regierung. Für die Zukunft wird eine deutliche Steigerung erwartet. Das gibt der irakischen Regierung die finanzielle Möglichkeit, das Schema regionaler Produktionteilungsverträge zu durchkreuzen und gegen die politischen Einfluss suchenden Ölfirmen und die Separationsbewegungen vorzugehen. Mit den Öleinnahmen und den Ölresourcen kann die irakische Zentralregierung eine duchaus wirkmächtige Politik machen. Keine nördliche Separationsbewegung ist finanziell so stark wie die über die zentralen Öleinnahmen verfügende Zentralregierung.

Ein Mittel der mächtigen Politik der irakischen Zentralregierung war es, über einen längeren Zeitraum keine zentralen Ölzahlungen an die kurdische Autonomieregierung zu leisten, und dabei darauf zu dringen, dass sie sich zum Prinzip der zentralen Ölwirtschaft bekennt und von eigenen illegalen Förderungs- und Exportprojekten an der irakischen Regierung vorbei, Produktionsteilungsverträgen obendrein, Abstand nimmt. Ein weiteres mächtiges Mittel der Ölpolitik hat die irakische Zentralregierung vor einigen Monaten eingesetzt, indem sie erklärt hat, Ölgesellschaften, die in Autonomieregionen widerrechtlich das dem irakischen Volk gehörende Öl fördern, müssten damit rechnen, dass als Schadensersatz ihre Investitionen in staatliche irakische Ölfelder konfisziert werden und sie zukünftig vom legalen irakischen Ölmarkt ausgeschlossen werden. Da die im schiitischen Süden des Irak liegenden, von der irakischen Zentralregierung kontrollierten, Ölfelder und Vorkommen beträchtlich größer sind und auch in der Gegenwart eine um ein vielfaches höhere Förderleistung erzielen als die vergleichsweise kleinen Felder und Vorkommen in den nördlichen Autonomiegebieten, ist diese Strafe durchaus schwerwiegend. Doch die USA und ihre Freunde haben bisher nicht erkennen lassen, von ihrer auf Separation und Zerstörung des irakischen Staates abzielenden Politik, einschließlich der begleitenden Maßnahmen wie illegalen Produktionsteilungsverträgen und über die Grenzen der Autonomieregion geschmuggelten Ölexporten Abstand nehmen zu wollen. Und ganz genauso haben die USA und ihre Freunde die ständigen irakischen Warnungen ignoriert, dass der Irak gegen einen Krieg von NATO und GCC gegen Syrien ist, weil so ein Krieg die nach den vergangenen US-Abenteuern mühsam wiedergewonnene Stabilität der gesamten Region einschließlich der des Irak gefährde, ganz so, als ob die Regierung des Irak Luft wäre für die Weltmacht USA, die mit dem Irak durch ein strategisches Militärabkommen zur Erhaltung des Friedens und der Sicherheit im Irak verbunden ist.

Mit der Ankündigung, eine strategische Partnerschaft mit dem Iran einzugehen, wenn die USA nicht auf die Türkei einwirken, Militäroperationen im Nordirak zu unterlassen, bringt Nuri Al-Maliki die USA in eine unangenehme Zwickmühle. Ohne Militäroperationen im Nordirak haben weder das NATO-GCC-Projekt der Abpaltung des Nordirak noch ein NATO-GCC-Krieg gegen Syrien Erfolgsaussichten. Ohne ein gleichzeitiges militärisches Vorgehen gegen die PKK in Syrien und im Nordirak hat ein offener NATO-GCC-Eroberungskrieg gegen Syrien zur Folge, dass die PKK in Syrien und im Nordirak erstarkt und die Türkei mit sehr großen Problemen in ihren eigenen kurdisch dominierten Gebieten konfrontiert wird. Führt die Türkei im Rahmen eines Krieges gegen Syrien Operationen gegen die PKK nur in Syrien durch, dürfte das dazu führen, dass zahlreiche PKK-Kämpfer aus Syrien in die Hochburgen der PKK im Nordirak flüchten und von dort aus wütende Vergeltungsangriffe gegen die Türkei führen. Die von den USA und der Türkei unterstützten Peshmerga dürften mit diesem Problem ohne eine direkte Unterstützung durch die türkische Armee kaum fertig werden. Der türkischen Regierung scheint der Zusammenhang bewusst zu sein, denn vom türkischen Parlament hat sie sich kürzlich nicht nur eine Ermächtigung für grenzüberschreitende Militäreinsätze gegen Syrien, sondern auch gegen den Irak geben lassen.

Für die USA dürfte es natürlich unangehm werden, ihrem türkischen Partner Erdogan zu sagen, dass die USA sich nun plötzlich entschieden haben, dass von den Projekten „Regime Change in Syrien“ und „Abspaltung des Nordirak“ Abstand genommen werden muss, damit die USA mit der zukünftigen Ölgroßmacht Irak im Geschäft bleiben können. Mindestens genauso unangenehm dürfte es jedoch für die USA sein, wenn die zukünftige Ölgroßmacht Irak seine noch neutrale außenpolitische Haltung aufgibt, und ganz offen ein militärischer Bündnispartner des Iran wird. Wenn die USA Krieg gegen Syrien als Schritt auf dem Pfad nach Persien wollen und weiter an der Umsetzung dieses Planes arbeiten, so werden sie auf diesem Weg als Nächstes nicht problemlos den kurdisch dominierten Nordirak abspalten können, sondern wie werden sich dabei als Nächstes erstmal wieder mit ihrem irakischen Alptraumgegner konfrontiert sehen.

Mit der milliardenschweren Bestellung für russische Luftabwehrsysteme und Kampfhubschrauber hat Nuri Al-Maliki den USA auch eine klare Botschaft gesendet, dass es ihm ausgesprochen ernst damit ist, die Souveränität des Irak zu verteidigen, auch wenn die Pläne zur Verletzung der Souveränität und Integrität des Irak mal wieder von den USA und ihren Freunden ausgehen. In einem Militärbündnis mit dem Iran würde der Irak selbstverständlich auch auf eine enge militärische Kooperation mit Russland setzen. Mit der Milliardenbestellung ist der erste Schritt dafür bereits gegangen. Bei der Absicht, den Irak gegen türkische Spaltungsversuche und Invasionen zu verteidigen, dürfte Nuri Al-Maliki auch den größten Teil der irakischen und auch der kurdischen Bevölkerung auf seiner Seite haben. Und auch die Sicherheitspartnerschaft mit dem Iran, die de facto wahrscheinlich das Ende jeglicher auch nur vorgetäuscht partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den USA bringen würde, dürfte nicht ganz unpopulär sein.

Ein sehr großer Teil der irakischen Bevölkerung will nach dem Angriffskrieg der USA gegen den Irak und den damit einhergehenden US-amerikanischen Verbrechen mit den USA sowieso nichts mehr zu tun haben und würde dem Iran den Vorzug als strategischer Partner geben. Und wenn die USA und ihre Freunde dann noch Terrorismus, Separatismus und fremde Militärinvasionen gegen den Irak unterstützen, dann dürfte da im Irak bei nur wenigen unverbesserlichen Fans und gekauften Lakaien des US-Regimes noch Sympathie übrigbleiben.

Für US-Warlord Barack Obama bedeutet das, dass er sich entscheiden muss: entweder muss er von seiner destabilisierenden Terror- und Kriegspolitik im nahen Osten Abstand nehmen oder er wird die strategische Patnerschaft mit dem erstarkten Irak, der zukünftigen Ölgroßmacht im nahen Osten, verlieren. Beides zusammen wird er kaum bekommen können.

7 Gedanken zu “Erstarkter Irak bringt die USA in eine Zwickmühle

  1. – … wenn dieser Partner den Terrorismus nicht gemeinsam bekämpft, sondern unterstützt.

    Dieser Partner unterstützt nicht, sondern entscheidet wohl temperiert durch die weisesten Führer des globalen Zionismus, wer den de-facto-EUSraElitären Staatsterrorismus unter dem Deckmantel von Demokratie und Freiheit unterstützen darf und wen er unvermittelt auf die offiziellen US-UN-Terrorismus-Hitlisten verdammt.

    Ob die Türkei die drohende Bildung Kurdistans durch Abtretung eines Grossteils des Ostens eines Tages billigen wird, oder ob sich Kurdistan darauf verständigt in einem Grosstürkischen Reich eingebunden zu werden um den Iran einzudämmen, gehört wohl oder übel auf die zionistisch eingefädelte Traktandenliste des mesopotamischen Flächenbrands. Dazu gehört auch, klare Schlachtfeldtrennlinien zwischen den islamischen Sekten aufzubauen, um sie hinterher gegeneinander stellvertreterkriegstauglich ordo ab chao verbreiten zu lassen. Der Irak ist auch wegen arabisch-persischer Differenzen wohl beraten, sich in seiner Anbiederung zum Iran nicht allzu sehr verleiten zu lassen resp. sich genau zu überlegen, wie den seit dem britischen Imperialismus populär gewordenen Standardmethoden begegnet werden könnte.

    Mit der Wiederannäherung an Russland via Iran wie im Artikel beschrieben, hat der Irak ein deutliches Signal an die US gesendet – wie man in den Wald ruft, so hallt es zurück: Entweder für uns oder gegen uns!

    Die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh

    PS: Man tut was man kann und man kann was man tut.

  2. Das ist jetzt mal ein wirklich exzellenter Artikel zum Thema heutiger Irak. Ich kenne in deutschsprachigen Publikationen keine vergleichbare intelligente Analyse hierzu.
    Beim Lesen fiel mir ein Gespräch ein, das ich mit einem sudanesischen Freund und Arbeitskollegen vor sehr, sehr vielen Jahren hatte, nämlich als es und Bush-Papis Krieg im Umfeld der Kuweitsache ging.
    Ich sagte: „Eine Allianz zwischen Iran und Irak zur Verhinderung der US-Angriffe wäre jetzt super!“
    „Das wäre optimal“ sagte mein Freund „Aber nicht mich Raffzahn-Tschani zu machen.“
    Nun ja, das war nicht aller Tage Abend.

  3. Der Irak kauft wieder russische Militärtechnik? Dann steht die USA ja wieder ganz am Anfang wie 1991 wo sie diese Kriegsserien gegen die „former soviet client states“ Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Sudan, Jemen, Libyen, Syrien Iran beschlossen haben:

  4. Wenn man diese westlichen Machthaber betrachtet, muss man sich leider fragen, wenn man es realistisch sieht, von was wir für Kriegsverbrecher, Massenmörder und abgewichste Lügenbarone wir regiert werden.

    1. Zusatzfrage:

      – … wenn man es realistisch sieht, …

      … von welcher Art ist eine Masse, die sich von …

      … Kriegsverbrecher, Massenmörder und abgewichste Lügenbarone …

      … regieren lässt?

      Die Amis auf Kurs
      Grüsse
      kosh

  5. Da kommt wieder Freude auf bei den Amerikaner. Es war sowieso vor dem Einmarsch klar, das der Irak ein von Schitten domninierter STaat ist und daran werden die Terror Anschlaege der Saudi Freunde auch Nichts aendert. Wie konnte man nur so dumm sein, das man ueberhaupt diesen Krieg inzenierte mit den dummen Deutschen Politiker wie so oft im Schlepptau, von Westerwelle bis Merkel. Nur Schroeder stoppte den kriminellen Schwachsinn der Kriegs und Aufbau Mafia

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