Norbert Röttgen macht Deutschland beim Klimaschutz lächerlich

Was den richtigen Stellenwert des weltweiten Klimaschutzes angeht, kann man sicherlich geteilter Meinung sein.

Man kann beispielsweise der Meinung sein, dass der weltweite Klimaschutz eines der drängendsten Themn unserer Zeit ist, weil, wenn die in den letzten Hundert Jahren menschengemachten Klimaschädigungen nicht reduziert werden, die Menschheit die Natur soweit aus dem Gleichgewicht bringt, dass wesentiche Teile des Planeten unbewohnbar werden und ein Teil der Menschheit nicht mehr ernährt werden kann.

Man kann aber beispielsweise auch der Meinung sein, dass die durch menschliche Aktivitäten in den letzten Hundert Jahren ausgelösten Klimaveränderungen vergleichsweise gering sind und beispielsweise Vulkane wie der Mount Tambora, dessen Ausbruch im Jahr 1816 in Europa zu einem Jahr ohne Sommer führte, oder der Toba oder andere Ereignisse wie Sonnenexplosionen oder Einschläge von Meteoriten ungleich größere Gefahren für das Wohlbefinden der Menschheit darstellen, denen gegenüber menschengemachte Klimabeeinflussungen vernachlässigbar sind.

Beide Ansichten korrelieren jeweils mit spezifischen Interessen und werden durch schlagkräftige Lobbyvereinigungen vertreten. Potenzielle Empfänger möglicher Transferleistungen von „Klimasündern“ haben ein Interesse an einer möglichst drastischen Darstellung der Klimaproblematik und Erzeuger von Energie in klimarelevanten Prozessen haben ein Interesse an der Negierung von schädlichen Nebenwirkungen ihres Geschäfts.

Natürlich gibt es auch zwischen den beiden oben dargestellten Eckpunkten an Ansichten jede Menge Nuancen in der Mitte und unterschiedliche Varianten der Ansichten. Im Prinzip stimmen jedoch alle relevanten Entscheidungsträger und Organisationen der Welt, gleich welcher Weltanschauung oder Religion, der Idee zu, dass es wünschenswert ist, keine menschengemachten Klimakatastrophen auf dem Planeten Erde herbeizuführen. Sofern eine Signifikanz menschlichen Handelns für das Klima nicht gänzlich bestritten wird, ist es Konsens, dass die primäre Ursache von Phänomenen wie Ozonloch und globalem Treibhauseffekt in Jahrzehnten fossil-energetischen und chemie-intensiven wirtschaftlichen Aktivitäten in den Industrieländern zu sehen ist, und es, wenn es überhaupt geschehen wird, großer globaler Anstrengungen bedarf und es noch viele Jahrzehnte dauern wird, bis die unerwünschten globalen Folgen des wirtschaftlichen Handelns der Industriestaaten in den vergangenen Jahrzehnten für das Klima einigermaßen überwunden sein werden. Dazu, wie die großen Anstrengungen, die notwendig sind, um einen menschengemachten Treibhauseffekt zu verringern, gibt es im Wesentlichen zwei grundsätzliche Ideen.

Die eine Idee basiert auf der weltweiten Einführung von Klimabörsen, an denen Klimaverschmutzungsrechte marktkonform gehandelt werden. Mehr oder minder basierend auf den heutigen Emmissionen bekommt der Idee zufolge jedes Unternehmen und jeder Staat Klimaverschmutzungsrechte zugeteilt, die ein Unternehmen oder ein Staat verkaufen kann, wenn er sie nicht benötigt, und kaufen muss, wenn er sie benötigt. Über die Zeit würde die Menge der Klimaverschmutzungsrechte stetig gesenkt, wodurch sich dann im Laufe der Zeit marktkonform organisiert weniger Klimaverschmutzung insgesamt ergeben würde. Geht man davon aus, dass heutige Entwicklungsländer sich zukünftig industriell entwickeln und dabei im Laufe der Zeit wie einst die Industrieländer immer mehr Energie verbrauchen und gleichzeitig heutige Industrieländer ihren Reichtum nutzen, um die Lebensqualität ihrer Einwohner zunehmend durch Energiespar- und Umweltschutztechniken zu erhöhen, so folgt aus diesem Ansatz, dass es im Laufe der Zeit massive Transferzahlungen von heutigen Entwicklungsländern an heutige Industrieländer geben wird, als Strafe dafür, dass Enticklungsländer, wenn sie sich entwickeln, mehr Energie verbrauchen und damit mehr klimaschädliche Gase freisetzen.

Die andere Idee basiert auf der Idee des wirtschaftlichen Schadensersatzes. Heutige Industrieländer sollen der Idee zufolge als Wiedergutmachung dafür, dass sie das weltweite Klimaproblem im Laufe ihrer Entwicklung verursacht haben, den Entwicklungsländern bei ihrer wirtschaftlichen Entwicklung Maßnahmen zur Klimaschadensreduktion bezahlen. Heutige Industrieländer sollen dieser Idee zufolge also dafür, dass Entwicklungsländer auf ihr Recht verzichten, ihre Wirtschaft in Zukunft genauso klimaschädlich zu entwickeln, wie das Industrieländer in der Vergangenheit getan haben, massive Transferleistungen an Entwicklungsländer erbringen. Durch das Zahlen eines angemessenen wirtschaftlichen Preises sollen Industrieländer also dafür sorgen, dass Entwicklungsländer den Lebensstandard ihrer Bevölkerung genauso rasch heben können, wie wenn sie das Klima so schädigen würden wie die Industrieländer das getan haben. Durch den Verzicht der Entwicklungsländer auf das Schädigen des Klimas soll der Ausstoß klimaschädigender Gase gesenkt und so das Problem Treibhaseffekt langfristig gelöst werden.

Es überrascht nicht, dass die Inustrieländer die Idee favorieren, die dazu führt, dass Entwicklungsländer für zukünftig erwartete Mehrschädigungen massive Transferleistungen an Industrieländer erbringen, während Entwicklungsländer die Idee bevorzugen, dass Industrieländer als Ausgleich für vergangene Schädigungen und Verzicht massive Transferleistungen an Entwicklungsländer erbringen. Überraschend ist allenfalls, dass Führer von Industrieländern wie den USA und Deutschland bis vor kurzem offenbar tatsächlich geglaubt haben, die Führer von Entwicklungsländern wie China seien dumm genug, dem Prinzip der Tributzahlungen von Entwicklungsländern an Industrieländer zuzustimmen, wenn es in eine nette Verpackung mit dem Aufdruck Klimaschutz eingewickelt würde, und sie damit hinterlistig überrumpelt würden, so wie Barack Obama das beim Gipfel in Kopenhagen versucht hat.

Weil Industrieländer nach wie vor nicht bereit sind, Klimaschutz so zu verstehen, dass sie im Gegenzug für Verzicht einen wirtschaftlichen Preis an Entwicklungsländer zu zahlen haben, sondern stattdessen Klimaschutz als Methode zum Generieren von Profit für die Industrieländer betrachten, gibt es beim Klimaschutz seit Jahren keine nennenswerten Fortschritte zu verbindlichen internationalen Vereinbarungen.

Dass es trotzdem in vielen Ländern praktische Fortschritte in der Einführung klimafreundlicher Maßnahmen gibt, liegt in erster Linie daran, dass viele Maßnahmen des Klimaschutzes positive Sekundäreffekte haben. So führen besser wärmegedämmte Häuser, sparsamere Autos und erneuerbare Energien beispielsweise nicht nur zu Klimaschutz, sondern auch zu niedrigeren Rechnungen für fossile Energieträger. Auch Filter in Industrieanlagen und umweltfreundlliche Produktionstechniken führen im Allgemeinen nicht nur zu besserem Klimaschutz, sondern auch zu geringeren Kosten für die Beseitigung von Umweltschäden und einer gesünderen und mithin also tendenziell produktiveren Bevölkerung.

Deshalb investiert beispielsweise China massiv in seine grüne Industrialisierung und ist nach dem erwarteten Abschluss des Begrünungsprozesses 2020 auch bereit, international bindende Vereinbarungen zum Klimaschutz einzugehen, obwohl die Industrieländer nicht einmal die versprochenen Beiträge in den Green Climate Fund einzahlen, einem gerade mal auf läppische 100 Mrd Dollar jährlich ausgelegten internationalen Fund, mit dem Entwicklungsländern geholfen werden soll, sich an den Klimawandel anzupassen.

Dass die Industrieländer, wenn Klimaschutz für sie zahlen anstatt kassieren bedeutet, auf einmal sehr zurückhaltend mit internationalen Forderungen nach mehr Klimaschutz geworden sind, zeigt, worum es Industrieländern in den letzten Jahren beim Pushen des Themas Klimaschutz wirklich ging: ums Kassieren, und sonst nichts. Es offenbart sich wieder einmal die skrupellose Scheinmoral der westlichen Wertegemeinschaft, nur noch übertroffen von westlicher Arroganz und Ignoranz.

Nun ist in Durban gerade wieder Klimakonferenz. Da setzt der deutsche Umweltminister Norbert Röttgen Maßstäbe. China verursache pro Kopf einen CO2-Ausstoß von 6,8 Tonnen pro Jahr, wetterte er. Und das geht so nicht. Entwicklungsländer wie China müssen sich Deutschland gegenüber dazu verpflichten, da was dagegen zu tun. Zwar räumte der Kohlekraftwerks-Befürworter Norbert Röttgen ein, dass Deutschland pro Kopf und Jahr einen CO2-Ausstoß von 10 Tonnen habe, aber der Unterschied sei, „dass wir 80 Millionen sind und die Chinesen 1200 Millionen,“ dozierte der deutsche Umweltminister.

In der Auffassung des deutschen Ministers kommt ein gut bekanntes deutsches Weltbild zum Vorschein, dass sicherlich mancherorts in Asien in den Zeiten nach Kaiser Wilhelm schon verloren geglaubt war. Überraschenderweise waren Chinesen, Inder und Vertreter anderer Entwicklungsländer in Durban von Röttgens Lektionen, denen zufolge hochwertige deutsche Herrenmenschen das Recht zu mehr CO2-Ausstoß haben sollten als in Entwicklungsländern wie China lebende Menschen, eher wenig begeistert. Indiens Umweltministerin Jayanthi Natarajan brachte Röttgens Ideenwelt spöttisch auf den Punkt. „Die Entwicklungsländer sollten nicht jedes Mal um Zahlungen gebeten werden, wenn die Industriestaaten eine ihrer Verpflichtungen erfüllen müssen,“ habe sie gesagt, meldet der Spiegel.

Wenn der staatliche deutsche Propaganda-Sender Tagesschau nun die Erfolgsmeldung verbreitet, am Ende habe Röttgen für eine 0,04 Mrd Euro schwere deutsche Zusage Beifall bekommen, dann kann jeder informierte Beobachter den Delegierten aus den Entwicklungsländern den Spott für Deutschland beinahe aus den Mundwinkeln ablesen. Obgleich man über den richtigen Stellenwert des weltweiten Klimaschutzes sicherlich geteilter Meinung sein kann, so kann man kaum übersehen, dass Deutschland sich in Durban mental als rassistisch entblößt und durch unübersehbare Heuchelei bis auf die Knochen lächerlich gemacht hat.

Nachtrag: Die deutsche Tagesschau hat gerade einen Artikel veröffentlicht, mit dem sie versucht, anti-chinesische Stimmung zu machen und China neben den USA als schlimmsten „Klimasünder“ der Welt hinzustellen. Zu diesem Zweck hat die Tagesschau eine Tabelle „Co2-Ausstoß nach Staaten“ veröffentlicht, wobei völlig ausgeblendet wurde, wie viele Einwohner der betreffende Staat hat. Ohne die Einwohnerzahl zu berücksichtigen ergibt sich natürlich ein völlig verzerrtes Bild, denn da stehen kleine Staaten per se gut und große Staaten per se schlecht da.

Ein Leser des Parteibuchs wollte auf den Unfug mit folgendem Kommentar aufmerksam machen:

China größter Klimasünder?

„Diese harte Verhandlungsstrategie hat die Europäische Union gar dazu gebracht, China und die USA in einem Atemzug zu nennen, beide ohne Unterscheidung als Klimasünder, als größte Emittenten der Welt anzusprechen.“

CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr in China: 6,8 Tonnen
CO2-Ausstoß pro Kopf und Jahr in Deutschland: 10 Tonnen

Umweltminister Norbert Röttgen ist das bekannt. Laut Spiegel soll er dazu gesagt haben: „Aber der Unterschied ist, dass wir 80 Millionen sind und die Chinesen 1200 Millionen.“

„Auch wenn das der Realität entspricht, reagierte China mit der Absage eines geplanten Treffens mit der Europäischen Union.“

Das ist doch selhr merkwürdig. Wieso mögen die Chinesen das Treffen wohl abgesagt haben.

Doch Überraschung, Überraschung: die Zensoren der Tagesschau haben den Kommentar, mit dem die unseriöse anti-chinesische Stimmungsmache aufgedeckt wird, nicht freigeschaltet.

2 Gedanken zu “Norbert Röttgen macht Deutschland beim Klimaschutz lächerlich

  1. Solange über die Auswirkungen des Geoengeneering (Eingriff in das Wettergeschehen, somit Klima und Existenz allen Lebens auf unserem Planeten, bis hin zur Kriegsführung durch HAARP zB) durch Konzerne mit Wissen vieler Regierungen offiziell geschwiegen und verharmlost wird und die CO2-Sache nur dem Befüllen von Bankkonten der Energiekonzerne dient ist dies kein gangbarer Weg, der dem Schutz allen Lebens auf unserem Planeten dient. Die Hauptverursacher unserer Probleme ist das hinter allem stehende Machtsystem, alle NGO’s und Parteien sind unterwandert worden mit der Zeit. Deshalb müssen wir dieses derzeitige System (Schuldgeld, Profit, unendliches Wachstum) erst entfernen, bevor Veränderung einsetzen kann und darauf achten, dass wir dabei dem Leben aller Lebewesen auf unserem Planeten dienen, nicht nur einer kleinen Anzahl davon. <3 Grüße, Inge

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