Derbe Wahlklatsche für FDP-Putschisten in Thailand

Die unter anderem von der deutschen Partei FDP bei der Vorbereitung des Militärputsches 2006 unterstützte Junta des Oxford-Absolventen Abhisit „Mark“ Vejjajiva hat bei den überraschend angesetzten thailändischen Parlamentswahlen eine derbe Klatsche kassiert.

Als die Putschisten und der König im Mai Wahlen ansetzten, um ihrer Junta einen Anschein von Legitimität zu verleihen, sah es in Umfragen so aus, als läge die Putschistenpartei, die sich in Thailand zynischerweise Demokratische Partei nennt, mit 36% nur 5% hinter den auf 41% Zustimmungsrate kommenden Roten, also nichts, was für die Putschisten, den König und das Militär mit dem Erschießen einiger Soldaten des benachbarten Kambodscha zum Steigern des Ansehens des thailändischen Militärs nicht steigerbar und mit etwas Stimmenkauf, Wahlfälschung, Gerichtsschikanen und zusammengekauften Koalitionen nicht lösbar wäre. Doch bei der heutigen Wahl in Thailand errangen die Roten trotz der Wahlfälschungsversuche der Putschisten 264 von 500 Parlamentssitzen, also mithin auf 52,8% der Sitze, während die Putschisten mit 160 Sitzen, also 32% der Sitze vorlieb nehmen müssen.

Nun sehen sie ziemlich alt aus, die Putschisten, die Monarchen, die Militärs und ihre Freunde in den USA, Europa und Deutschland. Dabei ist Thailand schon lange eines der Länder, in denen sich ganz besonders deutlich zeigt, was damit gemeint ist, wenn Politiker und Massenmedien in Nordamerika und Westeuropa von Demokratie, Freiheit und Menschenrechten, oder kurz vom westlichen Wertesystem, reden.

In den letzten Jahrzehnten war das Königreich stets dem Kampf für die westlichen Werte verpflichtet. So unterstützte Thailand den gerechten Kampf der USA gegen linke Tendenzen in Vietnam nicht nur durch die Errichtung von US-Basen in Nordvietnam, sondern auch durch den Aufbau einer von den Frauen des streng kapitalistischen Königreiches getragenen Spaß- und Entspannungsindustrie für die zahlreichen US-Soldaten, die sich bei der massenhaften Ermordung von linken Südostasiaten und potentiellen Sympathisanten in Vietnam profiliert hatten.

Auch in Thailand selbst wird der antikommunistische Kampf an der Seite der USA traditionell mit großer Entschiedenheit geführt. So führten die Soldaten des Königs in der nordthailändischen Region Isan von der Zeit des Engagements der USA „zum Voranbringen der Bewahrung des internationalen Friedens und der Stabilität in Südostasien“ bis in die 80er Jahre hinein aufwändige Feldzüge zur Säuberung der Region von möglichen Kommunisten durch. Die Herausforderung durch linkslastige Menschen, die meinten, an den politischen Verhältnissen in Thailand durch friedliche Demonstrationen in der Hauptstadt etwas ändern zu können, löst das kapitalistische Königreich Thailand traditionell durch die Massakrierung der Demonstranten, so zum Beispiel am 6. Oktober 1976 und im Mai 1992.

Als freundliche Fassade für die Diktatur dienten Thailand Wahlen, bei denen die Thailänder entscheiden durften, wer die antikommunistische Politik in der Monarchie leitet. Im Jahr 2001 wurde so der mit Computern und Mobilfunk zu Reichtum gekommene Geschäftsmann Thaksin Shinawatra zum Regierungschef von Thailand gewählt. Doch er machte sich schnell unbeliebt.

Mit einer äußerst preiswerten staatlichen Krankenversicherung, von der besonders der ärmere Teil der Bevölkerung profitiert, sowie mit Reformen zur Verbesserung des staatlichen Schulwesens, insbesondere in ärmeren ländlichen Gebieten, verwässerte er die Reinheit des Kapitalismus. Eine Unverschämtheit war es auch, dass er nicht nur mit den USA, sondern auch mit China über eine Freihandelszone verhandelte. Als er sich dann auch noch den desaströsen Forderungen der Weltbank widersetzte, Staatsunternehmen zu privatieren und an westliche Kapitalisten zu verramschen, und stattdessen eine Politik der Re-Nationalisierung forcierte, war es um Thaksin geschehen. Das war zuviel des Kommunismus. Er musste weg

Die im Durchführen von Regime Changes per bunter Revolution erfahrenen USA und langjährige Vasallen wie die deutsche FDP organisierten einen gelben Strauß an monarchistischen Demonstrationen und als Thaksin bei der UNO-Vollversammlung 2006 in New York war, übernahm das thailändische Militär wie von den USA gewünscht, Geist und Buchstaben der UNO-Charta sowie das Gewohnheitsrecht der USA Regime Change in fremden Ländern würdigend, mit Panzern die Macht in Thailand und erklärte die gerade frisch wiedergewählte thailändische Regierung für abgesetzt.

Die Partei der roten Thaksin-Regierung wurde verboten, Thaksin selbst mit jeder Menge mehr oder weniger sinnigen Strafgerichtsverfahren überhäuft und kaum ein Jahr später wurden Neuwahlen abgehalten. Die hat dummerweise die von den Thaksin-Leuten gegründete Nachfolgepartei gewonnen. Also wurde auch diese Partei von der königstreuen Justiz kurzerhand verboten und so vielen siegreichen Politikern der Thaksin-Bewegung Politikverbot erteilt, dass der von den USA und ihren Vasallen geförderte Putschist an die Macht kam. Die deutsche CDU-Parteistiftung schrieb über diesen Sieg der von der westlichen Wertegemeinchaft unterstützten Putschisten daraufhin triumphierend:

Die älteste Partei Thailands, die Democrat Party (DP), übernimmt nach fast einem Jahrzehnt Opposition die Regierung in Thailand. Abhisit Vejjajiva ist der 27. Premier des Königreiches. Damit löst er das sogenannte Thaksin-Regime ab. Erst eine Kombination mehrerer Maßnahmen machte den Machtwechsel möglich: Ein Militärputsch, mehrere Parteiauflösungen, eine neue Verfassung, eine übereifrige Justiz, sechs Monate Straßendemonstrationen und schließlich auch die Unterstützung des Militärs.

Seltsamerweise waren die Wähler, die die Partei des ehemaligen Regierungschefs gewählt hatten, gerade weil Thaksin für solche antikapitalistischen Undinge wie die Einführung einer preiswerten staatlichen Krankenversicherung verantwortlich zeichnete, mit der Umdrehung des Wahlergebnis durch die Diktatur nicht so recht zufrieden. Im Frühjahr 2010 gingen die als Rothemden bekannten Anhänger von Thaksin, Anhänger der Demokratie und Gegner der Diktatur gemeinsam demonstrieren und machten Sit-Ins mitten in der Hauptstadt Bangkok.

Dieses Problem löste der vom Westen an die Macht geputschte Regierungschef Abhisit Vejjajiva des guten Kapitalismus wieder auf traditionelle Art. Erst rief er hochoffiziell eine sogenannte „Live-Fire-Zone“ aus, wodurch es Snipern der Polizei und dem Militär nach Gutdünken jeden Menschen zu erschießen, der sich im Stadtzentrum von Bangkok auf der Straße aufhielt, und dann ließ er den Rest der trotzdem nicht weggelaufenen Demonstranten durch Polizei und Militär massakrieren.

Und nun hat also Yingluck Shinawatra, die jüngste Schwester des im Exil weilenden Thaksin die Wahen gewonnen. Und genau wie ihr Bruder Thksin hat sie angekündigt, übelste Vebrechen gegen den heiligen Kapitalismus zu begehen. So soll zukünftig beispielsweise jeder Student einen preiswerten Handcomputer von der Regierung geschenkt bekommen. Geschenkt! Grausamer kann man sich kaum am Kapitalismus versündigen.

Abzuwarten bleibt, wie Monarchie, Militär und westlliche Wertegemeinschaft auf den erneuten Wahlsieg der Roten in Thailand reagieren werden. Werden sie unter dem Jubel von FDP, CDU und der US-geleiteten Presse einfach nur die Partei der Wahlsieger verbieten und den gewählten Politikern das Mandat entziehen? Oder werden sie gleich wieder im Namen der Demokratie putschen und die Panzer in Bangkok auffahren lassen? Die Alternative, dass Thailand sich nun dem wichtigen Handelspartner China, mit dem Thailand seit 2010 durch das ASEAN-China-Freihandelsabkommen eng verbunden ist, immer weiter annähert, kann die westliche Wertegemeinschaft wohl kaum akzeptieren.

Oder sollte sich die „westliche Wertegemeinschaft“ nun endlich dazu durchringen, die demokratischen Entscheidungen der Wähler von Thailand zu respektieren und sich für die Unterstützung der Diktatur zu entschuldigen? Nötig wär’s. Das Ansehen der westlichen Wertegemeinschaft wird das zwar nicht reparieren können, aber zumindest die Verachtung etwas abnehmen.

8 Gedanken zu “Derbe Wahlklatsche für FDP-Putschisten in Thailand

  1. Hallo und guten Morgen,

    Klasse Bericht. Erinnert so an Lybien. Übrigens hab ich am Donnerstag 2 Unternehmer zugehört. Der eine aht einen guten Freund in Lybien. Seine Behauptung: Die MSM haben recht. Das arme unterdrückte Volk. Sein Freund hat ihm vom Freiheitskampf berichtet. War schwer ihm nicht zu erklären, dass sein Freund vermutlich auch ein US-Vasall ist.
    Ich weiss nicht ob die Chinesische Regierung gut gelernt hat von den am. und europäischen Freunden. Warum einen kleinen Krieg riskieren wenn man alles günstig kaufen kann. Ich hätte mich riesig gefreut wenn die chinesische Regierung Griechenland aus den Schulden freigekauft hätte – mit fast wertlosen amerikanischen Dollars. Da hätten die deutschen Banken und die EU gekotzt.
    Scheint noch nicht so weit zu sein.
    Mit freundlichem Gruß aus Baden.

  2. Ein dankenswerter Artikel!

    Hier etwas ältere, aber durchaus lesenswerte Artikel zur Situation und zur jüngeren Vergangenheit Thailands

    „RATCHAPRASONG, DIE KLAGE“ – http://www.schoenes-thailand.de/startseite/icc-klage/7430-ratchaprasong-die-klage-4

    „WAS THAILANDS PRESSE VERGASS 2010 ZU BERICHTEN“ – http://www.schoenes-thailand.de/startseite/analysen/7168-was-thailands-presse-vergass-2010-zu-berichten

    „DAS MASSAKER AN DER THAMMASAT-UNIVERSITÄT“ – http://www.schoenes-thailand.de/geschichte/1976/6480-das-massaker-an-der-thammasat-universitaet

  3. Die unbelehrbar wilhelminisch-nationalsozialistische Außenpolitik Deutschlands kann man gerade am Einfall des deutschen Außenamtes im Sudan erkennen (für Thailand und Honduras und und und … gilt genau dasselbe) :
    http://islamicrevolutionservice.wordpress.com/2011/01/10/vom-nutzen-der-sezession/

    NIEMAND war so „zersetzend“ wie gerade die Nazis SELBST!
    Zerzetzender geht doch nicht, als wenn man einen Teil der Bürgerschaft für „edel“ erklärt und den anderen Teil – sog. „Juden“, sog. „Zigeuner“, sog. „Slaven“, sog. „Demokraten“ – als reif für den Ofen! Auch hat niemand gerade die „Wehrkraft“ Deutschlands dermaßen zersetzt wie die Nazis. Sogar im verherenden 30-jährigen Krieg sah es nie so schlimm aus!

    Gut, gut, … zur Auflockerung der Stimmung: http://pics.nase-bohren.de/sleeping-cute.jpg .

  4. Und wenn sich Rußland (Medwedew) und die Türkei schon auf die Seite dieser Raubmörder stellen, dann sollte man es vielleicht mit China probieren.
    Obwohl … obwohl … man gerade bei diesen kleinen chinesischen Mädchen immer ein bißchen aufpassen muß ( http://pics.nase-bohren.de/kids-tape.jpg )!

  5. Da muß man doch diese kriminelle Partei verklagen !

    Grundgesetzauszug:
    Artikel 26 Verbot eines Angriffskrieges
    (1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.