Was macht die Türkei anders in Afghanistan?

Die Türkei hat im Rahmen der „Internationalen Sicherheitsunterstützungstruppe“ ISAF seit geraumer Zeit über 1700 Soldaten in Afghanistan stationiert. Die türkischen Soldaten befinden sich wie die deutschen Soldaten zum Teil in Kabul, zum Teil aber auch in schwerem Gebiet, wie zum Beispiel der Provinz Wardak, wo die Türkei das Provinzielle Wiederaufbau-Team PRT Maidan Shahr leitet.

Über die Webseite iCasualties.org, auf der die durch den Afghanistan-Krieg ums Leben gekommenen ausländischen Soldaten aufgelistet werden, lässt sich herausfinden, dass bisher exakt zwei türkische Soldaten in Afghanistan gestorben sind, und dass Ursache ihres Todes ein Verkehrsunfall war.

Zum Vergleich: Die USA stellen derzeit etwa 90.000 Soldaten und haben 1595 Tote zu verzeichnen, also etwa 17 Tote pro Tausend Soldaten. Das Vereingte Königreich von Großbritannien und Nordirland hat etwa 9.500 Soldaten in Afghanistan und 368 Tote zu beklagen, also rund 38 Tote pro Tausend stationierte Soldaten. Die deutsche Bundeswehr hat derzeit rund 5.000 Soldaten in Afghanistan stationiert und 52 Todesfälle zu verzeichnen, also etwa zehn Tote pro Tausend stationierte Soldaten.

Bei rund zehn Toten pro Tausend stationierten Soldaten liegt auch die Todesrate der Polen, die etwa 2500 Soldaten in Afghanistan stationiert haben. Bei Italien und Frankreich, die jeweils rund 4.000 Soldate in Afghanistan stationiert haben, liegt die Todesrate bei 14 bzw neun pro Tausend Soldaten. Das sind unter den großen Truppenstellern vergleichsweise niedrige Todesraten. Am höchsten sind die Todesraten bei Kanada und Dänemark, die 2.900 bzw 700 Soldaten in Afghanistan stationiert haben, nämlich jeweils etwa 53 Tote pro Tausend in Afghanistan stationierte Soldaten.

Bei der Türkei sind es hingegen, wie oben bereits erklärt, lediglich etwa ein Toter pro Tausend in Afghanistan stationierte Soldaten, und im krassen Unterschied zu allen anderen großen Truppenstellern ist kein einziger türkischer Soldat in Afghanistan durch eine feindliche Handlung ums Leben gekommen. Was macht die Türkei anders in Afghanistan?

Natürlich hat die Türkei es einfacher, weil sie ein muslimisches Land ist, und die meisten türkischen Soldaten trotz des in der Armee herrschenden sekulären Kemalismus Muslime sind. Die Türken werden in Afghanistan deshalb nicht einfach als Kreuzzügler wahrgenommen. In andren Armeen der NATO gibt es allerdings auch Muslime. So hat die US-Armee beispielsweise im Oktober 2001 stolz bekannt gegeben, dass es in der US-Armee 10.000 bis 20.000 Muslime gebe. In Afghanistan ist von denen jedoch praktisch nichts zu sehen, obwohl es sicher einen Unterschied in der Wahrnehmung machen würde, zumindest die Führungspositionen der ISAF in Afghanistan mit Muslimen besetzt wären, und die muslimischen Offiziere dann natürlich auch dafür sorgen, dass sich die ihnen untergebenen nicht-muslimischen Soldaten sich entsprechend der muslimischen Sitten verhalten.

Wie verhalten sich türkische Soldaten anders? Es fängt bei der Führung an: Trotz hartnäckiger Bitten der USA hat die Türkei keine Kampftruppen nach Afghanistan geschickt. Für Kämpfe hat die Türkei keinen einzigen Soldaten bewilligt. Die Tükei geht in Afghanistan nicht auf Menschenjagd. Die dahinter stehende Verhaltensregel gibt es auch im Christentum: Du sollst nicht töten! Nur haben die christlichen Soldaten in Afghanistan und insbesondere ihr Führungspersonal diese Regel offenbar vergessen.

In Nuristan zum Beispiel haben die USA mit einem Bombardement gerade 112 Menschen umgebracht, darunter 22 afghanische Polizisten. Und im Distrikt Nawzad haben die USA gerade zwölf Kinder und zwei Frauen umgebracht. Es braucht sich angesichts dessen niemand zu wundern, dass afghanische Widerstandskämpfer amerikanische Soldaten umbringen.

Deutlich zu erkennen war das Muster der tödlichen Eskalation auch bei den jüngsten Ereignissen in der Provinz Takhar. Zunächst haben Koalitionskräfte gemeinsam mit afghanischen Soldaten in der unter deutschem Oberkommando von deutschen Soldaten kontrollierten Provinz Takhar in einem nächtlichen Überfall vier Afghanen umgebracht, darunter zwei Frauen. Dagegen haben in der Provinzhauptstadt Taloqan einige Tausend Menschen unter anderem vor dem Stützpunkt der deutschen Soldaten dort wütend und Brandsätze werfend protestiert, und deutsche und afghanische Soldaten haben es mit der Angst bekommen rund ein Dutzend der Protestierenden erschossen und Dutzende weitere verletzt. Kurz darauf hat ein Selbstmordattentäter im Hauptquartier des Gouverneurs von Taloqan zwei deutsche Soldaten sowie zwei ranghohe afghanische Polizeibosse getötet und den deutschen Kommandeur für Nord-Afghanistan verletzt.

Angefangen hat die Eskalation mit dem nächtlichen Überfall der Koalitionstruppen, bei dem unter anderem zwei Frauen getötet wurden. Die Türkei macht das anders. Türkische Soldaten bringen keine Afghanen um. Und siehe da: Afghanen töten auch keine türkischen Soldaten.

Was macht die Türkei in Afghanistan, wenn türkische Soldaten nicht kämpfen? Die Türkei hilft afghanischen Bauern dabei, Safran richtig anzupflanzen, sie bringt Afghanen Lesen und Schreiben bei und sie eröffnet Computer-Zentren.

Natürlich, ohne zu kämpfen wird die Türkei die Taliban nicht besiegen. Aber warum sollte sie auch? Wie Ulrich Ladurner den Lesern der Zeit vor einem Jahr eindrucksvoll geschildert hat, werden die Taliban von vielen Afghanen als die kompetentere Alternatve zur in vielerlei Hinsicht unfähigen Karzai-Regierung wahrgenommen. Und wenn die Afghanen von Mullah Omar und seinen Taliban regiert werden wollen, was geht das irgendwelche Ausländer an? Nichts. Es ist eine interne Angelegenheit der Afghanen, zu entscheiden, von wem sie regiert werden wollen und wie die Verfassung ihres Staates aussieht.

Die Beziehungen der Türkei zu den Taliban sind dank des zurückhaltenden Engagements der Türkei in Afghanistan so gut, dass ernsthaft darüber nachgedacht wird, die Taliban in der Türkei ein offizielles Büro eröffnen zu lassen. Warum auch nicht? Wenn die Taliban ein offizielles Büro haben, wo ihre Ansprechpartner zu erreichen sind, dann fällt es leichter, Missverständnisse auszuräumen und eine Friedenslösung für Afghanistan auszuhandeln.

13 Gedanken zu “Was macht die Türkei anders in Afghanistan?

  1. …und die muslemischen türken verschleppen und vergewaltigen auch keine afghanischen frauen. ob es euch gefällt oder nicht: ich … den afghaniaschen widerstand zur liquidierung solcher soldaten und wünsche uns allen die baldige eleminierung des nato-gebildes.

  2. Seit einiger Zeit verfolge ich die Aussagen des türkischen Ministerpresidenten zum politischen Weltgeschehen.Erdogan scheint mir einer der wenigen Führungspolitiker zu sein,der seinen Verstand noch beisammen hat.Seine Kritik am Vorgehen der Volkstreter in Brüssel und allem voran seine ungeschminkte Direktive an Israels Massenmörder Netanjahu … prädestinieren ihn, von uns allen wahr-und ernstgenommen zu werden.

    Dass Die türkischen Soldaten ihren Dienst auf die oben beschriebene Weise verrichten,zeigt,dass sie den seelenlosen Kampfrobotern der westlichen Streitkräfte in jeglicher moralischen Hinsicht um Welten voraus sind.
    Wenn die Führung Moral auf der Basis ethischer Grundsätze vorgibt,dann werden diejenigen,welche dieser Führung verpflichtet sind,auch nach diesen Grundsätzen handeln. Ganz anders ist das offensichtlich bei den Alliierten Streitkräften,deren Führungen sämtliche Kriege in teuflischer Weise inszenierten,um sich Vorteile gegenüber der restlichen Welt zu verschaffen.Das Vorgehen des Westens in Afghanistan macht nur allzu deutlich,dass hier eine eiskalte und menschenverachtete Absicht dahintersteht,welche uns allen mehr und mehr zu Bewusstsein kommt.
    Wir kennen ja wohl alle den Ausspruch:Wie der Vater so der Sohn.
    Dies als Grundsatz auf die staatlichen Führungen und deren Streitkräfte bezogen sollte uns mehr und mehr zu denken geben,und deshalb möchte ich heute sagen,dass ich dankbar bin,dass es derzeit einen Politiker gibt,der sich von der allgemeinen Speichelleckermentalität der politischen Klasse wesentlich unterscheidet.

  3. mhh macht schon nachdenklich die ganzen toten soldaten die für eine bessere zukunft dieses landes sorgen möchten!!!klasse bericht und tolle informationen weiter so gruß detlef

  4. Schön, daß man hier etwas über das türkische Kontingent in Afghanistan erfährt (das ist das erste Mal, daß ich etwas darüber lese).
    Und ja: Wirklich vorbildlich und beneidenswert die türkische Haltung! Und segensreich für die armen Afghanen – aber auch für die türkischen Soldaten.

    Die deutschen Soldaten fügen hingegen den Bürgern Afghanistan schwerstes Leid zu – und den Bundeswehrsoldaten selbst werden Charakter und Gemüt verkrümmt, und sie laden auch noch schwere Schuld auf sich.

    Daß das auch noch unter Bruch der Verfassung und des StGB erfolgt, macht das Maß des Elends voll. Denn damit greifen sie auch noch die Wurzel unserer Republik an. Dieser Vorwurf gilt vor allen den Befehlshabern.
    Dabei geht es nicht nur um die „Vorbereitung eines Angriffskrieges“, sondern direkt um „Totschlag“ oder „Mord“ oder Folter.

  5. Ein guter und mutiger Ansatz und Lösungsvorschlag der türkischen Regierung und der türkischen Militärs, wie ich bisher vernommen habe.

    Möge sich dies noch weiter zum Positiven entwickeln und weg kommen vom Besatzer hin zum Helfer.

  6. Schliesse mich den Kommentaren an. Interessanter und sehr aufschlußreicher Bericht.

    Aber trotz allen Problemen, die westliche Welt versucht hier, die Afghanen zu erziehen. Egal ob mit oder ohne die Türkei ( Nato Partner ).

    Bleibt zu hoffen, das sich eine Änderung einstellt, Frieden einkehrt und die Besatzer abziehen.

    Die Unterstützung im Lesen und Schreiben sowie dem Safran Anbau finde ich sehr zielgerichtet. Wichtiger als Computer wäre die Gesundheitsversorgung wie auch der Erhalt von kulturellen Gütern und des Glaubens im Lande. Je mehr westliche Einflüsse nach Afghanistan gebracht werden, desto abhängiger wird das Land. Siehe Afrika.

  7. Lasst mal diesen Erdogan aus dem Spiel.
    Alle seine Reden sind nur wegen den Wahlen.

    Ich komme hier auch aus der Türkei und die türkische Armee ist in der Türkei nicht besser.

    Sowieso müssen sie das machen, was sie von den imperialistischen westen zusagen bekommen.

  8. bei mir kommt hier wieder die frage aufs tablett, wer mit der verhausschweinung von soldaten wo angefangen hat. sowas haben doch nicht erst hitler und stalin erfunden. wo ist der ursprung? ich erinnere hier an mein sensibles pferd, die mir jedesmal, wenn wir diesen uk-ratten, pardon soldaten im wald begegnet sind, auf der hinterhand umgedreht ist und mich schnellstens in sicherheit gebracht hat. wohingegen sie an röhrenden lkws gelassen vorbei gegangen ist. ich bin dennoch auch davon überzeugt, daß sich moslemische soldaten – aufgrund von koran-regeln – menschlicher benehmen, in aller regel. mit dem türkischen ministerpräsidenten wird das weniger zusammenhängen

  9. Türkische Haltung in Afghanistan fast zu schön um wahr zu sein. Der Konversionsexperte Roland Vogt (Berufsangabe laut Handbuch des 10. Deutschen Bundestags: „Friedensarbeiter“ hat 2007 als er für die Bürgerinitiative FREIeHEIDe die Dankesrede aus Anlaß der Verleihung des Göttinger Friedenspreises hielt, als deutsche Haltung gefordert:
    „Deutsche töten keine Afghanen“. Aber wenn jemand so etwas in Deutschland sagt, schreit der politisch-journalistische Komplex: „Nur kein deutscher Sonderweg!“. Nun ist durch den Blog „Parteibuch“ zu erfahren, daß die Türkei von Anfang an diesen „Sonderweg“ in Afghanistan gegangen ist – und niemand droht, sie aus der NATO rauszuschmeißen. Es gibt noch Hoffnung auf der Welt es gäbe allerdings noch mehr davon, wenn die türkische Armee keine Kurden mehr umbringen würde (natürlich auch: wenn Kurden keine Türken mehr töten würden!)

  10. Jede Menge Unwahrheiten werden den Bürgern in USA und Europa durch die zensierten Medien berichtet. Wahrheit ist heutzutage eines der wichtigsten Themen welches die Bürger aller Nationen brauchen. Es kann nicht angehen, dass man jeder zensierten Nachricht der Welt seine Toleranz und Unbekümmertheit schenkt! Jeder Mensch ist frei von Natur aus, und kein Mensch hat das Recht dies zu zerstören. Lasst euch durch die Massenmedien nicht beirren, CNN ARD ZDF und Konsorten berichten das was die Geheimdienste der Imperialisten zulassen, sonst nichts. Der Mensch muss sich selbst schütteln und denken. Afghanistan Irak 9/11 Neonazis Konzentrationslager Gaza, Tötung von humatären Hilfspersonen, Verachtung von Menschenrechten, Verachtung der UNO, all das sehen wir die letzten Jahrzehnte mit offenen Augen und tun nichts anderes als uns die Faust in die Tasche zu drücken, anstatt die demokratischen Kräfte zu einigen um die dunklen Mächte dieser Weltregierung zu entmachten. Demokratie und Freiheit kommen nicht von alleine und bleiben auch nicht ohne weitere Bemühungen bestehen. Die Türkei ist zwar in Afghanistan bislang einer von den wenigen Ländern die sich wirklich um den Fortschritt der Menschen bemühen, aber das reicht nicht. Es kann nicht angehen, dass mörderische Soldatentrupps armseelige rückständige Menschen umbringen und der Welt erklären es wären Terroristen oder Menschen die es nicht verdient hätten zu leben. Anstatt die ISAF Soldaten nach Afghanistan zu verfrachten, hätte man lieber die afghanischen Soldaten in Ihren Ländern ausgebildet, somit hätte man vieles besser erreicht. Vielleicht liest irgendein Mensch der Politik diesen Beitrag und denkt nach wie man den dunklen Mächten der Welt Paroli bieten kann. Zusammenhalt aller Menschen aller Coleur und die haben keine Changen mehr die Menschheit gegenseitig aufzuhetzen.

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