USA demütigen Hamid Karzai

Nach dem jüngsten Massaker der USA in Afghanistan hatte der von den USA als Präsident Afghanistans eingesetzte Hamid Karzai die USA öffentlich aufgefordert, ihre Truppen sofort aus allen afghanischen Dörfern abzuziehen, sich in die großen Basen zurückzuziehen und den afghanischen Kräften bis 2013 die alleinige Verantwortung für die Sicherheit Afghanistans vollständig zu übergeben – also ihre Truppen aus Afghanistan schon 2013 und nicht erst 2014 abzuziehen.

Der in den USA herrschende Warlord Barack Obama ließ Hamid Karzai daraufhin nun öffentlich ausrichten, dass Hamid Karzai in Afghanistan nichts zu melden hat. „Wir werden die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen 2014 zum Abschluss bringen“, sagte Obamas Sprecher Jay Carney dem deutschen Propaganda-Sender Tagesschau zufolge. „So sieht es der Einsatz vor und dabei bleiben wir.“ Obamas Berater Ashraf Ghani sagte zur Kontrollübergabe 2013 „Hier werden keine neue Pfosten eingeschlagen“ und der regierungsnahe US-Fernsehsender ABC ließ sich einen hochrangigen Vertreter der US-Regierung ausrichten, Karsais Forderung sei vor allem nach innen gerichtet, um die aufgebrachte Bevölkerung zu beruhigen, die afghanischen Militärs haben dem nie zugestimmt und es wird nicht so kommen.

Damit hat der sich im Wahlkampf befindende Barack Obama nun in etwa das gleiche getan, wie als wenn er Hamid Karzai öffentlich ausrichten lassen hätte, er sei ein Hund und habe gefälligst den Kommandos der USA zu gehorchen. Seine afghanische Marionette so abzukanzeln mag Barack Obama in den USA Popularität verschaffen, in Afghanistan hat er damit jedoch ein neues Problem geschaffen.

Wäre Barack Obama auf den Wunsch von Hamid Karzai eingegangen, so hätte Hamid Karzai in Afghanistan mit der Leistung, dass letztlich er es war, der die USA aus Afghanistan rausgeworfen hat, durchaus einiges an politischer Statur als Präsident Afghanistans gewinnen können und 2013 durchaus eine passable Chance gehabt, Afghanistan zu regieren.

Wenn Hamid Karzai nun klein beigibt, hat er keine Chance mehr, irgendwie den Anschein zu erwecken, er sei als Präsident Afghanistans etwas anderes als eine Marionette, die die Befehle der USA ausführt. Für die Zeit nach dem Abzug der Besatzungstruppen kann diese Reputation für Hamid Karzai fatal sein. Wenn Hamid Karzai nach dem Abzug der Besatzungstruppen noch irgendeine politische Statur in Afghanistan haben will, dann muss er sich zuvor von den USA politisch abnabeln und abgrenzen.

Nach dieser Demütigung Karzais durch Obama sind die Probleme der Besatzungstruppen in Afghanistan noch größer geworden. Durch die Demütigung tritt einerseits der Charakter der internationalen Truppen als Besatzungstruppen noch deutlicher zum Vorschein alls das bisher schon der Fall war, und beflügelt so die Argumente des Widerstands.

Zum anderen laufen die Besatzungsmächte durch solche Aktionen wie die Demütigung Karzais durch Obama verstärkt in das Problem, 2014 niemand mehr zu haben, an den sie die Herrschaft über Afghanistan 2014 abgeben könnten. Die Amtszeit von Karzai als Präsident von Afghanistan endet 2014. Noch einmal zur Wahl antreten will Karzai nach eigenen Angaben nicht. Und selbst wenn: für jemanden, der als fremdbestimmte Marionette wahrgenommen wird, dürften die Wahlchancen kaum aussichtsreich sein.

Neben Hamid Karzai ist in Afghanistan jedoch bisher auch kein anderer politischer Kopf bekanntgeworden, dem es zuzutrauen wäre, Karzais Sicherheitsapparat, der eher einem Netz regionaler Warords gleicht, zu führen. So wie es derzeit aussieht, könnten die Besatzungstruppen 2014 vor der bitteren Alternative stehen, entweder die Herrschaft über Afghanistan de facto bedingungslos an die Taliban zu übergeben, weil die Taliban die einzige Organisation in Afghanistan sind, die landesweit politische Statur hat oder den politisch und finanziell teuren Krieg gegen Afghanistan noch auf viele Jahre weiterführen zu müssen. Die Taliban scheinen sich ähnliche Gedanken zu machen und haben die Gespräche mit den USA abgebrochen. Die Taliban setzen offensichtlich voll auf Sieg.

Wenn es soweit ist, dass die NATO 2014 in Afghanistan vor der Alternative der unkalkulierbaren Kriegsfortsetzung oder der bedingungslosen Machtübergabe an die Taliban steht, wird man dann sagen: dumm gelaufen, das konnte ja nun wirklich niemand vorhersehen.

10 Gedanken zu “USA demütigen Hamid Karzai

  1. Ob es der mächtige Obama war, der hier den ohnmächtigen Karzai vorgeführt hat, oder ob es vielleicht gerade umgekehrt war, das bleibt abzuwarten! Immerhin hat Obamas Marionette seinen Herrn und Meister gezwungen, die Menschenrechts-Maske fallen zu lassen und die geostrategische Wahrheit zu artikulieren, nämlich, dass die USA in Afghanistan ausschließlich ihre eigenen strategische Ziele und Interessen bezüglich Zentralasiens und zur Eindämmung Chinas (und Russlands*) verfolgen und sonst gar nichts. Eigentlich ein hübscher Erfolg für einen Ohnmächtigen?
    Ob es seine Lebenszeit verlängert, das darf bezweifelt werden.

    *(Russland soll den USA ja einen Luftwaffenstützpunkt an der Wolga anbieten wollen, was aber noch durch die DUMA verabschiedet werden muss, damit die Amis und die NATO nicht völlig von den Landverbindungen durch Pakistan abhängig sind, die immer unsicherer werden, mit jedem Exzess, den die USA in Afghanistan veranstalten!)

  2. Ich teile diese Analyse vollständig. Aber ehrlich gesagt, das ist gut und nicht schlecht.
    Ich bekomme so am Rande ab und zu mit, dass heute alles Taliban heißt, was aktiv gegen die NATO-Besatzer kämpft. Meine Quellen sind freilich denkbar dürftig, aber es scheint, dass aliban heute etwas unvergleichlich anderes ist, als die CIA-Sturmtruppe, die vor einigen Jahren die Macht im Lande an sich gerissen hatte. Es sollen ja sogar Sozialisten, die für Nadschibullah gekämpft haben dazugehören.
    Dieser zynische, menschenverachtende NArZIss Obomba schafft es unentwegt, in allen Ländern der, wie man es früher einmal nannte, Peripherie das Imperium völlig zu diskreditieren.
    Das nutzt den Kräften, die aus dieser Welt einen bessren Platz zum Leben machen wollen.

  3. Im Kern geht es doch um die volle Aufklärung dieses Exzesses. Das wird von einer Reihe von Abgeodneten gefordert, die davon wissen, daß es kein Einzeltäter war und das öffentlich bestätigt haben wollen. Es sollen 15 bis 20 Mann gewesen sein. Nun will man den vermutlichen Anführer dafür allein büßen lassen, droht ihm die Todesstrafe an und stellt ihm später per Deal Haft in Aussicht, wenn er im Gegenzug schweigt. Karzai steht dazwischen und muß auf Starken Mann machen.

    Wenn die afghanischen Abgeordneten weltöffentlich dranblieben und keine Ruhe geben, könnte Obama doch noch Ärger bekommen. Dazu muß aber Karzai mitziehen. Die Sache ist noch nicht zuende.

    Afghanischer Politiker: Bis zu 20 US-Soldaten an Massaker in Kandahar beteiligt
    http://de.rian.ru/politics/20120316/263072809.html

    Afghanistan: Ein Amoklauf? – Das nächtliche Morden hat Methode
    http://tinyurl.com/8xze7s7

  4. Alle bisherigen Lakaien der USA wurden bisher fallen gelassen, wenn die Interessen der USA es verlangten.
    (Vietnam – Mr. Diem / Panama – Mr. Noriega / Ägypten – Mubarak u.s.w. )

    Seit Napoleon wissen wir doch: „Ich liebe den Verrat – doch verachte die Verräter “

    Das müssen alle Lakaien erfahren – auch unsere deutschen Atlantiker – die jedes Verbrechen der USA-NATO-Zionisten schön reden/schreiiben …

    Allerdings ist es auch verständlich, das jedes Land an erster Stelle seine eigenen Interessen verfolgt. Nur sollte es das Völkerrecht und internationale Gesetze/Normen nicht brechen – das wird sich einmal rächen !

    Denn ein internationales Tribunal/Gericht wird die Kriegsverbrechen der USA-NATO-Zionisten (auch dieses unsere Land – D) eines Tages zur Anklage bringen und die Schuldigen verurteilen. Die imperialistischen Staaten sind kurz vor dem Ende, und die Eliten spüren das schon …

  5. @almabu, Johannes
    Ich vermute, die USA haben sich bei ihrem Feldzug zur Welteroberung schlicht übernommen. Was wir in letzter Zeit bei den USA und ihren Truppen sehen, sind Auflösungserscheinungen – Überlastung, Ermüdung, Inkompetenz, Ignoranz, das Suchen kurzfristiger taktischer Vorteile unter Inkaufnahme strategischer Nachteile, eben all das, was typischerweise zutage tritt, wenn eine Konfliktpartei einen Krieg verliert.

    Diese überlastungsbedingten Auflösungserscheinungen reichen von der Spitze der Befehlskette – hier Obama persönlich – bis ganz unten zu einfachen Soldaten, die Massaker begehen oder den Koran verbrennen.

    Obama hätte nach den Forderungen Karzais eine gute Chance gehabt, die Verluste der USA zu begrenzen und schnell aus Afghanistan abzuhauen, doch Obama macht die Niederlage nun noch teurer für die USA – teuer gemessen in Blutzoll, politisch und finanziell.

    Ich glaube nicht, dass Obama das absichtlich macht, um die Niederlage der USA schlimmer zu machen. Der ist einfach genauso überfordert wie der Rest der US-Verbrecherbande. Die schwimmen, denken nur noch von Tag zu Tag, weil es für Strategie nicht mehr reicht.

  6. @einparteibuch

    „Obama hätte nach den Forderungen Karzais eine gute Chance gehabt, die Verluste der USA zu begrenzen und schnell aus Afghanistan abzuhauen, doch Obama macht die Niederlage nun noch teurer für die USA – teuer gemessen in Blutzoll, politisch und finanziell.[…] Ich glaube nicht, dass Obama das absichtlich macht, um…“

    Wer meint, es gehe um Abzug, der irrt!
    Die USA und wohl auch andere Staaten, zu denen mindestens Deutschland gehört, denken gar nicht an Abzug. Das Land soll seiner Rohstoffe und seiner geostrategischen Lage wegen dauerhaft besetzt bleiben, für den Westen verfügbar. Der Zustand wird nur umbenannt und die Besatzer hoffen, künftig weitgehen in ihren Kasernen bleiben zu können, damit es zuhause nicht mehr Krieg genannt werden muß. Für den Notfall, wenn die gekaufte „Regierung“ Hilfe braucht, stehen die Besatzer weiterhin bereit, sofort einzugreifen. Das läuft dann unter Selbstverteidigung.

    Wer dann regiert, ist völlig egal. Selbst wenn es die Taliban wären, die sich mit der Situation abgefunden haben. Es wird in AFG immer genügend gekaufte Gruppen geben, die für die formale Macht zur Verfügung stehen. Das wird von den Nato-Staaten alles über Geld geregelt. Und auf diese jährlichen Milliarden werden die Warlords nicht verzichten wollen.

    Die demokratischen Kräfte im Land sollten sich nicht allzuviel Hoffnung machen, sie werden nur zur Gesichtswarung beteiligt. Ob AFG in den nächsten 20 Jahren jemals souverän wird, ist fraglich und hängt von vielen anderen weltpolitischen Faktoren ab.

  7. @Robert
    „Wer meint, es gehe um Abzug, der irrt!“

    Ich verstehe und akzeptiere deine Meinung, aber ich habe eine andere Meinung. Ich glaube, in Afghanistan haben die USA inzwischen den gleichen Stand erreicht wie in Vietnam 1973. Der Krieg ist längst verloren, und alles, was die USA da nun noch machen, dient nur noch der Verzögerung der totalen Niederlage. Und ich glaube die Führer der USA wissen das auch.

    Natürlich gibt es immer noch Amis, die die Illusion verbreiten, die USA könnten in Afghanistan noch irgendwas gewinnen, doch ich glaube da nicht dran, kein Stück. Ich glaube, für die USA und ihre Lakaien bahnt sich in Afghanistan gerade eine unausweichliche Niederlage epischen Ausmaßes an. Ich glaube, die Lakaien der USA sehen das inzwischen auch so. Sogar die treuen polnischen US-Lakaien haben gerade bekräftigt, bis 2014 auf jeden Fall aus Afghanistan weg sein zu wollen.

    In Afghanistan gibt es für die USA und ihre Lakaien nichts mehr zu gewinnen, überhaupt nichts. Die NATO-Träume von der Eroberung eines zentralasiatischen Festlandflugzeugträgers am Hindukusch sind nichts weiter als das: Träume.

  8. Auch Ahmadinedschad äußert sich in dieser Richtung:
    „Wir sind überzeugt, dass mit ihrem Abzug auch das Drogen-Problem gelöst werden wird“

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