Sein zynisches Gejammer kann Sergej Lawrow sich sparen

Der russische Außenminister Sergej Lawrow lamentiert gerade bei RIA Novosti, dass die NATO die von Russland mitbeschlossene UN-Sicherheitsratsresoution 1973 dazu benutzt, um gemeinsam mit Aufständischen Krieg gegen Libyen zu führen:

„Es gehen Mitteilungen über Luftangriffe der Koalition auf Truppenkolonnen von Muamar Gaddafi und über die Unterstützung der bewaffneten Rebellen ein. Da besteht ein unverkennbarer Widerspruch. Wir sind der Auffassung, dass die Einmischung der Koalition in den Bürgerkrieg in Libyen im Grunde genommen nicht von der Resolution des UN-Sicherheitsrates genehmigt ist“, sagte Lawrow.

Sergej Lawrow tut nun so, als hätte Russland das nicht gewollt. Die russische Heuchelei könnte zynischer nicht sein.

Russland wusste genau, welchen Charakter die UN-Sicherheitsratsresolution 1973 hat. Der russische Regierungschef Wladmir Putin hat es auf den Punkt gebracht: „Sie erinnert an einen mittelalterlichen Aufruf zu einem Kreuzzug. Faktisch erlaubt sie eine Invasion in ein souveränes Land.“

Es hätte Russland nicht mehr als ein Fingerschnippen gekostet, den Kreuzzug der NATO gegen Libyen zu verhindern. Ein einfaches „Nein“ im Sicherheitsrat mit Verweis darauf, dass die Resolution das Völkerrecht verletzt und die der Resolution zugrundeliegenden Vorwürfe gegen Libyen unbewiesene Behauptungen sind, hätte dazu gereicht. Doch Russland hat dem Angriffskrieg per Enthaltung zugestimmt, und, da US-Kriegsfürst Barack Obama zuvor mehrfach öffentlich versprochen hat, Libyen nur überfallen zu wollen, wenn es eine entsprechende Sicherheitsratsresolution gibt, den Krieg überhaupt erst möglich gemacht. Doch Russland hat es nicht getan.

Die russische Zustimmung, und eine Enthaltung im Sicherheitsrat ist de facto Zustimmung, zu dem Kreuzzug war auch keine Unachtsamkeit oder ein Unfall. Der Kreuzzug gegen Libyen war von Russland gewollt. Der russische Präsident Dmitri Medwedew erläuterte, dass er sich sehr gut mit Wladimir Putin verstehe und Russland sich ganz bewusst dafür entschieden hat, der NATO im Sicherheitsrat juristische Deckung für den Kreuzzug gegen Libyen zu geben. RIA Novosti berichtete:

„Wir halten diese Resolution nicht für falsch… Mehr noch. Diese Resolution widerspiegelt im Großen und Ganzen unsere Vision des Geschehens in Libyen, allerdings nicht in allen (Aspekten).“ Deshalb könne man nicht behaupten, dass „wir nicht wissen, was wir tun… Wir haben das ganz bewusst getan. Ich habe das Außenministerium entsprechend angewiesen“, erklärte der Präsident.

Was also lamentiert Lawrow nun? Russland hat einen NATO-Kreuzzug gegen das seit Jahrzehnten mit Russland verbündete Land Libyen bestellt und nun bekommt Russland einen NATO-Kreuzzug gegen Libyen zu sehen.

Die weltpolitischen Folgen sind klar: alle traditionell mit Russland verbündeten Länder müssen sich darauf einstellen, dass Russland ein Lakai der NATO geworden ist und schnellstens dem Beispiel des weisen verteidigungspolitischen Weges der demokratischen Voksrepublik Korea folgen. Auch die innenpolitischen Folgen sind für Russand vorhersehbar: die CIA wird dafür sorgen, dass die im von der NATO mit Zustimmung Russlands eroberten Nordosten Libyens zahlreich vorhandenen Jihadisten zukünftig gegen Russland eingesetzt werden, bevor die Terrororganisation NATO das durch Bürgerkriege im Tschetschenien-Style geschwächte Russland dann genauso schreddert wie sie jetzt Libyen schreddert.

Glückwunsch an Dmitri Medwedew, der „das ganz bewusst getan“ hat. Wenn Russland das Ergebnis seiner Kreuzzugsbestellung nun doch nicht passt, dann möge Russland Libyen sofort und massiv bei der Verteidigung gegen den Angriffskrieg der NATO helfen. Aber das zynische Gejammer darüber, dass Russland nun das zu sehen bekommt, was Dmitri Medwedew im Namen Russlands bestellt hat, möge sich die politische Führung Russlands bitte sparen.

8 Gedanken zu “Sein zynisches Gejammer kann Sergej Lawrow sich sparen

  1. Hi, bin sehr in Eile, heute ist eine kleine Demo in Potsdam gegen den Krieg in Libyen. Hier ein Text über einen peruanischen Ölarbeiter, der aus Angst vor der Gewalt der Rebellen flüchten mußte:
    http://tigerpantherin.over-blog.de/article-die-geschichte-der-peruanischen-olarbeiter-die-aus-libyen-fliehen-mu-ten-70428167.html

    Hier wurde der Text aus diesem Video nach bestem Können übersetzt. Hilfreiche Ergänzungen und Verbesserungen sind willkommen

    Erscheint es Euch nicht merkwürdig, daß es bei allen ungeprüften Informationen über Libyen, die wir gesehen haben, fast keinen Bericht aus irgendeinem Land gibt, die ein Interview mit Menschen anbietet, die in Libyen gelebt und gearbeitet haben und die das Land verlassen mußten, um ein Zeugnis aus erster Hand von ihren Erlebnissen und der Situation im Land zu bekommen?

  2. Hinzukommt auch noch folgendes:
    E) Artikel 46 lautet:
    „Die Pläne für die Anwendung von Waffengewalt werden vom Sicherheitsrat mit Unterstützung des Generalstabsausschusses aufgestellt.“

    Die Tomahak-Angriffe und die vielen sonstigen Bombardements sind NICHT in „Pläne(n) für die Anwendung von Waffengewalt … vom Sicherheitsrat … aufgestellt (worden)“ (Wortlaut des Art. 48).
    Lediglich sich in Libyen vom Boden erhebende Flugzeuge durften zur Landung gezwungen – notfalls: abgeschossen – werden („Flugverbot“). MEHR NICHT!

  3. So wie sich die russische Regierung verändert hat,sie sind seit Medwedw ein Arschgriecher der Nato,so hat sich auch Ria Nowosti als Lügenzeitung mit „Bild“Charakter verändert.
    Die russische Regierung und ihre „Regierungs Medien“,sind keinen Deut besser als die amerikanischen und die deutschen!

  4. @ admin: es gelingt mit nicht die Teile vor „E“ (s. oben #3) einzustellen. Ich versuche es noch einmal. Bitte etwaige Doppeleinstellungen und auch diesen Hinweis dann einfach löschen

  5. Danke an den Autor und auch an Marlene Tiger für den Kommentar. Wir haben beides wieder in der Gruppe „Europe against war – Europa gegen Krieg“ weiteren Menschen zugänglich gemacht. Die Gruppe ist jetzt auf 98 Mitglieder angewachsen.
    Vielen Dank an alle, die für Frieden, saubere Umwelt sich einsetzen und auch dafür, dass der Reichtum der Menschheit, also auch unserer, für die Zukunft der Menschheit eingesetzt wird und nicht vergeudet.

    Link zur Gruppe: http://www.facebook.com/home.php?sk=group_180866951957443&ap=1

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