Prinzipien der Kriegspropaganda (nach Lord Ponsonby)

Die Prinzipien der Kriegspropaganda sind zum ersten Mal von dem 1871 geborenen britischen Diplomaten Lord Ponsonby systematisch dargestellt worden.

Danach gelten folgende Regeln:

1. „Wir haben den Krieg nicht gewollt!“
2. Personifizierung des Feindes
3. „Unsere Zielsetzungen sind humanitärer Art.“
„Man muss die Tatsache verschweigen, dass es wirtschaftliche Ziele des Krieges gibt. Man stellt nur humanitäre Motive in den Vordergrund…“
4. Berichte über die Grausamkeit des Gegners.

Zitiert nach: Zitat der Woche – Friedensratschlag, 26. August 2001

Angesichts dessen, dass diese Prinzipien uralt und dementsprechend bekannt sind, könnte man meinen, sie würden nicht mehr angewendet, weil die Bevölkerung das Spiel durchschaut und es deshalb nicht mehr wirkt.

Aufgabe für Leser: Wer findet ein deutsches Massenmedium, das diese vier Prinzipien der Kriegspropaganda in Bezug auf den Krieg gegen Libyen nicht anwendet? Zusatzaufgabe: wer findet ein britisches, amerikanisches oder französisches Massenmedium, das diese vier Prinzipien der Kriegspropaganda in der Berichterstattung über den Krieg gegen Libyen nicht anwendet? Bonusfrage: wer findet ein Massenmedium aus einem zum „Gulf Cooperation Council“ gehörenden Staat, das diese vier Prinzipien der Kriegspropaganda in der Berichterstattung über den Krieg gegen Libyen nicht anwendet?

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24 Gedanken zu “Prinzipien der Kriegspropaganda (nach Lord Ponsonby)

  1. Hallo liebe Redaktion,
    muß immer an das Lied von F.J.Degenhardt denken:
    Deinem Urgroßvater
    Haben sie erzählt:
    Gegen den Erbfeind.
    Für das Vaterland.
    Und er hat das tatsächlich geglaubt.
    Was hat er gekriegt?
    Granatsplitter in Beine
    Und Kopp
    Vor Verdun.

    Deinem Großvater sagten sie:
    Gegen die slawischen Horden.
    Für die abendländische Kultur.
    Er hat das wirklich geglaubt.
    Was hat er gekriegt?
    Bauchschuß und
    Einen verrückten Kopp
    Vor Stalingrad.

    Deinem Vater erzählen sie jetzt:
    Gegen die Völkermörder.
    Für die Menschenrechte.
    Für den Frieden.
    Unglaublich – er glaubt´s.
    Was er wohl kriegt?
    Und wo wird das sein –
    Diesmal?

    Wobei dies ja schon veraltet ist, weil das „diesmal“ gab es schon. Unglaublich – er glaubt’s. Unglaublich – sie glauben es immer noch und immer wieder. Ist die Gegeninformation, die Du betreibst (ich versuche es auch ein bißchen) eigentlich das richtige Mittel? Ja, Aufklärung ist notwendig. Nein, sie reicht allein nicht. Leider. Jeder, oder fast jeder müßte es heute durchschauen können, nach Jugoslawien, Irak und Afghanistan . . . Die Zeitschrift Geo hatte mal in einem Artikel herausgefunden, daß der Mensch viel weniger selbst nachdenkt, als allgemein geglaubt wird. Der Mensch ist faul, das ist auch garnicht so sinnlos, Faulheit ist im Prinzip keine nur falsche Strategie. Deshalb neigt der Mensch dazu, Dinge, die andere, denen er noch nicht einmal nahestehen muß, für wahr und richtig halten, für sich auch anzunehmen. Man hatte einen Versuch gemacht, in dem die Versuchspersonen glaubwürdig ganz offensichtlich falsche Tatsachen als richtig dargestellt wurden. Es war auf den ersten Blick zu erkennen (ging glaube ich um Streichhölzer und deren Länge oder so ähnlich). Dennoch hat die Mehrheit sich für das entschieden, was Ihnen als wahr vorgespiegelt wurde. Damit muß die die Antikriegsaufklärung rechnen, dies muß einbezogen werden. Man wird jetzt sagen, ist auch nicht neu. Ne, aber wir vergessen oft, dieses Wissen in unsere Gegenstrategie einzubeziehen.

  2. @Tiger
    „Ist die Gegeninformation, die Du betreibst (ich versuche es auch ein bißchen) eigentlich das richtige Mittel?“

    Es gibt kaum ein anderes Mittel als Aufklärung. Nur, und das stimmt, ein paar Blogs reichen nicht. Zum einen erreichen Blogs nur einen verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung un zum anderen glauben die meisten Menschen der Massenpropaganda, und zwar selbst, wenn der Massenpropaganda ihre Lügen nachgewiesen werden. Verstärkt wird die Schwelle zur Information dadurch, dass viele „Journalisten“ Opfer der eigenen Propaganda und der der Kollegen werden, oder anderesherum, genau jene Journalisten, die den Propaganda-Müll selbst glauben, werden von der Herren über die Propaganda als Journalisten eingesetzt. Wer als Journalist die Propaganda nicht mehr glaubt, ist ganz schnell arbeitslos.

    Lande Rede kurzer Sinn: nein, die Schwelle, die notwendig ist, um die Bevölkerung dazu zu bringen, die Kriegspropaganda zu durchschauen, ist noch lange nicht erreicht. Wieder und wieder gelingt es der Kriegsmaschine die Menschen in Kriegslaune zu versetzen. Und doch, und da bin ich stur, bin ich nicht bereit, die massenmediale Kriegshetze unwidersprochen hinzunehmen.

    @Muflon
    Danke für den Hinweis, ist korrigiert.

  3. ich danke euch! ich danke euch! ich danke euch! bitte unbedingt weitermachen und stur bleiben. mein heilpraktiker u lehrer äußerte mal auf einem seiner vorträge, daß – wer keinen messianischen glauben besäße, sich eigentlich auf der stelle erschießen, oder das saufen anfangen müßte: das erste weiß ich nicht, auf schuß und alkohol besteht auch keine lust, aber eines ist sicher:“dass das schwache das starke besiegt, das harte dem weichen unterliegt – das wußte schon der große LAOTSE. „jeder weiß es“ klagt er „aber keiner handelt danach“. k. v. roques spricht von der „technik des sieges“ über den feind…also: unbedingt homöopathisch weiterarbeiten! denn der feind ist nichts als eine krankheit…

  4. Widerliche Propaganda allein reicht eben nicht. Denn hinzukommen muß auch STRATEGIE. Und auch dort reicht wiederum militärische Strategie nicht (wie Militaristen immer vermeinen), sondern es muß auch POLITISCHE Strategie hinzukommen.
    Aber dazu sind diese korrupten hanswurstigen Hilfskräfte, der derzeit die Politikerkaste in den Natoländern stellen, nicht in der Lage.

    Wie ich in den letzten Wochen mit Staunen im Fernsehen sah (dabei sehe ich nur selten TV) werden ja nicht nur in finnischen Atomkraftwerken, sondern auch in deutschen Atomkraftwerken unausgebildetes(!) Personal zu Billiglöhnen eingesetzt (einer hatte sogar einen erlernten Beruf: Wenn ich mich richtig erinnere, dann war er gelernter Schlachter!)
    Und genau solches Personal ist eben auch in der Politik der Natoländer am Werk. Bester Prototyp ist für mich immer dieser Özdemir (den würde ich noch nicht mal in einem Ladengeschäft – nach meiner Einschätzung würde er da das Klauen anfangen – oder in einem Büro beschäftigen wollen.

    Jetzt kommt sogar die (schon seit jahrzehnten Nato-gelenkte) „Süddeutsche“ ins Grübeln:
    „WARUM DER WEG ZUM FRIEDEN ÜBER GADDAFI FÜHRT“ – http://www.sueddeutsche.de/politik/krieg-in-libyen-warum-der-weg-zum-frieden-ueber-gaddafi-fuehrt-1.1088254 .

  5. @Jörg
    In den USA poppen gerade ganz ähnliche Erkenntnisse wie in der SZ hoch. Hier zum Beispiel Michael Chertoff und Michael V. Hayden, zwei der übelsten Hetzer der Bush-Administration:

    What happens after Gaddafi is removed?

    Failing to recognize that the hardest part is post-regime change raises the question of whether we have planned for what NATO and others will do if we in fact succeed in our policy objective of showing Gaddafi the door.

    Is the United States confident that the dominant narrative today, of democrats vs. oppressor, will continue to play out — and will not be overtaken by latent ones such as tribe vs. tribe, haves vs. have-nots or, worse, Islam vs. “crusaders”?

  6. @einparteibuch
    „Was für eine gedankenlose Verbecherbande“ … in der Tat!

    Der BND (nicht daß ich diesen liebe), der vor einigen Jahren schwer von Israel angegriffen wurde, weil er ziemlich gute Beziehungen zur libyschen Regierung hatte, hatte sich bisher bedeckt gehalten. Jetzt kommt er aber doch aus seinem Schlupfloch hervor: „BND WARNT VOR STÄRKUNG VON AL QAIDA“ – http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E72A6632E641E46279B2C8190E1133615~ATpl~Ecommon~Scontent.html .

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