Kolumbien wendet sich zu China hin

Die Welt geht weiterhin in rasantem Tempo den Weg zu einer deutlichen Ausrichtung auf die neue Supermacht China. Völlig unbemerkt von der deutschsprachigen Presse geschehen in Kolumbien gerade wichtige Dinge: die seit Jahrzehnten auf der Seite des Terrorstaates USA stehende faschistische Diktatur Kolumbien wendet sich mit Riesenschritten China zu.

Im April waren US-Warlord Barack Obama und seine Leute im US-Protektorat Kolumbien, dass neben der Versorgung der USA mit Kokain – und der dazugehörenden Versorgung der CIA mit Schwarzgeld – als Tribut für die Protektion insbesondere Öl, Kaffee, Kohle und andere Rohstoffe an die USA abführt. In Erinnerung geblieben sind von Obamas Besuch in Kolumbien insbesondere Streitigkeiten um mangelnde Unterwürfigkeit früherer lateinamerikansichen US-Protektorate gegenüber ihrem Kolonialherrn in Bezug auf Kuba und Drogen und eine von den US-Amerikanern nicht pünktlich bezahlte Prostituiertenrechnung. Nachdem der Besuch von Obama und seinen Leuten – abgesehen vom Kampf gegen den Alkohol, wo es den US-Amerikanern mal wieder gelang, große Mengen durch aufopferungsvollen Konsum zu vernichten – von wenig Substanz gekennzeichnet war, flog US-Kriegsminister Leon Panetta kurz darauf nach Brasilien, Chile und Kolumbien, um diese Staaten auf einen gemeinsamen Kampf gegen China einzuschwören. War dabei herausgekommen ist, wird man in der Zukunft sehen.

Was sich aber bereits jetzt sehen lässt, ist was beim gerade erfolgten Besuch des kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos in China herausgekommen ist. China Daily berichtet, es seien neun Abkommen geschlossen worden, unter anderem zum Bau einer für den asiatischen Markt vorteilhaften Ölpipeline von Venezuela an den Pazifik, einer Eisenbahn von den kolumbaianischen Kohlegruben an den Pazifik, der Kooperation im Finanzwesen sowie die umgehende Aufnahme von Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Chinesische Firmen werden in Kolumbien in nächster Zukunft Großprojekte verwirklichen und chinesische Banken liefern aus den großen chinesischen Finanzreserven die passende Finanzierung dazu. Xinhua meldet dazu nun weiter, der kolumbianische Präsident Juan Manuel Santos habe erklärt, sein Land wolle Chinas langfristiger Kooperationspartner werden und die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen sollten schnell begonnen werden.

Begründet hat Juan Manuel Santos seine Hinwendung zu China damit, dass es in den USA eine nachlassende Nachfrage nach kolumbianischen Bergbauprodukten gebe. Weniger höflich ausgedrückt heißt das, den USA fehlt das Geld, um die wertvollen kolumbianischen Bergbauprodukte zu kaufen, und die Industrie, um sie zu verwenden. Der china-freundliche Kurs von Juan Manuel Santos nutzt Kolumbien auch sonst. So hat sich beispielsweise auf wundersame Weise in jüngster Zeit die kolumbianische Situation auf dem für Kolumbien wichtigen Exportmarkt Ecuador gebessert, wo eine Hugo Chavez nahestehende china-freundliche Regierung an der Macht ist. Und praktisch gleichzeitig zum Besuch von Santos in China hat das kolumbianische Parlament sehr zum Missfallen der USA beschlossen, dass der Anbau von Marihuana, Coca und Opium legalisiert werden soll, womit der Drogenmafia der finanzielle Boden entzogen werden kann. Der US-amerikanischen Financial Times ist nicht entgangen, wie rasant der Ausbau der kolumbianisch-chinesischen Beziehungen beim Besuch Juan Manuel Santos in China vonstatten ging und kommentiert: China hält die Füße ganz gewiss nicht still, was Lateinamerika angeht, und gibt da Milliarden aus, um sich Rohstoffe für sein eigenes Wachstum zu sichern und seinen Einfluss über den Pazifik zu erweitern.

Das ist eine Untertreibung. So wie es aussieht, wird China tatsächlich schon sehr bald Kolumbiens wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner sein. Über kurz oder lang wird das die Konsequenz haben, dass der Einfluss der USA über Kolumbien schwindet, wenn nicht gar verschwindet. Damit ist Chile das einzige Land in Südamerika, das noch unter der Fuchtel der USA steht. Alle anderen Staaten in Südamerika betreiben entweder eine unabhängige südamerikanische Schaukelpolitik nach brasilianischem Vorbild oder eine anti-amerikanische Politik nach venezuelanischem Vorbild.

Der drastische kolumbianische Schwenk könnte sehr positive Konsequnzen haben. Freilich gehört damit in Kolumbien noch nicht – zumindest nicht sofort – die beinahe alltägliche Ermordung von Gewerkschaftern der Vergangenheit an, doch gab es beispielsweise vor nicht einmal drei Jahren noch die reale Befürchtung, die USA könnten über Kolumbien einen Proxy-Krieg gegen das ihnen missliebig regierte kolumbianische Nachbarland Venezuela führen, so sinkt diese Gefahr schon heute drastisch, denn durch so einen von den USA angezettelten Krieg würden nicht nur die wirtscaftlichen Beziehungen beider Staaten untereinander, sondern auch ihre Beziehungen zum jeweils wichtigsten Handelspartner China beschädigt werden.

Für die Menschen in Südamerika, gleich ob in Kolumbien, Venezuela oder anderswo, bedeutet der kolumbianische Schwenk, ihre Staaten so entwickeln zu können, wie sie das für richtig halten. Sie können dabei um soziale Verbesserungen kämpfen, ohne dass die USA zur Verhinderung der Entwicklung sozialer Bewegungen aus dem benachbarten Ausland geführte Proxy-Kriege und blutige Staatsstreiche anzetteln können, so wie sie das in den letzten Jahrzehnten zur Aufrechterhaltung ihrer kolonialen Hegemonialmacht über Südamerika gemacht haben. Für die US-Herrscher bedeutet der Schwenk, dass sie, während sie seit einem Jahr versuchen, das wirtschaftlich vergleichsweise unbedeutende Syrien mithilfe eines Diversionskrieges zu erobern, aufgrund mangelnder wirtschaftlicher Stärke einen weiteren wichtigen Baustein ihres Empires auf friedliche Weise verloren haben.

Die Welt verändert sich. Und einiges davon sieht sehr hoffnungsvoll aus. Der kolumbianische Schwenk in Richtung China gehört dazu. So ie es aussieht, wird es nicht mehr lange dauern, bis das in jeder Hinsicht bankrotte System der globalen Terrorherrschaft der USA Geschichte ist.

6 Gedanken zu “Kolumbien wendet sich zu China hin

  1. Freiheit und Gerechtigkeit für die Bevölkerung, das ist das Gebot der Stunde.
    Dies äußert sich in einem gesetzlichen Recht und der Pflicht auf Arbeit, Einem Recht auf Existenzeinkommen und der Pflicht, das Geld im Inland auszugeben, nicht zu sparen, höchstens in die heimische Wirtschaft als BETEILIGUNG zu investieren, KEINE AKTIEN, und einer Wohnung, oder Haus, vom Staat geschenkt bis zum Tode beider Ehepartner, dann wieder zurück an den Staat, der nur Verwalter und kein Eigentümer ist.
    Das ist der Anfang der UNENDLICHEN GESCHICHTE.
    Meine Einschätzung zur Lage.

  2. Was Südamerika betrifft hört es sich sehr gut an. Bleibt nur zu hoffen, daß sich die afrikanischen und arabischen Staaten ebenso in diesem Sinne entwickeln. Vielleicht taten oder tun sie es ja, nur tragen die Medien die Konflikte nicht in die Zeitung oder Fernsehen … es könnte ja Sympathien einbringen, wenn man sieht, daß dort so etwas positives entsteht, wie ein friedliches Miteinander, was die Menschen näher rücken lassen würde, womit die „Humaninterventionisten“ oder viel mehr Massenschlächter hoffentlich gegen die potentiellen Opfer wie gegen eine Wand laufen werden, wider den Neo-Kolonialismus. Teile und herrsche … vielleicht wird ja doch noch alles gut, und die Vernunft kommt zum Menschen …

  3. Das sind gute Nachrichten, vor allem weil sich zeigt, der britisch imperiale Wachhund USA hat ausgebellt.
    Wenn sich die USA nicht endlich wieder auf ihre Verfassung besinnen und sich vom Empire abwenden, statt sich von ihm benutzen zu lassen – dann werden die USA über kurz oder lang vor der Alternative stehen, entweder von der Bildfläche zu verschwinden – oder die ganze Welt zur Hölle zu schicken.

  4. Meines Erachtens ist es zu kurz gefasst darin eine Schwäche der USA zu sehen.
    Vielmehr ist sichtbar wie USA sich auf die ölreichen Länder konzentrierte und in Afrika erfolgreich die Russen und Chinesen vertreibt. Die Entwicklung der Africom schreitet zügig voran und der Kampf gegen den Panarabismus ist prioritär.

    Es schaut aus als hätten absprachen im Hinterzimmer beschlossen das Feld in Südamerika zu räumen.
    Seit dem Putch von Honduras, unter Beteiligung der Friedrich Naumann-Stiftung ist mir kein namhafter Softpowerkrieg bekannt der die Macht hätte eine Regierung zu stürzen.
    Die Alba hat sich weiter entwickelt und das Unrechtsbewusstsein über die kolonialen Plünderungen ebenso.
    Es gibt viele Beispiele für das Unabhängigkeitsbestreben Lateinamerikas: Falklandinsel, Verstaatlichungen, eigene Währung, Anerkennung der Rechte Indigener, etc.

  5. In Lateinamerika gibt es eine nicht zu unterschätzende Kraft – der kubanische Geheimdienst. Besonders in Venezuela hat er sich festgesetzt. Der spielt sicher auch eine wichtige Rolle bei den gegenwärtigen Entwicklungen. Er arbeitet auch mit dem russischen und dem chinesischen Geheimdienst zusammen.

    Noch eine Anmerkung: Es heißt auf Deutsch „venezolanisch“, nicht „venezuelanisch“.

  6. – … unabhängige südamerikanische Schaukelpolitik nach brasilianischem Vorbild oder eine anti-amerikanische Politik nach venezuelanischem Vorbild.

    Schaukelpolitik gefällt mir :-) Die antiamerikanische Politik von Chavez würde ich so beschreiben: Die US betreiben eine antivenezolanische Politik nach dem bislang bewährten Muster ENTWEDER divide et impera ODER ordo ab chao, ihr könnt wählen. Nach 911 legten die US diesbezüglich ihr Geständnis ab und formulierten etwas volktümlicher: Entweder für uns oder gegen uns. Venezuela agiert nicht, es reagiert, aber sowas wird man bei uns bis auf Weiteres nicht zu lesen bekommen.

    Seit die US-Company Chapter 11 angemeldet hat, um die Geschäfte trotz Pleite weiterführen zu können, hat in Südamerika die unveröffentlichte Anti-Monroe-Doktrin an Kraft gewonnen, während dessen die US mit Stolz geschwellter Ignoranz ihren Monroe ausspielten. Insofern betreibt nicht nur Venezuela keine antiamerikanische Politik, sondern ganz allgemein zwingen oder erlauben es die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Südamerika, endlich auf das neokoloniale Gehabe der US angemessen zu antworten.

    Der Tanz auf mehreren Hochzeiten dürfte für Kolumbien aber nicht ganz einfach werden, ich halte ihn sogar für ausserordentlich schwierig.

    Der Plankonter der US wäre das Einläuten des südamerikanischen Frühlings nach seinem arabischen Vorbild. Zur Verdeutlichung 3 Links:

    aus http://linksunten.indymedia.org/de/node/13084/
    – Außerdem reaktivierte Washington am 1. Juli 2008 die 4. Flotte die seitdem im Atlantik vor Lateinamerikanischen Küsten zur „Terrorismusabwehr“ und im Kapf gegen den Internationalen Drogenhandel patroulliert. Washington bestätigte damals, dass die Reaktivierung der Flotte eine „Botschaft“ an die Regierung von Hugo Chavez und die von ihm initiierte Bolivarianische Alianz für Amerika (ALBA) sei.

    aus http://www.amerika21.de/nachrichten/inhalt/2009/nov/Grund-zur-Sorge-k111109/
    – Mehrere Staatschefs in Südamerika haben öffentlich ihre Besorgnis über das kürzlich unterschiebene Abkommen zwischen den USA und Kolumbien ausgedrückt.
    … Es verschafft den USA einen langfristigen Zugang zu sieben Militärbasen auf dem Territorium seines engsten Verbündeten in Lateinamerika.
    … Laut der US-Luftwaffe bietet die Luftwaffenbasis Palanquero „eine einmalige Gelegenheit, umfassende Operationen in einer kritischen Teilregion unserer Hemisphäre durchzuführen, in der Sicherheit und Stabilität ständig durch Rauschgift-finanzierte Aufstände, Anti-US-Regierungen, vorherrschende Armut und wiederkehrende Naturkatastrophen bedroht sind.“ Der Ausdruck „umfassende Operationen“ (full spectrum operations) bedeutet laut dem Dokument, dass der kolumbianische Stützpunkt nicht nur als Ausgangsbasis für Drogen- und Terrorbekämpfungsoperationen, sondern für jedwede Form militärischer Operationen in ganz Südamerika genutzt werden kann.

    Mediawatch spricht in diesem Zshg. vom Flugzeugträger Kolumbien -> http://epo-mediawatch.blogspot.com/2009/08/flugzeugtrager-kolumbien.html
    Abschliessend möchte ich Folgendes in Erinnerung rufen, Kissingers …

    aus http://www.freitag.de/2004/46/04460901.php
    – … „NSSM 200“ nannte ausdrücklich 13 Staaten, an denen die USA ein „spezielles strategisches Interesse“ hatten: Indien, Pakistan, Bangladesch, Indonesien, Thailand, Nigeria, die Philippinen, die Türkei, Ägypten, Äthiopien, Mexiko, Brasilien und Kolumbien.

    Als einziger Staat von strategischem Interesse in Südamerika wird Kolumbien aufgeführt. Der Blick auf die Landkarte: Mit etwas napoleonischem Fingerspitzengefühl müsste jedem einleuchten, warum Kollateralschadenmoderator Kissinger bei „Amerika sucht den Superstaat“ ausgerechnet Kolumbien auf sein Podest hievte. Falls die Hegemonie zerfällt, bietet sich ein Rückzug auf einen exzellenten Brückenkopf. Dort kanalisiert Kolumbien den gesamten Warenstrom zu Lande über die schmale Landbrücke Mittelamerikas. Dort kann man bequem den Ozeanverkehr über die Zombies von der 4. Flotte kontrollieren. Militärische Einkesselung praktisch nicht durchführbar, 3 erstklassige Fluchtwege zu Lande und zu Wasser. Im Urwald lässt sich’s hervorragend verdeckt operieren, chinesische Interessen für Eisenbahnen und Pipelines liegen gleich um die Ecke und stellen äusserst verletzliche, militärische Ziele erster Güte dar. Die US werden also ein sehr sehr grosses Interesse daran haben, in Kolumbien einen Markgrafen an ihrer Seite zu halten.

    Andererseits setzt China seine Sticheleien aus kapitalistischer Sicht preisverdächtig fort – die Politik der kleinen Schritte mit verhältnismässig wenig Aufwand. Vermittels ihrer riesigen USD-Währungsreserven treiben sie die US vor sich her wie der Zirkusdompteur den Löwen.

    Aaaaber, weil Du @Lupo gestern erwähnt hast, es gibt Indizien, dass sich der Zionismus resp die Führungsriege in ihren Stammlanden häuslich einrichtet, ureigene genealogische Interessen im Zshg. mit der Zerschlagung Russlands, welche durch die Frühpensionierung Chodorkowskis einen Dämpfer erlitten haben. Sollte es dennoch gelingen, ist der Weg frei für Plan C.

    Die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.