Bombenstimmung

Seit der umfassenden Einführung von Flaschenpfand sind viele ältere Menschen in der Lage, ihre üppige Renten oder Grusi durch das inzwischen überall in Deutschland beliebte Durchwühlen von Mülleimern aufzustocken, und auch ein immer größerer Teil der arbeitenden Bevölkerung Deutschlands gönnt sich den Luxus, zur Aufstockung des immer üppigeren Lohnes zu containern. Wer per Verfolgungsbetreuung auf Null gekürzter Hartzer ist und entweder keinen Gefallen am Containern oder keinen passenden Container findet, der darf sich den Luxus einer nachhaltigen Nulldiät gönnen.

Die deutsche Bundeskanzlerdarstellerin Angela Merkel fasste diese paradiesischen Zustände bei der Haushaltsdebatte im Bundestag gerade so zusammen: „Deutschland geht es so gut wie nie zuvor.“ Angela Merkel kennt sich da aus. Ein Blick in die Runde zeigt ihr, wie gut es Deutschland geht. Auch Ausländern geht es in Deutschland bestens. Sie kann da sofort an den nicht vorbestraften Schweizer Ackermann denken, der bei ihr auf der Geburtstagsparty bestens integriert in der Runde mit dabei war.

So hat Angea Merkel aus ihrer Sicht natürlich Recht, Deutschand, das sind aus der Perspektive von Angela Merkel nicht Rentner, Hartzer oder Menschen, die containern, sondern Milliardäre, Millionäre und die Kapitäne der Wirtschaft, und denen geht es so gut wie nie zuvor. Und damit es dem Deutschland, das Angela Merkel und ihre Politikerkollegen vor Augen haben, wenn sie in die Runde schauen, demnächst noch besser geht, sollen die Bundesausgaben für Soziales 2012 sinken, während für Zins- und Militärausgaben eine Steigerung geplant ist, wobei die offiziellen Haushaltszahlen seit der Einführung der Multi-Milliarden umfassenden Bankensubventionsschirme allerdings ohnehin die rosige Lage Deutschlands kaum mehr annähernd korrekt abbilden.

Während im deutschen Nullwachstum bloß der Dax seit Wochen im Tiefflug ist, sinkt die britische Industrieproduktion trotz eines Haushaltsdefizites von 10% vom BIP, der US-Arbeitsmarkt stagniert, die Spreads von AA-Italien weiteten sich gegenüber Deutschland gerade um 40 Basispunkte aus, in Frankreich stehen die Banken unter heftigem Druck und die Rendite für einjährige griechische Staatsanleihen liegt bei über 95%.

Klar, sowas macht Bombenstimmung. Doch während in Berlin rechtzeitig vor der Abgeordnetenhauswahl mit großem Tam-Tam bloß zwei Männer verhaftet wurden, die potentiell brisante Dinge wie Kühlkissen, einige Kilogramm Batteriesäure und obenrein noch einen Liter Betonreiniger besessen haben sollen, bemerkt die Nord-Atlantische Terror-Organisation NATO gerade ganz nebenbei, dass in Libyen aufgrund ihres räuberischer Angriffskrieges gegen das Land tatsächlich interessante Dinge wie einige Tausend tragbare Boden-Luft-Raketen nicht mehr auffindbar sind. Davon, dass zur Sanierung der Wirtschaft der NATO-Staaten allein gestern wieder 40 Bombenangriffe gegen Libyen geflogen wurden, schreiben die NATO-Medien hingegen nichts.

Sonst könnte es ja sein, dass dem einen oder anderen Konsumenten da ein einfacher Zusammenhang auffallen würde.

Nachtrag: April, April, der von der Spiegel-Propaganda kolportierte Vorwurf, dass die beiden Männer ein paar Kilo Batteriesäure besessen hätten, wurde nun dementiert. Was vom großen Tam-Tam bleibt, sind offenbar ein paar Kühlkissen und ein Liter Betonreiniger. Apropos Kühlkissen, die sind auch bekannt als Kühlkompressen zur Schmerzlinderung bei Sportverletzungen wie beispielsweise den häufigen Prellungen beim Fußballspielen: der eine Verdächtige soll Medizinstudent und Fussballer gewesen sein. Er wäre sicher nicht der erste Medizinstudent, der medizisches Material kauft. Konkrete Anschlagspläne sind den Sicherheitsbehörden angeblich nicht bekannt, nur von Geheimdiensten verbreitete Gerüchte. Aber natürlich, die Polizei wertet nun beschlagnahmte Datenträger aus. Vielleicht findet sich ja da „irgendwas“.

6 Gedanken zu “Bombenstimmung

    1. Wenn es mehr wären, gäbe es diese guten Artikel höchstwahrscheinlich nicht mehr. Oder es gäbe sie nur noch unter Ausschluss der Öffenlichkeit, weil konstruktive Beiträge zur demokratischen Gesellschaft per PRopaganda und Zensur seit Jahren – zunehmend – als Destruktion gebPRandmarkt werden.

      Dort, wo noch massentaugliche Gehirnreste vermutet werden, findet die Zersetzung der vielbeschworenen Bildung statt. Selbst der ökonomischen Intelligenz, der Grundlage jedes prosperierenden Staats nach westlichem Muster, traut man nicht mehr zu, selbständig denken zu können. Deshalb geben auch EdelPResstituierte gerne Nachhilfeunterricht im Hauptfach Brainwash:

      aus http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/buergekrieg_in_libyen_kostst_30000_menschen_das_leben_1.12401417.html
      Bürgerkrieg in Libyen fordert 30’000 Menschenleben.

      Wenn ihre betuchten Leser den Markt so einschätzen würden, wie ihnen die Politik vorgekaut wird, könnten sie in ihren Businessplänen auch gleich den sicheren Konkurs einkalkulieren.

      Die Amis auf Kurs
      Grüsse
      kosh

  1. Wieder ausgezeichnet getextet. Die „Bundeskanzlerdarstellerin“ ist ein zutreffender Ausdruck für diese Unperson.

    Habe den Blog in meine Empfehlungsliste aufgenommen. Lese hier immer wieder gern.

  2. Pingback: Anonymous
  3. Wenn ich mir die Kommentare auf einigen Webseiten zum Thema „Bombenterror in Berlin, zwei Verhaftungen“ durchlese, dann weiß ich, wie schnell und sicher die Presse den Lesern ins Gehirn schreibt. Denken war gestern – heute ist nur noch abnicken und stillhalten die Parole.

    Wie in der alten DDR / kalter Krieg erleben wir Propaganda und Kriegstreibereien am laufenden Band und haben uns doch daran so gewöhnt, wie unsere tägliche Mahlzeit.

    Am Satz unserer „geliebten Kanzlerin“ das es Deutschland so gut gehe wie noch nie, konnte ich mich vor Lachen kaum auf meinem Stuhl halten.

    Gerade die Subventionen in die Beschäftigungen – also Niedriglohnsektor, Eingliederungszuschüsse und weiteren Hilfsgeldern – egal, worin auch immer, besänftigen die Bevölkerung. Das ist meiner Meinung nach die Strategie, damit kein Bürgerzorn erzeugt wird. Jedenfalls nicht in Sozialprotesten.

    Würden diese Gelder nicht mehr gezahlt, sehe die Lage in diesem Staate anders aus. Das ist aber nur meine Meinung.

    Obama versprach seinerseits ebenfalls Unterstützung zu, um den Jobmotor anzuwerfen – mit Subventionen auf Jahre hinweg. Eine Beruhigungspille – mehr ist das nicht.

    Die Armut, in diesen Tagen als Wahlkampfthema in der SPD aufgegriffen und auch von Fr. Heuchel-Leyen kommentiert, ist das Ergebnis neoliberaler Politik und dem massiven Druck aus der Finanzwelt. Diese Politiker sind – als Kellner – die Auftragsausführenden der Sklavenarbeit und des kommenden Frondienstes – weltweit.

    Sie blenden uns mit Märchen über Aufschwung und Thesen wie “ auch du kannst es schaffen“. Arbeit für alle – lasen und hörten wir/unsere Vorfahren das nicht mal in der Nazi-Zeit?

    Die alte Masche – neu aufgerollt. Kriege und der neue Feind, welcher doch in vielen Ländern Verbündeter ist, um Ziele, geografischer oder materieller Natur zu erreichen.

    Ich denke, es wird noch viel Zeit vergehen, damit in den westlichen Ländern – gemeinschaftlich und solidarisch – gegen das herrschende System aufbegehrt wird und sich Massen an Menschen für eine gerechtere Welt zusammentun.

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