Al Kaida nun auch in der Tagesschau nicht mehr „schiitisch“

Heute morgen um kurz nach vier veröffentlichte die deutsche Märchenschau auf ihrer Webseite einen Artikel von Ulrich Leidholdt vom ARD-Hörfunkstudio Amman in Jordanien mit dem Titel „Die Folgen von 9/11 für den Irak,“ dem lobenswerten Untertitel „Den Terror haben die USA mitgebracht“ und and an prominenter Stelle mitten auf der Webseite der wichtigsten staatlichen deutschen Propaganda-Institution platziert. In dem Artikel war unter anderem die Rede vom religiösen „Terror der schiitischen Al Kaida gegen sunnitische Aufständische und Saddam-Anhänger.“

Ein Leser von Mein Parteibuch schrieb der Tagesschau daraufhin gegen Mittag folgenden Kommentar zu dem Artikel:

Blödsinn

So einen Blödsinn habe ich selten gelesen.

Es gab durchaus eine Verbindung zwischen 9/11 und dem mit Lügen begründeten illegalen Angriffskrieg gegen den Irak, aber nicht die, die hier behauptet wird. Dass 9/11 zum Irakkrieg gefüht hat, ist ein Märchen, andersherum wird ein Schuh daraus.

Richard Clarke hat die Verbindung inzwischen offengelegt: die damalige US-Regierung war damals so sehr mit der Planung eines gewaltsamen Regime Change im Irak beschäftigt, dass sie keine Zeit dafür fand, sich angemessen mit terroristischen Gefahren auseinanderzusetzen.

Aber wenn jemand von einer „schiitischen Al Kaida“ spricht, dann ist soviel Sachkenntnis wohl ohnehin nicht zu erwarten. Welche Qualifikation muss man eigentlich mitbringen, um Nahostkorrespondent der Tagesschau zu werden?

Natürlich wurde der Kommentar von der Redaktion der Tageszensur nicht publiziert. Die deutsche Märchenschau hat auf den Kommentar so seriös reagiert, wie man es von ihr gewohnt ist. Stattdessen wurde der Text des Märchenschau-Artikels still und leise insoweit geändert, als dass Al Kaida nun auch bei der Märchenschau nicht mehr schiitisch ist, wobei die Änderung des Artikels natürlich nicht durch einen neuen Zeitstempel kenntlich gemacht gemacht wurde, sondern auf „Stand: 09.09.2011 04:09 Uhr“ belassen wurde. Außerdem wurde die Kommentarfunktion umgehend geschlossen und der Artikel wird auf der Startseite der Märchenschau nur noch mit einem Einzeiler präsentiert. So ist sie, die Märchenschau, der selbsternannte Leuchtturm des deutschen Journalismus.

PS: Natürlich ist Al Qaeda nicht schiitisch, sondern sunnitisch, und reitet also im Prinzip auf der gleichen Theologie, wie sie in den mit dem Westen verbündeten Regimes im nahen Osten und Nordafrika, wie in Saudi Arabien und Ägypten vorherrschend ist. Das Schiitentum ist hingegen die vorherrschende Religion in den Staaten, die zu den Lieblingsfeinden der westlichen Propaganda gehören, so zum Beispiel dem Iran und Hisbollah. Auch die Bevölkerung des Irak ist mehrheitlich schiitisch. Saddam Hussein bekannte sich jedoch, sofern man ihm seine späte religiöse Bekehrung überhaupt abnehmen mag, zur sunnitischen Glaubensrichtung.

Denjenigen, die sich mit Al Qaeda, Schiitentum und Sunnitentum nicht auskennen, was für all diejenigen, deren Beruf dieses Thema nicht zum Gegenstand hat, keine Schande ist, zeigt bereits ein kurzer Blick in den englischsprachigen Wikipedia-Artikel zu Al Kaida, dass Al Kaida nicht nur sunnitisch ist, sondern auch berüchtigt für anti-schiitische Agitation und willkürliche Gewalttaten gegen Schiiten ist:

Al-Qaeda … is a global Sunni Islamist militant group … It operates as a network comprising both a multinational, stateless army and a radical Sunni Muslim movement calling for global Jihad. … Al-Qaeda is also responsible for instigating sectarian violence among Muslims. Al-Qaeda is intolerant of non-Sunni branches of Islam and denounces them with excommunications called „takfir“. Al-Qaeda leaders regard liberal Muslims, Shias, Sufis and other sects as heretics and sometimes issue attacks on their mosques and gatherings. Examples of sectarian attacks include the Yazidi community bombings, Sadr City bombings, Ashoura Massacre and April 2007 Baghdad bombings.

Auch zu den Aussagen von Richard Clarke, der zur Zeit von 9/11 National Coordinator for Counterterrorism und bereits seit Jahren Mitglied des United States National Security Council war, finden sich wesentliche Details in der Wikipedia:

In his memoir, „Against All Enemies“, Clarke wrote that when he first briefed Rice on Al-Qaeda, in a January 2001 meeting, „her facial expression gave me the impression she had never heard the term before.“ He also stated that Rice made a decision that the position of National Coordinator for Counterterrorism should be downgraded. By demoting the office, the Administration sent a signal through the national security bureaucracy about the salience they assigned to terrorism. No longer would Clarke’s memos go to the President; instead they had to pass though a chain of command of National Security Advisor Rice and her deputy Stephen Hadley, who bounced every one of them back. … At the first Deputies Committee meeting on Terrorism held in April 2001, Clarke strongly suggested that the U.S. put pressure on both the Taliban and Al-Qaeda by arming the Northern Alliance and other groups in Afghanistan. Simultaneously, that they target bin Laden and his leadership by reinitiating flights of the MQ-1 Predators. To which Deputy Secretary of Defense Paul Wolfowitz responded, „Well, I just don’t understand why we are beginning by talking about this one man bin Laden.“ Clarke replied that he was talking about bin Laden and his network because it posed „an immediate and serious threat to the United States.“ According to Clarke, Wolfowitz turned to him and said, „You give bin Laden too much credit. He could not do all these things like the 1993 attack on New York, not without a state sponsor. Just because FBI and CIA have failed to find the linkages does not mean they don’t exist.“ … Many of the events Clarke recounted during the hearings were also published in his memoir. Among his highly critical statements regarding the Bush Administration, Clarke charged that before and during the 9/11 crisis, many in the administration were distracted from efforts against Osama bin Laden’s Al-Qaeda organization by a pre-occupation with Iraq and Saddam Hussein. Clarke had written that on September 12, 2001, President Bush pulled him and a couple of aides aside and „testily“ asked him to try to find evidence that Saddam was connected to the terrorist attacks. In response he wrote a report stating there was no evidence of Iraqi involvement and got it signed by all relevant agencies, including the Federal Bureau of Investigation and the CIA. The paper was quickly returned by a deputy with a note saying „Please update and resubmit“. After initially denying that such a meeting between the President and Clarke took place, the White House later reversed its denial when others present backed Clarke’s version of the events.

Vor etwa einem Jahr deklassifizierte Dokumente bestätigen die Behauptung, dass hochrangige Mitglieder des Security Establishments sich im Jahre 2001 auch schon vor 9/11 intensiv mit Operationen zum Regime Change im Irak beschäftigt haben.

2 Gedanken zu “Al Kaida nun auch in der Tagesschau nicht mehr „schiitisch“

  1. Die ARD Zensur und ihre Folgen
    Als Daueropfer und aufmerksamer Beobachter der ARD Zensur möchte ich obige Aussagen dahingehend ergänzen, daß von den Moderatoren der metatagesschau systematisch Zensur verübt wird. Die Betonung liegt auf systematisch.
    Mittlerweile speichere ich meine Kommentare, die gedruckten sowie diejenigen, , die im ARD Papierkorb oder wer weiß wo landen. und erhalte im Abgleich mit den zum jeweiligen Thema erschienenen Kommentaren einen Überblick über die zugrundeliegende Strategie. Die Zensur folgt einem auffälligen Muster, welches ausschliesst, daß sie von Zufalls- oder Willkürfaktoren bestimmt wird. Die Vorgaben kommen von oben, beziehungsweise von aussen.
    Gezielte Wortauswahl, Weglassen, Suggerieren, das Hätscheln von Splittergruppen und Einzelpersonen und die Anschwärzung gehören nicht nur bei der ARD zum journalistischen Handwerkszeug, Wahlweise verziert mit Diffamierungen und faustdicken Lügen bestimmen diese Kniffe den Tenor und Inhalt vieler Meldungen.
    Man könnte diese Geschäftspolitik ohne Bedenken als Verbrechen am Geist bezeichnen, ihre verheerende Wirkung erstreckt sich bis in das Alltagsdenken. Nichtssagend und gleichzeitig tendenziös. Das hat nichts mit Trivialsendungen und Soapoperas zu tun, es reicht viel tiefer und betrifft Grundätzliches, genauer gesagt ,es betrifft Grundsätzliches, da es Grundsätzliches meidet, wie der Teufel das Weihwasser.
    Die Verzerrungen in der Berichterstattung über aktuelle Ereignisse schreien oft laut nach begradigenden und entgratenden Äusserungen., für die die Kommentarfunktion der metatagesschau eine Platform bieten würde, sollte, könnte man meinen.
    Die ARD stellt, was Zensur betrifft, keine Ausnahmeerscheinung dar, sie ist allerdings eine marktbeherrschende Institution mit uralten Zugpferden, wie der Tagesschau, die eine gesellschaftsprägende Rolle spielt, zumindest solange Menschen ihre Zeit vor dem Fernsehgerät verbringen..
    Zensur zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Gesellschaft, sie lastet auf Allen, sie betrifft rechts und links, Aktive und Passive, Christen und Buddhisten. Sie müssen nur mit bestimmten Themen. in Konflikt kommen. Es gibt EINE Ursache für die gesellschaftsübergreifende Zensur, das wäre aber ein anderes Thema.

    Auswahlkriterien der metatagesschau Moderatoren

    Man muss berücksichtigen, daß nur diejenigen Kommentare sichtbar werden, die der Zensur entgehen. Die unterdrückten Zusendungen sind sicherlich oft die Interessanteren. Indem eine Auswahl getroffen wird, kontrolliert man das Meinungsspektrum und ist in der Lage einen Trend vorzuspiegeln.
    Im Kreise der Kommentatoren findet sich ein buntes Völkchen zusammen, echte Kommentatoren und unechte. Echte Kommentatoren sind diejenigen, die in ihren Äusserungen eine persönliche Stellungnahme zu einem Thema abgeben, ohne daß die Kommentare einen allzu ideologischen Hintergrund reflektieren, oder sich in persönliche, gegen die Meinung von Mitkommentatoren gerichtete Äusserungen ergehen.
    Was extreme Positionen mit Druckchancen betrifft, so rangieren vor den Unechten noch die Trolle und die pathologischen Fälle,
    klingt hart, ist aber so, die in ihren Zuschriften zufälligerweise auf Parteilinie liegen.
    Zu den Unechten zählen die Beeinflussungsagenten mit Mehrfachaccounts.
    Mehrfachaccounts verraten sich nicht nur durch die Ähnlichkeit der vertretenen Meinung, sondern auch durch Ähnlichkeit in Stil und Wortwahl. Ein weiteres gemeinsames Kennzeichen stellen dreiste Geschichts- und Gegenwartsklitterungen dar , um militärische und politische Winkel- und Raubzüge als gerechtfertigt darzustellen, die Markierung und Stigmatisierung Andersdenkender und eine Wortwahl, die den Bestand der Kriegs- und Rassen-, und Religionshetze erfüllt und die mit all dem eklatant gegen die „Ethiknormen“ des Metatagesschauforums verstoßen. Kommentare dieses Kalibers werden immer wieder abgedruckt, Richtigstellungen und relativierende Äusserungen, sofern sie eindeutig formuliert sind und Dinge beim Namen nennen, haben keine Chance veröffentlicht zu werden. Es lässt sich eindeutig die Begünstigung „erwünschter“ Äusserungen und die Unterdrückung „unerwünschter“ Äusserungen konstatieren. Auf Beispiele habe ich verzichtet, um das ohnehin schon ausgeuferte Volumen nicht überzustrapazieren.

    Mit freundlichen Grüßen
    H,.-P. Schröder

  2. Die Richtlinien nach denen Kommentare zu Artikeln bei der Tagesschau freigeschaltet werden sind nicht ganz ersichtlich. So wurde meine geäußerte Mutmaßung, wonach Saudi-Arabien Waffenschmuggel nach Syrien über die Türkei, Jordanien und den Irak finanziert nicht veröffentlicht. Auf der anderen Seite werden mehrere Kommentare hintereinander von ein und denselben usern durchgewunken, deren offensichtlich alleiniger Zweck es ist kritische Poster zu diskreditieren und lächerlich zu machen.

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