Die chinesische Lokomotive fährt weiter auf der Überholspur

Eine der wichtigsten geopolitischen Nachrichten der letzten Woche kam am Dienstag auf leisen Sohlen. „Chinas BIP-Wachstum verlangsamte sich 2011 auf 9,2%“ berichtete China Daily.

Der staatliche US-amerikanische Propaganda-Sender „Voice of America“ griff die Nachricht vom langsameren chinesischen Wachstum mit kaum verhohlener Schadensfreude auf, titelte „Chinas BIP-Wachstum bei der langsamsten Rate seit 2009“ und packte dazu das Bild eines gelangweilten chinesischen Gemüseverkäufers, der vergeblich auf Kundschaft wartet.

Schaut man genau in die Nachricht von China Daily sind die hinter der bescheidenen chinesischen Schlagzeile stehenden Daten tatsächlich jedoch exzellent. China Daily berichtete unter anderem folgende grundlegende Daten:

Das chinesische nationale Büro für Statistik hat für das vierte Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahresquartal 8,9% BIP-Wachstum errechnet. Für das Gesamtjahr 2011 wurde mit den Daten des vierten Quartals ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von 47,16 Billionen Yuan errechnet, was umgerechnet 7,26 Billionen US-Dollar mache. Die Inflation in China 2011 wurde für das Gesamtjahr zu 5,4% errechnet, womit sie fast auf die vorgebenen Zielgröße von maximal vier Prozent sank. Nach Abzug der Inflation verblieb für 2011 ein Wirtschaftswachstum von 9,2%. Für das laufende Jahr 2012 wird in China ein Wirtschaftswachstum von 8,5% erwartet.

Für sich genommen werden diese trockenen Zahlen niemanden etwas sagen. Und China Daily und andere chinesische Medien haben sich auch bemüht, sie sehr bescheiden zu präsentieren. Vergleicht man diese Daten jedoch mit den Prognosenwerten des IWF vom Herbst 2011, wird schnell klar, dass die Daten sehr gut sind. Im Herbst 2011 hat der IWF China nach einem BIP von 39,80 Billionen Yuan beziehungsweise 5,88 Billionen US-Dollar im Jahr 2010 für das Gesamtjahr 2011 ein BIP in Höhe von 45,82 Billionen Yuan vorausgesagt, was umgerechnet rund 6,99 Billionen US-Dollar entsprechen sollte.

Schon mit der Herbst-Prognose hatte der IWF seine Frühjahrsprognose 2011, wo dem chinesischen BIP für das Gesamtjahr eine starke Steigerung von 5,88 Billionen US-Dollar auf 6,52 Billionen US-Dollar, also ein Anstieg um rund 640 Milliarden US-Dollar, vorausgesagt worden war, deutlich nach oben korrigiert. Mit der Steigerung des BIP von 5,88 Billionen US-Dollar auf 6,99 Billionen US-Dollar, also um 1,1 Billionen US-Dollar, hatte der IWF China für das Jahr 2011 im letzten Herbst in absoluten Zahlen das größte Wirtschaftswachstum prophezeit, das es jemals auf der Erde gegeben hat.

Nun, im Januar 2012, liegen die vorläufigen Ist-Zahlen aus China nochmal deutlich höher. In Yuan liegt die vorläufige Ist-Zahl 1,34 Billionen über der Prognose vom Herbst, und in US-Dollar gerechnet liegt die vorläufige Ist-Zahl um rund 270 Milliarden höher als die die IWF-Prognose vom Herbst. In US-Dollar gerechnet hat das BIP von China also 2011 gegenüber 2010 um sagenhafte 1,38 Billionen US-Dollar zugelegt. Zum Vergleich: die USA dürfen der IWF-Prognose vom letzten Herbst zufolge für 2011 trotz zur Ankurbelung der Wirtschaft in Kauf genommener massiver Haushaltsdefizite lediglich eine Zunahme ihres BIP um 538 Milliarden US-Dollar erwarten.

Mit etwa 15 Billionen US-Dollar ist das US-amerikanische BIP dann immer noch doppelt so groß wie das chinesische, doch hat das chinesische BIP 2011 in nur einem Jahr und 840 Milliarden US-Dollar aufgeholt. Die Vorlage der chinesischen Ist-Zahlen für 2011 bestätigt den Trend, dass, während die US-amerikanischen Zahlen vom IWF eher zu positiv prognostiziert werden, die vom IWF prognostizierten Werte für das chinesische BIP sich im Nachhinein regelmäßig als viel zu niedrig gegriffen erweisen.

Setzt sich dieser Trend fort, so wird die chinesische Volkswirtschaft viel schneller größer als die US-amerikanische Volkswirtschaft sein als die Prognosen des IWF das derzeit vermuten lassen. Es sieht vielmehr so aus, dass die Entwicklung des chinesischen und US-amerikanischen BIP im Jahr 2011 ziemlich genau den Pfaden folgte, die im Parteibuch im Juni 2011 mittels der „naiven“ Prognose einer Fortschreibung der durchschnittlichen BIP-Steigerungsraten der letzten fünf Jahre errechnet wurden. Hier ist noch einmal die entscheidende Pateibuch-Grafik vom Juni 2011, die die IWF-Prognose vom Frühjahr 2011 zur Entwicklung des BIP in US-Dollar zu Marktkursen in den USA und China der „naiven“ Parteibuch-Prognose gegenüberstellt:

US China - Alternative Nominal USD BIP Growth Prognosis

(USA in blau, China rot, zum Vergleich sind auch die im in US-Dollar umgerechneten BIP der nächststärksten Wirtschaftsnationen Japan und Deutschland gelb und schwarz mit im Chart. Die dick gestrichelten Linien sind die Werte der naiven Prognose, die nichts weiter macht, als die Annahme zu treffen, die USA und China wachsen bezüglich ihres in US-Dollar gerechneten BIP bis 2016 mit den gleichen Prozentwerten weiter wie sie die letzten fünf Jahre gewachsen sind. Die dünn gestrichelten Linien sind die Prognosewerte des IWF vom April 2011.)

Die Kernthese des damaligen Parteibuch-Artikels zur Qualität der Prognosen des IWF war es, dass die Fünf-Jahres-Prognosen des IWF zur zukünftigen Wirtschaftsstärke hochgradig politisiert sind und deshalb für die USA regelmäßig zu optimistische Werte und für China zu pessimistische Werte voraussagen.

Aufgefallen ist die Politisierung der Prognosen, als der IWF sinngemäß erklärte, das nach Kaufkraftparität berechnete BIP sei für die Beurteilung der Wirtschaftskraft eines Landes nicht wichtig, nachdem es sich in den Zahlenreihen des IWF nicht mehr vermeiden ließ, darzustellen, dass China bereits im Jahr 2016 bezüglich des nach Kaufkraftparität berechneten BIP aller Voraussicht nach vor der USA liegen wird.

Auch der Hintergrund der Politisierung der Prognosedaten des IWF ist klar. Während die Regierung der USA ein großes Interesse an positiven Erwartungen bezüglich der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung der USA hat, bevorzugt China bezüglich der in naher Zukunft zu erwartenden Stärke seiner Wirtschaft Understatement, um die USA nicht unnötig zu zusätzlichen Sofortmaßnahmen zur aussichtslosen Verteidigung seiner Position als führende Weltwirtschaftsmacht zu animieren.

Im Ergebnis waren die in der Vergangenheit erstellten Fünf-Jahres-Prognosen der Experten des IWF so schlecht, dass selbst ohne jeglichen wirtschaftlichen Sachverstand vorgenommene Fortschreibungen durchschnittlicher Wachstumswerte der jüngeren Vergangenheit deutlich treffsicherere Prognosen waren als die Prognosen der Experten des IWF. Selbst als kurzfristiger Warnmelder bezüglich der Finanzkrise hat der IWF komplett versagt. Als das Platzen der US-Immobiienblase sich zu Beginn des Jahres 2008 durch deutliche Abwärtstrends ankündigte, hat der IWF nicht etwa vor dem Crash gewarnt, sondern den USA einen nahenden wirtschaftlichen Aufschwung vorhergesagt. Es gibt kein Anzeichen dafür, dass sich im IWF irgendetwas derart geändert hätte, dass der IWF zwischenzeitlich bessere Prognosen liefern würde. Im Gegenteil, wenn die Gegenwart der Zukunft näher kommt, Prognosen mit Ist-Daten verglichen werden und neue IWF-Prognosen erstellt werden, korrigiert der IWF seine prognostizierten Zahlen der USA weiterhin regelmäßig nach unten und die Chinas nach oben.

Tatsächlich deuten wesentliche zusätzlich zu den Datenreihen zum BIP der Vergangenheit verfügbare harte Daten daraufhin, dass die provokative, durch Fortschreibung der Steigerungsraten der Vergangenheit erstellte naive Prognose die zukünftige Entwicklung Chinas im Vergleich zu den USA eher unterschätzt als überschätzt. Die USA haben ein Haushaltsdefizit von rund 10% des BIP, dass heißt sie verschulden sich massiv, um die Wirtschaft anzukurbeln. Trotzdem kommt die US-Wirtschaft nicht vom Fleck. Anstelle zusätzlicher Stimuli zum Ankurbeln der Wirtschaft stehen in den USA in naher Zukunft Austeritätsmaßnahmen wie Ausgabenkürzungen oder Steuererhöhungen zur Bekämpfung von Haushaltsdefizit und Staatsverschuldung an, die erst einmal negative Wachstumseffekte haben.

China hingegen hat anstelle riesiger Staatsschulden riesige Devisenreserven. Diese Reserven kann China wie schon 2009 geschehen, wo China mit knapp 10% Wachstum durch die weltweite Rezession gerast ist, dazu einsetzen, um in China Wachstum zu generieren, wenn das chinesische Wachstum hinter den Erwartungen zurückbleibt, zum Beispiel weil es in den USA und Europa eine dicke Rezession gibt und die chinesische Exportwirtschaft deshalb nicht ganz so gut läuft.

Chinas Plan zur weiteren Entwicklung der chinesischen Wirtschaft sieht für die nahe Zukunft insbesondere vor, das von Hunderten Millionen Menschen bewohnte chinesische Hinterland wirtschaftlich so zu entwickeln, dass sich das wirtschaftliche Niveau dort den bereits entwickelten Ballungszentren annähert. Wirtschaftlich betrachtet ist das ein enormes Potenzial. Das Heben des Lebensstandards von Hunderten Millionen Chinesen im Hinterland bedeutet für sich gut und gern eine von der Exportwirtschaft unabhängige Verdoppelung der chinesischen Wirtschaftsleistung. China hat alles, um den Plan zügig zu realisieren: das Know-How, die Technik, Unternehmen und Fabriken, Zig Millionen Ingenieure und andere qualifizierte Arbeitskräfte sowie reichlich Geld zum Rohstoffeinkauf.

Hinzu kommt die Absicht, in China in naher Zukunft zahlreiche Potenziale zum umwelt- und ressourcenschonenderen Wirtschaften zu realisieren sowie den Bereich der Kulturwirtschaft auszubauen. Auch hier gibt es nichts, was China daran hindern könnte, seine diesbezüglichen Pläne zu realisieren. China beherrscht Technologien zur umweltfreundlichen Energieerzeugung und zum Energiesparen. Die meisten diesbezüglichen Investitionen, zum Beispiel zur Wärmedämmung von Gebäuden, rechnen sich durch die Einsparung zu importierender Brennstoffe wirtschaftlich nach einer Amortisationszeit von selbst und China verfügt über die finanziellen Resourcen, um solche volkswirtschaftlich sinnvollen Investitionen zu tätigen. Auch damit kann China ganz unabhängig von jeglicher Exportwirtschaft wachsen.

Die gerade abklingene Inflation in China erlaubt es China bei Bedarf auch, mit geldpolitischen Maßnahmen das Wachstum in China anzukurbeln. Außerdem wird dadurch der Prozess vereinfacht, den chinesischen Yuan zu einer voll konvertiblen Währung zu machen, während in China gleichzeitig das primat der Politik über die Wirtschaft gewahrt bleibt. Damit kann China eineseits Auslandskapital für zusätzliche Investitionen in China anlocken, das zum weiteren Wirtschaftswachstum in High-Tech-Bereichen beiträgt, und andererseits von den Gewinnen profitieren, die mit dem Innehaben einer Weltreservewährung verbunden sind.

Obendrein hat die bisherige Supermacht USA ein viele Hunderte Milliarden Dollar schweres Handelsdefizit, weil die USA zu wenig konkurrenzfähige Produkte und Dienstleistungen herstellen, als dass sie damit ihre riesigen Importe ausgleichen könnten. Das chronische US-Handelsdefizit zieht den Kurs des US-Dollar nach unten, so dass Kurssteigerungen des Dollar gegenüber dem chiensischen Yuan langfristig kaum zu erwarten sind. Plausibler erscheint deshalb die Annahme, dass der Yuan trotz der größeren Inflation in China gegenüber dem US-Dollar weiter aufwerten wird, was ein wichtiger Faktor dazu ist, dass die Steigerung des in US-Dollar zu Marktpreisen gerechneten chinesischen BIPs noch wesentlich höher ausfällt als das ohnehin hohe Wirtschaftswachstum.

Das ist der Plan. Er ist, wie die Steigerung des chinesischen BIP im Jahr 2011 um 1,38 Billionen US-Dollar zeigt, gigantisch, aber nicht unrealistisch. Es geht um kaum mehr, als in China bereits verfügbare und erprobte Technologien zur Hebung des Lebensstandards in der Fläche zu verbreiten und anzuwenden und dieser Prozess läuft bereits erfolgreich auf Hochtouren. Wenn das chinesische Wohlstandsniveau in der Fläche sich soweit dem Wohlstandsniveau in den chinesischen Ballungszentren, deren Wohlstandsniveau sich kaum vom Wohlstandsniveau US-amerikanischer Ballungszentren unterscheidet, angepasst hat, dass das chinesische BIP in US-Dollar pro Kopf 25% des amerikanischen BIP pro Kopf beträgt beträgt, hat China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt überholt. Zum Vergleich: das ist etwa so, als würde das in BIP pro Kopf in US-Dollar ausgedrückte Wohlstandniveau von Mazedonien auf das Niveau von Kroatien angehoben. Es ist durchaus möglich, dass China das noch schneler gelingt als bis 2016, wie die provokativ einfache Parteibuch-Grafik der Fortschreibung der Daten der Vergangenheit nahelegt.

Erreicht China dann in den Folgejahren ein durchschnittliches BIP pro Kopf, das halb so groß ist wie das BIP pro Kopf der USA, ist die chinesische Wirtschaft aufgrund der etwa viermal so großen chinesischen Bevölkerung rund doppelt so groß wie die der USA. Zum Vergleich: das wäre dann etwa so, als würde es China in Bezug auf das BIP pro Kopf gelingen, das Niveau von Slowenien zu erreichen. Auch das kann durch die Kombination von kluger politischer Führung, hoher Basis und hohem Wachstum rasend schnell gehen. Es mögen bis dahin, wenn es denn gelingt, zehn Jahre vergehen, aber vielleicht geht es auch deutlich schneller. Unmöglich ist das aber sicherlich nicht, und China ist derzeit diesbezüglich wohl bereits auf dem richtigen Pfad.

Chinesische Unternehmen werden, sobald das chinesische BIP größer als das der USA ist, über den größten Heimatmarkt der Welt verfügen. Schaffen sie das, ihren Heimatmarkt zu beherrschen, profitieren sie von Skaleneffekten. Das kann ein unschätzbarer Vorteil sein. Ein Auto, ein Medikament, eine Software und viele andere Güter werden nur einmal entwickelt, wobei nur einmal Entwicklungskosten anfallen, und können dann pro Stück vergleichsweise preisgünstig in nahezu beliebigen Mengen produziert werden. Ein großer Heimatmarkt ist deshalb Unternehmen dabei ausgesprochen hilfreich, erfolgreich zu sein und Exportmärkte durch bessere Kostenstrukturen zu erschließen, selbst wenn das Lohn- und Lebensniveau im Heimatmarkt höher als im Land des Exportes ist.

Unter anderem solche Skaleneffekte können dazu führen, dass chinesische Unternehmen sich auf den Weltmärkten schon bald noch erfolgreicher gegen internationale Konkurrenz durchsetzen werden und das chinesische Pro-Kopf-BIP in Zukunft sogar über das der USA hinauswächst, und das, obwohl die Löhne in China steigen und ohne dass man daraus schließen könnte, welches Bildungssystem oder politische Modell besser ist. Bereits heute ist es so, dass China im Vergleich zu einigen großen aufstrebenden Nachbarländern wie Indien, Indonesien, Pakistan, den Philippinen, Vietnam und Myanmar eher Hochlohnland ist. China ist im Handel mit diesen Staaten trotzdem erfolgreich, denn China liefert dorthin beispielsweise auch komplexe Investitionsgüter wie Kraftwerke, Eisenbahnen, Raffinerien und so weiter, während die Länder mit niedrigeren Löhnen preiswete Zulieferer für die chinesische Industrie sind.

Die führende politische Schicht in den USA hatte den wahrscheinlichen Aufstieg Chinas zur führenden Wirtschaftsmacht der Welt – in Bezug auf das Güterexportvolumen ist das China unstrittig bereits seit 2009 – zwar in den letzten Dekade irgendwo im Hinterkopf, doch erst in jüngerer Zeit scheint es in führenden Kreisen der USA wirklich anzukommen, was das bedeutet. Jim Clifton, Chef der etablierten Markt- und Meinungsforschungsfirma Gallup, hat dazu im Oktober letzten Jahres ein Buch geschrieben, aus dem er in der letzten Woche ein paar Absätze zitiert hat, dazu was seiner Meinung nach passiert, wenn die chinesische Wirtschaft deutlich größer als die der USA ist. Was der freien Welt zum ersten Mal seit Jahrzehnten die hoffnungsvolle Perspektive bietet, die militärische Dominanz der blutrünstigen USA könnte gebrochen werden, die militärischen und wirtschaftlichen Raubzüge der USA unmöglich werden, und krasse US-Menschenrechtsverletzungen wie US-geführte Angriffskriege, willkürlich agierende Mordkommandos, Entführungen und Folter, Plünderungen und Raub, Drohungen und Erpressungen zukünftig weitgehend auf das Territorium der USA beschränkt bleiben, ist für Jim Clifton und seinesgleichen US-Herrenmenschen ein Alptraum.

So hat Jim Clifton unter Anderem geschrieben:

Wenn und falls das passiert, verliert Amerika. Die Welt ändert sich; alles ändert sich. China könnte die Welt dominieren. Aber es braucht dazu nicht sein Militär zu benutzen. Wenn Chinas BIP das von Amerika übertrifft, wird es die Welt ökonomisch mit einem größeren Abstand dominieren als ihn Amerika gerade hat. An diesem Punkt wird China der neue Führer der Welt sein. Bei allen Entscheidungen zwischen den Ländern bezüglich Fragen von Frieden, Handel, Umwelt, Grenzen, Recht, und Menschenrechten würde China den Vortritt haben.

Jim Clifton nimmt dabei lediglich an, das Bruttoinlandsprodukt von China könne bis zum Jahr 2040 etwas mehr als doppelt so groß wie das der USA werden. Nicht einmal ansatzweise kommt Jim Clifton auf den Gedanken, dass das schon in zehn Jahren der Fall sein könnte. Sollten sich die BIPs in US-Dollar der USA und von China in den nächsten Jahren so weiterentwickeln wie in den letzten fünf Jahren, dann wird das BIP der USA im Jahr 2020 knapp 20 Billionen US-Dollar betragen und das von China knapp 40 Billionen US-Dollar.

Völlig im Klaren ist sich Jim Clifton hingegen darüber, was es bedeutet, wenn die USA nicht mehr „bei allen Entscheidungen zwischen den Ländern bezüglich Fragen von Frieden, Handel, Umwelt, Grenzen, Recht, und Menschenrechten“ den Vortritt haben. Das Ende der US-geführten Raubzüge zur Ausbeutung der Welt könnte folgende Konsequenze für die USA haben:

Es mag schwer sein, es sich vorzustellen, aber es hat davon eine Vorschau in Detroit gegeben. Wenn BIP und Jobs zusammenklappen, dann werden auf einmal eintausend große und kleine amerikanische Städte in einen Zustand kommen ähnlich dem von Detroit. Sie werden zurückgehendes Stadtwachstum haben. Kleine und mittlere Unternehmen werden schließen. Große Firmen werden sich von Washington oder Ausländern übernehmen lassen müssen. Jede Firma, die es sich leisten kann, wird wegziehen. Es wird massive Entlassungen geben, und keine Jobs um sie zu kompensieren, eine riesige unbezahlbare Stadtschuld, eine wegbrechende Steuerbasis für die die Gemeinschaft unterstützenden Regierungsjobs und eine verheerende Abwanderung von hochqualifizierten Arbeitskräften. Häuser werden abgerissen werden. Es wird mehr Korruption unter Regierungsführern geben – eine stadtweite ökonomische Hölle.

Vor ein paar Dekaden noch war Detroit eine der reichsten Städte – und wohl die beste Stadt – der Welt.

So könnte es in den USA aussehen, nachdem die Welt aus den Klauen des US-Imperialismus befreit wurde und multipolar geworden ist, in den USA der Lebensstil „Money for nothing“ damit nicht mehr funktioniert und die USA sich als geistig zu unflexibel erweisen, sich – beispielsweise als friedfertiger und flächenstarker Agrarstaat – in ihrer neuen Rolle als Nummer zwei, drei oder vier der Welt zurechtzufinden.

Doch danach sieht es nicht aus. Stattdessen reagiert die US-Führung auf die sich abzeichnende Zweitrangigkeit der USA wie gewohnt mit militärischen Drohgebärden und macht sich damit in der Welt weiter unbeliebt. So hat US-Führer Barack Obama im November letzten Jahres angekündigt, zur Eindämmung Chinas US-Truppen nach Australien zu verlegen, ganz so, als würden die USA damit verhindern können, dass China der wichtigste Markt für australische Bergbauunternehmen ist und Australien über die wirtschaftliche Verflechtung China zwangsläufig auch geopolitisch immer näher kommt. Und Anfang Januar hat Barack Obama dann obendrein noch bekanntgegeben, dass die wichtigste Aufgabe des US-Militärs zukünftig sein soll, die Seewege nach China zu beherrschen, und damit auch nichts erreicht, als dass die USA sich ob ihrer aggresiven Arroganz den Zorn der Menschen der Welt zugezogen haben. Obendrein droht Barack Obama der Achse Syrien-Iran pausenlos auf Verlangen von Zionisten aus völlig verlogenen Gründen mit Krieg, ganz so, als würde ein teurer Krieg gegen das regionale Powerhouse Iran außer Millionen von Toten noch irgendeine andere Folge haben, als dass der Abstieg der wirtschaftliche USA in die weltweite Zweitrangigkeit noch schneller ginge. Auch die auf Druck der zionistischen Lobby gerade beschlossenen US-Sanktionen gegen Iran führen absehbar kaum zu mehr als dass chinesische Unternehmen im Energiesektor des Iran konkurrenzlos profitable Geschäftsmöglichkeiten in großem Maßstab vorfinden.

Smart zu sein und im Wettbewerb um Freundschaft in der Welt durch Handel und Kooperation anstatt durch Drohungen und Aggressionen zu bestehen, scheinen die Führer der USA nicht gelernt zu haben. In den Disziplinen Lügen und Verdrängung der Realität sind die US-Führer hingegen absolute Weltklasse. So hat das US-Propaganda-Organ CBS gerade zu der überragenden wirtschaftlichen Entwicklung Chinas einfach behauptet, die BIP-Werte Chinas seien Fälschungen, ganz so, als China sich diesbezüglich wie die USA verhielte und China nicht alles versuchen würde, um sein großes BIP und sein schnelles Wachstum aus geopolitischen Gründen herunterzuspielen.

Was von solchen Behauptungen der US-Propaganda zu halten ist, ist dabei leicht zu erkennen. Obwohl das chineische BIP bisher gerade einmal halb so groß ist wie das der USA, ist China schon jetzt der größte Automarkt der Welt, der größte PC-Markt der Welt und hat auch mit Abstand die meisten Breitband-Internetanschlüsse der Welt.

Das Beispiel der Breitband-Internetanschlüsse verdeutlicht gut, wie die chinesische Wirtschaftslokomotive zu ihrem gewaltigen Dampf kommt. Derzeit haben ca. 9% aller Chinesen einen Breitbandanschluss, wohingegen ca. 26% aller US-Amerikaner einen Breitbandanschluss haben. In absoluten Zahlen heißt das aufgrund der größeren chinesischen Bevölkerungsanzahl jedoch, dass es in China 126 Mio Breitbandanschlüsse gibt, während es in den USA gerade einmal 81 Mio Breitbandanschlüsse gibt. In den USA ist bezüglich der Internet-Breitbandanschlüsse theoretisch vielleicht noch ein Wachstum auf 120 Millionen Anschlüssen möglich, dann liegt die Quote irgendwann bei 35 bis 40%, und es gibt in praktisch jedem Haushalt einen Anschluss. Um in den USA dann noch mehr Wachstum zu generieren, müssen neue Produktideen mit einem sinnvollen Mehrwert her.

In China hingegen bedeutet eine Verdreifachung der Breitbandanschlüsse auf eine realistische Quote von 28%, dass es in China dann etwa 380 Millionen, also mehr als dreimal so viele Breitband-Internetanschlüsse wie in den USA bei voller Ausbaustufe des Netzes, gibt. Und selbst dann ist da in China noch Luft nach oben in Richtung 500 Millionen Breitbandanschlüsse. Es gibt nichts, was dagegen spricht, dass sich in China die Anzahl der Breitbandanschlüsse in recht kurzer Zeit verdoppelt oder verdreifachen werden. So kann China die USA wirtschaftlich in kurzer Zeit einholen und abhängen.

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7 Gedanken zu “Die chinesische Lokomotive fährt weiter auf der Überholspur

  1. Der krankhafte Wachstumswahn wird wie ein wucherndes Krebsgeschwür der Tod der Menschheit werden!

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