Aufstachelnde Hasspropaganda mit dem Vorwurf sexueller Gewalt

Die Wikipedia erzählt über den Inhalt der 1923 von Julius Streicher gegründeten Wochenzeitung „Der Stürmer“ folgendes:

Inhalt des Stürmers waren unter anderem pornographische, oft sadistische, Schilderungen von Vergewaltigungen und anderen Formen von sexueller Nötigung an als arisch geltendenden deutschen Frauen durch Juden, teilweise auch in Form von aktueller Berichterstattung über zeitgenössische Kriminalfälle.

Selbst in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte war der Stürmers herausragend. Doch die Zeiten, in denen die Bevölkerung mit der Hetze des Stürmers zum Hass aufgestachelt wurde, sind glücklicherweise vorbei. Julius Streicher wurde ob seiner Hetze 1946 als einer der Hauptkriegsverbrecher verurteilt und hingerichtet.

Heute ist alles anders in Deutschland. Schauen wir nun einmal Schlagzeilen deutscher Medien im Jahr 2011 zum bewaffneten Konflikt in Libyen.

„Der Tagesspiegel“ am 29.03.2011: Kriegswaffe Vergewaltigung

„Der Spiegel“ am 17.04.2011: Gaddafis Schergen setzen Vergewaltigungen als Waffe ein

„Bild“ am 26.04.2011: Hilfsorganisation „Save the children“: Gaddafi-Soldaten vergewaltigen Kinder

„Hamburger Morgenpost“ am 26.04.2011: Sie vergewaltigen Frauen und Kinder: Gaddafi-Soldaten mit Viagra vollgepumpt

„FAZ“ am 29.04.2011: Gaddafi soll Viagra ausgegeben haben

Dies ist nur eine kleine Auswahl an Schlagzeilen der renommiertesten und meistgelesensten deutschen Medien der letzten Tage.

Im deutschsprachigen Ausland sehen die Schlagzeilen ganz ähnlich aus.

Die schweizer „20 Minuten“ am 29.04.2011: Gaddafi verteilt laut USA Viagra an Soldaten

Auch im westlich orientierten englischsprachigen Ausland werden die Schlagzeilen ähnlich gemacht.

Die britische „Daily Mail“ am 25.04.2011: Fuelled ‚by Viagra‘, Gaddafi’s troops use rape as a weapon of war with children as young as EIGHT among the victims

Amerikanische Medien bieten praktisch durch die Bank ähnliche Schlagzeilen. Die US-Botschafterin bei der UNO, Susan Rice, hat die Beschuldigung, libysche Sicherheitskräfte würden sexuelle Gewalt als Waffe im bewaffneten Konflikt mit von der NATO unterstützten Aufständischen einsetzen, Medienberichten zufolge hinter verschlossenen Türen auch auf einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates, in der Libyen thematisiert wurde, vorgebracht.

Manche Medien verweisen zwar darauf, dass es keine handfesten Beweise für die Behauptung gibt, aber weil Susan Rice diese Behauptung aufgestellt hat, wird in den meisten Medien der NATO-Staaten so getan, als sei der absurde Vorwurf vermutlich wahr.

Es gibt nur wenige löbliche Ausnahmen an Berichten, die von der heutzutage geltenden Norm ungehemmter Kriegshetze im Stile von Julius Streicher abweichen. MSNBC titelte, namentlich nicht genannte US-amerikanische Militärs und Geheimdienstler hätten dem Sender gegenüber erklärt, es gebe keine Beweise dafür, dass der Vorwurf, Viagra und Massenvergewaltigungen seien im Konflikt in Libyen eingesetzt worden, wahr ist. Während Vergewaltigung in vielen anderen Konflikten in Afrika als Waffe der Wahl genutzt worden sei, sagten die US-Offiziellen, sie hätten aus Libyen keine solchen Berichte gesehen. Susan Rice habe den Vorwurf im UN-Sicherheitsrat erhoben, um „Zweifler“ davon zu überzeugen, dass es sich in Libyen nicht um einen gewöhnlichen Bürgerkrieg handele, sondern um einen viel fieseren Kampf, konnte dann aber keine Beweise dafür vorbringen, dass ihre Behauptungen stimmen. Süffisant fügte NBC hinzu, die Anschuldigung sei „zuerst von einer britischen Zeitung berichtet“ worden.

Colum Lynch schreibt bei Foreign Policy, Susan Rice habe den Vorwurf erhoben, nachdem sie von anderen Mitgiedern des UN-Sicherheitsrates dafür kritisiert worden war, dass die vom Westen geführte Koalition zum Schutz von Zivilisten faktisch Partei im Bürgerkrieg geworden sei. Susan Rice habe behauptet, es sei „lächerlich“, den Konflikt in Libyen als gewöhnlichen Bürgerkrieg zu beschreiben, oder von einer moralischen Äquivalenz zwischen der libyschen Regierung auszugehen.

Colum Lynch schreibt weiter, der Vorwurf sei erstmalig öffentlich im letzten Monat erhoben worden, als ein Arzt in Ajdabiya, Suleiman Refadi, in einem Interview mit Al Jazeera English behauptete, libysche Regierungskräfte hätten Pakete von Viagra und Kondomen erhalten als Teil einer Kampagne sexueller Gewalt. Human Rights Watch habe daraufhin denselben Arzt befragt und festgestellt, dass er keine direkten Beweise hatte, um seine Behauptungen zu belegen, und seien nicht in der Lage gewesen, Opfer oder Zeugen zu identifizieren, die solche Berichte bestätigt hätten.

Selbst wer über den Konflikt in Libyen und die Kultur der Konfliktparteien gar nichts weiß, könnte bei der Beschreibung stutzig werden und sich mal überlegen, ob brutale Vergewaltiger üblicherweise Kondome benutzen oder ob die Behauptung von Massenvergewaltigungen einfach dazu dient, Hilfe seitens der NATO zu mobilisieren. Das Motiv, warum Susan Rice den Vorwurf vorbringt, ist auch einfach zu durchschauen: systematische Vergewaltigungen sind Kriegsverbrechen, mit denen der Einsatz von Bodentruppen gerechtfertigt werden könnte.

Da die libysche Regierung jedoch nicht will, dass NATO mit Bodentruppen nach Libyen einmarschiert, wäre eine Anordnung zum Begehen von Kriegsverbrechen, und dazu noch eines solch sinnlosen, das bloß die Kampfbereitschaft des Gegners erhöht, für sie geradezu selbstzerstörerisch. Es gibt keinen Grund, warum die libysche Regierung Vergewaltigungen wollen könnte.

Wer etwas mehr über die Konfliktparteien in Libyen weiß als Susan Rice, der erkennt außerdem, dass es noch einen weiteren großen Haken an der Behauptung gibt. Libyen ist ein Land, in dem Frauenrechte seit der Machtübernahme durch Muammar Gaddafi 1969 groß geschrieben werden. Den überwiegend tradionalistisch-islamischen Aufständischen gilt die von der libyschen Regierung propagierte Gleichberechtigung der Frau hingegen als unislamisch, und wird von ihnen – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – abgelehnt. Tatsächlich dienen in der libyschen Armee auch Frauen, wie sie zum Beispiel hier stolz auf einem Foto zu sehen sind. Und sie kämpfen und sterben auch. Hier auf dem Bild zum Beispiel, dessen fehlerhafte Bezeichnung durch die Aufständischen im Parteibuch bereits ausführlich erläutert wurde, ist eine in Uniform gekleidete Soldatin der libyschen Regierung zu sehen, die von der NATO bei Ajdabiya totgebombt wurde und gerade von Aufständischen in einem Massengrab verscharrt wird. Auch die Aufständischen berichten Medien zufolge davon, dass auf Seiten der libyschen Regierung auch Frauen kämpfen – wobei sie diese in ihrem grenzenlosen Chauvinismus absurderweise als marxistische Guerilla-Kämpferinnen der FARC auszugeben versucht haben.

Es mag sich nun jeder selbst ausmalen, mit welcher Abscheu die Frauen in der libyschen Armee und in der libyschen Gesellschaft darauf reagieren würden, wenn ihren Männern ein Befehl zur Vergewaltigung fremder Frauen gegeben würde. Und wie die Stämme, die maßgeblich auf Seiten der libyschen Regierung sind, darauf reagieren würden, kann sich auch jeder ausmalen. Die angeblichen Anordnungen der libyschen Regierung zur Vergewaltigung von aufständischen Frauen sind nichts anderes als zusammengelogene Kriegspropaganda, genauso wie es die in Kuwait aus dem Brutkasten geworfenen Babies und die Massenvernichtungswaffen des Irak es waren.

Es ist allerdings nicht so, dass im Konflikt in Libyen keine brutale sexuelle Gewalt dokumentiert ist. Die dokumentierte sexuelle Gewalt wurde allerdings von Aufständischen verübt. In diesem Video ist zu sehen, wie Aufständische bei der Ermordung von Hisham Mansour, einen Libyer mit schwarzer Hautfarbe, ihm die Hose ausgezogen um seinen Anus zu misshandeln. Die sexuelle Misshandlung selbst ist auf diesem Video nicht zu sehen, wurde jedoch von Aufständischen auch auf Video aufgezeichnet und zur Erniedrigung des Opfers veröffentlicht. Das Video, auf dem die sexuelle Misshandlung von Hisham Mansour durch die Aufständischen zu sehen ist, wurde inzwischen von Youtube entfernt. Mein Parteibuch verfügt über eine Sicherungskopie.

Auch bei dem Vorwurf der sexuellen Gewalt zeigt sich wieder das Muster, das im Konflikt in Libyen schon mehrfach festzustellen war: Aufständische begehen genau die grässlichen Verbrechen, derer die libysche Regierung zu Unrecht beschuldigt wird.

17 Gedanken zu “Aufstachelnde Hasspropaganda mit dem Vorwurf sexueller Gewalt

  1. Die NATO-Mörderbande bringt langsam die ganze Familie Gaddafi um. Der heute getötete Sohn Saif al-Arab ist neben einer Adoptivtochter (1986) das zweite Kind Gaddafis, das durch US/NATO-Bomben getötet wurde. Drei Enkelsöhne wurden heute auch noch getötet, das macht dann schon fünf Familienmitglieder.

    Gaddafis sechster Sohn Saif al-Arab wurde 1982 geboren und war an der Technischen Universität München eingeschrieben.

    Nato strike ‚kills Saif al-Arab Gaddafi‘, Libya says

    http://www.bbc.co.uk/news/world-africa-13251570

  2. Es müssen gar nicht mal Vergewaltigungen sein – der Haß den sie damals beim krieg gegen Jugioslawien mit ihren LÜGEN erzeugt haben war unglaublich und blind. Wenn ich einen Lüge infrage stellte, wurde ich emotional als Unterstützer und ollaboratuer von Massenmord betrachtet. Haß macht blind – und die arbeiten heimtückisch hervorragend mit Emotionen.

    Wir müssen das lernen und verstehen – sonst kommen wir nicht gegen die an – auch nicht verbal.

  3. auch im morgenmagazin von ard und zdf scheint soeben stürmers streicher wiederauferstanden zu sein. dieser verlogene …, der dort moderiert, erklärt soeben, daß die inzwischen ja hinreichend entlarvten wackelvideos, grausamkeiten des gaddafi-regimes beweisen sollen. na wenigstens freut es mich, daß es sich inzwischen herumgesprochen hat, daß diese fake-videos von vielen – nicht zuletzt von der grossartigen redaktion des parteibuches als rebellenmachwerk enttarnt worden sind. im morgenmagazin dreht man jetzt – frisch ertappt – ganz rasch die tatsachen um und lastet diese fakevideos gaddafi an!!! das ist der helle irrsinn!!! ich bin in der libyen-berichterstattung ja einiges gewohnt, aber diese neueren zeiten mit ihren methoden bedürfen einer antwort: angesichts all dieser lügen und morde an meinen libyern bin – nicht nur ich – der ansicht, daß nur ein … amerikaner ein guter amerikaner sein kann und daß nur ein … natostaatenangehöriger ein guter natostaatenangehöriger sein kann. drei ermordete enkelkinder gaddafis? wir werden in den nächsten tagen sehen, wieviele hunderte, vielleicht sogar tausende amerikaner und europäer das universum in die waagschale werfen wird, um die ermordeten enkelkinder gaddafis auszubalancieren. Da wäre auch noch die kleine hanah, gaddafis adoptivtochter, die 1986 im alter von 16 monaten von reagans bomben ermordet worden ist. die tornados und fluten reichen nicht, liebes universum, amerika braucht mehr davon. wer heute nicht aufsteht und den libyern hilft, der ist ein widerlicher verbrecher, dem morgen das gleiche widerfahren wird, wie den libyern heute. ich wünschte, ich wäre beizeiten bei ben laden in die lehre gegangen und ich sage jetzt, was millionen von menschen sich nicht trauen, zu sagen: …. danke osama ben laden, du bist ein held! …. gegen die terrorbande in benghazi hätte ich auch das passende mittel: … raus aus libyen, verfluchtes pack in benghazi, in jede ritze seid ihr gekrochen, um die libyer zu terrorisieren. ver…t euch nach ägypten, israel, usa oder besser gleich zur hölle… die welt weiß längst, wer und was ihr seid, eure namen sind vollständig bekannt, … raus aus libyen!!!

  4. Schaut man sich die Fotos der Toten auf http://www.flickr.com/photos/libyaalhurratv/page9/ genau an, sieht man ausschließlich uniformierte Tote. Nicht nur Uniformversatzstücke, wie bei den „Aufständischen“ (Fotos siehe Spiegel-Bilderstrecken), die militärische Bekleidung mit ziviler mixen, sondern auch Hemden, Pullover und Stiefel sind militärisch oliv und einheitlich.

    Die Frau wurde zumindest nach ihrem Tod entwürdigt, indem die Bekleidung ihres Oberkörpers über ihre nach hinten gerissenen Arme gezogen wurden, um ihre Brüste zur Schau zu stellen. Ihre Arme stecken noch in der Militärjacke, die wie Hose und Stiefel identisch mit der Bekleidung der ermordeten Männer ist. Abseits der Bekleidungsfrage würde eine tote Zivilistin oder selbst Aufständische von eben diesen (der Inhaber des Flickr-Accounts ist offensichtlich einer) nicht derart sexuell erniedrigt zur Schau gestellt werden.

    Irgendwelche gnädigen Seelen hatten zumindest einige Tote – darunter auch die Frau – mit Decken bedeckt. Für die Fotos hat jemand der toten Frau die Decke wieder vom Oberkörper gezogen, um sie erneut zu erniedrigen.

    Welch widerlicher Mob wird hier von der Nato unterstützt!

  5. Die Berichte über die Vergewaltigungen wurden von dem Arzt Chalifa al Scharkassi (der seine Ausbildung in Deutschland gemacht hatte) sowie von „Save the children“ – hier Michael Marth – voll und ganz bestätigt.

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