Zur Lage im Jemen

Zu den Staaten, die Barack Obama im August 2010 in seiner „Presidential Study Directive 11“ für einen als Volksrevolution vermarkteten US-geführten Regime Change auserkoren hatte, gehörte auch der Jemen.

Obwohl der von den USA initiierte Regime Change in Jemen bereits weit mehr als Tausend – möglicherweise sogar mehrere Tausend – Menschen das Leben gekostet hat, berichten die US-geführten Massenmedien über die Entwicklung im Jemen fast nichts.

Im Gegensatz zum blutigen US-geführten Regime-Change-Versuch in Syrien, wo die USA und ihre Propaganda-Organe unbedingt die guten Beziehungen zum Iran aufbrechen wollen, machen die US-geführten Medien in Bezug auf Jemen nicht mal mehr Propaganda zur Hetze gegen die ihnen nicht passenden politischen Kräfte. Ähnlich wie in Bahrain, wo die USA zuerst mit lautem Propaganda-Getöse einen bunten Regime Change angeschoben haben, sie dann nach wenigen Wochen ihre eigenen Lakaien im Stich gelassen haben und sie seitdem durch mediales Schweigen die saudische Diktatur bei der fortdauernden Niederschlagung des von ihnen selbst initiierten Aufstandes unterstützen, herrscht auch in Bezug auf Jemen in den westlichen Medien ein großes, peinliches Schweigen.

Wie in Bahrain, so haben die USA auch im Jemen versucht, den von ihnen selbst initierten bunten Regime Change auf halbem Weg abzubrechen, und sich nach Beginn des Aufstandes wieder auf die Seite der Regierung gestellt. Ähnlich wie in Bahrain, ist der Grund für dieses seltsame Verhalten der USA in saudischer Opposition und der Angst der USA, bei Fortsetzung des Regime Changes ein Problem mit der Kontrolle über die saudischen Ölfelder zu bekommen, zu suchen. Sowohl Bahrain als auch Jemen grenzen an Saudi Arabien. Anti-saudische Regime Changes in Bahrain und Jemen könnten Proteste gegen die Diktatur in Saudi Arabien beflügeln. Von militanten Widerstandsgruppen in Saudi Arabien zur Explosion gebrachte Pipelines, die für Produktionsausfälle beim saudischen Öl sorgen könnten, sind ein Alptraum für die USA und andere NATO-Staaten.

Anders als im wohlhabenden 750 qkm kleinen Zwergstaat Bahrain, wo die USA, die NATO-Staaten und der Golfclub GCC sich mit einer brutalen absolutistischen Diktatur eines Monarchen gegen eine ausgesprochen gut gebildete und friedliche Demokratiebewegung verbündet haben, ist die Lage im Jemen weitaus komplizierter. Der Jemen ist mit einem Territorium von über 500.000 qkm und rund 25 Mio Einwohnern ein großer armer Staat, er ist vollgestopft mit Waffen, und es gibt dort abgesehen von der Regierung verschiedene sehr starke unbewaffnete und bewaffnete Gruppen, die in wechselnden Allianzen unterschiedliche Ziele verfolgen.

Um die im Jemen wirkenden Kräfte zu verstehen, ist es hilfreich, einen Blick auf die jüngere Geschichte des Staates Jemen vor Beginn des Aufstandes im Jahr 2011 zu werfen. Der heutige Staat Jemen ist mit dem Ende des kalten Krieges 1990 aus der Vereinigung der nordjemenitischen Jemenitischen Arabischen Republik und der südjemenitischen Volksdemokratischen Republik Jemen entstanden. Im kalten Krieg war der Nordjemen mit den USA alliiert und der Südjemen mit der Sowjetunion.

Ähnlich wie bei der Wiedervereinigung Deutschlands war auch die Wiedervereinigung des Jemen geprägt davon, dass der Chef des siegreichen Staates Staatschef des vereinigten Staates wurde und die Elite des im kalten Krieg mit den USA verbündeten und damit siegreichen Staates sich die Reichtümer des unterlegenen sozialistischen Staates angeeignet hat. Anders als in Deutschland haben die Einwohner des Südjemen dagegen revoltiert und einen bewaffneten Kampf um eine gerechte Verteilung der Reichtümer des Landes oder die Wiedererlangung der Unabhängigkeit des Süjemen geführt. Nach einem Bürgerkrieg mit verlustreichen Panzerschlachten, bei denen Tausende von Menschen ihr Leben verloren, gelang es dem Nordjemen im Jahr 1994 mit Unterstützung südjeminitischer Salafisten, die bewaffnete Rebellion der sozialistischen Kräfte des Südens niederzuwerfen und seinen Machtanspruch im Südjemen durchzusetzen.

Geblieben ist von der bewaffneten Rebellion des sozialistischen Südens eine Bewegung für eine friedliche Wiedertrennung des Südens vom Norden, die ab dem Jahr 2007 einen friedlichen Aufstand mit dem Ziel der Separation vom Norden versucht hat. Zwar versuchte der Nordjemen wieder Salafisten zur Niederschlagung des zivilen Aufstandes einzuspannen, doch im Jahr 2009 wechselten südmenitische Salafisten unter der Führung des Afghanistan-Veterans Tariq al-Fadhli die Seiten und traten dem erneuten südjemenitischen Aufstand zur Wiedertrennung vom Nordjemen unter dem Banner von Al Qaeda bei. Gemeinsam mit der heimlichen Unterstützung durch US-Raketen bekämpft der Nordjemen seitdem Al Qaeda im Jemen.

Zusätzlich zu dem Kampf gegen südjemenitische Soziaisten und Al Qaeda ist die nordjeminitische Regierung seit dem Jahr 2004 mit einem Aufstand der Anhänger der Houthi in der Sadah-Provinz, ganz im Nordwesten des Jemens, konfrontiert. Die Houthi und ihre Anhänger berufen sich auf die religiösen und kulturellen Traditionen der zaiditischen Imame von Jemen, die im Jemen oder zumindist nördlichen Teilen davon vom Jahr 893 bis zum Jahr 1963 die Macht innehatten. Da ihre islamische Theologie Imam Ali verehrt, stehen die Zaiditen der schiitischen Widerstandstheologie, wie sie beispielsweie im Iran, im irakischen Kerbala und den Hisbollah nahestehenden Theologen gelehrt wird, kulturell nahe. Die Houthis kämpfen gegen den von Saudi-Arabien, und damit indirekt von den USA und Israel gesponsorten Einfluss des Wahhabismus auf ihre zaiditische Kultur und verwenden bei ihrem Kampf explizit anti-amerikanische und anti-israelische Losungen.

Die in Sanaa ansässige nordjeminitische Regierung versuchte den Aufstand in den Jahren 2004 bis 2008 etwa jeweils einmal jährlich mit einer Militäroperation niederzuschlagen, erreichte damit aber nichts außer dass Tausende von Menschen starben und der Widerstand der Houthis stärker und besser organisiert wurde. Im August 2009 startete Präsident Ali Saleh zur Niederchlagung des Aufstandes die Operation Verbrannte Erde, als deren Ziel er explizit angab, die Houthis mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln „ausrotten“ zu wollen. Unterstützung bei seinem Feldzug zur Ausrottung der Houthis erhielt Ali Saleh von US-Präsident Barack Obama, der zur Vernichtung der Houthis heimlich die US-Marine, US-Drohnen und Bomber sowie mit Special Forces in den Jemen verlegte, sowie von Saudi Arabien, Marokko, Jordanien, Pakistan und Al Qaeda, die sich jeweis mit eigenen Truppenkontingenten am Feldzug zur Ausrottung der Houthis beteiligten. Die Bomber von Jemen, den USA und Saudi-Arabien legten die Stadt Sadah in Schutt und Asche, bombardierten Wohnhäuser, Verwaltungsgebäude und sogar Krankenhäuser, und brachten Tausende von Einwohnern um, doch die Houthis und ihre Anhänger leisteten sechs Monate lang verzweifelt Widerstand, schossen drei Kampfflugzeuge ab, kesselten eine jemenitische Panzerdivision ein und nahmen Hunderte jemenitische Soldaten gefangen, bevor sie sich im Februar 2010 einer Entwaffnung unterwarfen. Das in etwa ist die jüngere Geschichte von Jemen seit der Wiedervereinigung 1990.

Politisch gesehen gibt es im Jemen zwei wesentliche Parteienblöcke. Die das Parlament des Jemen dominierende Partei ist der aus dem Nordjemen kommende Allgemein Volkskongress, dessen Ideologie von Nationalismus und Panarabismus geprägt ist. Dem allgemeinen Volkskongress gehören sowohl der pro-amerikanische Langzeitpräsident Ali Saleh als auch sein ehemaliger Vize Abd Rabbuh Mansur Al-Hadi an, der jetzt seit ein paar Tagen Präsident des Jemen ist. Die Opposion wird im Parlament im Wesentlichen durch die „Jemenitische Versammlung für Reform“, kurz Al Islah, vertreten.

Al-Islah bündelt drei oppositionelle Strömungen: die mit den USA kollaborierende jemenitische Muslimbruderschaft repräsentiert in der Spitze durch Mohammad Qahtan, die nordwestjeminitische Haschid-Stammeskonföderation repräsentiert in der Spitze durch den Saudi-Arabien nahestehenden Multimillionär Sadiq Al-Ahmar, sowie die salafistische Bewegungen repräsentiert in der Spitze durch den „seltsamen“ Gründer der Charitable Society for Social Welfare, Abdul Majeed al-Zindani, der von den USA als ein Osama Bin Laden nahestehender „Specially Designated Global Terrorist“ betrachtet wird. Al-Islah befindet sich eit ein paar Jahren in einem Joint Meeting Parties genannten Bündnis mit kleineren Parteien, zu denen zwischenzeitlich auch die sozialistischen Parteien des ehemaligen Südjemen gehören.

In dieser in jeder Hinsicht explosiven Situation haben die USA sich Ende 2010 dazu entschlossen, im Jemen einen als Volksrevoution maskierten bunten Regime Change durchzuführen. Den bunten Regime Change im Jemen haben die USA als Option bereits vorbereitet, während sie gleichzeitig die Regierung des Jemen bei ihren Massakern zur Niederschlagung der Aufstände unterstützten. Die USA finanzieren durch die CIA-Frontorganisation NED und andere Kanäle wie MEPI seit einigen Jahren im Jemen politisch und öffentlichkeitswirksame Gruppierungen wie die von der Al-Islah-Abgeordneten – und Schwester der Al-Jazeera News-Produzentin Safa Karman – Tawakel Karman geführte Organisation „Women Journalists Without Chains„, von denen sie hoffen, dass sie die politische Landschaft des Jemen verändern. Im November 2010 traf sich Rafat Al-Akhali, der die NGO „Resonate! Yemen“ leitet, mit der britischen MI6-Frontorganisation Chatham House zur vertraulichen Diskussion der anstehenden Umwälzungen im Jemen.

Die vielen explosiven Probleme im Jemen beschrieb Daniela Dahn unmittelbar im Anschuss an eine im Februar 2011 durchgeführten Reise dorthin und ein paar Monate später noch einmal rückblickend in einem Vortrag.

Deutlich kann man daraus erkennen, dass die soziale, wirtschaftliche und politische Lage im Jemen eine explosive Mischung bildete, der nur ein Streichholz fehlte, um das ganze Gemisch zur blutigen Explosion zu bringen. Weniger deutlich lässt sich erkennen, dass im Jemen eine andere politische Fraktion oder Koalition faktisch in der Lage ist, im Jemen besser zu regieren, als der von Ali Saleh geführte „Allgemeine Volkskongress.“

Das Streichholz lieferte die von der NED finanzierte Aktivistin Tawakel Karman nach dem Muster der anderen in arabischen Ländern von Freedom-House-Aktivisten durch Aufrufen zu einem „Tag des Zorns“ am 3. Februar 2011. Nach dem Entfachen des Aufstandes im Jemen Anfang 2011 versuchten die USA im Jemen ähnlich wie in anderen arabischen Ländern den Eindruck zu erwecken, sie würden sich für Menschenrechte, Gerechtigkeit und Demokratie einsetzen, ganz so, als ob sie glaubten, es habe niemand mitbekommen, dass die USA unter Führung von Barack Obama sich zuvor im Jemen aktiv auf Seiten der jemenitischen Regierung an zwei massenmörderischen Kampagnen zur Niederschlagung von Revolten beteiligten, denen Tausende unschuldiger Menschen zum Opfer fielen. Natürlich hat es im von Bürgerkriegskonflikten geplagten und waffengetränkten Jemen nicht funktioniert, mit friedlichen Demonstrationen eine US-geführte „bunte Revolution“ zu machen. Zwar wurden die Demonstrationen schnell größer und blutig und dadurch angeheizt noch größer und blutiger, doch die Regierung kam dadurch erstmal nicht ins Wanken. Insbesondere in der Hauptstadt Sanaa verfügte die Regierung sowohl über ausreichende, überlegene und loyale Sicherheitskräfte als auch über eine nennenswerte Anzahl an Regierungsunterstützern, die zu Gegendemonstrationen kamen.

Das erste handfeste Ergebnis des 2011 begonnenn Aufstandes im Jemen gab es Ende März. Dadurch, dass die Regierungskräfte gebunden waren, gelang es den Houthis nach blutigen Kämpfen mit 45 Toten wieder die uneingeschränkte Kontrolle über Sadah und die angrenzende Region ganz im Nordwesten des Jemen zu übernehmen. Zu jener Zeit hatte Sadi Arabien bereits mit Zustimmung der USA den Aufstand in Bahrain blutig niedergeschlagen und die NATO führte gemeinsam mit Katar und Billigung durch Saudi Arabien Krieg gegen Libyen.

Um zu verhindern, dass sich im Jemen eine unkontrollierbare Revolte entwickelt, die auch die saudische Diktatur bedrohen könnte, versuchte Saudi Arabien ab April zur Beruhigung der Lage eine Lösung zu vermitteln, bei der Präsident Ali Saleh den Forderungen der Protestierenden entsprechend abtritt und das Präsidentenamt an seinen Stelvertreter übergibt, das pro-saudische Regime des Allgemeinen Volkskongresses im Jemen ansonsten intakt bleibt. Präsident Ali Saleh weigerte sich dann aber mehrfach im letzten Augenblick, den Kompromiss auch wirklich zu unterschreiben.

Ab dem 23. Mai versuchten desertierte Militäreinheiten gemeinsam mit zu Sadiq al-Ahmar loyalen Stammeskämpfern die Herrschaft über die Hauptstadt Sanaa mit Waffengewalt von den zu Präsident Saleh loyalen Truppenteilen zu erobern. Währenddessen, ab dem 27. Mai, übernahmen Al Qaeda oder Ansar al-Sharia – ganz wie man will – nahestehende salafistische Stammeskämpfer die Kontrolle über das südjemenitische Hafenstädtchen Zinjibar und eroberten in der Folge noch die Kontrolle über zahlreiche weitere Ortschaften des zentralen und östlichen Südjemens. In der südwestjemenitischen Stadt Taizz versuchten Freischärler unter Führung des zu Jahresbeginn noch als Politoffizier für Ali Saleh tätigen Stammesführers Sheikh Hamoud al-Makhlafi ab dem 28. Mai die Kontrolle durch eine Offensive gegen die jemenitische Armee zu erringen, was zwar nicht gelang, aber mehr als 50 Menschen das Leben kostete.

Durch die Kämpfe in der Hauptstadt Sanaa starben innerhalb von einer Woche unterdessen über 300 Menschen. Am 3. Juni wurde Präsident Saleh durch eine in der zum Präsidentenpalast gehörenden Moschee versteckte Bombe schwer verletzt, wobei ein Imam ums Leben kam. Präsident Saleh wurde zur Behandllung nach Saudi Arabien ausgeflogen, übergab die Amtsgeschäfte an seinen Vizepräsidenten Abd-Rabbu Mansour al-Hadi und es wurde anschließend ein Waffenstillstand zwischen den Regierungstruppen und den Sadeq Al-Ahmar gegenüber loyalen Deserteueren und Stammeskämpfern geschlossen. Der von den USA unterstützte saudische Plan war damit defacto erfüllt: Präsident Saleh regierte in Jemen nicht mehr, aber das Regime des Allgemeinen Volkskongresses war intakt.

In der Folgezeit führten jemenitische Regierungstruppen gemeinsam mit dem Militär der USA mit Bomben und Raketen sowie Special Forces und Bodentruppen einen Feldzug gegen unter dem Banner von Al Qaeda oder Ansar al-Scharia operierende salafistische Stammeskämpfer im Südjemen, die ihnen wegen Anti-Amerikanismus und Anti-Saudismus ein Dorn im Auge waren, und brachten dabei mehr als 500 Menschen den Tod.

Als Präsident Saleh Mitte September von seinem Krankenhausaufenthalt in Saudi Arabien nach Sanaa zurückkehrte, nahmen die Sheikh Sadiq al-Ahmar gegenüber loyalen Soldaten und Freischärler ihren Kampf gegen die unter dem Kommando von Salehs Freunden und Familienangehörigen stehenden Regierungseinheiten wieder auf. Dabei starben mehr als 150 Menschen, doch die Einheiten der Regierung setzten sich durch. Am 30. September gelang es den USA den in den USA geborenen salafistischen Prediger Anwar al-Awlaki, der im Jemen Vizepräsident der von Al-Islah-Führungsmitglied Abdul Majeed al-Zindani gegründeten Charitable Society for Social Welfare war und die salafistischen Muslime im Jemen über den US-Terrorismus aufklärte, mit einem Raketenangriff zu ermorden.

Am 7. Oktober wurde bekanntgegeben, dass Norwegen, ein Mitgliedsstaat der US-geführten Nord-Atlantischen Terror-Organisation NATO, sich dazu entschieden hat, Tawakel Karman, der von der CIA-Nachfolgeorganisation NED gesponsorten jemenitischen Abgeordneten der Al-Islah, für die Leistung, im Auftrag der USA das explosive politisch-soziale Gemisch im Jemen gezündet und damit weit mehr als Tausend ihrer Landsleute den Tod gebracht zu haben, den sogenannten „Friedensnobelpreis“ zu verleihen, wodurch sie sich nun in eine Reihe mit ganz großen US-Kriegsverbrechern wie Henry Kissinger und Barack Obama gestellt sehen darf. Um sicher zu gehen, dass sich in salafistischen Kreisen die von Anwar al-Awlaki ausgehende Aufklärung über den weltweiten US-Terrorismus nicht weiter verbreitet, ermordeten die USA am 14. Oktober auch seinen in den USA geborenen sechzehnjährigen Sohn Abdulrahman al-Awlaki mit einem Raketenangriff unter dem Vorwand der Bekämpfung des salafistischen Extremismus. Gleichzeitig waren die USA und Saudi-Arabien zu jener Zeit intensiv damit beschäftigt, über saudische Moschee-Netzwerke salafistische Extremisten im nordjemenitischen Dammaj zu bewaffnen, damit sie genug Waffen für einen Feldzug gegen die zaiditischen Houthis zusammenbekamen, deren Selbstbestimmung aus amerikanischer und saudischer Sicht inakzeptabl ist.

Die Houthis bemerkten die von den USA und Saudi-Arabien vorangetriebene Bewaffnung der salafistischen Extremisten in Dammaj jedoch und legten Ende Oktober eine Blockade um die als Waffenzentrum umfunktionierte salafistische Religionsschule Dar al-Hadith. Es dauerte zwei Monate und kostete mehr als 50 Tote, bis die salafistischen Extremisten verstanden hatten, dass sie wieder einmal benutzt wurden, um für die USA und Saudi-Arabien einen politisch gewollten Stellvertreterkrieg gegen die traditionellen Zaiditen zu führen, und zustimmten, dass Angehörige der größten jemenitischen Stämme, der Hashid und der Bakil einen Waffenstillstand überwachten.

Ende November unterzeichnete Präsident Salih Ali in Saudi Arabien den saudischen Plan zur formellen Übergabe der Macht an seinen Stellvertreter Abdu-Rabbo Mansour al-Hadi nach einer Wahl im Februar. Die allgemeine demokratische Wahl des Nachfolgers von Ali Saleh im Präsidentenamt des Jemen fand am 21. Februar statt. Abdu-Rabbo Mansour al-Hadi war der einzige zur Wah stehende Kandidat, und neben seinem Namen gab es zur Abstimmung ausschließlich ein Ja-Feld – also nicht einmal ein Nein-Feld in der Art eines Referendums gab es bei der Wahl. Die Houthis riefen zum Boykott der Wahlfarce auf. Obwohl die mit Chatham House liierte Organisation „Resonate! Yemen“, desen Chef im November in Halifax gemeinsam mit Zionisten, NATO-Terroristen und Mohammed Abu Lahoum von der jementischen „Justice and Building Party“ die Zukunft der neokolonialen Herrschaft über den nahen Osten geplant hatte, den ordnungsgemäßen Ablauf der Farce, deren einzig mögliches Ergebnis 100% der Stimmen für den einzigen Kandidaten war, „überwachte“, wurde als Ergebnis verkündet, der Kandiat habe nur 99,8% der Stimmen erhalten. Die USA lobten die Wahl als demokratisch und gratulierten ihrem Kandidaten Abdu-Rabbo Mansour al-Hadi zum Wahlsieg. Ali Saleh kam in den Jemen zurück und nahm offiziell an der Feier zur Amtseinführung seines Stellvertreters und Parteifreundes teil. Abdu-Rabbo Mansour al-Hadi hat versprochen, die Verfassung zu ändern, und nur zwei Jahre zu regieren, aber wer die Politik im Jemen die letzten Jahre verfolgt hat, dem ist klar, dass zwei Jahre im Jemen eine Zeit sind, in der sich viel ändern kann.

Derzeit sieht die Lage in Jemen etwa so aus, dass die Regierungstruppen in den größten Städten Sanaa, Taizz und Aden nicht mehr die einzige, aber noch die vorherrschende Kraft sind und weite Teile des Landes hingegen von Aufständischen völlig autonom beherrscht werden, der hohe Norden von Houthis, der Südosten von Salafisten unter dem Banner Ansar Al-Scharia.

Lage in Jemen am 23.10.2011 - Quelle Wikipedia
Lage in Jemen am 23.10.2011 - Quelle Wikipedia

Es gibt im Jemen derzeit im Wesentlichen vier schlagkräftige bewaffnete Formationen, die um die Macht ringen: die Präsident Salih Ali und dem „Allgemeinen Volkskongress“ nahestehenden Regierungskräfte, die der Fraktion von Sheikh Sadiq al-Ahmar der Partei Al-Islah nahestehenden Deserteure und Freischärler, die insbesondere Teile der Hauptstadt Sanaa kontrollieren, die Houthis im hohen Norden und unter dem Banner von Ansar Al-Scharia operierende salafistische Kräfte im Südosten. Wie eine friedliche und tragfähige Lösung im Jemen aussehen kann, ist bisher kaum abzusehen. Zu unterschiedlich sind die politischen Ideologien, die regionalen Stärken und und die religiösen und kulturellen Werte sowie die sich daraus ergebende außenpolitische Ausrichtung.

Es ist möglich, dass im Jemen weiterhin die Ideologie des Panarabismus an der Macht bleiben wird, es ist möglich, dass Muslimbrüder und Salafisten die Macht erringen weden, und es ist möglich, dass aus Jemen wieder eine Art Zaiditenstaat wird, wie es Jemen über 1000 Jahre war. Ebenso ungewiss ist, wie sich die jemenitische Außenpolitik im Spannungsfeld von Saudi-Arabien, Katar, USA und Iran entwickeln wird, wo jeder der bewaffneten Akteure des Jemen jeweils unterschiedliche Beziehungen präferiert.

Es ist nicht unahrscheinlich, dass sich im Jemen aus dem rosa Regime Change-Versuch der USA ein langer bewaffneter Stellvertreter-Konflikt der Großmächte der Region entwickelt. Jede der bewaffneten Konfliktparteien im Jemen ist im Ringen um die Macht potenziell in der Lage, sich unter Bildung von ideoogischen Schnittmengen mit einer beliebigen anderen Konfliktpartei zu verbünden und dann gemeinsam gegen eine andere Konfiktpartei mit Waffengewalt vorzugehen.

Für die Bevölkerung des Jemen sind das erstmal keine erfeulichen Aussichten. Der von den USA im letzten Jahr angezettelte und nun gewalttätig ausgetragene Machtkonflikt wird ganz sicher nicht dazu beitragen, dass die vielen drängenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Jemen, vom Ende der Öl- und Wasservorräte über Bildungsdefizite bis hin zur verbreiteten Kat-Sucht, zügig gelöst werden können.

Es sieht derzeit leider nicht so aus, dass der Jemen zur Ruhe kommt. Dass die westliche Öffentlichkeit davon wenig oder gar nichts mitbekommt, liegt vor allem daran, dass die westliche Propaganda über den durch ihren fehlgeschlagenen rosa Regime-Change-Versuch angezettelten Bürgerkrieg wenn überhaupt, dann nur noch unter ferner liefen berichtet und die westlichen Medien vollauf mit Propaganda zum Entfachen blutiger Unruhen in Syrien, Iran und Russland beschäftigt sind. Wer sucht, kann die Nachichten trotzdem finden. Hier eine Auswahl aus den letzten Stunden:

61 Tote bei Auseinandersetzungen zwischen Ansar Al-Islam und jemenitischen Regierungstruppen im Südjemen in der Nähe der Stadt Zinjibar. Der amtierende Sicherheitschef der Stadt Shibam wurde in der südöstlichen Provinz Hadramout von einer Gruppe bewaffneter Männer erschossen. Auf den Vorsitzenden des Allgemeinen Volkskongresses in der Stadt Radda im südlichen Jemen wurde ein Anschlag verübt, bei dem er selbst schwer verletzt und drei seiner Begleiter getötet wurden. Anlässlich eines gestern in der Stadt Aden verübten Anschlages auf ein US-Sicherheitsteam in der Stadt Aden ist soeben offiziell aufgeflogen, dass die USA im jemenitischen Bürgerkrieg mit eigenen Bodenkräften der CIA und Special Forces heimlich mitkämpfen. So in etwa sind die Nachrichten in Jemen jeden Tag. Die Bevölkerung darf sich für diesen Bürgerkrieg bei den USA bedanken.

Die mit dem Nobelpreis ausgezeichnete von der CIA-Nachfolgeorganisation NED finanzierte Brandstifterin Tawakkul Karman kämpft unterdessen auf Veranstaltungen wie der Münchner NATO-Terroristen-Konferenz gemeinsam mit Kumpels wie dem zionistischen US-Senator Joe Lieberman für noch mehr von US-finanzierten Aktivisten angeschobenes Blutvergießen in der arabischen Welt und hofft dabei auf eine Internationalisierung der Kriege zur Unterwerfung der arabischen Welt.

Nachtrag: Bei den Kämpfen im Südjemen sind letzten Berichten zufolge allein am Sonntag 217 Menschen ums Leben gekommen: 185 jemenitische Soldaten und 32 unter der Flagge von Al Qaeda kämpfende Salafisten. Regierungsangaben zufolge sind dabei weitere etwa 55 Regierungssoldaten in Gefangenschaft von Al Qaeda geraten und wurden in einer nahegelegenen Stadt öffentlich vorgeführt. Die Salafisten hingegen erkärten, sie seien erbost über die Präsenz von US-Militärs in Jemen, sie hielten 73 jemenitische Regierungssoldaten gefangen und würden sie hinrichten, wenn die jemenitische Regierung sich nicht auf einen Gefangenenaustausch einlasse, sondern versuchen würde, die gefangenen Soldaten zu befreien. Die USA verhindern Inner City Press zufolge, dass die UN zu den Ereignissen in Jemen ein Statement abgibt. Eine UN-Quelle soll das so interpretiert haben, dass Barack Obama’s Wahlkampagne auf der Ermordung von Osama Bin Laden und einem Sieg über Al Qaeda aufbaut und die demokratische US-Regierung deshalb Nachrichten über Siege von Al Qaeda nicht sehen will. Das republikanischen Zionisten nahestehende Hetzblättchen „Wall Street Jounal“ erklärte denn auch sogleich, dass die USA mit der jemenitischen Regierung hochoffiziell vereinbart habe, die umstrittene Anti-Terror-Kooperation „wiederaufzunehmen“ und sich bereits Dutzende US-Spezialkräfte im Jemen befinden.

Die französische Öl-Firma Total hat unterdessen ihre Beteiligung an Projekten zur Ausbeutung jemenitischer Ölfelder deutlich aufgestockt. Ansar Al-Sharia hat derweil in der öl- und gasreichen südjemenitischen Provinz Shabwa, der Heimatprovinz von Anwar Al-Awlaki, ein isamisches Emirat ausgerufen.

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2 Gedanken zu “Zur Lage im Jemen

  1. Vielen Dank für die Arbeit, eine Leistung vor der andere zurückschrecken. Leider, denn nur so erschliessen sich Zusammenhänge.
    Vier zensierte ARd Kommentare zum „Top-Terroristen“ anbei.

    30.09.2011 – 15:32 | Top-Terrorist Awlaki im Jemen getötet
    False flag im Dreck

    „Ungläubige töten.“
    Lesen Sie bitte die Bibel, Thora und Talmud und wir unterhalten uns in einer zweiten Runde mit erweitertem Horizont.
    Die 2. Runde wird uns allerdings keinen Millimeter weiter bringen, sondern nur tiefer in den Dreck führen.
    „Der hat angefangen“, wird uns nicht weiterbringen, sondern ein „ich höre auf“.
    Ich sehe keine Hoffnung, daß das Imperium aus Einsicht in die von ihm leider als Waffe benutzten Prinzipien Menschenrechte und Humanität, von seinem selbstzerstörerischen Kurs ablassen, wird.
    Nur einem überlegenen Gegner wird es sich letztendlich beugen. Die inhärente Dekadenz ist ein überlegener Gegner. Zum Beispiel.

    30.09.2011 – 15:17 | Top-Terrorist Awlaki im Jemen getötet

    In diesem Fall wird der Bote an seiner Nachricht gemessen

    Woher nehmen Sie sich die Gewißheit, Awlaki als Abschaum zu bezeichnen ?
    Kennen Sie ihn?
    Falls ja, ich kenne ihn nicht, würde aber gerne mehr über die Umstände erfahren.
    Erzählen Sie bitte, falls Sie etwas wissen.
    Danke.

    30.09.2011 – 15:10 | Top-Terrorist Awlaki im Jemen getötet

    Jeder bekommt das, was er verdient

    „Jeder bekommt das, was er verdient.“
    Sie erträumen sich da eine gerechte Welt zusammen?
    Falls Ihr Satz eine in der Wirklichkeit anzutreffende Maxime darstellen würde, wären Sie das erste Opfer des Prinzips. Mir erging es jedenfalls so.
    John Wayne

    30.09.2011 – 14:51 | Top-Terrorist Awlaki im Jemen getötet

    Bild: Trophäensammler enden selbst an einer Wand

    Ein begabter Redner ist tot, falls die Behauptung stimmt. Ein Denker, nicht mehr , nicht weniger.

    EINSATZ EIN SATZ
    ————————–
    Gefährlich ist der eine Geist,
    der das Imperium schnöd verneint,
    und der mit freien Mannes Recht,
    in sich den Geist mit Geist vereint,
    und dann das Kettenliebhabungeschlecht
    in einem Satz zu Boden reißt.
    —————————————-
    Die Beiden werden sich im Jenseits zu einem klärenden Gespräch treffen, so Gott will und Baracks Rhetorik wird keinen einzigen Punkt machen.

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