Neues aus Pipelinistan

In jüngster Zeit war in den US-gesteuerten deutschen Massenmedien wenig die Rede vom großen Rennen um die neuen Erdgaspipelines nach Europa, und das, obwohl die Medien über Jahre hinweg immer wieder kleinste Erfolge der geplanten Ami-Pipeline Nabucco ganz groß gemeldet haben. Das mutet schon seltsam an, besonders wo die Medien den Menschen stats erklärt haben, wie wichtig es sei, mit der Erdgas-Pipelines Russland auszubooten, um dem Osten Europas todsicher die Freiheit nach amerikanischer Art zu bringen, die die ganze Welt seit 2003 im Irak bestaunen.

Wenn dann noch der Sohn eines langjährigen CIA-Zuträgers in der Presse substanzlos gegen die angeblich ach so schöckliche Machtpolitik Russlands hetzt und diese daran fest macht, dass Russland besser im Pipeline-Bauen ist als das Nabucco-Konsortium, dann mag man erahnen, dass die Amis da gerade deutlich auf der Verliererstraße sind und das durch etwas Zetern und Blenden zu übertünchen versuchen.

Und tatsächlich, schaut man hin, was die letzten Monate und Wochen in Pipelinestan so passiert ist, dann kann man verstehen, warum die Medien so ruhig sind. Für die Ostsee-Pipeline Nord Stream wurden gerade plangemäß die letzten Rohre verlegt, nun müssen die Teile noch zusammengeschweißt werden, dann die Leitung dann als Ganzes nochmal geprüft werden und schon kann der erste Strang der 55 Mrd m3/Jahr dicken Leitung wie geplant noch vor dem Winter 2011/2012 in Betrieb gehen. Es gäbe eigentlich viel zu berichten, die Sicherung der europäischen Energieversorgung und eine erwartete Stärkung der europäisch-russischen Freunschaft zum Beispiel, aber Nachrichten von deutsch-russischen Erfolgen mag die transatlantische Jubelpresse wohl nicht.

Die Amis verlieren durch die Pipeline die Möglichkeit, in Gas-Transitländern zwischen Russland und Deutschland wie Polen und der Ukraine pro-amerikanische bunte Revolutionen zu inszenieren, Statthalter der USA zu installieren und den Einfluss der Statthalter dann zu nutzen, um die deutsch-russischen Beziehungen zu stören. Die Pipeline dürfte nicht nur dazu beitragen, dass die deutsch-russischen Beziehungen gefestigt werden, sondern auch die CIA ein Stück weit das Interesse daran verliert, besonders viele Mittel für bunte Regime Changes in Ländern Zentraleuropas einzusetzen und diese Länder sich zukünftig ohne derart weitgehende amerikanische Einflussnahmen entwickeln können, wie sie die jüngere Vergangenheit gesehen hat. Glückwunsch an die Konstrukteure der Pipeline und auch an Gerhard Schröder, der der Pipeline gegen den heftigen Widerstand der transatlantischen Speichellecker politisch den Weg freigeboxt hat.

So ist es wenig verwunderlich, dass die deutschen Medien den anstehenden Besuch von Barack Obama bei seinem Statthalter in Polen bisher nicht besonders thematisieren. Die pollitische Klasse Polens hat sich durch Unterwürfigkeit zum US-Raketenschirm gegen Russland weltweit lächerlich gemacht und Polen verliert durch seine US-geführte russlandfeindliche Politik die Gas-Transitgebühren. Als Danke Schön für jahrzehntlange US-Vasallendienste hat Barack Obama für Pole nun das einzige im Gepäck, wovon die USA genug haben: Waffen. Konkret möchten die USA natürlich nicht Polen mit Waffen beschenken, sondern – natürlich ohne dass die USA Polen dafür bezahlen – ein paar ihrer F-16 Kampfflieger in Polen stationieren um Russland damit Angst zu machen. Damit die Polen nicht arg so sehr um Gastransitprofite trauern, möchten die USA Polen außerdem noch für die Förderung von Schiefergas gewinnen, wo zwar noch nicht klar ist, wann und wieviel Gas da am Ende wirklich rauskommt, aber dafür klar ist, dass Polen dafür ein idealer Standort ist, weil die Polen doch sicher anders als Frankreich um der guten transatlantsichen Freundschaft willen bei ihrer Umwelt nicht so genau hinschauen. Und sollte sich in Polen doch jemand kitische Gedanken über die Umwelt machen, so wird die in Polen herrschende selbstverständlich US-freundliche Springerpresse das schon zurechtbiegen.

Auch bei der geplanten südlichen 63 Mrd m3/Jahr dicken Gasleitung South Stream liegt die russische Gazprom gut im Plan: ausreichende Gasquellen sind gesichert, Transitverträge unter Dach und Fach, Abnehmer am Projekt beteiligt und die Finanzierung ist kein Problem. So wie es aussieht, wird durch South Stream 2015 plangemäß das Gas der Gazprom zu Kunden in Europa fließen.

Ganz anders sieht das von Transatlantikern in der EU und den USA vorangetriebene 31 Mrd m3/Jahr dicke Pipeline-Projekt Nabucco aus, mit dem Russland ausgebootet werden soll. Da fehlen Gasquellen ebenso wie wirtschaftlich tragfähige Transitvereinbarungen und gerade wurden auch noch zwei Jahre Projektverzögerung bis 2017 sowie riesige Kostensteigerungen im Planstadium ermittelt. Vorhanden sind mit IGTI und TAP hingegen zwei kleine regionale Alternativprojekte zu Nabucco, die zwar nicht für die geostrategische Machtpolitik der USA taugen, aber dafür nur einen Bruchteil kosten würden. Die Nabucco-Pipeline ist damit, so wie es jetzt aussieht, beim frühestmöglichen ersten Gasdurchfluss 2017 bereits vollkommen überflüssig, und steht, wenn die EU nicht viele Milliarden an Steuergeldern in ein überflüssiges Projekt stecken will, wohl ganz vor dem Aus. Kein Wunder also, dass die US-gesteuerten deutschen Massenmedien fast nichts mehr vom ehmals ständig thematisierten Pipeline-Rennen berichten. Nachrichten von der Niederlage des US-Imperiums werden eben lieber verschwiegen.

Die freundlichen Amis wollten, wie Wikileaks gerade enthüllte, vor ein paar Jahren Russland übrigens nicht nur von den europäischen Gasmärkten vertreiben, sondern auch mit aller Macht verhindern, dass Russland Öl- und Gasgeschäfte mit Libyen macht. Apropos, hier sind ein paar Bilder, die zeigt wie die Transatlantiker der NATO sich gegenwärtig um die libyschen Öl- und Gasressourcen bemühen:

Heute sind es bereits zwei Monate, die die Transatlantiker der NATO Libyen zur Erlangung der Kontrolle über das libysche Öl und Gas bombardieren. Außer Terror können die Transatlantiker der NATO offenbar nichts. Aber davon berichten die US-gesteuerten deutschen Massenmedien natürlich auch nichts.

4 Gedanken zu “Neues aus Pipelinistan

  1. Ich bin mal gespannt wann die North-Stream Pipeline zufällig durch amerikanische U-Boote zerstört wird. Obama und die CIA werden nicht nachgeben.

  2. Sieht so aus, als läuft die neue Grenze des Ost/West-Blocks nicht mehr an der innerdeutschen sondern an der deutsch-französischen. Vielleicht haben die Deutschen schon begriffen, daß die Sonne im Osten aufgeht. Gibt allerdings auch noch eine Menge Transatlantiker im System. An der tektonischen Kante sind jedenfalls die Beobachtungsmöglichkeiten für Geo-logen am interessantesten. Auch beim Euro-Problem geht ein deutlicher Riss durch Europa. Scheint Politiker mit Minderwertigkeitsgefühlen zu geben, welche sich lieber an den Rockzipfel der USA hängen, statt multilaterale Weltpolitik zu betreiben.

  3. Naja…auch ohne all diese Dinge haben wir in Deutschland schon seit Jahren weniger damit ein Problem, uns das Gas irgendwo zu besorgen, als damit, es loszuwerden. Sämtliche Importeure haben langfristig horrende Mengen zu Hochpreisen gebunden und können jetzt, da der Markt auch noch von LNG überschwemmt wird, nix mehr kostendeckend an den Mann bringen. Also die Gasmonopole wären sicher dankbar, wenn einer mal für längere Zeit den Hahn abdreht

  4. „Außer Terror können die Transatlantiker der NATO offenbar nichts. Aber davon berichten die US-gesteuerten deutschen Massenmedien natürlich auch nichts. “

    Wenn man schon (angeblich) ‚für Demokratie‘ bombt, warum dann nicht die widerwärtige ägyptische Miitärdiktatur? Aber die dortigen Gräuel werden natürlich verschwiegen – http://www.jungewelt.de/2011/05-17/030.php

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