Krieg gegen Libyen geht im Dunkeln weiter

Der räuberische Angriffskrieg gegen Libyen ist trotz allen Medienjubels mitnichten schon beendet oder so gut wie beendet. Während die Massenpropaganda der NATO-Länder und der angeschlossenen Golfdiktaturen im Siegestaumel ist, geht der Krieg gegen Libyen weitab vom Licht der Öffentlichkeit ganz normal weiter. Dadurch, dass die NATO das libysche Fernsehen weggebombt hat, praktisch alle unabhängigen Journalisten vor den mörderischen NATO-Handlangern am Boden geflüchtet sind und nur noch mit den angreifenden Staaten verbundene Propagandisten aus Libyen berichten, findet der Krieg gegen Libyen nun, zumindest was die Seite und Sichtweise der Anhänger der libyschen Regierung angeht, nun jedoch sozusagen im Dunkeln statt.

Es gibt derzeit keine zuverlässigen unabhängigen Informationen zur Gesamtlage in Libyen aus unabhängiger Perspektive, nur die verlogene Propaganda der NATO und ihrer Medien, Gerüchte und hier und da ein paar Bruchstücke an Infomationen, die die Lage an den Punkten beleuchten, wo sich die Menschen gerade befinden. Insgesamt sind das aber genug Informationen, um zu erahnen, was in etwas im Krieg gegen Libyen derzeit vor sich geht.

Zurerst einmal gibt es die Propaganda der NATO selbst. Die NATO gibt täglich bekannt, wie viele Bombenangriffe sie am Tag zuvor gegen Libyen gefllogen haben will. Am 01. September waren es der NATO zufolge 38 Bomberflüge gegen Libyen, und in den Tagen zuvor war es ähnlich. Das ist nicht weniger als die NATO in den letzten Monaten auch bombardiert hat. Schon aus dieser Information lässt sich schließen, dass der NATO-geführte Angriffskrieg gegen Liben nach wie vor mit ähnlicher Intensität weitergeht wie in den vergangenen Monaten. Wie einer öffentlichen Beschwerde von einem im westlichen Ausland lebenden Angehörigen von NATO-Bombenopfern zu entnehmen ist, trifft die NATO in Libyen mit ihren Bomben nach wie vor die Zivilbevölkerung.

In der Propaganda der NATO-Medien werden die nach wie vor nicht von NATO-Hilfstruppen besetzten Städte Sirte, Muammar Gaddafis Heimatstadt an der zentralen Küste, und Bani Walid, die 150km südöstlich von Tripolis gelegene Heimatstadt des großen Warfalla-Stammes der Ehefrau von Muammar Gaddafi, als die wichtigsten gegenwärtigen Ziele der NATO-Bomben genannt. Der Propaganda der NATO-Medien zufolge nicht von NATO-Hilfskräften besetzt ist außerdem die Wüstenstadt Sabha tief im Südwesten von Libyen. Glaubt man der gängigen NATO-Propaganda, dann sind diese drei Städte, in denen Muammar Gaddafi Zustimmungsraten von bis zu über 99% genießen soll, die einzigen noch verbliebenen Städte unter Kontrolle der Regierung.

Doch auch die NATO-Propaganda musste inzwischen einräumen, dass es Orte gibt, die zwar nach offizieller Lesart unter der Kontrolle ihrer Hilfskräfte unter der Flagge der Monarchie stehen, wo jedoch tatsächlich noch die grüne Flagge der Jamahiriya weht. Die Stadt Tarhuna 80 km südöstlich von Tripolis ist beispielsweise so ein zugegebener Fall. Die NATO-Hilfskräfte unter der Fahne der Monarchie haben sich dort vor der Stadt in einer ehemaligen Militärbasis eingerichtet, sie lassen die Einwohner der Stadt in Ruhe und die Einwohner der Stdat lassen sie in Ruhe und damit gilt die Stadt als erobert, obwohl in der Stadt selbst nach wie vor überall grüne Fahnen wehen.

Aber auch dort, wo die Flagge der Monarchie weht, ist es längst nicht klar, ob die Menschen da die NATO-Hilfstruppen wirklich begrüßen. Die Annahme, dass an einigen Orten die Flagge der Monarchie nicht aus Loyalität gehisst wurde, sondern nur deshalb, um die NATO temporär von Bombenangriffen abzuhalten, ist nicht weit hergeholt. Denkbar ist ein Szenario, dass Ortschaften und Nachbarschaften in Libyen öffentlich die Flagge der Monarchie hissen und nachts losziehen, um eben jene, die dieses neue Regime wirklich vertreten, sabotieren oder umbringen. Um den Widerstand zu brechen könnte ein neues Regime dann mehr oder minder staatliche Todesschwadrone einsetzen, was westliche Kriegsplaner gelegentlich als die El-Salvador-Option bezeichnen. So in etwa könnte das jedenfalls in Bagdad gewesen zu sein. In den von Wikileaks veröffentlichten Iraq War Logs war Mord durch Unbekannte in Bagdad in den Jahren nach der Besatzung die mit Abstand am häufigsten angegebene Todesursache.

In Libyen sprechen nun, da die NATO mit dem Großangriff definitiv anstelle der Eröffnung eines Dialoges eine militärische Lösung in Form eines vollständigen Sieges über die Jamariya durchzusetzen versucht, viele Umstände dafür, dass es dort über Jahre oder gar Jahrzehnte ähnlich blutig wie in Afghanistan oder im Irak werden könnte. Politisch gesehen scheint es in Libyen derzeit drei gewichtige Fraktionen zu geben.

Zum Einen sind das die Handlager des Westens. Ihr Ziel besteht darin, Libyen in eine Demokratie westlichen Typs mit westlich orientierter Außenpolitik zu verwandeln und sich selbst in diesem System zur herrschenden Kraft aufzuschwingen. Ihre Stärke liegt darin, dass sie die militärische Unterstützung der NATO haben und sie vom Westen Gelder aus dem eingefrorenen libyschen Auslandsvermögen bekommen, mit denen sie sich Loyalität erkaufen können und militärisch von Hooligans westlichen Typs unterstützt werden, aus denen sich in der Zukunft theoretisch so etwas wie eine neue Armee formen ließe.

Zum Zweiten sind das die Verfechter eines strikteren Islam. Ihr Ziel besteht darin, Libyen in ein strikter islamisches Land der Sharia mit islamisch-arabisch orientierter Außenpolitik zu verwandeln. Ihre Stärke liegt darin, dass es in Libyen zahlreiche streng gläubige Muslime gibt, sie im Klerus eine effektive Führung hat, die zahlreiche Menschen erreicht und begeistern kann und aus ihren Reihen der größte Teil der Kämpfer der Aufständischen stammt.

Zum Dritten sind das die Anhänger des Rätesystems der libyschen Volksrepublik, in Libyen Jamahiriya genannt. Ihr Ziel besteht darin, Libyen als eine multikulturelle Volksrepublik mit anti-kolonialistisch und afrikanisch orientierter Außenpolitik zu erhalten. Ihre Stärke liegt darin, dass sie den Rückhalt der meisten der 20 bis 30% der Bevölkerung ausmachenden Bevölkerungsminderheit mit schwarzer Hautfarbe, der Sozialisten, der anti-kolonialistisch orientierten laizistischen Muslime sowie anderer Minderheiten haben, die sich weder von den Handlangern des Westens noch von den islamischen Kräften vertreten fühlen, und dadurch, dass ihre Anhänger in den letzten Jahrzehnten einen Großteil des militärischen Personals von Libyen gestellt haben, eine große Anzahl militärisch erfahrener Kämpfer haben.

Als wäre es nicht schon schwierig genug, diese entgesetzten politischen Vorstellungen soweit zusammenzubringen, dass die Menschen im Großen und Ganzen friedlich miteinander leben, so werden die Kräfteverhältnisse dieser drei politischen Fraktionen vom Einfluss der Stammeszugehörigkeit und eng damit verknüpften regional unterschiedlichen Machtstrukturen überlagert.

In der libyschen Jamahiriya werden die drei politischen Kräfte derart zusammengebracht, dass es – seit der von en USA mit Kriegsdrohungen erzwungenen Öffnung vor etwas mehr als fünf Jahren – Kooperationen mit der westlichen Welt im „Sicherheitsbereich“ und Unternehmertum westlichen Typs gibt – wobei Schlüsselbranchen wie Öl und Banken jedoch unter Kontrolle des Staates blieben -, dass das der Rechtsprechung zugrundeliegende Gesetz die Scharia ist und das politische System eine auf Basiskongressen basierende Volksrepublik ist. Zur Vermeidung von Stammeskonflikten wurden die großfamiliären Stammesstruktruren explizit in das staatliche System der Volkskongresse eingebunden. Den auf dem Einfluss der Stammesstrukturen bedingten regional unterschiedlichen Machtstrukturen wurde durch ausgeprägtem Föderalismus Rechnung getragen.

Gegenwärtig führen die Handlanger des Westens gemeinsam mit den Verfechtern eines strikteren Islam geführt von der NATO und den Golfdiktaturen Krieg gegen die Anhänger der Jamahiriya führen. Die von der NATO geführten Kräfte haben in weiten Teilen Libyens nun die Oberhand und beherrschen dank der NATO-Bomben Regierungsgebäude und Checkpoints, während die Anhänger der Jamahiriya unter Führung von Muammar und seinem Sohn Saif Al-Islam Gaddafi in vielen Städten Libyens in der Position von Guerilla-Kämpfern sind.

Bei entsprechender Unterstützung durch einen nennenswerten Teil der Bevölkerung, und die scheint es zu geben, kann dieser Guerilla-Krieg gegen eine von der NATO installierte neue Regierung im Prinzip ähnlich lang und zäh werden wie der von Mullah Omar und der ehemaligen Taliban-Regierung angeführte Guerilla-Krieg in Afghanistan gegen die NATO die von der NATO installierte Regierung Karsai. Waffen gibt es in Libyen mehr als genug und durch ihre rassistischen Morde an Schwarzen und die völlige Unterdrückung der politischen Freiheit der Anhänger der Jamahiriya haben die von der NATO unterstützten Kräfte entscheidende Motivationshilfe für eine bewaffnete Guerilla-Bewegung gegen die von der NATO unterstützten Kräfte geliefert.

Die von der NATO gestützten Kräfte, die eine Demokratie westlichen Typs in Libyen wollen, haben ihre eigenen Ideale umgehend verraten und sind bereits jetzt moralisch völlig bankrott. Sie gaben vor, sie wollten Liyben zur Prosperität führen, doch sie haben Libyen in Schutt und Asche gelegt. Sie gaben vor, sie wollten mehr Redefreiheit, doch jeder, der sich in Reden für die Jamahiriya einsetzt, wird verhaftet. Sie behaupteten, sie wollten Versammlungfreiheit, doch jede Versammlung, auf der grüne Tücher gezeigt werden, wird beschossen. Sie werden es sehr schwer haben, ausreichend Unterstützung in der Bevölkerung zu finden, um ein neokoloniales Marionettenregime nach dem Geschmack der NATO aufbauen zu können. Damit, dass sie anstatt ihre Macht über das Zeigen von Stärke und Verhandlungen auszubauen, ihre Macht durch nichts als Blutbäder, NATO-Bomben und Repression erlangt haben und halten, haben sie selbst dafür gesorgt, dass ihnen Widerstand in jeder Form entgegenschlagen wird.

Weit besser stehen die Kräfte da, die einen strikteren Islam wollen. Sie können darauf verweisen, dass sie der westlichen Verdorbenheit, der sozialistischen Korruption und der Kollaboration von Teilen der Jamahiriya ein Ende bereiten wollten und dieses Ziel durch den bewaffneten Kampf erreicht haben. Sie stellen die meisten der Kämpfer, die nun zu „Sicherheitsorganen“ werden und sie haben eine nennenswerte Basis in allen Schichten der Bevölkerung Libyens, die vom islamischen Klerus geführt, geformt und zusammengehalten wird. Sie sind innerhalb der von der NATO unterstützten Kriegskoalition mit Abstand die stärkste Kraft und deshalb bewegen sich alle politische Kräfte Libyens in sie hinein oder auf sie zu. Die weitere innen- und außenpolitische Entwicklung Libyens hängt davon ab, ob die NATO diesen Flügel weiterhin dabei unterstützen wird, seine innen- und außenpolitischen Vorstellungen durchzusetzen. Um eine Massenbasis in Libyen zu haben, muss auch die NATO diese politische Kraft Libyens unterstützen. Konkret bedeutet das, dass die NATO innenpolitisch die Scharia als Quelle von Recht und Gesetz und außenpolitisch unter Anderem die politische Annäherung Libyens nciht nur an Katar, die VAE und Saudi Arabien, sondern auch an die ägyptische Muslimbruderschaft, die palästinensische Hamas, die tunesische Ennahar, die libanesische Hisbollah und den Iran akzeptieren muss. Die Idee, dass es angesichts dessen in der Zukunft zu Konflikten zwischen der NATO und den Verfechtern eines strikteren Islam in Libyen kommen kann, ist sicher nicht weit hergeholt.

Die Anhänger der Jamahiriya setzen im Kern auf einen antikolonialen Kampf und werben dabei darum, dass Verfechter eines strikeren Islam mit ihnen dabei eine Allianz eingehen, und sie dann gemeinsam alle Handlanger des Westens marginalisieren. Dies zeigt sich beispielsweise daran, dass Muammar Gaddafi nicht mehr zum Kampf gegen „Al Qaeda“, sondern zum Kampf gegen die Kolonialisten aufruft, daran, dass Saif Al-Islam Gaddafi zum Jihad aufruft, und daran, dass das Green Committee Movement den als Playboy verrufenen Sohn von Muammar, Hannibal Gaddafi, öffentlich fallen gelassen hat. Außenpolitisch können die Anhänger der Jamahiriya Unterstützung aus Teilen Schwarzafrikas, Teilen Lateinamerikas, von Teilen der sunnitischen Widerstandsbewegung im Irak sowie von Teilen des antikolonialen Widerstands in Afghanistan in den Kampf gegen die Kolonialherrschaft der NATO über Libya einbringen. Dazu haben sie eine militärisch und politisch erfahrene Führungsschicht. Dass die NATO und ihre Handlanger es trotz größter Anstrengungen bis heute nicht geschafft haben, Muammar Gaddafi, Saif Al-Islam Gaddafi, Khamis Gaddafi oder irgendeinen anderen hochrangigen Funktionsträger zu fangen, spricht Bände über die Fähigkeit der Führungsschicht der Jamahiriya, einen Guerilla-Kampf zu führen. Ein Tei des Guerilla-Kampfes wird zweifelsohne darin bestehen, die von der NATO eingesetzte Marionettenregierung mit Personen zu infiltrieren, die keine Handlanger der NATO sind, sondern sich wie der Widerstand der Jamahiriya dem anti-kolonialen Kampf verpflichtet fühlen.

Um dem anstehenden Guerilla-Krieg zu vermeiden, müssten nun alle gesellschaftlichen und politischen Kräfte zusammengebracht werden, und die Macht anhand der tatsächlichen realistischen Kräfteverhältnisse verteilt werden. Das geschieht aber nicht. Stattdessen gibt es brutale Repressionen von Seiten der Lakaien der NATO gegen die Anhänger der Jamahiriya wie Massenverschleppungen und willkürliche Exekutionen. An Demokratie und Wahlen, so wie sich das Teile der von der NATO unterstützten Käfte denken, ist unter solchen Umständen nicht zu denken.

Und das von der NATO installierten Marionettenregime gibt das inzwischen auch offen zu. Seinen Sitz in Tripolis einzunehmen, traut sich das Marionetttenregierung immer noch nicht, weil das da wegen des Widerstandes zu unsicher ist. Mit dem Einberufen einer „verfassungsgebenden Versammlung“ durch eine Wahl in einem noch nicht näher bestimmten Modus möchte das Marionettenregime sich acht Monate Zeit nehmen, und bis zum Ausarbeiten einer Verfassung und der Abhaltung einer Abstimmung darüber und Wahlen plant das Marionettenregime dann insgesamt 20 Monate Zeit verstreichen zu lassen. In diesem Prozess wird es zwangsläufig viele Konfliktpunkte geben, und es ist durchaus möglich, dass das Marionettenregime der NATO dabei kollabiert und für lange Zeit eine Situation wie in Somalia entsteht, wo jede Miliz nach eigenen Maßstäben regiert.

Für die Anhänger der Jamahiriya kommt es nach wie vor vor allem darauf an, die NATO, ihre Bomben und ihre Kolonialisten loszuwerden. Ein vergeichsweise unblutiger Weg dahin könnte für die drei großen derzeit offiziell unter der grünen Flagge der Jamahiriya stehenden Städte eine Lösung wie die in Tarhouna sein. Offiziell wird bekannt gegegeben, die Städte seien erobert, irgendwo in den Städten oder auch nur nahe dran, wird die Flagge der Monarchie gehisst und der NATO-Krieg damit offiziell für beendet erklärt. Damit hätte der Krieg gegen Libyen etwa den Stand erreicht, den der Krieg gegen den Irak hatte, als die USA Saddam Hussein aus Bagdad in den Untergrund nach Tikrit vertrieben hatten.

Doch um der Kampf um die weitere Ausgestaltung der innen- und außenpolitischen Verhältnisse ist damit selbstverständlich nicht beendet. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass es innerhalb des Marionettenregimes mehr Widerstand gegen den Kolonialismus gibt, als der NATO recht ist. Die Idee der von der NATO beherrschten UNO, nach Libyen Militärbeobachter, Sicherheitspersonal und quasi eine unter UNO-Flagge operierende Parallelregierung zu schicken, wurde aus Libyen rundweg abgelehnt. Mit einer Neuformierung der politischen Bündnisse ist im weiteren Verauf des Krieges zu rechnen.

Der räuberische Angriffskrieg gegen Libyen unter Führung der NATO ist bisher schon äußerst blutig und es ist lleider damit zu rechnen, dass er sehr blutig bleibt. Bisher hat der Krieg gegen Libyen nach Angaben von Aufständischen auf ihrer Seite run 50.000 Tote gekostet und nach Angabe des libyschen Regierungssprechers Moussa Ibrahim gab es auf der Regierungsseite vor dem NATO-Geführten Großangriff auf Tripolis etwa 40.000 Tote, zusammen dürfte die Zahl der Toten nach etwas mehr als sechs Monaten NATO-Krieg „zum Schutz von Zivilisten“ also inzwischen bei rund 100.000 liegen. Für die nähere Zukunft plant die NATO ein großes Massaker in der von Anhängern der Jamahiriya bewohnten Stadt Sirte, wodurch die Zahl der Toten sich nochmals deutlich erhöhen dürfte.

10 Gedanken zu “Krieg gegen Libyen geht im Dunkeln weiter

  1. sollte die zahl 100’000 stimmen bedeutet das bei einer bevölkerung von 6000000, dass ist das 1/60 der Bevölkerung. humanitäre verantwortung gemäss resolution wäre wohl somit nicht erfüllt, oder ab wieviele tote menschen kann eine bombardierung gemäss un sicherheitsrat gerechtfertigt sein.

  2. Wikipedia hat bei mir seit heute den Status „Neutral“ verloren:

    „Zudem betrachtet die Mehrheit der Libyer und auch der internationalen Staaten den Nationalen Übergangsrat als legitime libysche Interimsregierung.“

    -> Wo haben die bitte schön die Information her, dass die Mehrheit der Libyer den Übergangsrat als legitimen demokratischen Regierungsvertreter akzeptiert? Es ist ja nicht mal bekannt, wer im NTC (Übergangsrat) sitzt. Für wie blöd werden die Libyer gehalten?

    „Dieser wurde gebildet, nachdem sich Anfang 2011 ein Volksaufstand gegen Gaddafi erhoben hatte, der u.a. aufgrund der mangelnden Verhandlungsbereitschaft Gaddafis zu einem Bürgerkrieg in Libyen führte, in den später durch die UN-Resolution 1973 autorisiert auch die NATO eingriff.“

    -> Noch mehr „Volksverblödung“. Sollte da nicht eigentlich geschrieben sein, dass der NTC nach einem gewaltsamen, durch westliche Geheimdienste initiierten, Putsch an die Macht gekommen ist?

    Dass die Massenmedien uns hinters Licht führen, war mir klar, es geht ums Geld. Aber welchen Grund haben die Autoren von Wikipedia, uns diesen Blödsinn vor die Nase zu setzen? Da wirkt sogar die Bildzeitung seriöser…

    1. Wikipedia ist im Allgemeinen schon recht wahrheitstreu, und hier gibt es für die CIA-Machenschaften einfach keine gesicherten Quellen. Allerdings sollte man sich dort vor den hier von nina zitierten Äußerungen ebenso distanzieren, da auch hierfür keine gesicherten quellen existieren. Die NATO-Propaganda kann wohl kaum als seriöse Quelle angegeben werden. Ich denke, daß sich die Autoren dort schon in einer diesbezüglichen Diskussion befinden.

      1. @Nina
        Entgegen deiner Meinung gehe ich nicht davon aus, dass Massenmedien das Ziel haben, Geld zu verdienen. Ich denke, ihr Ziel ist es, die Menschen mit den Lügen der Herrschenden zu füttern, und dafür werden ihre permanenten Defizite finanziert. Die Herrschenden holen sich ihre Subventionen für die Massenmedien unter anderem dadurch zurück, indem sie die Staatskasse plündern, über die sie dank der von ihenn in den Massenmedien gepflanzten Lügen die Herrschaft gewinnen konnten.

        Die allermeisten Wikipedia-Artikel leiden unter schwerer Schlagseite. Gründe dafür sind unter Anderem die Pflicht zum neutralen Standpunkt, die Regeln zur Quellenauswahl und die leichte Manipulierbarkeit durch verdeckt arbeitende Interessengruppen wie PR-Agenturen und Geheimdienste.

        Die Pflicht zum neutralen Standpunkt wird in der Wikipedia so verstanden, dass nicht Wahrheit das Kriterium für Artikeltexte ist, sondern das, was woanders publiziert wurde. Nicht Wahrheitssuche ist Ziel der Wikipedia, sondern die Zusammenfassung dessen, was in regierungsnahen Massenmedien westlicher Länder publiziert wurde und dort nicht den Filtern der hausinternen Zensur zum Opfer gefallen ist.

        Dabei gilt den Regeln zur Quellenauswahl folgend, dass alle jene Medien, die die wie Judy Miler und die New York Times Lügengeschichten von Massenvernichtungswaffen im Irak verbreitet haben, von der Wikipedia als besonders hochwertig und glaubwürdig angesehen werden, und kleine und unabhängige Quellen übertumpfen und ausstechen.

        Durch den anonymen Aufbau ist die Wikipedia extrem anfällig für die Beeinflussung durch in Vollzeit agierende PR-Agenten und Geheimdienste. Solche finanzkräftigen und außerhalb der Wikipedia organisierten Ringe sind in der Lage, ihren Sockenpuppen bei Abstimmungen in der Wikipedia zu Mehrheiten zu verhalfen, ihnen Administrator-Posten zu sichern und Edit-Wars zu ihren Gunsten zu entscheiden.

  3. Neben diversen Unternehmen die darauf spezialisiert sind PR Aktionen im Internet durchzuführen, wozu auch das editieren von Wikipedia Artikeln zählt, gibt es ohne Frage staatliche Stellen, die solche Manipulation fördern. Vor ein zwei Jahren kam mal sowas über die US-Air Force heraus. Es gibt außerdem Schulungen für einfache Bürger, in denen diesen unter anderem beigebracht wird, wie man andere Meinungen über die Diskussionsseite diskreditiert und sie somit aus dem Artikel löscht. Aber in diesem Fall gehe ich stark von direktem Engagement staatlicher Stellen aus.
    Wie bei jedem Artikel, der in einem Mainstreammedium veröffendlicht, so auch bei Wikipedia-Artikeln, lohnt es sich zunächst auf die Diskussionsseite zu sehen, bevor man den Artikel selbst ließt. :D
    Das Verfahren dieser Leute ist das seit Urzeiten erprobte diskreditieren durch ad hominem Argumente und weitere unredliche Diskussionsverfahren.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Eristische_Dialektik

    Besten Gruß,
    AmoFati

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