Griechenland-Zitat des Tages

Mein Parteibuch erhielt heute einen lustigen Leserbrief aus Deutschland:

Clemens Fuest, Vorsitzender wissenschaftlicher Beirat Finanzministerium, vorgestellt in der Tageschau als „der Berater des Finanzministers“, in der Tagesschau am 11.05.2011:

„Wir haben Vorkehrungen um, äh, strauchelnde Banken aufzufangen, das heißt, man könnte heute einen Schuldenschnitt verantworten, vor ein zwei Jahren war das noch anders.“

Aus dem Wikipedia-Artikel Finanzmarktstabilisierungsfonds:

Der Finanzmarktstabilisierungsfonds (FMS, auch Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung – SoFFin) wurde am 17. Oktober 2008 im Rahmen des deutschen Finanzmarktstabilisierungsgesetzes eingerichtet, das in einem Eilverfahren am selben Tag von Bundestag und Bundesrat verabschiedet und vom Bundespräsidenten unterzeichnet wurde.

Die deutsche Tagesschau berichtete am 02.05.2010 20:26 Uhr: Finanzminister beschließen Hilfspaket – 110 Milliarden Euro für Griechenland – 30 Milliarden im ersten Jahr – Deutschlands Anteil beläuft sich auf rund 22,4 Milliarden Euro

Zu der Frage, welches deutsche Geldhaus, das nicht etwa für Blutzinsen, sondern für sein stets beinahe selbstloses Geschäftsgebahren berühmt ist, sich letztes Jahr besonders um ein „Rettungspaket für Griechenland“ bemühte, wurde am 02.05.2010 von Boersego und vielen anderen Medien berichtet:

… wollen sich die Finanzkonzerne Deutsche Bank (500 Millionen Euro), Allianz (300 Millionen Euro) und Munich Re (mehr als 200 Millionen Euro) am Hilfspaket für Griechenland beteiligen. … ThyssenKrupp warte noch auf 320 Millionen Euro für eine U-Boot-Lieferung…

Die Hilfsbemühungen für Griechenland hat die deutsche Bank ganz sicher nicht gemacht, weil sie selbst jede Menge Griechenland-Finanzierungen hatte, die sich bei einem griechischen Schuldenschnitt 2010 negativ auf die Gewinne der deutschen Bank ausgewirkt hätten. Nein, die deutsche Bank hat das vor allem aus Sorge um ihre notleidenden Konkurrenten gemacht. Die Süddeutsche Zeitung berichtete am 27.04.2010:

Auch die Deutsche Bank hat mit griechischen Anleihen Geschäfte gemacht. Mit gut 30 Milliarden Euro sind deutsche Banken insgesamt der drittgrößte Gläubiger Griechenlands – auch deshalb warnt Ackermann vor einem Bankrott der Hellenen. „Wir müssen kleinere Brände löschen, bevor noch größere entstehen“, formulierte der Manager bereits Mitte März. Die deutschen Banken – nicht die Deutsche Bank – hätten dort „beträchtliche Milliarden im Feuer“. Ackermann, der neue heilige Florian?

Nein, nein, der Deal mit den U-Booten, der war ganz bestimmt keine Schuldenkosmetik, sondern „eine ganz normale Warenfinanzierung“ und außerdem erklärte die Commerzbank-Tochter Eurohypo im März 2010, ihre Forderung an Griechenland in Höhe von einer Mrd Euro sei schon ein Jahr zuvor zurückgezahlt worden.

Und nun dürfen Leser raten, ob die mindestens 30 Mrd Kredite aus Steuergeldern letztes Jahr in Richtung Griechenand geflossen sind, weil:

a) es im Mai 2010, also „vor ein zwei Jahren“, noch keine „Vorkehrungen um, äh, strauchelnde Banken aufzufangen“ gab

oder

b) es im Mai 2010 noch keinen Schuldenschnitt geben sollte, weil unter anderem ein großes deutsches Finanzunternehmen zuvor noch eine Griechenland-Position in der Bilanz glatt stellen wollte.

Nun, ja, was sind schon 30 Mrd Euro Steuergelder? Peanuts, würde da sicher mancher sagen.

Beste Grüße aus der Bananenrepublik Deutschland.

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