China plant in den nächsten zwei Jahren mit Handelsdefiziten

Während die USA sich in den letzten zehn Jahren durch kostenintensive Kriege gegen Staaten des mittleren Ostens verausgabt haben, haben sich die Entwicklungsländer im Asien-Pazifik-Raum mit Wachstumsraten von bis zu über elf Prozent jährlich blendend entwickelt. Selbst durch die von der Schuldenkrise der entwickelten Länder ausgelöste globale Rezession im Jahr 2009 sind diese Länder IWF-Daten zufolge mit durchschnittlich über sieben Prozent Wachtum hindurchgerauscht.

Das kombinierte Bruttoinlandsprodukt BIP der asiatischen Entwicklungsländer in US-Dollar zum Wechselkurs des Marktes gerechnet betrug im Jahr 2001 noch weniger als 25% des BIP der USA, liegt im Jahr 2011 bereits bei über 70% des BIP der USA und wird der jüngsten IWF-Prognose zufolge das der USA im Jahr 2016 übertreffen. Nach Kaufkraftparität gerechnet hat das BIP der asiatischen Entwicklungsländer das der USA bereits 2008 überholt und wird im Jahr 2016 beinahe doppelt so groß wie das der USA sein. Während der Anteil der USA am Weltwirtschaftsprodukt den jüngsten IWF-Daten zufolge von 23% im Jahr 2001 auf 19% im Jahr 2011 fiel und weiter fallen wird, stieg der Anteil der asiatischen Entwicklungsländer am Weltwirtschaftsprodukt von 15% im Jahr 2001 auf 25% im Jahr 2011 und wird bis zum Jahr 2016 auf voraussichtlich über 30% steigen.

Die Lokomotive für das große Wachstum der asiatischen Entwicklungsländer ist unzweifelhaft das bevölkerungsreichste un wachstumsstärkste Land der Region: China. China hat in den letzten zehn Jahren eine überaus erfolgreiche exportorientierte Industrie aufgebaut. Über preiswert hergestellte Low-Tech-Produkte hat China im Handel mit den von den USA geführten G7-Staaten große Devisenreserven erwirtschaftet und seine Mittel und Fähigkeiten dann dazu eingesetzt, sich zunehmend in die Lage zu versetzen, anspruchsvollere und komplexere Güter herzutellen, von Elektronikartikeln über Raffinerien und Kraftweke bis hin zu Hochgeschwindigkeitszügen. Heute gibt es nur noch wenig, was China nicht bauen oder herstellen kann.

Die ostasiatischen Staaten konnten von Chinas Exportstärke als Zulieferer von Rohstoffen und Bauteilen sowie als Produzenten zur Befriedigung des Güterbedarfs der chinesischen Bevölkerung profitieren und so am chinesischen Wachstum teilhaben. Seine Devisenreserven und sein zunehmendes technisches Know-How ermöglichte es China zudem, in anderen Entwicklungsländern und insbesondere den ostasiatischen Staaten Infrastrukturprojekte zu realisieren, und damit deren Entwicklung durch Investitionen anzuschieben.

Politisch und wirtschaftlich zusammengefasst sind die China naheliegenden ostasiatischen Entwicklungsländer in der aus zehn Staaten mit insgesamt mehr als 600 Millionen Einwohnern bestehenden Organisation ASEAN. Mit unzähligen Programmen und Gipfeln vesucht die ASEAN, Dialog unter Mitgliedsländern und Nachbarn zu fördern, zunehmende wirtschaftliche und politische Kooperation zu erreichen und dadurch neben Wirtschaftswachstum auch starke Anreize zur friedlichen Beilegung von Konflikten zu schaffen. Das war in den vergangenen Jahren durchaus erfolgreich. Abgesehen von einzelnen Spannungen wie kleinen Scharmützeln an der thailändisch-kambodschanischen Grenze und Nickeligkeiten im südchinesischen Meer war es im letzten Jahrzehnt in der ASEAN-Region ziemlich friedlich. China hat, ebenso wie die zweite Wachstumslokomotive der Region, Indien, seit 2010 ein Freihandelsabkommen mit der ASEAN.

Massenmörder Barack Obama hat nun in den letzten Tagen, obwohl die USA derzeit noch damit beschäftigt sind, Krieg in Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen, Jemen, Somalia, Zentralafrika und Nigeria zu führen, angekündigt, sich verstärkt dem Asien-Pazifik-Raum zuzuwenden und zu diesem Zweck zunächst 2500 US-Soldaten nach Australien verlegen zu wollen. Seine caesaristische Außenministerin Hillary Clinton ließ keinen Zweifel daran, was die USA im Asien-Pazifik-Raum wollen: nichts Anderes als die Führungsrolle. Die Herausforderungen des Asien-Pazifik-Raumes, vom Konflikt um das südchinesische Meer über Nordkorea bis hin zur Förderung von ausgeglichenem und inklusivem Wachstum würden das verlangen, behauptete Hillary Clinton.

Die Kriegsdrohung der USA ist in China wohl verstanden worden. Und China ist sich sehr bewusst, dass die Territorial-Streitigkeiten um die Spratley-Inseln unter ASEAN-Mitgliedern wie geschaffen dazu sind, um den USA die Möglichkeit zu geben, militärische Konfikte unter ASEAN-Mitgliedern zu schüren, dabei ein Bündnis mit den USA als den Faktor zur erfolgreichen militärischen Durchsetzung eigener Ambitionen zu präsentieren und damit das für die positive Entwicklung Chinas und Südostasiens wichtige Bündnis ASEAN aufzubrechen.

Vor diesem Hintergrund macht es Sinn, dass China Ansprüche auf fast das gesamte Gebiet der Spratley-Inseln als sein eigenes Hoheitsgebiet beansprucht und gleichzeitig eine friedliche Lösung der Konflikte um die Spratley-Inseln durch den Dialog der beteiligten Parteien fordert. Wer die Öl- und Gasvorkommen der südchinesischen See ausbeutet, ist für China dank seiner riesigen Wirtschaft im Gegensatz zu den kleinen ASEAN-Staaten eher nebensächlich. Wichtig ist für China jedoch, dass es friedlich bleibt und keiner der an den Streitigkeiten um die Spratley-Inseln beteiligten Staaten den USA dadurch eine Möglichkeit bietet, Unfrieden zu stiften. Der chinesische Claim auf die Spratley-Inseln bewirkt, dass die USA es bei einer Einmischung in den Konflikt um die Spratley-Inseln nicht mit militärisch schwachen ASEAN-Staaten zu tun haben, sondern mit der Atommacht China.

China hat diese Strategie zum Verhindern US-amerikanischer Unfriedensstiftung nachdrücklich unterstrichen, indem die staatliche chinesische Zeitung Globaltimes die am Disput beteiligten Länder gewarnt hat, sollten sie sich nicht auf einen Pfad zur friedlichen Beilegung des Disputes im Rahmen der regionalen Kooperation begeben und stattdessen auf die Unterstützung fremder Mächte, also der USA, vertrauen, könnten sie auch nicht auf die Friedfertigkeit Chinas vertrauen, sondern müssten sie sich auf den Donner von Kanonen vorbereiten. Den USA hat China über seine staatliche Nachrichtenagentur Xinhua dazu zudem ganz direkt mitgeteilt, dass die Asien-Pazifik-Region keinen „Führer“ braucht, sondern einen Partner.

Doch die USA haben die chinesische Botschaft offenbar nicht verstanden. Ständig hetzen führende US-Politiker und Medien im Wahlkampf und auch sonst gegen China, werfen China trotz eigener Dollar-Druckerei bis zum geht nicht mehr pausenlos so absurde Dinge wie Währungsmanipulation vor, Schüren Separatismus von Tibetern und Uiguren, instrumentalisieren Menschenrechte für Propaganda-Zwecke, machen militärische Führungsansprüche in Ostasien und im südchinesischen Meer geltend und versuchen China und die ASEAN durch das Schmieden von Kolonialvereinbarungen wie dem TPP mit einigen Ländern der Region wirtschaftlich auszubooten. Ständig beschweren sich die USA darüber, dass China Handelsüberschüsse erwirtschaftet, während in den USA die Arbeitslosigkeit groß und das Wirtschaftswachstum klein ist, und China das Geld dann in US-Staatsanleihen anlegt, und damit ein wirtschaftliches Druckmittel gegen die USA hat.

Wie es scheint, ist China nun der Kragen geplatzt. Li Daokui, ein Berater und Mitglied des Ausschusses für Geldpolitik der chinesischen Zentralbank erklärte soeben, China rechne in den nächsten zwei Jahren mit Handelsdefiziten. China plant laut dem dieses Jahr beschossenen Fünf-Jahres-Plan seine Wirtschaft vom Export verstärkt auf inländische Nachfrage und Entwicklung umzustellen. Die Aufgabe, die Infrastruktur und den Lebensstandard vieler Hundert Millionen Menschen im chinesischen Hinterland spürbar zu heben, womöglich innerhalb weniger Jahre zu verdoppeln, ist gigantisch.

China hat mit mehr als drei Billionen US-Dollar Devisenreserven genügend Mittel, um für die Entwicklung des chinesischen Hinterlandes reichlich auf dem Weltmarkt einzukaufen. Nach China exportierende Unternehmen dürfen sich angesichts dieses gigantischen Projektes über eine steigende Nachfrage freuen und die Weltwirtschaft auf Wachstum. Die mit China gut verflochtene Wirtschaft Asiens wird davon profitieren und darf auf einen weiteren Boom hoffen. Auch deutsche Firmen, die in China Autos und andere beliebte Dinge herstellen, dürfen auf weiteres Wachstum und satte Profite hoffen. Lieferanten von Rohstoffen wie Öl, Kupfer und Baumaterialien dürfen dank der zu erwartenden chinesischen Nachfragesteigerung tendenziell mit steigenden Preisen rechnen.

Nur ein führendes Land der Welt hat fast nichts, was es nach China exportiert: die USA. Für die US-Konjunktur bedeutet das Verkaufen von US-Staatsanleihen zur Finanzierung der Entwicklung des chinesischen Hinterlandes ein massives Problem: Rohstoffpreise steigen und weiteres Gelddrucken und Schulden-Machen wird für die USA schwieriger und poztenziell teurer. China könnte die Aufgabe der Entwicklung des chinesischen Hinterlandes möglicherweise auch so bewältigen, dass es die Aufgabe langsamer angeht und anstelle von Devisenreserven laufende Handelsüberschüsse für die Entwicklung nutzt, eben um negative Auswirkungen auf die US-Konjunktur zu vermeiden. Angesichts des offen aggressiven, arroganten und ignoranten Verhaltens der USA gegenüber China scheint China nun aber keinen Grund mehr zu sehen, bei der Entwicklung des eigenen Landes auf die Konjunktur der USA oder die Chancen des „Führers“ Barack Obama auf eine Wiederwahl besondere Rücksicht zu nehmen.