Bittere Lektionen

Die Aufständischen in Libyen lernen gerade eine sehr bittere Lektion. Nach Wochen relativer Zurückhaltung geht die Regierung Libyens nun am Wüstenstrand der großen Syrte energisch gegen den bewaffneten Aufstand vor.

Al Jazeera berichtet am heutigen Donnerstag aus dem mitten an der Wüstenküste der großen Syrte liegenden Städtchen Ras Lanuf, wo eine der wichtigsten Raffinerien Libyens liegt, folgendes:

Rebellenkräfte in der Hafenstadt Ras Lanuf ziehen sich nun von ihren Positionen zurück weiter nach Osten. Oppositionskämpfer sind zu sehen, wie sie zu Hunderten in ihre Fahrzeuge steigen und östwärts flüchten, nachdem sie früher am Tag unter intensiven Granaten- und Raketenbeschuss sowie Bombardements aus der Luft gekommen waren.

„Wir hatten uns in den letzten Tagen schon gewundert, warum Gaddafi nicht alle seine Kräfte eingesetzt hat, und heute haben wir diese Kräfte in Aktion gesehen,“ berichtet Al Jazeera’s Tony Birtley, der in Ras Lanuf ist.

„Wir wurden geradewegs in der Mitte überrascht als seine Kräfte die Oppositionskräfte erst ausflankiert, dann ausgebombt und ausgeschossen haben. Es gab erhebliche Bombardements aus der Luft, durch Artillerie und Granaten, und dann kamen sie über die Flanke herein.“

„Es gab eine Anzahl an Opfern. Wir haben Laster gesehen die ganze Autobahn lang, aber die wurden durch Gadafis Kräfte den ganzen Weg lang beschossen. Ich habe gezählt … 50 Granaten fielen.“

„Es sieht so aus, als ob die Großoffensive, von der wir gedacht haben, sie komme, nun unterwegs ist.

Birtley berichtete, dass, während viele Oppositionskämpfer nun die Stadt verlassen hätten, ein „harter Kern“ zurückginge in den Kampf.

Er sagte, die Attacke zeigte „die Professionalität der Truppen Gaddafis, und sie zeigt … er schlägt zurück.“

Auch aus dem einige Kilometer östlich von Ras Lanuf gelegenen Kunststädtchen Brega, wo sich der wichtigste Ölhafen Libyens befindet, werden erste Angriffe der Regierungskräfte aus der Luft und von der Seeseite aus gemeldet und sogar aus der noch deutlich weiter östlich gelegenen Großstadt Ajdabiya in der Cyrenaika, die ein Herz des Aufstandes ist, wurden heute Angriffe der Regierungskräfte auf Positionen von aufständischen Kämpfern gemeldet. Aus der Stadt bis gestern von Aufständischen beherrschten Stadt Zawiyah westlich von Tripolis wurde heute nach der gestrigen Eroberung durch Regierungstruppen Ruhe gemeldet. Die Aufständischen stehen nun militärisch mit dem Rücken zur Wand. Die bittere Lektion für die Aufständischen ist dabei, dass sie sich nach sieben Tagen leidenschaftlicher Offensive mit zahlreichen Toten und Verletzten heute aufgrund der besseren Ausrüstung und Organisation der Regierungstruppen insgesamt in einer schwächeren Position befinden als zuvor.

Entscheidende militärische Hilfe aus dem Ausland können die Aufständischen auch nicht erwarten. Den USA fehlen die Ressourcen, um einen Krieg zu führen, der sich leicht zu einem großen Krieg gegen halb Afrika ausweiten kann, und auch der Wille, für eine Partei in den Krieg zu ziehen, die betont, dass sie keine amerikanischen Soldaten auf ihrem Boden sehen will. Die in den USA mächtige Israel-Lobby fürchtet zudem, dass die USA durch einen Krieg gegen Libyen durch Überlastung so geschwächt werden, dass sie den Iran nicht mehr glaubhaft bedrohen können. Der Präsident der USA, Barack Obama, hatte den Aufständischen vor einer Woche damit Mut gemacht, dass er sich demonstrativ hinter sie ihre Forderung nach der sofortigen Entmachtung von Muamar Gaddafi gestellt, doch die bittere Wahrheit für die Aufständischen ist, dass seinen Worten keine Taten folgen werden.

Auch mit dem Nachschub sieht es schlechter für die Aufständischen als für die Regierung aus. Die Lieferung von Waffen an die Aufständischen ist einerseits durch eben jene UN-Sicheheitsratsresolution verboten, von der die Aufständischen sich erhofften, sie würde ihnen dadurch helfen, dass sie den militärischen Nachschub für die Regierung abschneidet. Andererseits ist auch nicht zu erwarten, dass heimlich effektive Waffen in nennenswerter Größenordnung an die Aufständischen geliefert werden, da potentielle Lieferanten außer vor der Rache Muamar Gaddafis auch Angst davor haben, dass diese Waffen ihnen später gegen sie selbst gerichtet wiederbegegnen, beispielsweise im Irak, Afghanistan, Palästina, Jemen, Ägypten oder Saudi Arabien. Die Regierung Liybens wird hingegen trotz der Sanktionen ihre Truppen nahezu beliebig ang weiterbezahlen können, weil sie rechtzeitig vorgesorgt und reichlich Geld gebunkert hat. Die bittere Lektion für die Aufständischen ist, dass die von ihnen selbst entworfene UN-Resolution nicht bei der Entmachtung von Muamar Gaddafi hilft, sondern lediglich die Wirtschaft der USA und Großbritanniens schützt, die dadurch Desinvestitionen der libyschen Regierung verhindern können.

Auch Hilfe durch weitere Entscheidungen der UN wird den Aufständischen kaum zuteil werden. Die von den Aufständischen in der Wüste verlorenen Schlachten sind ein Konflikt zwischen bewaffneten Verbänden, bewaffneten Regierungstruppen einerseits und bewaffneten Aufständischen andererseits. Die ganze Welt hat gesehen, dass die Aufständischen, die in der letzten Woche durch die Wüste gen Westen gestürmt sind, um Tripolis zu erobern, bis an die Zähne bewaffnet sind: unter anderem mit Kalashnikovs, MGs, FLAKs, RPGs, Katjushas und anderen Kriegswaffen.

Die bewaffenten Aufständischen haben sich auch mitnichten nur verteidigt. Sie haben einen Operationen eines Angriffskrieges gegen von der Regierung gehaltene Gebiete durchgeführt. Im Tagesbericht des Spiegel vom 5. März heißt es beispielsweise um 16:50h:

SPIEGEL-Reporter Clemens Höges berichtet aus Ben Dschawad: „Die Stadt ist gefallen, Rebellen feiern mit den üblichen Salven aus Maschinengewehren in die Luft. Es ist kaum zu glauben, in welchem Tempo sie vorankommen. Jeden Tag eine Stadt.“

Obendrein haben die Aufständischen vor ihrem bewaffneten Feldzug gegen die von Kräften der Regierung beherrschten Gebiete auch noch Angebote zur Vermittlung einer friedlichen Lösung im Konflikt ausgeschlagen. Am 20. Februar, unmittelbar nachdem Aufständische Städte im Osten von Libyen gewaltsam unter ihre Kontrolle gebracht hatten, hatte Saif Al-Islam Gaddafi die Aufständischen in freier Rede öffentlich im Fernsehen dazu aufgerufen, sich mit der Regierung zusammenzusetzen und friedlich eine Lösung für ihre politischen und wirtschaftlichen Forderungen zu erarbeiten. Über alles könne dabei gesprochen werden: Verfassung, Hymne, Fahne, Wirtschaft, Meinungsfreiheit, Medien. Gegen Versuche eines illegitimen Regime Change würde sich die Regierung allerdings entschieden wehren. Die Aufständischen haben jegliche Gespräche abgelehnt und sich stattdessen erfolglos für gewaltsame Demonstrationen der Macht der Straße mit dem offensichtlichen Ziel der Erstürmung und des Abbrennens von Regierungsgebäuden entschieden.

Es war nicht das letzte Mal, dass die Aufständischen die Gelegenheit zu Verhandlungen ausgeschlagen haben. Die Wikipedia notiert für den 3. März, also vom Tag vor Beginn des bewaffneten Feldzuges der Aufständischen im Osten gen Westen folgendes:

Die libysche Opposition wies Aufrufe von Hugo Chavez zurück, in einen friedlichen Dialog mit Gaddafi einzutreten, nachdem Chavez Gaddafi davon überzeugt hat, „friedliche Gespräche mit den Protestierenden“ zu beginnen. Die libysche Opposition will weder Gespräche noch Verhandlungen mit der Regierung.

Die Aufständischen haben einen bewaffneten Feldzug gegen bewaffnete Kräfte ihrer Regierung geführt und sind dabei von diesen besiegt worden. Obendrein war die Regierung noch so klug, dafür zu sorgen, dass wesentliche Kämpfe gegen die Aufständischen in der Wüste stattfanden und es dadurch verhältnismäßig wenig Opfer unter Unbeteilligten, die NATO würde das Kollateralschäden nennen, gab.

Libya-yes, we can

Auch die Behauptungen der Aufständischen und ihrer Schirmherren, die Regierung habe zuvor auf friedliche Demonstrationen schießen lassen und damit Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen, dürften eher schwer zu beweisen sein. Auf den veröffentlichten Videos geht zwar hervor, dass bei den Protesten zuvor zahlreiche Menschen ums Leben gekommen sind. Nicht wenige davon waren allerdings Kräfte oder Anhänger der Regierung, die von Aufständischen gelyncht wurden. In einer solchen Situation ist das Argument der Notwehr der Sicherheitskräfte grundsätzlich kaum von der Hand zu weisen. Dass Aufständische obendrein Jagd auf Menschen mit schwarzer Hautfarbe gemacht und dabei offenbar mehrere Lynchmorde begangen haben, schwächt die völkerrechtliche Position der Aufständischen weiter.

Das bedeutet zwar lange noch nicht, dass die Regierung keine Verbrechen begangen hat, aber völkerrechtlich sieht die Lage für die Aufständischen damit insgesamt so schlecht aus, dass an ein einwandfreies Mandat der UN für einen legalen Kriegseinsatz gegen Libyen zur Unterstützung der Aufständischen nicht zu denken ist.

Die bittere Lektion für die Aufständischen ist, dass ihre Gewalt gegen Sicherheitskräfte und Menschen schwarzer Hautfarbe sowie ihre bewaffnete Offensive gravierende Fehler waren. Sie haben dadurch jegliche Chance zerstört, sich als friedliche Protestbewegung präsentieren zu können. Die bewaffnete Offensive der Aufständischen verhindert so, dass sie entscheidende Unterstützung aus dem Ausland bekommen können. Der Regierung von Libyen stehen deshalb nun im Rahmen des Völkerrechts sämtliche Möglichkeiten offen, bewaffnet gegen sie vorzugehen.

Dass Barack Obama, seine Kollegen in Europa und der arabische Fernsehsender Al Jazeera sie zu diesen Fehlern genauso wie ihre eigenen Führer angestiftet haben, hilft ihnen nicht weiter. Die bittere Wahrheit ist, dass es ein Fehler war, den zahlreichen Führern zu folgen, die Angriff bis zum Sieg als Losung ausgegeben haben, und dass die zahlreichen Unterstützer, die ihnen dabei Mut gemacht haben, sie dabei bestärkt haben, in die blutige Sackgasse zu laufen.

Eine bewaffnete Offensive kostet viele Opfer, führt aber in die Sackgasse. Wer sich auf eine Partnerschaft mit Amerikanern, Briten oder Franzosen einlässt, und diese bittere Lektion mag sich auch Muamar Gaddafi hinter die Ohren schreiben, kann getrost davon ausgehen, dass er verraten wird. Eine Mischung aus militärischer Defensive, zivilem Widerstand und Verhandlungen wäre eine erfolgversprechendere Strategie gewesen, um wenigstens zu einem Teilerfolg, beispielsweise einer selbstverwalteten Region Cyrenaika, die frei ist von den wegen Menschnrechtsverletzungen unbeliebten Sicheheitskräften der Regierung aus Tripolis, zu kommen.

Die gute Nachricht ist, dass der stellvertretene libysche Außenminister Khaled al-Koaem den Aufständischen heute, obwohl sie militärisch inzwischen kaum noch eine Chance haben, erneut einen Dialog angeboten hat.

Morgen sind erneut Freitagsgebete in Bengasi und anderen Städten. Sollten dort wieder wie letzte Woche brüllende Einheizer für den Kriegsszug gen Tripolis predigen, so ist es absehbar, dass es morgen wieder viel Blutvergießen in Libyen geben wird. Wer Frieden und Menschenrechte schätzt, dem ist die Aussicht darauf schon jetzt ein Greuel. Gibt es keine Stimme der Vernunft, die laut „Halt!“ ruft? Hört endlich mit dem Krieg auf und verhandelt! Es hilft niemandem, die Menschen dabei anzufeuern, mit Siegesgebrüll in ihr Verderben zu laufen.

Auch wer die Aufständischen unterstützen möchte, der sollte aus den bitteren Lektionen der letzten Tage lernen und ihnen dringend ans Herz legen, schleunigst in Verhandlungen über einen Waffenstillstand und eine politische Lösung des Konfliktes einzutreten anstatt dass sie sich von skrupellosen Kriegsfürsten wie Barack Obama zu sinnlosen Kriegen aufhetzen zu lassen, von denen letztlich, wenn überhaupt, dann nur die USA profitiert.

7 Gedanken zu “Bittere Lektionen

  1. Vielen Dank,
    der Beitrag gefällt mir wieder so toll, dass ich den Link mit Auszügen in die Facebook Gruppe „Europe against war – Europa gegen Krieg“ eingefügt habe.
    Übrigens: Wir freuen und weitere interessierte Mitglieder! Leider ist ja die Gefahr nicht ausgestanden! Zwar sollten es die USA tunlichst unterlassen, aber andererseits ist die Gier des Pentagon (inklusive mil.-industr. Kompl.) nach weiteren „reconstructions“ so groß, dass dennoch nach weiteren Möglichkeiten gesucht wird. Ja am besten natürlich, indem man die Waffen für beide kriegsführenden Seiten liefert.

    Liebe Grüße, Steffen

    Ob ich den Link angeben darf? – (ansonsten eben löschen – smiley)
    http://www.facebook.com/home.php?sk=group_180866951957443#!/home.php?sk=group_180866951957443

  2. – … völkerrechtlich sieht die Lage für die Aufständischen damit insgesamt so schlecht aus, dass an ein einwandfreies Mandat der UN für einen legalen Kriegseinsatz gegen Libyen zur Unterstützung der Aufständischen nicht zu denken ist.
    … Der Regierung von Libyen stehen deshalb nun im Rahmen des Völkerrechts sämtliche Möglichkeiten offen, bewaffnet gegen sie vorzugehen.

    Klasse Informationsaufbereitung, mit Vorbehalt. Von völkerrechtlichen Überlegungen habe ich mich distanziert. Jeder bricht das Völkerrecht nach Lust und Laune, die Auslegung obliegt allein der wirtschaftspolitischen Potenz und Arroganz des jeweiligen PRopaganda-Zielpublikums. Das Völkerrecht wird Ghadhafi vielleicht Libyen-intern oder bei den Verbündeten nützen, ausserhalb jener Bereiche schert sich die PRopaganda nur für den Fall eigener drohender Schäden. Ausserdem muss er sehr geschickt, weil seine Geschäftsführung als Revolutionsführer stellenweise mit den Völkerrecht konterkariert.

    Für Arroganz steht ganz bestimmt Narkozy durch seine Anerkennung des Rebellenrates als als rechtmäßigen Vertreter Libyens, er der lupenreinere Demokrat, weil er sich den serbelnden US unterwarf statt seine Wirtschaftspolitik auf die Wachstumsmärkte im Osten auszurichten. Die gleiche Arroganz umgibt den Dalai Bama, dessen „yes we can“ Luftballon platzen kann so oft er will, es ficht die unkritischen Massen nicht an. Immerhin hört man aus Washingtons rosa Rauschen noch selbstkritischere Stimmen der wirtschaftspolitischen Impotenz heraus:

    – … dass die USA durch einen Krieg gegen Libyen durch Überlastung so geschwächt werden, dass sie den Iran nicht mehr glaubhaft bedrohen können.

    Der ökonomischen Schlachten zwischen US und China am Scharnier Libyen-Iran dingfest gemacht, die dazu passende chinesische Zustimmung zur UNO-Resolution, die aus der Reihe tanzenden, religiösen Interpretationen aus Teheran und ein Ghadhafi, der sich anschickt den US ein zweites Iran zu bescheren, noch dazu ohne Mullahs und Allahs Schützenhilfe, während er im Vorbeigehen EU und NATO auf Jahre diplomatisch düpiert, diese Konstellationen bestimmen den Mix, auf den ich mich konzentrieren werde. Ausserdem werde ich den Kampf gegen das islamische Banking und die libyschen Grundwasservorräte im Auge behalten. Hier drohen riesige Geschäftsfelder zwischen den Fingern der Stupid White Men zu zerrinnen, jedes für sich ein Stellvertreterkriegsgrund, nebst Öl.

    Die Amis auf Kurs
    Grüsse
    kosh

  3. kosh
    Ich stimme dem zu, dass das Völkerrecht von USA und NATO nach Lust und Laune gedeutet und gebrochen wird, und das an sich nicht der entscheidende Faktor ist. Viel wichtiger ist das geopolitische Kalkül.

    Und da sieht es so aus, dass die USA viel mehr Vorteile haben, wenn sich Aufständische und Regierung in Libyen gegenseitig umbringen, als wenn die USA selbst – und sei es nur die Luftwaffe – im Krieg mitmachen und nicht wissen, wie sie da dann in absehbarer Zeit wieder rauskommen werden. Allenfalls ein sehr klarer völkerrechtlicher Fall könnte das Kalkül drehen: wenn Aussicht bestünde, dass sich das US-Militär nach einem kurzen Krieg von der weit überwiegenden Mehrheit der Libyer, der Menschen aus der Nachbarregion und dem Rest der Welt als heldenhafter Retter vor dem bösen Verbrecher feiern lassen könnte und der UN-Sicherheitsrat sie dazu auffordern würde, dann würden sie es vielleicht doch riskieren, US-Militär in die libysche Wüste zu schicken.

    Doch das passiert nicht, eben weil der völkerrechtliche Fall einer gerechtfertigten ausländischen Militärintervention in Libyen eindeutig nicht vorliegt. Insofern ist das Völkerrecht hier dann doch relevant. Den USA ist allerdings auch klar, dass die Aufständischen ohne militärische Hilfe aus dem Ausland praktisch keine Chance mehr haben.

    Was nun abläut, ist eine üble Charade. Die westlichen Politiker, die den Aufstand orgenisiert haben, tun nun immer noch so, als würden sie den Aufständischen helfen wollen und können, ermutigen sie zum Sterben, damit sie selbst vor ihren Wählern ob ihrer kurzsichtigen Politik nicht schlecht aussehen.

    Was sie damit letztlich tun, ist jedoch letztlich nichts als weiteres sinnloses Blutvergießen anzuheizen. Wenn die Menschen in Libyen und im Rest der Welt das durchschauen, wird das erst recht negative Reaktionen produzieren.

    Dazu kommt noch, dass, wenn Gaddafi wie absehbar den Krieg gewinnt, die westlichen Kriegstreiber sich auf Rache-Aktionen von Gaddafi einstellen dürfen. Das kann ganz trivial Auspacken von Kompromat sein, aber auch ein Schulterschluss von Gaddafi und all seinen afrikanischen Schützlingen mit China. Die Anstiftung des Bürgerkrieges in Libyen werden die USA, Großbritannien und Frankreich dann in ganz Afrika voraussichtlich sehr teuer bezahlen.

    Die westliche Elite verliert immer mehr Griff.

  4. @einparteibuch

    Danke für die Entgegnung, daran kann ich nur wachsen. Ich revanchiere mich nun meinerseits, wenn daraus nur mal kein klassischer Briefwechsel wird, dafür habe ich leider keine Zeit :-(

    Die Stellvertreterkriegsvariante war früher die ökonomischere Variante, nicht zuletzt auch um das Gesicht zu wahren, heute ist sie der einzig gangbare ökonomische Weg, weil wie von Dir angeschnitten die Überdehnung des militärisch-industriellen Komplexes vor der Haustür steht (Priorität iran).

    Die Schuldenwachstumsrate (die Rate!!!) ist nach wie vor positiv und zwar zünftig, damit hat sich der Handlungsspielraum extrem verengt. Wenn das Völkerrecht überhaupt noch aufs Tapet kommt, dann nicht länger als taktische Variante der WestPRopaganda, sondern einzig und allein als verzweifelter Fadenschein – Flasche leer. Jeder einzelne Diplomat auf Erden würde den Zug mit als finanzielle Kapitulation durchschauen. Vielleicht werden die US nächstens nicht mehr nur von chinesischen Studenten ausgelacht. Meine Schlussfolgerung ist, dass die US da keinesfalls rein wollen, erst recht nicht mit der Luftwaffe, weil wir inzwischen wissen, wie chirurgisch man damit vorgehen kann. Jeder Kollateralschadentote züchtet mindestens 5 verwandte Terroristen im Geiste, von denen wiederum jeder seinen Nachwuchs umerzieht. Wenn die da tatsächlich reingehen, dann mit der vollen Eskalationsabsicht, weil mit „bin ich schon drin“ ist es nicht getan. Evt. mit Einigelung auf einen libyschen Küstenstützpunkt um die Kosten zu drücken und nicht allzu alt dazustehen, aber sicher mit dem Hintergedanken, den Funken zu zünden. Der Ruf ist eh längst ruiniert, von da ist nix mehr zu machen. Der Dalai Bama, his Master himself, kann auch nur noch als Leisetreter-Bush verkauft werden.

    Was die westlichen Politiker anbelangt, ja das ist ein Trauerspiel sondergleichen und Folge der Hörigkeit von berufsmässigen Gewohnheitstätern, die wir ja ausdrücklich gewollt / gewählt / verdient haben, was wiederum zum nächsten Trauerspiel überführt, das Trauerspiel des Demos, der Masse. Da bleibt einem fast die Spucke weg, wieviele Möchtegernmilitärs sich inzwischen aufspielen und Fähnchen verschieben über jedes vertretbare abendländliche Kulturmass hinaus und wenn ich raten darf, bei den nächsten Wahlen wird alternativlos für die alten Nülpen votiert.

    Wenn der Rasende Mussen mit der NATO rasselt, Franco-Narkozy die Rettung Afrikas anmahnt oder die Kriegskanzlerin persönlich mitten in der bislang erfolgreichen Offensive Ghadhafis dessen Kapitulation einfordert, werden unsere Presstituierten natürlich eiligst ihre copy-paste-Artikel für uns verbreiten, oder aus dem Assbook algo-rhytmisch gefilterte Tunnelblicke zusammen stöpseln. Vielleicht lässt sich auf diese Art die EU erweichen, den Stellvertreterkrieg zu übernehmen, yes we can too, can’t we? Warum nicht ein 3. Mal, hat doch schon 2 Mal so schön geklappt. Ich denk aber eher dass es kurzfristig beim Versuch bleiben wird.

    – … westlichen Kriegstreiber sich auf Rache-Aktionen von Gaddafi einstellen …

    Mag sein, dass er seine Brandreden hält, um die Seinen einzuschwören, für seine Vita nicht ungewöhnlich, aber Krieg ist Krieg und Geschäft ist Geschäft. Schliesslich hat er mit Libyen noch viel vor, wofür er eine solide Finanzierungskonzepte benötigt. Selbstüberschätzung ist darum das letzte, was seine Berater ihm einflüstern. Allenfalls schränkt er die Lieferung an jene Staaten ein, die libysche Konten weiterhin gesperrt halten, allenfalls donnert er Schadenersatzforderungen ins UNO-Plenum um seinen Pöpel zu erfreuen, gibt sich aber mit der langen Bank zufrieden. Allenfalls trommelt er sogar zur Neuverhandlung der Vertragsklauseln, doch für gewöhnlich werden heutzutage Geschäfte nicht mehr aus Rache aufgegeben (wen die US heute sanktionieren, mit dem handlen sie hintenrum um so intensiver, die BRDDR 2.0 bringt sogar ein Wachstum der Handelsbilanz mit dem Iran zustande, dessen Gewinne anteilig an US-Aktionäre fliesst). Wenn Ghadhafi clever kombiniert, bezieht er seine Waffen in Zukunft aus China im Tausch gegen Öl, so ersparen sich beide den Zwischenhändler FED.

    – Die westliche Elite verliert immer mehr Griff.

    Das letzte Wort ist noch lange nicht gefallen. Gerüchten zufolge werden die Eliten der Eliten die US bei Bedarf fallen lassen, was hiesse, dass sie sich andernorts bereits gemütlich eingerichtet haben. Auch WK2 wurde auch zunächst so eingefädelt, dass es danach aussah, dass die US an Griff verlieren, doch es kam anders. Nur keine voreiligen Schlüsse, einer verlorene Schlacht sagt nicht viel über den Krieg, ausser natürlich den Krieg gegen die unkritischen Massen, die jedesmal zu den Verlierern zählen. Aber dazu braucht man kein Hellseher zu sein :-)

    Grüsse und ein schönes Wochenende
    kosh

  5. Bezüglich der Absichten der „Rebellen“ war gestern kurz zu sehen, wie ich mir das vorstelle:
    Demonstranten gingen in Bahrain entschlossen auf eine Polizeikette zu und schenkten den Polizisten Blumen. Gegen solche Bilder kenn man keine Propaganda machen. Menschen mit abgerissenen Gliedmassen als Helden darstellen, das bringt Wut-Quote!

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