Grüner Widerstand reorganisiert sich

Der grüne Widerstand gegen die Rekolonialisierung Afrikas hat sich nach der Umstellung des Kriegsmodus von Frontline-Battle auf Guerilla-Battle und dem bei der Umstellung des Kriegsmodus eingetretenen Märtyrertod von Revolutionsführer Muammar Gaddafi reorganisiert.

Dem Fernsehsender Al Libya zufolge hat der neue Führer der grünen Bewegung, Saif Al-Islam Gaddafi, Abdullah Sanussi temporär zum neuen Volkssekretär für Verteidigung ernannt.

Nachtrag: Der Angriffskrieg gegen Libyen geht unterdessen weiter. Die Nord-Atlantische Terror-Organisation NATO hat am heutigen Sonntag bekannt gegeben, dass ihre Jets am gestrigen Samstag 58 Einsätze gegen Libyen, davon 12 zur Bombardierung Libyens, geflogen seien. Ob und wenn ja, wen oder was die NATO gestern in Libyen bombadiert haben will, hat die NATO nicht publiziert. Behauptet wurde von der NATO dazu lediglich, es seien keine „Schlüsseltreffer“ erfolgt.

Nachtrag 2: Mustafa Abdel Jalil hat in Benghasi am SOnntag Nachmittag vor einer mittelroßen Menschenmenge öffentlich die Befreiung verkündet. In seiner Ansprache hat er außerdem die Annulierung des monogamen libyschen Ehegesetzes verkündet, weil es seiner Meinung nach unislamisch ist, wenn ein Mann nur eine Frau als seine offizielle Ehefrau haben darf. In anderen fortschrittlichen islamischen Ländern wie Saudi Arabien halten sich die Herrscher schließlich auch einen Harem.

Nachtrag 3: Saif Al-Islam Gaddafi hat eine Botschaft gesendet: „Wir setzen unseren Widerstand fort. Ich bin in Libyen. Ich bin lebendig, frei und beabsichtige, bis zum Ende zu gehen, um Rache zu üben.“

Nachtrag 4: Ein weiterer Punkt in der „Befreiungserklärung“ von Jalil: Zinsen sind in Libyen bei neuen Krediten ab sofort verboten, und das libysche Banksystem, das derzeit Kredite an Libyer teilweise zu Nullzinsen, teilweisen zu Niedrigzinsen und auf Wunsch oft mit extrem langen Tilgungsfristen ausreicht, soll auf ein sogenanntes „islamisches Banksystem“ umgestellt werden. Zu bezahlende Zinsen werden beim „islamischen Banking“ zu Gebühren oder Geschenken umzudeklariert, und dann darauf aufbauend im Zusammenspiel mit anderen Kreditkonditionen, die oft eher in Richtung einer Unternehmensbeteiligung gehen, der Anspruch erhoben, islamkonform zu sein. Das libysche Bankwesen der Jamahiriya vertritt hingegen den Anspruch sozial zu sein, und deshalb islamkonform zu sein. Vor dem Krieg gab es um ausländische Investitionen im Bereich „islamisches Bankwesen“ in Libyen Streit. Muammar Gaddafi war zwar damit einverstanden, dass die als „islamisches Banking“ bezeichnete Geschäftsform von Ausländern in Libyen praktiziert wird, war aber dagegen, das diese Geschäftsform sich in Libyen „islamisches Banking“ nennen darf, weil diese Banken sonst den falschen Eindruck erwecken würden, das sozial orientierte libysche Bankwesen der Jamahiriya sei unislamisch.

Der Effekt von Jalils Zinsverbot dürfte ein Dreifacher sein:

1. Die Fraktion der westlichen Exilanten und Agenten wird in Vergleich zur mit den Muslimbrüdern und Golfdiktaturen sympatisierenden islamischen Bewegung im TNC geschwächt, weil die Fraktion der westlichen Exilanten und Agenten im TNC mit dem Zinsverbot ein Finanzierungsproblem bekommt.

2. die räuberischen westlichen Banken werden von Libyen ferngehalten, aber dafür die Banken der Golfdiktaturen zum Profit machen in Libyen eingeladen. Möglicherweise sind westliche Banken in der Lage, mit Tochterfirmen, die islamisches Banking betreiben, das Hindernis zu umgehen, aber erstmal scheint das ein Hindernis für Wall Street zu sein.

3. Das eher sozial orientierte libysche Bankwesen der Jamahiriya wird vermutlich durch ein mehr profitorientiertes islamisches Bankwesen ersetzt.

Um den Leuten die Umstellung schmackhaft zu machen, die in der weiteren Zukunft für weite Teile der Bevölkerung harte soziale Folgen haben kann, hat Jalil die sofortige Streichung von Zinsen bei laufenden Kleinkrediten verkündet.

Nachtrag 5: Sultan al-Qassemi, ein sich selbst als liberaler, sekulärer Kolumnist in US-Medien aus den Emiraten, kommentierte die Verkündungen von Mustafa Abdel Jalil auf Twitter mit den Worten: „die islamische Republik Libyen“. Unausgsprochen war die Anspielung auf die iranische Revolution zu hören. Die Medien der NATO-Staaten machen trotzdem auf recht freundlich, denn natürlich muss der Krieg gegen Libyen der Bevölkerung an der Heimatfront nun als Erfolg verkauft werden.

Nachtrag 6: Der deutsche Propaganist Björn Blaschke meint aus Kairo bei der deutschen Tagessau – abgesehen davon, dass er die Gelegenheit des Kommentars nutzt, um den populären syrischen Präsidenten Bashar Assad und den Staat Iran zu verunglimpfen und zu beleidigen, seine Leser sollten wegen der Einführung der Scharia in Libyen keine Panik bekommen, es seien bei der Scharia auch liberale und menschenrechtskonforme Auslegungen möglich. Seine Ahnungslosigkeit wird nur noch von seiner Ignoranz übertroffen.

Er hat offenbar noch nicht mal begriffen, dass in Libyen seit Jahrzehnten das Recht der Scharia gilt – und zwar eine vergleichsweise liberale und menschenrechtskonforme Form. Das Problem mit Jalil und seinen Konsorten ist nicht, dass sie die Scharia wollen, sondern dass sie eine mittelalterliche Version der Scharia ähnlich der saudischen Variante oder der von Al Jazeera Fernsehprediger Qaradawi wollen. Mit der Erlaubnis zur Vielweiberei meinte Jalil nicht, dass ein Mann im Ausnahmefall auch zwei Frauen haben kann, wenn die Erstfrau zustimmt und beide vor einem Richter gute Gründe anführen können – denn in solchen absoluten Ausnahmefällen geht das auch jetzt schon in Libyen, sondern dass ein Mann wie in Saudi Arabien auch gegen den Willen seiner bisherigen Frau oder Frauen weitere Frauen heiraten darf, Männer sich also nach Gutdünken einen Harem zusammenstellen dürfen. Libysche Frauen hingegen haben im Gegensatz zu dem deutschen Propagandisten sehr wohl begriffen, was Jalil und seine mittelalterlichen Mörderkumpane wollen.

3 Gedanken zu “Grüner Widerstand reorganisiert sich

  1. Sehr geehrte Redaktion,
    mittelgroße Menschenmenge fand ich doch ein bißchen den falschen Ausdruck. Ich meine, was die Menschenmenge zum „Tag der Befreiung angeht“.
    Man hatte wohl extra Kamele geschlahtet (oder irgendwelche anderen Tiere, aber es können auch Kamele gewesen sein), um die erwünschten Massen anzulocken. Tut mir ja nun wirklich leid, die Menschen in Libyen hatten irgendwie keine Lust, zu kommen. Schade aber auch. Naja, ich meine, die, die noch übriggeblieben sind nach der ganzen Schlächterei, Bomberei, Hinrichterei, dem Vergewaltigen, Menschen aufhängen und Kehle aufschlitzen, den schreienden Kindern mit dem weggebombten Gesicht, den Foltereien und was die NATO und ihre ekelhaften kleinen Höllenhunde sonst noch so drauf hatten, um die schlußendliche Befreiung dann zu feiern. Die Massen, die dann also kamen . . . laß mich raten . . . 100 Leute? Wieviel Tote waren es noch? Irgendwas mit 100 000? Eine wahrhaft großartige Party war das. Für jeden der befreiten Ratt-Voluzionäre, die da ihre Befreiung feierten, also 1000 Tote. Ist doch ne gute Quote, oder?
    Daß niemand so richtig Lust hatte zu kommen, lag vielleicht auch daran, daß die Leute nicht, wie erhofft, nachdem man ihnen auf oben beschriebene Art und Weise Demokratie beigebracht hat, etwa den laut NATO Schuldigen nämlich den Kolonell Muamar al Gaddafi hassen, sondern dummerweise hassen die Menschen im ganzen Land die NATO und ihre Quislinge. Warum eigentlich, man hatte doch endlich den bösen Diktator nicht nur ermordet, sondern vorher auch noch vergewaltigt, müßten sich die Menschen doch wirklich freuen.
    Leider (für die NATO und den NTC) heizen die bösen Bilder den Willen zum Widerstand erst richtig an. Die Menschen sind tief geschockt, wenn sie nicht vorher schon traumatisiert sind. Viele Stämme haben sich dem Gaddafi Stamm angehörig ausgesprochen, der jetzt fast böse war, weil doch ihm allein das Recht der Rache zusteht. Die Täter werden ausfindig gemacht werden. Das Ansehen von Muammar al Gaddafi, dem von so vielen geliebten Vater, wie er genannt wird, der vielen von ihnen Würde und Stolz beigebracht hat, ist ins Unendliche gestiegen. Er ist jetzt ein neuer Omar Muhtar. Und Saif al Islam Gaddafi hat deshalb noch mehr Akzeptanz, weil er nicht nur durch gutes Auftreten aufgefallen ist, sondern auch selber tapfer mitgekämpft hat und weil er der Sohn vom neuen Omar Muhtar ist.
    Naja, deshalb hatten die Leute wohl keine große Lust, der monarchistischen Fahne zuzujubeln. Kann man vielleicht ein ganz kleines bißchen verstehen, oder?
    Marlene Tiger

  2. Liebe Redaktion,
    hier bin ich nochmal. Diese Befreiungsparty meine ich, damit keine Mißverständnisse entstehen.

    Marlene Tiger

  3. Sehr geehrte Redaktion,
    für heute der dritte Kommentar, sozusagen ein PS.
    Gerade vor etwa zwei Stunden twitterte einer der befreiten Massen seinen Kommentar zum heutigen Tag der Befreiung:
    adil_naji adilnaji
    In Liberated #Libya NO CELEBRATIONS .. #TNC is not supported by masses, in other words UNPOPULAR & considered a tool for foreign domination
    vor 2 Stunden
    Marlene Tiger

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.