Wovor die Bankster im Fall Griechenland wirklich Angst haben

Nachdem die griechischen Wähler am Sonntag vor acht Tagen den Lakaien von Goldman Sachs und Co keine Mehrheit im Parlament gegeben hatten, hätte man für den darauffolgenden Montag mit dicken Kursverlusten an den internationalen Börsen rechnen können. Seltsamerweie geschah das nicht. Nach Anfangsverlusten am Morgen drehte der DAX am Nachmittag sogar noch ins Plus.

Doch am heutigen Montag, eine Woche später, stehen nahezu alle Börsen dick im Minus, gleich ob DAX, MDAX, TecDax, Euro Stoxx oder Dow, S&P 500, Nasdaq und die Zeitungen überschlagen sich mit Meldungen wie „Griechenland-Sorgen drücken Dow auf Dreimonatstief.“ Warum die Kurse erst heute fallen, und letzte Woche nicht gefallen sind, mag das Geheimnis der Bankster bleiben. Mag sein, dass erst heute begriffen haben, was in Griechenland letzte Woche passiert ist, mag sein, dass letzte Woche irgendein Walfisch-Bankster mit Riesensummen Kurspflege bei den Indexwerte betrieben hat. Wie dem auch sei, heute jedenfalls sind praktisch alle Börsen im Minus, und alle sagen, das hat mit Griechenland zu tun, obwohl da doch angeblich gar keine Kettenreaktion drohen soll.

Warum sind dann alle Börsen heftig im Minus? Sind die Börsen aus Mitleid mit Griechenland im Minus? Wohl kaum. Wovor haben die Bankster im Fall Griechenland also wirklich Angst?

In der FT ist dazu ein aufschlussreicher Artikel erschienen: „Griechischer Ausstieg könnte zu Neid in der Eurozone führen“ (Hinter einer Paywall, lässt sich aber über Google aufrufen). These des Artikels ist, dass Griechenland, wenn Griechenland jetzt den Staatsbankrott erklärt und möglicherweise auch den Euro verlässt, danach wirtschaftlich ziemlich schnell wieder Fuß fassen könnte und schon 2013 große Wachstumsraten erzielen könnte. Als vor ein paar Jahren beispielsweise Argentinien, Indonesien und Südkorea pleite gegangen sind, da gab es auch zuerst einige Verwerfungen und dann – von Schuldendiensten unbelastet – ein rasantes Wirtschaftswachstum, das bis heute anhält. Damit könnte die Bevölkerung in anderen Ländern, Spanien, Portugal und Italien beispielsweise, neidisch werden auf die Griechen und in ihren Ländern auch einen Staatsbankrott durchsetzen, um nach einer so erfolgten Entschuldung wieder eine gute Wachstumsperspektive zu bekommen.

Obwohl das eine gute Perspektive für die Bevölkerung sei, sei das verheerend für die Banken. Bei den letzten Staatspleiten sei praktisch der ganze Bankensektor des Landes jeweils pleite gegangen, so die Bankster-Postille FT in ihrem Artikel sinngemäß. Die Bevölkerung anderer überschuldeter Staaten könnte in einer Art Domino-Effekt merken, dass eine Staatspleite zu ihrem Vorteil ist, und gegen die ganze Propaganda der Bankster und ihrer Lakaien dafür sorgen, dass die Staatspleite zur Entschuldung durchgesetzt wird, und das wäre zum Nachteil der Bankster, ihrer Banken und ihrer Aktien. Das ist es, wovor die Bankster und ihre Lakaien in Bezug auf Griechenland wirklich Angst haben. Die FT spricht es sogar ganz offen aus, nur liest diesen „Finanzkram“ in der Bevölkerung ja praktisch niemand.

8 Gedanken zu “Wovor die Bankster im Fall Griechenland wirklich Angst haben

  1. Super-Artikel ! Danke !
    Ihr seid die beste Wirtschafts- und Politikzeitung Deutschlands – alleine mit diesem Artikel.
    200.000 professionelle Lügen-Artikel werden nun mal geschlagen von einem wahren Artikel.

    -200.000 gegen +1 -wobei Ihr natürlich mehr als einen habt.

    Weiter so !

  2. – Warum die Kurse erst heute fallen, und letzte Woche nicht gefallen sind, mag das Geheimnis der Bankster bleiben.

    Ein Geheimnis ist das nicht, die Antwort auf die permanente Börsen-PRopaganda ist die Spaltung der Börsianer in 2 Lager: Fundis und Techniker. Von den beiden Lagern könn(t)en die Techniker auf Multimedia sogar ganz verzichten, und dennoch Geld verdienen.
    Wer sich vom PRopagandadruck irre machen lässt, wird alsbald aus dem Geschäft gedrängt.

    – Warum sind dann alle Börsen heftig im Minus?

    Heftig sind Abstürze zwischen 4-10%, deswegen musste auch die PRopagandamaschine angeworfen werden, um potentiellen Börsenverliereranwärtern die 1-1,5% intravenös zu verabreichen. Mir ist allerdings aufgefallen, dass Börsianer im Vgl. zu 10 Jahren früher relativ robust geworden sind. Was damals noch ging und zu einträglichen Raubzügen an der eigenen Bevölkerung führte, verhallt heute teils mit einem Schulterzucken. Es hat ein regelrechtes Training stattgefunden: Selektion. Die einen haben sich verabschiedet, andere sind vorsichtiger geworden. Auch ein Grund, weshalb Bankster sich an unseren Kolonien gütlich fressen müssen, weil sie zuhause die Renditen nicht mehr einfahren. Ganz allgemein bereitet ihnen das Problem der finanzsystembedingten Renditeschmelze Kopfzerbrechen, die Globalisierung – PRopaganda ohne Ende – hätte Lösungen dazu bieten sollen, durch den institutionalisierten Aderlass am Grossteil der Menschheit, was aber das Grundproblem nicht beseitigt: Man kann zwar ein Problem vor sich herschieben, aber lösen tut es sich dadurch nicht.

    Was auch Griechenland noch bevorsteht: Sie können ohne Euro auf Drachme umsteigen und ein Aufflackern ihrer Wirtschaft PRopgagandistisch als nachhaltig definieren, aber das Strukturproblem bleibt. Desgleichen Argentinien, wo immer offensichtlicher wird, warum die Kirchner zum Mittel der Verstaatlichung greifen muss und sich international in die Nesseln setzt, obwohl es dem Land blendend geht. Das Gegenteil ist der Fall, sie hat sich in eine Zwangslage manövriert, was zu immer krasseren Verhaltensweisen führen muss – wenn nicht ein Wunder geschieht. Indonesien habe ich nicht auf dem Radar, aber von den Südkoreanern weiss ich noch, wie sie damals ihr Gold gespendet haben, um die Heimat zu retten. Zeig mir mal einen Griechen mit dieser konfuzianischen Lebenseinstellung. Das Erfolgsmodell Südkorea basiert grösstenteils darauf, während der Grieche trotz grösster Verwerfungen immer noch die hohle Hand macht. Die Drachme wird derlei Defizite nicht kompensieren können.

    Dann wäre da noch das vielgelobte Island, welches nach meiner Meinung von einer Kombination günstiger Umstände profitiert hat, nämlich sowohl die Pleite-Banken tatsächlich in die Pleite zu schicken, nach aussen zusammenzuhalten und von aussen weitgehend verschont zu werden, was nicht zuletzt dem Umstand geschuldet ist, dass Island reich an Ressourcen ist bezogen auf eine winzige Bevölkerung. Da kommen mit etwas Haushaltsdisziplin relativ schnell wieder Devisen ins Land.

    Obwohl Griechenland als klein berachtet wird, ist es ungleich grösser als Island. Ich wage wegen der Neiddebatte mal gleich den Sprung zu Spanien, Italien oder Portugal, die zusammengenommen Griechenland in den Schatten stellen. Wer um Himmels Willen soll denn diesen ganzen Exportkrempel kaufen, wenn dann alle einen auf Entwicklung und Wohlstand machen? Als ob nicht längst augenfällig wäre, dass nur schon die Exportmacht Deutschland auf EU-Partner angewiesen ist, um sich mit dem Geschäftsmodell über Wasser zu halten. Was im Kleinen funktioniert wird im Grossen nicht gehen, sobald zuviele die gleiche Idee haben. Ok, wenn sie sich bei den Löhnen dauerhaft beschränken, Abstriche bei Luxusgütern wie z.B. Privatfahrzeugen machen und und und. Auch im virtuellen Bereich dürfte es sehr schwierig werden, es gibt ja heute schon nur Raum für sehr wenige Googles und Assbooks. Die müssen jetzt schon ihre Renditen auf dem ganzen Planeten eintreiben, um die Investoren noch überzeugen zu können.

    – … eine Staatspleite zu ihrem Vorteil ist, und gegen die ganze Propaganda der Bankster und ihrer Lakaien dafür sorgen, dass die Staatspleite zur Entschuldung durchgesetzt wird, und das wäre zum Nachteil der Bankster, ihrer Banken und ihrer Aktien.

    Zurück auf Feld 1, also das Ganze wieder von vorn. Neue (alte) Bankster, System aufpumpen bis zum nächsten Kollaps und wieder zurück auf Feld 1 – Der Krieg der Generationen. M.a.W. die Lösung ist das übliche Räuber-Beute-Schema samt zugehöriger Wellen und die Diskussionen drehen sich auf Kleinkindniveau um das arme Zebra, das vom phösen Löwen gefressen wird.

    – Die FT spricht es sogar ganz offen aus, nur liest diesen “Finanzkram” in der Bevölkerung ja praktisch niemand.

    Dieser ganze Finanzkram wurde in Geschichte gelehrt, anschaulich. Geschichtslehrer weisen weder extra drauf richten sie ihre Prüfungen danach aus, weil sie selbst nicht verstehen. Aber wer aufgepasst hat, dem wird aufgefallen sein, dass schon König Krösus seiner hausgemachten Inflation erlegen ist, dennoch ist nur sein sagenhafter Reichtum in Erinnerung geblieben. Die selektive Wahrnehmung der Masse ist nicht zu sprengen. Dass auch das berühmte Rom seine Münzen verdünnt hat und überhaupt sehr viele Vorbilder (wie das heilige römische Reich) sich selbst in die Sch….. geritten haben, wird kollektiv übersehen. Dieses Bedürfnis ist mit ein Grund dafür, weshalb jeder Film, der sich verkaufen soll, ein Happy-End voraussetzt. Anspruchsvolle Filme sind fürs Kleinkino, analog werden anspruchsvolle Informationen am Rand des Netzes verteilt. Wer was auf sich hält – ein Massenphänomen – fliegt direkt in die Mitte, stellt sich der Spinne und beschwert sich nicht nur darüber, dass er gebissen, eingewickelt und ausgesaugt wird, sondern auch darüber, von seinen „Mitmenschen“ nicht gerettet zu werden, damit er den gleichen Fehler noch einmal machen kann. Das ist das System Homo sapiens.

    Die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh

    1. … weil sie selbst nicht verstehen. …

      Da lob ich mir den „Chiemgauer“! Aus der dortigen Waldorfschule ist dieses Regiosystem entstanden. D.h. Eine Schule lehrt u.a. „Geldsystem“! Man stelle sich vor – das wäre nicht Ausnahme sondern Regel. … Die Bevölkerung weiß dann bescheid, wie Geld funktioniert … wär doch was?

      1. Der Konjunktiv wär‘ eine feine Sache, wenn nicht „zehn Millionen Fliegen“ …

        Stell Dir vor, Regio wäre erfolgreich, so erfolgreich, dass jemand dessen Erfolg KRIEGen möchte. Wie hoch stünden die Chancen, dass Regio sich gegen ein zu allem entschlossenes KRIEGsgeldsystem verteidigen könnte? Die Antwort stünde nicht, sie steht in den Geschichtsbüchern. Auf unsere Zeit bezogen: Drachme, Lira, Pesetas, Francs u.v.m. waren quasi regionale Warlordgelder, im Ansatz noch als Überbleibsel von REGIOnal-Geldern zu erkennen. Wenn’s nicht lief, wurde intraREGIOnal abgewertet. Aber „zehn Millionen Fliegen“ wollten lieber Euro fressen – der Euro hat sie alle geKRIEGt und KRIEGt seitdem im Bund mit Daddy Greenback. Wenn heute eine mit Abwertung vergleichbare Massenahme zur Debatte steht, dann nur noch via ÜberREGIOnalwährung in der Newspeak-REGIOn Euroland.

        Demokratie ist die Herrschaft des Volkes, aber das Volk hat nicht geherrscht, ergo wird es beherrscht. M.a.W. jedes Volk KRIEGt die Regierung, die es verdient.

        Darum konzentriere ich mich auf die „zehn Millionen Fliegen“, beobachte was sie tun oder nicht tun, was sie mit sich tun lassen oder nicht und was sie damit damit bewirken oder nicht. Die real existierende KRIEGsgeldsystemschere ist eine verblüffende Messgrösse des Fliegenschwarmverhaltens des Systems Homo sapiens, ein Masseneffekt den die Masse von sich selbst als Summe intelligenter Wesen verdrängt: Selektion innerhalb der sozialen Evolution.

        Die Amis auf Kurs
        Grüsse
        kosh

  3. Putsch in Aussicht?
    Meint Ihr nicht, daß bei aller Hoffnung hintenherum schon der Ernstfall durchgespielt wird und alle Vorbereitung laufen, damit das Militär wieder einmal eingreifen kann?

  4. Gut möglich, daß die Herren Bankster davor Angst haben.

    Es ist aber – leider! – nicht damit zu rechnen, daß Griechenland nach einem Euro-Ausstieg so bald wieder auf die Beine kommt.

    Griechenland ist nicht Argentinien und schon gar nicht Südkorea.

    Der Staat ist korrupt und ineffizient.

    Und die Wirtschaft hat außer ein paar Oliven nichts was sich gewinnbringend exportieren ließe.

    Trotzdem wäre ein Euro-Austritt, so hart er für die Griechen auch sein würde, wohl das beste für das Land.

    Griechenland hat sowieso keine Zukunft im Euro (und der Euro wohl auch keine…), da verlängert jeder Tag den sie im Euro bleiben nur die griechische Tragödie und verhindert einen Neuanfang ohne das Euro-Zwangskorsett.

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